Entlassungen zur Weihnachtszeit

Ja, ich weiß, das ist bei amerikanischen Firmen eine übliche Praxis, auch wenn dieses Timing schon besonders herzlos erscheint. Wie man Posts bei Enworld und MTGSalvation entnehmen kann (und auch bereits von Seiten eines der Betroffenen bestätigt wurde), haben Wizards folgende Mitarbeiter freigesetzt:

Randy Buehler (VP of digital gaming)
Andrew Finch (director of digital games)
Stacy Longstreet (senior art director)
Julia Martin (editor)
William Meyers (creative manager, digital design)
Dave Noonan (game designer)
Jennifer Paige (online community manager)
Jennifer Powers (marketing)
Jonathan Tweet (game designer)

Das ist eine recht hochkalibrig besetzte Liste! Wir Magic-Spieler werden ja wohl alle Buehler kennen, der im Anschluss an seine Karriere als Pro lange Jahre bei dieser Firma gearbeitet hat. Dass er jetzt gehen muss… nun, ich hatte es ja eigentlich schon prophezeit: Als Verantwortlicher (wenn auch deswegen keineswegs SCHULDIGER) für sowohl die Endlostragödie des MTGO 3.0, als auch das Scheitern von Gleemax und die anhaltende Verschleppung von DDI (der digitalen Dungeons & Dragons Plattform) stand er natürlich zuoberst auf der Abschussliste. Generell scheint diese Abteilung sich jetzt “gesundschrumpfen” zu müssen.

Andrew Finch ist ein Name, dem ich immer wieder mal begegnet bin, ohne genau sagen zu können, in welchem Zusammenhang, aber offensichtlich rollte sein Kopf zusammen mit dem von Randy. Stacy Longstreet und Julia Martin sagen mir jetzt nichts, ebenso wie William Meyers (der aber offensichtlich auch bei den Digital Games mit drin hing). Dave Noonan war offenbar das Gesicht der 4th Edition von D&D (die, wie man bei Enworld nachlesen kann, im Gegensatz zu den Behauptungen des einen oder anderen radikalen 4th-Hassers, zahleiche Anhänger besitzt) und musste vermutlich einfach gehen, weil nach Beendigung der Entwicklung dieses Produktes einfach kein Bedarf mehr für fest angestellte Mitarbeiter bestand. Ähnliches dürfte Jonathan Tweet widerfahren sein, der nach jahrelanger Arbeit an zahlreichen Projekten (unter anderem der dritten D&D Edition und Dreamblade) zuletzt für die D&D Miniatures verantwortlich zeichnete, die jetzt eingestellt werden. Jennifer Paige war als “Solice” für die Moderation der Wizards-Foren zuständig und wurde wohl einfach eingespart (Moderatoren kriegt man schließlich auf freiwilliger Basis in Scharen, wenn einem deren Qualität egal ist). Jennifer Powers schließlich kommt mir irgendwie bekannt vor, ich kann sie aber nicht wirklich einordnen.

Alles in allem sind jährliche Layoffs bei großen Firmen nichts Unnormales, und natürlich ist auch eine Spielefirma von der derzeitigen Wirtschaftskrise betroffen, aber dieser Einschnitt scheint mir schon sehr tief zu gehen. Bei Wizards wird gespart, gespart, gespart. Produktreihen und -formen werden reihenweise eingestellt (zum Wegfall der Turnierpackungen sage ich dann etwas, wenn er irgendwann tatsächlich einmal offiziell bestätigt werden sollte), die Zielsetzungen im Bereich der Digital Games werden enorm zurück gefahren, die Unterstützung der RL-Turnierszene wird peu a peu eingestellt…

Ich denke, wir beobachten hier den Sturz eines Giganten der Spieleszene. Dungeons & Dragons und später Magic waren im Hobby-Bereich einst das Maß aller Dinge, aber sie wurden von World of Warcraft abgelöst. Sowohl der Rollenspiel- als auch der Sammelkartenspielmarkt schrumpfen, während Online Gaming wächst, ohne dass ein Ende in Sicht wäre. Hier Fuß zu fassen, das ist Wizards auf Grund himmelschreiender Inkompetenz in diesem Bereich einfach nicht gelungen.

Nicht, dass mir daran viel läge. Mein Herz hängt weiterhin am klassischen Rollenspiel und an Magic in Papierform, aber ich muss mich leider damit abfinden, dass diese sich auf dem Weg vom Beinahe-Mainstream wieder zurück zum Nischendasein mittelausgefallener Hobbys befinden.

Advertisements
Explore posts in the same categories: General

Tags: , , , , , , , ,

Both comments and pings are currently closed.

38 Comments on “Entlassungen zur Weihnachtszeit”

  1. Endijian Says:

    Ich frage mich, ob und wie diese Änderung der Community mitgeteilt wird…
    Ich mein wizards tun ja alles, damit die Spieler glauben dass ein job dort das geilste der welt ist… hmm, irgendwie komisch, dass gerade jetzt diese 80.000 words-Kolumne von MaRo wiederholt wird, btw.

    Da fällt mir gerade ein anderes Thema zur Firma ein: Wie ist wohl der Workload bei Magic R&D? In den letzten zwei Jahren war es bestimmt unendlich anstrengend mit x-tausend Karten mehr, die pro Jahr designt&developed werden müssen (und ich kann mir nicht denken, dass sie dafür großartig Verstärkung gekriegt haben), und jetzt wo die Anzahl der veröffentlichten Karten dank der picnic-rares kleiner wird, kann die Abteilung doch auch gesund geschrumpft werden…

  2. Kenshin Says:

    Ich kann immernoch nicht nachvollziehen, was an WOW so toll ist! Wo ist denn der Spass, wenn man etwas nicht mit echten Menschen spielt? Vielleicht bin ich mit meinen 22 Jahren schon ein Dinosaurier, was das angeht… Der Vor- und Nachteil von Online Gaming ist eben, dass man keine Freunde braucht. Und früher oder später werden sich all die, die jetzt massiv Onlinegames zocken, gewaltig wundern, warum sie ihre sozialen Kompetenzen eingebüsst haben. Ne tut mir Leid diese Digitalisierung des Lebens geht mir stellenweise zu weit. Echt jetzt, ein Rollenspiel am Küchentisch hat doch einfach viel mehr Spass zu bieten, als dämliches WOW am PC… Leider macht es aber böse abhängig :-/
    Ich habe auch das Gefühl, dass die Zeit der Sammelkarten- und Pen & Paper Rollenspiele sich dem Ende zuneigt. Wir sollten uns vielleicht alle weniger denn je darauf verlassen, dass es Magic in den nächsten Jahren noch geben wird (zumindest nicht so, wie es jetzt ausgestaltet ist).

