Wie man es NICHT macht

Und wieder einmal erscheint ein neues Magic-Set, von welchem die meisten von Euch vermutlich gerade Booster öffnen, während ich diese Zeilen hier tippe. Ich beneide Euch nicht: Selbst wenn man bei den Prereleases ausnahmsweise doch wieder mit englischen Karten spielen würde, bin ich mir nicht sicher, ob ich bei Mirrodin Besieged dabei wäre – zu meiner Abneigung gegen Sealed-Deck-Turniere kommt diesmal sowohl die selbst für moderne Magic-Maßstäbe überdurchschnittliche Bombenlastigkeit des Environments hinzu, und obendrauf diese furchtbare Poison-Mechanik, sowie zur Krönung das Kozept der Fraktionsbooster, dem ich zwar unter dem Promotion-Gesichtspunkt dieses Events etwas abgewinnen kann, das ich aber für das tatsächliche Spielerlebnis nur negativ bewerten kann. (Ich frage mich übrigens, ob es nicht sowohl unter den Promotion-Aspekt, als auch mit Hinblick auf den Spielspaß nicht besser gewesen wäre, Mirrormatches zwischen den Fraktionen zu vermeiden – also immer nur Mirraner gegen Phyrexianer zu paaren – aber vermutlich wären die organisatorischen Hürden dafür wohl zu hoch.)

Wenn ich die Artikelsituation im Netz mit der vor sieben Jahren vergleiche, als der originale Mirrodin-Block erschien, so fällt mir zunächst einmal positiv auf, dass weit weniger unqualifizierte Previews zu sehen sind! Aber ja, mir ist schon klar, dass dieses Positivum ein Nebeneffekt des ansonsten negativen Umstandes ist, dass heute überhaupt weniger Magicschreiber aktiv sind, und zwar leider nicht deswegen, weil nur noch die besseren veröffentlicht würden, sondern weil das Angebot insgesamt knapp ist – qualitativ sogar noch mehr als quantitativ.

Was nämlich vorhanden ist, ist letztlich nicht lesenswert. Das fängt mit Florian Kochs “Entscheidungshilfe fürs Prerelease” an: So relevant die Fragestellung, mit der er sich beschäftigt, auch ist – er macht ansonsten so ziemlich alles falsch, was man falsch machen kann!

Seine Herangehensweise ist diese: Er gibt den Commons aus Mirrodin Besieged Schulnoten und ermittelt daraus Durchschnittswerte. Ob ein solcher pseudo-mathematischer Ansatz überhaupt eine sinnvolle Herangehensweise ist, darüber ließe sich bereits streiten, aber so, wie Florian vorgeht, ist es auf jeden Fall Humbug!

Zunächst einmal kann jedes Ergebnis, welches er uns am Ende präsentiert, nicht besser sein, als die Kompetenz, mit der er seine Statistik mit Daten befüttert. Da geht es aber bereits los: Sein Bewertungssystem ist völlig aus der Luft gegriffen. Da er Durchschnittswerte bildet, müsste seine Skala folgende Rückschlüsse erlauben: Eine 1er Karte und eine 3er Karte sind zusammen so stark wie zwei 2er-Karten, und eine 2er und eine 6er-Karte so stark wie zwei 4er-Karten. Ich garantiere Euch, dass Florian sich bei seiner Schulnoten-Skala auch nicht das kleinste Fitzelchen Gedanken darum gemacht hat – das merkt man seinen Bewertungen und Begründungen deutlich an! Man beachte auch, dass er zahleiche Bewertungen wie “4-” oder “2+” vornimmt, ohne dass diese Abstufungen, die ihm doch offenbar wichtig sind, in der Endabrechnung berücksichtigt würden! Wieso verwendet er beim Bewerten eine 18er-Skala, beim Berechnen aber eine 6er-Skala? Richtig: Weil er nicht für 5 Sekunden darüber nachgedacht hat, was er da eigentlich tut.

