Mein Name ist Rie, Theo Rie

Ich habe damit begonnen, Playtest-Decks für die Deutschen zusammenzubasteln. Erst einmal den “Gauntlet”, also Netdecks, die als Sparringspartner für die eigenen Versionen oder gar Eigenentwicklungen dienen sollen. Zunächst werde ich schlicht diese Decks eine Zeit lang spielen, um überhaupt erst einmal wieder in Übung zu kommen.

Etwas, was mir dabei auffiel, ist die Vielseitigkeit des Formats: Ich habe von allen Choice-Lands aus dem Ravnica-Block bis auf Stomping Grounds und Blood Crypt Kopien benötigt, und diese fehlen natürlich auch nur, weil für das Bauen von Gruul und Satanic Sligh mein Playtestpartner zuständig ist. Darüber hinaus habe ich nur von zwei Ländern mehr als 4 Kopien (also Proxies) benötigt, obwohl ich 5 Decks gebaut habe. In früheren Metagames wäre das ganz anders gewesen!

Ich habe außerdem schon einmal mit ersten Recherchen für den Artikel über die Entwicklung der Archetypen im Lauf der Zeit begonnen. Dabei habe ich einerseits festgestellt, wie viel ausgeglichener das Format heute doch gegenüber früher ist: Schaut Euch zum Beispiel die Top 8 Decks von den Worlds 2002 an – sechs Psychatog-Varianten, zwei Mal Squirrel Opposition, wow! Vergleichsweise macht R&D heute (lies: nach Skullclamp) doch einen viel besseren Job als vorher. Natürlich ist es für manche ehrgeizigen Spieler angenehmer, ein sehr klar definiertes Format anzugehen, wie eben 70% Tog, 20% Opposition oder auch 50% Affinity, 20% Tooth and Nail, 20% Big Red, anstatt sich auf ein unübersichtliches Kaleidoskop von Decks einstellen zu müssen. Ich denke allerdings, dass hier auch Gewohnheit eine Rolle spielt: Wenn man jahrelang seine Decks gezielt gegen bestimmte Decktypen getuned hat, dann hat man vielleicht die Fähigkeit verlernt, Pläne gegen allgemeine Strategien wie Aggro, Midrange-Beatdwon, Aggrokontrolle, Kontrollaggro und Kontrolle zu entwickeln, sich mit reaktiver und proaktiver Disruption auseinanderzusetzen und die Schwächen homogener oder heterogener Decks anzugreifen. In einem vielfältigen Metagame ist Praxis nicht mehr alles – man KANN nicht mehr alle wichtigen Matchups testen! Stattdessen wird Theorie wieder wichtiger. Sicher, gegen Dredge will man Tormod’s Crypt oder Withered Wretch, gegen Project X ist eine eigene Saffi gut, und gegen Storm-Decks hilft Rule of Law – weil Kombodecks häufig sehr spezifische Antikarten verlangen, belasten sie Metagames besonders stark (weswegen ich mir wünsche, dass fokussierte Kombo eines Tages ganz aus dem kompetetiven Magic-Metagame verschwindet). Ansonsten überlegt man sich aber, ob man nicht Sideboard-Karten findet, die breitere Anwendungsmöglichkeiten besitzen. Haben Gruul, Satanic Sligh und vielleicht sogar monogrüne Aggro eine gemeinsame Schwäche gegen eine solide Defensive? Wie steht es mit Blinktouch, Solar Flare, Teachings-Kontrol und UG Pickles – kann man deren Behäbigkeit in den ersten Zügen der Partie ausnutzen? Kann man die heterogenen Decks des Formats für ihre Manabasis mit Magus of the Moon bestrafen? Wie viele auf Schlüsselkarten basierende Decks kann man mit Hilfe von Extirpate verkrüppeln?

