Diese Woche (39/08) gelesen

Zur vorigen Woche.

Ist es wirklich so, wie Tobi angedeutet hat, dass ein Artikel, den ich in diesem Rückblick seit dessen Umstrukturierung (eigentlich Gesundschrumpfung) nicht mehr verlinke, dadurch unfair zurückgesetzt wird? Muss ein Autor, den ich nicht bespreche, sich deswegen einen Strick nehmen und damit erschießen? (Ich dachte immer, es ist eher umgekehrt…)

Quatsch! Ich weise jetzt einfach auf Texte hin, die ich gelesen und zu denen ich etwas zu sagen habe. Nichtbeachtung ist keine Abwertung, da ich keinen Anspruch mehr auf Vollständigkeit irgendeiner Art anmelde. Stattdessen pflücke ich mir eben aus den Weiten des Netzmeeres (Region Magic) einige… äh… Seesterne… naja, eben einige Sachen heraus. Das ist alles!

Magic Universe:

Mit Thomas “Charly” Preyer (wieso eigentlich Charly?) bietet MU überraschend ein neues Magic-Schwergewicht in seinem Autorenstamm auf. Sein Einstieg lässt allerdings noch nicht so viele Rückschlüsse darauf zu, einen wie großen Gewinn das darstellt – ein handelsüblicher Draftwalkthrough, der von der Redaktion sehr hübsch aufbereitet wurde, was darüber hinweg täuscht, dass Charly seine Entscheidungen nur äußerst spärlich kommentiert, und der zu einem Deck hinführt, welches kein Spiel gewinnen konnte – hm. Da darf man für die Zukunft deutlich mehr erwarten! (Um Missverständnisse zu vermeiden: Natürlich sollen nicht nur Draftsiegerdecks gefeatured werden – im Gegenteil ist die Ehrlichkeit, Erfolglosigkeit einzugestehen, erfrischend, man erhält ja sonst oft den Eindruck, dass die Verfasser von Draftwalkthroughs ihre Drafts prinzipiell immer gewinnen! – aber wenn die Entscheidungen so kurz begründet werden, und das entstandene Deck sich dann nicht einmal beweisen konnte, ist die Informationsdichte einfach zu gering.)

Chickenfood hat mich geradezu gedrängt, etwas zu seinem Legacy-Artikel zu schreiben (der aus zwei Teilen besteht), den ich ansonsten wohl übergangen hätte. Tja, nun denn: Ich erhalte den Eindruck, dass es ihm ein wenig an grundlegendem Verständnis für verschiedene Dinge fehlt, insbesondere für die Einschätzung des Stellenwertes eines Decks im Metagame (Matchupeinschätzungen sollen Aussagen über Decks treffen, nicht über einzelne Spieler!) und die Dynamiken des Metagames und einzelner Matchups. (Letztere Aussage stammt mit mir natürlich von einem Legacy-Laien, aber da scheint es wirklich um grundlegende Dinge zu gehen, und auch Legacykundige scheinen das nicht viel anders zu sehen.) Ansonsten macht der Text, auch nachdem Philip gewiss mindestens 2 Liter Schweiß vergossen hat, um ihn ins Deutsche zu übersetzen, tweilweise immer noch einen recht unbeholfenen Eindruck. Letztlich fehlt mir die Sachkenntnis, um genau abzuschätzen, wie nützlich Chickenfoods Beitrag für einen Legacy-Interessierten tatsächlich ist, aber es gelingt ihm jedenfalls bei mir nicht, Vertrauen in die Kompetenz des Autors zu erzeugen.

