Casual ist…

Da hat mich doch tatsächlich jemand gebeten, noch einmal etwas zu Alara Reborn zu sagen. Hat sich denn etwas Neues seit der letzten Hochrechnung ergeben? Kaum. Vielleicht muss ich ein bisschen meinen Eindruck, dass dieses Set besonderen Wert auf nachbarliche Zweifarbigkeit legt, relativieren – es sieht so aus, als wenn es doch einige dreifarbige Karten mehr gäbe, und vor allem auch erstaunlich viele Feindfarbenkombinationen. Allerdings ist insbesondere Ersteres vermutlich dem Unstand geschuldet, dass wir hauptsächlich Rares und Mythic Rares kennen, und das Thema der befreundeten Farbenpaare kommt in jedem Fall immer noch sehr deutlich heraus, wie der Zyklus der doppelten Landcycler oder auch die Borderposts zeigen. Während ich dies hier schreibe, scheint sich der Spoiler auf MTGSalvation übrigens endlich richtig zu füllen – es wurde wohl doch irgendwo ein Display aufgemacht.

Es ist also alles noch bunter und spektakulärer. Ob es nun der ultimative Lhurgoyf ist, ob man für jede Kreatur in einem Friedhof einen 2/2er Zombie mit Lifelink erhält, oder ob es ein neues “you win the game” Enchantment ist – Wizards sorgen sehr überzeugend dafür, dass Casual-Spieler, die sich schicke Rares leisten, in einer anderen Liga spielen als diejenigen, die sich ihre Decks hauptsächlich aus Commons und Uncommons bauen!

Die Powerkurve für Kreaturen zieht jedenfalls weiter an. 5/4er und 5/5er for 4 Mana hatten früher einmal dicke Nachteile – heute haben sie dicke Vorteile! Gleiches gilt für 3/3er für 3 Mana. Ja, auch das ist Power Creep – auch wenn die neue Kreaturengeneration wohl kuam Bannings im Standardformat verschulden wird, macht sie doch viele, viele alte Karten obsolet, und zwar dort, wo es darauf ankommt: Im Casualbereich! Wisst Ihr, Jade Leech war einmal richtig gut (sogar auf Turnierniveau, aber das glaubt mir heute eh keiner mehr, der damals nicht dabei gewesen ist)! Und Savannah Lions mussten das Grundset verlassen, weil 2/1 für 1 Mana zu stark war… Was passiert eigentlich, wenn man mit den guten Kreaturen von damals gegen die Wild Nacatl und Spellbreaker Behemoth von heute antritt? Nun ja, man fährt Autorennen mit den Modellen der 70er gegen die Modelle von heute, oder irgendso etwas. Wer nicht aufrüstet und in die neuen Sets investiert, der bleibt hintendran. Das war früher einmal GANZ anders – da waren die besten Karten immer die älteren, und man musste über einen drittklassigen Abklatsch bereits froh sein! Aber nun ja, wer in der Zeit um Fallen Empires und Homelands in Magic eingestiegen ist wie ich, der hat eben gut jammern.

Schamlos nutzen Wizards die Vielfarbigkeit aus, um das letzte bisschen Power aus den Karten herauszukitzeln. Wieso kriegt RG eigentlich für 2 Mana einen 2/2er mit Haste und RW das Gleiche mit Vigilance obendrauf? Wieso gibt Fertile Ground auf einmal dem verzauberten Land Shroud (praktisch ist das ja!), wenn man das zweite Mana nicht ganz so generisch ausgibt? Alara Reborn wirkt auf mich beinahe wie die Lösung einer Rechenaufgabe, kaum Design, jede Menge Development, eine seelenlose Konstruktion. Die Vorgabe: Bekannte Konzepte mit ein oder eineinhalb Farben mehr umsetzen und dabei die Spielstärke um die Hälfte erhöhen, ohne den Farbkuchen anbrennen zu lassen. Abgesehen von den Gold-Hybrid-Mischlingen könnte man sagen, dass Wizards nur endlich das richtig gemacht haben, was sie seit über 15 Jahren bisher nicht auf die Reihe gekriegt hatten (vielleicht, weil sie es nicht wollten?), nämlich Kreaturen generell in demjenigen Spielstärkebereich anzusiedeln, in dem sich Kontrollkarten schon immer befanden.

