Mirrodin Pure

Vielleicht erinnert sich ja der eine oder andere meiner Leser daran, dass ich damals vorhergesagt hatte, dass Zendikar Enemy Fetchlands enthalten würde, und etwas später hatte ich sogar die Treasure-Karten prophezeit.

Jetzt habe ich wieder einmal Lust, mich als Prophet zu betätigen! Allerdings ein Wort der Warnung voraus (nicht dass wieder jemand auf die Idee kommt, alles auf meine Vorhersage zu verwetten, um sich sein Studium zu finanzieren): Im Gegensatz zu den vorigen Fällen habe ich diesmal keine konkreten Anhaltspunkte. Damals gab es Indizien, die meiner Meinung nach bei eingehender, objektiven Betrachtung keinen anderen Schluss zuließen (auch wenn das der größte Teil des Restes der Welt anders sah). Diesmal ist es eher eine Art Bauchgefühl, wenn auch ein einigermaßen eindringliches und beharrliches:

Das nächste Set wird Mirrodin Pure heißen!

Wie ich darauf komme, wo doch zur Zeit alle Anzeichen dagegen zu sprechen scheinen? Nun, wie gesagt, ich habe keinerlei konkreten Belege dafür – aber New Phyrexia PASST EINFACH NICHT. Schon aus ästhetischen Gründen. Was wäre das für ein Block: Scars of Mirrodin – Mirrodin Besieged – New Phyrexia?

Es verletzt die “Rule of Three” (oder jedenfalls eine Variante davon, denn die von MaRo häufig zitierte bezieht sich ja eigentlich auf etwas anderes). Urza’s Saga, Urza’s Legacy, Urza’s Destiny – passt. Champions of Kamigawa, Betrayers of Kamigawa, Saviors of Kamigawa – ja.

Scars of Mirrodin – Mirrodin Besieged – Mirrodin Pure.

So klingt es richtig!

Außerdem: Wie kann man eine vom Bösen beherrschte Welt als Setting benutzen?  Klar, Rath war auch größtenteils unter Volraths Herrschaft, und Zendikar wurde von den Eldrazi mächtig hergenommen. Aber das ist nicht das Gleiche. Wie soll ich mir das vorstellen, wenn in fünf Jahren ein Neuspieler fragt: “Was ist New Phyrexia” für ein Set?” “Oh, das ist die neue Heimatwelt des schlimmsten Feindes im Magic-Multiversum…”

Nein, das STIMMT einfach nicht. Genau so wenig, wie man ein Quellenbuch für eine Rollenspiel-Kampagne in Mordor ansiedeln würde, kann man ein Magic-Set mit 175 Karten in eine Welt setzen, die den entscheidenden Kampf gegen das ultimative Böse bereits verloren hat.

Hoffe ich. Glaube ich. Sagt mein Bauch jedenfalls.

Lest Ihr regelmäßig Maros Kolumne? Er verbindet darin immer wieder seine schreiberische Ausbildung mit Magic-Design. Dann kennt Ihr bestimmt auch das Prinzip der drei Akte? Setup, Konflikt, Lösung. Es ist wohl offensichtlich, dass der aktuelle Block genau diesem Schema folgt.

Aber diese klassische Struktur besitzt noch einige Details mehr. Eines der wichtigsten davon ist DIE ÜBERRASCHENDE WENDUNG im dritten Akt! Das ist schlicht gutes erzählerisches Handwerk. Wenn der dritte Akt nur die Handlung abwickelt, die sich im zweiten bereits abgezeichnet hat, dann ist er langweilig, ja geradezu überflüssig.

Und ja, zur Zeit deutet alles auf den Sieg der Phyrexianer hin. Das Setup. Die Mechaniken (Lifegain und Battle Cry sind ja SO BESCHEUERT als Antwort auf Infect…). Die Preview-Karten. Die unbestätigten Gerüchte.

