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Conflux als Katharsis

February 3, 2009

(Warnung: Dieser Beitrag wird vermutlich in einen mehr oder weniger unzusammenhängenden Rant ausufern!)

Ich habe zwar kein Conflux-Prerelease gespielt, aber ich lese natürlich trotzdem neugierig, was die Leute so darüber schreiben. Ich sehe ja meine Befürchtungen bestätigt: Rupture Spire ist also, wenn schon nicht die beste, so doch zumindest die zweitbeste Common? Sagt das nicht alles über dieses Format aus?

Der Witz ist allerdings, dass es vielen Leuten trotzdem – oder sogar WEGEN – seiner absurden Buntheit so viel Spaß macht. Bei dem Versuch diese Denkweise nachzuvollziehen, stieß ich auf diesen Artikel von Kelly Digges auf Daily MTG. Dessen Ansichten kulminieren letztlich in folgendem Abschnitt:

I gasped and did the math—with exactly eight mana, there was no way for him to win it that turn, and Progenitus had him dead on my next attack. We laughed about it for a good solid minute. What a great giant monster match! How do you lose with Flameblast Dragon and Hellkite Overlord in play in a Sealed Deck match? Progenitus, that’s how!

It was a fantastic moment, and we got to share it with the crowd that had gathered around us when Progenitus hit play. As he moved on to the next gunslinger, Kevin summed it up perfectly:

“That,” he said, smiling, “is why we play Magic.”

Nun, das ist ganz bestimmt NICHT der Grund, warum ICH Magic spiele! Besonders beeindruckende Kreaturen müssen für mich auch wirklich etwas Besonderes sein. Coolness lässt sich nicht via Zellteilung beliebig vermehren.

Als Brian Kibler damals in seinem Fires-Deck Rith the Awakener spielte und damit auch noch erfolgreich war, war das ein dermaßen unerhörter Vorgang, dass er dafür den Beinamen “Dragonmaster” erhielt. SOLCHE Momente sind es, in denen mich große Kreaturen beeindrucken – unerwartet, weil selten. Verdammt noch mal, eine Fantasy-Welt besteht aus vielleicht zehn Millionen Goblins, aber nur aus hundert Drachen! Wenn an Stelle von den Goblins jetzt die Drachen zum gewohnten Anblick werden, dann ist es ja klar, dass eine Kreatur gefunden werden musste, welche die Drachen zu Goblins macht. Nennen wir sie eben “Progenitus”.

Conflux, so furchtbar ich es finde, ist jedoch ein heilsamer Schock für mich. So, wie man allergische Reaktionen durch übermäßigen Kontakt mit dem Allergen abstumpfen lassen kann, hat mir dieses bunte Set umgekehrt ermöglicht, Magic wieder mit nüchterneren Augen zu sehen, und mir die Kraft gegeben, einige Trennungen zu vollziehen.

Damit es hier keine Missverständnisse gibt: Ich liebe dieses Spiel, und das hier ist bestimmt kein Abschiedsblog! Wohl aber trenne ich mich von einer Reihe Karten, mit denen ich nicht wirklich zu spielen vorhabe. Das beste Beispiel ist wohl das Cruel Ultimatum. Ich hasse diese überkandidelte Protzerkarte, und insbesondere hasse ich sie dafür, dass ich sie nicht ignorieren kann, weil sie tatsächlich in einer Turnierumgebung ihren Wert bewiesen hat!

