Müßige Gedanken zur PT Hollywood

Oje.

Nach ein paar Tagen relativer Ruhe erhalte ich schon wieder tägliche Spam-Kommentare in dreistelliger Zahl. Das nervt.

Was einen Magic-Spieler dieses Wochenende primär beschäftigt, ist natürlich die Pro Tour Hollywood. Als ich dies hier tippe, sind die Top 8 bekannt, haben aber noch nicht begonnen. Morgen wird der Sieger fest stehen, und ein paar Wochen später werden viele Leute zwar noch seinen Namen und sein Deck wissen, aber bei den sieben anderen bereits ins Schlingern geraten. Bestenfalls erinnern sich Deutsche noch an Jan Ruess und generell daran, dass nur ein Faerie-Deck dabei war, aber erstaunlicherweise zwei Reveillarks, obwohl die doch eigentlich in einem Faerie-Feld Probleme haben. Ein paar Monate später zählt dann nur noch der Sieger.

So interessant es natürlich ist, sich die Decks im Top-8-Bracket anzusehen und darüber zu spekulieren, wer gewinnen wird (ich tippe mal auf da Rosa) – da ist einfach sehr viel matchup- und glücksabhängig, und auch wenn Mike Flores zum Beispiel in seinen Metagameanalysen die Siegerdecks immer ganz besonders hervor hebt (typisch Amis!), halte ich die Top-8-Auswahl insgesamt doch für aussagekräftiger als eine nur auf dem erstplatzierten Deck basierende Schlussfolgerung.

Ach so, dann sollte ich auch noch eine Aussage treffen? Na gut: Faeries sind gut, aber nicht so gut, dass sie für ein darauf vorbereitetes Feld die beste Wahl sind. Sobald allerdings der Faerie-Hype ein wenig abklingt, und Deckbauer sich wieder auf ein weiteres Feld einstellen (hat nichts mit Günter Grass zu tun), werden sie dementsprechend wieder stärker. Das alte Leid: Man muss eben einschätzen können, wie weit das Metagame sich gerade bis zu einem Wochenende gedreht hat (und dann natürlich auch noch das Glück haben, auf ein repräsentatives Segment dieses Metagames zu treffen).

Mir ist allerdings noch etwas anderes aufgefallen: Hier sind die Standings nach dem ersten Tag. Vorneweg marschieren mit jeweils 8-0 Stan van der Velden und Guillaume Wafo-Tapa. Und hier sind die Standings nach dem zweiten Tag. Nanu, wo sind die beiden denn geblieben? Wafo-Tapa hat sich mit 3-4-1 noch auf Platz 13 geschleppt. Van der Velden findet man nach langem Suchen weit abgeschlagen auf Platz 70 – er ist 1-7 gegangen!

Wie ist das nur passiert? Die unangreifbarste Antwort ist, dass es sich einfach um eine stochastische Zufälligkeit handelt – Magic ist eben ein Glücksspiel. Die wohl bösartigste Vermutung ist diejenige, dass sich hier zwei moralisch weniger standfeste Spieler im weniger streng überwachten ersten Tag mit unlauteren Mitteln durchgemogelt haben. Die meiner Ansicht nach interessanteste Erklärung ist jedoch die, dass sich die Metagames von Tag 1 und Tag 2 einer Constructed Pro Tour erheblich unterscheiden! Die Metagame-Breakdowns des Coverage-Teams stützen diese These zwar bestenfalls ansatzweise, aber möglicherweise kommt es ja auf Subtilitäten an: Ist es denkbar, dass die Decks von W-T & vdV (zu finden hier in einem Feature Match der beiden gegeneinander) einfach stärker gegen mittelmäßige, aber schwächer gegen starke Decks sind (und das natürlich in weitaus höherem Maße, als diese Klassifizierung bereits voraus setzt)? Ich sehe hier zwei sehr stark metagegamede (DENGLISH RULEZ!) Decks; ein 5-Color-UG mit je 3 Cloudthresher und 3 Firespout main (und unter anderem noch 3 gesplashten Wispmare im Sideboard), sowie ein extrem kontrollastiges Feen-Deck, welches nur noch die 12 wichtigsten Kreaturen spielt und ansonsten nur aus Kontrollelementen (und natürlich Bitterblossom) besteht, ganz offensichtlich fürs Mirror getuned. War solch potenter, aber plumper Faerie-Hate eine gute Strategie, um den zweiten Tag zu erreichen, aber dann unzulänglich gegen die rundum solideren Decks, welchen man dort begegnete?

Als Kontrast ein Blick auf die beiden ähnlichsten Decks aus den Top 8: Martin Lybaert meint zwar selbst, er habe sein R/G Ramp zu stark gegen Faeries ausgerichtet (auch er fährt Cloudthresher und Firespout), aber er hat diesen Ansatz nicht in einem counterlastigen Kontrolldeck verfolgt, sondern in einem allgemein gegen Kreaturendecks starken Konzept. Und Paolo Vitor Damo da Rosa sagt, dass er bei seinem Feendeck das Mirrormatch größtenteils ignoriert habe – er würde 4 Thoughtseize einsideboarden, und das war’s.