    Ich finde es sehr schade, dass Randy seinen Hut nehmen muss. Irgendwie hat er für mich zu Magic dazugehört, besonders zur ProTour Coverage. Tja so lange sie Mike Flores nicht wieder auf uns loslassen ist alles in Ordnung.

  3. juge Says:

    Heißt das, dass Randy jetzt auch nicht mehr bei den Pro Tour Coverages dabei ist?

    Vielleicht hat er auch mit Absicht mit dem Job aufgehört, um zu spielen. Immerhin ist er ja HoF.

  4. René Appel Says:

    @kenshin
    der vorteil von online gaming für die arbeitende, nicht studierende, bevölkerung ist halt dass du da mal eben nach der arbeit bissl was reinschieben kannst,….das ist in rl weder bei nem rollenspiel oder bei magic zum treffen zum draft gegeben…da musst du erst leute zusammentrommeln, hinfahrn usw….

  5. Tigris Says:

    ausserdem braucht man halt bei pc spielen nicht eigene fantasie und kann schön was konsumieren. Aber ja vor allem die online rollenspiele werden doch eigentlich langweilig nach der zeit man braucht nur teilweise etwas überwindung zum aus der such raus zu kommen. Und ja wenn rand wieder spielen würde wäre das ja auch nicht so schlimm

  6. steco Says:

    @kenshin:
    naja, ich schätze mal der typische WoW-Werdegang sieht so aus, dass man zusammen mit ein paar Kumpels anfängt und es ist auch ganz launing, Vlt sitzt man sogar mit den Laptops nebeneinander. In Phase 2 nimmt man andere in die Gruppe auf, digitale Freunde sozusagen. Phase 3 ist dann der Wegfall des Spielens mit den RL-Freunden, weil man ja auch viele Ingame-Freunde hat. So gehts weiter, über Gilden, über Verpflichtungen in Level-Gruppen (oder whatever), und eines Morgens wachen die Leute auf und merken, dass sich ihre ganze Freizeit nur noch um WoW dreht.
    Ob WoW jetzt gut oder schlecht ist, wäre eine epische Diskussion. Zwar interessant, aber hier doch zu sehr offtopic.

    Ich habe es immer gesagt, schon ganz am Anfang: MODO ist einfach zum Kotzen. Es ist eine beschissen programmiert und erinnert mehr an das DOS-Zeitalter. Im Endeffekt hätte Wizards doch nur die Programmierer von MWS und Apprentice mal ansprechen müssen, die hätten mit finanzieller Unterstützung doch bestimmt ein geiles Programm gebastelt, quasi aus intrinsischer Motivation. Aber MODO ist nicht benutzerfreundlich, die Performance ist scheiße und es motiviert auch einfach nicht wirklich. Immerhin hockt man 2-4 Stunden an einem Draft, nur um dann im Finale nicht splitten zu können. Riesenfrechheit. Die Slops an Modo aufzuzählen würde sicher viel zu lange dauern (angefangen bei den simulierten Drafttischen in der Draftarena bis zu den Lags), von daher widme ich mich wieder etwas anderem ;)


  7. Steco, auch an Dich die Bitte: Wenn Du keine richtige Homepage hast, auf die Du verlinken willst, dann lass das Feld einfach frei!

  8. Tigris Says:

    @Pirschner kann man nicht machen, dass neben mail und webseite steht, dass das nicht pflicht ist oder so? Weil andere seiten sind einfach teilweise sehr nervig und man verliert teilweise den kommentar wenn man was vergessen hat einzufüllen, und ja wenn man das erste mal bei dir kommentiert weiss man vielleicht noch nicht wie schlau deine seite ist (grossen kommentar dafür dass man NICHT das mail angeben muss)


  9. Ich heiße “Pischner” (und wenn Du mich schon duzt – was prinzipiell natürlich in Ordnung ist – dann ist der Vorname schon netter, findest Du nicht?)

    Nein, ich kann daran nichts ändern. Allerdings ist es meiner Erfahrung nach eher so, dass Pflichtangaben als solche gekennzeichnet sind.

    In jedem Fall: Wenn man schon glaubt, dass es sich um Pflichtangaben handelt, dann geht das erst recht nicht, dasss man da irgendetwas erfindet, oder?

  10. Bastian S. Says:

    Ein Reiz an Computerspielen ist doch auch, dass die Bedingungen für alle gleich sind. Und man deshalb seine “Fähigkeiten” mit anderen vergleichen kann. Das geht bei Pen&Paper nunmal nicht. Und ich denke, dass das den wesentlichen Unterschied ausmacht. “Ich kann was reißen”, während man bei Pen&Paper ja hauptsächlich gesellig zusammen sitzt.

    Online chattet man über Team Speak mit bis zu 40 Leuten und es kommt einem ja gar nicht so vor, als wäre man alleine vor dem PC.

    Und ja, es gibt Ranglisten und meßbare Ergebnisse meiner “Arbeit”. Und vor allem: ich kann mich mit aber-tausenden Spielern messen.