…aber genau da liegt der Denkfehler: Wenn ich mich doch nicht mehr als Turnierspieler verstehe, dann kann mir das doch völlig egal sein! Tatsächlich aber habe ich bisher genau den falschen Weg gewählt. Nachdem meine (nie besonders große) Hoffnung, die Ultimaten würden sich allesamt aufgrund ihrer absurden Manakosten als unspielbar erweisen, ausgerechnet von der Grixis-Version zerstört wurde (die anderen Effekte sind ja wenigstens noch entweder elegant oder originell, aber das Cruel Ultimatum ist nichts weiter als eine fantasielose und völlig überzogene Aneinanderreihung einzelner Effekte), habe ich zähneknirschend diese Karte in meine private Sammlung integriert, und wenn ich das schon mit derjenigen Version tat, die mir am widerwärtigsten war, dann konnte ich auch gleich von den übrigen ein oder zwei Stück behalten. Tatsächlich steckte ich sie sogar in ein paar Decks, um erwartungsgemäß festzustellen, dass sie sich genau so beschissen spielten, wie zu vermuten war: Entweder verstopften sie nutzlos die Hand, oder sie gewannen auf eine Art, die spätestens beim zweiten mal einfach nur langweilig war, das Spiel.

Conflux jedoch hat mich gerettet, und hier ist wohl besonders das Fusion Elemental hervorzuheben: Das geht einfach GAR NICHT. Als ich überlegte, welche Conflux-Karten wie gut sind, kam ich auf den Gedanken, dass das 8/8-Vanilla-Elementar möglicherweise sogar besser ist als die hochgelobten Child of Alara und Maelstrom Archangel. Nein, sicher bin ich mir da keinesfalls, aber alleine schon der Umstand, dass ich es für möglich hielt, ließ mich innehalten: Ist das die Zukunft von Magic, wo eine WUBRG-Uncommon es in Turnierdecks schaffen könnte? Vielleicht ist sie das. Aber wo bleibt da der Zauber der fünffarbigen Karten?

Ich machte gedanklich einen Schritt zurück. Was mochte ich an Magic? Grizzly Bears mochte ich. Warum? Weil sie die archetypische Weenie-Kreatur schlechthin sind. Weil sie das Spiel in Runde 2 beginnen lassen und Druck aufbauen, der ein strategisches Gegengewicht zur schieren Power deutlich teurerer Kreaturen darstellen.

Ich mag Manakurven. Ich mag es, erste Runde Savannah Lions, zweite Runde White Knight, dritte Runde Paladin en-Vec zu legen. Einmal, weil ich so jede Runde etwas tue. Zum anderen aber, weil ich so das Gefühl habe, dass ich meine Machtbasis kontinuierlich aufbaue.

Für mich sind Kreaturen und Sprüche in Magic eine Pyramide. Die Basis bilden ganz viele billige, bescheidene Zauber. Zur Spitze hin werden sie nicht nur immer stärker, sondern auch immer schwieriger zu sprechen. Deswegen sind sie seltener. Oder sollten es zumindest sein.

Ich hänge nicht an den Grizzly-Bären an sich. Der neue Powerlevel der Kreaturen, welcher sich über Watchwolf und Wren’s Run Vanquisher definiert, ist okay für mich. Ich fand es auch gut, als zu Zeiten von Kamigawa mit den Drachenlegenden so ungefähr zum ersten Mal Sechs-Mana-Kreaturen gedruckt wurden, die mit einer gewissen Regelmäßigkeit in Turnierdecks auftauchten – “nie” und “selten” ist schließlich nicht das Gleiche, und große Kreaturen, deren Manakosten ehrlich bezahlt wurden, waren in langen Epochen der Magic-Geschichte nahe dran an “nie” zu sehen gewesen.

Was ich aber nicht sehen will, sind Cruel Ultimatum und Fusion Elemental oder Maelstrom Archangel als Tournament Staples! Für mich ist ein Drache etwas Besonderes. Alles, was noch besonderer ist (und die Manakosten sollten eigentlich ein Maßstab dafür sein), muss für mich eine absolute Ausnahme darstellen. Und wenn jemand in Australien bei einem FNM erfolgreich Progenitus ausgespielt hat, dann will ich, dass im ganzen Netz deswegen die virtuellen Hände über dem Kopf zusammen geschlagen werden! Erinnert sich noch jemand an die Elder Dragon Legends (eine davon hieß übrigens “Nicol Bolas”)? Die Dinger ware NICHT zum Ausspielen da – sie waren dazu da, dass man davon träumte, sie eines Tages auszuspielen!

