Ein prinzipiell unlösbares Problem

(Worüber schreibt der Andi hier eigentlich? Darüber!)

Ich bin weiterhin auf der Suche nach den Ursachen dafür, dass mir The Simple Things so missraten ist, nachdem ich eigentlich schon geglaubt hatte, ich könne unterdessen problemlos gut draft- und spielbare Limited-Umgebungen aus dem Ärmel schütteln.

Als einen Trugschluss habe ich ja bereits meinen Glauben daran ausgemacht, dass sich deutlich unterscheidbare Powerlevel der Karten im Zweidritteldraft (im Gegensatz zum Purchase Draft) sinnvoll nutzen lassen, was mich zu einem Umdenken bezüglich meiner “Erkenntnis”, dass Rares auch hier ihren Platz besäßen, veranlasst hat. (Das heißt nicht, dass ich unterdessen vom Gegenteil überzeugt wäre, sondern lediglich, dass ich nicht mehr von der Wahrheit dieses Umstandes überzeugt bin – anders ausgedrückt: Ich glaube nicht mehr die Antwort darauf zu wissen, weder so noch so herum.)

Als ein weiteres Problem habe ich die Farbverteilung bei Vierpersonendrafts ausgemacht. Bereits in Achtpersonendrafts ist die Anzahl der Entscheidungen, die man in klassischen Umgebungen wie zum Beispiel den Grundsets zu treffen hat, mit zunehmendem Draftverlauf immer geringer. In Vierpersonendrafts wird dieses Problem durch die kürzere Umlaufzeit der Booster noch verstärkt.

Aber warum fiel mir das jetzt erst auf? Nun, von den Draftumgebungen, die ich bereits veröffentlicht hatte, waren nur drei mehr oder weniger klassische Umgebungen, was die Farbverteilung angeht: Klassenkampf, Altbau und Vier Männer im Schnee. Die übrigen experimentierten alle mit der Aufteilung der Karten im Pool auf die Farben herum und umgingen diese Problematik dadurch! Wenn man weniger Farben draftet, so wie in Rorschachs Welt oder in Waterworld, und wie in gewisser Weise auch im Sturm auf Atlantis, wo die Umgebung letztlich in Esper und Gruul zerfällt, wird die Anzahl der Optionen für die Drafter erhöht, weil sie Zugriff auf einen größeren Anteil des Pools für ihre Decks haben. Wenn Magic für Vierpersonendrafts entwickelt worden wäre, würde es möglicherweise nur drei Farben besitzen (vier wäre nicht gut, weil die Farbverteilung dann zu glatt aufginge).

In bunten Umgebungen hingegen (wie vor allem bei Drachenfarben, aber ein wenig auch beim Sturm auf Atlantis), wenn die Spieler mehrfarbige Decks draften, steigt die Anzahl ihrer Optionen logischerweise ebenfalls (und außerdem kann man sich zumindest für seine Nebenfarben erst recht spät entscheiden).

Umgebungen hingegen, in denen die Spieler ermutigt werden, ein- oder zweifarbige Decks aus fünf vorhandenen Farben zu draften – so wie eben in The Simple Things – sorgen dafür, dass der Draft aus Mangel an Optionen viel zu schnell auf Autopilot stattfindet. Das habe ich jetzt verstanden – aber noch einmal die Frage an mich: Warum wird mir das jetzt erst so deutlich bewusst?

Die Antwort ist, dass ich Klassenkampf und Altbau, die ich meinem Artikel als weitere Beispielumgebungen angefügt hatte, nicht wirklich getestet hatte! Deswegen ist es durchaus möglich, dass sie sich ebenso langweilig wie The Simple Things draften (auch wenn ich mir ziemlich sicher bin, dass die Decks sich dann sehr angenehm spielen – DAS kriege ich, denke ich, unterdessen tatsächlich hin, und das war ja auch bei The Simple Things der Fall). Andererseits sind sie auch für Purchase Draft konzipiert gewesen, wo der Draftverlauf zusätzliche Entscheidungsmöglichkeiten offeriert. Vielleicht draften sie sich daher so tatsächlich ganz gut, aber von ihrer Umsetzung im Zweidritteldraft will ich abraten!

Vier Männer im Schnee allerdings macht sowohl beim Draften als auch beim Spielen Spaß, und deswegen bemerkte ich dieses Problem klassischer Farbverteilungen im Zweidritteldraft nicht.

… nur: Vier Männer im Schnee ist leider gar nicht so klassisch in dieser Hinsicht! Tatsächlich enthält es sowohl einen sehr hohen Anteil an Ländern, die für alle Decks relevante Optionen darstellen (der Snow-Mechanik sei Dank!), als auch einen nicht allzu knapp bemessenen Anteil an farblosen Artefakten, für die das Gleiche gilt. Dazu kommt, dass das durch die Hintertür der Snow-Mechanik in diese Umgebung gelangte Manafixing zumindest für ein oder zwei Spieler dreifarbige Decks ermöglicht (und die Entscheidung, ob man zwei- oder dreifarbig spielen will, kann man üblicherweise auch relativ spät fällen).

Vier Männer im Schnee ist daher sowohl ein gutes Stück bunter als The Simple Things, als auch mit einem weitaus höheren Anteil an allgemein nutzbaren Karten versehen.