  11. Bastian S. Says:

    Einen habe ich noch:

    Bei Magic kann das Skill-Level der Spieler schon weiter auseinander liegen und dennoch kann der schlechtere Spieler gewinnen. (Ich bin ein schlechter Magic Spieler und habe schon öfters in der ersten Runde eines Drafts gg einen Top-Mann gewonnen). Bei Online Strategie Spielen oder auch WoW (PVP) passiert dies nie. Der Skill Level muss schon annähernd gleich sein, damit hier beide eine Siegchance haben. Selbst User mit gekauften Items oder Chars sind einfach schlecht, weil sie das Ding nicht bedienen können.

    Stecke ich also viel Zeit rein, ernte ich die Früchte meiner Arbeit in jedem Fall.

    Das ist für mich die Faszination an Online-Spielen. Mich kann keiner “Weg-Lucken” :)

  12. Bastian S. Says:

    Um Bret “the Hitman” Hart zu zitieren:

    Im the best there was, is and ever will be!

    Stone Cold Steve Austin hat an anderer Stelle etwas sehr inspirierendes gesagt:

    What??

    Scott Steiner bringts auf den Punkt:

    Size does matter!

  13. CMA-Flippi Says:

    Solange MODO v3.0 disastreus bleibt empfehle ich zu magic-league zu gehen, um sich dort auf RL-Turniere vorzubereiten. :D

  14. Chickenfood Says:

    Hat Buehler nicht mal gesagt, das er sich nochmal ein Jahr zeit nehmen will um seine HoF-Mitgliedschaft zu benutzen?

    btw: cih finde WoW scheiße, auch das sammelkartenspiel. ne gute manabase zu abuen is halt ein skill den ham haben sollte…..

  15. tfp Says:

    Auch wenn die WoW-Diskussion hier ein wenig offtopic ist, muß uch sagen, daß Bastian und steco wohl die einzigen sind, die WoW halbwegs kennen. Wer es nicht spielt, versteht es nicht.
    Und das Argument, daß man es ohne “menschliche” Freunde spielt, es dafür aber extrem süchtig macht ist unfug. Was an WoW süchtig macht ist vor allem auch die Gruppendynamik und das soziale Umfeld. Soziale Verantwortung ist neben dem “ich will den größten E-Peen” haben der größte Suchtfaktor in dem/solchen Spiel/en.
    Ich hab durch WoW zumindest ne Menge RL-Freunde(!) gewonnen, mit denen ich in der Zwischenzeit ne Menge mehr mache als WoW zu spielen. Und aus meinen Spiel/Raid-Erfahrungen merke ich wie ich dort beobachtete Prinzipien der Sozialdynamik und Gruppenleitung in meinem Beruf sehr gut einsetzen kann als selbst Verantwortlicher einer Entwicklergruppe.

    Zurück zum Thema: Die Hire und Fire Politk amerkikanischer Firmen ist teilweise wirklich abenteuerlich. Das sehe ich an Projekten mit unseren amerikanischen Kunden, wo das Projektteam auf Kundenseite über 2 jahre mal kurz 3 mal komplett durchwechselt…

    Von daher glaube ich, daß du recht hast, Andreas. Wenn es ein Team nicht bringt, wird der Kopf gefeuert und bis auf 2-3 Spitzenleute dem restlichen Team ein freundliches Abfindungsgeld in die Hand gedrückt.
    Da wird nciht diksutiert, wie kann man das besser machen, sondern selbst wenn man das selbe nochmal tun will, holt man ein komplett neues team und probierts halt nochmal mit nem anderen Team (auf dessen Schultern meist ein noch krasserer Erfolgsdruck liegt). Da wird auch knallhart gesagt: das ist das Ziel. Wen das aus welchen Gründen auch immer nicht erzielt wird, bist du weg.

  16. Tigris Says:

    ftp doch ich kenne wow (leider) mir ist klar dass es spass macht mit den leuten dort zu spielen usw, dennoch wird die positive argumentation usw schon eher von denen benutzt die halt nunmal süchtig sind und sich verteidigen wollen. Ich kenne aus meiner Umgebung kein einziges Beispiel von jemandem für den WoW positive auswirkungen gehabt hätte, jedoch ganz viele bei denen es negative gehabt hat. Zum glück sind von allen die ich persöhnlich kenne alle bis auf 2 von diesem Spiel los gekommen.

    @AP, Pischner, Andreas wie auch immer, ich weiss dass du andreas pischner heisst, allerdings ja pirschner klingt angenehmer find ich (Bei Pischner fehlt einfach irgendwie ein buchstabe so nach gefühl). Und duzen + nachname gibt es noch häufig auch im militär. Da ich dich nicht wirklich kenne spreche ich dich nicht mit dem vornamen an und da wir im internet sind benutze ich garantiert nicht die höflichkeitsform.
    War nicht unhöflich gemeint oder so.

    Ah und wegen den entlassungen an sich klar sind die ziehmlich dämlich zeitlich platziert, aber es machen auch noch andere Firmen momenta so (finanzkrise lässt grüssen) Aber ich würde jetzt noch nicht zu früh den grabstein bestellen, wenn wir glück haben kriegt hasbro die kurve sie sind ja momentan krass sich am anpassen und ausprobieren.

    Ah und wegen falschen angaben, die meisten menschen (zumindest die ich kenne) geben bei pflichtangaben das falsche an, ok dass die website nicht pflicht ist wäre klar, und auhc dass meistens was pflicht ist als solches erwähnt ist, stimmt aber wenn eben gar nichts steht kann mans wirklich nicht wissen.

  17. Kenshin Says:

    Hmmm… wieder off topic:
    Mit WOW Leute im RL kennenlernen? Und was macht ihr dann miteinander? WOW spielen nehme ich an… Super gutes RL!!!
    Und was da an Gruppendynamik drin stecken mag sei dahingestellt, aber was es einem nie lehrt sind so Sachen wie nonverbale Kommunikation, Soft Sills usw…
    Jetzt mal den Nutzen vom WOW Spielen außen vor, aber wo hat man denn einen “dicken P***S”? Man bezahlt immernoch Geld dafür etwas an sich total sinnloses zu tun. Und auch wenn man sich der Illusion hingibt, man wäre über Teamspeak mit anderen Zusammen, so ist das einfach nicht wahr. Ihr hockt dann immernoch alleine in nem Zimmer. Ich kenne solche Scheinargumentationen, weil ich sie selbst benutze, aber ich gestehe mir ein, dass ich PC und Magicsüchtig bin…
    Wenn man wirklich nach der Arbeit bock auf nen Draft hat, dann kriegt man das mit genügend Willen auch im RL hin, aber die Leute sind einfach bequem geworden. Warum mit echten Menschen stress haben, wenn man auch stressfrei vor der Kiste hocken kann?
    WOW ist doch nichts anderes als das neue Opium des Volkes!

