Namen sind Schall und Rauch – was bedeutet, sie können klingen oder stinken

Heute sind die Hall of Fame Inductees (wenn schon Denglish, dann richtig!) auf magicthegathering.com veröffentlicht worden, und ich muss sagen – ich bin mit der Entscheidung sehr zufrieden!

Es waren eine ganze Menge Namen auf der Liste, die es verdient gehabt hätten, aufgenommen zu werden, und einige mussten eben außen vor bleiben. Ich habe mal eben einen kurzen Blick auf die Liste derjenigen Spieler geworfen, die in den nächsten Jahren zum Ballot stoßen werden, und ich denke, dass da noch ein paar Plätze frei für diejenigen sind, die es dieses Jahr nicht geschafft haben.

Um etwas zu den einzelnen Namen zu sagen:

Kai Budde:

Ja.

Zvi Mowshowitz:

Für mich war Zvi neben Kai dieses Jahr der absolute Must-Include! Warum ich eine besondere Affinität zu den Theoretikern dieses Spiels habe, muss ich Euch bestimmt nicht erklären… Zvi hat wie kein anderer die Grundlagen dieses Spiels verstanden und, was noch wichtiger ist, auch extensiv darüber geschrieben! Selbst wenn er nach Lifetime Winnings und Pro Tour Points noch schlechter dastünde, hätter er in die Halle gehört. Er ist der große Guru unseres Spiels!

Tsuyoshi Fujita:

Ich muss zugeben, den hatte ich ein wenig aus den Augen verloren. Das liegt aber schlicht und einfach daran, dass ich diese ganzen Japaner einfach nicht auseinander halten kann! Sorry – selbst eine kurze Liste japanischer Namen verschwimmt schnell vor meinen Augen, und was die Optik angeht, habe ich schon Probleme damit, mir europäische Gesichter zu merken (kein Witz!) Die Manga-Generation hat da gewiss weniger Schwierigkeiten… Natürlich wusste ich noch, dass Tsuyoshi ein großer Name des Spiels ist, aber was er nun genau geleistet hat und was die anderen Japaner mit ähnlichen Namen (auf dem selben Ballot ist sogar noch ein anderer Fujita!), das vermischte sich dann doch zu sehr bei mir. Seine Stats heben ihn bereits aus der Masse japanischer Spieler heraus, aber letztlich ist entscheidend gewesen, denke ich, dass er der ERSTE Japaner war, der auf einer Pro Tour Top 8 gemacht hat! Es heißt schließlich “Hall of Fame”, und der erste zu sein, bedeutet Berühmheit. Hey – wer von Euch kennt den Namen des Menschen, der als ZWEITES den Mond betreten hat? Ich hoffe, dass auch in zukünftigen Jahren die Japaner bei dieser Wahl nicht so unterrepräsentiert sind, wie sie es wohl wären, wenn nur Menschen mit meinen Schwierigkeiten sie zu unterscheiden, abstimmen würden!

Nicolai Herzog:

Laut Kai also der schlechteste Spieler, der je eine Pro Tour gewonnen hat, soso! (Wenn das wahr wäre, wäre das alleine nicht bereits ein Grund, ihn in die Halle aufzunehmen?) Dazu will ich mal Folgendes sagen:

Ich glaube gerne, dass Herzog ab und zu im Rampenlicht der Pro Tour mal schusselige Plays gemacht hat. Welcher Spieler hat das nicht? Bei Kai erinnere ich mich da an einen gewissen Daru Sanctifier Vorfall, und dann gibt es da noch diese Geschichte von Marco Blume und dem Covetous Dragon… Einzelne Misplays machen einen Spieler sicherlich zu einem schlechteren, aber eben noch nicht zu einem schlechten Spieler (Deutsch kann schon merkwürdig sein, nicht wahr?)