Um diese Fragen zu beantworten, ist Playtesting natürlich sehr hilfreich, aber eben bei Weitem nicht ausreichend. Dazu kommt auch noch, dass in einem ausgeglichenen Metagame auch häufiger Neuentwicklungen entstehen, so dass man öfter gegen unbekannte Decks antritt. Gut, wenn man diese an Hand ihrer grundlegenden Strategie einzuordnen und mit den vorhandenen Hauptdeck- und Sideboardplänen zu bekämpfen weiß!

Obwohl Lorwyn natürlich eine große Unbekannte darstellt, kann man wohl davon ausgehen, dass es keinen adäquaten Ersatz für das exzellente Manafixing des Ravnica-Blocks bringen wird. Sicherlich werden mehrfarbige Decks dadurch nicht aussterben, denn wir haben ja immer noch die Painlands aus der Zehnten, sowie das mächtige Coalition Relic aus Future Sight und viele andere nützliche Karten, aber die Selbstverständlichkeit der Buntheit wird zurückgehen. Ein- und eineinhalbfarbige Decks werden ihren Vorteil der Manakonstanz wieder stärker ausspielen können, und damit einhergehend wird auch die Snow-Mechanik aus Coldsnap wieder attraktiver. Es wird interessant zu sehen sein, ob das Metagame darauf wieder mit einer Reduktion der Anzahl dominanter Decktypen reagiert.

Womit ich bei der anderen Feststellung wäre, die ich gemacht habe: Vierzehn Jahre Magic-Geschichte kann man, auch wenn man sich “nur” auf die Veränderung des Metagames konzentriert, nicht in einem einzelnen Artikel abreißen, schon gar nicht, wenn diese historische Betrachtung eigentlich nur als Grundlage für weitere Schlüsse konzipiert ist. Deswegen habe ich meine Pläne geändert und werde stattdessen eine Artikelreihe schreiben, in der ich zunächst die Veränderungen des Standard-Metagames über die Jahre nachzeichne und kommentiere, bis ich schließlich zu einer zusammenfassenden Analyse gelange, in welcher ich dann die einzelnen Archetypen historisch einordne. Sollte recht interessant werden, denke ich!

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14 Comments on “Mein Name ist Rie, Theo Rie”


  1. argumentativ hast du recht, aber ich bin von jeh her ein fauler Mensch und 50,25,15% fand ich auch angenehmer….

  2. Achim Faulhaber Says:

    Also mir macht das testen für die DM mal gar keinen Spaß. Ich hab mir jetzt die ersten Decks gebaut um ins Metagame einzutauchen. Die Mühe ist immens, denn meine “Magic-Theorie” hilft mir dabei nur sehr wenig.
    Ich spiele Magic nun schon eine ganze Weile und hab mir auch einige Decks gebaut über die Jahre hinweg. Trotzdem bin ich bis heute absolut nicht dazu fähig, auf dem Papier zu erkennen was das jeweilige t2 Deck nun kann und was es nicht kann.

    Wenn ich mich dann daran mache, de Decks zu modifizieren oder sogar ein Eigenes zu bauen, dann merke ich schnell, dass ich der Magic-Theorie nicht entfliehen kann. Wenn mein Deck z.B. gegen Aggro schnell einschiebt, mache ich mehr Anti-Aggro Karten rein. Resultat: es verliert nun eher gegen Controll Decks….
    Also alles eine Frage des Metagames? Alles eine Frage einfacher Statistik?
    Ich freue mich schon auf den Artikel, er wird sicher aufschlussreich werden.


  3. nein, ich denke hier passiert das was ich tribut to ude nenne.

    das spiel ist einfacher oder besser breiter geworden, damit die kids einfacher ind das spiel einsteigen können.

    das spile ist immer flacher geworden, interaktion findet nicht statt und es geht nur noch darum karten nach rechts zu drehen.

    es lebe portal!

  4. Anonymous Says:

    “das spile ist immer flacher geworden, interaktion findet nicht statt und es geht nur noch darum karten nach rechts zu drehen.”