  18. kranger Says:

    Jo, sowas in der Art wie der letzte Beitrag von Kenshin wollte ich auch schreiben. Sozialverhalten in WoW lernen, wtf?? Also ich hab da so nen Bekannten, mit denen ich mich früher oft abends zum Magiczocken in der Kneipe getroffen habe. Seit es WOW gibt hört und sieht man ihn nicht über mehrere Wochen. Er hat zwar nen Job, aber offenbar ist jede freie Minute mit irgendwelchen virtuellen Raids verplant, die in der Gruppe ausgemacht sind. Zufällig arbeitet er auch in der selben Firma wie ich, hab ihn letztens getroffen und angesprochen wegen kommender T1 Turniere, mal wieder zocken und so – er hat keine Zeit momentan, weil da ne neue WOW Erweiterung draußen ist und was weiß ich was. Sorry, aber was hat das mit trainieren von Sozialkompetenz zu tun, wenn man mit einem Kopfhörer kommuniziert. Erzählt mir doch keinen Schwachsinn hier.

    Wenn es jemandem lieber ist, Abend für Abend in diesen Affenkasten reinzuglotzen und sich mit wildfremden, ebenso sozial gestörten Menschen zu unterhalten und zu beschäftigen, als sich ab und zu mal auf ein Bierchen, einem Plausch und ein paar Runden Magic mit ECHTEN Menschen zu treffen – dann hat er imo echt ein Problem.

    Keine Zeit für RL-Magic aufgrund arbeitendes Volk und so, hat auch irgendjemand geschrieben. Das ist echt hirnrissig, diese Argumentation….echt lächerlich.

    Mag sein, dass es wirklich Einzelfälle gibt, die das ganze im Griff haben und womöglich wirklich durch WOW etwas gewinnen (solange sie ihr RL nicht vernachlässigen), aber global gesehen halte ich diese ganze Scheiße für eine echt bedenkliche Entwicklung.


  19. Wenn WOW tatsächlich Religionen verdrängen würde, hätte es ja auch etwas Gutes an sich!

    tfp: Wizards besaß eigentlich bislang durchaus eine gewisse Kontinuität in ihrer personellen Besetzung. Gerade Randy Buehler ist schon ewig dabei, und das gilt wohl auch für Jonathan Tweet. Ich habe schon das Gefühl, dass diese ENtlassungen eine etwas andere Qualität besitzen, gerade wenn man sich ansieht, in welchen Bereichen sie geschehen. (Übrigens habe ich noch keinen Hinweis daruf gefunden,d ass diese STellen neu besetzt wurden – es war immer nur von “Cuts” die Rede).

    Noch einmal zu WOW: Ich finde dieses Abtauchen in eine virtuelle Realität ja auch furchtbar – aber mal ganz neutral gefragt: Was ist eigentlich so schlimm daran, wenn man seine Zeit alleine verbringt, so lange man damit glücklich ist? Warum ist es besser, sich zum Beispiel mit irgendwelchen “Kumpels” (die oft nichts anderes als Zufallsbekanntschaften sind, die gerade nichts Besseres zu tun haben, und die man lieber nicht auf die Probe stellen sollte, wenn man einmal tatsächlich Hilfe braucht) in einer Kneipe vollaufen zu lassen, als zu Hause vorm Bildschirm irgendwelche Raids zu machen? Was genau ist besser daran, auf irgendeiner Party mit Leuten, die man nicht wirklich kennt oder genauer kennen lernen will, nichtssagende Gespräche immer gleichen Inhaltes zu führen (ich glaube ja, es gibt gar nict mehr als vielleicht ein Dutzend verschiedene Partygespräche), als zu Hause ein Buch zu lesen, Musik zu hören oder einen Film zu sehen?

    Sowohl Zeit, die man alleine verbringt, als auch solche, die man in gesellschaft verbringt, kann vin unterschiedlicher Qualität sein. Ich sehe es nicht so, dass Gesellschaft anderer Leute von sich aus ein Pluspunkt ist – es kommt immer darauf an, wie genau man seine Zeit verbringt! Wenn man natürlich den ganzen Tag im Netz verbringt und sich dabei einsam fühlt, dann ist das schlecht – aber was ist besser daran, irgendwo mit anderen Leuten zusammen zu sein und sich in deren Gesellschaft fehl am Platz zu fühlen?

  20. CNN Says:

    Ich fordere ein WoW Thema mit pro contra :D

    Ne aber mein offtopic beitrag dazu: Allein was ich bei meinem Bekannten sehe reicht mir. Da kommt es vor dass er das duschen und zähneputzen tagelang vergisst.
    Wenn man ihn fragt ob er da und da mit hin will: Nö irgendwie keine lust. Während seiner Wow Pause hatte er fast immer lust und es hat ihm auch immer gefallen und man konnte soagr mit ihm reden. Wenn ich jetzt in sein Zimmer gehe, hört er mir kaum zu bzw redet halt paar Sätze, aber daa war alles..
    es ist wirklich zum verzweifeln!

    Es ist ein unterschied wie tag und nacht, von der kommunikations und lebensfreude seite…

  21. CNN Says:

    @ AP
    allgemein stimmte ich dir schon zu, wie man seine Zeit verbringt sollte schon einem selbst überlassen sein. Allerdings gibt es immer noch einen unterschied zw real life und online games. Nämlich auch der, dass das online game irgendwann mal zu ende ist (und zwar normalerweise bevor das rl zu ende ist :P) und dann steht man oftmals sehr verlassen da und was hat man erreicht? Top 100 auf Server quagga als avatar quigga.

