Merkwürdige Zufälle

Da rufe ich also, wie jeden Morgen, magicthegathering.com auf, und was stelle ich fest: BEIDE heutige Kolumnisten haben völlig unabhängig voneinander ärgerlicherweise einen Computer-Crash gehabt und konnten deswegen nicht den versprochenen Artikelinhalt bieten! Na so was aber auch. Wie häufig passiert das eigentlich bei Leuten, die schon seit Jahren regelmäßig bezahlte Kolumnen verfassen? Ich wundere mich ein wenig. Gut, ich habe zum Beispiel auch kein Backup, falls meine Festplatte crasht, aber das hat sie ja auch in den sechs Jahren, die ich diesen Computer besitze, noch nie getan! Bei magicthegathering.com-Autoren hingegen scheint dies häufiger vorzukommen. Ich kann mich daran erinnern, solche Entschuldigungen schon ein paar Mal gelesen zu haben – aber eben noch nie zwei Mal am selben Tag!

Der Artikel von Quentin Martin ist trotzdem wieder interessant. Sympathisch finde ich, dass er immer wieder auch Draftwalkthroughs covered, in denen er mehrere klare Draftfehler begangen hat. Verdächtig hingegen finde ich, dass er mit seinen Decks trotzdem zumindest immer das Finale erreicht! Dieses Phänomen scheint aber bei Draftwalkthroughs allgemein vorzuherrschen; das war auch schon bei Noah Weil nicht anders, oder in Deutschland bei TrashT und Phlipp Summereder. Woran liegt das? Berichten sie nur von Drafts, die sich als erfolgreich erwiesen haben, ohne das ausdrücklich zu sagen? Lügen sie vielleicht einfach (denn wer prüft schon nach, wie sie mit den Decks wirklich gespielt haben)? Oder gewinnen sie tatsächlich dermaßen konstant auch mit höchst fragwürdigen Picks (Noah!) bzw. sehr riskanten Draftstrategien (Philipp!)?

Ich denke, es ist eine Mischung aus 1) und 3). Wir wissen doch von Constructed-Formaten, dass ein starkes Deck ein wichtiger, aber keineswegs der einzige Faktor ist, welcher das Abschneiden bestimmt. So auch im Draft: Ein guter Spieler kann auch aus weniger gelungenen Draftdecks mehr herausholen, und dann ist da noch der allgegenwärtige Zufallsfaktor, den man rückwirkend betrachten muss: Hätte ein Magic-Schreiber zuletzt eher eine Pechsträhne beim Draften gehabt, hätte er vermutlich etwas anderes als Draft-Walkthroughs verfasst.

Die wichtige Lektion hier: Nicht alles, was man an Drafttipps – auch von guten Spielern – liest, für das Evangelium halten, selbst wenn ihre Decks erfolgreich gewesen sind! Entscheidungen, die aus objektiven Erwägungen heraus falsch anmuten, werden nicht dadurch in ihrer Richtigkeit bestätigt, dass der Spieler damit einen Draft gewonnen hat.

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8 Comments on “Merkwürdige Zufälle”

  1. Boneshredder Says:

    Seh ich genauso. Da es sich bei Limited-Kolumnisten häufig um allround-Talente handelt (die also auch im Constructed solide Ergebnisse erzielen), kann man deren Erfolgsbilanzen i.d.R. ein relativ fehlerfreies Spielen unterstellen, während ihre Draftfähigkeiten nicht zwingend die absolute(!) Spitze des Machbaren darstellen.

  2. atog28 Says:

    Das mit dem Computercrash fand ich auch superlächerlichst. Zumal Quentin Martin es ja besser hätte verdecken können, als er es tat. Erfreulich, dass man mal auf die verdeckten Picks verzichtet hat, die finde ich sehr benutzerunfreundlich. Hatte mich da auch schon beschwert, lese aber Martins Walkthroughs nicht mehr – und glaube auch nicht, dass ich dabei was verpasse. Diesmal fand ich seine Picks recht bunt, aber ich bin da wohl auch zu engstirnig.

    Eigentlich wollte ich diesen Kommentar mit einem Absatz lesbarer machen, aber vergaß es. Deinen Blog hab ich über Planets Betreff-Werbung gefunden – es wirkt also, und der Betreff hat eine Funktion. Yeah…


  3. Ich lese Draftwalkthroughs von regelmäßigen Spielern – auch wenn sie nicht die allergrößten Drafthelden sein sollten – immer gerne, wenn sie ausführliche Begründungen besitzen, aus folgendem Grund: Ich erfahre etwas darüber, wie andere Leute Karten bewerten und Pickentscheidungen treffen! Um Signale senden und verstehen zu können, kann man sich halt nicht nur auf die eigenen Kartenbewertungen stützen, selbst wenn die noch so perfekt sein sollten – man muss wissen, was die anderen Drafter denken!

    Gratulation übrigens zur Schnitzeljagd! Schließlich musstest Du dazu überhaupt erst einmal meinen Artikel finden, den PlanetMTG zur Zeit noch gut versteckt hält – vermutlich, um die Vorfreude zu erhöhen…

    Ach ja, das mit dem Absatz verstehe ich nicht – da ist doch einer? Und editieren kann die Beiträge doch nur der Seitenbetreiber, dachte ich immer?