Ich kann nur vermuten, dass dies Absicht ist; dass damit die überraschende Wendung vorbereitet wird. Wenn der Krieg so weiter geht wie bisher und Phyrexia einfach gewinnt, dann ist das vorhersagbar, langweilig und antiklimaktisch. Und mit MaRo als Head Designer kann ich mir nicht vorstellen, dass dieser Block eine vorhersagbare, langweilige, antklimaktische Storyline besitzt. Das müsste ihm zutiefst widerstreben.

Allerdings wäre ein simpler, wenn auch überraschender mirranischer Sieg kaum weniger antiklimaktisch, und weniger vorhersagbar lediglich auf Kosten von Unerklärlichkeit. Nein, da muss noch etwas passieren: Da fehlt die dramatische Wendung!

Ich spekuliere einmal: Wir haben zwei einigermaßen subtile Hinweise auf die Schwächen der Phyrexianer auf Mirrodin. Einer ist die Tatsache, dass Karn noch nicht vollständig korrumpiert ist. Die andere ist der Umstand, dass das einheitliche Phyrexia sich plötzlich in verschiedene, den fünf Farben in Magic entsprechende Fraktionen aufteilt.

Dass wohl alle fünf Prätoren im nächsten Set als Karten enthalten sein werden, sehen die meisten ja als endgültigen Beleg dafür, dass Phyrexia gewinnen müsste. Ich sehe es aber genau umgekehrt! Wir wissen, dass auch dieses Set wieder Karten beider Fraktionen erhalten wird. DAS ist der Konflikt des Blocks, nicht die Verteilungskämpfe fünfer siegreicher phyrexianischer Prätoren! Hier liegt stattdessen eine Schwäche, welche die Mirraner ausnutzen können. Ihr Sieg würde kein rein militärischer sein, oh nein, er würde auf Diplomatie/Intrigen beruhen, um die Prätoren gegeneinander auszuspielen und vermutlich damit zusammenhängen, dass Karn sich wieder auf sich selbst besinnt und den Krieg irgendwie entscheidet.

Wisst Ihr, was einer der Hauptgründe ist, dass die Star-Wars-Trilogie so großartig ist? Weil ihre Erzähler hier etwas Grundlegendes richtig gemacht haben, und zwar nicht nur den Sieg der unterlegen erscheinenden Rebellen gegen das übermächtig erscheinende Imperium, sondern vor allem, dass die eigentliche Entscheidung nicht in der Raumschlacht um den Todesstern fiel, und auch nicht in der Schlacht um Endor, sondern im Duell zwischen Luke Skywalker und seinem Vater Darth Vader – oder, genau genommen: Weil sie im Kopf von Anakin Skywalker stattfand! Weil dieser für das gesamte Universum entscheidende Krieg letztlich vom Gewissen dieses Mannes ausgefochten wurde. DAS macht eine gute Geschichte aus: Nicht in erster Linie der Gigantismus und die Spezialeffekte (auch wenn die natürlich die Sahne obendrauf sind), sondern die Entscheidungen, die Menschen (menschenähnliche Wesen etc…) in schwierigen Situationen treffen.

MaRo weiß, wie man gute Geschichten erzählt. Er bezieht sich nicht ohne Grund immer wieder auf Star Wars oder auf Buffy. Und davon abgesehen wissen Wizards gewiss auch, wo sie klauen können und müssen. Der innere Konflikt Anakin Skywalkers ist offensichtlich Vorbild für den inneren Konflikt Karns gewesen. HIER wird die Entscheidung fallen!

Und egal, was Magic-spielende Wohlstandskiddies für cool halten: Star Wars wäre NICHT cool, wenn das Imperium gewonnen hätte. Auch New Phyrexia wäre nicht cool. Es wäre lahm und peinlich. Bösewichter sind cool, aber sie sind dazu da, dass Helden sie besiegen.

Mirrodin will endure.

(Achtung: Es folgen zwei leicht unterschiedliche Umfragen – bitte genau hinlesen!)

Nachtrag: Jaja, ich habe die Option “mir doch egal” bei der ersten Frage vergessen. Dann halt einfach bei dieser Frage nicht abstimmen, okay?