Phips führt seinen großen Extended-Überblick fort, und ich mag seinen Ansatz nicht: Er greift sich irgendwelche Decklisten ohne wirkliche Begründung (Card Choices reichen als Begründung nicht aus, um ein Deck von anderen Versionen und Varianten abzugrenzen) heraus und fabuliert über deren Matchups. Das ist mir nicht systematisch genug! Ich will generell keine “fertige” Deckliste (wo auch immer die jetzt schon her kommt, wenn doch gerade einmal der inoffizielle Spoiler von Shards of Alara komplett ist!) vorgesetzt bekommen, ich will eine Diskussion darüber lesen, welche Optionen es gibt, und unter welchen Metagame-Voraussetzungen die wie zu bewerten sind! So weiß ich nicht recht, welchen Nutzen ich genau aus Phips’ Artikeln ziehen kann – ein paar punktuelle Anregungen sind dabei, gewiss, aber letztlich bringen solche Artikel doch nur demjenigen etwas, der die vorgeschlagenen Decks mehr oder weniger unverändert übernehmen will, weil er keine Zeit in seine Vorbereitung stecken will. Dafür aber, wie gesagt, sind Phips’ Listen einfach viel zu früh dran!

PlanetMTG:

Ich schreibe über das Schreiben von Reviews. Tobi hat Recht, dem Artikel fehlt ein wenig eine klarere Struktur.

Olafs DM-Bericht aus der Perspektive des Deutschen Meisters – natürlich wieder einmal nur ein erster Teil – ist einer der bestgeschriebenen Turnierberichte, die ich seit Langem gelesen habe! Er verbindet soverän Unterhaltung mit Informationen, und Olaf steht sympathisch zu seinen eigenen Schwächen (witzigerweise sind es meistens diejenigen Spieler, die bei Turnieren NICHT erfolgreich waren, die einem erzählen, wie fehlerfrei sie doch im Vergleich zur Konkurrenz gespielt hätten!) Er verlinkt übrigens mehrfach auf Artikel bei Reya Dawnbringer, einer sächsischen Magicseite, auf der möglicherweise interessante Dinge zu finden sind oder auch nicht: Seit Jahren stoße ich immer mal wieder darauf, und seit Jahren kapituliere ich immer wieder bereits nach wenigen Sekunden vor dem furchtbaren Layout, welches die Beiträge nahezu unleserlich macht.

Trash verabschiedet den Time-Spiral-Block und Coldsnap aus Standard. Inhaltlich bietet er wenig mehr als eine unstrukturierte Aufzählung der relevantesten heraus rotierenden Karten, aber dabei ist er unterhaltsam genug, dass man gerne darüber hinweg sieht! Außerdem werte ich es mal als Pluspunkt, dass er zu diesem Zeitpunkt erst einmal über Dinge schreibt, die bereits feststehen (was rotiert heraus) und sich noch ein bisschen Zeit nimmt, bis er Spekulationen in Angriff nimmt, was werden könnte. Sobald die offizielle Spoilerliste von Shards of Alara existiert, ist dafür dann der Startschuss frei gegeben!

Daily MTG:

Rosewater ist immer lesenswert, auch wenn er zuletzt eine Art “Run” mit eher durchschnittlichen Beiträgen zu haben scheint. Welch eine Überraschung, dass er für das Artefakt-Motiv von Esper verantwortlich zeichnet (nein, ich benutze keine Ironie-Tags)! Mein erster Eindruck von Shards ist, dass es zu vier Fünfteln aus Kamigawa und zu einem Fünftel aus Mirrodin besteht. Ja, mein erster Eindruck ist nicht besonders positiv, aber dazu bald mehr.

Jacob Van Lunen baut weiterhin Budget-Decks, die SINN ergeben (allerdings hätte ihm klar sein müssen, dass im Casual-Raum Oblivion Ring stärker ist als Unmake!) Selbst seine Vorschläge für nächste Woche (Rites of Flourishing oder River Kelpie?) deuten an, dass er mit Karten zu arbeiten gedenkt, mit denen sich, wenn auch vielleicht nicht auf Turnierniveau konkurrenzfähige, so doch zumindest brauchbare Konzepte, welche nicht auf umständlichen I-Win-Kombos beruhen, umsetzen lassen. Beides sind Karten, welche dazu gedacht sind, mittels vernünftiger Investitionen mittelfristig Ressourcenvorteil zu generieren. Bleiweiss hätte stattdessen vermutlich über Isleback Spawn oder Worldpurge geschrieben…

Von den übrigen Artikeln auf dieser Seite war ich diese Woche eher enttäuscht, aber es ist ja auch wieder einmal Preview-Zeit, und alles muss im Zeichen des Hyperbole stehen.

