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Rückzug, ein weiterer

July 10, 2011

Tja, gerade habe ich meinen ersten Anlauf zu einer Einleitung dieses Eintrags gelöscht, weil mir aufgefallen ist, dass ich eigentlich alles schon einmal gesagt habe. Seitdem ist es nur noch schlimmer geworden (zumindest in der deutschsprachigen Community; die englische verfolge ich nicht mehr genau genug, um dies feststellen zu können, aber zumindest kann ich auch keine Anzeichen erkennen, dass es dort anders wäre).

Was auf PlanetMTG und Magic Universe zusammen veröffentlicht wird, reicht (nach Aussortierung des Ausschusses und nachgereichtem Lektoriat der MU-Artikel) gerade einmal, um EINE Magic-Seite mit Content auf akzeptablem Niveau zu füllen – und auch dies nur, weil Tobi bei der Getsaltung des Programms beim Planeten immer stärker auf die Methoden seiner Frühzeit als Editor zurückgreift, als er – damals noch bei Magic Universe – das Grundgerüst des Contents selbst erstellte und durch Gastautoren nur ergänzte. Aufgehört hat er, wie es nach einer missverständlichen Ankündigung seinerseits einmal erwartet wurde, zwar nicht; aber er betreibt schon seit längerem in offensichtlicher Weise einen inneren Rückzug – sein Elan ist aufgebraucht, und es ist nicht erkennbar, dass er noch irgendwelche weiteren Ziele verfolgte, als den nur noch durch seine Trägheit in Bewegung verbliebenen, jedoch langsam ausrollenden Koloss PlanetMTG in dessen bisheriger Spur zu halten. Bei Magic Universe wiederum haben die Editoren hingegen längst das Editieren aufgegeben.

Und wieso sollte es auch anders sein? Für wen erscheinen diese Artikel denn eigentlich noch? Für die Michael Moormanns und mufl0ns der Szene? Wo ist das Publikum geblieben, welches Qualität zu würdigen wüsste oder gar einforderte? Weshalb also sich noch Mühe machen?

MagicBlogs ist als Nachfolger in die Fußstapfen von GerMagic als Plattform für  – nun ja, Magic-Blogs – getreten und demonstriert deutlich, wieso der Begriff PLATTform lautet. Die höchst geringe Frequenz dort erscheinender Einträge muss eigentlich als Segen betrachtet werden, ganz besonders, wenn man sich die neue M12-Review von moony ansieht, die nicht etwa nur belanglos, sondern sogar schädlich ist, weil aus demjenigen Drittel seiner Leserschaft, welches von Magic noch weniger versteht als der Autor, einige Leute diesen absolut haarsträubenden Unsinn möglicherweise sogar glauben. Wer gehofft hatte, dass möglicherweise in diesen Blogs eine neue Generation Artikelschreiber heranwächst, der sieht sich schmerzhaft enttäuscht: Tatsächlich sind sowohl Quantität als auch Qualität der Magic-Blogs noch in weit stärkerem Maß zurückgegangen, als bei den Magic-Artikeln! Deswegen machen die großen Magic-Seiten auch den Eindruck, als wenn sie nur noch künstlich beatmet würden: Es ist so. Der Brainpool der Szene ist so stark geschrumpft, dass er seine Spitzen nicht mehr versorgen kann.

Mein Rückzug aus Magic als kompetetivem Spiel ist längst abgeschlossen. Der Niedergang des Spiels selbst hält an, beschleunigt sich aber zumindest zuletzt nicht mehr deutlich. Doch der andere wichtige Anreiz neben dem Spiel selbst, sich in der Magic-Community umzutun – nämlich die Community – befindet sich im freien Fall. Aus Gewohnheit / Tradition / Nostalgie / naiver Hoffnung bin ich zwar zuletzt immer noch regelmäßig in dieser Community unterwegs gewesen, aber unterdessen ist das Missverhältnis zwischen dem Zeitwaufwand dafür, sowie den zahlreichen Enttäuschungen und Ärgernissen, welche ich dort vorfinde, einerseits; und den wenigen interessanten oder gar erfreulichen Dingen andererseits so groß geworden, dass ich nicht mehr im Stande bin, es zu ignorieren.