Dann sind da die Bewertungen selbst und ihre Begründungen. Ich zitiere ein paar der “schönsten”:

Füller der solideren Art, wenn man sich das vom Tempo her erlauben kann.

Dann wohl doch lieber Flameborn Hellion.

Setzen.

Der Name ist Programm.

Wie immer gilt: Es ist absolut legitim, aus der Qualität der Begründungen auf die Qualität der Bewertungen zu schließen!

Man merkt auch deutlich, dass die Verhältnismäßigkeit zwischen den Noten nicht gegeben ist. Ja, auch ich halte Quicksilver Geyser für sehr stark – aber wie kann diese Karte eine bessere Note als Burn the Impure erhalten? Wieso landet Fangren Marauder gleich zwei Noten über Tangle Mantis? Warum gilt das auch für Razorfield Rhino über Gnathosaur? Wie gelangt man mit der Begründung “Die meisten Sealed-Decks werden kaum aggressiv genug sein, um das hier zu rechtfertigen. Wenn doch ist es vermutlich eine richtig gute Karte” zu einer 5, mit “Ab vier Equipments kann man wohl darüber nachdenken. Sonst eher eine Verzweifelungstat” jedoch zu einer 4? Selbst wenn Florians Rechnung prinzipiell Sinn ergäbe, könnte er mit solchen willkürlichen Bewertungen keine brauchbaren Ergebnisse erwarten.

Aber darüber muss man sich gar keine weiterführenden Gedanken machen, denn natürlich ergibt seine Rechnung schon auf Grund ihrer Konzeption keinen Sinn. Florian mittelt die (von ihm definierte) Spielstärke der MB-Commons nach Fraktion geordnet. Aber was hat das eigentlich mit der Frage zu tun, mit welcher Fraktion man beim Prerelease vermutlich ein stärkeres Deck bekommt? Folgendes lässt er alls dabei außer Acht:

1. Die Stärke eine Sealed-Pools (und das gilt ganz besonders in diesem Block!) hängt maßgeblich von den Uncommons und Rares (und Mythics, jaja) darin ab. Der Anteil der Commons in einem typischen Sealed-Deck ist üblicherweise deutlich geringer, als der Anteil der Commons im Pool, und sie tragen üblicherweise auch noch anteilig weniger zur Spielstärke des Decks bei. Bereits das macht Florians Herangehensweise eigentlich schon wertlos.

2. Der durchschnittliche Spielwert aller Commons in einem Set ist nicht im geringsten ein Indikator dafür, wie spielstark diejenigen Commons sind, die man tatsächlich in seinem Deck spielt!  Ganz, ganz grob geschätzt, kommen beim Sealed-Deckbau mit 6 Boostern sowieso nur die besten 50% der Commons in Frage – die übrigen könnten genau so gut allesamt One with Nothing, Wood Elemental oder Sorrow’s Path heißen. Im SOM-Block ist der Anteil der tatsächlich genutzten aus allen in Frage kommenden Commons aus zwei Gründen noch einmal besonders gering: Einmal die Artefakte, die jedem Spieler unabhängig von seiner Farbwahl zur Verfügung stehen; zum anderen die bereits angesprochene Bombenlastigkeit des Formats. Und obendrauf kommt dann auch noch der Witz mit den Fraktionsboostern, der tendenziell ebenfalls für ein Überangebot an in Frage kommenden Karten sorgt!

Herrlich übrigens, in welch mathematisch geradezu schmerzhafter Weise sich Florian dieses Problems annimmt, wenn er nicht etwa die besten x % der Commons jeder Fraktion miteinander verglicht, sondern diejenigen mit einer Mindestbewertung! Um Euch die komplette Idiotie dieses Ansatzes vor Augen zu führen: Nehmen wir an, die Mirraner besäßen genau eine Karte, die eine 1 verdient und ansonsten ausschließlich 6er, und Phyrexia besäße zehn 2er-Kandidaten, sowie zehn 3er und ansonsten ebenfalls nur 6er. Dann erhielten die “spielbaren” Mirran-Karten nach Florians absolut brillianter alternativer Berechnungsmethode einen Durchschnittswert von 1.0, und Phyrexia läge abgeschlagen mit einer Note von 2.5 dahinter… Ja, das IST so dumm, dass es weh tut – aber genau das hat Florian gemacht!

