Alles halb so kalt

Erinnert Ihr Euch noch?

Als Coldsnap erschien, wurde dieses Set äußerst lauwarm aufgenommen. Einerseits fühlten sich manche durch diese ganze Geschichte mit der verlorenen Edition, die man beim Umzug im Schreibtisch von Richard Garfield gefunden hätte, veräppelt, bzw. nahmen es WotC über, dass diese sie (nie ganz ernsthaft) veräppelten. Zum anderen waren die ganzen Ice Age Mechaniken wirklich nicht der Hit – Slowtrips? Cumulative Upkeep? Es hat schon seine Gründe, dass die seit Jahren nicht mehr benutzt wurden! Zum dritten war Coldsnap-Draft trotz aller guten Vorsätze der Macher einfach supernervig. Ich habe damals eine Limited-Analyse dazu geschrieben, die zu meinen am positivsten aufgenommenen Artikeln überhaupt zählt (sie war auch recht gut, denke ich):

Teil 1 (Commons)
Teil 2 (Uncommons)
Teil 3 (Rares)

Ach so, und zum vierten hieß es, das Set hätte einfach keine Constructed-Karten! Es war nicht einfach, hier zu widersprechen, denn abgesehen von der Ohran Viper setzte sich zunächst im bunten Ravnica.Standard nichts durch. Allerdings wies ich damals schon darauf hin, dass man dem Set ein wenig Zeit geben müsste, da seine hervorstechendste Mechanik (Schnee) nun einmal nicht gut in einem bunten Format funktioniert. Unterdessen ist Ravnica herausrotiert und ausgerechnet ich hinkte in meinem Erkenntnisstand ein wenig hinterher, als ich mich von allerlei auftauchenden Schnee-Decks überraschen ließ: Blau-Schwarze Kontrolle, Monorote Kontrolle, Monoweiße Kontrolle, ja selbst grüne Aggro habe ich schon mit Schnee gesehen!

Da habe ich spontan Lust bekommen, mir einmal anzusehen, wie viele und welche Coldsnap-Karten es bisher ins Constructed geschafft haben. Für einen Artikel ist mir das Ganze ein wenig zu dünn (andere sähen das möglicherweise anders), deswegen hier auf Zeromagic:

Commons:

Martyr of Sands – Prägte nicht nur einen Decktyp (Idiot Life), sondern war omnipräsent in allerlei weißen Kontrolldecks und wurde teilweise sogar in BW Aggrokontrolle gespielt.

Ronom Unicorn – zwischenzeitlich ein Kompromiss zwischen Hauptdeck- und Sideboardkarte, ebenso wie sein Vorgänger Kami of Ancient Law.

Rune Snag – zuerst eine ergänzende Karte, seit dem Herausrotieren von Mana Leak ein absoluter Staple!

Grim Harvest – Mit den “Ewoks” aus Lorwyn plötzlich in vielen Decklisten zu finden.

Icefall – Wurde gelegentlich als Landzerstörer in R/G Mana Ramp Varianten benutzt.

Karplusan Wolverine – guter 1-Drop in Sligh und R/G, vom Mogg Fanatic aber weitestgehend verdrängt.

Martyr of Ashes – hat sich unauffällig in immer mehr unterschiedliche Decks, denen nur gemeinsam ist, dass sie viele rote Karten spielen, eingebracht.

Rite of Flame – Staple in Kombodecks.

Skred – steht auf einmal mit Mono-R-Control im Rampenlicht! Die Kombo mit Stuffy Doll ist natürlich der Hammer.

Boreal Centaur – füllte gelegentlich die Manakurve in aggressiven grünen Decks.

(Edit: Gerade wurde ich darauf hingewiesen, dass ich Boreal Druid übersehen habe, der in grünen Snow-Decks, in Tribal-Elfen-Decks sowie in Aggrodecks, die mehr als 4 Manabeschleuniger wollen, einen Platz gefunden hat.)

Hmmm, das waren 10 (Edit:11) von 60 Commons (ja, SECHZIG – die Product Page bei WotC führt immer noch die falschen Zahlen auf!), das ist wirklich nicht dolle! Andererseits machen die Commons ja auch nicht den Mehrwert eines Sets aus. Dafür sind sie wiederum entscheidend für den Eindruck, den man beim Booster Öffnen hat, und da gehen einem die ganzen Karten, die nur im Triple-CSP-Draft eine Daseinsberechtigung haben, wirklich auf den Sack! Allerdings sollte man hier noch die Snow-Covered Basics erwähnen, die deutlich häufiger als Commons sind und diese Bilanz daher erheblich aufwerten (denn sie sind ausnahmslos constructed-tauglich!)

Uncommons:

Jötun Grunt – In Standard eher eine Randerscheinung, aber in höheren Formaten DER Abräumer des Sets!

Luminisce – gelegentlich genutze Sideboardkarte, insbesondere gegen Kombodecks wie Dragonstorm.