Deswegen klinke ich mich nun aus. Da ich mich in der einen oder anderen Weise weiterhin mit Magic beschäftigen werde, bedeutet dies nicht, dass ich Zeromagic komplett aufgäbe; aber die Häufigkeit meiner Einträge wird weiter abnehmen. Vor allem aber werde ich die enge Anbindung an die Community lösen, sowohl inhaltlich, als auch strukturell. Zeromagic wird weiterhin ein Ort sein, an dem ich meine privaten Ideen und Ansichten zum Thema Magic kundtue oder von  meinen persönlichen Erfahrungen mit diesem Spiel berichte, aber der Bezug zu anderen Teilen der Community wird verloren gehen. Anstatt eng mit ihren wichtigsten Knotenpunkten verwoben zu sein, wird Zeromagic zu einer abgelegenen Insel werden – zwar erreichbar, aber abseits der Hauptwege; und keine Zwischenstation mehr, sondern eher ein Übergang in andere Gefilde. Zeromagic ist fortan kein von mir betriebenes Magic-Blog mehr, sondern ein Blog von mir, in dem ich über Magic schreibe – ein Unterschied, der subtiler erscheinen mag, als er ist.

Wer sich für meine trotzdem noch gelegentlich geäußerten umfassenderen Ansichten zum Thema Magic interessiert, der sei auf meinen Twitter-Account verwiesen, auf dem ich immer mal wieder zu Magic-bezogenen Themen Stellung beziehe. Wer sich allgemein für meine Ansichten oder auch für von mir verfasste Belletristik interessiert, der sollte sich zusätzlich auch auf meinem Hauptblog Ein Platz für Andi umsehen. Insbesondere möchte ich jedem meinen Fantasy-Fortsetzungsroman Die Anstalt von Arkheim ans Herz legen, der bereits über 50 Kapitel erreicht hat, aber sich trotzdem noch in den allerersten Anfängen einer nach und nach aufgebauten epischen Erzählung befindet. Das solltet Ihr nicht verpassen!

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Die Rückkehr der überflüssigen Set-Reviews

April 30, 2011

Chh ist vor einiger Zeit nach einem knappen Jahrzehnt Abwesenheit wieder in der Magic-Szene aufgetaucht, und er scheint diese Zeit wohl in einem Stasisfeld verbracht zu haben: Diese Art sinnlose  Pseudo-Artikel, bei denen man den dafür nötigen geistigen Aufwand mit einem Elektronenrastermikroskop suchen muss, waren in der deutschen Magic-Szene eigentlich – zum Glück! – bereits ausgestorben!

Aber da ist es wieder alles: Das “Erster”-Syndrom, welches einen dazu zwingt, etwas zu schreiben, bevor man etwas zu sagen hat; die Rückkehr zu der unsäglichen R&D-Skala, welche selbst dort auf Grund ihrer fundamentalen Unzulänglichkeiten seit Jahren nicht mehr in Gebrauch ist; die sinnfreie Auflistung aller Karten nach Farben und Alphabet; die aussagelosen Kurzkommentare, deren Informationswert in Schnitt geringer ist, als wenn man stattdessen den Kartentext noch einmal in Großschrift wiederholte (nicht, dass dies nicht gelegentlich effektiv sogar der Fall wäre!); der oberpeinliche gescheiterte Versuch, lässig und witzig zu formulieren, der nur noch deutlicher herausstreicht, dass dieser Artikel letzlich nur aus unübersichtlich präsentierten Kartenbildern besteht; sowie die Weigerung, die selbstgewählte Skala wenigstens konsequent zu benutzen (wenn zum Beispiel eine zwar marginale, aber offensichtliche SB-Option gegen Infect-Decks wie Defensive Stance eine 0,0 erhält)… wenn Jürgen Klopp nicht heute Deutscher Fußballmeister geworden wäre, müsste ich ja befürchten, mich in eine Zeitmaschine verirrt zu haben!

Ich weiß nicht, wann ich zuletzt auf dem Planeten einen derart veröffentlichungsunwürdigen Artikel gelesen habe. (Glücklicherweise war es ja nicht viel zu lesen; die Karten kannte ich ja schon!) Nächstes mal bitte, wenn man schon artikeltechnisch in die Vergangenheit zurückreisen möchte, einfach den guten alten Visual Spoiler für die Leute wiederbringen, die zu dumm, zu faul oder zu uninformiert sind, Gatherer zu benutzen – der ist wenigstens übersichtlich und hübsch anzusehen!

