Wochenrückblick 29/2008

Das war letzte Woche. Ein Nachtrag dazu: Natürlich hatte ich am Samstag auf Magic Universe auch wieder etwas geschrieben, und zwar zu Planeshift und Apocalypse!

Montag:

PlanetMTG:

Ich reminisziere ein wenig über vergangene Limited-Formate. Da diese Idee beim Publikum gut angekommen ist, gibt es davon dann auch eine Fortsetzung.

magicthegathering.com:

MaRo versorgt uns wieder mit interessanten Tidbits zu der Entstehungsgeschichte einzelner Karten, diesmal aktuell zu Eventide. Ich muss übrigens sagen, dass ich Bloodied Ghost wirklich nicht vermissen würde (vielleicht wäre er als 4/4er mit zwei -1/-1 Countern interessanter – aber so oder so tritt er bereits dem Hatchling-Design auf die Füße) und die Goat-Karten beide superdämlich finde. Vielleicht ist es doch ganz gut, wenn “them” sich auch ab und zu einmal durchsetzen…

Dienstag:

Magic Universe:

Sven Piegsa berichtet von einem sehr… eigenwilligen Casual-Abend, der sich ehrlich gesagt so liest, als wäre er nur mit reichlich Alkohol erträglich oder gar unterhaltsam gewesen. Immerhin ein interessanter Bericht aus der Reihe “Was alles Casual sein kann”, aber zur Nachahmung kann ich dieses chaotische und unausgegorene Prinzip nicht empfehlen.

Tatsächlich hat Magic Universe an diesem Tag einmal zwei Artikel! Florian Reiter gibt sich viel Mühe, einige besonders interessante Constructed-Kandidaten aus Eventide kritisch unter seine analytische Lupe zu nehmen. Die Hauptschwäche seines Ansatzes ist, dass er nicht über den Tellerrand des Pre-Eventide-Metagames hinausdenkt, doch ansonsten sind seine Gedankengänge durchaus informativ.

PlanetMTG:

In der Legacy-Reihe legt Bernhard Klinger den bislang besten Teil vor, erklärt das Prinzip des Decks und dessen Platz im Metagame ausführlich. Allerdings frage ich mich, ob das nicht vielleicht auch daran liegt, dass dieses Deck zu 90% eben bereits in Extended existiert, so dass es möglich war, auf die in diesem relevanten Turnierformat vorhandenen Kompetenzen zuzugreifen. Nun, zumindest lässt die Tatsache, dass zur Zeit auf beiden großen deutschen Seiten regelmäßig Legacy-Artikel erscheinen hoffen, dass vielleicht doch so etwas wie eine überregional gültige Analyse dieses Formats entstehen könnte!

magicthegathering.com:

Steve Sadin führt das Konzept des “Draft Multiplier” ein – eine interessante Herangehensweise, jedoch möglicherweise ein zu abstraktes Konzept, um in der Praxis nützlich zu sein. Ein Problem damit spricht er ja selbst an: Dass die Art und Weise, wie sich die Drafter an einem Tisch verhalten, die Stärke der entstehenden Decks entscheidend mitbeeinflusst. Dabei vernachlässigt er ein wenig den Unterschied zwischen kooperativen Draftern und Cutthroat-Draftern (die zum Beispiel eine vom Vordermann markierte Farbe im zweiten Booster ernten), welche noch einen zusätzlichen, großen Einfluss hat. Außerdem stellt dieser Faktor nicht dar, dass Sealed Decks und Draftdecks ihre Stärken aus unterschiedlichen Quellen beziehen. Sealed stellt eben mehr Bomben zur Verfügung, während Draft bessere Manakurven und taktische Synergien ermöglicht. Nur, wenn die besten Draftdecks den besten Sealed Decks ähnlich sähren, ergäbe dieser Multiplier wirklich Sinn, aber das ist meiner Ansicht nach nicht wirklich der Fall. Abgesehen davon spricht Sadin mit dem Praxisvorsprung von einem Prerelease-Wochenende gegenüber null bei Trash schon einmal den Gedanken größtenteils einfarbiger Decks in diesem Format an.

