Eine Totgeburt

Der MiDi reminisziert auf dem Planeten über die gute alte Magic-Bundesliga, an die ich auch noch viele Erinnerungen habe. Prompt wird wieder darüber diskutiert, ob und wie man diese wiederbeleben könnte.

Leute: VERGESST ES! Was immer an anfänglichem Enthusiasmus vorhanden sein mag, wird sich in kürzester Zeit wieder verlaufen.

Die Zeiten haben sich geändert: Die Liga wurde damals nicht zuletzt aus dem Bedürfnis geboren, mehr Magic zu spielen – es gab einfach zu wenige Turniere! Heute ist die Situation umgekehrt: Wo immer sich genügend Spieler für ein Liga-Team zusammenfinden könnten, gibt es aller Wahrscheinlichkeit nach auch wöchentliche Turniere. Darüber hinaus finden erheblich mehr PTQs statt als früher (dank dem 1-Slot-System) – ach ja, und an Stelle des einen, großen Prereleases pro Vierteldeutschland, wie es damals üblich war, gibt es heute in jedem Kuhkaff ein Prerelease und dann auch noch eine Launch Party. Und Magic Online gab es früher natürlich auch noch nicht.

Damals war die Magciszene nach Turnieren ausgehungert – heute ist sie übersättigt!

Ich will gar nicht erst über den logistischen Albtraum nachdenken, Ligatermine um PTQ- und Prerelease-Termine herum zu oganisieren (von anderen Turnierterminen wie Iserlohn & co. einmal ganz abgesehen). Doch selbst, wenn das gelänge: Wer glaubt denn wirklich, dass die Mitglieder der Teams sich auf diese Weise praktisch JEDES Wochenende mit Magic dichtmachen? Stichwörter: Real Life? Reality Check? Oder sollen die Spieler Liga AN STELLE von PTQs spielen?

Zusätzliche regelmäßige Termine für eine Magicliga sind eine Totgeburt, und niemand sollte den Fehler machen, in ihre Planung Zeit oder Mühe zu investieren.

Das einzige, was funktionieren könnte, wäre ein System von einigen wenigen großen Turnieren. Eine Art regionale Team-Meisterschaft also. Man könnte bespielsweise als Turnierstandorte Hamburg, Hannover, Berlin, Leipzig, Essen, Köln, Frankfurt, Stuttgart, Nürnberg und München festlegen. Dann würden die Top 4 Teams dieser Turniere zu einem finalen Turnier eingeladen.

Das wäre organisatorisch bereits knifflig genug, aber es erscheint mir gerade noch machbar. Eine Rückkehr zur alten Liga mit einem Dutzend oder auch nur einem halben Dutzend Spieltage pro Jahr hingegen ist völlig utopisch! Dafür kriegen Magicspieler ihren Arsch nicht hoch – ein- oder zweimal vielleicht, aber gewiss nicht regelmäßig, und schon gar nicht zusätzlich zu den ganzen anderen Turnierterminen.

Ich habe meine eigenen Erfahrungen damit gemacht, was es bringt,  Verpflichtungen bereits im Vorfeld detailliert abzuklären: Gar nichts bringt es! Diese Frustration sollten sich potenzielle Organisatoren besser ersparen.

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16 Comments on “Eine Totgeburt”


  1. Da kann ich dir nur Recht geben Andreas. Eine solche Liga würde sich in kürzester Zeit tot laufen.

    Meine Erfahrungen damit in der Vergangenheit, also zu der glorreichen Zeit, als es die Magic-Bundesliga noch gab, können Deine Aussagen nur bestätigen. Schon damals wurden viele Spieltage verschoben oder abgesagt, weil Teams nicht antreten konnten oder wollten (oft mangels Lust und Laune).

    Sollte es trotzdem jemand versuchen, eine solche Liga wieder ins Leben zu rufen, kann ich ihm nur viel Glück – und sehr starke Nerven wünschen! Aus meinen Erfahrungen heraus: Eine Totgeburt!


    • Ja, ich kann mich auch noch daran erinnern, dass aus “wer darf diese Woche mitspielen” sehr rasch “wer erklärt sich bereit” wurde. Dabei war mein Team Istari noch vorbildlich – so weit ich mich erinnere, sind wir zu jedem Spieltag vollzählig angetreten. Der Normalfall hingegen war, dass Teams zu zweit oder gar nicht auftauchten oder auch einfach mitten in der Saison ausstiegen. So ähnich, wie beim Essen das Auge größer als der Magen sein kann, neigen Menschen immer und immer wieder dazu, die Belastung durch regelmäßige Verpflichtungen zu unterschätzen.

