Besseres zu tun

Wenn ein Kommentator nichts Besseres zu tun hat, als unter einem privaten Blogeintrag dessen Autor zu fragen, ob er denn nichts Besseres zu tun hätte, als seine Einträge zu verfassen… nun, dann habe ich normaler Weise Besseres zu tun, als auf diesen Hirntod-verdächtigen Umstand hinzuweisen (was Tobi dann netterweise für mich getan hat). Allerdings passt diese Geschichte diesmal einfach zu gut als Überleitung zu einem etwas anderen Thema:

Auf GerMagic konnte man in den letzten Tagen ein interessantes Phänomen beobachten: Erst entstand dort eine Handvoll inhaltsloser Ersteinträge kurz hintereinander. Dann verfassten einige etablierte Schreiber eine Handvoll Beiträge, deren Inhalt sich im Wesentlichen darauf beschränkte, diese Inhaltslosigkeit anzuprangern.

Großes Kino! Haben die denn alle nichts Besseres zu tun? Nun, diese Frage zielt in die falsche Richtung! Jemanden zu fragen, ob er denn nichts Besseres zu tun hätte, als ein Blog zu führen, in dem er schreibt, was immer ihm gerade durch den Kopf geht, das ist einfach widersinnig. “Du führst Tagebuch? Hast Du denn nichts Besseres zu tun?” Man kann doch ohne größere geistige Verrenkungen annehmen, dass es dem Autor – aus welchen Gründen auch immer – wichtig ist, seine Gedanken niederzuschreiben, und auf welcher Grundlage soll man das kritisieren?

Diese Grundlage ist natürlich GerMagic! Durch dessen Art der Präsentation als “MTG Blogs” misst diese Seite solchen Blogs einen Stellenwert zu, den sie nicht verdienen. Auch GerMagic ist natürlich eine Privatseite (und EBs Weigerung, diesen Umstand durch das Schalten von Werbung in Frage zu stellen, ist so ziemlich das Einzige, was ich an ihm sympathisch finde), aber durch ihren Stellenwert und wohl auch selbst gewählten Anspruch als DAS deutsche Magic-Portal hat sie den Bereich des bloßen privaten Vorsichhinwurstelns eindeutig verlassen. Was hier zuoberst auf der Frontseite mit einer kurzen Textvorschau verlinkt wird, das wird nicht einfach nur verlinkt, das wird PRÄSENTIERT. Die umfassenden Verlinkungen befinden sich im “MTG Pop” Bereich, aber mit “MTG Blogs” wird eine Auswahl vorgenommen, die eine zumindest partielle Identifikation von GerMagic und damit effektiv eine Empfehlung bedeutet.

Als mir EB vor ein paar Monaten anbot, mit Zeromagic auf “MTG Blogs” umzuziehen, lehnte ich dies hauptsächlich aus folgenden Gründen ab: Einmal hatte ich kein Bedürfnis, mit GerMagic (und damit letztendlich mit EB) identifiziert zu werden, und zum anderen wollte ich nicht Teil einer Auswahl sein, die nicht nach qualitativen Kriterien getroffen wurde, sondern danach, wer sich von diesem Konzept hatte vereinnahmen lassen. Wie ich damals bereits formulierte:

“MTG Blogs wird von Blogeinträgen überschwemmt, die schlicht und einfach nicht lesenswert sind. Das führt nur dazu, dass ich auch die paar lesenswerten nicht mehr lese, weil ich keine Lust habe, in diesem Riesenhaufen Verbalmüll danach zu suchen!”

und

“EB hat es Leuten ermöglicht, mit dem selben geringen Aufwand ein Blog zu betreiben, mit dem man einen Forenthread vollspammt, und die Ergebnisse sind vergleichbar. Diejenigen Blogger, die sich mit ihrem Blog tatsächlich Mühe geben, gehen unter. Das ist genau das Gegenteil von dem, was ich mir wünsche!”

An wen muss jetzt also der Vorworf gehen? An die ganzen “Hallo Welt, hier bin ich, und sobald ich weiß, worüber, werde ich auch ganz doll viel schreiben”-Blogger, oder an diejenige Seite, welche sie auf einer viel zu exponierten Plattform vorbehaltlos präsentiert und damit die ambitionierteren Autoren dazwischen entwertet? Mit Bereichen wie dem “DeckCheck” oder “MTG Pop” hat GerMagic qualitative Maßstäbe gesetzt, die eine entsprechende Erwartungshaltung auch an anderer Stelle erzeugen. Wenn hier Einträge in “MTG Blogs” faktisch empfohlen werden, dann müssen sie sich an dieser Erwartungshaltung messen lassen, was gegenüber privaten Bloggern, die ohne groß darüber nachzudenken von der Möglichkeit Gebrauch gemacht haben, sich hier bequem einen öffentlichkeitswirksamen Platz im Internet zu sichern, unfair ist und zwangsläufig zu Enttäuschungen beim Leser, sowie zu Verstimmungen bei etablierten Schreibern führt.