Ich bin darüber hinaus auch bereit zu glauben, dass Nicolai insgesamt im Durchspiel erhebliche Schwächen hat! Der Erfolg bei Magic kommt durch eine Vielzahl von Faktoren zustande. Sauberes Spielen ist nur einer davon. Erfolgreiches Draften und Deckbauen, sowie allgemein gezielte Vorbereitung sind andere. Glück ist natürlich auch einer… …aber:

Was ich NICHT bereit bin zu glauben ist, dass ein Spieler, der nicht einmal, sondern zwei Mal bei einer Pro Tour siegt, und der darüberhinaus auch noch zwei europäsiche Meisterschaften gewinnt, ein insgesamt schlechter Spieler ist! Random Variance kann nur bis zu einem gewissen Punkt argumentativ angebracht werden, bis man unglaubwürdig wird. Irgendetwas hat Nicolai Herzog in seiner Karriere offensichtlich sehr gut gemacht! Deswegen habe ich keinen Zweifel daran, dass er sich zu Recht in dieser Halle befindet.

Randy Buehler:

Um es ganz deutlich zu sagen: Allein von seinen Ergebnissen her hat Randy absolut gar nichts in dieser Gesellschaft verloren! Klar, eine Pro Tour und einen Grand Prix zu gewinnen, ist beeindruckend für mich als Ottonormalspieler, doch den Vergleich mit den anderen Giganten auf diesem Ballot hält Randy einfach nicht aus. Ergebnisse sind aber nicht alles! Randy hat sich seit Jahren höchst engagiert und in vielfältiger Weise um die Pro Tour verdient gemacht, so wie einfach kein anderer auf dieser Liste. Ich finde es absolut richtig, dass das hier auch honoriert wurde!

Wen von diesem Ballot vermisse ich noch in der Hall of Fame?

Da ist einmal Scott Johns. Auch für ihn gilt, dass es nicht seine Spielerfolge alleine sind, sondern vor allem auch seine Verdienste um die Magic-Community, die ihn qualifizieren. Er befand sich bei Hanno (dessen Auswahl ich voll und ganz zustimmte) an Stelle von Fujita in der Liste – vermutlich ein Fehler, der uns beiden aus den gleichen Gründen unterlaufen ist, aber für mich kommt Scott eindeutig spätestens an sechster Stelle!

Dann Mark Justice. Er hat es schon mehrere Jahre nicht geschafft, weil er von erfolgreicheren Spielern überschattet wurde, und er hat auch nicht gerade den besten Leumund. Nur – zwischen “nicht den besten Leumund haben” und “DAS Aushängeschild für Betrug und Korruption auf der Pro Tour sein” (siehe auch Long, Mike) ist aber noch ein himmelweiter Unterschied! Tatsache ist, dass Mark ein Pionier des professionellen Magic war. Er war der erfolgreichste Spieler des ersten Pro Teams, der Pacific Coast Legends, und er hat als einer der ersten gezeigt, dass man an Magic in professioneller Weise herangehen kann. Für mich gehört er, wenn auch nicht dringend nächstes Jahr, irgendwann in die Hall of Fame hinein – ansonsten wäre sie unvollständig!

Steven O’-Mahoney-Schwartz hingegen war einfach der fetteste Spieler auf der Pro Tour, und das bei einer höchst beachtlichen Konkurrenz! Ach so… das ist natürlich kein Kriterium… Je mehr ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir, dass die Berühmtheit von SOMS – der sicherlich sowohl ein hervorragender, als auch ein erfolgreicher Spieler war – im Wesentlichen darauf beruhte, dass er zum Umfeld von Jon Finkel gehörte, und dass er unglaublich fett war. Deswegen ziehe ich ihn aus dieser Aufzählung zurück: Ich würde mich nicht beschweren, wenn er es doch noch in die Hall of Fame schaffte, aber meiner Ansicht nach scheitert er am Cut.

Stattdessen… Alex Shvartsman! 21 Grand Prix Top 8, das ist einfach unglaublich! Bevor es so etwas wie die “Road Warrior” Kategorie bei den Magic Invitationals gab, hat Shvartsman bereits den Magic Globetrotter Lifestyle vorgemacht. Gewiss spielen Grand Prixs gegenüber Pro Touren die zweite Geige, aber DER Grand-Prix-Spieler schlechthin gehört auf jeden Fall in die Halle, was seine langjährige journalistische Tätigkeit nur noch weiter unterstreicht!

Außerdem: Circa zwei Japaner! Mir ist es jetzt allerdings zu anstrengend auseinanderzuklamüsern, welche… Die Namen hallen bei mir einfach nicht nach. Mein eurozentrisches Gedächtnis darf hier aber kein Hinderungsgrund sein!