Ach ja, DAMALS. Als Planeswalker noch keine Karten waren, weil die SPIELER die Planeswalker waren…

Aber leider ist das nicht mehr die Realität. Ebenso wie Cruel Ultimatum werden auch WUBRG-Karten bald in Turnierdecks ein gewohnter Anblick sein. Planeswalker sieht man ja sowieso schon überall. Was kann ich da schon dran ändern?

Und wieder der Denkfehler: Ich MUSS doch gar nichts daran ändern! Casual, das bedeutet doch, mit den Karten zu spielen, mit denen man auch spielen will, nicht wahr? (Leider bedeutet es nicht auch, dass man nur GEGEN Karten spielt, gegen die man auch spielen will.) Also, wozu behalte ich die blöden Ultimaten, wenn ich sie doch nicht leiden kann? Damit ich für ein Standardturnier (falls ich jemals wieder eines spiele) ein Deck bauen kann, dessen Existenz mich ankotzt?

Ja, es hat wirklich erst Conflux gebraucht, bis ich klar gesehen habe, dass ich mich als Nicht-Turnierspieler einfach von denjenigen Aspekten von Magic trennen kann, die mir nicht gefallen. Deswegen heißt es nun: Weg mit den Ultimaten! Weg mit den Brücken (Dregde ist sowieso kein Deck, sondern eine Durchfallerkrankung)! Und weg mit den Planeswalker-Kopien Nummer 3 und 4 – zwei Stück davon sind ja noch okay, aber wenn ein ganzes Deck darauf aufbaut, immer wieder den selben Planeswalker zu Hilfe zu rufen, dann übertreibe ich es mit der Redundanz vor lauter Angst, nicht das stärkestmögliche Turnierdeck bauen zu können! Ab jetzt gilt: Wenn ich mit dem Kartenpool, mit dem ich Magic spielen möchte, kein konkurrenzfähiges Turnierdeck mehr bauen kann, dann lasse ich es eben sein und schenke mir die Turnierteilnahme!

Wenn ein Deck eine Karte dermaßen dringend benötigt, dass es sie vier Mal spielt, obwohl sie legendär ist, dann stimmt etwas mit diesem Deck oder mit dieser Karte nicht. Okay, dass mit Umezawa’s Jitte etwas nicht stimmt, ist ja keine neue Erkenntnis, aber dass ich, wenn ich mehr als zwei davon für das Turnierspiel benötigte, es lieber einfach sein lasse, das schon! Wenn mein Deck mit nurmehr 2 Jitten (und entsprechendem Ersatz, wie zum Beispiel Sword of Fire and Ice) nur noch zu 90% leistungsfähig ist, dann kann ich das verkraften – meine leistungsorientierte Magic-Phase ist schließlich vorbei. Wenn es aber plötzlich nur noch 60% aufbringt, tja – dann lasse ich es halt!

Von nun an behalte ich nur noch Karten vier Mal, die ich auch tatsächlich vier Mal ziehen will, und zwar nicht aus Gründen der Redundanz, sondern weil es auch tatsächlich sinnvoll ist, sie auszuspielen. Deckkonzepte, welche so stark von einzelnen Schlüsselkarten abhängig sind, dass sie deren Redundanz in Kauf nehmen, machen mir eh keinen besonderen Spaß – also wozu benötige ich diese Karten?

