Mal wieder nicht über Magic, sondern über Streiks und Magic-Spieler, die darüber bloggen

Okay, dann eben hier (eigentlich gehörte dieses Thema sogar auf Ein Platz für Andi, aber wenn ein anderer Magic-Spieler in seinem Magic-Blog darüber schreibt, dann tue ich das eben auch):

Eben habe ich einen ausführlichen Kommentar zu diesem Blogeintrag von TLS verfasst. Dann wollte ich ihn abschicken. Ich gebe zu, dass ich vergessen habe, Name und Email anzugeben (bei WordPress-Blogs ist das nämlich unnötig, weil ich da schon eingeloggt bin) und sehe ein, dass ich dann dazu aufgefordert werde. Dass ich aber auf einer neuen Seite dazu aufgefordert werde und keine Möglichkeit habe, zu meinem bereits getippten Kommentar zurück zu kehren, das kotzt mich tierisch an!

Also äußere ich mich auf meiner eigenen Seite zu “Tech-to-beat: Standstill im Extended!” Wenn ich sehe, wie jemand so einen Quatsch schreibt, dann kann ich meine Finger eben nicht still halten.

Zunächst einmal: Mit dem Begriff “überbezahlte Ausbeuterbahnvorstände” kann ich mich ja prinzipiell anfreunden. Natürlich achten die hohen Herren genau darauf, wie gut es ihnen geht, und natürlich haben sie keinerlei Skrupel, dies auch auf dem Rücken ihrer Arbeitnehmer zu tun, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt.

Nur: Das ist im Moment überhaupt nicht der Fall! Wenn TLS schreibt “wahr ist wohl nur eins; nämlich das die überbezahlten Ausbeuterbahnvorstände Menschen, die seit 5plus Jahren das gleiche oder weniger als Lohn erhalten, ein bisschen mehr Geld in der Tasche missgönnen”, dann war es ihm wohl zu mühsam, die Berichterstattung zu diesem Thema auch nur ansatzweise mitzuverfolgen (was ihn aber in guter demokratischer Tradition nicht davon abgehalten hat, seinen Senf dazu zu geben).

Es geht NICHT ums Geld. Das finanzielle Angebot der Arbeitgeber befindet sich auf völlig akzeptablem Niveau und WURDE von der GDL auch bereits akzeptiert.

Es geht um das Abstecken von Machtgebieten. Es geht darum, wer für wen über was verhandeln darf. Die GDL will sich das Recht vorbehalten, selbst zu entscheiden, wen sie in Tarif-Verhandlungen vertritt und eigene Abschlüsse zu erstreiten. Die Bahn wünscht sich Verhandlungssicherheit, dass sie nicht mit einer Vielzahl von Gewerkschaften separat Tarif-Verhandlungen führen muss, die teilweise die selben Arbeitnehmergruppen betreffen.

Und selbst wenn es noch ums Geld GINGE – die privaten Bezüge des Vorstands, so hoch sie auch sind, haben nichts damit zu tun, wie viel Geld sie ihren Arbeitnehmern “gönnen”; da besteht keine Relation. Tatsache ist, dass die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens heutzutage nicht nur dadurch bestimmt wird, DASS es Gewinn macht, sondern daurch, dass es GENUG Gewinn macht, wobei “genug” bedeutet, “so viel wie andere Unternehmen”. Die Höhe des erzielten Gewinns bestimmt nämlich die Rendite für die Anleger. Und diese Anleger (Investoren) legen ihr Geld eben dort an, wo sie die höchsten Gewinne erwarten – nicht einfach nur Gewinne, sondern die HÖCHSTEN Gewinne.

Dieses Denken “arme Arbeitnehmer bestreiken geizige Arbeitgeber” hat überhaupt nichts mehr mit der gesellschaftlichen Realität zu tun! Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer sind in den Zwängen eines kapitalistischen Systems gefangen, dessen Globalisierung verlangt, dass man seine Rentabilität an denen anderer Unternehmen weltweit messen muss, und in dem jeder – egal ob Manager, Gewerkschaftsvorstand oder einfacher Arbeitnehmer – nebenbei versucht, sich sein Scheibchen von dem großen Kuchen abzuschneiden.