Und dann sind da natürlich diese ganzen “I win” – Karten. Ich habe ja immer schon gesagt, oberhalb einer bestimmten Manakostengrenze ist eigentlich fast schon egal, welche Karten man genau spielt – wenn man damit durchkommt, gewinnen sie alle das Spiel! Wizards legen offensichtlich zuletzt Wert darauf, dass dies auch für jeden noch so beömmelten Ex-Yu-Gi-Oh!-ler eindeutig zu erkennen ist (und zur Not schreibt man halt “you win the game” einfach drauf, nicht wahr)? Lang lebe Thraximundar! Ach ja, und Equipment gibt es jetzt auch in bunt!

Ich fürchte ja, meine Leser sind immer noch zu sehr Turnierspieler. Die ganzen Mythic Rares, die kosten halt 7 oder 8 Mana und sind deswegen nicht wichtig – oder? Tja, und nun schauen wir uns mal den Casual-Bereich an: Den ECHTEN Casual-Bereich, nicht das Pseudo-Vintage, welches manche Turnierspieler ab und zu “zur Abwechslung” zocken! Dasjenige, wo Manakurve, Effizienz und Flexibilität keinen Platz finden. Dasjenige, wo die immer absurderen Viecher am obersten Ende der Manakurve die Spiele entscheiden. Hier vermittlen die Mythic Rares unmissverständlich diejenige Botschaft, auf die es Wizards ankommt: Geld gewinnt Spiele!

Apropos Casual: Ich befinde mich ja nun seit längerer Zeit immer wieder endlos lange Stunden ohne irgendeine sinnvolle Beschäftigung vor einem fremden Computer. Was macht man da, um die Zeit totzuschlagen? Okay, die andere nahe liegende Antwort (nicht die Pornoseiten): Man installiert halt doch mal wieder Magic Online und zockt dort!

Zum “guten” alten MTGO 2.0 gibt es da doch einige Unterschiede: Zum Beispiel gibt es nicht mehr effektiv zwei Casual-Räume, sondern nur noch einen – früher wurde “Anything Goes” bereits ignoriert, aber heute hält sich auch im Beginners’ Room kaum noch jemand auf. Daher spielt man dort jetzt gegen das gesamte Spektrum des Casual: Einerseits die lustigen Leute, die mit Dreadwing, Blister Beetle eröffnen und sich wundern, dass das irgendwie schlecht ist, wenn der Gegner keine Kreatur im Spiel hat, und die in Runde zehn mit jeweils 5 Sümpfen und Wäldern im Spiel plötzlich einen Sigiled Paladin abwerfen. Andererseits die erheblich weniger lustigen Leute, die mit foil Tundra, foil Tropical Island eröffnen und einen dann in Runde drei mit Hulk Flash auskomboen. Irgendwo dazwischen findet man dann auch Gegner, mit denen das Spielen mehr oder weniger Spaß macht. (Nicht unbedingt allerdings, wenn sie dritte Runde Garruk Wildspeaker legen, selbst wenn sie sich dann noch so viel Mühe geben, das Spiel gegen meinen Common-Haufen trotzdem zu verlieren, und eigentlich erst recht nicht, wenn sie Krark’s Thumb & Stitch in Time abziehen – meine Güte, wer mit sich selbst spielen will, der soll dann doch lieber die Pornoseiten nutzen!)

Wie auch immer, ich wate also wieder einmal mindestens hüfttief im Casual-Sumpf. Dabei habe ich noch einige subtilere Veränderungen festgestellt: Einmal ist im Gegensatz zu früher fast nie ein Adept (jaja, die heißen jetzt “Orc”) anwesend – die werden bestimmt überall woanders dringender gebraucht als beim Casual Play, wo sich die ganzen Neulinge herumtreiben, nehme ich an? Zum anderen finden im Chat Room praktisch keine Unterhaltungen mehr statt. Ja, das war früher mal anders! Heute liest man fast nur noch diese spannenden ext-std-ect-kaleidoscope-extnocounter Zeilen. Das ist vermutlich Absicht – ein Adept hatte mir damals schon verraten, dass Unterhaltungen im Chat Room von Wizards als Störung für diejenigen angesehen wurden, die diese spannenden Botschaften absetzten. Da sieht man mal wieder, wie anders ich doch bin – ich empfand das immer genau umgekehrt!