Magic besitzt auch dann noch eine riesige strategische Vielfalt, wenn man auf solche auf Schlüsselkarten beruhenden Strategien verzichtet. Howling Mine, Swans of Brynn Argoll, Heartbeat of Spring – das sind alles Karten, die man nur ziehen will, wenn man sie mit ganz bestimmten andere Karten kombiniert. Sicher, mit Turbostasis, Schwäne- oder Heartbeatkombo kann oder konnte man Turniere gewinnen – aber wenn es mir darum doch gar nicht mehr geht? Eine Kombo herunterzumasturbieren, das hat mir noch nie wirklich Spaß gemacht. Na schön, vielleicht in den allerersten Tagen von Enduring Renewal / Goblin Bombardment / Shield Sphere, als das Prinzip einer 3-Karten-Kombo, die auf Turnieren tatsächlich funktionierte, noch neu war (Prosperbloom war mir schon immer zu zäh gewesen), aber seitdem nicht mehr (und auch damals habe ich lieber Disenchant dagegen in ein “richtiges” Deck gesteckt). Und dann war da noch die Geschichte mit Pandanought, als ich voller Begeisterung war, weil ich mein eigenes Kombodeck erfunden hatte – aber auch nicht einmal lange genug, um es dann tatsächlich zu spielen.

Ich glaube, es war dann ein Jahr später Replenish, welches mir Kombo endgültig verleidete: Man zog entweder seine Schlüsselkarten, oder man zog sie nicht, und wenn man dagegen spielte, zog man entweder genügend Sideboardkarten dagegen, oder nicht. Die ganze Partie Magic reduzierte sich auf einmal auf ein oder zwei potenzielle Interaktionen, während der Großteil der Karten in beiden Decks letztendlich egal war.

Das ist kein Magic für mich! Eine Partie Magic, das ist ein ständiger Kampf, von spätestens der zweiten Runde an, und unter Einbringung aller Ressourcen beider Spieler! Weder ein Tendrils of Agony im Constructed noch ein Progenitus im Sealed dürfen im Mittelpunkt stehen. Von Anfang an sollen beide Spieler agieren und reagieren.

So will ich also Magic spielen, und deswegen brauche ich einen großen Teil meiner Karten nicht mehr! Savannah Lions oder Simic Sky Swallower; Fireblast oder Opportunity; Stone Rain, Mind Rot oder Counterspell – Magic, wie ich es mag, hat immer noch sehr viel zu bieten. Ich brauche keine Fusion Elemental oder Bridge from Below: Ich verfüge über genügend Finisher für Fünffarbstrategien, die wirklich COOL sind, und ich kann Dredge-Decks bauen, in denen ich damit gewinne, dass ich meine Kreaturen mit Dredge ausspiele und damit angreife.

Auch Conflux hat mir natürlich ein paar Dinge zu bieten. Okay, die tausendste Neuauflage des Hill Giant brauche ich ebenso wenig wie das ganze Fünffarbzeug, aber zwischen all dem phantasielos langweiligen und phantasielos überkandidelten Zeugs verstecken sich auch ein paar nette Karten. So wie Path to Exile (das meines Erachtens grob überbewertet wird, aber nichtsdestotrotz eine starke und vor allem taktisch interessante Karte ist) zum Beispiel, oder Rakka Mar. Und natürlich die Varianten und Ergänzungen zu früheren Themen.

Ich darf mich einfach nur nicht von dem ganzen aufdringlichen Superduperzeugs irritieren lassen. Das hat auch den zusätzlichen Vorteil, dass ich viel weniger investieren muss! Nur, leider machen Wizards jetzt bereits immer unverfrorener einfach gute Karten zu Mythics. Natürlich will ich ein Paar Thornlings (selbst mit diesem einfach unglaublich missratenem Bild), und natürlich zwei Adjudicator! Aber immerhin kann ich auf die Hälfte der Mythics diesmal komplett verzichten, und Apocalypse Hydra, Nicol Bolas und Malfegor genügen mir auch jeweils einmal – damit ist mein Bedarf an Highend-Karten definitiv gedeckt! Auch von den Rares spare ich mir über ein Drittel komplett. Als Turnierspieler hätte ich ja wohl vier Exotic Orchard gebraucht… Ach übrigens: Hält eigentlich wirklich jeder außer mir Martial Coup für gut? Ich rede ja nicht über Limited hier… Wer will denn einen Wrath spielen, der SIEBEN Mana kostet? Das ist mir selbst im Casual zu scheiße!