Den Platz an der Sonne (also unter den prominenten Verlinkungen oben auf der Seite) bei GerMagic sollten sich Blogger erst einmal verdienen müssen! Wären sie nur unter ferner liefen bei “MTG Pop” verlinkt, dann würde sich niemand darüber aufregen. Auch eine kurze Sektion “neu gestartete Blogs”, welche den Lesern die Möglichkeit gibt, Neulinge aufzufinden und erst einmal anzutesten, würde keine Missverständnisse aufkommen lassen (vorausgesetzt, sie verdrängt nicht ebenfalls die empfehlenswerten Blogs). Ohne eine qualitative Auswahl jedoch besteht der Unterschied zwischen “MTG Blogs” und “MTG Pop” im Wesentlichen nur aus dem “Seht her, all diese Blogger habe ich unter meiner Fittiche versammeln können – meine Weltherrschaft steht unmittelbar bevor!”-Faktor, da sie Autoren ausschließlich dafür belohnt, sich von GerMagic bemuttern zu lassen, was wenn überhaupt im Zweifelsfall eher Indiz für MANGELNDE Qualität ist (da der Bloggende bei der Einrichtung seines Blogs weniger Eigenleistung erbringen musste) als anders herum.

Noch ein paar Worte zu einem ganz anderen Thema: Trash hatte wieder einmal nichts Besseres zu tun, als einen Videowalkthrough zu verbrechen. Ich bleibe dabei: Ich will seine Gedanken ausformuliert LESEN, nicht HÖREN, und die Karten aufgelistet bekommen, nicht an Hand verschwommener Bilder erraten müssen! Kurz hinein geschaut habe ich: Dass Trash wegen seiner irrationalen Abneigung gegen diese Karte Covenant of Minds nicht einmal erwähnt, das ist schon ärgerlich, aber den Rhox Charger zu nehmen, ist auf jeden Fall zumindest eine vertretbare, wenn nicht sogar einfach die richtige Entscheidung (ich hätte es auch gemacht). Ansonsten beweist Trash, dass man in Gegensatz zu den anders lautenden Behauptungen von Phips durchaus mit Naya Drafts gewinnen kann! Sein Deck hat dann aber doch für meinen Geschmack ein wenig zu viel Mana – 17 Länder, 2 Druid of the Anima, 1 Steward of Valeron, 2 Sunseed Nurturer, 1 Sacellum Godspeaker, 2 Cycler – man kann es auch übertreiben! 1 Nurturer und ein Land (oder vielleicht besser 2 Nurturer, um keine Farbsicherheit aufzugeben) kann man hier gewiss cutten, um die Gefahr, nach einem Resounding Thunder auf Rakeclaw Gargantuan und Bone Splinters auf Cavern Thoctar plötzlich nur noch mit Manaproduzenten dazustehen, ein wenig zu verringern.

Ansonsten aber ist Trashs Deck, ebenso wie die zuletzt von Phips ein schönes Beispiel dafür, wie man Shards draftet: Mit einem klaren Schwerpunkt auf zwei (befreundeten) Farben, aber ohne die zusätzlichen Optionen, welche einem die dritte Farbe bietet, zu verschmähen. Mensch, ich kann mich erinnern, dass dieser Ansatz bereits in den allerersten Alara-Reviews erörtert worden war – was ist da bloß passiert, dass wir bestimmt einen Monat Zeit damit verschwendet haben, fünffarbige Monstrositäten zu draften, die im Prinzip nur aus Charms und Manafixing bestanden? Als ich zur Zeit von PT Berlin mich auf dem Nachhauseweg mit Toffel unterhielt, fragte er mich, ob ich irgendwelche wichtigen Erkenntnisse aus meinen Drafts gezogen hätte, und ich wusste in destillierter Form nichts Besseres zu sagen als “2-Drops sind wichtig!” Naja, meinte Toffel, das sei ja selbstverständlich, und ich stimmte ihm zu… Warum eigentlich war es NICHT selbstverständlich? Warum hatten Topspieler wie Charly, Phips (und zwischenzeitlich, wenn ich die damalige Coverage richtig verstanden habe, sogar auch Trash) in Runde 2 und 3 nichts Besseres zu tun als Fatties zu cyclen und Obelisken zu legen?