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15 Comments on “Mirrodin Pure”

  1. ormus7577 Says:

    Hmm… Man findet ja immer für beide Seiten Argumente, richtig? Phyrexia könnte auch gewinnen und ein späterer Block wäre dann Attack, Battlefield und öhm: Revenge. Note: bescheuerte Editionsnamen, geht nur um die Idee.

    Am Ende ist die Story auch immer nur Gerüst für die Karten und unabhängig vom letzten Block kann man problemlos ein passendes Set designen.


    • Nein, aus den Zeiten, in denen die Story den Karten angepasst wurde, ist Magic LÄNGST heraus! Wenn Du GDS2 verfolgt hast, kannst Du das gut erkennen – Magicsets werden holistisch designt, und das Konzept eines Blocks steht ganz am Anfang.

      Ich habe keinen Zweifel daran, dass die aktuelle Storyline mit diesem Block abgeschlossen wird. Die dreiteilige Struktur wurde von MaRo immer und immer hervorgehoben, deswegen ist eine Verlängerung der Storyline auszuschließen. (Außerdem würden sie auf keinen Fall länger als ein Jahr auf Mirrodin bleiben.)

      Was die Idee eines “späteren” Blocks angeht: Wizards haben Mirrodin 7 Jahre lang pausieren lassen. Dafür gibt es Gründe. Andere Themen sind mit einer höheren Frequenz erschienen: Tribal mit 5 Jahren (Onslaught bis Lorwyn), Multicolor ebenfalls mit 5 Jahren (Invasion bis Ravnica), und dann sogar nur 3 Jahre (bis Shards).

      Nichtsdestotrotz ist das für einen Cliffhanger ZU LANG, selbst wenn man davon ausgeht, dass die jetzigen Designer bereits mehrere Jahre in die Zukunft planen durften. Der Abschluss der Storyline dieses Blocks muss für sich stehen.

  2. handsome87 Says:

    Na, wollen wir’s mal hoffen. Allerdings sprechen meines Erachtens zwei Dinge gegen Mirrodin Pure:

    – Scars hatte ja meines Wissens 80 Prozent Mirran- und 20 Prozent Phyrexia-Karten, bei MBS war die Verteilung 50:50. 20:80 würde also gut ins Design passen.

    – Ich befürchte, dass sich ein New Phyrexia besser verkaufen würde als ein Mirrodin Pure, und letztenendes ist das ja das wichtigste Argument.


    • Ah, darauf hätte ich im Beitrag selbst auch noch eingehen können: Auch eine Verteilung 80:20 für Phyrexia (die rechnerisch übrigens den Block nicht genau ausgleichen würde, wegen der unterschiedlichen Setgrößen) ließe sich mit Mirrodin Pure noch vereinbaren! Die Rebellen waren schließlich auch weit in der Unterzahl.

      Beim anderen Punkt sind wir jeweils auf Vermutungen angewiesen, und Wizards würde es genau so gehen. Vielleicht hast Du Recht, aber so sicher bin ich mir da gar nicht. Ich finde auch, die Frage ist eher: Wen enttäuscht man weniger gerne – die Anhänger von Mirrodin Pure, oder die Anhänger von New Phyrexia? Völlig symmetrisch ist die Situation nämlich nicht, wenn man eine klare Rollenzuweisung in “Gut” & “Böse” hat.

  3. schmirglie Says:

    Dickes “agreed” zum StarWars-Absatz. Der Rest ist mir eigentlich egal, ich warte einfach mal ab.

  4. nuegun Says:

    Du kennst meine Argumentationslinie und von der konntest du mich leider nicht abbringen.

    Trotzdem finde ich es sehr spannend, dass du versuchst, den Ausgang von Erzähltechniken herzuleiten. Solltest du Recht behalten, muss man den Hut vor Wizards nehmen, dass sie so viel Wert darauf legen, eine spannende Story zu erschaffen und die Spieler dabei absichtlich auf falsche Fährten locken. Gefällt mir sehr, diese Idee.

