Wochenrückblick 28/2008

So sah es vorige Woche aus.

Montag:

PlanetMTG:

Ich ziehe die Konsequenzen aus dem Feedback zu meinem vorwöchentlichen Artikel und gebe den Leuten mit einer Kontroverse auf Bestellung das, was sie lesen wollen. In den sich erwartungsgemäß anschließenden massiven Diskussionen werde ich insgesamt doch erstaunlich wenig gedisst.

magicthegathering.com:

Mark Rosewater stellt das Eventide-Design-Team vor und erzählt und von den Ursprüngen der Mechaniken Chroma und Retrace. Obwohl er natürlich Recht hat, dass Chroma sich hervorragend in das Hybrid-Thema einbinden lässt, finde ich diese Mechanik immer noch fantasielos, langweilig und umständlich. Das Interessante bei Retrace ist, dass ihr Vorläufer Divergence kaum etwas damit zu tun haben scheint! Zwar erläutert Mark diese Evolution schlüssig, aber mir fehlt da doch das Eingeständnis, dass das Endergebnis auch spieltechnisch kaum etwas mit Alexis’ ursprünglicher Idee zu tun hat.

Prerelease Primer wie den von Tim Willoughby lese ich schon seit vielen Jahren nicht mehr, dazu sind sie einander einfach immer zu ähnlich. Natürlich sind sie auch nicht für Leute wie mich gedacht, die seit Jahren täglich bei magicthegathering.com einschalten.

Dienstag:

Magic Universe:

Mit Uwe Post schreibt hier jemand, dem man schon an den ersten Absätzen anmerkt, dass er es kann (worauf er dann auch in der Folge nachdrücklich hinweist). Inhaltlich bin ich allerdings enttäuscht. Hier wurde Minimaster ein neuer Name gegeben und nicht einmal darauf hingewiesen, und irgendwie auch nicht allzu viel Interessantes dazu gesagt (was zugegebenermaßen daran liegen mag, dass es dazu auch nicht allzu viel Interessantes zu sagen gibt). Die ausführliche Matchbeschreibung des Minimaster-Duells habe ich mir jedenfalls trotz des guten Schreibstils nicht angetan. Etwas zu oft und unmotiviert tauchen mir übrigens die Anspielungen auf den “Holy War” auf. Ist das etwa ein äußerst plumper Weg, über eine Neubenennung des Formats als Booster War und diese ständigen Anspielungen auf den Fantasy-Roman des Autors zu verweisen? Ich hätte es da doch bevorzugt, wenn er einfach ehrlich auf eine entsprechende Seite verlinkt hätte, anstatt seinen ganzen Artikel damit zu verzerren – wenn ein Magic-Spieler etwas veröffentlicht, dann darf er das der Community auch ruhig einmal mitteilen!

PlanetMTG:

Michael Thiel befasst sich in der Legacy-Reihe mit Survival-Decks. Den historischen Ansatz mag ich ganz gerne. Insgesamt wirkt aber auch dieser Artikel auf mich zu sehr wie das Herausgreifen eines beliebigen Stücks aus einem ungenügend erforschten und verstandenen Environment. Zuletzt bin ich zu dem Schluss gelangt, dass ich da wohl schlicht zu viel erwarte, weil es dieses umfassende Verständnis des Legacy-Formates einfach noch nicht GIBT, nur lokale Metagames und individuelle Ansichten. Die begabtesten Analytiker neigen eben dazu, sich stattdessen mit den relevanten Turnierformaten zu befassn.

magicthegathering.com:

Kelly Digges beweist endgültig, in welche Richtung “Serious Fun” ohne The Ferret nun gehen soll, indem er ein random Deck in einem random Format, das er aus seinem random Kartenpool gebaut hat, vorstellt und uns von einem supertollen Spielzug, in dem unter anderem Pandemonium, Hamletback Goliath, Mindslaver, Warp World und Grip of Chaos eine Rolle gespielt haben, vorschwärmt. Mit den Machwerken von Bleiweiss und Miller ist das jetzt schon die dritte Casual-Kolumne auf magicthegathering.com ohne wirklichen Informationswert. Auch das passt in meine Theorie, dass Wizards die RL-Turnierszene zugunsten einer Verlagerung auf Magic Online schrittweise aufgeben und ihre Karten aus Pappe nur noch an Gelegenheitsspieler gerichtet vermarkten wollen.