Sind van der Velden und Wafo-Tapa das Metagame-Problem überkompliziert angegangen, oder interpretiere ich hier einfach nur Luftschlösser in eine Wolkenlandschaft hinein?

Explore posts in the same categories: General

Tags: , , , , , ,

You can skip to the end and leave a response. Pinging is currently not allowed.

11 Comments on “Müßige Gedanken zur PT Hollywood”

  1. pfirpel Says:

    Bei Wafo-Tapa muss man sicherlich den Verlust des Roque-Faktors des Decks am zweiten Tag hervorheben. Das Deck wurde nach Tag 1 derart gehypet, dass sich zahlreiche Tag-2-Spieler sich über Nacht auf das Matchup vorbereitet konnten und somit gegenüber den Tag1-“Opfern” sicher einen nicht zu verachtenden Vorteil durch die nun erarbeiteten Kenntnisse hatten. Am fehlenden Playskill des Franzosen ist das Tag-2-Ergebnis sicherlich nicht gelegen.


  2. Okay, ich kenne mich ja mit dem Leben der Pros nicht aus – aber würden sie sich wirklich über Nacht noch auf EIN Deck im Tag 2 gezielt vorbereiten?

  3. pfirpel Says:

    Naja, wie so eine Vorbereitung im einzelnen nun ausgesehen hat (Test-Matches oder nur Brainstorming), weiss ich nicht. Aber da nun die Liste auf der Wizards-Seite bekannt wurde, konnte man nun sich einen Plan zurechtlegen, wie man dagegen spielen sollte. Die Liste ist derart speziell, dass dies in diesem Fall wirklich entscheidend war. Denke ich jedenfalls :)
    Wäre schön, wenn man da vielleicht von Beteiligten – Wafo-Tapa, Bucher oder deren Tag-2-Gegner – etwas aus erster Hand erfahren könnte…

  4. ZX3 Says:

    Was mich ja ein wenig verwundert hat, sind die Aussagen der meisten Spieler über ihre decks: Beinahe jeder sagt, sein deck wäre 50-60% gegen Faeiries und deshalb gut. (Ausnahme: Nakamura, der ja gesagt hat, er “prayed” einfach. Gereicht hats ja im Quarter xD)
    Wie ist das möglich, wo Faeries doch das Beste Deck ist (ausgenommen Mono R, Merfolk und hate aus dem board)?

  5. ZX3 Says:

    “ausgenommen gegen” muss es heißen

  6. Teardrop Says:

    Naja, Faeries gilt als das beste Deck, also ist man zufrieden mit 50%, dann hat man aber halt ein Deck gebaut, das besonders gegen Faeries getuned ist. Besser wird es nicht, da man sonst gegen zuviele andere Decks verliert. Und Faeries bleibt immer noch ein gutes Deck, weil ja niemand mehr als 60% dagegen hat!

    Ich hoffe, dass beantwortet die Frage…

  7. Chickenfood Says:

    genau, auch ein 60% MU verleirt man eben in 40% der fälle.

  8. ZX3 Says:

    Ja schon, aber seht doch mal, wenn so ziemlich alle Decks 50-60% gegen Faeries hätten, würde das im Umkehrschluss bedeuten, dass Faeries (das sog. beste Deck) gegen ziemlich alle matchups nur 40-50% haben. Wäre irgendwie etwas strange.
    Wobei die Ergebnisse eigentlich genau das implizieren. Hmm.
    Faerie got hated out?


  9. Solche Prozentzahlen (einmal abgesehen vond er tendenz vieler Spieler, ihr Pet-Deck zu positiv einzuschätzen) beziehen sich normalerweise auf die “typischen” Versionen, gegen die man in seinem Testgauntlet spielt. Im Turnier aber trifft man auf individualisierte, getunede, weiter entwickelte Versionen.

  10. TMM Says:

    “Die wohl bösartigste Vermutung ist diejenige, dass sich hier zwei moralisch weniger standfeste Spieler im weniger streng überwachten ersten Tag mit unlauteren Mitteln durchgemogelt haben.”

    zu dem thema fällt übrigens auch die sehr zufällige one-of fee, die zwei karten aus dem gy entfernt, im sideboard vom top 8 belgier auf. hmmm, sehr seltsames one-of und acht shuffleeffekte (okay, auch zwei g commands…) – ein schelm, wer böses dabei denkt…


  11. Okay, ich war ja schon bösartig, aber das ist jetzt wirklich… besonders bösartig. Wenn jemand mit guten Karten spielt, die nun einmal die Bibliothek mischen? Willst Du jeden, der Sakura-Tribe Elder oder Fetchländer spielt, unter Generalverdacht stellen?

    Ich weiß jetzt auch nicht so Recht, woaruf Du mit dem Hinweis auf die One-of-Fee hinaus willst… Sie ist offenbar gegen Reveillark gedacht, ein miserables Matchup für das Deck. Es ergibt doch Sinn, dass man dafür nur einen SB-Platz einplant, wenn man weiß, dass das Matchup auch mit massivem Hate nicht wirklich gut wird, und man sich diese eine Karte immerhin mit den Commands tutoren kann?


Leave a Reply

Please log in using one of these methods to post your comment:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s