Desinformation

(Dies hier ist der zweite Teil von Magic ist WICHTIG.)

Wisst Ihr, ich verstehe ein wenig – aber wirklich nicht mehr als EIN WENIG – von Schach. Wenn ich irgendwo auf einen Artikel stieße, in dem ein Autor seine Ansicht darlegt, dass geschlossene Eröffnungen prinzipiell offenen überlegen seien, dann sagte ich mir so etwas wie “Aha” – na gut, es wäre wohl eher ein “Nanu?”. Wenn ich hingegen auf einen Artikel stieße, in dem der Autor darlegt, dass der Läufer eine viel wichtigere Figur sei als der Turm und deswegen Letzterer nach Möglichkeit immer gegen Ersteren getauscht werden solle, dann würde ich möglicherweise einen Kommentar zu diesem Artikel schreiben mit der Frage, was dieser Blödsinn solle, und mit der Aufforderung an den Autor, doch bitteschön über nichts zu schreiben, wovon er absolut keine Ahnung hat!

Schachspieler, die erheblich mehr Ahnung als ich von diesem Spiel besitzen (was wirklich nicht schwierig ist) würden einen entsprechenden Kommentar vermutlich auch unter jenen ersten Artikel setzen, der bei mir nur ein “Nanu?” ausgelöst hat.

Lest Ihr ab und zu eine Tageszeitung wie die TAZ oder Illustrierte wie den “Stern”? Wenn ja, dann ist Euch vielleicht folgendes Phänomen bekannt: Ihr findet immer wieder Beiträge darin, die Euch verblüffen. Sie sind ansprechend geschrieben, erscheinen Euch kompetent recherchiert und gelangen teilweise zu überraschenden Einsichten. Sie prägen Eure Meinung zu den besprochenen Themen entscheidend mit.

Dann, eines Tages, lest Ihr in derselben Publikation einen Artikel zu einem Thema, mit dem Ihr Euch zufällig gut auskennt. Und Ihr kriegt das Kotzen! Es kann sein, dass der Autor sich auf ein Gebiet begibt, auf dem Ihr wissenschaftlich arbeitet, oder mit dem Ihr in Eurer beruflichen Praxis zu tun habt. Möglicherweise schreibt er über eines Eurer Hobbies oder über die gesellschaftliche Subkultur, in der Ihr Euch bewegt. Vielleicht gibt er sogar ein Interview mit Euch wieder und Eure erste Reaktion ist es, den Schreiber wegen falsch wiedergegebener oder schlicht erfundener Äußerungen Eurerseits verklagen zu wollen!

In diesem Moment macht Ihr auf die brachialstmögliche Art Bekanntschaft mit einer grundlegenden und wichtigen Wahrheit über unsere Welt:

DIE ALLERMEISTEN PUBLIKATIONEN, SELBST IN SERIÖS WIRKENDEN ORGANEN, SIND MISERABEL RECHERCHIERT, KÜMMERN SICH NICHT UM DIE RICHTIGKEIT DER DARGESTELLTEN FAKTEN, REISSEN SIE AUS DEM ZUGEHÖRIGEN KONTEXT ODER STELLEN SIE IN EINEN VÖLLIG IRRELEVANTEN UND GELANGEN ZU GENAU JENEN SCHLÜSSEN, VON DENEN DER AUTOR VERMUTET, DASS DAS PUBLIKUM SIE LESEN WILL, UNABHÄNGIG DAVON, OB DIESE DER WAHRHEIT ENTSPRECHEN.

Rahmt Euch diesen Satz ein und hängt ihn Euch an die Wand und vergesst nicht, ihn immer wieder zu lesen, wenn Ihr fernseht, im Internet surft oder in einer Zeitschrift blättert!

Wisst Ihr, als ich in den achtziger Jahren aktiv in einem Rollenspielverein tätig war, war ich immer wieder verwundert und entsetzt, wie unfundiert und schlicht sachlich falsch dieses Hobby doch immer wieder in der Presse dargestellt wurde (ich glaube, die Bild-Schlagzeile lautete: “Das Schwarze Auge – Neuer Satanskult treibt unsere Kinder in den Selbstmord!” – Bild war aber nur das Extrembeispiel, auch “seriöse” Publikationen hauten in diese Kerbe)!

Heute weiß ich, dass diese Art der Berichterstattung der NORMALFALL ist. Ich wurde nur beim Thema Rollenspiele mit der Holzhammermethode darauf hingewiesen, weil ich mich damit eben wirklich auskannte.

