Eine kurze Scars of Mirrodin Limited Preview-Analyse

Offensichtlich treffe ich meine Einschätzungen ohne jegliche Praxis, lediglich nach Betrachtung und kurzer Analyse der Spoilerliste:

Scars of Mirrodin ist das ausgeprägteste Spoilerformat mindestens seit M10. Die durchschnittliche Qualität der Commons ist sehr niedrig, und insbesondere gute Kreaturen sind hier dünn gesät, während das Removal qualitativ recht hochwertig ist.

Das Qualitätsgefälle zwischen Commons und Uncommons ist enorm und ausgeprägter als selbst in einem typischen Core Set (und Rares und Mythics drehen teilweise komplett ab!) Zuverlässiges Manafixing ist jedoch kaum vorhanden, und das gilt auch für Card Draw unterhalb der Uncommon-Stufe. Deswegen ist über Zweieinhalbfarbigkeit hinausgehende Buntheit trotz des großen Anteils an farblosen Sprüchen problematisch. Kartenvorteil entsteht daher im Draft (Sealed wird besonders stark durch Rarebomben bestimmt werden) am ehesten durch 187-Kreaturen wie Oxidda Scrapmelter, Acid Web Spider, Razor Hippogriff oder Skinrender. Der wiederholte, wenn auch langsame Card Draw eines Trigon of Thought ist daher sehr hoch zu bewerten, aber viele Spiele werden sich um die schrittweise Erlangung von Kartenvorteil mt Hilfe von z.B. Darkslick Drake, Halt Order, Clone Shell oder Corpse Cur drehen.

Gute Kreaturen sind sehr hoch zu bewerten. Das war bereits in Mirrodin so und ist hier noch wichtiger, da das Equipment im Vergleich etwas schwächer ausgefallen ist, und da deswegen auch die Manamyr (die wieder überdurchschnittliche Picks darstellen) es selbst mit Equipmentunterstützung schwer haben, gegen überlegene Kreaturen zu bestehen. Haltet besonders nach solchen wie Sky-Eel School oder Alpha Tyrannax Ausschau, die keiner Unterstützung durch Metalcraft oder Equipments bedürfen, um das Board zu dominieren.

Metalcraft-Strategien, die potenziell schnell und explosiv sind, werden darunter leiden, dass ein so großer Teil der Kreaturen in allen Farben Metalcraft benötigt, um relevant zu werden, so dass fast alle Drafter versuchen, ihre Strategie darauf auszurichten, und außerdem darunter, dass die meisten Common-Artefakte eher unspektakulär sind. Da außerdem sowohl Creature Removal als auch Artifact Removal eine auf Metalcraft beruhende Offensive auseinanderreißen können, wird es schwierig sein, die kritische Masse zu erreichen, um damit ein kontrollbasierendes Deck zu überrennen.

Poison ist die große Unbekannte im Format. Da es unabhängig von Metalcraft funktioniert, ist es denkbar, dass sich zumindest in der Frühphase des Metagames wenig genug Spieler darauf stürzen können, um starke darauf aufbauende Decks zu erhalten, während der Rest des Tischs sich gegenseitig die für Metalcraft notwendigen Artefakte wegschnappt. Möglicherweise wird Poison die bestimmende Aggrostrategie des Environments werden, da sie mit Hilfe von Proliferate und “Direct Poisoning” auch über Reach verfügt, nachdem eine Kontrollstrategie die Offensive eigentlich schon gestoppt hat.

Wie bereits in M10 sollte man in Scars eine Bombe als Firstpick mit Zähnen und Klauen verteidigen. Anders als in M10 jedoch kann man, falls eine solche Bombe nicht vorhanden ist, keine abwartende Strategie wählen: Es fehlen Karten wie Borderline Ranger oder Merfolk Looter, die einem ermöglichen, starke Karten aus mehreren Farben zu spielen oder seine Bomben in einem ansonsten mäßigen Deck zu finden; und die farblosen Commons sind in der Qualität den farbigen unterlegen, so dass frühe flexible Picks mit einem Qualitätsverlust einhergehen und auch nicht lange genug durchgehalten werden können, um die Farbwahl komplett auf die zweite Boosterrunde zu verschieben.

Als Ausweichstrategie in einem solchen Fall bietet sich Poison an, doch das wird schiefgehen, wenn zu viele Spieler diese Idee haben (und außerdem vermute ich, dass auf FNMs einige Spieler ohne durchdachte taktische Motivation Poison ganz gezielt draften werden). Auch Metalcraft-Strategien sind aus den oben genannten Gründen riskant. Ich empfehle daher, im Zweifelsfall den Farben mit der höchsten Kreaturenqualität (Grün und Blau) den Vorzug zu geben. Sollte Euer lokales Metagame jedoch ebenfalls diese Idee haben und zusätzlich Poison beliebt sein, so wird ein auf Equipments und Metalcraft basierender White-Weenie (plus Zweitfarbe)-Archetyp höchst attraktiv – wenn diese Strategie underdrafted ist, sollte sie hervorragende Chancen haben, einen Drafttisch zu gewinnen!