Auch in Alara ist die zweite Runde dazu da, Boardpräsenz zu zeigen (oder zumindest die gegnerische zu einzudämmen). Man kann Bären legen, oder Manabeschleunigung (was bedeutet, Druid of the Anima), oder man kann mit Agony Warp oder Magma Spray gegnerische Bären oder Manabeschleunigung eliminieren. Dafür wiederum benötigt man das passende Mana. Mit ein paar Triländern schafft man das noch bis hoch zur Dreieinhalbfarbigkeit, bei entsprechend weniger Manafixing sollte man nicht mehr als zweieinhalb Farben in Angriff nehmen. Es ist nun einmal so, dass weder Panoramen noch Obelisken eine Hilfe dabei sind, 2-Drops zu legen!

Oh doch, ich bin mir sicher: So weit waren wir schon direkt nach dem Prerelease! Wie konnte es nur passieren, dass diese grundlegenden Einsichten so lange in Vergessenheit geraten sind bzw. ignoriert wurden?

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13 Comments on “Besseres zu tun”

  1. klau_s Says:

    wie du jedes mal versuchst diese 5c decks ohne argumente zu zerreißen…
    Es gibt auch genug beispiele für erfolgreiche 5c decks. Klar ist 2 farbig bzw mit splash gut draftbar aber genauso kann man 5c draften. Das sind einfach 2 verschiedene strategien, und beide funktionieren.

  2. klau_s Says:

    wie landet man denn zb in 5c: fpfp Hellkite, triland, triland, triland, Kiss, Charm, Cycler, Panorama, cycler,…

    evtl picke ich die triländer zu hoch aber wenn es nur 2-3 farbige mittelmäßige karten gibt alla valeron, sigil, Gargantua, Carrion Trash, etc dann nehm ich (betont) einfach die länder

  3. Gulu Says:

    Denke auch dass man 5c durchaus draften kann als archetyp. Natürlich wird man das seltener tun als eine Shard zu draften (klar, von denen gibts auch 5). 5c ist quasi das 6ste Shard.


  4. Fünffarbig ist einfach eine Farbe zu viel (besser, eineinhalb). Einmal gibt es eine realistische Grenze, wie viel gutes Manafixing man bekommen kann. Zum anderen sind Charms in allen Farben selbst bei einer sehr luxuriösen manabasis immer noch zu klobig, um zuverlässig als Removal zu fungieren. Wer sich mit Bant Charm und Grixis Charm gegen einen in Runde 2 beginnenden Kreaturenansturm verteidigen muss, der kommt nicht hinterher. Nur gegen verkorkste Decks (die selbst nicht in der Lage sind, ab Runde 2 mitzuspielen, und deswegen dem Verteifdiger genügend Zeit geben) kann man mit hinreichender Zuverlässigkeit ab Runde 4 verteidigen (also, wenn der erste Obelisk online ist, was normalerweise der Zeitpunkt ist, ab dem man sein mana endlich gefixt hat).

    Zum anderen BRAUCHT man einfach keine fünf Farben für das Kontrollkonzept! Ein Shard (mit Schwerpunkt auf 2 Freunden) plus Splash, das Ganze mit gutem Manafixing (eben jenen Trilands, die man natürlich relativ hoch picken will) – mit einigermaßen geschicktem Draften kriegt man da alles, was man in fünf Farben hätte, ebenfalls zusammen, nur mit deutlich zuverlässigerer Manabasis und der Chance, ab Runde 2 bereits dagegen zu halten. Im echten 5-color kann man praktisch keine 2-Drops spielen, da man einfach nicht weiß, welches Mana man in Runde 2 haben wird, und da man in Rune 2 vermutlich ein Panorama benutzt. Im dreieinhalbfarbigen Deck kann man zumindest Dinge wie Knight of the Skyward Eye oder Tidehollow Strix (je nachdem) integrieren, oder auch den Druiden für zusätzliches Fixing und zuverlässigere Beschleunigung.

    5-Color als Deckkonzept bietet einfach keine wirklichen Vorteile, es ist nur leichter zu draften, weil man halt alle Triländer nimmt, die man sieht, umnd ansonsten nur Spoiler ohne Berücksichtigung ihrer Farbe einsammelt.

    Ach ja, ich habe bislang noch keine erfolgreiche Decklisteaus einem Pro Event gesehen, die fünffarbig war! Grixis splash Esper, ja, aber Hellkite Overlord und Kiss of the Amesha im selben Deck – diese Lotterie tut sich niemand, der seine Spiele mit Skill statt Luck gewinnen will, an!