3. Die durchschnittliche Spielstärke per Fraktion quer durch die Commons aller Farben hat ebenfalls kaum etwas mit der durchschnittlichen Spielstärke aller Commons zu tun, die man tatsächlich spielt, wenn die verschiedenen Fraktionen gewisse Farben bevorzugen sollten. Ich denke, wir können gesichert davon ausgehen, dass Mirran hauptsächlich RW spielen wird und Phyrexia hauptsächlich BG – ach ja, und Phyrexia weniger Artefakte… Eine ungewichtete Berücksichtigung aller Karten gibt also wiederum nicht ihren tatsächlichen Einfluss auf die Stärke des Gesamtpools wieder. (Das ist ein grundlegendes Problem dieser Methode, da man es ohne Einbeziehung ihres erwarteten Ergebnisses nicht lösen kann – siehe Punkt 6.)

4. Florian benotet und betrachtet die 3 MB-Booster unabhängig von den drei Scars-Boostern, die jeder Spieler ebenfalls erhält. In einem dermaßen Synergie-aufgeladenen Environment, wie es dieser Block im Limited darstellt, ist eine solche Kartenbewertung im Vakuum natürlich besonders problematisch.

5. Bei Karten, die “im richtigen Deck” stark sind, vergibt Florian schwache Noten (siehe Ardent Recruit, Concussive Bolt oder Training Drone). Das stellt eine weitere Überhöhung des systematischen Fehlers aus Punkt 2 dar: Diese Karten spielt man natürlich nur dann, WENN sie gut sind! Abgesehen vielleicht von CE bauen Spieler ihre Sealed-Decks doch nicht mit einem Zufallsgenerator, sondern suchen nach Synergien! Hier stößt das Durchschnittswertsystem an seine systematischen Grenzen.

6. Und dann kann man seine Bewertungen auch noch mit systematischen Fehlern füttern… Florian zum Beispiel geht strikt davon aus, dass man mit Phyrexia eine Infect-Strategie spielen MUSS, und dementsprechend passt er seine Kartenbewertungen an. So bekommt man natürlich am Ende der Rechnung auch genau das Ergebnis heraus, das man von Anfang an antizipiert hat! Ginge man das Ganze stattdessen unter der Annahme an, dass Phyrexia stark genug sei, um sowohl Infect- als auch Nicht-Infect-Strategien zu ermöglichen und bewertet die phyrexianischen Karten dann entsprechend besser… abrakadabra, dann erhält man als Ergebnis plötzlich auch, dass Phyrexia mit seiner durchschnittlichen Kartenqualität stark genug ist, um beide Strategien zu unterstützen!

Zusammengefasst: Dieser Artikel war absolut sinnlos und überflüssig. Florian hat versucht, eine inhaltliche Analyse des Sets (die zugegebenermaßen wahrscheinlich mehr Zeit und Mühe gekostet hätte, als er vor dem Prereleasetermin hätte aufbringen können) mit Augenwischer-Mathematik zu ersetzen, und das Ergebnis ist leider nichts weniger als dumm und peinlich (wenn auch sehr schön optisch aufbereitet).

Nichtsdestotrotz war es zumindest eine originelle Herangehensweise an ein spezielles Thema. Im Vergleich dazu bietet uns Christoph Hölzl eine “gute alte” Retro-Card-by-Card-Analyse (wahrscheinlich ist Chh irgendwann nach dem originalen Mirrodin-Block in eine Zeitmaschine gestiegen und macht jetzt einfach mit dem weiter, was er von damals noch kennt).  Ist die ihm besser gelungen als Florian sein Fraktionenvergleich?