So viel zu meiner ersten Einschätzung. Oh, und wenn Ihr in den nächsten Tagen weitere “Analysen” von Spielern mit einem besonders großen Verhältnis von Lifetime Pro Tour Points zu Buchstaben im Rufnamen lest, dann vergewissert Euch, dass derjenige sich auch tatsächlich Gedanken gemacht und nicht nur in einer Fingerübung zu jeder Karte ein schlechtes Wortspiel heruntergeschrieben hat, bevor Ihr dessen Ansichten vertraut…

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8 Comments on “Eine kurze Scars of Mirrodin Limited Preview-Analyse”

  1. nichteuphrat Says:

    Gut bin ihc nicht der einzige der das Format für etwas spoilerverseucht hält, aber auch wenn es hochwertiges removal gibt, habe ich das gefühl dass es irgendwie wenig im commonbereich gibt, schwarz hat ein doppelschwarzes removal. Rot 1 artefaktremoval 1 sehr teures creture removal und ein gutes billiges removal, das aber selbst mit metalcraft nicht unbedingt bomben los wird, grün hat ein artefaktremoval (die replika) blau hat eines ka wie gut das ist etwas teuer und man muss zuerst einen angriff fressen leider.
    Und weiss sieht mit einem common removal und einem common artefaktremoval.
    Und täusche ich mich oder sind 37 Kreaturen mit widerstandskraft 1 etwas viel? (wovon glaube nur 3 rare sind)

  2. handsome87 Says:

    Meine Befürchtungen bezüglich dieses Limited-Formats sind leider ähnlich :(

  3. bombo86 Says:

    Zum limitedformat kann ich noch nichts sagen, aber zu deiner ständigen Kritik an LSV:

    Der Nutzen von seinen Setreviews ist wirklich sehr eingeschränkt, Karten im Vakuum mit Sternchen bewerten bringt halt nicht viel. Aber: Ich glaube kaum, dass es wen gibt, der diese Reviews wirklich ernst nimmt und sie als ein unerschüttliches Heiligtum ansieht. Ich lese die immer zur Unterhaltung, die Wortspiele sind teils so platt, dass sie herrlich sind. Die Reviews sind ein großartiges Zeugnis von Selbstironie, denn wenn LSV Karten wie Siege Mastodon fürs Constructed bewerten muss, zeigt sich doch, dass nicht mal er selbst die Reviews ernst nimmt.

    Also, einfach mal Stock ausm Arsch nehmen und Reviews mit einem Schmunzeln lesen.


    • Ich weiß ja nicht, auf welchem Planeten Du Dich so herumtreibst, aber es gibt leider viel zu viele Leute, die diesen Mist ernstnehmen, darunter auch gerne einemal solche mit 8-27 Lifetime PT Points…

      Nur deswegen rege ich mich ja auf. Wenn die Leute diesen Quatsch ignorieren würden, wäre ja alles in Ordnung!

  4. psychatog Says:

    ich wundere mich wirklich warum du noch keinen annähernd großen erfolg beim magic wie lsv aufweisen kannst, wahrscheinlich weil du nicht mehr so aktiv spielst und früher wie du aktiv gespielt hast noch nicht so gut warst; das meine ich ernsthaft!!


    • Dann will ich mal ernsthaft antworten: Weil ich kein guter Spieler bin. Okay, früher WAR ich ein guter Spieler – aber nie ein sehr guter. Es gab eine Zeit, da spielte ich technisch nahezu perfekt und taktisch (meistens) zumindest sehr gut, aber mir fehlte die Edge, die echte Topspieler benötigen – die Fähigkeit den Gegner zu lesen, Intuition, Shuffleskills – wasauchimmer. Heute bin ich nicht einmal mehr ein guter Spieler; mir mangelt es dafür an Konzentration und natürlich Spielpraxis.

      Ich bin aber ein sehr guter Analytiker, und die Qualität meiner Analysen leidet nicht unter meinen Schwächen als Spieler. Offensichtlich ist das für viele schwierig zu begreifen. Aber Jose Mourinho war auch nie ein guter Fußballspieler (und ist es heute erst recht nicht mehr), daher sollte das Konzept eigentlich nachvollziehbar sein!


  5. Gerade bin ich auf diesen Artikel hier gestoßen:

    http://www.channelfireball.com/articles/initial-technology-going-to-the-sky-eel-school/

    Es hat also nur etwas über zwei Monate gedauert, bis LSV mit seinen Einschätzungen größtenteils deckungsgleich mit meinen ersten Vermutungen liegt!


  6. http://www.wizards.com/Magic/Magazine/Article.aspx?x=mtg/daily/li/124

    Und jetzt ist auch Steven Sadin so weit. Hat nur etwas über ein Vierteljahr gedauert.


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