      Und das war in der Zeit VOR MTGO, allgegenwärtigen FNMS und Prereleases und 1-Slot-PTQs. Was sich damals mit Ach und Krach am Leben erhielt, ist heute von vornherein zum Scheitern verurteilt.

  2. Boneshredder Says:

    Ich sag’s nur ungern, aber ich glaube, Du hast recht.

  3. Arne_F Says:

    Toller Blogeintrag.

    Dass das mit der Liga nicht klappen wird war auch mein erster Gedanken. Ich kenne die damalige Zeit leider nicht, dafür aber die heutige und das wird einfach nciht funktionieren.
    Dass damals einfach mehr Interesse an Turnieren bestand ist jedenfalls eine sehr gute Begründung dafür, warum es damals geklappt hat.

    Die vorhandene Begeisterung und das Interesse sollten genutzt werden, um etwas funktionierendes auf die Beine zu stellen. Die vorgeschlagene regionale Teammeisterschaft könnte so etwas sein.

  4. beefman Says:

    yäääs for regionale teammeisterschaft.
    kann dem autor nur zustimmen, so gerne ich selber wieder buli spielen würde weiss ich genau dass ich zu 3/4 der termine nicht könnte. finde so schon nichtmal die zeit für alle relevanten turniere in meiner umgenung.

  5. HanHeinrich Says:

    Hiho,

    ich habe die Diskussion nun ja auch schon von mehreren Seiten her mitbekommen und ich denke, dass mit einem entsprechenden Ligamodell schon was gehen könnte. So etwa folgendermaßen:
    – Turnierzentren wie im Blogeintrag von Andi beschrieben. Dort wird erstmal nur auf regionaler Ebene gespielt mit Teams aus dieser Region.
    – 6 Spieltage, an denen die Teams nach eigener Lust und Laune antreten können. Natürlich können nur die Teams, die da sind, Ligapunkte sammeln.
    – Damit selbst bei vielen Teams der Spieltag überschaubar bleibt, gibt es eine festgesetzte Anzahl von Runden (4x Constructed, 4x Limited). Somit spielt dann nicht unbedingt jeder gegen jeden, aber das ist auch nicht zwingend notwendig.
    – Am Ende der Saison gibt es noch einen Spieltag als Regionalmeisterschaft, bei dem die Top4-Teams der betreffenden Region ihren Meister ausspielen. (Bei Punktegleichstand für die Top4 sollte als Tiebreaker “Anwesenheit bei Spieltagen” zählen.)
    – Die so ermittelten Regionalmeister spielen beim großen nationalen Finale den Deutschen Team-Meister aus.

    Das wäre ein etwas anderer Ansatz als die alte Bundesliga und damit würden einige der angesprochenen Probleme berücksichtigt.

    We will see,

    Artie


    • Nach diesem Modus würden aber nicht die besten Teams ins Finale gelangen, sondern diejenigen, deren Mitglieder das wenigste Real Life haben. Das halte ich, ehrlich gesagt, für eine vollständig bescheuerte Idee!

      • HanHeinrich Says:

        Hm – da sehe ich das Problem nicht: die Teams, die am meisten spielen UND gewinnen, kommen in die regionale Meisterschaft. Dort setzt sich dann hoffentlich auch das beste Team durch.

        Falls die Spieltage unklar sind, hier wäre ein Spieltag alle 4-6 Wochen wohl am sinnvollsten.

        Nach allgemeiner Meinung muss ja ein Modus gefunden werden, der das Nicht-Antreten von Teams berücksichtigt und auch die Motivation über die gesamte Saison garantiert. Bei obigem Vorschlag wäre die Motivation ab der zweiten Hälfte der Saison zumindest für 6-8 Teams gegeben (alle die, die eine reale Chance auf Top4 haben) und gleichzeitig wäre das Fernbleiben von anderen Teams einkalkulierbar.

        Das mit dem Tiebreaker bezöge ich lediglich auf die Endstandings der Liga, um die Top4 herauszufinden und wäre eben eine Möglichkeit, “fleissige” Teams zu belohnen. Das muss aber auch nicht sein, sondern wäre nur ein Detail.

        Gruß,

        Artie

        • endijian Says:

          Leute, denkt nicht immer so groß am Anfang… Der oben beschriebene Ansatz mit 9 Qualifiern und einem Finale (den ich ja auch vehement im pmtg-forum verteidige) ist organisatorisch und vom Zeitanspruch schon ein ganz dicker Fisch. Wenn so ein Ding ein Erfolg wird, dann kann man wieder über eine Liga nachdenken. Nicht den dritten Schritt vor dem Ersten machen!


