Dumme Leser, schlechte Regeln

Oje, ich verbringe schon wieder viel zu viel Zeit in diesem Blog hier… immerhin habe ich gestern Nacht meinen neuen MTG-Artikel fertiggestellt – mal gucken, wann der erscheint!

Da ich aber nun einmal gewohnheitsmäßig jeden Morgen verschiedene Magicseiten durchklicke, mache ich mir eben auch immer wieder Gedanken.

So zum Beispiel über den neuesten Magic Universe Artikel. Okay, auch er war keineswegs gut (nicht lustig genug und zu kurz), aber kann es wirklich sein, dass die Leserschaft seine Ironie nicht begreift? Oh ja, es kann! Vielleicht erinnert Ihr Euch ja noch an Horst Niemüllers Turnierbericht – der war zehn Mal so dick aufgetragen und wurde teilweise immer noch ernst genommen. Da hat subtile Ironie wie “Auch beim Friday Night Magic trifft man mich zumeist in der oberen Hälfte an. Ich vermute daher mal sehr stark, dass ich schon öfter Top 8 gemacht habe als der Klaus Jöns, oder jemand anderes von den „Pros“” erst Recht keine Chance (siehe den Kommentar von Simon Ritter). Armer Johannes, diese Lektion wird er bitter lernen müssen: Ein großer Teil der Leserschaft ist einfach zu blöd für Ironie (und wenn man ihnen das sagt, ist man natürlich arrogant)! Die Bewertung des Artikels ist jedenfalls mit zur Zeit unter 4 weit übertrieben schlecht – hier badet Johannes einfach die angestaute Unzufriedenheit der Leser mit Magic Universe allgemein aus.

Völlig überraschend bin ich aber auch auf etwas Erfreuliches gestoßen, und zwar an einer Stelle, an der man es als normalsterblicher Magic-Spieler nicht sieht, nämlich bei den Judge-Artikeln auf magicthegathering.com: Ausgerechnet unser bald von Models von seinem Freaktum befreiter Eckhard Maass hat dort eine sehr aufschlussreiche Analyse darüber veröffentlicht, was aus den Beispielen für Procedural Errors im alten Penalty Guide geworden ist! So etwas hätte ich mir bei der Veröffentlichung des neuen PGs damals gewünscht, denn wie tiefgreifend dessen Umwälzungen waren, und wie viele lange Jahre selbstverständliche Herangehensweisen da kommentarlos über den Haufen geworfen wurden, das wurde einfach niemals wirklich klar gestellt. Man erkennt hier übrigens auch gut die Schwächen des neuen PGs, welcher die Verantwortung nicht nur für korrektes Spiel, sondern auch für korrektes Verhalten in vielen Fällen dem Gegner aufbürdet (nehmt als Beispiele das Halten der Handkarten über der Tischoberfläche, oder das erneute Mischen eines Decks). Man kann es leider nicht anders sagen: Der neue PG ist eine überschwängliche Einladung an skrupellose Spieler, ihre Gegner zu bescheißen, insbesondere bei Turnieren mit geringer Judge-Präsenz wie FNMs, bei denen kaum ein Spieler sich jemals traut oder die Mühe macht, wegen “Kleinigkeiten” den Judge zu rufen, und der soziale Druck auf diejenigen, die es doch tun, wird immer größer.

Wie? Ach so – das Erfreuliche war der Artikel selbst, nicht die Entwicklung, die er beschreibt!

Noch etwas: Ich fand es ja schon immer kleinkariert, dass PlanetMTG aus Konkurrenzgründen keine Magic Universe Artikel verlinkt. Offensichtlich aber verlinken sie jetzt selbst meinen vorigen Blogeintrag nicht, weil er diese Seite zum Thema hat. Ja, die Zeiten des unabhängigen Planeten sind lange vorbei…

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16 Comments on “Dumme Leser, schlechte Regeln”

  1. Ich Says:

    Bei dem Niveau der in letzter Zeit dort zu findenden Publikationen wundert keinen etwas mehr….
    Das ist einfach ein sehr unpassender Zeitpunkt für Ironie – auf einer Konkurrenzseite hätte man so etwas erwarten können, aber so…
    Wenn die Red. einsieht, dass sie Mist baut, dann sollen doch bitte gute Artikel gefunden werden. Sich einfach über die eigene missliche Lage zu beömmeln, hilft hier keinem.