Nun, das Ergebnis ist weder dumm und peinlich – wenn man das als Mindestmaßstab für einen Preview-Artikel anlegt, kann man also zufrieden sein. Positiv ist anzumerken, dass Chh zu den einzelnen Karten auch tatsächlich etwas Sachbezogenes zu sagen weiß (im Gegensatz zu den Worthülsen, die Florian als “Begründungen” gegeben hat), und dass er sich auch bemüht, ihre Rolle im Gesamtenvironment anzusprechen.

Nichtsdestotrotz verbleibt er doch sehr im Vagen und Selbstverständlichen – er trifft eigentlich kaum Aussagen, die sich im Nachhinein als falsch erweisen könnten! Durch dieses auf Nummer Sicher Gehen enthält sein Artikel wenig wirklichen Informationsgehalt. Außerdem kommt der analytische Aspekt des Ganzen zu kurz – Chh sagt etwas zu den einzelnen Karten, aber er teilt uns nicht die Schlüsse mit, die er daraus zieht. (Möglicherweise kommt das in einem späteren Teil seiner Reihe noch, aber das ändert halt nichts daran, dass es diesem hier dadurch an Mehrwert mangelt.) Sein Text ist größtenteils einer zum Durchnicken – es bleibt nichts hängen, was einem das Gefühl gibt, etwas gelernt zu haben, oder das Bedürfnis, es auszudiskutieren oder zu -probieren. Man kann ihm zwar keine größeren Fehler vorwerfen – aber ist das Existenzberechtigung genug für einen Artikel, nicht schlecht zu sein?

Zumindest für mich ist es das nicht, und Chh ist ja auch kein Schreiberneuling, der sich über handwerklich solide Arbeit noch an inhaltlich gehaltvolle und unterhaltsame Texte herantasten müsste. Nein, auch dieser Artikel ist letztlich überflüssig.

Da dieser Beitrag bereits wieder endlos lang ist, belasse ich es bei diesen beiden Beispielen und wende mich meiner abschließenden Frage zu: Ja, wie zum Teufel kann man es denn dem Pischner nun Recht machen?

Nun, die auführliche Antwort darauf kennt Ihr ja schon. Die für diese Fälle gültige Kurzfassung lautet: Schreibt dann, wenn Ihr auch etwas zu sagen habt, und nehmt Euch die dafür notwendige Zeit! Chhs Artikel ist schelmisch mit “Erster!” angekündigt – vermutlich in direktem Bezug auf meine damalige Kritik am Erstveröffentlichungswahn bei Previews – aber auch heute noch gilt: Macht es nicht besonders früh, macht es besonders GUT! Eine Woche später wird ein erfahrener Spieler wie Chh sicherlich mehr und Tiefgründigeres zu sagen haben als unmittelbar nach Erscheinen des offiziellen Spoilers. So lange lohnt es sich dann auch zu warten! Und für Florian gilt: Wenn man die Zeit (und/oder die Kompetenz) nicht besitzt, um etwas Sinnvolles zu schreiben, dann ist es besser, seine Zeit anderweitig zu nutzen, anstatt Unsinn zu verzapfen! (Ich gehe jetzt einfach einmal davon aus, dass Florian nicht in erster Linie für die Entlohnung geschrieben hat – wenn doch, dann macht Tobi da etwas ganz Grundlegendes falsch!)

Ich will nicht MEHR Magicartikel,  ich will BESSERE. (Und das gilt nicht nur hier.) Trotz aller meiner Bemühungen, meine auf Magic-Seiten verbrachte Zeit zurückzufahren, ist es immer noch zu viel. Dann möchte ich aber wenigstens das Gefühl haben, dass es sich gelohnt hat!

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10 Comments on “Wie man es NICHT macht”

  1. nichteuphrat Says:

    Ich dachte du bist gegen Zensur, oder wieso ist der eine Kommentar weg?

    Aber zum Thema: Also ich habe zwei Prealeases mitgespielt und muss sagen, du hast Recht, es kam viel mehr auf die Rares und uncommons an, als auf die commons, wobei man sagen muss, dass man vor allem als Phyrexia sehr wenig spielen konnte von SOM.
    Ausserdem gab es einige SEHR gute Phyrexia non Infect Decks eines hat sogar ein Prealease gewonnen.