Überhaupt ist dieses “x>=5”-Thema dermaßen infantil und einfallslos… aber naja, Banefire erfüllt immerhin einen sinnvollen Zweck (wobei es seine Fähigkeit auch einfach generell hätte kriegen können), und Apocalypse Hydra ist halt die erste X-Kreatur, bei der sich große X wirklich lohnen (auch hier hätte man die Counter ruhig bei jedem X verdoppeln können – dafür wäre die aktivierte Fähigkeit verzichtbar gewesen).

Den Preis für die Karte, die mir, für sich genommen, die meiste Übelkeit verursacht, erhält übrigens Blood Tyrant – wie plump ist das denn? Ohne diesen blöden Nachsatz wäre die Karte ja noch halbwegs nett gewesen – im Multiplayer ist sie doch so oder so eine Bombe!

Den Preis für die primitivste und offensichtlichste Kundenverarsche hingegen erhält Cylian Sunsinger. Immerhin haben sie diesmal noch davor zurück geschreckt, die Relentless-Rats-Fähigkeit auf eine Rare zu drucken…

Okay, genug gerantet für heute! Eigentlich soll dieser Beitrag hier auch noch einmal eine letzte Dosis Gemecker vor einer wahrscheinlich etwas längeren Funkstille auf diesem Blog einleiten – ich habe mir eigentlich vorgenommen, mich in der nächsten Zeit mehr mit anderen Dingen zu beschäftigen (und was Magic angeht, da stehen eh noch ein paar Artikel an).

Eigentlich. Naja.

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Besseres zu tun

November 28, 2008

Wenn ein Kommentator nichts Besseres zu tun hat, als unter einem privaten Blogeintrag dessen Autor zu fragen, ob er denn nichts Besseres zu tun hätte, als seine Einträge zu verfassen… nun, dann habe ich normaler Weise Besseres zu tun, als auf diesen Hirntod-verdächtigen Umstand hinzuweisen (was Tobi dann netterweise für mich getan hat). Allerdings passt diese Geschichte diesmal einfach zu gut als Überleitung zu einem etwas anderen Thema:

Auf GerMagic konnte man in den letzten Tagen ein interessantes Phänomen beobachten: Erst entstand dort eine Handvoll inhaltsloser Ersteinträge kurz hintereinander. Dann verfassten einige etablierte Schreiber eine Handvoll Beiträge, deren Inhalt sich im Wesentlichen darauf beschränkte, diese Inhaltslosigkeit anzuprangern.

Großes Kino! Haben die denn alle nichts Besseres zu tun? Nun, diese Frage zielt in die falsche Richtung! Jemanden zu fragen, ob er denn nichts Besseres zu tun hätte, als ein Blog zu führen, in dem er schreibt, was immer ihm gerade durch den Kopf geht, das ist einfach widersinnig. “Du führst Tagebuch? Hast Du denn nichts Besseres zu tun?” Man kann doch ohne größere geistige Verrenkungen annehmen, dass es dem Autor – aus welchen Gründen auch immer – wichtig ist, seine Gedanken niederzuschreiben, und auf welcher Grundlage soll man das kritisieren?

Diese Grundlage ist natürlich GerMagic! Durch dessen Art der Präsentation als “MTG Blogs” misst diese Seite solchen Blogs einen Stellenwert zu, den sie nicht verdienen. Auch GerMagic ist natürlich eine Privatseite (und EBs Weigerung, diesen Umstand durch das Schalten von Werbung in Frage zu stellen, ist so ziemlich das Einzige, was ich an ihm sympathisch finde), aber durch ihren Stellenwert und wohl auch selbst gewählten Anspruch als DAS deutsche Magic-Portal hat sie den Bereich des bloßen privaten Vorsichhinwurstelns eindeutig verlassen. Was hier zuoberst auf der Frontseite mit einer kurzen Textvorschau verlinkt wird, das wird nicht einfach nur verlinkt, das wird PRÄSENTIERT. Die umfassenden Verlinkungen befinden sich im “MTG Pop” Bereich, aber mit “MTG Blogs” wird eine Auswahl vorgenommen, die eine zumindest partielle Identifikation von GerMagic und damit effektiv eine Empfehlung bedeutet.

