Mein erster Winston-Draft

Ich habe gestern zum ersten Mal Winston gedraftet. Das glaube ich wenigstens. In meinen frühen Magic-Jahren habe ich mit einer Menge Draftvarianten herumexperimentiert, und wenn es Winston (oder eine Vorform davon) damals schon gegeben hat, habe ich es bestimmt auch einmal ausprobiert. In jedem Fall aber besaß ich keine konkrete Erinnerung mehr daran, deswegen macht es eh keinen Unterschied – praktisch war es mein erstes Mal.

Anlass waren natürlich meine Conflux-Displays, die ich nicht einfach so öffnen wollte. Stattdessen lud ich ein paar Magic-Spieler zum Zocken zu viert bei mir ein. Wie das so häufig kommt, waren wir dann aber stattdessen zu dritt: Olaf, endjian und ich. Drei ist natürlich eine blöde Zahl, und deswegen gaben wir Winston eine Chance.

Um es noch einmal kurz zu rekapitulieren: Aus drei Boostern pro Spielern werden die Karten verdeckt gemischt. Es gibt drei verdeckte Stapel – ich nenne sie A, B und C. Auf jeden dieser Stapel legt man zuerst eine Karte. Man draftet reihum. Wer an der Reihe ist, schaut sich zunächst die Karten in Stapel A an. Diese nimmt er dann oder legt sie zurück. In jedem Fall erhält dieser Stapel dann aus dem Hauptstapel eine weitere Karte (wurden die Karten genommen, ist sie die einzige). Nimmt der Drafter die Karten aus A nicht, wiederholt er diese Prozedur mit B, und dann mit C. Wenn ihm die Karten aus C auch nicht zusagen, nimmt der Spieler die oberste Karte vom Hauptstapel. Sobald er Karten genommen hat, ist der nächste Drafter an der Reihe.

Ich hatte einfach keine Ahnung, wie ich hier vorgehen musste. Olaf ging es genau so – nur endijian kannte das Format bereits. Immerhin hatte ich aber eine Vorstellung davon, wie man Conflux-only draften müsste, nämlich prinzipiell fünffarbig (aber natürlich mit Schwerpunkten auf einigen Farben). Daher griff ich mir im Zweifelsfall immer die Manafixer (bekam aber fast nie welche zu sehen, zumindest was Artefakte und Länder angelangt – ein Kaleidostone, den ich mir auch nahm, war da einfach absolut alles) und nahm ansonsten das Beste aus allen Farben und im Zweifelsfall immer den größten Stapel (nach Abzug etwaiger darin befindlicher Basic Lands natürlich). Basic Landcycler griff ich mir allerdings auf Sicht und erhielt so 2 Fiery Fall und je ein Absorb Vis, Sylvan Bounty und Traumatic Visions.

Am Ende stellte ich fest, dass ich im Wesentlichen RGw war, mit Minisplashs von je einem Land für Skyward Eye Prophets, die aktivierte Fähigkeit des Viashino Slaughtermaster und die Domainfähigkeiten von Dragonsoul Knight und Paragon of the Amesha. (Ach ja, und Manaforce Mace.) Das unterstützte ich mit den beiden Fall, der Bounty und zwei Exploding Borders, mit einer Landverteilung von 6/5/4/1/1 für RGWUB. Ich hatte eine gute Kurve, mit zwei Tukatongue Thallid, Viashino Slaughtermaster, Cylian Sunsinger und Nacatl Outlander, sowie einigen 3-Drops. Am oberen Ende befanden sich Rakka Mar, Skyward Eye Prophets und Nacatl War-Pride. 2 Might of Alara unterstützen meine aggressive Kurve.