Das faszinierendste aber ist die erstaunliche Selbständigkeit dieses Programms: Heute hat es doch tatsächlich ein halbes Dutzend Mal VON ALLEINE ein Solitaire-Spiel geöffnet? (Und zwar immer, während ich gerade ein richtiges Spiel spielte – äußerst verwirrend und lästig, das!) Wofür werde ich eigentlich noch gebraucht, MTGO kann sich doch gut mit sich selbst beschäftigen? Ach so, ja richtig, zum Geld Ausgeben. Das mache ich doch aber gar nicht mehr? Hmmm… Ob die das etwa wissen? Vielleicht hängt die Anzahl der Bugs, die man erdulden muss, ja umgekehrt proportional mit dem Geld, das man zuletzt investiert hat, zusammen… Wäre das eigentlich nicht eine tolle Geschäftsidee: Bugfixes als Premium Upgrades! Aber nein, das gibt es bestimmt doch schon längst…

Nur noch ein letzter Satz, dann habe ich fertig: Musstet Ihr Turnierspieler WIRKLICH erst beim GP Hannover (kein) Geld gewinnen, um endlich mitzubekommen, dass Ihr Wizards komplett am Arsch vorbei geht?

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12 Comments on “Casual ist…”

  1. king magic Says:

    Gut dass du casual drüber geschrieben hast, dafür ist deine Ansicht größtenteils wohl zutreffend.

    Ich persönlich mag immer noch sehr gerne Online Draft oder Sealed spielen und treffe da dann entsprechend auch auf keine Probleme. Mal ehrlich, casual macht dann fun wenn man seine Gegner kennt und gemütlich zusammensitz, dabei blubbert und was mampft..und nicht online gegen dieses gesocks. (Ist ja auf MWS oder so noch viel schlimmer)

    Zu Reborn aus nicht-casual Sicht: Dieses Set gefällt mir trotz seines “alles gold, alles glänzt, looky-looky” doch ganz gut. Sin ein paar wirklich originelle Karten dabei..über den Kreaturen-Power-creep denk ich schon gar nimmer wirklich nach.

    Übrigens hab ich letztens gerade Tempest/Stronghold online gedraftet (zu der Zeit war ich selbst noch casual Spieler damals und kannte limited noch nicht) – und ich muss sagen, das Format gefällt mir nicht so wirklich, die buybacksprüche sind sehr nervig und unblockbare Kreaturen sind es auch. Von den en-kor mal ganz zu schweigen – hinzu kommt dass alle etwas schwach auf der Brust sind. Also trotz aller Nostalgie – ich bevorzuge die neueren Limited-Sets.

    Das einzige wo ich einfach nur glasklar zustimmen kann ist bei den Mystic Rares – kommen jetzt jedes Set so erzwungene 5/5 dreifarbkreaturen mit iwelche randomeffekten? Übersättigungsalarm.
    Vll die Anzahl der mystics einfach mal halbieren.

  2. Mathias Says:

    “meine Güte, wer mit sich selbst spielen will, der soll dann doch lieber die Pornoseiten nutzen!”

    Ich dachte ja der Tag heute wäre komplett für die Tonne, aber für den Satz hat es sich schon gelohnt aufzustehen :-D

  3. TODO Says:

    hier gibt ein spieler zu dass er gemerkt hat dass sein sideboard nur 13 karten hat, aber er hats gekonnt verschwiegen…

    http://www.mtgblogs.de/flammkuchen?p=1472


    • Hm, ein Schiedrichter, der als Spieler keinen Judge ruft, wenn er feststellt, das sein Sideboard eine Karte zu wenig hat… Das ist schon höchst bedenklich!

      Allerdings sehe ich da jetzt keinerlei Zusammenhang mit meinem Eintrag hier…

  4. René Appel Says:

    also das mit den solitärspielen verwundert mich schon massiv! ich zocke eigentlichl ziemlich viel modo und das ist mir wirklich noch nie passiert (gut ich bin auch nur im draft und tournamentpractice oder pe room) schonmal nen orc gefragt?