Zu beurteilen, welcher Standpunkt eher gerechtfertigt ist – ob eine Pluralität von Gewerkschaften in einem Arbeitsmarktsektor notwendig ist, um die Interessen der Arbeitnehmer angemessen zu vertreten, oder ob ein Unternehmen die Planungssicherheit braucht, mit einer geringeren Anzahl von Gewerkschaften verbindliche Abschlüsse erzielen zu können – maße ich mir nicht an. Darüber dürfen sich Volkswirtschaftler streiten.

Wenn aber jemand diese höchst komplexe Thematik auf die Klassenkampf-Rhetorik des 19. Jahrhunderts reduziert, dann geht mir der Hut hoch.

Gewerkschaften = gut; Manager = böse ?

So einfach ist es nicht!

Ich bin übrigens überzeugt davon, dass Arbeitgebervertreter und Gewerkschaftsführer sehr ähnliche Typen Menschen sind.

Und ich bin weiterhin überzeugt davon, dass die meisten “armen” Arbeitnehmer genau so egoistisch, geldgierig und skrupellos sind wie die meisten Arbeitgeber, nur dass sie diese Eigenschaften halt auf einer weit kleineren Skala beweisen.

Ich gönne jedem Arbeitnehmer jedes Prozent mehr Gehalt. Trotzdem: Wenn in Berlin nächste Woche zehntausende Menschen nicht zur Arbeit und zehntausende Schüler nicht zur Schule kommen, weil die Gewerkschaft Verdi Busse und U-Bahnen bestreikt, bevor die Tarifverhandlungen überhaupt begonnen haben, und weil die GDL den S-Bahn-Verkehr bestreikt, da ihre Bosse über die bereits geklärten finanziellen Dinge hinaus eine Steigerung ihrer eigenen Bedeutsamkeit einfordern, dann sehe ich mich nicht verpflichtet, diese Gewerkschaften allein aus klassenkämpferischen Prinzipien rückhaltslos zu unterstützen!

Und wenn die Arbeitgeber behaupten, dass sie bezüglich ihrer Angebote nur gewisse Spielräume besitzen, um die Wettbewerbsfähigkeit ihres Unternehmens zu gewährleisten, dann tue ich das nicht einfach als Geldgier ab.

Stattdessen schalte ich mein Gehirn wenigstens so lange ein, dasss es mich daran hindert, zu einem Thema, von dem ich nicht genug verstehe, eine vorgefasste Meinung in die Welt hinaus zu brüllen. Das möchte ich anderen an dieser Stelle hier auch empfehlen.

So, genug über nicht-Magic gebloggt!

Explore posts in the same categories: Ein Platz für Andi (My German Blog)

Tags: , , , , , , , ,

You can skip to the end and leave a response. Pinging is currently not allowed.

15 Comments on “Mal wieder nicht über Magic, sondern über Streiks und Magic-Spieler, die darüber bloggen”

  1. Achso Says:

    Und ich dachte schon, es ginge um die von den vereinbarten Tarifabschlüssen ausgeschlossene und von der DB neu gegründetete Zeitarbeitsfirma, die Leute als Lokführer beschäftigen soll.

  2. EvilBernd Says:

    “Dass ich aber auf einer neuen Seite dazu aufgefordert werde und keine Möglichkeit habe, zu meinem bereits getippten Kommentar zurück zu kehren, das kotzt mich tierisch an!”

    Jemals mit dem Back-Button deines Browsers geliebäugelt??

    Was den Rest betrifft: Who gives a shizz??


  3. Stell Dir vor, ich habe den Back Button benutzt, und da war der Text weg. Was denkst Du denn…

  4. Jonny Says:

    “Es geht NICHT ums Geld.”

    ok, *lol*

    @EB: klappt leider nich (nein, ich verwnde nicht den Internet Explorer)

  5. Kofi Says:

    Vernünftigen Browser benutzen halt :)

  6. Weird Says:

    Ich denke Firefox ist vernünftig und da funzts halt auch nicht –> elends nervig :/

  7. GerwaldBrunner Says:

    Streik ist ein gesetzlich verankertes Recht welches hier in diesem ###piep###land viel zu selten ausgeübt wird und seit mal alle froh das die BVG nicht mal eben alle Busse und Tram auf wichtige Kreuzungen abstellt und mal die Strassen blockiert(schaut euch mal entsprechende Streiks in Italien oder Frankreich an).
    Fahrt einfach mal mit dem Fahrrad(ich fahr seit 2 jahren jeden tag steglitz-köpenick und retour) oder geht zu Fuss und bildet mit den autofahrenden Arbeitskollegen eben mal Fahrgemeinschaften.
    Solange aber jeder ich, ich und ich denkt in jeglicher hinsicht und sich sonst unsolidarisch verhält sollte sich nicht wundern wenn schlussendlich wieder arbeitsrechtliche Bedingungen und Konditionen herrschen wie Anno1880