Oh, und vielleicht kann jemand aus NRW ja bei Tobi sicherheitshalber eine Elektroschocktherapie vornehmen? Ich kann nicht fassen, dass ein eigentlich kompetenter Editor sich dazu herablässt, einen derartigen Mist auf der von ihm betreuten Seite zu präsentieren! (Und das, nachdem er doch neulich erst belegt hat, dass er doch durchaus schlechte Artikel auch ablehnt!) Ich zwicke mich lieber noch einmal… Dortmund Meister, okay, damit komme ich klar – aber das hier?#

(Nachtrag: Vielleicht sollte ich ja in diesem Zusammenhang hierauf verweisen. Das hätte igentlich der Grabgesang auf diee Art Artikel sein sollen, und einige Jahre hat das ja auch funktioniert…)

Ein guter Artikel, und eine anscheinend notwendige Interpretation

February 8, 2011

Torben Thies schreibt in seinem aktuellen Kalenderblatt zum SCG-Artikel von Gavin Verhey: “Schreiber, die sich so etwas trauen, müssen belohnt werden.”

Da hat er Recht, und deswegen verlinke ich diesen Artikel hier auch noch einmal!

In der deutschen Magic-Szene (natürlich gilt diese Erkenntnis weit über diese Szene hinaus) ist es weiterhin üblich, bekannte Pros mit guten Artikelschreibern gleichzusetzen. Das führt einerseits dazu, dass mäßige oder sogar miserable Texte von Pros allgemein gelobt und deren Aussagen kritiklos übernommen werden; andererseits dazu, dass ordentliche Texte eher unbekannter Schreiber oft härter und häufig ohne Grundlage inhaltlich kritisiert werden; schließlich auch dazu, dass gute Artikel von unbekannten Schreibern übersehen werden. Der dritte Punkt gilt leider auch für mich, denn bei dem Überangebot von Lesemöglichkeiten im Netz muss man einfach irgendeine Vorauswahl treffen. Um so schöner, wenn Torben mit einer aussagekräftigen Kurzbesprechung dazu beiträgt, dass man einen solchen lesenswerten Artikel findet!

Erstaunlich finde ich allerdings die Aussagen, dass der Text nicht wirklich verstanden wurde, und zwar deswegen, weil sie ausgerechnet von Torben und von Tobi stammen, denen ich doch eigentlich Leseverständnis zutraue. Gavins Grundaussage ist unterhaltsam und überzeugend verpackt, aber letztlich recht simpel, und er hat sie sogar ausdrücklich in den Text selbst hineingeschrieben:

Being comfortable will get you killed.

I only know I fell in love with the idea of loving you.

Oh, und das Fazit befindet sich sogar bequemerweise im Titel:

Breaking Up (Is Hard To Do)

Einfach darum geht es: Man arrangiert sich zu oft mit Dingen, bei denen man sich nur einredet, dass man mit ihnen wirklich glücklich ist. Man belügt sich selbst, weil man damit kurzfristig zufriedener ist, als wenn man die Mühe auf sich nimmt und die damit verbundene Unsicherheit riskiert, einen eigentlich notwendigen Neuanfang oder Umbruch zu wagen. Das gilt bei einer eingefahrenen Beziehung ebenso, wie beim Festhalten an einem Petdeck.

Auf Dauer ist die Bequemlichkeit der Gewohnheit jedoch nicht genug – der Partner oder das Deck muss etwas Substanzielles darüber hinaus anbieten. Der Wunsch, einen geeigneten Partner zu finden; das Bedürfnis, ein für ein Turnier geeignetes Deck zu finden: Bei beiden darf man nicht über das Attribut GEEIGNET hinwegsehen, weil man damit glücklich ist, sich einreden zu können, ihn oder es GEFUNDEN zu haben.

Tut das Deck wirklich das, was es soll? Hat der Partner in der Beziehung wirklich etwas zu bieten? Oder bieten beide jeweils nur gerade so viel, dass es einem schwer fällt, sich von ihnen zu trennen?