  2. Boneshredder Says:

    Was PMtG angeht, wird Dir auffallen, daß dort noch Dein “War da was?”-Eintrag von vor zwei Tagen verlinkt ist und seither schlichtweg keine Aktualisierung stattgefunden hat. Ich denke, die Gelegenheit, eine Bash-Orgie auf die Konkurrenz zu verlinken, wird man sich dort auf gar keinen Fall nehmen lassen. ;>

  3. Sebastian Says:

    Seine (Ex-)Leserschaft als “zu blöd für Ironie” zu titulieren, das grenzt ja schon fast an Selbstdisqualifikation.

    PlanetMTG hat deinen vorigen Blogeintrag bewusst nicht verlinkt – genauer gesagt, ich (der ich Hannos Urlaubsvertretung in Sachen Daily Links bin) habe ihn bewusst nicht verlinkt, weil ich es für unklug halte, als Seite mit gewissem Anspruch auf einen polemischen Hetzbeitrag zu verweisen. Wer auf eine Schlammschlacht zeigt, wird selbst ein Teil von ihr.

    Dass MagicUniverse prinzipiell nicht verlinkt wird, finde ich allerdings genauso albern wie du, werde mich aber den “Spielregeln” soweit anpassen, denn ich bin nur ein kleines Vertretungswürstchen.

  4. atog28 Says:

    @Seb: Evilberndphine Magicsurfer nutzen statt der Daily Links das http://www.mtgpop.de

  5. Jones Says:

    “Ein Großteil der Leserschaft ist einfach zu blöd für Ironie” – solche Aussagen sind zwar einerseits ein Grund, warum ich bisweilen Deine Artikel / Blogeinträge lese, aber andererseits ist es dieses Mal irgendwie fad. Vielleicht weil es relativ schlecht verkleidetes dummes Rumgeprolle ist. Oder einfach eine unhaltbare Aussage, die gezielt provozieren will. Der Vergleich mit der Bildschlagzeile in den Kommentaren des vorigen Eintrags hat es leider schon ganz gut getroffen: Ich finde es gut und wichtig, daß Du Deine polemische Linie fährst und mit unerschütterlich scheinendem Selbstbewußtsein Deine Meinung kundtust, aber Du wirst Deinem hochfliegendem intellektuellen Anspruch dabei nicht immer gerecht. Und wenn Dich jemand darauf hinweist, blockst Du ab (siehe Deine Antwort auf ebenden Bild-Kommentar).
    Ich mag es, wenn Du konstruktiv kritisierst – da hast Du auch viel dazugelernt.
    Aber Dich konstruktiv kritisieren lassen fällt Dir immer noch sehr schwer.
    Respice post te, hominem te esse memento.


  6. “Ein Großteil der Leserschaft ist einfach zu blöd für Ironie” – wenn man “Großteil” durch “großer Teil”, wie ich es geschrieben habe, ersetzt, dann ist das keine gezielte Provokation, sondern eine schlichte Tatsache, die aus politischer Korrektheit gerne unter den Tisch geschwiegen wird (hurra – gemischte Metaphern!)

    Ich lese BILD nicht und werde das Sebastians wegen auch nicht ändern. Das Hauptproblem dieser Zeitung ist aber nicht die Polemik, sondern sind die nicht begründeten oder schlicht sachlich falschen Behauptungen, welche sie immer wieder aufstellt, und diesen Vorwurf lasse ich mir nicht machen.

  7. atog28 Says:

    Ein Kritiker, der Kritik nicht verträgt? Da denke ich direkt an Stoppok…

  8. Jones Says:

    “Ich lese BILD nicht und werde das Sebastians wegen auch nicht ändern. Das Hauptproblem dieser Zeitung ist aber nicht die Polemik, sondern sind die nicht begründeten oder schlicht sachlich falschen Behauptungen, welche sie immer wieder aufstellt, und diesen Vorwurf lasse ich mir nicht machen.”

    Na dann leg mal los: Wenn Du ein paar Kommentare unter einem Artikel als die Begründung für die Aussage “Ein großer Teil (mea culpa) der Leserschaft ist einfach zu blöd für Ironie” nimmst, scheinst Du das Hauptproblem der Zeitung, die Du nicht liest, aus nächster Nähe zu kennen.

    “Schlichte Tatsache”? “Wird” unter den Tisch geschwiegen?

    Ich fände es Deinem Anspruch angemessen, wenn Du auf Kritik eingingest, anstatt Dich mit schnell herbeigezerrten Allgemeinplätzen zu Wehr zu setzen.
    Das kannst Du besser.


  9. Jones, es gibt mehr als einen ironischen Artikel auf der Welt, auch in der Magic-Szene. Viele davon habe ich selbst geschrieben. Es gibt Satirezeitschriften und Satire-Seiten im Netz. Und es gibt einfach Unterhaltungen zwischen Menschen.