Dann sind da immer noch eine Reihe Namen übrig, die das Kriterium “Berühmheit” eindeutig erfüllen, wie zum Beispiel Pikula, Price oder Turian, bei denen ich mir sowohl vorstellen kann, dass sie es eines Tages schaffen, als auch, dass sie im Verlauf der nächsten Jahre in Vergessenheit geraten.

Und dann ist da Mike Long. So sehr ich Mark Rosewater allgemein als Schreiber, kreative Person und Spieleentwickler schätze: Hier bin ich absolut nicht seiner Meinung! Famous /= unfamous. Die HoF soll eine EHRUNG sein, keine Anerkennung glorreichen Schurkentums! Es gibt auch keine Adolf-Hitler-Schulen in Deutschland, obwohl man durchaus die Ansicht vertreten kann, dass dieser Österreicher die wichtigste Figur unserer Geschichte ist!

Ansonsten bin ich neugierig auf das nächste Jahr. Hat Dirk Baberowski mit seinem Sieg bei der PT Chicago genug geleistet, um aus Kais Schatten herauszutreten? Wie ist es mit Marco Blume, der abgesehen von einem Grand Prix Gewinn, wenn ich mich recht entsinne eigentlich nur mit der Phoenix Foundation erfolgreich war? Ist Olivier Ruel sicher drin, wie er es verdient hätte, oder kostet ihn seine Suspension entscheidende Stimmen (wer ihn mit Mike Long vergleicht, der hat einfach keine Ahnung, wer Mike Long war!)? Können Jelger Wiegersam, Nicolas Labarre oder Carlos Romao mit den Klassen der vorigen Jahre mithalten? Für mich sind nur Dirk und Olivier “gesetzt”, ansonsten griffe ich eher auf Spieler des Vorjahres-Ballots zurück.

Naja, auf Kenji Tsumura jedenfalls müssen wir noch mindestens 5 Jahre warten!

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5 Comments on “Namen sind Schall und Rauch – was bedeutet, sie können klingen oder stinken”

  1. Avi Says:

    Mark Justice und Alex Shvartsman will ich unbedingt in der Hall of Fame sehen…
    Mit den Votes für dieses Jahr bin ich allerdings auch wirklich zufrieden.

    Zu Blume und Baberowski: Deutscher Meister sind ebenfalls beide. Na ja, aber mit den Votes fürs nächste Jahr hab ich mich noch nicht wirklich befasst.

  2. Pit-Spawn Says:

    Mit Mike Long hast du definitiv recht…
    …ber das böse H-Wort wird wieder einige Goblins und Trolle aus ihren schmierigen Höhlen hervorkriechen lassen, fürchte ich.


  3. H-anno?

    Ja, damit muss man immer rechnen, wenn man den Oberbösewicht des deutschen Magic-Journalismus erwähnt!

  4. ich Says:

    Ben Rubin??? Haste einfach mal weggelassen. Mega-cooler sympathischer sehr starker Spieler der es fast geschafft und auch verdient hat. Mike Turian hast du zudem unterbewertet, der verdient es schon aufgrund seiner Statistikenund ist definitiv nich auf einem Level mit Pikula etc.


  5. Hm. Subjektivität spielt natürlich immer eine Rolle.

    Rubin ist sicherlich auch ein großer Name, aber da sind so viele große Namen auf der Liste, und er klingt bei mir jetzt auch nicht stärker nach als zum Beispiel Gary oder Boeken… vielleicht ist meine Erinnerung da zu selektiv.

    Turian hat gewiss bessere Statistiken als Price oder Pikula, aber diese beiden sind einfach Ikonen des Magic und besitzen eine Unterhaltsamkeit, die ich mit dem Namen von Turian einfach nicht verbinden kann. Wenn man Erfolg und Individualität zusammenn nimmt, dann sehe ich diese drei schon ungefähr auf dem gleichen Berühmtheits-Level.

    Übrigens – Du hast jetzt schon in mehreren Kommentaren anklingen lassen, dass Du Dich mit der Pro Tour früherer Jahre auskennst, “ich” – magst Du mich mal aufklären, wer Du bist?


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