Zahlenspiele beim Deckbau

Im Zuge meiner großen Magicsammlung-Inventur nehme ich gerade die Casual-Decks auseinander, die ich vor ein paar Monaten gebaut hatte. Dabei kam mir der Gedanke, dass ich doch einmal kurz über das Prinzip, nach dem ich sie gebaut habe, bloggen könnte.

Zunächst einmal will ich vorschicken, dass ich ein recht ambivalentes Verhältnis zum “Casual Play” habe. Mit dem, was viele Leute darunter verstehen, kann ich nicht viel anfangen. Für mich bedeutet Casual Play zweierlei:

a) Die Gelegenheit mit Karten oder Regeln zu spielen, die man ansonsten nicht oder selten benutzt (also Abwechslung von üblichen Formaten und Decklisten).

b) Die Gelegenheit, mit Spielern, deren Kartenpool und/oder Spielverständnis meinem nicht gleichkommt, in einer diese Umstände ausgleichenden Umgebung zu spielen.

Dabei mag ich Multiplayer-Formate generell nicht. Ich verabscheue das politische Element, mit dem sie oft spielerische Defizite verwischen (wenn ich so etwas spielen will, dann gibt es die Werwölfe vom Düsterwald etc…), da es den Fokus des Spiels von denjenigen Elementen, die mir Spaß machen, ablenkt (und da ich Poltik, Diplomatie & Intrigen im täglichen Leben eigentlich oft genug begegne, danke schön!) Damit allerdings fehlt mir der übliche Ansatz, den Spielergruppen nutzen, um b) zu ermöglichen.

Weiterhin will ich NICHT absichtlich schlechte Decks bauen! Ich habe noch nie Spaß daran gehabt, einen Gegner gewinnen zu lassen oder umgekehrt Siege geschenkt zu bekommen. Dafür spiele ich nicht! Damit verschwindet auch der andere verbreitete Ansatz für b).

Deswegen bedeutet Casual für mich in der Regel, neue Spielbedingungen zu definieren. a) lässt sich mit einer Vielfalt von Fun-Formaten bewerkstelligen. b) ist problematischer, denn ein Handicap muss ich mir ja auferlegen (ja, ich gehe davon aus, dass normalerweise ich der bessere Spieler bin, und meistens – aber nicht immer! – steht mir auch der größere Kartenpool zur Verfügung). Gelegentlich spiele ich einfach mit den Decks anderer Spieler, dann bin ich für den Deckbau nicht verantwortlich und kann beim Spielen mein Bestes geben. Das ist aber keine optimale Lösung, denn einmal möchten Casual-Spieler in der Regel nicht unbedingt gegen ihre eigenen Decks zocken, zum anderen sind die Powerlevel der Casual Decks eines Spielers keineswegs immer ausgeglichen, und schließlich machen schlecht gebaute Decks oft einfach keinen Spaß zu spielen! (Auf den Unterschied zwischen einem Deck mit niedrigem Powerlevel und einem schlecht gebauten Deck will ich hier nicht noch einmal eingehen.)

Naheliegend ist es also, mir selbst beim Deckbau zusätzliche Einschränkungen aufzuerlegen. Das können für eine Spielumgebung mit besonders niedrigem Power Level zum Beispiel meine Block-Common-Decks sein. (Die haben auch immerhin den Vorteil, dass ich dafür meine Kartensammlung nicht in Unordnung bringen muss – die baue ich aus meinen überschüssigen Commons).

Natürlich ist es aber nicht der Sinn der Sache, wenn man seine Dutzende Kartenkisten versiegelt im Tresor zu stehen hat; man will mit dem ganzen Kram auch irgendwann spielen! Um alte Bekannte aus meiner Sammlung endlich wieder einmal zu benutzen, kam ich damals auf folgende Idee: Ich würde ausschließlich Karten zum Deckbau verwenden, die NICHT Extended-Legal waren! (Für Mathematiker: Mein Kartenpool war also das Komplement des Extended-Kartenpools, Banned-Liste nicht berücksichtigt.) Alles, was ab der Siebten Edition und Invasion gedruckt worden war (abgesehen logischerweise von nicht schneebedeckten Standard-Ländern) war Tabu.