Der vermutlich schwerstverständliche Teil des Artikels ist die Aufforderung “Tell me a story”, die der Autor an seine Freundin richtet. Das liegt daran, dass hier nicht etwa die eigentliche Entscheidung fällt, wie der Autor seiner Freundin und wohl auch dem Leser suggeriert, sondern dass er sie lediglich illustriert: Die Freundin hat dem Autor nicht wirklich etwas zu bieten. Aufgefordert, ihm eine Geschichte zu erzählen, verfällt sie erneut nur in das Verhaltensmuster ihm das zu sagen, von dem sie annimmt, dass er es hören will. Sie macht es ihm nur leichter, sich selbst zu belügen.

Being comfortable will get you killed.

Die Augen vor der Realität zu verschließen, ist auf lange Sicht unangenehmer. Der Partner erfüllt die ursprünglich in ihn gesetzten Erwartungen nicht. Das Deck ist schlicht nicht so stark gegen das Metagame, wie man es gehofft hat. Man redet sich ein, dass man doch eigentlich zufrieden ist, aber dann passieren immer wieder diese Streits, die jedes Mal wieder aus dem Nichts zu kommen scheinen, obwohl man doch eigentlich genau weiß, dass sie Ausdruck tiefer liegender Probleme sind; und dann passieren immer wieder diese Niederlagen, die man auf Topdecks des Gegners schiebt, obwohl man längst ahnt, dass letztlich das eigene Deck dafür verantwortlich ist, dem Gegner diese Topdecks noch zu ermöglichen.

Breaking up is hard to do… but often necessary.

Wenn Ihr immer wieder mit scheinbaren Kleinigkeiten unzufrieden seid, hinterfragt Eure generelle Zufriedenheit, da Ihr sie Euch vermutlich selbst nur einredet, weil Ihr zufrieden sein WOLLT.

Don’t just fall in love with the IDEA of falling in love.

Darum geht es in diesem Artikel.

Wie man es NICHT macht

January 29, 2011

Und wieder einmal erscheint ein neues Magic-Set, von welchem die meisten von Euch vermutlich gerade Booster öffnen, während ich diese Zeilen hier tippe. Ich beneide Euch nicht: Selbst wenn man bei den Prereleases ausnahmsweise doch wieder mit englischen Karten spielen würde, bin ich mir nicht sicher, ob ich bei Mirrodin Besieged dabei wäre – zu meiner Abneigung gegen Sealed-Deck-Turniere kommt diesmal sowohl die selbst für moderne Magic-Maßstäbe überdurchschnittliche Bombenlastigkeit des Environments hinzu, und obendrauf diese furchtbare Poison-Mechanik, sowie zur Krönung das Kozept der Fraktionsbooster, dem ich zwar unter dem Promotion-Gesichtspunkt dieses Events etwas abgewinnen kann, das ich aber für das tatsächliche Spielerlebnis nur negativ bewerten kann. (Ich frage mich übrigens, ob es nicht sowohl unter den Promotion-Aspekt, als auch mit Hinblick auf den Spielspaß nicht besser gewesen wäre, Mirrormatches zwischen den Fraktionen zu vermeiden – also immer nur Mirraner gegen Phyrexianer zu paaren – aber vermutlich wären die organisatorischen Hürden dafür wohl zu hoch.)

Wenn ich die Artikelsituation im Netz mit der vor sieben Jahren vergleiche, als der originale Mirrodin-Block erschien, so fällt mir zunächst einmal positiv auf, dass weit weniger unqualifizierte Previews zu sehen sind! Aber ja, mir ist schon klar, dass dieses Positivum ein Nebeneffekt des ansonsten negativen Umstandes ist, dass heute überhaupt weniger Magicschreiber aktiv sind, und zwar leider nicht deswegen, weil nur noch die besseren veröffentlicht würden, sondern weil das Angebot insgesamt knapp ist – qualitativ sogar noch mehr als quantitativ.

Was nämlich vorhanden ist, ist letztlich nicht lesenswert. Das fängt mit Florian Kochs “Entscheidungshilfe fürs Prerelease” an: So relevant die Fragestellung, mit der er sich beschäftigt, auch ist – er macht ansonsten so ziemlich alles falsch, was man falsch machen kann!

Seine Herangehensweise ist diese: Er gibt den Commons aus Mirrodin Besieged Schulnoten und ermittelt daraus Durchschnittswerte. Ob ein solcher pseudo-mathematischer Ansatz überhaupt eine sinnvolle Herangehensweise ist, darüber ließe sich bereits streiten, aber so, wie Florian vorgeht, ist es auf jeden Fall Humbug!