Jacob Van Lunen schreibt darüber, dass Magic doch eine tolle Sache für viele Leute ist, die sonst nicht wissen, was sie mit ihrer Freizeit / ihrem Leben anfangen sollen (schönes Zitat: “A lot of us are square pegs in a world that seems like a bunch of round holes”), und dass man ruhig dazu stehen kann – selbst dem anderen Geschlecht gegenüber! Das ist zwar richtig (und hat sich offenbar auch in Deutschland noch nicht herum gesprochen, wenn ich da an manche Forenbeiträge und Blogs denke, die ich in den letzten Wochen gelesen habe), aber ich wundere mich schon, dass solche Artikel sich zuletzt auf magicthegathering.com zu häufen scheinen – soll das “year of acquisition” etwa auch mit einer Umerziehung und Stärkung des Selbstwertgefühls der bestehenden Spielerschaft einhergehen?

Mittwoch:

Magic Universe:

Der Draftwalkthrough vom MU-Team-Mitglied “Bensch” ist irgendwie an keiner Stelle wirklich stimmig. Ich weiß ja, dass nicht alle Leute meine “Pischner-Edits” damals mochten, aber ich finde es viel lästiger, wenn einem hier höchst fragwürdige Entscheidungen en masse präsentiert werden, ohne dass bereits im Text selbst darauf hingewiesen wird. Alex F. hat es politisch korrekt so formuliert: “ohne euch zu nahe treten zu wollen, aber walkthroughs würde ich eh generell lieber von erfahreneren Spielern lesen.” Ich denke, das trifft es – natürlich soll man über solche Dinger auch diskutieren können (wie man es ja auch bei Trash, dessen fragwürdige Entscheidungen auf einem ganz anderen Niveau statt finden, immer wieder tut), aber es darf nicht darauf hinaus laufen, dass ein Herr Ahnungslos an prominenter Stelle einen Tech-Artikel vortäuscht, und es der Community überlässt, ihn in den Kommentaren zu korrigieren!

PlanetMTG:

Tobi stellt Eventide systematisch und mit vielen Bildern vor. Eigentlich ziemlich inhaltsarm das Ganze, aber eben schön übersichtlich präsentiert und daher nett zu lesen. Allerdings geht er mit dem Begriff “Zyklus” doch teilweise sehr lose um, wenn er einfach quer durch die Häufigkeiten danach sucht. Ich bin aber zu faul, danach zu schauen, ob diese Zyklen wirklich bestehen oder durch zusätzliche potenzielle Mitglieder gesprengt werden.

magicthegathering.com:

Die gute Nachricht ist, dass Ben Bleiweiss diese Woche aussetzt! Stattdessen schwingt Kenneth Nagle die Tastatur. Ich finde es ja höchst irritierend, nach Uwe Posts “Booster War” jetzt mit “Pack War” schon wieder eine neue Bezeichung für dieses eigentlich längst etablierte Fun-Format zu lesen, aber wenigstens weist Kenneth darauf hin, dass es früher “Minimaster” hieß. Seine Einleitung ist übrigens verschwurbelt, sinnlos und unlogisch (wenn Zeit so kostbar wäre, dann müssten wir doch Geld in Zeit umwandeln und nicht umgekehrt!) Übrigens habe ich mir bei Nagle die Spielbeschreibungen im Gegensatz zu den Post’schen tatsächlich durchgelesen – ich nehme an, das lag einfach an der übersichtlicheren Präsentation (Überschriften, Absätze, konsequentere Bebilderung). Das Format scheint übrigens mit Eventide ganz gut zu funktionieren, während Post ja Shadowmoor, welches im Prinzip genau so strukturiert ist, die Eignung für Minimaster mehr oder weniger abgesprochen hat. Nichtsdestotrotz tritt doch recht klar hervor, dass der Skill der Spieler vergleichsweise wenig mit dem Ausgang zu tun hat… was letzten Endes wohl ein Plus ist, wenn man die Zielgruppe des Artikels bedenkt!

Doug Beyer hingegen ist diesmal mit seinem Beitrag vollständig von der Rolle. Ich meine – klar ist es ganz interessant, die Story zu lesen, wie er seinen jetzigen Job bekommen hat (und sich am Kopf zu kratzen, wenn man liest, wie engagiert er sich um einen Job beworben hat, in dem er WENIGER verdient als vorher) – aber was zur Hölle hat das mit der Konzeption von Eventide zu tun, über die uns der Titel dieses Artikels Informationen verspricht? Erst im Letter of the Week geht er ÜBERHAUPT auf dieses Thema ein! Mr. Beyer scheint sich da beim Unterfangen, mit einem Thema möglichst viele Kolumnen zu füllen, vertan zu haben, denn der Artikel ist wahrlich kurz genug, dass der zweite Teil (wenn er ungefähr vergleichbare Länge besäße) noch locker mit dabei hätte sein können!