    Aber die varianz bei den Pools und die Spoilerlastigkeit + die Varianz von bestimmten Karten je nach Matchup ist einfach enorm. Insgesamt nicht so ein tolles Format, aber halt irgendwie so gemacht, dass auch weniger gute Spieler mal eine Chance haben.


    • Ich bin gegen Zensur, aber für Moderation, und Spam moderiere ich selbstverständlich weg.

      Ich habe ja keine Aussage dazu getroffen, ob die Mirraner oder die Phyrexianer nun die stärkere Fraktion sind (das weiß ich auch nicht); ich habe nur gesagt, dass die Herangehensweise von FKs Artikel aus zahlreichen Gründen komplett unzureichend war, um eine solche Aussage begründet treffen zu können. Wer sich auf diesen Artikel bei seiner Entscheidung gestützt hat, der lässt sich auch den idealen Partner per SMS aus seinem Vornamen berechnen.

  2. cebop Says:

    Nach praktisch jedem Beitrag von Dir sitz ich kopfschüttelnd vor dem Bildschirm. Und trotzdem les ich mir den nächsten wieder durch.
    Inhaltlich find ich das alles ja super, nur der Stil ist einfach extrem fragwürdig. Auch auf hohem rhetorischen Niveau haben Beleidigungen in einem öffentlichen Beitrag nichts zu suchen.
    Wenn man wirklich ernst genommen werden will, schreibt man besser nichts von “Idiotie”, “peinlich” und “dumm” (bzw. “dumm dass es weh tut”). Vielleicht hat das auch einfach mit Erziehung zu tun…
    Die ganze Aussage über den pmtg Artikel hätte man eben viel eleganter formulieren können. Dadurch erreichte man doch den Autor auch viel besser. Würde mein Artikel so “analysiert”, ich hätte nach dem ersten Absatz aufgehört zu lesen.

    Ansonsten: Das Qualitätsproblem bei mtg Artikeln liegt denk ich an channelfireball. Ich spiel praktisch kein mtg mehr, lese aber wenn ich Zeit habe gerne noch was drüber. Für solche Leute zumindest gibt es channelfireball und dann ganz lange nichts mehr.
    Warum sollte ich mir limited tech auf zB magicuniverse von irgendjemand, der vor 100 Jahren mal ne PT Top8 hatte und nach eigener Aussage so 5-10 drafts im Format gespielt hat durchlesen, wenn ich für den gleichen Preis content von mehreren Leuten, die letztes Wochenende GP und PT Top8s erreicht haben und 24/7 auf modo rumhängen, haben kann?

    Theoretische Gedanken sind ja schön und gut, aber halt immer nur die erste Stufe. Nur die Leute, die jetzt viel und erfolgreich spielen, habens doch auf die nächste Stufe geschafft, nämlich das erkannte umzusetzen.
    Wenn ich die Wahl hätte, mir den Vortrag von Franz Beckenbauer “So gewann ich die WM 1990” anzuhören oder mit Lionel Messi ne Runde kicken zu gehen, ich müsste nicht lang überlegen…


    • Der Grund, warum Menschen deutliche Worte ablehnen ist, dass sie diese nicht so einfach ignorieren können. Weichgespülte Kritik mögen sie lieber, weil sie sie nicht annehmen müssen. Man liest über das hinweg, was einem nicht gefällt und konzentriert sich auf das, was einem gefällt.

      Deutliche Worte nehmen dem Kritisierten diese Bequemlichkeit. Die Option, die Kritik nur scheinbar anzunehmen, entfällt.

      Die Aussage “das war jetzt nicht ganz so toll” und die Aussage “das war hundsmiserabel” sind NICHT unterschiedlich höfliche Formulierungen des selben Sachverhalts. Die eine ist schwammig und lässt Interpretationsspielraum, den der Kritisierte gerne im Interesse seines Egos ausnutzt. Die andere ist uneindeutig.