    Und an welchen Decks, Formaten, Blöcken, Turnieren etc. machst du so eine Behauptung bitte fest?

    Ich persönlich habe schon immer die Meinung vertreten, dass ein stärker diversifiziertes Meta den besseren Spieler eher belohnt als beispielsweise ein Ravager/T&N-Meta, weil es in diesen zu sehr viel mehr individuellen Spielsituationen kommt, die man nicht alle automatisieren kann. Schön, dass endlich mal jemand der gleichen Meinung ist :)

    Magic ist eben ein Denksport und keine Fleißarbeit.

  5. Handsome Says:

    Hoppla, obiger Kommentar stammt von mir^^

  6. CS Says:

    @Volker bei Schach kann man auch die Regeln in 2 min erklären und trotzdem braucht man Jahrzehnte um (wenn überhaupt) das Spiel perfekt zu beherrschen.
    Ein leichteres einsteigen mit leichten Regeln tut einem Spiel gut, die WoW-Tcg Regeln haben die meisten Gelegenheitsspieler meiner “versuchsgruppe” alleine mit dem beim Starter beiliegenden Regelheftchen intuitiv gut verstanden, so etwas tut einem Spiel nur gut und dadurch dass ich die Flashkombo z.B. auswendig gelernt habe bin ich doch kein besserer Spieler. Eine Art Schach mit nur mit zum Teil verdeckten Informationen ist doch erstrebenswerter.

  7. Achim Faulhaber Says:

    Meiner Meinung nach ist die Vorbereitung für ein constructed Event zum großen Teil eine Fleißarbeit.
    Trotzdem ist Magic ein Denksport.

  8. Schnubbi Says:

    @CS:
    Also, ich würde mich gern dem Volker anschliessen und sagen, dass es zur Zeit von TnN, Affinity und Big Red wirklich angenehmer war zu spielen, warum ganz einfach:
    1. Man konnte sich weitaus besser auf ein Turnier vorbereiten als es zur Zeit der Fall ist. Diese allgemeinen Boardpläne, die der Andreas anspricht sind einfach nicht wirklich effektiv.
    2. Klar ist Diversität immer gut, aber gerade das Feintuning geht durch zu viel davon einfach Kaputt, man muss zur Zeit meiner Meinung nach, so allgemeine Boardpläne entwerfen, dass man sich nie sicher ist, ob das Sideboard gebraucht wird. Es passiert mir auf Standard-Events immer wieder, dass bestimmte Karten, die ich im Matchup XY brauche im Sideboard vergammeln, weil ich nicht gegen XY gepaart werde, sondern gegen ZV.

    Ich finde das die PT New Orleans von 2003 ein gutes Beispiel für ein zwar starres aber gutes Meta ist, da damals Metagaming möglich war, und heute nur Überlegungen übrig bleiben, was hilft gegen Kontrolle, Aggro, Aggro Kontrolle und gegen die drei[inklusive BridgeDredge] Kombodecks des Formats.

  9. atog28 Says:

    @Schnubi: spiel doch Schach. Einfache Metagameanalysen. 49% WW, 49% MBC, 1% Rogue.

  10. Bastian Says:

    @atog: ;)

    ich als gelegenheitsspieler finde das derzeitige standard metagame klasse!

    begonnen habe ich mit magic zu zeiten von tooth and nail / ravager. und fands einfach nur so derbe langweilig, dass ich gar nicht erst auf die idee gekommen bin, mich für mehr turniere anzumelden. (nachdem ich zwei ausprobiert habe)

    bin dann beim draften geblieben. jetzt machts mir aber wieder spass, mich auch mit dem standard format zu beschäftigen. weil eigene ideen mE nun überhaupt erst möglich sind.

    so sehe ich das

    bin 28 jahre, berufstätig und bestimmt kein guter spieler. begreife aber alle regeln. ;)


  11. nun woran ich das fets mache?

    Es war ja schon Kunst das Affinity oder T&N oder MonoR Mirror zu gewinnen wenn beide einen gleich starken Draw haben.