Endijian hatte ebenfalls fünffarbig gedraftet, wenn er auch schwerpunktmäßig in Esper lag, aber mit mindestens 2 Kaleidostone, 1 Armillary Sphere und 1 Mana Cylix, sowie 1 Unstable Frontier war er in der Lage, zum Beispiel auch seine Matca Rioters ohne Forest im Deck auszuspielen. Einmal überrannte ich ihn rasch, aber in den beiden anderen Spielen stotterte mein Deck – einmal blieb ich Ewigkeiten auf 5 Ländern stehen, während er mit Fleshformer mein Board abräumte, und nachdem ich diesen endlich entsorgen konnte, hatte er einen zweiten Fleshformer. Im anderen Spiel kriegte ich seinen aktiven Fleshformer nicht vom Tisch und zog zu wenige Kreaturen. Grixis Slavedriver und Sedraxis Alchemist machten dann die Spiele dicht. Beide Niederlagen waren knapp und hätten bei einem guten Draw Step von mir auch zu meinen Gunsten ausgehen können (insbesondere war endijian immer in Exploding Borders Reichweite). Ein Spiel habe ich aber vermutlich verschenkt, weil ich auf 5 Ländern zu lange das Fiery Fall in meiner Hand behielt anstatt es zu cyclen und meine Hand leerzuspielen, auch wenn ich dann seinen Fleshformer hätte liegenlassen müssen. Auch ansonsten habe ich vermutlich einfach nicht gut gespielt.

Gegen Olaf wiederum gewann ich 2 zu 1. Olafs Deck war vierfarbig (ohne Grün) und zeigte sehr unterschiedliche Gesichter. Einmal überrannte er mich mit UW Beatdown (Vedalken Outlander, Gwafa Hazid, Esper Cormorants, Traumatic Visions auf meine nächste Kreatur, Absorb Vis FTW). Gegen endijian gewann er dann zwei Mal mit Malfegor…

Im Nachhinein bin ich überzeugt, dass ich das beste Deck hatte. Endijians Deck war doch eher ein Haufen, mit zu vielen marginalen Karten (er hat seine Kaleidostones effektiv immer nur gecycled, aber nie für Mana benutzt, und weder Mana Cylix noch Grixis Illusionist finde ich besonders maindeckwürdig), während Olafs Deck eine sehr hohe Kartenqualität besaß (und gut gespielt wurde – wenn mein Gegner tatsächlich nachdenkt, bin ich gleich automatisch im Nachteil!), aber halt ein wenig bunt und daher klobig war. Meine Manabasis und -kurve waren wohl jeweils am solidesten, und mit Doppel-Might und Doppel-Borders hatte ich, ebenso wie mit meinen beiden Domain-Kreaturen und dem Mace, sowie Rakka Mar und dem War-Pride, auch gute Lategame-Optionen. (Und die Filigree Fracture im Hauptdeck war eine sehr gute Idee und bewies in dem Spiel, in dem ich sie zog, auch ihren Wert.)

Die interessante Frage aber lautet: WIESO hatte ich das beste Deck? Mein Verdienst war es jedenfalls nicht. Im Gegenteil: Seine besondere Stärke (nämlich, dass es im Wesentlichen zweieinhalbfarbig war) ließ sich überhaupt nicht auf gezielte Draftentscheidungen von mir zurückführen (abgesehen vielleicht von den beiden Borders, die ich ganz zum Schluss in dem Bewusstsein nahm, dass RG wohl meine Hauptfarben sein würden). Ich hatte eigentlich immer noch buntes Zeug eingesammelt.

Die Antwort lautet: Eine Mischung aus Glück und “Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte”! Olaf und endijian basierten beide ihre Decks auf Esper und beraubten sich dadurch gegenseitig der Möglichkeit, diese Strategie konsequent umzusetzen. Ich profitierte davon, indem ich grüne und rot-grüne Karten auf dem Silbertablett serviert bekam, ohne es zu merken. Außerdem hatte ich das Glück, als Manafixer früh die beiden Fiery Fall nehmen zu können, als sie gerade nachgelegt worden waren, und ebenso Rakka Mar.