Zunächst einmal kann jedes Ergebnis, welches er uns am Ende präsentiert, nicht besser sein, als die Kompetenz, mit der er seine Statistik mit Daten befüttert. Da geht es aber bereits los: Sein Bewertungssystem ist völlig aus der Luft gegriffen. Da er Durchschnittswerte bildet, müsste seine Skala folgende Rückschlüsse erlauben: Eine 1er Karte und eine 3er Karte sind zusammen so stark wie zwei 2er-Karten, und eine 2er und eine 6er-Karte so stark wie zwei 4er-Karten. Ich garantiere Euch, dass Florian sich bei seiner Schulnoten-Skala auch nicht das kleinste Fitzelchen Gedanken darum gemacht hat – das merkt man seinen Bewertungen und Begründungen deutlich an! Man beachte auch, dass er zahleiche Bewertungen wie “4-” oder “2+” vornimmt, ohne dass diese Abstufungen, die ihm doch offenbar wichtig sind, in der Endabrechnung berücksichtigt würden! Wieso verwendet er beim Bewerten eine 18er-Skala, beim Berechnen aber eine 6er-Skala? Richtig: Weil er nicht für 5 Sekunden darüber nachgedacht hat, was er da eigentlich tut.

Dann sind da die Bewertungen selbst und ihre Begründungen. Ich zitiere ein paar der “schönsten”:

Füller der solideren Art, wenn man sich das vom Tempo her erlauben kann.

Dann wohl doch lieber Flameborn Hellion.

Setzen.

Der Name ist Programm.

Wie immer gilt: Es ist absolut legitim, aus der Qualität der Begründungen auf die Qualität der Bewertungen zu schließen!

Man merkt auch deutlich, dass die Verhältnismäßigkeit zwischen den Noten nicht gegeben ist. Ja, auch ich halte Quicksilver Geyser für sehr stark – aber wie kann diese Karte eine bessere Note als Burn the Impure erhalten? Wieso landet Fangren Marauder gleich zwei Noten über Tangle Mantis? Warum gilt das auch für Razorfield Rhino über Gnathosaur? Wie gelangt man mit der Begründung “Die meisten Sealed-Decks werden kaum aggressiv genug sein, um das hier zu rechtfertigen. Wenn doch ist es vermutlich eine richtig gute Karte” zu einer 5, mit “Ab vier Equipments kann man wohl darüber nachdenken. Sonst eher eine Verzweifelungstat” jedoch zu einer 4? Selbst wenn Florians Rechnung prinzipiell Sinn ergäbe, könnte er mit solchen willkürlichen Bewertungen keine brauchbaren Ergebnisse erwarten.

Aber darüber muss man sich gar keine weiterführenden Gedanken machen, denn natürlich ergibt seine Rechnung schon auf Grund ihrer Konzeption keinen Sinn. Florian mittelt die (von ihm definierte) Spielstärke der MB-Commons nach Fraktion geordnet. Aber was hat das eigentlich mit der Frage zu tun, mit welcher Fraktion man beim Prerelease vermutlich ein stärkeres Deck bekommt? Folgendes lässt er alls dabei außer Acht:

1. Die Stärke eine Sealed-Pools (und das gilt ganz besonders in diesem Block!) hängt maßgeblich von den Uncommons und Rares (und Mythics, jaja) darin ab. Der Anteil der Commons in einem typischen Sealed-Deck ist üblicherweise deutlich geringer, als der Anteil der Commons im Pool, und sie tragen üblicherweise auch noch anteilig weniger zur Spielstärke des Decks bei. Bereits das macht Florians Herangehensweise eigentlich schon wertlos.

2. Der durchschnittliche Spielwert aller Commons in einem Set ist nicht im geringsten ein Indikator dafür, wie spielstark diejenigen Commons sind, die man tatsächlich in seinem Deck spielt!  Ganz, ganz grob geschätzt, kommen beim Sealed-Deckbau mit 6 Boostern sowieso nur die besten 50% der Commons in Frage – die übrigen könnten genau so gut allesamt One with Nothing, Wood Elemental oder Sorrow’s Path heißen. Im SOM-Block ist der Anteil der tatsächlich genutzten aus allen in Frage kommenden Commons aus zwei Gründen noch einmal besonders gering: Einmal die Artefakte, die jedem Spieler unabhängig von seiner Farbwahl zur Verfügung stehen; zum anderen die bereits angesprochene Bombenlastigkeit des Formats. Und obendrauf kommt dann auch noch der Witz mit den Fraktionsboostern, der tendenziell ebenfalls für ein Überangebot an in Frage kommenden Karten sorgt!