    “Meiner Meinung nach ist die Vorbereitung für ein constructed Event zum großen Teil eine Fleißarbeit.
    Trotzdem ist Magic ein Denksport.”

    Das kommt den schon recht nahe.

    Wenn man bedenkt, das zu den letzten Deutschen unzählige Menschen sich mit dem auch von mir hochgeschätzten magnivore.dec qualifiziert haben (darunter auch einige deren Skill selbst ich mal in frage stelle) dann ist dies doch ein Paradebeispiel von nicht vorhandener Interaktion. Es wurden Listen gespielt wo nur Portalkarten hätten drinn sein können (achtung Übertreibung).

    Danach entwickelte sich das Typ2 zu einem lustigen Pottpurrin von lauter bunten Karten.

    Es ist ja nicht gerade fördernd wenn man weiss das man IRGENDEIN Deck spielen kann, gegen IRGENDEINS verlieren kann und auch gegen IRGENDEINS spielen kann.

    Ist besonders für jemand der immer siene Decks selber baut unendlich lame.


  12. Ich begreife jetzt nicht wirklich den Unterschied zwischen ungeskillten Spielern, die sich mit einem Magnivore-Deck durchlucken und solchen, die das mit Affinity tun.

    Außerdem weiß ich nicht, was skillvoller daran ist, sich in immer denselben drei bis vier Matchups durch genaues Spielen einen Vorteil zu verachaffen, als sich auf acht verschiedene einzustellen.

    Ob man mit Pech gegen zwei Decks verliert, weil man sich nicht gezielt auf sie einstellen konnte und deswegen ein 50/50 Matchup hatte, oder ob man mit Pech gegen zwei Decks verliert, weil sie das Papier zum Stein im Stein-Schere-Papier-Metagame darstellen, macht auch keinen Unterschied. Der Glücksfaktor von Magic ist in einem breiteren Meta nicht größer: Alles, was sich ändert ist, dass an Stelle von fokussierterer Vorbereitung eine universellere getreten ist und Improvisationsvermögen stärker belohnt wird als Spezialisierung.

  13. Handsome Says:

    Frisör, ich verstehe deinen Punkt nicht. Stupide Aggro- bzw. LD-Strategien gab es schon immer, Stein Schere Papier gab es schon immer.

    Und wenn ich dich richtig verstehe, führst du als Parade-Beispiel für ein Metagame, in dem Skill belohnt wird, ausgerechnet das von Mirrodin-Zeiten an? Also die Zeiten, in denen der Ravager-Pilot einfach durch seinen Nuts-Draw gewonnen hatte, egal wie schlecht er es gezockt hat? Oder die Zeiten, in denen man Matchups auswendig lernen konnte? Kein Witz, ich musste damals in fast keiner Spielsituation nachdenken, einfach weil ich die schon alle auswendig kannte. Und wenn ich genau weiss, dass ich die Extraction je nach Gegner auf Sundering Titan oder die gegnerische Extraction kloppen muss – wo bleibt da der Skilltest? Ganz ehrlich, ich habe T2 damals gehasst.

    Heute können innovative und denkfreudige Spieler das Metagame von vielen verschiedenen Seiten her angreifen und auch während des Spiels gibt es viel mehr Situationen, die Skill abverlangen. Sonst wäre ich am Ende noch für die Nationals qu’ed :)


  14. also, ich mein wenn man genau den Trotteldraw bei Affinity mal nicht hatte und dann das Mirror zu gewinnen….

    Ich weis nciht, als der Henke den GP gewann habe ich Henke und Hajo mal in einigen spielen zugeguckt, das war schon recht beeindruckend…..

    Nun, für mich ist es halt interessant das 1% aus dem 50/50 Mtachup herauszuholen durch evtl. nur verändern einer Sideboard oder Maindeckkkarte…..

    Sich da genau auszudenken wir das Match ist…..


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