Letztlich war aber der entscheidende Faktor derjenige, dass Olaf und endijian einander beim Draft auf die Zehen getreten waren, und ich denke nicht, dass das ihre Schuld war. Wenn ich das richtig verstanden habe, gilt es als einer der Vorteile beim Winston Draft, dass man auch bei sehr wenigen Draftern die Decks der anderen Spieler nur teilweise einschätzen kann, weil man nur einen Teil der Karten sieht. Diese fehlenden Informationen bedeuten aber eben auch, dass man sich nicht auf die übrigen Drafter einstellen kann, und demenstprechend auch nicht in andere Farben ausweichen kann. Ich frage mich, welche Auswirkungen das bei anderen Sets hat – Conflux ist ja so bunt, dass eine strikte Aufteilung der Farben nicht ganz so wichtig erscheint.

Übrigens denke ich, dass auch bei normalen Drafts, trotz aller dort vorhandenen Möglichkeiten, Signale zu geben und zu lesen, und selbst dann, wenn sich nur kompetente Spieler am Tisch befinden, die dies auch tatsächlich tun, solche Situationen sehr häufig entstehen: Farben oder Farbkombinationen werden over- oder underdraftet, ohne dass dies die Schuld eines unaufmerksamen oder unflexiblen Drafters wäre, einfach weil die Booster so ausfallen, und Spieler stehen am Ende mit überlegenen Decks dar, ohne sich diese wirklich verdient zu haben. Draft besitzt gewiss eine deutlich geringere Glückskomponente als Sealed Deck, aber man sollte nie vergessen, dass der Zufall immer noch eine sehr maßgebliche Rolle spielt.

Oh, und Gwafa Hazid, Profiteer ist vielleicht die beste Karte des Sets… wenn man sie im Draft weitergibt! Vielleicht findet sich ja ein Spieler, der sie nicht nur draftet, sondern sogar in sein Deck steckt und sogar noch benutzt – wie gut ist das denn?

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12 Comments on “Mein erster Winston-Draft”

  1. mitsch Says:

    Gwafa is die beste karte im Backdraft, oder wie auch immer das Format heißt, bei dem man für seine gegner draftet ;)

    Winston ist schon n abgefahrenes Format, macht aber kurzweilig Laune und kann man auch fast zu 2. schon spielen.

  2. Mathias Says:

    Gegen diesen Gwafa hab ich schonmal ein ganzes Match verloren, weil ich in beiden verlorenen Spielen nicht das eine Removal aus meinem Deck gezogen hab. Das war etwas bitter…


  3. Ich möchte aber behaupten, dass Du dieses Spiel auch ansonsten verloren hättest, oder? Wenn Du trotz all der Extrakarten, die Du ziehst, nicht in der Lage bist einen 2/2er umzunieten, dann sah es doch sowieso nicht gut für Dich aus.

    Abgesehen davon KANN man auch einmal gegen Sorrow’s Path verlieren…

  4. Horst Adler Says:

    Naja, wenn man eben kein removal zieht kann man gegen Gwafa shcon mal verlieren, ich mein dein Gegner lässt ja auch nicht auf jeden random Dork die Gwafa Power los, sondern schön auf die Flieger oder Naya Klobos. Das kann schonmal reichen.

    Aber natürlich ist er immer noch sau schlecht, aber wenn das deck grütze genug ist kann man shconmal versuchen sich damit zu lucken…Übel wirds halt wenn man ihn erstmal paar marken verteilen lässt und irgendwann wenn der gegner attacked den gwafa umnietet und auf einmal alle wieder blocken können.GG

  5. philippkollmar Says:

    Ich habe auf die Art und Weise (wir nennens “Stapel-Draft”) Lorwyn und Morningtide zu zweit und zu dritt gedraftet, die ja wirklich eher zweifarbig gedraftet werden. Da klappte es ganz gut zu sehen was eher offen ist und was man nur am Anfang sieht und dann nei wieder.
    Es ist halt wegen der geringeren Boosteranzahl trotzdem viel mehr von eben diesen abhängig.
    Da man eigentlich immer versucht gute Karten zu draften gab es bei uns über die Zeit häufiger wachsende Stapel mit Crap oder Füllern, die dann doch mal einer nimmt wenn eine spielbare Karte dazukommt.
    Gerne mehr Überlegungen hierzu, ich finde das Format cool weil man eben auch in kleinen Runden draften kann.