    Immer und immer wieder stellt sich da heraus, dass veiel Menschen Ironie einfach nicht begreifen. Und das willst Du wirklich leugnen?

    Publikumsbeschimpfung ist, ebenso wie in der Politik Wählerbeschimpfung, verpönt. Kein Politiker kann, nachdem er sich zu einem komplizierten Thema geäußert hat in die Kamera sagen: “Aber die meisten von ihnen verstehen sowieso nicht, wovon ich rede.”

    Keine Zeitung, die nicht sehr stark gesellschaftskritisch und satirisch eingestellt ist, kann schreiben. “Wir haben uns entschlossen, das Niveau unserer Beiträge zu senken, um es dem unserer Leser anzupassen, weil wir sonst unsere Auflage radikal verkleinern müssen.”

    Nein, das wird entweder supergeschickt euphemisiert oder totgeschwiegen.

    Ich glaube ja, ehrlich gesagt, nicht einmal, dass Du das nicht selbst genau weißt, ich glaube, Du willst mich nur provozieren und aus der Reserve locken. Wenn aber doch, dann öffne Deine Augen! Die Menschheit ist dumm. Gerade im Internet beweist sie es täglich millionenfach.

    Johannes’ Artikel war eindeutig ironisch, und das haben viele Leser nicht begriffen. Ein ganz normales Phänomen, das man zwar aus politischer Korrektheit leugnen, aber damit nicht unwahr machen kann.

  10. Jones Says:

    Ja, ich bin auch der Meinung, daß sehr viele Menschen auf der Welt dümmer sind als ich. Ich kritisierte nicht Deine Meinung an sich, sondern Deine Art, sie als belegte Tatsache breitschultrig in die Welt zu tragen.
    Quintessentiell möchte ich Dir nur sagen, daß Du – manchmal, ich will gar nicht zu sehr verallgemeinern – mit anderer Argumentation und Attitüde Deine angestrebten Ziele viel besser erreichen könntest.
    Ich fand Johannes’ Artikel übrigens nicht besonders lustig. Die Ironie lag auf der Hand, war aber auch nicht viel besser umgesetzt als die Kritik in den Kommentaren. Um mal was zum eigentlichen Thema zu schreiben.

  11. Michael Says:

    Immerhin haben ja bis zu Kommentar 14 etwa die Hälfte der Leser des Artikels nicht verstanden, dass dieser nicht ernst gemeint war. Einige weitere waren sich zumindest nicht sicher.
    Insofern ist es denke ich schon berechtigt zu sagen, dass diese zu blöd seien Ironie zu verstehen.
    Wer desweiteren schonmal versucht hat in Foren Sarkasmus ohne Smileys deutlich zu machen(vollkommen zwecklos) oder sich gegebenenfalls an AP’s Artikel zu seiner Protourqualifikation während der letzten “Jahrhundertflut” erinnert, wird AP in dem Punkt ebenfalls nur beipflichten können.
    Ich weiß allerdings nicht ob es hilfreich wäre, schlechte Artikel nicht mehr als solche mit deutlichen Worten zu kritisieren oder aus Gründen der politischen Korrektheit offensichtliche “Wahrheiten” zu verschweigen, nur damit sich manche Leute nicht auf den Schlips getreten fühlen.
    Diese “in der Sache richtig, aber sagen darf man das doch nicht” Haltung hilft langfristig niemandem sondern schadet jedem, weil es von Einzelpersohn bis zur ganzen Gesellschaft die Möglichkeit nimmt, Probleme zu beseitigen.
    Und eine Aussage wie “Die kognitiven Fähigkeiten im Bereich der Erkennung ironischer Textpassagen sind bei manchen(allerdings aus Gründen der Höflichkeit natürlich nicht genannten) Lesern suboptimiert” nimmt doch niemand zum Anlass seine eigenen Fähigkeiten zu hinterrfragen.
    Als Berthold “damals” diese Budget Reihe geschrieben hat, gab es ja auch genügend Leute, die gesagt haben, dass es doch okay sei und die ganzen negativen Reaktionen
    vollkommen überzogen seien und es außerdem total gemein sei, es Berthold und der Redaktion ins Gesicht zu sagen, dass sie Stümper seien.
    Haben die meheren gemäßigten Kommentare denn etwas genützt, verbesserte sich deren Arbeit auch nur um ein Quantum?
    Natürlich nicht, denn solange man immer “ist doch okay” sagt oder sich weigert, eventuell nicht 100% aber dafür plakative Aussagen zu treffen, ändert sich nichts.
    Grüße
    Michael

  12. TümR Says:

    Ich hab den Artikel jetzt ein zweites Mal gelesen – es gibt zwei humoristische Hinweise auf den satirischen Character des Textes: Einmal der Satz mit Klaus Joens, zum anderen die günstigen Karten auf MU. Ganz vllt. noch “Spendiert mir ein Display!”.
    Alles andere ist einfach bei weitem nicht witzig genug, um als Humor durchzugehen. Auch nicht die vielen Querverweise auf vermeintlich schlechte Karten wie zB Glory Seeker.
    Sorry, wenn es eine Satire sein will, dann ist es grottenunlustig. Da ich als Humorbombe wiederum nicht einsehen will, daß jemand derart humorlos Satiren verfasst, glaube ich hiermit offiziell nicht, daß der Artikel ironisch gemeint war.