Herrlich übrigens, in welch mathematisch geradezu schmerzhafter Weise sich Florian dieses Problems annimmt, wenn er nicht etwa die besten x % der Commons jeder Fraktion miteinander verglicht, sondern diejenigen mit einer Mindestbewertung! Um Euch die komplette Idiotie dieses Ansatzes vor Augen zu führen: Nehmen wir an, die Mirraner besäßen genau eine Karte, die eine 1 verdient und ansonsten ausschließlich 6er, und Phyrexia besäße zehn 2er-Kandidaten, sowie zehn 3er und ansonsten ebenfalls nur 6er. Dann erhielten die “spielbaren” Mirran-Karten nach Florians absolut brillianter alternativer Berechnungsmethode einen Durchschnittswert von 1.0, und Phyrexia läge abgeschlagen mit einer Note von 2.5 dahinter… Ja, das IST so dumm, dass es weh tut – aber genau das hat Florian gemacht!

3. Die durchschnittliche Spielstärke per Fraktion quer durch die Commons aller Farben hat ebenfalls kaum etwas mit der durchschnittlichen Spielstärke aller Commons zu tun, die man tatsächlich spielt, wenn die verschiedenen Fraktionen gewisse Farben bevorzugen sollten. Ich denke, wir können gesichert davon ausgehen, dass Mirran hauptsächlich RW spielen wird und Phyrexia hauptsächlich BG – ach ja, und Phyrexia weniger Artefakte… Eine ungewichtete Berücksichtigung aller Karten gibt also wiederum nicht ihren tatsächlichen Einfluss auf die Stärke des Gesamtpools wieder. (Das ist ein grundlegendes Problem dieser Methode, da man es ohne Einbeziehung ihres erwarteten Ergebnisses nicht lösen kann – siehe Punkt 6.)

4. Florian benotet und betrachtet die 3 MB-Booster unabhängig von den drei Scars-Boostern, die jeder Spieler ebenfalls erhält. In einem dermaßen Synergie-aufgeladenen Environment, wie es dieser Block im Limited darstellt, ist eine solche Kartenbewertung im Vakuum natürlich besonders problematisch.

5. Bei Karten, die “im richtigen Deck” stark sind, vergibt Florian schwache Noten (siehe Ardent Recruit, Concussive Bolt oder Training Drone). Das stellt eine weitere Überhöhung des systematischen Fehlers aus Punkt 2 dar: Diese Karten spielt man natürlich nur dann, WENN sie gut sind! Abgesehen vielleicht von CE bauen Spieler ihre Sealed-Decks doch nicht mit einem Zufallsgenerator, sondern suchen nach Synergien! Hier stößt das Durchschnittswertsystem an seine systematischen Grenzen.

6. Und dann kann man seine Bewertungen auch noch mit systematischen Fehlern füttern… Florian zum Beispiel geht strikt davon aus, dass man mit Phyrexia eine Infect-Strategie spielen MUSS, und dementsprechend passt er seine Kartenbewertungen an. So bekommt man natürlich am Ende der Rechnung auch genau das Ergebnis heraus, das man von Anfang an antizipiert hat! Ginge man das Ganze stattdessen unter der Annahme an, dass Phyrexia stark genug sei, um sowohl Infect- als auch Nicht-Infect-Strategien zu ermöglichen und bewertet die phyrexianischen Karten dann entsprechend besser… abrakadabra, dann erhält man als Ergebnis plötzlich auch, dass Phyrexia mit seiner durchschnittlichen Kartenqualität stark genug ist, um beide Strategien zu unterstützen!

Zusammengefasst: Dieser Artikel war absolut sinnlos und überflüssig. Florian hat versucht, eine inhaltliche Analyse des Sets (die zugegebenermaßen wahrscheinlich mehr Zeit und Mühe gekostet hätte, als er vor dem Prereleasetermin hätte aufbringen können) mit Augenwischer-Mathematik zu ersetzen, und das Ergebnis ist leider nichts weniger als dumm und peinlich (wenn auch sehr schön optisch aufbereitet).