  5. Oh, und zu den Archetypen: Wenn Trash jeden Shard als Archetyp bezeichnet, dann verliert diese Bezeichnung natürlich ihre Bedeutung.

  6. TobiH Says:

    Tut er? Wo denn?

    Nach seiner Aussage gibt es halt in jeder Shard einen ziemlich dreifarbigen Goodstuff-Archetyp, dazu die weitestgehend zweifarbigen Aggro-Archetypen und eben 5-Color.

    Wobei zu Letzterem auch noch einiges klarzustellen wäre: Mit 5-Color meint man nicht notwendigerweise ein fünffarbiges Deck, sondern durchaus schon alles, was über drei Farben hinausgeht. Außerdem heißt 5C NICHT – was du zu glauben scheinst – ,dass das Deck keine Hauptfarben hätte. Zwei Hauptfarben plus Splashes – das ist durchaus genau das, was man da anstrebt.

    Außerdem: ist dir noch nie aufgefallen, dass das Manafixing in diesem Format mitunter Splashes sogar erzwingt?


  7. Ich habe bei 5-Color wieder und wieder Beispiel zu hören und sehen bekommen wie “alle Charms im Deck” oder “Hellkite Overlord + Kiss of the Amesha”.

    Zweifarbig mit 2 Splashes, das ist kein 5-color-control. (Und deshalb auch eine erfolgversprechende Strategie!)

    Dreifarbiger Shards-Goodstuff, das ist Murks. Rip-Clan Crasher und Steward of Valeron gehören nicht ins selbe Deck. Die relebante Frage ist nur, wie groß der Anteil der Drittfarbe ist! Ein Naya-Deck mag fast zweifarbig GW sein, aber zwei bis drei Burnsprücke splashen, oder aber mit Doppel- Woolly Thoctar und Doppel- Naya Charm (sowie einigem Manafixing) ein Drittel rote Sprüche spielen.

    Und ja, Manafixing kann zu Splashes führen. Ich kann mir aber keinen realistischen Pool vorstellen, in dem es sinnvoll ist, hier bis zur fünften Farbe zu gehen! Da benutze ich mein Manafixing doch lieber, um meine Hauptfarbensprüche zu stabilisieren.

  8. TobiH Says:

    Ich bin schon dabei einen Artikel dazu zu schreiben: ETA in 10 oder 17 Tagen.

  9. Fritz Says:

    Haha wie geil, so unwichtig kann meine Frage wohl doch nicht gewesen sein, wenn du dazu umbedingt einen Blogeintrag verfassen musst…

    Ich habe mich auch keine Lust, mich mit dir darüber zu unterhalten, weil ich auch weiß, dass ich nich umbedingt in der Lage bin, bei Diskussionen mitzuhalten, aber das ist mir auch relativ egal!
    Ich habe meine Meinung, und die poste ich hier, wenn sie dir nicht passt, lösche sie doch.

    Aber weiterhin werde ich mich über deine Blogeinträge amüsieren, und wenn ich langeweile habe, auch in die Kommentare schreiben.

  10. Handsome Says:

    Rofl, voriger Comment liest sich wie: “Ich weiß, dass ich ein Trottel bin, aber das ist mir egal!” Way to go!^^

  11. Fritz Says:

    Ich bin mir sicher, dass nur ganz wenige in der Lage sind, rhetorisch mit AP mitzuhalten, also dann kann ich auch gleich zugeben, dass ich es nicht kann, und du sicher auch nicht!

  12. Chickenfood Says:

    kleiner aber feiner unterschied zwischen zwischen Phips und Trash ist aber:

    Phips will forcen, und das kann man mit naya schlecht, weil bei anderen draftern in der nähe zu wenig gute karten rumkommen.(sagt er)

    Trash surft bis zu einem gewisen zeitpunkt und hat gemerkt das naya offen scheint. Und dann hat es genommen und ist dabei geblieben.

    Wenn man mit einem spiebaren archetyp (also ein konzept das tatsächlich funktionierren kann) der einzige am tisch ist, dann wird man warscheinlich gewinnen, weil man mehr zugriff auf qualität hat. und (in naya etwa Woolly Thoctar) die richtig guten karten öftr bekommt als normal.

  13. Boneshredder Says:

    “Phips will forcen, und das kann man mit naya schlecht, weil bei anderen draftern in der nähe zu wenig gute karten rumkommen.(sagt er)”

    Ist übrigens relativ falsch. Ich saß erst gestern wieder zwischen zwei Naya-Draftern und hab dort eine RGbw-Kreation gedraftet, was nicht weit entfernt von Naya ist. Und zwar trotz Raredraftens.


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