Mal wieder Verschiedenes

Ich kann es einfach nicht FASSEN, wie viele Spamkommentare Zeromagic täglich bekommt… das ist unterdessen ja bereits näher am vier- als am dreistelligen Bereich!

Chickenfood hat in den Kommentaren ein wirklich interessantes Link gepostet: Hier kann man simulierte Onlinedrafts mit allen möglichen Editionen durchführen! Das ist, wenn auch natürlich kein Ersatz für Drafts mit echten Kontrahenten, wirklich eine äußerst unterhaltsame und auch nicht völlig sinnfreie Beschäftigung (zum Beispiel erhält man hier bereits ein ganz gutes Gefühl dafür, wie schnell ein Deck “voll” wird und wie häufig man Schlüsselkarten für einzelne Strategien zu Gesicht bekommt). Die Kartenbewertungen und Draftstrategien sind zwar nicht absolut top, geben aber gerade deswegen vielleicht das Umfeld eines FNM- oder MTGO-4-3-2-2-Drafts gar nicht einmal so schlecht wieder (insbesondere, wenn meine Vermutung stimmt, dass die Kartenbewertungen daraus entstehen, wie die Leute hier tatsächlich mit den Boostern draften). Die begleitenden Statistiken darf man natürlich nicht zu ernst nehmen.

Nichtsdestotrotz ist das Prinzip des Draftsimulators immer noch interessant, weil man eben an Hand der immer identischen Voraussetzungen genau mögliche Draftdynamiken studieren kann. Insbesondere kann man beobachten, wie blindes Forcieren einer Farbe keineswegs dazu führt, dass es weniger andere Drafter dafür am Tisch gibt (das kann zwar passieren, aber ebenso gut kann auch das genaue Gegenteil passieren!) – man verschiebt diese meistens nur. Forcieren hat also nur Sinn, wenn man es bei annähernd gleich starken Alternativen praktiziert.

Wahrscheinlich habt Ihr es ja bereits gelesen: Dei separaten DCI Ratings werden abgeschafft und durch ein DCI Total Rating ersetzt. Ja, das bedeutet, dass Legacy- oder Vintageturniere, die Ihr zum Spaß zockt, von nun an Eure Chancen auf Byes und Ratingqualifikationen versauen können (oder es bereits tun)! Dass es allerdings auch bedeutet, dass Vintage-Fachidioten sich nun für die Pro Tour qualifizieren, bezweifle ich – dafür sollten ihre Ratings nicht hoch genug sein (und außerdem haben sie ja vielleicht auch einmal ein Prerelease oder so mitgespielt, bei dem sie sich – was bei hinreichend hohem Rating auch bei 8k-Events mühelos geht! – ihr Rating versaut haben.

Ach so, da ja offenbar Unklarheit darüber besteht, wie diese Zusammenlegung genau funktioniert: Eigentlich kann es nur so gehen, dass noch einmal SÄMTLICHE Turniere seit Anbeginn der Zeit ganz von vorne vom Computer durchgerechnet werden. Offenbar ist die Rechenzeit ja kein Problem…

Ein bisschen habe ich auch wieder Magic-Artikel gelesen. Ab und zu sollte man wirklich Jacob Van Lunen immer mal wieder lobend erwähnen, der im Gegensatz zu seinem Vorgänger Bleiweiss zumindest in dieser Kolumne konsequent etwas Sinnvolles tut, nämlich Gelegenheitsspielern zu helfen, erschwingliche (aber nicht übertrieben billige) Decks zu bauen, mit denen sie auf FNM-Niveau Achtungserfolge erzielen können.

Charlies neuesten Artikel habe ich aus Zeitgründen nur überflogen, weswegen ich vermutlich dessen Unterhaltungswert, der in den Kommentaren gelobt wird, verpasst habe, aber meine Augen sind an einigen Zeilen hängen geblieben, die mein generelles Problem mit seinen Texten verdeutlichen:

“Passenderweise durfte ich gleich in meinen ersten zwei Games den “Paris-Mulligan” anwenden.Trotz dieses Handicaps geht das zweite Spiel an mich.”