Steve Sadin ergänzt den Prerelease Primer von Montag mit einigen sehr allgemein gehaltenen Tipps für das Eventide-Format und einer Menge Hyperbole. Heutzutage muss vermutlich jede Werbung den Eindruck vermitteln, dass ihr Produkt high macht.

Mittwoch:

Magic Universe:

Der NQ-Bericht von Florian Pogutter ist effektiv wieder nur ein 3:1:1 Runde-für-Runde-Turnierbericht, und haut einen, auch weil der zeitliche Abstand immer größer wird, echt nicht vom Hocker. Ein Autor / Teamleiter / Editor mit Gespür hätte da vielleicht einmal nachgehakt, ob nicht noch ein bisschen was zu jenem Treefolk-Deck recherchiert werden hätte können, und dazu noch ein paar Absätze angehängt – so hätte dieser Beitrag deutlich mehr interessanten Gehalt gehabt, und Überlänge wäre auch noch keine zu befürchten gewesen.

PlanetMTG:

Tobi hat mal wieder ein Video gemacht, welches bestimmt ganz witzig und unterhaltsam ist, wenn man so etwas mag. Ich will die Cartoons zurück!

magicthegathering.com:

Ben Bleiweiss lebt immer noch, und niemand tut etwas dagegen.

Doug Beyer erklärt uns, warum Selkies Merfolk sind. Er nimmt dabei bereits spürbar ein wenig eine defensive Haltung ein, denn natürlich stellt diese Gleichsetzung eine Vergewaltigung bestehender Fantasy-Konventionen dar. Prinzipiell sagt er, dass mehr Verallgemeinerungen und Zusammenfassungen bei Kreaturentypen einen Zuwachs an spielerischen Möglichkeiten bedeuten, und da stimme ich ihm voll zu! (Habe ich das übrigens nicht schon einmal vor Ewigkeiten… also, vor EWIGKEITEN… also, vor über 10 Jahren… TATSÄCHLICH!) Dabei argumentiert er nicht immer glücklich, zum Beispiel wenn er Murderous Redcap als hilfreiche Ergänzung für den Goblin-Tribe darstellt… als wenn dieser noch Hilfe bräuchte, und als wenn die Rotkappe nicht auch so ein Staple im Constructed wäre! Alles in allem sind die Designer hier für meinen Geschmack sogar immer noch etwas zu inkonsequent – eine dreistellige Anzahl Kreaturentypen braucht Magic meiner Ansicht nach nicht.

Oh, und Mark Gottlieb listet penibel alle regeltechnischen Veränderungen, die mit dem Erscheinen von Eventide wirksam werden, auf. Zwar finde ich es gut, dass dieser Text existiert, aber begleitend hätte ich es schon bevorzugt, wenn in einer Übersicht ausschließlich die funktionalen Änderungen (und zwar sortiert nach ihrer Bedeutsamkeit, und erklärt) vorgestellt worden wären. Außerdem kann ich mit Passagen wie

217.1c This rule got another exception added to it. The exception already exists; it’s for Auras that trigger when the enchanted permanent leaves play and then try to find the permanent and/or the Aura in the new zones they wind up in. This rule is getting bloated, so it may be rewritten or split into separate rules in the future.”

nichts anfangen, ohne mich selbst intensiv in den Quelltext einzuarbeiten.Vielleicht schreibt ja jemand wieder auf PlanetMTG einen Judge-Artikel zu diesem Thema – der Rest de Welt hat dann eben Pech gehabt!

Donnerstag:

Magic Universe:

Julian Brüggemann stellt in seiner Legacy-Reihe Vial-Goblins vor, und auf den ersten Blick scheint mir sein Beitrag – zumindest aus meiner Sicht als Laie – um einige Nuancen schlüssiger, umfassender und strukturierter als die entsprechenden MTG-Artikel der letzten Wochen. Die Decklisten jedoch ohne zumindest ein als solches gekennzeichnetes Beispiel-Sideboard zu zeigen, gefällt mit nicht, ganz besonders dann, wenn das Hauptdeck ansonsten völlig sinnlose Taigas enthält, und was mir ebenfalls nicht gefällt ist, dass diese Decklisten ohne jede Information, woher sie stammen, dahin geklatscht werden. Decklisten kopieren dauert nicht lange, also gibt es keinen Grund, nicht erst einmal ein oder zwei davon, die aus einem bestimmten Turnier stammen, aufzuführen und dann gegebenenfalls mit einigen informativen Kommentaren eine selbst gebastelte “typische” Deckliste daneben zu stellen! Handwerklich scheint mir bei Strategie-Artikeln in Deutschland ganz allgemein zuletzt einiges verloren gegangen zu sein.