Als mir EB vor ein paar Monaten anbot, mit Zeromagic auf “MTG Blogs” umzuziehen, lehnte ich dies hauptsächlich aus folgenden Gründen ab: Einmal hatte ich kein Bedürfnis, mit GerMagic (und damit letztendlich mit EB) identifiziert zu werden, und zum anderen wollte ich nicht Teil einer Auswahl sein, die nicht nach qualitativen Kriterien getroffen wurde, sondern danach, wer sich von diesem Konzept hatte vereinnahmen lassen. Wie ich damals bereits formulierte:

“MTG Blogs wird von Blogeinträgen überschwemmt, die schlicht und einfach nicht lesenswert sind. Das führt nur dazu, dass ich auch die paar lesenswerten nicht mehr lese, weil ich keine Lust habe, in diesem Riesenhaufen Verbalmüll danach zu suchen!”

und

“EB hat es Leuten ermöglicht, mit dem selben geringen Aufwand ein Blog zu betreiben, mit dem man einen Forenthread vollspammt, und die Ergebnisse sind vergleichbar. Diejenigen Blogger, die sich mit ihrem Blog tatsächlich Mühe geben, gehen unter. Das ist genau das Gegenteil von dem, was ich mir wünsche!”

An wen muss jetzt also der Vorworf gehen? An die ganzen “Hallo Welt, hier bin ich, und sobald ich weiß, worüber, werde ich auch ganz doll viel schreiben”-Blogger, oder an diejenige Seite, welche sie auf einer viel zu exponierten Plattform vorbehaltlos präsentiert und damit die ambitionierteren Autoren dazwischen entwertet? Mit Bereichen wie dem “DeckCheck” oder “MTG Pop” hat GerMagic qualitative Maßstäbe gesetzt, die eine entsprechende Erwartungshaltung auch an anderer Stelle erzeugen. Wenn hier Einträge in “MTG Blogs” faktisch empfohlen werden, dann müssen sie sich an dieser Erwartungshaltung messen lassen, was gegenüber privaten Bloggern, die ohne groß darüber nachzudenken von der Möglichkeit Gebrauch gemacht haben, sich hier bequem einen öffentlichkeitswirksamen Platz im Internet zu sichern, unfair ist und zwangsläufig zu Enttäuschungen beim Leser, sowie zu Verstimmungen bei etablierten Schreibern führt.

Den Platz an der Sonne (also unter den prominenten Verlinkungen oben auf der Seite) bei GerMagic sollten sich Blogger erst einmal verdienen müssen! Wären sie nur unter ferner liefen bei “MTG Pop” verlinkt, dann würde sich niemand darüber aufregen. Auch eine kurze Sektion “neu gestartete Blogs”, welche den Lesern die Möglichkeit gibt, Neulinge aufzufinden und erst einmal anzutesten, würde keine Missverständnisse aufkommen lassen (vorausgesetzt, sie verdrängt nicht ebenfalls die empfehlenswerten Blogs). Ohne eine qualitative Auswahl jedoch besteht der Unterschied zwischen “MTG Blogs” und “MTG Pop” im Wesentlichen nur aus dem “Seht her, all diese Blogger habe ich unter meiner Fittiche versammeln können – meine Weltherrschaft steht unmittelbar bevor!”-Faktor, da sie Autoren ausschließlich dafür belohnt, sich von GerMagic bemuttern zu lassen, was wenn überhaupt im Zweifelsfall eher Indiz für MANGELNDE Qualität ist (da der Bloggende bei der Einrichtung seines Blogs weniger Eigenleistung erbringen musste) als anders herum.