“Der Franzose hatte voll das coole Jund-Deck. Seine Karten synergieren ausgezeichnet und ich verliere das erste Spiel. Keine Bomben. Einfach so.”

Ich gehe mal davon aus, dass der eigentliche Turnierbericht diesmal auch nur Nebensache sein sollte. Nichtsdestotrotz ist das typisch für die Informationsarmut in Charlies Texten, die in seinen Draftwalkthroughs noch viel stärker zum Tragen kommt: Er weiß natürlich genau Bescheid, was da eigentlich passiert ist, aber er teilt es dem Leser einfach nicht mit!

Trash hat mich im dritten Teil seiner Alara-Limited-Serie wieder so oft erwähnt, dass ich mich frage, ob er einen besonderen Grund dafür hat (den bösen Kritiker besänftigen, zum Beispiel?) Das passendste Zitat zur Beziehung zwischen gedrafteten Karten und Decktypen von mir lautet übrigens “Trefft Eure Draftentscheidungen individuell bei jedem Draft und kategorisiert Eure Draftdecks NACHTRÄGLICH in Archetypen.” (Mit Hilfe von Google in Sekundenschnelle gefunden – ist es nicht schick?) Synergien zu draften ist natürlich gut – Strategien vorzuformulieren, bevor man die konkreten Booster gesehen hat, halte ich für schlecht.

In jedem Fall schreibt Trash hier so ziemlich das Gegenteil von dem, womit er neulich zitiert wurde, dafür aber ziemlich genau das, was ich bereits dazu gesagt habe: “5-Color schlägt Midrange schlägt Aggro schlägt 5-Color” – genau, so herum wird ein Schuh draus!

Ich denke allerdings weiterhin (und die bislang bekannten Decklisten aus den Grand Prix Top 8 unterstützen meine Hypothese), dass im Alara-Metagame dieses Prinzip nicht stark genug ausgeprägt ist, dass es sich dafür lohnte, beim Draften Risiken einzugehen, anstatt “einfach” ein Shards-Deck zu draften und diesem, je nachdem welche Optionen die Booster einem konkret tatsächlich bieten, innerhalb des Spektrums von zweieinhalbfarbiger Aggro und dreifarbiger (möglicherweise plus minimalem Splash) Kontrolle eine taktische Ausrichtung zu geben.

Statt GW Aggro draftet man dann nicht GWR mit Steward of Valeron und Rip-Clan-Crasher, aber eben GW/r mit Branching Bolt und Rakeclaw Gargantuan, und statt UB Evasion nicht UBW mit Tidehollow Strix und Deft Duelist, aber wohl UBw mit Oblivion Ring und Windwright Mage (der auch in Runde 5 noch gut ist – was hat Trash nur gegen den?) Statt 5-Color-Control wiederum nimmt man in sein Jund-Deck eine Insel (plus dazugehörigen Panoramen) und einen Obelisken, um Agony Warp und Sedris unterbringen zu können, oder tut Entsprechendes in Bant für Branching Bolt und Ajani Vengeant. Man kann zwar versuchen, noch extremer zu draften (Charlies Decks von letzter Woche sind ein Beispiel dafür – am anderen Ende des Spektrums stünde zum Beispiel das konsequent zweifarbige GW Aggro), aber es zahlt sich einfach nicht aus, denke ich, denn wenn alle Drafter sowohl auf ihr Early Game als auch auf ihre Manabasis achten, fehlt beiden Strategien eben die letzte Qualität. Klar, wenn alle Welt 5-Color-Control mit Obelisken als ihrem ersten Spruch draftet, dann ist GW Aggro König, und wenn alle Welt zweifarbige Aggro mit First Pick Jhessian Lookout anstrebt, dann bekommt man wiederum genügend Manafixing und Qualität für bunte Kontrolle, aber so zerfällt das Format eben NICHT. Vielleicht war das “Step One” gewesen, die Zeit der extremen Archetypen, aber jetzt sieht es so aus, als hätte sich das Metagame sinnvoll eingependelt, mit Midrange-Strategien zwischen ein bisschen mehr Manasicherheit und Offensive, sowie ein bisschen mehr Buntheit und Power.