    Seit 18 jahren wird fast jedes Jahr den Arbeitgebern mehr Zugeständnisse eingeräumt(Lohnverzicht,Mehrarbeit,Probezeit von bis zu 2!! jahren um mal einen teil zu nennen) und effektiv kam dabei nur heraus das einige 1ootausend Stellen abgebaut wurden, zigazig Betriebe ins Billiglohnauslang+Steuergeschenkausland geflüchtet sind und vernünftig bezahlte Arbeitsplätze heutzutage mangelware sind.
    Zeitarbeit ; der Gesetzlich legitimierte Lohndiebstahl wuchert wie ein gut gedüngter Pilz, jährliche Gaspreissteigerungen, Strompreissteigerungen,Mietzinserhöhungen usw tun ihr übriges das man Netto und Real immer weniger in der Tasche hat.
    Ich gehöre zu der Gruppe Menschen die noch vor der Wende ihr Arbeitsleben begonnen haben und komischerweise haben. 1988 haben z.B. ca 2ooo DM netto meterdick ausgereicht um als Alleinstehender gut auszukommen während 2008 1ooo Euro zwar nominal etwa derselbe Betrag ist, aber man schon lange nicht mehr damit gut auskommt.

    Unter anderem ist das auch ein Grund weshalb Magicspieler nicht mehr so stark nachwachsen wie vielleicht noch vor 10 jahren.

  8. GerwaldBrunner Says:

    und überbezahlt sind die Herren Vorstände auf jeden fall, ein uns allen bekannter (hoffe ich zumindest)Chef einer grösseren mittelständischen Firma sagte einmal das der Chef einer Firma maximal das 20 fache dessen verdienen sollte welches der schlechtbezahlteste Arbeiter in diesem betrieb erhält, demnach dürfte herr mehdorn zb 30ooo euro im monat nach hause tragen , was einem jahresalär von 720ooo euro entspräche und nicht die millionen beträge die er zur zeit erhält.(von anderen vorständen möchte ich nicht erst an fangen)

  9. Tigris Says:

    schüler die nicht zur schule kommen werden sich wohl nicht besonders aufregen und da sie nach pisa wohl eh nicht so viel lernen, wird das dann auch keinen unterschied machen^^

    ich stimme dir zwar zu, bei dem Punkt, dass streiks wegen den auswirkungen, die sie auf andere haben, nicht unbedingt immer ein gutes mittel sind. Aber diese chefs mehr oder minder so sich verhalten müssen wegen den aktionären, hm das finde ich dennoch nicht so eine gute entschuldigung vor allem haltaufgrund ihrer hohen löhne.

    ausserdem sich über so etwas so aufzuregen, wobei auch du nicht alles so genau darüber zu wissen scheinst, vor allemw ie man auch bei tsl’s kommentar lesen kann, ist lachhaft.

    Gut ich kann auch nicht behaupten, dass ich alle details zu diesem streiks kenne und bin auch sehr froh in einem Land zu leben, indem es beinahe keine streiks gibt, bzw es eigentlich gar keine streiks geben sollte. (der eine tag den einige bauarbeiter frei genommen hatten ist auch nicht so ein richtiger streik gewesen, da sie nichts wirklich lahmgelegt haten und nunja die meisten arbeitnehmern sogar frei bekommen hatten, damit sie streiken konnten^^)

    naja wir werden uns zumindest wiedermal amüsieren können über die bilder von streiks bei euch.

  10. beefman Says:

    O M G!!!
    da muß ich herrn pischner mal wieder in (fast) allen belangen recht geben.
    diese phrasen und parolen gegen die AN-abzocke durch böse manager von realitätsfremden pseudorevoluzzern kann ich ums verrecken nicht mehr hören.
    und natürlich dreht es sich auch bei den “machtspielen” letzten endes ums geld, ist ja quasi eine zukunftsinvestition^^.