      Wenn man etwas Dummes tut, so hat man eine Dummheit gemacht, und wenn man etwas Idiotisches tut, eine Idiotie verbrochen. Beschönigung bedeutet nur Unklarheit. Ein Mensch, der wirklich bereit ist, Kritik anzunehmen, braucht ehrliche und deutliche Kritik. Einer, der beschönigende Formulierungen als “konstruktiv” empfindet, nutzt nur die Gelegenheit, sich selbst zu belügen.

      Deine Vorstellung, dass man von Theoretikern nichts lernen könne, ist übrigens unsinnig. Warum gibt es denn im Fußball Trainer? Und offensichtlich ist Erfolg im Trainerberuf nicht abhängig von früheren Erfolgen als Aktiver. Kanntest Du Jürgen Klopp, Louis van Gaal oder Jose Mourinho zu deren aktiver Zeit?

      Ja, klar möchtest Du mit Messi kicken. Du willst auch mit Pros zocken, wenn Du die Gelegenheit hast. Aber ob Du Dir Tipps zur Verbesserung Deines Spiels lieber von Messi oder lieber von Guardiola abholen willst, darüber solltest Du vielleicht noch einmal nachdenken.

      Ich habe zuletzt jedenfalls mehrfach bewiesen, dass meine Theorie mit einer Verzögerung von einigen Wochen schließlich zur Praxis der Pros wurde. Das ist keine Zauberei; das können andere auch, die ihre analytischen Fähiegkeiten einsetzen. Und gerade auf Channelfireball wird – und zwar gerade von LSV! – viel Mist geschrieben. Wenn Du Dir die Mühe machst, ein bisschen zu stöbern, wirst Du feststellen, dass meine Ansichten zu Zendikar, M11 oder Scars Dich jedes Mal klar besser vorbereitet hätten als der Unsinn, den LSV zur gleichen Zeit verzapft hat.

      Vertraue nicht auf Namen; bewerte Argumentationen. Florians Artikel wäre genau so schlecht gewesen, wenn ihn Kai Budde verfasst hätte und genau so schlecht, wenn Duodax ihn verbrochen hätte.

      • martenj Says:

        ich denke, dass das ganze auch was mit respekt zu tun hat.
        Du verhälst dich einfach EXTREM respektlos anderen gegenüber, und heulst dann rum, wenn du nicht respektierst wirst.

        klar kann man die sachen so deutlich ansprechen, wie du es tust, auf der anderen ist es halt einfach sehr unfreundlich. du moechtest sicher auch nicht so behandelt werden.
        ich mein du und FK sind beide bekannte PMTG-autoren, da ist es sicher unangebracht so hart zu flamen (und evtl sogar schaedlich fuer den planten).

        ich hab nix gegen kritik, aber du uebertreibst es regelmaessig.
        polemik pur


  3. Ich lete “Respekt” von “respektabel” ab, auch wenn es grammatikalisch umgekehrt zu sein scheint. Respektables respektiere ich.

    Ein “Flame” ist für mich ein persönlicher Angriff, keine sachbezogene Kritik. Vuielleicht ist dieser eingedeutschte Begriff ja noch nicht hinreichend definiert, aber meines Wissens nach “flamet” man immer JEMANDEN, nicht ETWAS. Über seine Verantwortung für diesen furchtbar schlechten Artikel hinaus habe ich Florian nicht kritisiert oder angegriffen.

    Übrigens schreibe ich schon seit längerem keine Magic-Artikel mehr, auch wenn es Dir nicht aufgefallen zu sein scheint, weder beim Planeten, noch sonstwo.

  4. martenj Says:

    ok, andreas, lies dir bitte nochmal deinen letzten kommentar durch. keiner der drei absaetze hat direkt mit dem thema zu tun.

    du redest einfach am thema vorbei.

    wenn man wie du X artikel bei planetmtg veroeffentlicht hat, ist man wohl doch autor dort, auch wenn man kuerzlich nichts mehr veroeffentlicht hat.

    und nun bitte eine antwort mit inhalt!

    danke


    • Der Inhalt ist vorhanden, auch wenn Du ihn nicht vrstanden hast:

      1. Du wirfst mir mangelnden Respekt vor. Ich erkläre Dir, wann ich Respekt zeige und warum (und implizit damit auch, wann und warum nicht).