  4. HeikoS Says:

    In der Physik, bzw. Astronomie, nennen sich diese “merkwürdigen Zufälle” übrigens “anthropisches Prinzip”. Eigentlich ganz simpel: http://en.wikipedia.org/wiki/Anthropic_principle
    ;-)

  5. Masked_Legend Says:

    Fehlerfrei?
    Hat er im Finalspiel nicht erwähnt, dass sein Gegner eine Lightning Axe + Brain Gorgers gespielt hat? Wenn man mal in gedanken diesen “move” durchgeht, ist der alles andere als ein großer “swing”. Vielmehr bringt das gar nichts. Hat er hier einen Fehler gemacht, indem er die Zombies resolven ließ?

    Ansonsten lese ich ja Draftwalkthroughs auch wirklich gerne, vor allem da limited auch mein beliebtestes Format ist, aber an die Quentin Artikel kann ich mich irgendwie nicht so sehr gewöhnen. Vor allem scheinen diese “Pros” immer einen Archtype im Hinterkopf zu haben. Ich meine, klar ist sowohl Cloudskate als auch Ephemeron ein super first pick, aber wenn beide im gleichen booster sind und dazu noch ein Soot, könnte man doch zumindest mal versuchen den Draft mit Schwarz zu beginnen. Oder liege ich da etwa so falsch, und man nimmt einfach *immer* die stärkste Karte vor allem, wenn sie dazu noch Blau ist, die ja bei den Pros scheinbar beliebt ist wie eh und eh. Ja, ich gestehe ja auch, das UW in TPF wirklich zu den stärksten (wenn nicht sogar die stärkste) Kombination gehört. Aber sofort darauf abzuzielen, sobald man die gute blaue Karte öffnet?


  6. Ja, Lightning Axe plus Brain Gorgers ist eher eine Bombo. Ich kann mir aber kaum vorstellen, dass Martin diesen Fehler gemacht hat, denn Magic Online fragt ihn ja ausdrücklich, ob er eine Kreatur opfern möchte, und da müsste er schon reichlich bescheuert sein, nicht die mit der Axe getartgete Kreatur zu opfern.

    Ich vermute vielmehr, dass Martin dem selben Irrtum verfallen ist, der mir auch immer wieder passiert, nämlich Brain Gorgers und Grave Scrabbler zu verwechseln! Dann ergibt das Play nämlich nicht nur Sinn, sondern ist auch gleich viel stärker.

    Ach ja, und ich bin durchaus ein Anhänger der Meinung, dass man fpfp (First Pack, first pick) IMMER die klar stärkste Karte nehmen sollte, wenn denn eine solche im Booster vorhanden ist. Und so gut der Soot ist, das Ephemeron ist einfach stärker.

    Davon abgesehen gibt es natürlich so etwas wie ein Limited Environment, das unter anderem bestimmt, welche Farben und Farkkombinationen tendenziell stärker sind, wenn sie gleichmäßig gedraftet würden, und ein Limited Metagame, welches beschreibt, welche Farben und Farbkombinationen besonders beliebt sind. Von seiner Einschätzung dieser beiden Faktoren kann man sich bei engen Picks schon einmal leiten lassen.

    Nur, wie gesagt, ich sehe Ephemeron vs. Soot ohne weiteren Kontext nicht als eng an.

  7. Masked_Legend Says:

    Sicherlich ist Ephemeron vs Soot nicht eng. Da Blau wie gesagt, die allgemein stärkere Farbe in TPF ist und zusätzlich das Ephemeron die bessere Karte. Aber im Kontext, dass auch der Cloudskate im selben Booster ist, ist der Soot eben wieder eine Überlegung Wert.
    Nämlich, weil man seinen Nachbarn wohl sicher in Blau lotsen kann und mit einer der unterdraftetsten Farben startert. Welches, sollte unser Nachbar sich nicht gerade ausgerechnet für UB entscheiden, was ja auch ein guter Archetyp ist, uns auch im Zweiten Booster zumindest gutes Schwarz bescheren könnte.
    Im Endeffekt wurde er dann auch ironischerweise von einem BR Madness Deck im Finale besiegt, welches er hätte selber draften können, mit einem fp Soot.
    Ich glaube, bei diesem Booster gibt es mehr als eine richtige Entscheidung.


  8. Das sehe ich anders. Der Verlust, einfach eine schwächere Karte im Pool zu haben, muss erst einmal aufgewogen werden. Der Versuch, die Farben seiner Nachbarn zu planen, ist da viel zu unsicher. Weißt Du, was die Spieler hinter Dir für Karten geöffnet haben? Welche Strategien sie möglicherweise forcen? Weißt Du, was der Drafter VOR Dir geöffnet hat? Welche Farben er Dir abschneidet und welche er Dir anbietet?

    Außerdem bekommst Du von den Draftern hinter Dir nur einen Booster, und möglicherweise springen sie dann gerade deshalb in Deine Farbe als Zweitfarbe, WEIL Du sie abgeschnitten hast.

    Das sind viel zu viele Unsicherheiten! Die Chance, in besser geeigneten Farben zu landen, erhöht sich nur ganz, ganz leicht. Die Chance, eine bessere Karte gedraftet zu haben, ist klar abschätzbar.

    Sowohl die Zusammenstellung der Booster als auch das Draftverhalten Deiner Tischnachbarn sind chaotische Faktoren (kein wissenschaftlicher Fachbegriff hier). Meiner Ansicht nach befassen sich viele Drafter viel zu viel damit, Spekulationen darüber anzustellen, was die anderen Drafter nehmen SOLLTEN, wenn sich bestimmte Karten in den Packs FÄNDEN, anstatt sich auf die harten Fakten, nämlch die Karten, die sie in ihren eigenen Boostern vorfinden, zu konzentrieren.


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