So, und da es möglicherweise noch nicht alle mitbekommen haben: Ich habe jetzt ein weiteres Blog, Andis Andersartige Ansichten, welches sich von Ein Platz für Andi dadurch unterscheidet, dass es mehr auf Meinungsäußerung und Diskussion ausgelegt ist, als auf mein kreatives Schaffen. Gleich Bookmarken!

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5 Comments on “Diese Woche (39/08) gelesen”

  1. TobiH Says:

    Und ich bleibe dabei: Es war viel schöner über jeden Artikel etwas zu lesen! Ich denke, nicht zuletzt des Überblicks halber war der Wochenrückblick bislang so beliebt.

    Wenn’s kein Überblick mehr, sondern bloß eine willkürliche Auswahl darstellt, macht das Ganze wenig Sinn. Und wenn die Auswahl nicht willkürlich ist, sondern darauf basiert, welche Artikel als lesens- bzw. kommentierenswert eingestuft wurden, dann ist das sehr wohl eine Abkanzelung der anderen, die es eben nicht _wert_ waren.

    Zumal die Autoren diese Einschätzung ohne Begründung hinnehmen müssen. Denn die Autoren (zuletzt ja ganz vehement Chickenfood) wollen durchaus kritisiert werden. Eine Pischner-Rezension ist irgendwo was Feines, selbst wenn sie kurz oder gar negativ ausfällt.

    Mit dem Ruf als Chefkritiker geht nun mal eine große Verantwortung einher. Bitte gerecht werden!


  2. Klar doch – bitte dafür bezahlen!

    Ich habe ja schon einmal nachgefragt, und damals ebenso wie letzte Woche haben mehrere Leute kundgegeben, das sie auch mit dieser Form des Rückblicks etwas anfangen können.

    Natürlich ist es oft so, dass ich Artikel deswegen nicht erwähne, weil ich sie nicht für erwähnenswert halte, aber es gibt eben auch andere Gründe. Wenn mich ein Autor direkt anspricht und um Kritik bittet, werde ich in der Regel auch etwas zu seinem Text sagen. Ansonsten bestimme ich schon selbst, wie viel Verantwortung ich auf meinem privaten Blog nachkomme, und wie viel Arbeit ich mir damit mache!

  3. atog28 Says:

    Er hat ja auch oft genug seine eigenen Artikel vergessen…

  4. Jörg Says:

    Eventuell würde es sich für eine der beiden großen Seiten ja lohnen den Pischner seinen Wochenrückblick gegen Bezahlung auf ihrer Homepage veröffentlichen zu lassen. Allerdings birgt das natürlich die Gefahr das die Unabhängigkeit der Artikeleinschätzungen verloren geht (oder die Leser glauben sie würde das tun, was fast genau so schlimm ist).


  5. Ich habe auf MU vor längerer Zeit mal so etwas gemacht, da waren die Reaktionen eher gemischt – es ist halt ein Unterschied, ob ich das hier privat und gratis auf meinem Blog mache oder als bezahlter Artikel. Von Letzterem scheinen mache Leute mehr Eigenleistung zu ewarten, was ich auch nachvollziehen kann.

    Wenn überrhaupt käme da auch nur MU in Frage, da der Planet keine Artikel von der Konkurrenz verlinken würde. Allerdings ist es auch nicht ganz unproblematisch, auf seiner Seite Kritik an eigenen Beiträgen zu veröffentlichen.


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