      2. Du wirfst mir vor, geflamet zu haben. Ich erkläre Dir, dass ich dies nicht getan habe.

      3. Du beurteilst mein Verhalten danach, dass ich ein PlanetMTG-Autor sei. Ich weise Dich darauf hin, dass dies nicht mehr der Fall ist (und nein, das ist kein “lebenslänglicher” Status).

  5. cebop Says:

    Zu der Respekt Sache: Kritik sollte “konstruktiv” und nicht rein “destruktiv” sein, sie kann “deutlich” oder “weichgespült” sein, sie muss aber immer “sachlich” und darf nie “unsachlich” sein.

    Deine Kritik ist konstruktiv und deutlich, aber leider auch zumindest hart an der Grenze zum Unsachlichen.
    Es ist ein riesiger Unterschied, ob ich die Leistung eines anderen als “unbrauchbar schlecht” oder als “peinlich, dumm und pure Idiotie” bezeichne. Die erste Aussage bezieht sich offensichtlich nur auf die Leistung, die zweite lässt auch einen persönlichen Angriff erahnen (zumal diese Ausdrücke schon in Richtung Beleidigung tendieren).

    Wenn Du mit idiotisch und dumm ausschließlich den Artikel gemeint hast, dann ists so jedenfalls nicht angekommen. Da das anscheinend nicht nur für mich gilt, könnte man sich überlegen, da mal was dran zu ändern…

    Zu der Theorie/Praxis Geschichte: Ich glaube Du überschätzt den Anteil derer, die sich mtg Artikel durchlesen bzw. Videos angucken, um sich ernsthaft auf ein bestimmtes Event vorzubereiten. Sowas wird nach meiner (bescheidenen) Erfahrung eher über ICQ/IRC und modo erledigt. Man braucht eben nicht mehr viel Theorie, wenn man dank modo mit recht geringem Aufwand alles selbst ausprobieren kann.

    Zudem hat man über das Inet praktisch unendlich Diskussionspartner direkt bei der Hand.
    Der theoretische Background kommt dann schnell von selbst und aus erster Hand. Die nötigen eigenen Gedanken ersetzt der Artikel ja ohnehin nicht. Ich denke dass der Theorieverbreitung über fundierte Artikel immer weniger Bedeutung zukommt.

    Kann man gut finden, muss man aber sicher nicht. Ich streite ja gar nicht ab, dass Deine Theorie praktisch immer auf den Punkt passte und mit Sicherheit eine gute Vorbereitung auf einen GP darstellt. Ich bezweifle nur, dass es dafür noch die Zielgruppe gibt wie zB vor 5 Jahren.
    Irgendwie heißt das Motto eher “learning by doing”. Macht ja auch mehr Spaß.

    Wenn also diejenigen, die Ambitionen haben, ohnehin auf modo und in eigenen Gruppen ihre Vorbereitung gestalten, bleiben als Artikelleser und Videogucker eben noch Leute wie ich. Und für mich gibt es bei dem Hintergrund eben genau keinen Anreiz, etwas anderes als channelfireball zu konsumieren. Da tummeln sich nunmal die derzeit mit Abstand (!) erfolgreichsten Magicspieler. Da wirds für einen deutschen Schreiber halt ganz schnell schwer und das zehrt an der Motivation.
    Überspitzt ist imho die problematische Frage: Warum soll ich mir einen Artikel auf pmtg/mu durchlesen, wenn ich zu dem gleichen Thema und zum gleichen Preis einen von PV/LSV/Brad Nelson/Saito/Woods usw haben kann? Diese Leute haben Ahnung von der Materie, das haben sie in einem Maße bewiesen, das alles andere in den Schatten stellt. Bei allen anderen Autoren schwingt halt automatisch der Unsicherheitsfaktor mit und mit meiner wenigen Ahnung (Zielgruppenproblem!) kann ich eben nur schwer entscheiden,, ob diese Leute recht haben. Wer erfolgreich sein will, muss den (derzeit!) erfolgreichen zusehen und sich was abschauen. Das gilt in allen Lebensbereichen.