So war sicher gestellt, dass ich nur mit Karten zu tun hatte, die ich schon lange nicht mehr in einer Turnierumgebung angetroffen hatte. Außerdem drückte diese Einschränkung natürlich auch auf den Power Level meiner Decks, um so mehr, da ich mich so gezielt aus denjenigen Magic-Sets bediente, bei denen mir zahlreiche Karten fehlten! Ich besitze zum Beispiel zur Zeit exakt eine Nevinyrral’s Disk und kein einziges Wasteland…

Damit war ich aber noch nicht zufrieden. Der Power-Level meiner Decks würde immer noch etwas zu hoch sein (auch wenn einige Casual Players aus meinem Bekanntenkreis da durchaus mithielten), aber vor allem wollte ich ja auch nicht nur (aber auch) diejenigen Karten zu Gesicht bekommen, die vor einigen Jahren das Turniergeschehen bestimmt hatten. Mehr Abwechslung in den Decks war gefragt!

Nun, für solche Fälle gibt es ja das Highlander-Format, das ich auch gelegentlich für meine Casual-Decks benutze (zum Beispiel für mein “A-Deck”, in dem alle Kartennamen mit “A” anfangen müssen), aber damit war ich auch nicht wirklich glücklich. Zum einen möchte ich schon Decks bauen, die zuverlässig gewisse Themen nutzen. Zum anderen gibt es einfach eine Menge Karten, die im Highlander sinnlos sind, so wie Accumulated Knowledge oder Llanowar Sentinel. Ein Kompromiss war gefragt: Meine Decks sollten nicht nur aus Viererblöcken bestehen, sich aber auch nicht in Einzelexemplaren verzetteln.

Nun, zu wissen was man will, ist der erste Schritt dazu, es sich zu verschaffen! Ich musste meine Wünsche eigentlich nur noch in Deckbau-Regeln formulieren, und das tat ich. Dabei herausgekommen ist das Fünf-Schichten-Deck (weil, Magic hat ja auch 5 Farben!):

Es gibt fünf Schichten mit jeweils exakt 12 Karten pro Deck. Diese Schichten darf ich unterschiedlich befüllen, wobei gilt, dass höhere Schichten auch mit dem erlaubten Inhalt niedrigerer Schichten gefüllt werden dürfen.

Die oberste Schicht darf Playsets enthalten (also bis zu drei Karten mit jeweils vier Kopien).
Die zweite Schicht darf Triples enthalten.
Die dritte Schicht darf Pärchen enthalten.
Die vierte Schicht darf Singles enthalten.
Die unterste Schicht schließlich muss Standardländer enthalten.

Legale Decks wären also zum Beispiel:
3 * 4 Karten
4 * 3 Karten
6 * 2 Karten
12 * 1 Karte
12 Basic Lands

(Das nutzt alle Schichten optimal aus.)

aber zum Beispiel auch:

8*3 Karten
6* 2 Karten
4 * 1 Karte
20 Basic Lands

(Verzicht auf Playsets zugunsten von Triples und von Singles zugunsten zusätzlicher Basic Lands.)

Oder natürlich:

60 Basic Lands

(…)

Da muss man schon ein wenig mit Zahlen jonglieren, wenn man seine Decks baut – aber das macht ja gerade den Reiz aus! Ich jedenfalls baue GERNE Decks, und mich zu entscheiden, welche Karte ich denn nun vier Mal benötige und welche nur drei Mal etc… mact mir Spaß.

Dieses Prinzip will ich jetzt in Kombination mit eingeschränkten Kartenpools öfter verwenden, um in meinen Decks nicht ausschließlich die offensichtlichen Karten zu verwenden, ohne auf die Möglichkeit, auf Schlüsselkarten aufzubauen, zu verzichten.

Mit dieser Methode habe ich zu jeder Farbe ein Deck gebaut: Einen White Weenie mit Enlightened Tutor Toolbox, ein Necropotence-Deck (mit drei Demonic Tutor – ich sah keine Notwendigkeit, mich an Banned-Listen etc… zu halten, wenn ich den Powerlevel meiner Decks anderweitig beschränke), ein Stompy, ein blaues Kontrolldeck (das gerne mit Mystical Tutor auf Accumulated Knowledge eröffnet) und ein Burn-Sligh.