  11. datenpiraterie Says:

    @ gerwald brunner:
    danke für deinen kommentar. er überschreitet die kritische menge an dummgeschwätz, sodass tatsächlich eine antworte provoziert wird.

    der kommentar wirkt wie die lose aneinanderkettung von wahlplakaten der linkspartei (o.Ä.). keine stringenz, logische lücken (die angeblichen zugeständnisse an die arbeitgeber führen also zur verlegung der betriebe ins ausland), random rants. so gehts! weiter so.
    mein persönlicher favorit ist aber der vergleich 2000DM i.J. 1988 und 1000 Euro jetzt. inflation anyone?
    random gedisse von überbezahlten managern auch immer wieder gut. vor allem off-topic.
    irgendwie hege ich fast den verdacht, der pischner selbst spammt dumme kommentare rein, um mehr action zu haben durch die antworten :-)


  12. Als wenn es jemals einen Mangel an dummen Kommentaren gäbe…

  13. sokyong Says:

    tut mir leid andreas. zuerst die dummheit anderer anprangern, und dann selber nur dünne sachen produzieren provoziert nicht unbedingt gehaltvolle kommentare.

    “Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer sind in den Zwängen eines kapitalistischen Systems gefangen, dessen Globalisierung verlangt, dass man seine Rentabilität an denen anderer Unternehmen weltweit messen muss, und in dem jeder – egal ob Manager, Gewerkschaftsvorstand oder einfacher Arbeitnehmer – nebenbei versucht, sich sein Scheibchen von dem großen Kuchen abzuschneiden.”

    “Wenn aber jemand diese höchst komplexe Thematik auf die Klassenkampf-Rhetorik des 19. Jahrhunderts reduziert, dann geht mir der Hut hoch.”

    –> in diesem fall reduzierst du einen komplexen zusammenhang auf eine globalisierungslesart die sowohl deterministisch (auf den kontext bezogen) als auch relativierend (auf die akteure bezogen) ist, und die am gehalt der aussagen einer klassenkampfrhetorik nicht wirklich hinten an steht.

    “Ich bin übrigens überzeugt davon, dass Arbeitgebervertreter und Gewerkschaftsführer sehr ähnliche Typen Menschen sind.”

    –> das könnte daran liegen, dass beide typen repräsentanten in einer symbolisch aufgeladenen auseinandersetzung sind, die nach einer gewissen art von verhandlungsqualität verlangt. ansonsten ist es relativ egal was für menschen das sind. WOFÜR, FÜR WEN und WIE sie die auseinandersetzung führen ist die entscheidende frage.

    “Und ich bin weiterhin überzeugt davon, dass die meisten “armen” Arbeitnehmer genau so egoistisch, geldgierig und skrupellos sind wie die meisten Arbeitgeber, nur dass sie diese Eigenschaften halt auf einer weit kleineren Skala beweisen.”

    –> na danke. die menschheit ist verkommen und moralisch versaut. politik ist egal, weil alle nur an einem rattenrennen teilnehmen in dem keiner irgendein wahl hat anders zu handeln als nach einer persönlichen nutzenmaximierung.
    schreiben kannst du, aber sonderlich tief setzt an diesem punkt nicht an beim (politischen) denken…

    “Stattdessen schalte ich mein Gehirn wenigstens so lange ein, dasss es mich daran hindert, zu einem Thema, von dem ich nicht genug verstehe, eine vorgefasste Meinung in die Welt hinaus zu brüllen. Das möchte ich anderen an dieser Stelle hier auch empfehlen.”

    –> du magst der ansicht sein, dass du qualifiziert genug bist um aussagen zu treffen die dich von deinem objekt der häme abheben. leider ist so etwas immer auch relational und in meinen augen solltest du deine obrige aussage auch unter diesem blickwinkel begreifen.

    sok-yong

  14. GerwaldBrunner Says:

    wenn nie einer gestreikt hätte gäbs noch heute arbeitsbedingungen und Löhne wie Anno 1880.
    Aber manche leute merken vor lauter an sich selbst denken gar nicht das es eventuell nur ein wenig Solidarität bedarf um gweissen Misständen die Spitze zu nehmen.

    Und an den herrn datenpirat, da du anscheinend nicht zu DM zeiten einen Lohnzettel erhalten hast aufgrund deines zu geringen alters solltes mal genau darüber nachdenken was du so von dir gibst..

  15. ferdi Says:

    hm, da platzt die bahnprivatisierung und plötzlich fällt auf, dass die ice’s irgendwie am arsch sind… puh, glück gehabt, nech?

    doch, der mehdorn is schon ein ganz lieber.


Leave a Reply

Please log in using one of these methods to post your comment:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s