    Bezogen auf Fußball wäre das passende Gegenstück zu Lionel Messi also nicht Pep Guardiola, sondern Udo Lattek. Ein ehemals guter Trainer, der aber einfach nicht mehr ausreichend in der Materie drinsteckt und deshalb nichtssagende weil allgemeingültige (und zum Großteil ohnehin selbstverständliche) Kommentare beim Doppelpass abgeben muss. Wenn Tuchel was sagt, legitimiert sein derzeitiger Erfolg seine Aussage. Bei Lattek denk ich viel mehr selbst darüber nach und das ist eben nur mit entsprechendem Wissen sinnvoll.

    Ich bin also durchaus der Meinung dass man von Theoretikern was lernen kann (iÜ war der für mich vielleicht interessanteste Artikel der letzten 2 Jahre Deiner über Spaß beim Casual Spiel. Dafür gibts denk ich eine Zielgruppe und der Artikel war zum absoluten Großteil auch reine Theorie).
    Die Frage ist aber, ob das was dort vermittelt wird, so auch Anklang findet. Oder ob mans eben nicht eh schon selbst ausprobiert hat…
    Und damit kommt man dann auch zum Thema zurück: Wenn keiner mehr solche Artikel liest, leidet die Qualität. Wenn man so will, lohnt sich der Aufwand einfach nicht mehr.


    • Dein Fazit ist ja nicht dem unähnlich, was ich erst vor kurzem geschrieben habe: Es handelt sich um kein vorübergehendes Problem, sondern die Szene ändert sich.

      Welche Gründe könnte es geben, Magic-Artikel auf deutschen Seiten zu lesen?

      1. Sie sind deutsch. Allein deswegen gibt es, wenn auch nicht unter den wirklich ambitionierten Spielern, eigentlich ein großes Zielpublikum.

      2. Man kennt die Schreiber, aus der deutschen Internet-Szene oder sogar persönlich. Ich denke, es geht nicht nur mir so, dass ich Werke von mir bekanntn Leuten interessanter finde als von Unbekannten.

      3. Man hat bessere Feedback-, Diskussions- & Interaktionsmöglichkeiten. Für alle, die Artikel nicht rein passiv rezipieren, sollte das Veröffentlichungen auf deutschen Seiten besonders interessant machen.

      4. (Achtung, jetzt kommt’s!) Die meisten Artikel auf englischsprachigen Siten, auch und gerade die von namhaften Autoren, sind gar nicht wirklich gut! LSV ist ein schönes Beispiel, aber da gibt es auch andere. Wer Nico Bohnys lustlos heruntergeschriebene Blackborder-Artikel mit seinen deutschen Texten verglichen hat, der musste sich fragen, ob das wirklich der selbe Autor war! Um auf den großen englischen Seiten veröffentlicht zu werden, ist ein berühmter name einfach mehr wert als die Fähigkeit, tatsächlich gute Artikel zu verfassen.

      Auch wenn es manchen Redakteuren offensichtlich schwer fällt, dies zu begreifen: Massive Kritik ist ein Zeichen von INTERESSE! Gleichgültigkeit, verbunden mit dem von Dir beschriebenen Abwandern, ist viel schlimmer.

      Insofern kehre ich Deinen Schluss doch wieder um: Es ist durchaus die sinkende Qualität, die dazu führt, dass weniger Leute auf deutschen Seiten lesen, vielleicht noch gepaart mit der Frustration darüber, dass die Feedback-Mechanismen nicht zu greifen scheinen.

      Allerdings bleibt die Frage, wo die Artikelschreiber herkommen sollen, wenn die Magic-Szene sich strukturell so verändert, dass engagierte und kompetente Autoren Mangelware werden…


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