Das Stompy will ich hier als exemplarisches Beispiel posten (es ist das einzige, welches alle Schichten voll ausnutzt):

4 Rogue Elephant
4 Vine Dryad
4 Rancor
3 Wild Dogs
3 Ghazban Ogre
3 Elvish Spirit Guide
3 Land Grant
2 Pouncing Jaguar
2 Skyshroud Elite
2 Mtenda Lion
2 Bounty of the Hunt
2 Briar Shield
2 Seal of Strength
1 Heart of Yavimaya
1 Fyndhorn Elves
1 Nafs Asp
1 Scryb Sprites
1 Quirion Ranger
1 Jungle Lion
1 River Boa
1 Plant Elemental
1 Vintara Snapper
1 Pygmy Razorback
1 Symbiosis
1 Elven Rite
12 Forest

(Jungle Lion besitze ich nur einen, ansonsten hätte ich ihn deutlich öfter gespielt.)

Wie hättet Ihr dieses Deck gebaut? Hättet Ihr Euch für andere Playsets entscheiden?

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8 Comments on “Zahlenspiele beim Deckbau”

  1. beefman Says:

    gute idee, aber manche karten sind einfach zu degeneriert als dass man sie 4x spielen sollte, egal in welchem format. x_x
    das ist ein richtiger casual artikel für mich!

  2. kranger Says:

    “Magicsammlung-Inventur”

    …Du musst Zeit haben!


  3. Da schaue ich doch gerade in die Liste der Suchbegriffe, mit denen mein Blog gefunden wurde, und stelle fest, dass “christopher eucken” dort 50 mal auftaucht, “andreas pischner” hingegen nur 28 mal…

    Oje.

    “jonas bodmann” befand sich übrigens nicht auf den vorderen Plätzen, noch weit, weit hinter zum Beispiel “falko görres”.

    Diese Personalchefs, die sind schon ganz schöne Flaschen!

  4. ETiTho Says:

    Wenn ich hier ne Casual-Runde hätte, würd ich das ja mal mit einem meiner White Weenies ausprobieren, aber ich hab im RL leider im Moment keine Spielpartner.
    Vielleicht sollte ich in meinem Blog mal völlig random die Namen “Andreas Pischner” und Christopher Eucken” fallen lassen und gucken, wie sich die Zahl der Hits verändert ;)
    Schon interessant, dass man Zeromagic regelmäßig über die 100 Top Blogs vom deutschen WordPress findet, wenn der Pischenr hier ma wieder was neues reinschreibt. Zwar im Moment nur Platz 86 aber immerhin.
    Gruß
    ET


  5. Ach weißt Du, wenn ich auf PlanetMTG verlinkt bin, dann bin ich auch gerne mal auf Platz eins…

  6. Chickenfood Says:

    Man kann auch ohne so strenge regeln spielen.

    wenn man gegen shclechtere gegner mit schwächeren decks spielt kann man ja absichtlich auch eifnachere karten spielen.können ja trotzdem rares sein.

    m8ir hingegen macht es dann spass nahc 2-3 spielen gegen die ihnen zu helfen ihre decks zu entrümpeln. das is wie limited-deckbau. wenn man ihnen erkläret was man macht dann lernen sie dabei auch noch was. was wiederum ein beitrag zur gemeintschaft ist. dennn dann kann man das powerlevel etwas erhöhen ohne das es langweilig wird.

  7. beefman Says:

    @chickenfood: ein deck zu bauen macht imo nur spaß wenn man versucht die resourcen, die einem zur verfügung stehen, bestmöglich zu nutzen. deshalb sind auf die casualgruppe zugeschnittene formate sehr sinnvoll und erhöhen den spaßfaktor aller enorm!

  8. Boneshredder Says:

    Über eine ähnliche Restriktion hab ich auch des öfteren nachgedacht. Ich bin in der Theorie aber zu einem anderen Schluß gelangt, der sehr viel einfacher zu erinnern ist: Man gebe einfach den Seltenheitsabstufungen der Karten für Deckbauzwecke ihren Wortsinn zurück: Commons dürfen bis zu viermal je Exemplar gespielt werden, Uncommons nur bis zu zweimal, Rares hingegen nur einmal. Außerdem hält man sich an die ungefähre Verteilung vorgefertigter Themendecks und spielt nicht mehr als 3-5 Rares und 9-15 Uncommons pro Deck.

    In der Praxis bastele ich dann aber doch eher andere Decks, die multiple Filter nutzen. z.B. komplett deutsche Uncommon Highlander ausschließlich aus Karten in neuem Layout oder Common Block Highlander u.ä. HL ist aufgrund des hohen Abwechslungsreichtums an Spielsituationen beinahe immer einer der Filter, wodurch sich Modelle wie Deine oder die Rarity-Vorgabe quasi von selbst erledigen.


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