    Und rl heißt ja nicht unbedingt nur saufen bis zum koma, man lernt hier nicht nur freundin usw kennen sondern kann auch sein leben, haushalt, pflichtaufgaben usw besser managen…

  22. CNN Says:

    Ok das mit der freundin stimmt so nicht, da finden sich heutzutage wohl immer mehr im inet, aber ihr wisst was ich meine


  23. Ich denke, es gibt sinnvolle und sinnlose Möglichkeiten, sich allein zu beschäftigen, und sinnvolle und sinnlose Unternehmungen in Gruppen. Und bei beidem kann man Quantität und Intensität übertreiben.

    Ich will allerdings entscheiden dem Denkansatz widersprechen, dass jemand, der nie zu Hause ist, ein erfüllteres Leben hat als derjenige, der nie das Haus verlässt! Man kann nicht nur zu wenig Umgang mit anderen Menschen haben, man kann auch zu wenig Zeit für sich selbst aufbringen.

  24. Kenshin Says:

    Tut mir Leid, dass ich mich da nicht klar ausgedrückt habe… Natürlich ist es nicht prinzipiell besser immer auf Achse zu sein und zu Saufen wie ein Kamel. Was aber aus dem Onlinespielen nie entstehen kann sind eben diese Freunde, auf die man sich verlassen kann. Ich bin selbst nicht der Partygänger und erfreue mich an Musik und einem guten Buch, aber wenn mich jemand fragt, ob ich weggehen will oder ich Lust darauf bekomme, dann mache ich das. Ich hatte mal ne Zeit, in der ich meine Freunde wegen Diablo2 vernachlässigt habe und das brauch ich definitiv nicht nochmal! Klar macht zocken irre Spaß, aber man muss sich doch auch klar sein, dass die VR nicht alles ist, sondern nur einen Ausgleich, eine Art Atressabbau sein sollte und nicht die Hauptbeschäftigung. Gegen WOW an sich ist überhaupt nichts zu sagen, aber dagegen damit im Keller zu verrotten schon!

    Als rational denkender Mensch kann ich den Zulauf von WOW einfach nicht verstehen, ich weiss, wenn ich jetzt ein MMORPG anfange, dann Falle ich in meine alten Suchtmuster zurück. Alleine deshalb würde ich sowas nie anfangen, da ich selber weiss, wie süchtig einen PC Spiele machen können, vor allem solche die keine Zeitbegrenzung durch ein Ende der Story haben. Das scheint aber den wenigsten Leuten klar zu sein. Und diese Sucht an sich ist nunmal nicht geächtet und wird meist verlacht. Leute das ist fast wie Alkohol… Nur ist es nicht mit so offensichtlichen Symptomen behaftet. Man kann prinzipiell nach allem süchtig werden. Ich bekomme absolute Zustände, wenn sich das aktuell gelesene Buch dem Ende zuneigt und ich im Regal nicht noch mindestens ein Buch zum danach lesen liegen habe. Sogar nach sowas kann man also süchtig werden.
    Wenn man dann mal drin ist belügt man sich auch mal gerne selber darüber. Man behauptet, dass es nicht schlimm wäre, man erzählt, dass es einem doch auch was bringen würde, dass man doch garnicht so viel spielt, dass man was erreichen würde, etc… been there, done that!

    Ich kann es auch wirklich verstehen, dass man Zeit für sich selbst braucht. Bei mir ist das auch so, aber irgendwann geht man über diese Zeit hinaus und zockt, STATT das was man früher gemacht hat zu tun. In Wirklichkeit muss man sein Leben nicht wegwerfen um Online games zu spielen, aber sie machen es einem nunmal so leicht. Das ist halt auch der Reiz für Hardcore MODO Addicts: 24/7 außer Mittwochs zur Downtime haben sie Zugriff zu ihrem “Stoff”. Und sie bekommen ohn sofort, ohne lange Leute anlabern zu müssen! Und sie bekommen ihn rein, nicht in der 6 Mann Variante!

  25. kranger Says:

    Andreas, sorry, aber von dem anderen Extrem hat ja auch niemand gesprochen. Oder hat hier irgendjemand behauptet, sich jeden Tag die Birne wegzuknallen wäre toll? Sich mit Menschen zu umgeben, mit denen man sich eigentlich nicht umgeben möchte, nur der Gesellschaft willen muss auch niemand machen, wenn er nicht will. Ich bin auch kein Freund von Smalltalk (auch wenn er halt ab und zu dazugehört – ja und sogar manchmal auch bereichernd sein kann). Aber darum geht es doch gar nicht.

    Ich zock auch mal gerne ne Runde Diablo oder Spellforce, ist also nicht so, dass ich nicht auch Spass an ner Runde Computerzocken haben kann. Aber nach 1, 2 Stunden reicht es auch wieder und ich habe dann wieder Zeit für andere Dinge. Wenn ich dann mal so ein Spiel durch gespielt habe, kann ich monatelang auskommen, ohne überhaupt nur an Computerspiele zu denken. Und NIEMALS würde ich RL Termine für ein PC Spiel sausen lassen. Wenn mir jemand 1x sagt, er hat nen WOW Termin und kann sich deshalb nicht mit mir treffen – Ok. 2x – schwamm drüber. 3x – hmmm. Spätestens beim 4. mal keimt in mir der Verdacht, der Mensch könnte ein echtes Problem haben. Und meiner Erfahrung nach haben sehr viele WOW Spieler dieses Problem. Und das schlimme ist, 99% wollen es sich selbst nicht eingestehen…

  26. TimR Says:

    Hm, also ich habe mehrere Jahre WoW auf allerhöchstem Niveau gezockt und der Vergleich ist echt mal Äpfel und Birnen :). Genausogut könnte man Magic und Märklin vergleichen.
    Magic ist ein DENKsport mit hohem Glücksfaktor, während man bei WoW im richtigen Moment die richtige Taste drücken muss. Sicherlich ist der, der bei WoW schneller antizipieren kann, auch dort mehr oder weniger deutlich im Vorteil, aber die gesamte Strategie- und Planungsphase fehlt bei WoW. Die meisten PvE-Begegnungen sind im übrigen darauf ausgelegt, den Luckfaktor total auszurechnen. Sprich, wenn alle 25 Mann immer das richtige machen, gewinnt man automatisch.
    Die Überschneidung besteht lediglich im Sammelfaktor, aber wir sind uns doch einig, daß die allerbesten Magicspieler selten die allergrössten Sammler sind (und umgekehrt).
    OK, eine andere Überschneidung ist, daß man selber entscheiden kann, in welchem Ausmass man WoW oder MtG betreiben möchte (das gilt aber für alle Hobbies).

