Zwei plus eins Redewendungen

Ich gebe Euch einmal zwei Redewendungen zum Vergleich:

1. “There’s no smoke without fire.”

2. “If it looks like a duck and quacks like a duck… it probably is a duck.”

Sie besagen doch das Gleiche, oder?

NEIN.

Abgesehen davon, dass das erste Sprichwort eine absolute Aussage darstellt, während das zweite eine Wahrscheinlichkeit beschreibt, stehen diese beiden Redewendungen für völlig unterschiedliche Sachverhalte:

Das erste wird gebraucht, wenn man ausdrücken will: “Wenn so viele Leute etwas behaupten, dann stimmt es wahrscheinlich.” Das ist gefährlicher Unsinn! Eine Lüge oder bloße Falschinformation vervielfältigt sich rasch tausendfach, ohne dass ihr Wahrheitsgehalt jemals überprüft würde. So funktionieren üble Nachrede und Rufmord.

Das zweite wiederum besagt, dass man vom Erscheinungsbild oder Verhalten einer Sache oder einer Person mit großer Wahrscheinlichkeit auf ihre Natur schließen kann… und das ist schlicht wahr! Wisst Ihr, was die Essenz all der wirklich guten Krimis ist, von denen zum Beispiel Agatha Christie so viele geschrieben hat? Dass all die komplizierten Verwicklungen, die den Geist des Lesers beschäftigen, ausschließlich dazu dienen, einen eigentlich banalen, eindeutig zu Tage liegenden Sachverhalt zu verschleiern. Wisst Ihr auch, was an diesen Krimis so furchtbar unrealistisch ist? Dass die Täter in der Lage sind, solche komplizierten Ablenkungsmanöver durchzuführen, und dass besonders brilliante Detektive notwendig sind, um sie zu durchschauen. Verwickelte Krimis machen unheimlichen Spaß, aber in der Realität existiert nur die banale Essenz des Verbrechens, und diese komplizierten Verwicklungen sind überhaupt nicht notwendig, um uns zu verwirren – das tun wir schon selbst, weil wir unfähig oder unwillig sind, die Realität zu akzeptieren. Das glaubt Ihr nicht? Nehmen wir doch ein Beispiel, bei dem sich die meisten Menschen besser auskennen als in der Kriminologie: Wart Ihr schon einmal hoffnunglos verliebt? Dann solltet Ihr wissen, welche Verrenkungen Euer Verstand anstellt, um das Verhalten Eures/Eurer Angebeteten in einer anderen Weise zu interpretieren, als mit der schlichten, aber unerträglichen Wahrheit, dass Eure Gefühle nicht erwidert werden.

Wir erschaffen komplexe Gedankengebilde, um Erklärungen zu finden, die uns zusagen – nicht jedoch zutreffen – und verweigern uns der simplen, offensichtlichen Wahrheit. So funktioniert der menschliche Verstand nun einmal. Und deswegen steckt in dieser zweiten Redewendung, die schlicht gesunden Menschenverstand darstellt, im Gegensatz zu der ersten so viel Wahrheit.

Und dann gibt es noch diesen Spruch: “Die Welt will betrogen werden.” Habt Ihr jemals darüber nachgedacht, was er bedeutet? Genau – dass wir nur zu gerne bereit sind, Lügen zu glauben, die uns gefallen! Deswegen können Heiratsschwindler so erfolgreich sein. Deswegen fallen immer wieder Menschen auf Pläne, mit denen sie schnell reich zu werden hoffen, herein. Und deswegen kann ein Spieler im Finale der Deutschen Meisterschaft auf die offensichtlichstmögliche Art betrügen, und trotzdem verleugnen viele diesen Umstand, einfach weil sie nicht glauben können – nicht glauben WOLLEN – dass so offensichtliches Cheating vor den Augen so vieler Zuschauer möglich ist.

“If it looks like a duck and quacks like a duck, it probably is a duck…” da kann man noch hinzufügen: “and if it isn’t, it does an excellent job pretending it’s a duck.” Wenn ein Spieler das gegnerische Deck mit der Bildseite nach oben mischt und dabei ausgesuchte Karten gezielt in dessen Starthand mischt, dann kann man davon ausgehen, dass man es mit einem Betrüger zu tun hat… oder mit jemandem, der sich aus irgendeinem Grund besondere Mühe gibt, als Betrüger zu erscheinen. (Und DAS ist wiederum tatsächlich absurd.)

Wie viele Leute in Eurem Bekanntenkreis tricksen bei der Steuer, umgehen gesetzliche Auflagen oder erschleichen sich Sozialleistungen? Ihr solltet in der Lage sein einzuschätzen, wie hoch der Anteil der Bevölkerung ist, der bereit ist, sich mit unredlichen Mitteln Vorteile zu verschaffen. Ihr solltet ebenso in der Lage sein abzuschätzen, wie viele Spieler bei einem Magicturnier vermutlich schummeln. Und wenn Ihr diese Schätzung dann damit vergleicht, wie viele Spieler des Cheatings überführt werden, dann wisst Ihr, mit welcher Zuverlässigkeit die Judges Cheating erkennen und bestrafen: Man muss sich schon weit überdurchschnittlich blöd anstellen (oder vielleicht aus anderen Gründen ins Blickfeld der DCI geraten sein). Sich darauf zu verlassen, dass Cheating nur dann geschieht, wenn es von den Judges geahndet wird, ist naiv, realitätsfremd und schlicht dumm.

Wenn es aussieht wie eine Ente und quakt wie eine Ente, dann ist es wohl eine Ente; und wenn jemand ein Deck mit der Bildseite nach oben mischt und ausgewählte einzelne Karten in die gegnerische Starthand befördert, dann ist derjenige wohl ein Betrüger, unabhängig davon, ob ein möglicherweise überforderter, unaufmerksamer, desinteressierter oder schlicht von der DCI dazu angehaltener den Ruf des Spiels nicht durch zu viele prominente DQs zu beschädigen Judge diesen Betrug ahndet.

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2 Comments on “Zwei plus eins Redewendungen”

  1. nichteuphrat Says:

    es war so klar, dass du dazu einen Eintrag schreibst. Wobei ich es verstehe und dir unterdessen auch zustimme, dass das ganze sehr nach cheaten aussieht, und falls er nicht gecheated hat (as schon sein könnte) dass er sich dann richtig dumm verhalten hat.

  2. obvv Says:

    offensichtlicher geht auch nich, wer nach dem video und der geschichte noch behauptet DJ sei auch nur ansatzweise sauber dem rate ich zu rennen, wenn auch nur ein versicherungsvertreter oder staubsaugerverkäufer an der tür klingelt weil sonst bist du pleite.

    Mich regt das so auf das er damit durchkommt wo es so offensichtlich ist. kennt sich einer aus ob da was im nachhinein passieren würde wenn die dci davon überzeugt ist DJ hätte gecheatet?

    ich bin auch menschlich von DJ so enttäuscht das hätte ich ihm nie zugetraut und es ist einfach traurig.


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