    bbb

    Pi

  6. Olaf Says:

    So schlecht fand ich mein Deck gar nicht, eigentlich sogar nahe an einem durchschnittlichen CON-only-Draft-Deck: 2 Kormorane, eine Bombe, Removal, viele Fixer und ansonsten solider Kram. Im zweiten Spiel gegen Dich verliert mir der blöde Gwafa Hazid das Spiel, weil ich da erst auf den Trichter “Bribery ungleich Bribery-Counter-Effekt” komme. RTFC.
    Und das dritte verliere ich wegen dem blöden 1st Turn Thalliden. Das passiert, obwohl ich da später evtl. auch anders hätte spielen können in der Hoffnung, dass Du einen Fehler machst. Werden wir aber nie erfahren.

  7. Olaf Says:

    Achja, vergessen: ich saß vor endijan, insofern ist das Gesamt-Ergebnis auch im Kontext Deiner Draft-Analyse sehr nachvollziehbar: endijan und ich streiten uns, wobei ich in der Vorhand noch die besseren Picks kriege und für Dich bleibt das dann gute Grün.


  8. “Schlecht” war Dein Deck ja auch nicht, aber ich denke schon, dass Vedalken Outlander und Malfegor im gleichen Deck Ausdruck eines konzeptionellen Problems sind.

    Mein Deck hätte man auch mit Sicherheit besser spielen können – mein Durchspiel ist mit Sicherheit mit Abstand mieser als meine Deckbaufähigkeiten. Zum Beispiel habe ich gegen Dich im verlorenen Spiel die 6-Länderhand behalten, was dann wohl doch eindeutig zu feige war (ich stand zu sehr unter dem Eindruck, wie das Erreichen der Domain in Conflux-only doch Spiele entscheidet), und von Deiner Geheimwaffe (die man “Nachdenken” nennt) hätte ich theoretisch ja auch mal Gebrauch machen können…

    Aber ja, dass Wretched Banquet gegen Tukatongue Thallid nicht die ideale Karte ist, das sehe ich ein…

  9. martenJ Says:

    boarders sind hart overrated und nur knapp playable imo.
    esper ist >>>>>>> 5 color in CCC draft. like infinite better.

    hint: fusion elementel is schiss in einem format, wo jeder gammlige bär schutz davor hat.

  10. DaChaq Says:

    RB ist die beste Basis in Conflux.
    Da gibt es sooo viel Removal (gerade im commonbereich) das ist nicht mehr feierlich. Am besten mit blausplash, vorallem für Strix, und dem Pro: Green Man. Im Removal.dec ist der Zombie Slavedriver dann der beste.
    Am besten so max 10 Critter. Und immer max. 17 Länder, tendenziell eher 16., bei extrem viel fixer gar 15 Länder. Dieses Removal was nur B kostet, ist übrigens in dem Deck auch super lecker.
    Danach kommt wohl Esper, und 4-5CC.
    Grün ist nicht so toll, eben wegen dem Pro: G man und dem unendlichen Removal der Opps.
    Fusion Elemental ist obv. shizz.

  11. le_asmo Says:

    also ich hab auf modo 4 CCC drafts in folge gewonnen und war eigentlich immer 5-C Green mit unendlich wild leotau (unendlich ist in diesem fall =5 und das nicht nur einmal), sowie den domain-karten might of alara und drag down, die man dann zur Hand haben sollte wenn der Gegner mit den doppelblocks beginnt (oder einem der leotau nachschub ausgeht)… fast schon ein selbstläufer :)


  12. Damit ist dann jetzt alles abgedeckt, oder?


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