    Das wirklich ALLERletzte ist btw das “Argument”, WoW sei kein “RL”. Was denn sonst?
    Man trifft bewusst die Entscheidung, sich im realen Leben vor den PC zu setzen. Da geht nicht virtuelle, sondern reale Zeit bei drauf. Bei mir war es so, daß ich mehr Bock hatte auf WoW, dafür sind halt ein paar Bekanntschaften kürzer gekommen (aber eben keine Freundschaften). Drauf geschissen. Dafür hats Spass gemacht.
    Ausserdem ist es so: Je höher man im WoW-Niveau spielt, desto intelligenter, sozial gefestigter und “vernünftiger” werden die Leute. Für diejenigen, die WoW auf hohem Niveau spielen, ist das ganze Sport. Mit extrem hohem Teamfaktor. Das geht Magic nämlich ab.
    Sicherlich gibt es ordentlich kaputte Nerds in WoW. Keine Frage. Genug kennengelernt. Nur sollte ausgerechnet ein MtG-Spieler mal die Fresse halten bei dem Thema :).

    Im übrigen besteht zwischen WoW-Raidcontent und Magic-Roadwarrior-lifestyle wenig Unterschied, was eine mögliche soziale Akzeptanz angeht. Schwulibert Fleissig aus Augustfehn hat sicherlich für beides kein Verständnis.


  27. Mir sind aber einige Formulierungen hier schon ein wenig zu absolut. Gewiss ist es ein Problem, wenn das virtuelle Leben das reale ersetzt, aber es ist nicht fair, das zum Beispiel an Online-Verabredungen festzumachen: Eine Verabredung ist eine Verabredung, und wenn andere Menschen sich auf einen verlassen,d ann wäre es ein Zeichen von sozialer Inkompetenz, sie zu enttäuschen, weil man sie ja “nur” virtuell trifft.

    Ist jemand jeden Abend von 20-22 Uhr zu einem Raid verabredet? Okay, ich stimme Dir zu – hier übertreibt es jemand.

    Ist er aber ein oder zwei Mal die Woche jeweils zur selben Zeit fest verabredet – wo ist das Problem? Warum soll er das sausen lassen, wenn jemand ihm sagt “ey, komm’ doch lieber mit, echtes Zeugs machen”?

    Es ist offensichtlich gar nicht so einfach, sich in einer virtuellen Welt zu orientieren. Man findet sowohl menschen, die darin versinken, als auch solche, die sie pauschal ablehnen. Ich seje aber keinen objektiven Unterschied dazwischen, in einer Kneipe bei ein paar Bier Skat zu kloppen oder sich gemeinsam im Internet bei einem Raid zu amüsieren!

  28. TimR Says:

    “Den Luckfaktor auszurechnen” muss natürlich “..auszuschliessen” heissen.

    Was die soziale Komponente angeht: Ich hab 10 Jahre lang gesoffen, geclubbt, wie ein blöder Leute kennen gelernt, stundenlang nachts mit geprellten Leuten zu obskuren Technoschuppen gefahren etc bla.
    Das, was man als generell akzeptiertes Sozialverhalten annimmt, ist in Wahrheit das Hinterletzte. Im Endeffekt tötet es einen ;)).
    Worum es eigentlich geht: Produziert das Hirn genug Endorphine? Ist der Mensch mit sich und seiner Umwelt glücklich?
    Nimm mal den dicken, verpickelten, schüchternen, ungefickten Nerd, der im “RL” echt die Arschkarte hat. Der spielt nun WoW, kann da Erfolg haben und ist glücklich. Eventuell lernt er da endlich Weiber kennen (alles schon gesehen) und ist noch glücklicher, als er es je in dieser Gesellschaft gewesen ist. Mindestens temporär.
    Sicherlich ist das nicht zu Ende gedacht. Aber es ist imho bedenkenswert.

  29. TimR Says:

    Ich musste übrigens sehr lachen, als ich krangers “mein Kumpel spielt lieber wow als mit mir in der kneipe magic zu spielen!!!1!” las.

    Ich würde aus meiner ganzen Erfahrung behaupten. Also ganz wirklich und ernsthaft:

    Der durchschnittliche WoW-Spieler hat mehr Sex als der durchschnittliche MtG-Zocker. Wenn wir “Sex haben” als gesellschaftlichen Erfolg definieren dürfen (biologisch ja allemal).

  30. Handsome Says:

    Das Problem ist einfach, dass die Gesellschaft nicht weiß, wie sie mit virtuellen Welten umzugehen hat. Im Moment nehmen die Leute virtuelle Kontakte nicht so ernst wie die “echten” Bekanntschaften, aber ich glaube, in zehn bis 20 Jahren wird sich niemand mehr dabei etwas denken, wenn sein Kumpel wegen ‘nem Raid in der dreiundzwanzigsten WoW-Erweiterung absagt. (Die Quests bleiben obv. immer noch dieselben ;) )

    Diese “Vereinsamung” ist ja auch kein WoW-exklusives Problem, es ist durch den Erfolg des Spiels und die Struktur des Programms nur stärker in den Mittelpunkt des öffentlichen Diskurses gerückt. Es gab schon früher Typen, die zwölf Stunden am Tag vor ihrem C64 verbracht haben. Genauso kennt wohl jeder die Leute, die nur zum FNM vor die Haustür gehen. Bei einem Kumpel von mir ist die Beziehung mit seiner Freundin nach drei Jahren in die Brüche gegangen, weil er nur noch 24/7 Sit’n Go auf Party Poker gezockt hat.