    • Das Problem ist seitdem auch nicht mehr aufgetreten. Adepten zu technischen Schwierigkeiten zu befragen, hatte ich mir zu 2.0-Zeiten abgewöhnt – die waren zwar meistens nett und alles, aber mehr tun als einem das Link zu Bugzilla posten, konnten sie auch nicht.

      Wenn einer gerade im Raum gewesen wäre, hätte ich ihn angesprochen, aber ich hatte keine Lst gehabt, mir einen zu suchen.

  5. Lord Magico Says:

    Ich find die neue Edition nice.
    Da ich eh hauptsächlich limited zocke und hin und wieder etwas standard interessieren mich die alten Karten eh nicht.
    Joar die Sache mit dem NUR MULTICOLOR ist witzig… aber sollte natürlich die ausnahme bleiben…wirds ja wohl auch… ^^

    Sehr geile Edition, nice Karten, nice Artworks…seit einiger Zeit gibt Wizards sich scheinbar richtig Mühe was das Aussehen der Karten angeht…was bei Lorwyn anfing wird fortgesetzt…so hässliche Karten wie früher wollen wir nie wieder in Boostern finden müssen ^^

    Magic ist schließlich auch was für’s Auge…^^

  6. endijian Says:

    “Heute liest man fast nur noch diese spannenden ext-std-ect-kaleidoscope-extnocounter Zeilen. Das ist vermutlich Absicht – ein Adept hatte mir damals schon verraten, dass Unterhaltungen im Chat Room von Wizards als Störung für diejenigen angesehen wurden, die diese spannenden Botschaften absetzten.”

    Das erbärmliche daran ist ja, dass diese Nachrichten mit 3.0 ja eigentlich obsolet wurden, da MTGO3 “offene Tische” in einer Liste mitsamt Format und Extrawünschen in einer Liste anzeigt…
    Für ca. 2 Wochen gab es dann im Chat echte Unterhaltungen. Dann hat es den ersten Leuten zu lange gedauert, bis sich jemand an ihre nolddiscardcounter-Tische gesetzt hat. Dafür gab es natürlich nur eine Erklärung: Die anderen Leute im Casualraum haben ihr Spiel nicht gesehen (welche andere Erklärung kann es geben, dass sich innerhalb von mindestens 45 Sekunden niemand an so einen Tisch setzt?), und das Getrollee ging wieder los.

    Ich spiele auf MTGO nur noch “Pauper” im Tournament Practice Room.
    Das ist so meine Vorstellung von Casual:
    – Ein ausgeglichenes und vielfältiges Format
    – Ein Cardpool, den ich mir mit nicht vorhandenem Budget leisten kann
    – Gegner, die spielen um zu gewinnen und nicht weinen
    – Die Leute sind noch nicht ganz so Cutthroat wie in den Turnieren.

  7. René Appel Says:

    na ja der cardpool für pauper ist zwar billiger als die meisten anderen formate…zumindest je nachdem welches deck man nimmt… wenn du blue skies mit gush und daze zocken willst biste auch bei weit über 100tix…

  8. TimR Says:

    Hab heute ARB Sealed ausprobieren dürfen. Megascheisse das Format, so in RL. Dachte eigentlich, auf MODO lief es in letzter Zeit ganz gut. Hab ein SD aufgemacht, das auf dem Papier ganz gut aussah. So wie es sein sollte halt: Schöne Kurve, gutes Fixing für GWrx, 5 Removalspells, paar Fatties, eine Bombe (das Armadillo cloak Equipment). Hab allerdings keine PowerRare gezockt (hatte ein Jund-Ultimatum, das erschien mir aber zur greedy).
    In Wahrheit bin ich nach 2-0 Start von Karten verprügelt worden, die es nie geben sollte. Jeder Horst hat einfach paar Dorks gelegt, sein Mana zusammengesucht und dann Quartett mit 8Mana Spells gespielt. Hatte also den Eindruck, daß es irgendwie nicht mehr auf Deckbau ankommt. Unterm Strich hätte ich das Ultimatum ins Deck quetschen müssen, das hätte es FRÜHÄÄR! nie gegeben. End of mimimi.


  9. Heute öffnen sich bei mir schon wieder ständig Solitärspiele…


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