Donnerstag:

Magic Universe:

Das Pro / Kontra Konzept ist ein interessanter Ansatz, scheitert aber in der Umsetzung an praktisch allen Punkten (Thema, Themenstellung, Themenbearbeitung, Lesbarkeit…). Mal schauen, ob die originelle Idee sich mit einer sorfältigen Nachbearbeitung retten lassen wird!

PlanetMTG:

Jan Ruess verzichtet diesmal beinahe vollständig auf jeglichen strategischen Gehalt, bietet dafür aber exzellente Unterhaltung! Warum allerdings man sich 3.0 noch antut, ist eine gute Frage.

Zusätzlich gibt es noch einen Prerelease-Turnierbericht von Peter Schönherr. Ich habe ihn nur überflogen – er erscheint mir ordentlich geschrieben und einigermaßen solide aufbereitet. Das Deck allerdings ist vielleicht eher aus starken Karten gebaut als stark gebaut, da finde ich einige Entscheidungen doch fragwürdig.

magicthegathering.com:

Chris Millar ist wieder im gewohnten Tritt. Weiterblättern.

Mike Flores beschäftigt sich endlich wieder mit dem eigentlichen Thema seiner Kolumne! An Stelle zahlreicher mehr oder weniger origineller und mehr oder weniger solider Decklisten (welche Referenz stellt ein 6. Platz bei einem PTQ in Virginia wirklich dar?) hätte ich mir allerdings eher eine Analyse gewünscht, worauf genau die Entwicklung des Block-Metagames von “Kithkin und Faeries teilen sich den Kuchen” hin zu “Faeries im Alleingang gegen den Rest!” genau zurück zu führen ist. Zu Standard wiederum sagt er wirklich nichts Neues mehr. Naja, aber die Eventide-Previews waren den Machern der Seite wohl wichtiger…

Freitag:

Magic Universe:

Phips präsentiert als nette Abwechslung diesmal an Stelle eines Walkthroughs ein paar Decks mit dazu gehörigem Score. Diese Idee ist allerdings noch ausbaufähig. Zum Beispiel würde ich halb so viele Decks, aber mehr Analyse und doch ein paar mehr Worte zum Draftverlauf bevorzugen, sowie richtige Decklisten.

PlanetMTG:

Das Judge-Quiz von Sebastian Rittau, nett wie immer halt.

magicthegathering.com:

BDM stellt mal wieder einen Magic-Spieler vor. Interessiert das eigentlich wirklich irgendjemanden? Mit dabei sind ein paar auch nicht gerade aufregende Decklisten, sowie die Erkenntnis dass man, wenn man unbedingt mit anderen Leuten testen will, sich diese nicht frei aussuchen kann.

Devin Low gibt wieder Einblicke in die Entwicklung einiger Eventide-Karten. Diesmal ist seine Kolumne wieder recht interessant und informativ, finde ich, aber nicht in der obersten Klasse.

Samstag:

Magic Universe:

Nicht, dass ich mich wieder vergesse: Diesmal nehme ich die Siebte Edition unter die Lupe.

magicthegathering.com:

Es gibt eine Coverage der Australian Nationals. Und die schlechte Nachricht ist: Kombo ist zurück! Dabei ist es nicht die bereits bekannte Storm-Liste, die sich in einem Feld voller Faeries, einem in der Theorie eigentlich sehr gutem Matchup, letztendlich durchsetzen konnte. (Allerdings hat Shanley auch die etwas behäbigere und anfälligere Version mit Dragonstorm gespielt.) Stattdessen besiegte Nicastri mit einem regulären Kombo-Deck, welches zwei Permanents im Spiel benötigt, um zu gewinnen, in den Top 8 drei mal in Folge Faeries. (Edit: Waren wohl doch nur zwei.) Offenbar war der Schlüssel dazu (neben viel eigenem Discard und Imp’s Mischief), zuerst den Assault zu droppen, gegen den Faeries sobald er einmal liegt nichts mehr machen kann, außer ihn mit einem Command zu bouncen, und dann die Swans, die der Gegner ja gerne töten kann, da man die Kombo in Response darauf duchzieht. Mich wundert übrigens, dass in einem Metagame, in dem Basic Lands wieder einmal eine gefährdete Spezies sind, Fulminator Mage kaum eine Rolle spielt – offenbar ist er, auch im Vergleich zum Magus of the Moon, wohl doch kein besonders starker Hoser.

