Fragen zum Zendikar-Draft und Erläuterung einer missverstandenen Faustregel

Ich werde die schlechte Angewohnheit nicht los, an anderer Stelle Kommentare zu verfassen, die eigentlich auch Blogeinträge auf Zeromagic hätten werden können.

Deswegen zitiere ich mich hier einfach mal selbst (auch, weil wohl nicht jeder die Originaldiskussion mitbekommen hat). Auslöser war die Eignung von Ruinous Minotaur zum Angreifer oder Blocker:

Was ich wissen will: Wie schnell ist das Format genau? Kommt man überhaupt zum Blocken, bei den ganzen Fliegern und Intimidatern und Timbermaw Larva und Kor Hookmaster und Goblin Shortcutter? Ist es schnell genug, dass man Welkin Tern über Windrider Eel draftet? Kann man Kreaturen für 5+ Mana überhaupt ohne Beschleunigung spielen? Muss man Harrow über die Fatties nehmen, in die man damit rampen will (auch, weil einem jeder Landfall-Spieler die Dinger wegschnappt)? Ist Spire Barrage ein früher oder ein später Pick? Ist vielleicht sogar Tanglesap spielbar? Oder Scythe Tiger?

Wenn das Format WIRKLICH schnell ist (wie es Tempest-Block einst war), dann geht die Manakurve der meisten Decks kaum über 4 hinaus, und dann greift man mit Ruinous Minotaur auch gerne an! Wenn man seinen 5/2er dann gegen einen 2/2er abtauscht, was soll’s, das passiert 3/2ern auch, und man hat ja kein Extramana für die zwei Punkte Power bezahlt. Wenn nicht, dann hat man eine Ressource, von der man, sobald sie sich im Spiel befindet, in diesem Format eindeutig genug hat, in eine Lava Axe umgewandelt – das kann doch nicht falsch sein? Klar will ich keine Ruinous Minotaur in RG/Ramp haben, aber ansonsten sind die Dinger doch unproblematisch!

Zu den missverstandenen Weisheiten TrashT’s: Ja, Power > Toughness ist im Limited normalerweise ein Zeichen, dass man mit der Kreatur als Blocker planen sollte, aus den Gründen, die Florian auch auseinanderklamüsert hat. (Kurzfassung: Beim Blocken kann man sich aussuchen, womit die Kreatur abtauscht.) ABER das bezieht sich auf Kreaturen, bei denen man für den Powerüberschuss auch Mana bezahlen musste! Ein Extremfall sollte das verdeutlichen: Wäre ein 6/3 für R ein Angreifer oder ein Blocker? Das Problem ist, dass man nicht mit teureren Kreaturen gegen billigere abtauschen will. Deswegen ist ein 5/1 für 4 Mana meistens zum Blocken verdammt. Ein 5/2 für 3 Mana aber nicht unbedingt! Immerhin verliert man das Land ja gerade NICHT dann, wenn das Vieh geblockt wird, also geht diese ganze Argumentation hier ins Leere. Es bleibt das Problem, seine Manabasis für später zu verkrüppeln, um sofort Schaden zu machen.

Wie gut der Minotaur genau ist, hängt also davon ab, wie schnell das Format genau ist. Wenn jedes Deck 4-6 2-Drops spielt, dann wird er tatsächlich oft zurückbleiben wollen. Wenn er aber eher in Timbermaw Larva, Territorial Baloth oder Windrider Eel angreifen wird (und man selbst die billigen Kreaturen spielt) und oft in ein leeres Board angreifen kann, dann ist er stark. Nein, ich nehme NICHT bereitwillig 5 Schaden um meinem Gegner ein Land zu zerstören, wenn er sein Board bereits mit Caller of Gales und Welkin Tern entwickelt hat und ich Goblin Shortcutter auf seiner Hand vermuten muss!

Man wird abwarten müssen, bis ein kompetenter Drafter genügend Erfahrung gesammelt hat, um erste schlüssige Pickrangfolgen posten zu können. (Wie die Erfahrung mit M10 zeigt, kann das ja auch gerne einmal ein wenig länger dauern). Schlüsselentscheidungen sind meiner Ansicht nach vor allem die Bewertung von Welkin Tern / Umara Raptor / Windrider Eel, sowie die Stellung von Harrow und Spire Barrage, und die Bewertung von Goblin Shortcutter vs. Tutuk Grunts. Sobald dazu Erkenntnisse vorliegen, lässt sich das Format in den Griff bekommen.

Bis dahin kann ich auch nur raten (und werde nicht wieder den Fehler begehen, erste Eindrücke anderer Drafter überzubewerten), aber Dennis’ Minitunierbericht (3:0 mit RW) weist schon einmal darauf hin, dass die Manakurven niedrig und die Spiele schnell sind, wobei RW potenziell die niedrigste Manakurve haben dürfte und mit Hookmaster, Shortcutter, Slaughter Cry und vielleicht sogar Nimbus Wings den Gegner endlos am (erfolgreichen) Blocken hindern könnte.

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13 Comments on “Fragen zum Zendikar-Draft und Erläuterung einer missverstandenen Faustregel”

  1. Teardrop Says:

    Ich (mit entsprechend fehlender Kompetenz) habe das Gefühl, dass es zwar schnelle Archetypen gibt, aber das Format insgesamt eher langsam ist. Schon allein deshalb, da es eigentlich in jeder Farbe billige Lösungen gibt.

    Den Minotaur habe ich schon mehrere Male tatsächlich Schaden machen lassen, wenn der Gegner für den frühen Druck schon seine Hand leergespielt hatte, und ich dadurch weiteren Kartenvorteil generieren konnte.