Noch ein paar Worte zu einem ganz anderen Thema: Trash hatte wieder einmal nichts Besseres zu tun, als einen Videowalkthrough zu verbrechen. Ich bleibe dabei: Ich will seine Gedanken ausformuliert LESEN, nicht HÖREN, und die Karten aufgelistet bekommen, nicht an Hand verschwommener Bilder erraten müssen! Kurz hinein geschaut habe ich: Dass Trash wegen seiner irrationalen Abneigung gegen diese Karte Covenant of Minds nicht einmal erwähnt, das ist schon ärgerlich, aber den Rhox Charger zu nehmen, ist auf jeden Fall zumindest eine vertretbare, wenn nicht sogar einfach die richtige Entscheidung (ich hätte es auch gemacht). Ansonsten beweist Trash, dass man in Gegensatz zu den anders lautenden Behauptungen von Phips durchaus mit Naya Drafts gewinnen kann! Sein Deck hat dann aber doch für meinen Geschmack ein wenig zu viel Mana – 17 Länder, 2 Druid of the Anima, 1 Steward of Valeron, 2 Sunseed Nurturer, 1 Sacellum Godspeaker, 2 Cycler – man kann es auch übertreiben! 1 Nurturer und ein Land (oder vielleicht besser 2 Nurturer, um keine Farbsicherheit aufzugeben) kann man hier gewiss cutten, um die Gefahr, nach einem Resounding Thunder auf Rakeclaw Gargantuan und Bone Splinters auf Cavern Thoctar plötzlich nur noch mit Manaproduzenten dazustehen, ein wenig zu verringern.

Ansonsten aber ist Trashs Deck, ebenso wie die zuletzt von Phips ein schönes Beispiel dafür, wie man Shards draftet: Mit einem klaren Schwerpunkt auf zwei (befreundeten) Farben, aber ohne die zusätzlichen Optionen, welche einem die dritte Farbe bietet, zu verschmähen. Mensch, ich kann mich erinnern, dass dieser Ansatz bereits in den allerersten Alara-Reviews erörtert worden war – was ist da bloß passiert, dass wir bestimmt einen Monat Zeit damit verschwendet haben, fünffarbige Monstrositäten zu draften, die im Prinzip nur aus Charms und Manafixing bestanden? Als ich zur Zeit von PT Berlin mich auf dem Nachhauseweg mit Toffel unterhielt, fragte er mich, ob ich irgendwelche wichtigen Erkenntnisse aus meinen Drafts gezogen hätte, und ich wusste in destillierter Form nichts Besseres zu sagen als “2-Drops sind wichtig!” Naja, meinte Toffel, das sei ja selbstverständlich, und ich stimmte ihm zu… Warum eigentlich war es NICHT selbstverständlich? Warum hatten Topspieler wie Charly, Phips (und zwischenzeitlich, wenn ich die damalige Coverage richtig verstanden habe, sogar auch Trash) in Runde 2 und 3 nichts Besseres zu tun als Fatties zu cyclen und Obelisken zu legen?

Auch in Alara ist die zweite Runde dazu da, Boardpräsenz zu zeigen (oder zumindest die gegnerische zu einzudämmen). Man kann Bären legen, oder Manabeschleunigung (was bedeutet, Druid of the Anima), oder man kann mit Agony Warp oder Magma Spray gegnerische Bären oder Manabeschleunigung eliminieren. Dafür wiederum benötigt man das passende Mana. Mit ein paar Triländern schafft man das noch bis hoch zur Dreieinhalbfarbigkeit, bei entsprechend weniger Manafixing sollte man nicht mehr als zweieinhalb Farben in Angriff nehmen. Es ist nun einmal so, dass weder Panoramen noch Obelisken eine Hilfe dabei sind, 2-Drops zu legen!

Oh doch, ich bin mir sicher: So weit waren wir schon direkt nach dem Prerelease! Wie konnte es nur passieren, dass diese grundlegenden Einsichten so lange in Vergessenheit geraten sind bzw. ignoriert wurden?