    Wie gesagt, leider spricht die kalte, harte Logik im Moment eine andere Sprache (ich mag die neue Inkarnation der Phyrexianer und besonders Infect auch nicht besonders), wie ich in meinem Artikel schon dargelegt habe. Aber wenigstens hast du mir einen winzigen Funken Hoffnung beschert. Danke dafür.

  5. nuegun Says:

    Ach so, und war “The Empire Strikes Back”, in dem das Imperium vorerst siegreich war, nicht der von den meisten als “beste” angesehene Teil? Oder meinst du, er wäre nicht als der beste angesehen worden, wenn die Rebellen ganz am Ende verloren hätten. Du hast das passende Alter, du kannst mir bestimmt erzählen, wie der zweite Teil damals aufgenommen wurde, bevor Rückkehr der Jedi-Ritter in die Kinos kam.


    • Schon klar, gib dem alten Mann hinterm Ofen doch ein Schüsselchen Suppe und einen Becher Schnaps, damit er Dir von der Zeit erzählt, als Dinosaurier noch die Erde beherrschten…

      The Empire Strikes Back war in jedem Fall der ZWEITE Teil der Trilogie. A New Hope war das Setup, Empire die Zuspitzung des Konfliktes, und Jedi dessen Resolution (einschließend überraschender Wendung). Jeder dieser Teile erfüllte seine Funktion.

      Dass Empire allgemein als besser angesehen wird, liegt meiner Ansicht nach schlicht daran, dass Yoda cool ist, und die Ewoks… nicht ganz so cool sind.

      Sehr interessant finde ich übrigens den heutigen Artikel von MaRo, in dem er beteuert, dass er auf den Ausgang der Geschichte keinen Einfluss gehabt hätte! DAS könnte meine Überzeugung ja beinahe erschüttern, wenn ich halt nicht selbst so verdammt überzeugend wäre…

      • nuegun Says:

        Haha, der allerletzte Nebensatz war entweder mit das Eingebildetste, was du seit langem gesagt hast oder ein Freudscher Verschreiber ^^

        Die Yoda-Ewok-Verbindung ist stimmig. Außerdem hat der Film “Ich bin dein Vater” (ein Satz der so wortwörtlich übrigens nicht im Film vorkommt).

        Andererseits gibt es in der neueren Populärkultur den Trend, vieles düsterer zu gestalten. Meiner subjektiven Auffassung nach gibt es auch mehr Unhappy Endings heutzutage. (Note: Diese Aussage wird von keinerlei Quellen unterstützt)

  6. elrond100 Says:

    Liebend gerne würde ich es sehen, dass du Recht hast mit deiner Einschätzung und ich finde die Argumente recht überzeugend.

    Ich glaube aber weiterhin fest, dass Wizards ihre Superbösewichter nicht wieder aufleben lassen, um sie dann ein für alle mal zu vernichten.

    Wir wollen Phyrexianer, weil sie die Antagonisten für Magic schlechthin sind und daher werden sie wohl siegen.

    Denn bei einer Einschäzung bin ich ganz bei dir. Das Ende des Blocks muss für sich stehen. Ein Mirrodin Pure mit nicht gänzlich ausgerotteten Phyrexianern kann ich mir nicht vorstellen.


    • Moment: Die Phyrexianer wären ja nur auf Mirrodin ausgerottet! Dieser Konflikt geht ja “nu” um eine Welt.

      Ich denke, es hat seinen Grund, dass Wizards iimer wieder betonen: Es braucht nur EINEN Tropfen phyrexianischen Öls, und alles geht irgendwo wieder von vorne los… Das ist der “Trost” für die Phyrexia-Fans!

      Wenn Mirrodin verliert, ist es unwiederbringlich verloren. Phyrexia aber kann jederzeit und überall wieder auferstehen. Das ist seine Natur.

  7. jmhajek Says:

    Ich bin noch nicht 100% davon überzeugt, dass es nicht beide geben wird. Nach allen Block-Experimenten könnte ich mir ein alternatives Universum gut vorstellen.


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