        • Ich tue mich jetzt ein wenig schwer damit, eine “allgemeine Meinung” zu erkennen, aber meiner Ansicht nach geht es NICHT darum, Leute gegen ihren Willen (und vor allem gegen ihre zeitlichen Möglichkeiten) zum Spielen zu zwingen, sondern der Tatsache Rechung zu tragen, dass heute weniger Bedarf und weniger freie Termine existieren als früher.

          Bloße Anwesenheit zu belohnen, das ist Arena-Niveau. Eine überschaubare und lange vorher feststehende Zahl an Turnieren ist fair – ich würde sagen, maximal zwei pro Region, damit man einen Ausweichtermin hat.


        • Jetzt, wo ich noch einmal drüber nachdenke: EIN Termin pro Region ist absolut ausreichend! Eine Regelung, dass jeser Spieler nur an einem Qualifiertermin teilnehmen darf, sich aber aussuchen kann, an welchem, und nicht alle Turniere am selben Tag stattfinden lassen, dann braucht man auch keine Ausweichtermine mehr.

  6. HanHeinrich Says:

    Was ich im Moment so wahrnehme sind einerseits die Stimmen in den Foren von PMtG, die größtenteils eine Liga haben wollen, mit einer Saison mit mehreren Spieltagen, die sich dann auch über mehrere Monate hinzieht, mit einem großen Finale am Schluß. Hier wird aber fast immer von der Struktur der früheren Bundesliga ausgegangen incl. all der Schwächen von damals (zu rigides System, fernbleibende Teams, etc.).

    Der von Andi gebrachte Vorschlag mit einem Qualifier pro Region und einem Finale ist eher sowas wie eine nationale Team-ProTour mit regionalen Qualifikationsturnier. Das ist zwar eine ausgezeichnete Idee, um das Team-Spiel zu fördern, aber eben keine Liga, wie sie im Moment diskutiert wird.

    Mein Vorschlag diente einfach dazu, mal ein anderes Modell in die Diskussion zu bringen, weil mir die Leute einfach zu sehr an der Struktur der alten Bundesliga kleben, und einen Ansatz aufzuzeigen, wie einige der Schwächen des alten Systems möglicherweise behoben werden könnten. Natürlich ist kein System perfekt und auch hierbei gibt es wieder Pro und Contra. Allerdings war mir eben wichtig, eine LIGA-Struktur beizubehalten.

    Aber im Endeffekt gilt natürlich: egal, wieviele Gedanken wir uns hier machen und wie wir uns die Köpfe heißreden – entscheiden tun das eh andere Leute.

    In diesem Sinne:

    We will see,

    Artie


    • Da sieht man einmal, wie unterschiedlich Wahrnehmungen sein können! Ich hatte gerade bei der Diskussion im P-Forum den deutlichen Eindruck, dass die Befürworter einer Turnierserie in der Mehrheit wären.

  7. dj Says:

    sehr guter Blogeintrag, auch wenn mir deine sonstigen Meinungen eher weniger gefallen, stimme ich dir voll und ganz zu, ein Ligasystem bei der Flut an Events, ist unvorstellbar.

    Außerdem, wer will gerne von München aus nach Berlin fahren um dort einen Ligatermin wahrzunehmen ?

    Das einzige, was ich mir vorstellen könnte, wäre wie du schon sagtest, in jeder Großstadt ein Event und die Top4 qualifiziert sich für ein Endturnier.
    Ich könnte mir nur vorstellen, wie sich eine Liga etablieren könnte, in dem Pro Tour Slots als Endpreise der Liga rausgegeben würden.
    Für läppische Boosterpreise oder nen paar Glitzerkarten, nimmt keiner weite Fahrten in Kauf, wie z.B. Essen – München oder so Scherze…

    Grüße

    DJ


    • Nun ja, SO weite Fahrten stehen ja auch nicht zur Debatte – das Bundesgebiet würde in jedem Fall in Regionen aufgeteilt werden (wofür man natürlich genügend Anmeldungen bräuchte). Realistisch sind eher Fahrten von Freiburg nach Stuttgart oder so – aber auch das ist durchaus eine nennenswerte Belastung, wenn man es regelmäßig machen muss!

  8. DerFrisoer Says:

    /agree

    ist Real Life etwa die Zeit am Miitwoch bei den Serverwartungsarbeiten?


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