PlanetMTG:

Ich will Trash keineswegs systematisch bashen (und um das noch einmal klar zu stellen: Meine Kritik am Videoformat seines letzten Draftwalkthroughs war keine Kritik am Autor, sondern am Publikum!), aber er schreibt nun einmal regelmäßig für den Planeten, und er bleibt leider auch regelmäßig deutlich hinter den Erwartungen, die ich an ihn stelle, zurück. Bei seinem Eventide-Previwe tut er das sogar besonders spektakulär. Um einmal Tacheles zu reden: Für die lauwarmen Offensichtlichkeiten, die er da von sich gibt, braucht man wirklich keinen “Pro” – das könnte jeder regelmäßige FNM-Spieler mindestenst genau so gut machen! Natürlich hat Trash durch den extrem frühen Zeitpunkt der Veröffentlichung auch kaum Zeit gehabt, sich ausführlichere Gedanken zu machen – aber ist das eine Entschuldigung oder nicht nur eine Erklärung? Warum zum Teufel wurde nicht wenigstens die Veröffentlichung der offiziellen Spoiler-Liste abgewartet (2 Tage nach Erscheinen des Artikels)? Und dann ist da noch der Umstand, dass Trash völlig die Option ignoriert, im SSE-Format einfarbige oder fast einfarbige Decks zu draften, obwohl das bereits in Shadowmoor gelegentlich der Fall war und einer jener prominenten Aspekte war, mit denen dieser Block von seinen Machern beworben wurde! Okay, vielleicht hat Trash ja exzellente Argumente dafür, warum diese Strategie zum Scheitern verurteilt wäre – aber warum teilt er uns diese dann nicht mit? Weil er keine 5 Minuten darüber nachgedacht hat, das ist die Antwort, und diesen Eindruck macht der gesamte Artikel auf mich. Geschwindigkeit ist nicht alles!

magicthegathering.com:

Chris Millar berichtet von einem Experiment, welches mich an meine eigenen Versuche, aus den Commons eines Sets Decks zu bauen, erinnert. Er geht das ganze Unterfangen noch systematischer und umfassender an, indem er ALLE Commons verwurstet, wofür er von mir einen Kekspunkt für tatsächlich investierte Mühe und Gedankenakrobatik erhält, aber die Spielbarkeit der Decks und damit den Spielspaß (und damit wiederum den ganzen Sinn der Übung) drastisch reduziert. Immerhin – mal etwas anderes von Mr. Millar!

Mike Flores setzt schon wieder sein eigentliches Koumnen-Thema zu Gunsten eines Karten-Previews aus und vergreift sich gleich gehörig in allen Größenordnungen, als er Figure of Destiny mit Tarmogoyf vergleicht. Den Rest seines Artikels verbringt er damit, seinen Lesern ca. 5 Minuten gedankliche Arbeit abzunehmen, wie diese Karte denn nun eigentlich genau funktioniert, und was man damit anstellen kann.

Freitag:

Magic Universe:

Auch Phips schreibt einen Turnierbericht, aber ein paar entscheidende Parameter sind anders als bei denen von den NQs: Der PTQ hatte ein einigermaßen ernst zu nehmendes Teilnehmerfeld, er war erst ein paar Tage her, er fand in einem zur Zeit hochaktuellem Format statt, Phips ist ein österreichischer Top-Spieler, und er hat mit 6:2:1 ein sehr respektables Ergebnis eingefahren. Alles das zusammen genommen, dazu die größere schreibersiche Routine und stilistische Sicherheit macht eben den Unterschied zwischen einem Bericht, den ich interesselos überfliege und einem, den ich mir wirklich durchlese.