Wall of Shards – taucht gelegentlich in Kontrolldecks auf, die über Deckende gewinnen. Absurd mit Arbiter of Knollridge!

White Shield Crusader – eine Randerscheinung in WW-Decks in einem removal-lastigen Meta (weicht Nameless Inversion und Shriekmaw aus, – ach ja und kann Phyrexian Ironfoot überfliegen).

Counterbalance – Gut in jedem Format, in dem es Sensei’s Divining Top gibt!

Flashfreeze – Ebenfalls eine gelegentlich genutzte Sideboardkarte.

Perilous Research – Ist hauptsächlich in Kombodecks aufgetaucht, die Hatching Plans und Chromatic Star damit opferten.

Deathmark – eine weitere gelegentliche Sideboardkarte. Der Powerlevel der CSP-Color-Hoser scheint (vom grünen abgesehen) sehr gut ausgewogen zu sein!

Cryoclasm – eine sehr häufig genutzte Sideboardkarte, die es im bunten Ravnica-Meta teilweise sogar ins Mainboard geschafft hat.

Stalking Yeti – Lange hat es gedauert, bis diese starke Karte ein Deck gefunden hat, aber jetzt terrorisiert sie in Mono-R-Snow-Control Weenie-Decks!

Coldsteel Heart – Ein Staple in jedem Snow-Contol-Deck.

Mishra’s Bauble – eine Fringe-Karte, die dort zum Deck Verkürzen genutzt werden kann, wo sie einen Mehrwert besitzt (z.B. mit Trinket Mage suchbar).

Phyrexian Ironfoot – hat auch erst in jüngster Zeit so richtig sein Coming Out gehabt, und ist von einer gelegentlich genutzten SB-Option zum Staple in zahlreichen Decks aufgestiegen.

Frost Marsh – Blau-schwarze Kontrolle im Spektrum von Mannequin bis Teachings greift darauf zurück.

Highland Weald – Nicht alle roten Snow-Control-Decks sind einfarbig, manche nutzen dieses Land und Into the North für eine bequeme Zweitfarbe.

Mouth of Ronom – ein weiterer Staple in allerlei Snow-Control-Decks.

Okay, 16 von 55 – das ist ein bisschen besser, aber zugegebenermaßen immer noch nicht dolle. Allerdings kommt da bestimmt bald noch etwas dazu, wenn auch andere Farbkombinationen Snow für sich entdecken und die Duals nutzen.

Rares:

Adarkar Valkyrie – Ich habe zwar nie wirklich verstanden, warum, da ich die Walküre im Vergleich zu anderen Alternativen immer als Win-More-Karte gesehen habe, aber sie tauchte immer wieder mal als Finisher in Kontrolldecks auf.

Sunscour – Eine starke Option in weißen Kontrolldecks mit Howling Mine, sowie in Idiot Life, das sein Mana eh nicht ausgibt, um Karten auf den Tisch zu legen.

Commandeer – Wurde auch gelegentlich gesideboardet. Ich war zwar immer skeptisch, für diesen Effekt drei Sprüche investieren zu wollen, aber gelegentlich mag es sich lohnen – vielleicht bald im Pickles-Mirror, um Ancestral Visions umzuleiten?

Rimefeather Owl – auch so eine Win-Condition, die ich als Overkill betrachte, aber in der ersten Inkarnation des Schnee-Kontrolldecks (das war monoblau und Prä-Lorwyn – erinnert Ihr Euch noch?) ab und zu zu sehen.

Vexing Sphinx – blaue Aggro hat es nie ganz geschafft, aber Decks mit Reanimator-Schiene haben sie gelegentlich erfolgreich integriert.

Garza’s Assassin – immer noch ein Schläfer, aber eine potenziell sehr starke Karte, die immer mal wieder versucht wurde.

Haakon, Stromgald Scourge – Immer mal wieder wird ein Deck darauf ausgerichtet. Zuletzt mit der Nameless-Inversion-Engine wieder auferstanden.

Lightning Serpent – wurde zwar zunächst überschätzt, aber seit Lorwyn erinnert man sich daran, dass das Vieh ein Elemental ist, was es plötzlich wieder attraktiver macht!

Ohran Viper – Zwar nicht so omnipräsent wie Tarmogoyf, aber nichtsdestotrotz ein Staple des Formats, der immer wieder in verschiedenen Builds zu sehen ist.

Panglacial Wurm – Es gab da wohl mal ein Mana-Ramp-artiges Deck mit Farseek und/oder Into the North. Nein, ich habe es auch nicht verstanden, aber potenziell ist dieser Wurm natürlich interessant.

Jester’s Scepter – Das hat mich überrascht: Eine der häufigsten Sideboardkarte nichtblauer Kontrolldecks gegen andere Kontrolle!

Garza Sol, Plague Queen – Wurde irgendwann mal reanimiert, aber naja.

Sek’Kuar, Deathkeeper – Da war wohl mal etwas gewesen, mit Sakura-Tribe Elder und so – ich habe es aber auch damals nicht so recht nachvollziehen können.