    Es ist kein lahmes Format. Aber eben auch kein übertrieben schnelles. Karten für 6 sind in der Kurve durchaus machbar, auch 7 geht noch, wenn man etwas Beschleunigung (Harrow, Frontier Guide etc.) hat. Frontier Guide war in den Decks, die ich damit hatte (oder die andere hatten) immer eine starke Karte. Das geht nur in einem relativ langsamen Format.

  2. jjj Says:

    An welcher Stelle gibts denn die Ursprungsdiskussion zum lesen?

    • Kenshin Says:

      Atog 28´s Artikel auf Magicuniverse.

      Ich schätze das Format als sehr schnell ein. Wenn man diszipliniert draftet bekommt man in der Regel eine gute Kurve hin. Aber so schnell, dass man den 2/1 Flieger für 1U über den Windrider Eel picken würde, ist es auch wieder nicht. Es mag zwar viele günstige Lösungen geben, aber es gibt eben noch mehr günstige Threats. Fattys sind durchaus nicht obsolet, sixdrops kann man spielen, aber es gibt keine Garantie, dass das Spiel nicht vorher vorbei ist. Erschwerend hinzu kommt ja, dass die meisten offensiven Decks landfall benutzen und deshalb in der Defensive sehr schlecht sind.

  3. Usagi Says:

    Also beim ersten Draft den ich bis jetzt gemacht habe konnte ich sehr gut Mono B Aggro draften, das sehr zuverlässig Runde 5 getötet hat, sah aber auch viele Spiele, die weit ins Lategame gingen. Ich denke es ist mehr oder minder beides möglich, man braucht halt zwingend einen Plan fürs Earlygame, wenn man teure Sachen spielen will (der 0/4er für U ist echt krass).

  4. dicker-koenig Says:

    Die Frage ist halt auch wie man eine Schnelligkeit des Formats definiert, oder? Über die durchschnittlichen Manakurven, oder über die Länge der Spiele. Ersteres erscheint natürlich erstmal sinnvoller. Bis auf bei Grün sind die (normalen, überwiegend an Commons orientierten) Kurven wirklich sehr flach und man befindet sich faktisch ab Runde 1,5 im Damage Race. Aber Teardrop hat schon auch Recht, wenn er sagt, dass dadurch dass alle Decks potentiell recht schnell sind, die Spiele doch wieder lange gehen, weil nicht geraced sondern abgetauscht wird.

  5. Mathias Says:

    Tauschen geht im dem Format aber nicht gut, weil die Landfalltypen gut angreifen, aber schlecht blocken können.

  6. beefman Says:

    yääs, so isses. landfall macht das format nicht prinzipiell besonders schnell, aber die spiele kurz.


    • Wie soll ich mir kurze Spiele in einem langsamen Format denn vorstellen, bitteschön?

      • Kenshin Says:

        Interaktionsarm. Voll auf die 12. Races.

        So stellt es sich für mich bisher dar. Nicht schnell, aber kurz. Ich würde sagen das bedeutet, dass die Decks zwar keine wesentlich besseren Clocks bekommen haben (nur besserer) aber durch Landfall eben die Defensive verdammt schwach wird. Es ist eher ein Schlagabtausch, als ein Angreifen und Verteidigen.


        • Das begreife ich nicht. Ich meine, dass man kaum zum Blocken kommt, habe ich ja schon vermutet – aber wie können die Spiele dann lange dauern? Oder was meint Ihr alle mit “nicht schnell”? Wenn zwei Kreaturendecks gegeneinander spielen ohne zu interagieren, dann ist das Spiel doch in Runde 6 spätestens vorbei?

        • Boneshredder Says:

          Manchmal sind sie das auch. Kenshins Blog dazu scheint mir ziemlich treffend, nachdem ich gestern beim Zendikar-Erstkontakt wieder mal nur auf die Nase bekommen hab. Gefährliche Kreaturen tauschen aber gerne mit Sprüchen des Gegners ab, was die Spieldauer dann wieder etwas verlängert.

        • Kenshin Says:

          Der Andi liest doch keine germagic Blogs…

          Klar klingt das mit dem “nicht schnell, aber kurz” auf Anhieb komisch, aber ich versuche nochmal, es zu erklären.

          Nicht schnell bedeutet, dass du nicht wesentlich mehr Spells resolvst oder das Board wesentlich voller wäre, als in anderen Blöcken. Die Kurven sind minimal nach links verschoben, aber es gibt ein Mid- und manchmal ein Lategame.

          Kurz meint, dass auf Grund der geringen Interaktion die Spiele vor allem zeitlich sehr kurz bleiben. Neben der Tatsache, dass es eben doch einen Tick schneller als M10 oder Shards ist, passiert es dank der Landfaller und der schlechteren Defensive vieler (aber nicht aller) Decks seltener, dass man sich wegstalled. Es wird halt viel geraced.


        • Sicher lese ich auch Germagic-Blogs – gewiss nicht alle, aber die von Kenshin sind schon dabei. (Ich kommentiere sie nur nicht, so lange da niemand darauf achtet, dass meine Kommentare eindeutig identifizierbar sind.)

          Alles, was Ihr hier beschreibt, ist für mich “schnell” – das bedeutet im Limited ja nicht, dass man spürbar schneller goldfischt als sonst, sondern eben, dass die Manakurven niedriger sind und die Partien weniger Züge dauern.

          Das wirkt sich dann auf die Pickpräferenzen entsprechend aus, dass teurere Karten uninteressanter werden, während frühe Drops und Tricks interessanter werden.

          Versuchen wir es einmal anders herum: Wenn Zendikar nach Eurer Definition nicht schnell ist – welches Limited-Format wäre dann “schnell” gewesen?


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