Nichtsdestotrotz war es zumindest eine originelle Herangehensweise an ein spezielles Thema. Im Vergleich dazu bietet uns Christoph Hölzl eine “gute alte” Retro-Card-by-Card-Analyse (wahrscheinlich ist Chh irgendwann nach dem originalen Mirrodin-Block in eine Zeitmaschine gestiegen und macht jetzt einfach mit dem weiter, was er von damals noch kennt).  Ist die ihm besser gelungen als Florian sein Fraktionenvergleich?

Nun, das Ergebnis ist weder dumm und peinlich – wenn man das als Mindestmaßstab für einen Preview-Artikel anlegt, kann man also zufrieden sein. Positiv ist anzumerken, dass Chh zu den einzelnen Karten auch tatsächlich etwas Sachbezogenes zu sagen weiß (im Gegensatz zu den Worthülsen, die Florian als “Begründungen” gegeben hat), und dass er sich auch bemüht, ihre Rolle im Gesamtenvironment anzusprechen.

Nichtsdestotrotz verbleibt er doch sehr im Vagen und Selbstverständlichen – er trifft eigentlich kaum Aussagen, die sich im Nachhinein als falsch erweisen könnten! Durch dieses auf Nummer Sicher Gehen enthält sein Artikel wenig wirklichen Informationsgehalt. Außerdem kommt der analytische Aspekt des Ganzen zu kurz – Chh sagt etwas zu den einzelnen Karten, aber er teilt uns nicht die Schlüsse mit, die er daraus zieht. (Möglicherweise kommt das in einem späteren Teil seiner Reihe noch, aber das ändert halt nichts daran, dass es diesem hier dadurch an Mehrwert mangelt.) Sein Text ist größtenteils einer zum Durchnicken – es bleibt nichts hängen, was einem das Gefühl gibt, etwas gelernt zu haben, oder das Bedürfnis, es auszudiskutieren oder zu -probieren. Man kann ihm zwar keine größeren Fehler vorwerfen – aber ist das Existenzberechtigung genug für einen Artikel, nicht schlecht zu sein?

Zumindest für mich ist es das nicht, und Chh ist ja auch kein Schreiberneuling, der sich über handwerklich solide Arbeit noch an inhaltlich gehaltvolle und unterhaltsame Texte herantasten müsste. Nein, auch dieser Artikel ist letztlich überflüssig.

Da dieser Beitrag bereits wieder endlos lang ist, belasse ich es bei diesen beiden Beispielen und wende mich meiner abschließenden Frage zu: Ja, wie zum Teufel kann man es denn dem Pischner nun Recht machen?

Nun, die auführliche Antwort darauf kennt Ihr ja schon. Die für diese Fälle gültige Kurzfassung lautet: Schreibt dann, wenn Ihr auch etwas zu sagen habt, und nehmt Euch die dafür notwendige Zeit! Chhs Artikel ist schelmisch mit “Erster!” angekündigt – vermutlich in direktem Bezug auf meine damalige Kritik am Erstveröffentlichungswahn bei Previews – aber auch heute noch gilt: Macht es nicht besonders früh, macht es besonders GUT! Eine Woche später wird ein erfahrener Spieler wie Chh sicherlich mehr und Tiefgründigeres zu sagen haben als unmittelbar nach Erscheinen des offiziellen Spoilers. So lange lohnt es sich dann auch zu warten! Und für Florian gilt: Wenn man die Zeit (und/oder die Kompetenz) nicht besitzt, um etwas Sinnvolles zu schreiben, dann ist es besser, seine Zeit anderweitig zu nutzen, anstatt Unsinn zu verzapfen! (Ich gehe jetzt einfach einmal davon aus, dass Florian nicht in erster Linie für die Entlohnung geschrieben hat – wenn doch, dann macht Tobi da etwas ganz Grundlegendes falsch!)

Ich will nicht MEHR Magicartikel,  ich will BESSERE. (Und das gilt nicht nur hier.) Trotz aller meiner Bemühungen, meine auf Magic-Seiten verbrachte Zeit zurückzufahren, ist es immer noch zu viel. Dann möchte ich aber wenigstens das Gefühl haben, dass es sich gelohnt hat!