  13. So wie es aussieht, hat das kleine Vertretungswürstchen jetzt entschieden, mein Blog generell nicht mehr zu verlinken, weil Dinge drinstehen könnten, die ihm nicht passen.

    Mal sehen, ob das zur offiziellen MTG-Politik wird.

  14. Sebastian Says:

    Wahrscheinlich nicht – sobald Hanno zurück kommt, ist wieder alles so wie vorher. Bis dahin verlinke ich gerne Beiträge von dir, solange sie denn journalistisch tragbar sind.

    Zur Problematik der politischen Korrektheit: Diejenigen, die gerne jedem die ganze Wahrheit unverblümt ins Gesicht sagen oder schreiben würden, sollten ihre Qualifikation als Autor noch einmal überdenken. Das Schreiben und vor allen Dingen das Verstehen von Texten spielt sich nicht in den beiden Kategorien “Wahrheit” und “Lüge” ab. Wenn ein offensichtlicher Missstand kommentiert werden will, dann möchte man doch als Autor auch verstanden werden, oder? Man will seine Kritik doch umgesetzt sehen, nicht wahr? Insofern ist es _absolut_ kontraproduktiv, das ganze per verbalem Holzhammer zu lösen, denn dann schaltet der Kritisierte sofort ab und sieht nur noch das Beleidigende im Text. So funktioniert Wahrnehmung, so funktionieren Menschen, denn sie haben Emotionen. Schlimmstenfalls gibt der kritisierte Autor seine Tätigkeit ganz auf – und wer dieses Ziel verfolgt, darf sich gerne als Widerling begreifen, insbesondere in einer Umgebung einer Community, die sich mit einem SPIEL beschäftigt.

    Also: Will man jemanden erreichen, will bei ihm etwas auslösen, löse man positive Emotionen bei ihm aus. Es ist allein die Sache des Kritikers, seine Kritik so zu formulieren, dass sie gehört und verstanden wird. Und das geht eben nicht über die “böse” Schiene. Schonmal was von sokratischer Gesprächsführung gehört?

    Grundlegend halte ich es für töricht, zu fordern, dass immer und überall die ungeschminkte Wahrheit gesagt wird. Ich habe jetzt keine Zahlen parat, aber jeder Mensch lügt ungefähr sechshundertachtundsiebzig Milliarden mal pro Tag – eine Welt ohne Lügen ist undenkbar… eben WEIL da noch die emotionale Seite des Menschen ist, die von den Hardlinern hier gerne vergessen wird.

    Bis dahin ist meine Name aber immer noch Sebastian, lieber Andreas, okay?

  15. Jones Says:

    Da magst Du zwar recht haben, Sebastian, aber der gute Pischner hat Dich nur zitiert. Da kein Smily dahinter war, kann ich aber nicht sagen, ob das Sarkasmus war.

    :-)


  16. sagt der PMTG Autor: “Diejenigen, die gerne jedem die ganze Wahrheit unverblümt ins Gesicht sagen oder schreiben würden, sollten ihre Qualifikation als Autor noch einmal überdenken.”

    “Das Schreiben und vor allen Dingen das Verstehen von Texten spielt sich nicht in den beiden Kategorien “Wahrheit” und “Lüge” ab.” Doch. Ganz genau da.

    Ich weiss natürlich auch, das WotCmiraclegamesjk-entertainmentpmtg.de immer schön sich seine Wahrheiten basteln muss.

    Diese daily-links sind eh das letzte. deshalb mtg-pop.

    Ich kann nochmal sagen das germagic.de genau deshalb meine Lieblingsseite ist.

    “Also: Will man jemanden erreichen, will bei ihm etwas auslösen, löse man positive Emotionen bei ihm aus. Es ist allein die Sache des Kritikers, seine Kritik so zu formulieren, dass sie gehört und verstanden wird.” und auch das ist mal wieder typisch PMTG.

    Das nennt sich Populismus und nicht Journalismus.

    Denk mal drüber nach, seb.


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