    Das muss nicht einmal ein PC-exklusives Problem sein! Geht am Wochenende in einen x-beliebigen Club, ihr werdet immer irgendein Opfer sehen, dass jeden Tag kommt, um sich vollaufen zu lassen. Ich kann da auch mit einer gewissen Erfahrung sprechen: Macht diese Party-Scheiße zu oft, und sie macht euch krank. Been there, done that.

    Zusammengefasst: Man kann es mit JEDER Freizeitaktivität übertreiben. Und ob jemand jetzt bevorzugt in der realen oder virtuellen Welt verkehrt, muss jeder mit sich selbst ausmachen. Hat ja auch seine Vorteile. Kürzere Schlange vorm Kino z.B. ;)

  31. kranger Says:

    “Was die soziale Komponente angeht: Ich hab 10 Jahre lang gesoffen, geclubbt, wie ein blöder Leute kennen gelernt, stundenlang nachts mit geprellten Leuten zu obskuren Technoschuppen gefahren etc bla.”

    Nochmal: hat hier irgendjemand behauptet, dass das erstrebenswert wäre?

    Ich habe das Gefühl, Du willst nicht verstehen, was ich sagen will. Es geht nicht darum, dass Magicspielen in der Kneipe nicht mehr möglich ist. Setz für Magic von mir aus irgendeine andere Aktivität ein. Es ist halt auffällig, dass ehemals gute Kontakte zuerst weniger werden und sich irgendwann im Sand verlaufen wegen Spielen wie WoW.

    Woher weißt Du imÜbrigen, dass der durchschn. WoW Spieler mehr Sex hat als der durchschn. Magicspieler? Achja, aus “Erfahrung”. Ist immer das tollste Argument, weil von anderen nicht nachprüfbar.

  32. dicker_koenig Says:

    “Ich seje aber keinen objektiven Unterschied dazwischen, in einer Kneipe bei ein paar Bier Skat zu kloppen oder sich gemeinsam im Internet bei einem Raid zu amüsieren!”

    Den Gedanken kann ich durchaus nachvollziehen. Ein Unterschied ist aber in der (Un)Mittelbarkeit des Kontaktes zu sehen. Bediene ich mich beim Online-Spiel eines Mediums, so ist in der Kneipe Bier mein einziges Medium ;). Das sagt an sich natürlich noch nichts über die Qualität der jeweiligen Kontaktes aus. Für mich sind virtuelle Kontakte, oder generell der zwischenmenschliche Umgang in virtuellen Räumen schon deutlich von einem unnmittelbaren Umgang miteinander zu unterscheiden. Auch das sagt wiederum noch nichts über die Qualität dieser Umgangsformen aus.

    Dennoch denke ich, dass exzessives Spielen die sozialen Kompetenzen hemmt oder zumindest großes Potential besitzt dies zu tun. Aber Handsome hat schon Recht, wenn er schreibt, dass die Vereinsamung kein exklusives Problem der Online-Spiele Szene ist und genauso verhält es mit der Verarmung sozialer Kompetenz, die sich ja in Teilen damit deckt. Das macht das Ganze leider auch nicht besser.

  33. TimR Says:

    Njo, ich habe über Jahre hinweg in einer grossen deutschen Stadt quasi sämtliche Turniere organisiert. Was ich da an sozialen Defiziten gesehen habe, war rein subjektiv noch viel schlimmer als das was ich in WoW erlebt habe.
    Etwas, was Du beispielsweise in WoW sehr häufig sehen wirst, sind spielende FRAUEN.
    Oder spielende Pärchen. Erwachsene mit Familie.
    Die Zielgruppe “Magic” (14-20, männlich, fantasievoll, leicht angenerdet) macht nur einen gewissen Teil der WoW-Community aus, wohingegen der ganz überwiegende Teil der Magicspieler diesem Klischee entspricht.
    Was natürlich richtig ist: Onlinewelten machen umso bequemlicher, desto realistischer sie die “reale” Welt abbilden. Wir sind halt darauf konditioniert, Dinge wie Blickkontakt, Berührungsmöglichkeiten etc. als sehr hilfreich zu empfinden.
    Hast Du schon mal darüber nachgedacht, warum sogenannte “ehemals gute Kontakte” versanden wegen Onlinespielen? Vielleicht waren sie doch nicht so “gut”?
    Vielleicht zu anstrengend? Oder vielleicht sind die Jungs dort netter? Jetzt kann man sicherlich so argumentieren – das haben wir sozial kompetenten Menschen ja so gelernt -, daß “Anstrengung” zu jeder menschlichen Beziehung gehören muss. Andererseits: Wie oft kommt es vor, daß man durch eine neue Schule, Uni, Stadt, Hobby etc. einen Teil seines “nicht so guten” Bekanntenkreises ersetzt? Neu ist immer auch interessanter.
    In Wahrheit ist aber alles eine Suppe: Ob man sich zur Preparty trifft, zum Magicspielen in der Kneipe oder halt zum Raid. Beim Magicspielen in der Kneipe zum Beispiel ist die Chance relativ gering, Weiber kennen zu lernen.
    Ich behaupte sogar, daß WoW den Bekanntenkreis einiger Menschen sogar noch erhöht hat.
    Im übrigen laufen Kontakte in WoW genauso ab wie im vielbeschworenen RL. Ist man in einer festen Spielgemeinschaft, so wird man feststellen, daß dort die exakt gleichen Strukturen bestehen und die gleichen Regeln herrschen wie beispielsweise im Fussballverein.

  34. tfp Says:

    Wollte schon fast nichts mehr schreiben, aber TimR hat mir den Tag gerettet. Zumindest noch einer der weiß, wovon er spricht.