Durch den Kontakt mit der (für ihn äußerst erfolgreichen, das sollte man schon anerkennen!) Praxis beginnen auch einige seiner zuerst verschobenen Bewertungen sich einzupendeln, so zum Beispiel beim Elvish Visionary. Am Ende gibt er dem Leser einen Rat mit auf den Weg, den ich nur unterstützen kann: “Wenn man sich aber erst einmal für eine Freundfarbkombination entschieden hat, gilt irgendwann nur noch: Aggro-Fokus, oder doch lieber splashen und das Deck auf Anti-Aggro umrüsten?” Wenn man “Aggro-Fokus” nicht mit Zweifarbigkeit gleichsetzt, und es beim Splashen nicht übertreibt, dann gibt das meiner Ansicht nach die ideale Strategie in diesem Format wieder!

Oh, noch etwas: Noch nie habe ich bei einem von Sebastians Regelquizzes dermaßen schlecht abgeschnitten! Ich meckere ja auch immer und immer wieder, dass Tournament Policy Changes von der DCI nicht genügend kommuniziert werden. Vielleicht sollte Sebastian seine Kolumne in Zukunft 50/50 zwischen Regel- und Policyfragen splitten.

Und während ich diesen Beitrag hier gerade Korrektur lese, ist auf Magic Universe mein neuester Artikel online gegangen (“neuester”, nun ja – er ist bereits mehrere Wochen alt, wurde aber jetzt erst von der Redaktion berücksichtigt). Mal schauen, ob er sein anvisiertes Publikum, die Gelegenheitsspieler, erreicht!

Nach dieser kurzen Reihe werde ich übrigens, abgesehen von noch ein paar Folgen des Antiquariats, meine Tätigkeit für MU erst einmal wieder pausieren lassen. Ach ja, und ungefähr zur gleichen Zeit werde ich auch meine regelmäßige Koolumne beim Planeten beenden. Einzelne Artikel wird es aber auch weiterhin von mir geben!

Ach ja, und ich habe sie immer noch. Ich will sie aber nicht mehr. Wollt Ihr sie nicht?

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8 Comments on “Mal wieder Verschiedenes”


  1. Ich sehe gerade mit Verblüffung und Entsetzen, dass ich von einem Yu-Gi-Oh!-Blog verlinkt wurde! Nein, die befassen sich NICHT auch mit Magic… Da hat sich doch nicht etwa jemand einen schlechten Scherz erlaubt? Nun ja, ich werde jedenfalls nicht zurück verlinken. Wer sich für diesen merkwürdigen Tatbestand interessiert, kann nach “Ojamas” googlen – es ist der dritte Eintrag, ein WordPress-Blog

  2. Phips Says:

    Hi! Im Namen des MU-Teams und aufgrund eines Projektes, das wir in nächster Zeit vorhaben biete ich 50 Euro für deinen Magic – Online Account. (bzw. die Karten darauf usw…)

    Ich weiß, das ist etwa nur die Hälfte dessen, was er wert ist – allerdings gibt mein Budget für mein Vorhaben nicht mehr her. ;)

    Falls du Interesse hast, schick mir eine kurze Mail.

    lg Phips

  3. Phips Says:

    Ergänzend sei noch hinzugefügt : Ich hab mir ungefähr ausgerechnet, dass dein acc so 150-200 Tix wert sein müsste, beim derzeitigen Doller Kurs (und Ebay – Tixrealwert) kommt man auf knapp 100 Euro. Wenn man dann noch miteinrechnet, dass man (wenn man einige Rares wirklich verhökern will) vom Bot auch nur etwa 2/3 des Wertes bekommt, den irgendein “Casual” in 4,5 Monaten mal bereit ist zu zahlen, ist 50 Euro zwar immer noch nicht die Welt, erstrahlt aber in einem andern Licht. ;)

    lg

  4. Chickenfood Says:

    Ich hab mir mal die Statistiken angesehen und sie sind ehr mäßig relevant. die prozentzahl gibt die stärke der einzelnen karten die du gedraftet hast an, im vergelich zu allen karten am tisch.

    Und ja, ich hab auch schon decks mit 110% gedraftet.(aka Spoiler.dec).
    Die Bots sind auch halbwegs kompetent, wobei signalling eher schwierig ist, wobei das auch nie beim steckenpferd war.