Und jetzt kommt der Punkt, an dem dieser Beitrag hier endlich zum Thema Magic kommt: Ich kenne mich mit Magic sehr gut aus, und mit Magictheorie, also zum Beispiel mit allgemeinen Strategien und Deckbau, sehr, sehr, SEHR gut. Es ist möglicherweise das, was ich am besten kann, und ich bin möglicherweise in Deutschland DIE Autorität auf diesem Gebiet.

Wenn für den einen Schachspieler offensichtlich ist, dass es Blödsinn ist, Läufer höher als Türme zu schätzen, und für den anderen, dass offene Varianten generell unterlegen seien, dann kommt das auf das Gleiche hinaus: Jemand hat völligen Mist geschrieben und sein Publikum desinformiert, und jemand anders, der es besser weiß, weist unmissverständlich darauf hin!

So verhält es sich auch bei Magic: In seinen letzten beiden Artikeln Standard für den schmalen Geldbeutel #2 und Standard für den kleinen Geldbeutel – White Weenie behauptet Berthold, dass Läufer stärker sind als Türme. Als jemand, der es einfach besser weiß und dem Magic wichtig ist, musste ich da in aller Deutlichkeit darauf hinweisen, dass diese Artikel massive Desinformation darstellen und daher katastrophal schlecht sind! Warum ich mich aber ganz besonders über ihre Veröffentlichung geärgert habe, erfahrt Ihr dann im dritten Teil.

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4 Comments on “Desinformation”

  1. AlfredTetzlaff Says:

    Hmm und wo finde ich den Artikel über das kritisierte Thema der es anhand Praktisch erprobter Listen aufzeigt wies richtig gemacht wird also was WW- decks angeht.

    Meiner erfahrung nach konnten WW immer nur dann sehrerfolgreich sein wenn es ein verschobenes metagame gab am besten ein Decktyp fast gar nicht auftauchte wie zb zu affinity-darksteelprefifthdawn zeiten ein U/W control quasi nonexistent war.


  2. Genau das war doch einer meiner Kritikpunkte: Dass der Autor nicht darauf einging, dass die von ihm zitierten, erfolgreichen historischen Decklisten Metagamedecks in extrem verschobenen Metagames waren, und dass er ebenso nicht darauf einging, welchen Platz White Weenie im aktuellen Metagame einnehmen müsste, um erfolgreich zu sein!

    Abgesehen davon ist das grundlegende Erfolgsrezept von WW das selbe wie bei allen Beatdowndecks: Eine möglichst gute Manakurve mit möglichst effizienten Kreaturen (hier versagen ja Bertholds Decks bereits mit fliegenden Fahnen!) Alles Weitere ist dann eben das Finetuning für das bestehende Metagame.

    Widersprechen muss ich Dir aber zum Affinity-Metagame: Klar gab es erst einmal Affinity und dann lange Zeit gar nichts, aber unter den restlichen Decktypen war U/W-Kontrolle durchaus noch vertreten (und zwar mit einer äußerst deutlichen Anti-Affinity-Ausrichtung). Die übrigen einigermaßen häufigen Decktypen waren meiner Erinnerung nach GoblinBidding (nur bis zum Banning der Skullclamp), Tooth and Nail (mit viel Affinity-Hate) und Big Red (erst nach dem Skullclamp-Banning).

    White Weenie stand hingegen praktisch nicht auf der Tagesordnung und kam erst mit dem Kamigawa-Block als Randerscheinung (besonders wegen Samurai of the Plae Curtain) wieder hervor.

  3. garak666 Says:

    Fehlt hier etwas?:
    “DIE ALLERMEISTEN PUBLIKATIONEN, SELBST IN SERIÖS WIRKENDEN ORGANEN, SIND MISERABEL RECHERCHIERT, KÜMMERN SICH NICHT UM DIE RICHTIGKEIT DER DARGESTELLTEN FAKTEN, REISSEN SIE AUS DEM ZUGEHÖRIGEN KONTEXT ODER STELLEN SIE IN EINEN VÖLLIG IRRELEVANTEN ……. UND GELANGEN ZU GENAU JENEN SCHLÜSSEN, VON DENEN DER AUTOR VERMUTET, DASS DAS PUBLIKUM SIE LESEN WILL, UNABHÄNGIG DAVON, OB DIESE DER WAHRHEIT ENTSPRECHEN.”

  4. garak666 Says:

    Oh mann ist das früh, sorry natürlich fehlt da nichts, sondern wurde bereits im vorherigen Halbsatz geschrieben…
    Ich hau mich wieder hin…


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