Der Schluss, den ich daraus ziehen muss, ist dieser: Ungewöhnliche Farbverteilungen sind im Zweidritteldraft nicht die Kür, sondern die Pflicht! Eine gelungene Umgebung benötigt vermutlich mindestens eines dieser Merkmale:

1. Weniger als die üblichen fünf Farben

2. Einen hohen Anteil an farbunabhängigen Karten (Länder, Artefakte)

3. Anreiz und Möglichkeit, bunte Decks (ab drei Farben aufwärts) zu draften und zu bauen

The Simple Things hatte nichts davon, und deswegen hatte man als Drafter zu wenige Optionen. Dass man auf Grund der hohen Varianz im Power Level sich auch noch besonders früh auf seine Farben festlegte und die wenigen Optionen, die man hatte, zu besonders einfachen Entscheidungen führten, hat dieses Problem nur verstärkt.

So zufrieden ich mit Zweidritteldraft als Umsetzung des Booster Drafts für kleine, private Runden allgemein auch bin: Ausgerechnet den ganz klassischen Draft kann ich damit leider nicht zufriedenstellend simulieren, und unterdessen bin ich auch davon überzeugt, dass dies ein prinzipiell unlösbares Problem darstellt, welches sich ohne eine radikale Abkehr vom regulären Draftprinzip nicht lösen lässt!

“Chose two out of three” heißt es doch immer: Eine klassische Limited-Umgebung mit Grundset-ähnlichem Aufbau; Vierspielerdrafts an Stelle von Achtspielerdrafts; ein weitgehend regulärer Draftablauf (im Gegensatz zu zum Beispiel Purchase Draft oder Backdraft).

Is’ schade, aber is’ halt so.

Explore posts in the same categories: General, Next Level Cube

Tags: , , , , , ,

You can skip to the end and leave a response. Pinging is currently not allowed.

5 Comments on “Ein prinzipiell unlösbares Problem”

  1. muerrischemasse Says:

    “Wenn Magic für Vierpersonendrafts entwickelt worden wäre, würde es möglicherweise nur drei Farben besitzen (vier wäre nicht gut, weil die Farbverteilung dann zu glatt aufginge).”

    Also müsste man dann doch einfach nur ein “Grundset” mit drei Farben bauen. Das Draften wäre dann zumindest dem Draften bei einem echten Grundset ähnlich. Und alle Decks die man erdraftet könnten auch genausogut normale Decks aus einem Grundset sein. Das würde doch deinem Ziel zumindest am nächsten kommen. Die Frage wäre eben nur auf welche Farben kann man verzichten.

    Gruß,
    Mürrische Masse


    • Sicher, das wäre eine Lösung (das sage ich ja auch) – aber eben nicht wirklich nahe dran am klassischen Draft.

      Der beste Kompromiss ist vermutlich, den Artefakt-Anteil vorsichtig ein wenig zu erhöhen (aber so, dass Artefakte trotzdem unauffällig im Hintergrund bleiben), das Manafixing ein wenig zu verbessern (Duals als Commons) und den Anteil gut splashbarer Karten ein wenig zu erhöhen (so wie Fireball & Disintegrate, aber gleichmäßig auf alle Farben), damit zweieinhalbfarbige Decks attraktiver werden. Dann noch das Power Level Spektrum verengen. Naja, und auch ein wenig Abstriche an den Draftverlauf machen – also halt an allen Fronten kleine Kompromisse eingehen, so wie bei einer vermittelnden Weltkartenprojektion. Aber gerade eine Farbe will ich natürlich nicht weglassen, denn das wäre der massivste Eingriff.

  2. iyokai Says:

    So, Hallo Andy!

    Nachdem ich für nen gemütlichen Abend bei mir ja schon Waterworld geproxt hatte und der Spaß bei der zweiten/dritten Benutzung doch deutlich abgenommen hat, habe ich für das Treffen der lokalen Spielrunde (siegen-spielt.de) deine Empfehlung beherzigt und Rorschachs Welt (sogar farbig^^) geproxt.

    Während bei Waterworld auch unterschiedliche Enddecks zwar in Themen wie Counter, Affinity oder Flieger zerfallen können, ähneln sich die Abläufe aber eben arg. Rorschachs Welt bot mir, als wir es zu dritt gedraftet haben, während Draft und Spiel mehr wählbare Ansätzte und Spaß. In Zukunft werde ich aber wohl Removal höher picken müssen, um im zweiten und dritten Spiel des Finales nicht praktisch an einen einzelnen Serra Angel abzugeben. :-)
    Aber trotz meiner Misspicks ein dickes Danke/Lob.

    Bisher habe ich, abgesehen von Waterworld, deine Umgebungen nur in diesem einen, episch langen Planet-MTG gefunden.
    Hast du vll noch mehr kreiert und wo wären diese Pools zu finden?

    mfG Iyokai


    • Abgesehen von den beim Planeten veröffentlichten Umgebungen sind das Waterworld (ich habe Dir ja gesagt, das ist keine Umgebung für die Ewigkeit), The Simple Things (leider misslungen aus meiner Sicht) und Sturm of Atlantis (noch nicht getestet, besitzt aber zumindest keines der mir bisher untergekommenen Probleme). DIe letzteren beiden sind in diesem Beitrag hier verlinkt.

      Wenn Du allerdings noch ein paar Tage warten kannst: Die Umgebung, die ich gerade selbst benutze, ist vermutlich meine bisher beste! Bunt, komplex, abwechslungsreich… und bereits ausführlich getestet! Ich muss nur die Zeit finden, sie zu veröffentlichen. (Erinnere mich gerne noch mal daran!)

  3. iyokai Says:

    Neuer Spieltermin ist sowieso noch nicht vorgesehen, also werde ich wohl freudig auf DIE Umgebung warten.

    *erinnere Andi*


Leave a Reply

Please log in using one of these methods to post your comment:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s