Tamanoa – Die Versuche, gleich das ganze Deck um diese Karte zu bauen, sind zwar gescheitert, aber als SB in RGW habe ich es schon gesichtet, wenn ich auch nicht recht weiß, wieso.

Scrying Sheets – Mouth of Ronom ist der häufigste Grund, warum man Schnee spielt. Scrying Sheets ist der häufigste Grund, warum man VIEL Schnee spielt – der stärkste Card Draw auf einem Land seit der Library of Alexandria!

So, das sind jetzt 15 von 40 – das ist doch ganz ordentlich? Klar, viele sind nur Randerscheinungen, aber in einem so diversen Format, wie Standard es seit Ravnica ist, gibt es nicht mehr ganz so viele Staples wie früher und mehr Karten, die nur in bestimmten Decks die beste Wahl sind. Ein bisschen Potenzial steckt auch noch in einigen merkwürdigen Rares, wie zum Beispiel Hibernation’s End oder Thrumming Stone. Trotzdem ist Coldsnap eindeutig ein Set, welches das Metagame unterdurchschnittlich stark geprägt hat, aber sooo leer, wie es teilweise behauptet wurde, war es nun auch wieder nicht!

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12 Comments on “Alles halb so kalt”

  1. Jones Says:

    Tja, Coldsnap. Ich bin ja nie böse, wenn neue Karten gedruckt wurden, aber das Gesamt-Powerlevel des Sets war schon arg niedrig, insbesondere wenn man die Karten im Vakuum betrachtet.
    Lustig, dass CS-Karten immer noch verhältnismäßig teuer sind, da so wenig Booster verkaft wurden.

  2. davidZ Says:

    Also mir hat Coldsnap Draft immer riesen Spaß gemacht. Einfach, weil man sich annährend 100% auf eine Strategie einschießen konnte, und die dazugehörigen Commons auch immer zuverlässig bekommen hat.
    Ich hab im Grunde jedesmal WG Warcry gedraftet, und in 90% der Fälle kamen da richtig starke Decks bei raus.
    Dieses zuverlässige “Archetype-Draften” fand ich super. – bin vielleicht zu “unspontan” ;)
    Ausserdem hat mir dieses “collect me” feeling gefallen– über War Cry 2-5 hat man sich immer soo gefreut ;)

  3. Handsome Says:

    Sehr schöner Rückblick, auch ich fand, dass Coldsnap immer unnötig gedisst wurde. Der Flavor war eigentlich sehr cool, und viele Karten flogen lange Zeit unter dem Radar (Stalking Yeti ist das beste Beispiel). Meiner subjektiven Einschätzung nach hat sich das Set aber nicht gerade toll verkauft, kann das sein? Ich hatte immer meine Schwierigkeiten damit, CS-Karten zu bekommen, einfach weil sie kein mensch hatte. Ein paar Anmerkungen noch zu einigen Karten:

    Garza’s Assassin: Kurz vor den Regionals, als das Meta sehr durch Aggro definiert wurde (Gruul, Zoo, MGA), gab es ein monoschwarzes Deck mit dem Ziel, Aggro zu schlagen, wo die Assassine absoluter MVP war.

    Mishra’s Bauble: Ist meines Wissens in einigen Storm-Listen mit Empty the Warrens und/oder Ignite Memories aufgetaucht, einfach um den Stormcount in die Höhe zu treiben oder im frühen Spiel zu cantrippen.

    Sek’Kuar: Hat man den nicht als One-Of im Project X gespielt?

    Und das allererste Snow-Control war meines Wissens UR mit Skred und so, aber da kann meine Erinnerung mich täuschen.

  4. Nosferatu Says:

    Snow-covered basics ausnahmslos constructed-tauglich? wtf?

  5. Chickenfood Says:

    @über mir:
    scrying sheets, mouth of ronom & stalkin Yeti anyone?
    alles akrten die bei GP gespielt wurden, für alle bruacht man die snow basics.

    und ja, das erste snow controll war U/r vielleicht auch U/R(<– großes R) und das war lustig, mit den sheets gut geg. Kontrolle udn skred aso geg. Aggro.

  6. TMM Says:

    außerdem spielt man IMMER schneeländer im t2 weil sie halt keinen drawback haben und der gegner rumbraint, was da eigentlich los ist.

  7. Jones Says:

    Rumbrainen ist ein ziemlich cooles Wort.

  8. Tigris Says:

    ich freu mich schon drauf wenn einige spieler beginnen Freyalise’s Radiance im sideboard zu spielen, könnte sich langsam echt lohnen

  9. beefman Says:

    “der stärkste Card Draw auf einem Land seit der Library of Alexandria!”

    naja… ein vergleich mit thawing glaciers ist glaube ich besser, da meistens nur länder gedrawt werden können.

  10. TobiH Says:

    Boreal Druid — wo ist er? Oder habe ich was übersehen?


  11. Nö, habe ich übersehen.

  12. panda Says:

    gaes assasin heißt garzas assasin


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