PlanetMTG:

Simon Ritzka liefert gleich eine komplette Mini-Coverage zu einem PTQ. Da gibt es nicht viel daran auszusetzen – für das gähnend langweilige Block-Metagame kann er ja nichts. Überhaupt sind diese Mini-Coverages, die ja unterdessen auf dem Planeten zum Standard geworden zu sein scheinen, eine tolle Sache!

Außerdem schreibt Philip Schulz einen Judge-Bericht vom NQ Hamburg. Das ist zwar immer interessant, aber zu einem “Bericht” reicht es hier nun doch nicht – das sind nur ein paar random (na gut, nicht ganz so random, immerhin sind sie ja aus dem Turnierspiel entstanden) Regelfragen mit Antwort. Wie gesagt, das ist immer interessant, aber zu einem Bericht gehört dann doch noch mehr – mehr Überblick über das Ganze, mehr zum Ablauf, ein Fazit… solche Dinge eben.

magicthegathering.com:

Devin Low maskiert ein Preview der zugegebenermaßen sehr aufregenden Karte Hallowed Burial als Diskussion des Konzeptes “die richtigen Antworten auf die gegebenen Probleme” – zwar ein sehr interessantes Thema, aber letztlich hat er all das bereits in einem früheren Artikel, den er auch selbst verlinkt, schon einmal erwähnt. So klingt sein Text schon wieder ein wenig apologetisch, wenn er sich gegen zu erwartende Kritik wie Power Creep verteidigt – da sehe ich zuletzt einen Trend auf dieser Seite! Wieso auf einmal dieses massive Bedürfnis, die eigenen Entscheidungen zu rechtfertigen? Hat da jemand ein schlechtes Gewissen, weil der Power Level des Lorwyn-Blocks – insbesondere im Hinblick auf Kreaturen – tatsächlich ein wenig aus dem Ruder gelaufen ist? Prinzipiell finde ich es ja gut, wenn sich Constructed hauptsächlich um Kreaturen dreht, aber wenn die reaktive, kreaturenlose Strategie nicht mehr Teil des Metagames ist und uns daher zusätzlich zum Archetyp Kontrolle auch der Archetyp Aggro verloren geht, ist das Rad zu weit gedreht worden. Das wäre jetzt auch noch nicht so schlimm, wenn es eine vorüber gehende Erscheinung wäre – kreaturenlose Decks haben in der Geschichte von Magic weiß Gott lange genug dominiert – aber wie kann man hier gegensteuern, ohne entweder die Antikreaturenkarten ebenfalls auf einen neuen Level zu heben (Voila: Power Creep!), oder einen neuen Masken-Block zu entwerfen, welcher den Power Level resettet und dabei die Kundschaft zutiefst enttäuscht?

Auch BDM benutzt seine Kolumne für weiteren Eventide-Hype, indem er uns für einige bereits offiziell bekannte Karten Anwendungsmöglichkeiten und Kombos vorstellt, die ich größtenteils für völlig offensichtlich halte – aber diese Seite wird ja nicht nur von Intensivspielern wie mir gelesen.

Erwähnen möchte ich noch, dass Tobi auf dem Planeten diesmal das Rennen um den zuerst veröffentlichten Bilderspoiler locker gewonnen hat, weil bei Magic Universe die zuständigen Leute mit den technischen Änderungen auf der WotC-Seite nicht klar gekommen sind. Das baut ihn bestimmt auf!

Ansonsten will immer noch meinem MTGO-Kram loswerden!

Bis nächste Woche dann – oder vielleicht schreibe ich ja mal wieder zwischendurch etwas.

Explore posts in the same categories: Wochenrückblick (This Week)

Tags: , , , , , , , , ,

You can skip to the end and leave a response. Pinging is currently not allowed.

3 Comments on “Wochenrückblick 28/2008”

  1. Handsome Says:

    Ich glaub, bei Trash ist einfach das Problem, dass er eine wöchentliche Kolumne hat – das tut seinen Artikeln nicht gut. Trash schreibt exzellente und kontroverse Limited-Reviews und unterhaltsame Turnierberichte, aber gerade Strategie-Artikel zu Constructed wirken bei ihm immer ein wenig gezwungen.

  2. Anonymous Says:

    Oo, Andi ist neidisch auf Uwe`s Schriftsteller-Skills :P

  3. bishop Says:

    aye, so wie ich neidisch auf deine genitiv skills bin :>


Leave a Reply

Please log in using one of these methods to post your comment:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s