    Wenn man einige male gedraftet hat und ein anständiges DCI-Rating hat, irgendwie überprüfen die das, dann darf man karten bewerten und die eigenen picks gehen dann auch in die gesamtberwertung ein.(sogenantes “Expert Level”)

    @ Ratingvereinheitlichung:

    Du musst dir schon keine Sorgen machen.
    Das höchste Eternal Rating ist bei ~19xx, manchmal auch kurz bei 2000. Und die leute die das besitzen haben einfürchteriches Composite-Rating. (mal abgesehn von Zvi, bei dem alles ungefähr gleich hoch liegt.) Und ach ja: diese Leute mit 19xx haben Kreaturen hr ganzes Leben lang nur geOatht oder geTinkert^^

    @Trash-bash:

    Inzwischen ist das so. immer wenn jemand in Deutschland in einem Magicartikel völlig offensichtliches Grundwissen preisgibt, beruft er sich auf dich, als höhere Autorität.

  5. ETiTho Says:

    Heißt die Rating-Vereinheitlichung, dass es auch keine seperat geführten Limited und Constructed Ratings mehr gibt? Diese Listen fand ich immer recht interessant.
    Gruß
    ET


  6. Phips:

    Lass mich mal dieses Wochenende über Dein Angebot nachdenken (und gegebenenfalls noch einmal einen Gegenvorschlag machen) – ich weiß, dass meine ursprüngliche Preisvorstellung von 200€ auf Grund schlicht mangelnder Ahnung naiv gewesen ist, deswegen schockiert mich Dein Gegenangebot von 50€ auch nicht, aber ich will mir das Ganze noch einmal in Ruhe anschauen.

    Ach so, ich habe Deine Emailadresse aus den Kommentaren gelöscht (ich habe sie ja eh, da Du sie in das entsprechende Feld eingegeben hast) – wenn Du aus irgendeinem Grund willst, dass jeder sie sieht, poste sie halt nochmal, aber ich nehme mal an, dass das nur eine unbedachtheit war. Bei der Menge an Spambots, die offenbar auf diesem Blog hier herum krabbeln, kann ich von dieser Unvorsichtigkeit jedenfalls nur abraten!

    Chickenfood: Ja, diese Drafts mit 100%+ habe ich auch schon gehabt. Tatsächlich habe ich einmal, nur so zum Spaß, ausschließlich Spoiler gedraftet (kein Deck, nur starke Karten) – und habe trotzdem nur ca. 126% gehabt und wurde sogar von einem der Botdrafter geschlagen (wie geht DAS?) So richtig steige ich nicht hinter das Prinzip, aber es ist ja auch egal.

    Du kannst Da in ein Feld Deinen Namen und Deine DCI-Nummer eingeben, dann sucht die Seite nach Deinem offiziellen DCI-Rating, und wenn das mindestens 1620 ist, bist Du “Experte”.

    Trash-Bash: Okay, es reimt sich, aber ich habe ihn doch diesmal nicht gebasht! Ob ich jetzt eine “Autoritit” für Magic-Grundwissen bin, weiß ich nicht, aber cih denke, die Magic University ist tatsächlich immer noch de reinzige Ort, an dem dieses Grundwissen systematisch aufbereitet zu finden ist.

    ETiTho: Nein, die wird es nicht mehr geben, zumindest nicht mit irgendeiner Bedeutung. Im Artikel stand zwar, dass man sich vermutlich seine einzelnen Format-Ratings (Standard, Draft, Legacy etc…) ansehen kann, aber ob das auch für die alten kombinierten Ratings Constructed, Limited und Vintage gilt, weiß ich nicht.

  7. Myrthe Says:

    Clever, dieses ‘benoten=10’ im Link zu Deinem MU Artikel. ;)


  8. @Myrthe:

    Ah, jetzt weiß ich, was Du meinst!

    Nun, dass ich meine eigenen Artikel prinzipiell mit “10” bewerte, das ist ja kein Geheimnis – das habe ich auch schon einmal ausführlich erklärt.

    Mir ist allerdings vorher gar nicht aufgefallen, dass man damit kurzzeitig eine neue URL erstellt – wieder etwas gelernt!


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