    Es gibt ganz schlimme Fälle in WoW. Ich selbst kenne über 1-2 Ecken mehr als genug Leute die abgestürzt sind und mit RL-Freunden praktisch nichts mehr tun. Oder schlimmer: ihre Ausbildung vernachlässigen und nichts mehr auf die Reihe bekommen.
    Meist sind das aber Leute, die sowieso nicht ganz so gefestigt im Leben standen.

    Ich will nicht sagen, daß es “normal” ist, was ich erlebt habe oder wie ich damit umgehe. Ich wollte nur aufzeigen, daß es immer auch andere Aspekte gibt.
    Eventuell kann ich sogut damit umgehen, weil ich seit ca. 23 Jahren Computerspiele-süchtig bin. Vor allem durch die Anerkennung dessen die Erfahrung ergibt sich ein ganz guter Umgang. Kann auch sein, daß mein Computerwissen in der Pupertät erst zu sozialer Anerkennung geführt hat und ich dadurch bewusst immer die balance bewahrt habe.

    Wie auch immer: wie TimR schon erläutert hat, bin ich in einer vernünftigen Gilde gelandet, in der praktisch jeder Berufstätig ist, jeder ne Freundin/Frau hat (die teilweise natürlich auch spielen). Es ist kommunikativ, man hat Spaß miteinander. Wir fahren regelmäßig hunderte Kilometer um miteinander zu grillen, Magic (!) zu spielen (hab andere wieder angesteckt) und über das Leben zu philosophieren. WoW beschränkt sich in der Zeit meist aufs Auktionshaus checken ;)
    Eines der spielenden Pärchen ist nicht nur Berufstätig, sondern hat jetzt 4 Kinder – die alles andere als vernachlässigt werden (weder am Computerspielen, noch vor den Fernseher abgeschoben werden). Weil der Vater auf höchstem niveau spielen will, hat er extra den Server gewechselt um mit anderen vernünftigen Leuten eben Nachts zu raiden. Nur eine Frage des Zeitmanagements und er selbstdiziplin…
    Zugegeben, das ist ein extremes Beispiel.

    Aber von den Leuten, mit denen ich spiele, kann ich ausnahmslos behaupten, daß keiner soziale Kontakte/Frau/Freundin vernachlässigt, jeder genug Sex hat und weder im Beruf noch in der Ausbildung abgestürzt sind.

  35. kranger Says:

    Ist ja schön, wenn es auch diese positiven Beispiele gibt und sich dann tatsächlich auch so etwas entwickelt, wie Du es beschreibst. Ich verdamme auch nicht generell Computerspiele, zocke ja auch selbst gerne ab und zu mal. Aber es gibt eben auch sehr viele Negativbeispiele.

    Womöglich habt ihr aber vielleicht recht, wenn Ihr sagt, diese Menschen würden sich dann halt in etwas anderes flüchten, wenn es diese Spiele nicht gäbe.


  36. Dieses andere wäre vermutlich Alkohol, wie schon seit eh und je. Teurer, gesundheitsschädlicher… aber halt geselliger, und deswegen gesellschaftlich akzeptierter.

  37. steco Says:

    Anfangs interessant, spätestens bei dem “WoWler haben mehr Sex als MTGler” und “WoWler sind cooler weil mehr Frauen udn weniger nerdig” lächerlich. Was sind das denn für Aussagen? Das Thema ist viel vielschichtiger, und ich bin mir wirklich sicher, dass virtuelles Treffen mit Avataren einem nicht dasselbe geben kann wie ein Treffen mit Kumpels, wo man sich wirklich mal gegenübersitzt und dann weggeht oder so.
    Magic kann außerdem ein Hobby sein, während WoW ja nun wirklich weniger Hobby als eher Parallel-Leben darstellt. Oder macht das Sinn, sich nen WoW-Account zu holen, wenn man eh nur 3 Stunden die Woche oder so zocken will?

  38. TimR Says:

    Ich wollte halt darauf hinweisen, daß “WoW-Spieler haben keine Kumpels!” nicht ausgerechnet von Magicspielern abfällig diskustiert werden sollte.

    Du hast recht, die Sache ist vielschichtiger. WoW hat – weil es jeder zocken kann – eine viel breitere Zielgruppenstruktur als Magic, das im wesentlichen nur für eine gewisse Bevölkerungsgruppe konzipiert wurde.

    Die Leute, die sich in WoW flüchten, weil sie es im RL nicht packen, sind exakt die gleichen Leute, die sich in Warhammer, Magic oder ähnliches flüchten würden.
    Eine Onlineparallelwelt macht es für die ohnehin sozial isolierten Menschen natürlich wesentlich leichter, weil man nicht mal mehr vor die Tür muss. Keine Frage, das ist gefährlich.
    Das Problem dieser Leute bestand aber schon VOR der Realitätsflucht.
    Und nochmal: Wenn Menschen in ihrer Parallelwelt glücklicher werden können, weil sie den Erwartungen des Mainstreams nicht entsprechen (können), wer sind wir, darüber zu richten?

    Tjo, und ich kann es nur wiederholen: Die WoW-Stereotypen sind wirklich deutlich seltener als man denkt. Es gibt eben absolut und prozenztual wesentlich mehr gesellschaftlich akzeptable WoW-Spieler als Magicspieler. Aber: Genauso wie der typische Magicspieler sich wehren wird, wenn unterstellt wird, alle Magicspieler stinken und haben ausser Muttern noch nie eine unbekleidete Frau gesehen. Eben weil er es besser weiss, muss man hier auch mal sagen: “Stop, stimmt in dieser Form nicht” .

    Genauso wissen Till und ich es eben besser, was WoW angeht. Wir kommen beide aus der Szene und wir sagen: Ja, es gibt den WoW-Nerd, aber er kommt seltener vor als man denken möchte.
    WoW ist ein Hobby. Nicht mehr und nicht weniger. Jeder kann selbst entscheiden, wieviel Zeit er dafür investieren möchte. Für manche wird es zum Sport und das kann genauso befriedigend sein wie Fussball spielen.


Comments are closed.