Insgesamt sehe ich ein Sommerloch diese Woche, wenn überhaupt, dann höchstens bei magicthegathering.com auf recht hohem Niveau. Die deutschen Seiten bieten viel und abwechslungsreichen Content, wobei der Planet nicht ganz so viel experimentiert wie MU, aber auch mehr Treffer landet, und relevante Ereignisse in der Welt unseres Hobbies gibt es zuhauf (Eventide, PTQ-Saison. Nationals-Saison)!

Jemand erlöse mich endlich von meinem MTGO-Zeugs!

Advertisements
Explore posts in the same categories: Wochenrückblick (This Week)

Tags: , , , , , , , , ,

Both comments and pings are currently closed.

6 Comments on “Wochenrückblick 29/2008”

  1. TMM Says:

    v3 ist mittlerweile stabil, ich habe jetzt auch schon ca. 15 drafts und ein paar constructed queues damit gespielt.

    “combo ist zurück” – naja, beim gp in argentinien gab es auch schon storm und davor wurde z.b. der nq in stuttgart von meiner stormliste gewonnen… die schwanliste ist tatsächlich innovativ und sieht ziemlich überzeugend aus


  2. Stabil mag es ja sein, aber benutzerfreundlich? Auf jeden Fall kaufe ich mir jetzt dafür keinen neuen Computer, auf dem es läuft.

    Die Schwan-Liste scheint vor allem gegen Faeries zu gewinnen – eigentlich ein Unding, dass ein klassisches Kombodeck gegen Aggrokontrolle gewinnt! Und dabei musste es sich schon mit Hate wie Extirpate und Sudden Death herum schlagen… Seufz…

    Naja – ich denke wohl immer noch viel zu sehr wie ein Turnierspieler.

  3. pfirpfel Says:

    V3 ist so eine Sache. Nach einiger Eingewöhnungszeit macht es mir erneut genug Spass, so dass ich wieder zocke. Trotzdem rege ich mich oft über teils schon lange bestehende Bugs auf. Letzte Woche konnte ich z.B. keine Booster via PayPal kaufen, da das System einfach die Bezahlbestätigungen von PayPal akzeptierte. Geld hat es aber trotzdem abgehoben…

    Die letzten zwei Wochen habe ich keinen Artikel auf MagicTheGathering.com fertig gelesen. Meist nur überfolgen. Irgendwie interessieren sie mich überhaupt nicht mehr.
    Jan’ Ruess’ Artikel war für mich das Highlight.


  4. Ich habe gerade gelesen, dass weder Ligen noch Redemption auf 3.0 in absehbarer Zeit wieder funktionieren werden…

    MTGO ist jetzt wie alt – sieben Jahre?

    Sollte man wirklich darauf hoffen,d ass dieses Programm jemals kompetenter gemanagt wird als in dieser Zeit?

    Bei Online-Multiplayer-Spielen – insbesondere, wenn deren Funktionalität wie im Fall von MTGO durch neue Sets ständig erweitert wird – reißen auftretende Probleme naturgemäß nicht ab. Die Frage ist doch, wie weit bei der Lösung dieser Probleme hinterher gehinkt wird.

    MTGO verdient sich da seit Anbeginn die Note “ungenügend”, und da sehe ich absolut keine Änderung für die Zukunft!

  5. King Magic Says:

    Bei mir funktioniert der Kauf von digital objects über paypal seit 3.0 gar nicht mehr…
    Ich würde ja gerne draften, aber ohne material? Das GEld haben sie mir jedesmal zurücküberwiesen, aber scheinbar keine Lösung gefunden.

    Ich denke 3.0 ist immer noch eine gute Plattform zum draften und für Sealed. Wie es im casual aussieht, keine Ahnung – und es interessiert mich auch nicht. Aber eine Verschlechterung für “Semi-Pros” die eh nur limited zocken, ist mir nicht aufgefallen, deshalb kann ich mit dem Programm gut leben…oder besser könnte, wenn ich denn Booster hätte.

  6. King Magic Says:

    Zu mtg.com:

    Ich besuche die Seite eigentlich generell fast nur noch Montags und Freitags, die anderen Artikel sind so langweilig. Früher war “Taste the Magic” noch klasse, als es Matt Cavotta geschrieben hat.
    Aber auch die Montags und Freitagsartikel sind meist nur außerhalb der meist langweiligen Theme weeks gut. Maro soll mal wieder was zum color wheel und zum Stand der Farben sagen und was sie gedenken zu tun. Weiß ist für mich außerhalb vom Block immer noch maximal ne Supporterfarbe (Reveillark ist doch wirklich mehr für blaue Decks :P)


Comments are closed.