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Mein erster Winston-Draft

March 19, 2009

Ich habe gestern zum ersten Mal Winston gedraftet. Das glaube ich wenigstens. In meinen frühen Magic-Jahren habe ich mit einer Menge Draftvarianten herumexperimentiert, und wenn es Winston (oder eine Vorform davon) damals schon gegeben hat, habe ich es bestimmt auch einmal ausprobiert. In jedem Fall aber besaß ich keine konkrete Erinnerung mehr daran, deswegen macht es eh keinen Unterschied – praktisch war es mein erstes Mal.

Anlass waren natürlich meine Conflux-Displays, die ich nicht einfach so öffnen wollte. Stattdessen lud ich ein paar Magic-Spieler zum Zocken zu viert bei mir ein. Wie das so häufig kommt, waren wir dann aber stattdessen zu dritt: Olaf, endjian und ich. Drei ist natürlich eine blöde Zahl, und deswegen gaben wir Winston eine Chance.

Um es noch einmal kurz zu rekapitulieren: Aus drei Boostern pro Spielern werden die Karten verdeckt gemischt. Es gibt drei verdeckte Stapel – ich nenne sie A, B und C. Auf jeden dieser Stapel legt man zuerst eine Karte. Man draftet reihum. Wer an der Reihe ist, schaut sich zunächst die Karten in Stapel A an. Diese nimmt er dann oder legt sie zurück. In jedem Fall erhält dieser Stapel dann aus dem Hauptstapel eine weitere Karte (wurden die Karten genommen, ist sie die einzige). Nimmt der Drafter die Karten aus A nicht, wiederholt er diese Prozedur mit B, und dann mit C. Wenn ihm die Karten aus C auch nicht zusagen, nimmt der Spieler die oberste Karte vom Hauptstapel. Sobald er Karten genommen hat, ist der nächste Drafter an der Reihe.

Ich hatte einfach keine Ahnung, wie ich hier vorgehen musste. Olaf ging es genau so – nur endijian kannte das Format bereits. Immerhin hatte ich aber eine Vorstellung davon, wie man Conflux-only draften müsste, nämlich prinzipiell fünffarbig (aber natürlich mit Schwerpunkten auf einigen Farben). Daher griff ich mir im Zweifelsfall immer die Manafixer (bekam aber fast nie welche zu sehen, zumindest was Artefakte und Länder angelangt – ein Kaleidostone, den ich mir auch nahm, war da einfach absolut alles) und nahm ansonsten das Beste aus allen Farben und im Zweifelsfall immer den größten Stapel (nach Abzug etwaiger darin befindlicher Basic Lands natürlich). Basic Landcycler griff ich mir allerdings auf Sicht und erhielt so 2 Fiery Fall und je ein Absorb Vis, Sylvan Bounty und Traumatic Visions.

Am Ende stellte ich fest, dass ich im Wesentlichen RGw war, mit Minisplashs von je einem Land für Skyward Eye Prophets, die aktivierte Fähigkeit des Viashino Slaughtermaster und die Domainfähigkeiten von Dragonsoul Knight und Paragon of the Amesha. (Ach ja, und Manaforce Mace.) Das unterstützte ich mit den beiden Fall, der Bounty und zwei Exploding Borders, mit einer Landverteilung von 6/5/4/1/1 für RGWUB. Ich hatte eine gute Kurve, mit zwei Tukatongue Thallid, Viashino Slaughtermaster, Cylian Sunsinger und Nacatl Outlander, sowie einigen 3-Drops. Am oberen Ende befanden sich Rakka Mar, Skyward Eye Prophets und Nacatl War-Pride. 2 Might of Alara unterstützen meine aggressive Kurve.

Endijian hatte ebenfalls fünffarbig gedraftet, wenn er auch schwerpunktmäßig in Esper lag, aber mit mindestens 2 Kaleidostone, 1 Armillary Sphere und 1 Mana Cylix, sowie 1 Unstable Frontier war er in der Lage, zum Beispiel auch seine Matca Rioters ohne Forest im Deck auszuspielen. Einmal überrannte ich ihn rasch, aber in den beiden anderen Spielen stotterte mein Deck – einmal blieb ich Ewigkeiten auf 5 Ländern stehen, während er mit Fleshformer mein Board abräumte, und nachdem ich diesen endlich entsorgen konnte, hatte er einen zweiten Fleshformer. Im anderen Spiel kriegte ich seinen aktiven Fleshformer nicht vom Tisch und zog zu wenige Kreaturen. Grixis Slavedriver und Sedraxis Alchemist machten dann die Spiele dicht. Beide Niederlagen waren knapp und hätten bei einem guten Draw Step von mir auch zu meinen Gunsten ausgehen können (insbesondere war endijian immer in Exploding Borders Reichweite). Ein Spiel habe ich aber vermutlich verschenkt, weil ich auf 5 Ländern zu lange das Fiery Fall in meiner Hand behielt anstatt es zu cyclen und meine Hand leerzuspielen, auch wenn ich dann seinen Fleshformer hätte liegenlassen müssen. Auch ansonsten habe ich vermutlich einfach nicht gut gespielt.

Gegen Olaf wiederum gewann ich 2 zu 1. Olafs Deck war vierfarbig (ohne Grün) und zeigte sehr unterschiedliche Gesichter. Einmal überrannte er mich mit UW Beatdown (Vedalken Outlander, Gwafa Hazid, Esper Cormorants, Traumatic Visions auf meine nächste Kreatur, Absorb Vis FTW). Gegen endijian gewann er dann zwei Mal mit Malfegor…

Im Nachhinein bin ich überzeugt, dass ich das beste Deck hatte. Endijians Deck war doch eher ein Haufen, mit zu vielen marginalen Karten (er hat seine Kaleidostones effektiv immer nur gecycled, aber nie für Mana benutzt, und weder Mana Cylix noch Grixis Illusionist finde ich besonders maindeckwürdig), während Olafs Deck eine sehr hohe Kartenqualität besaß (und gut gespielt wurde – wenn mein Gegner tatsächlich nachdenkt, bin ich gleich automatisch im Nachteil!), aber halt ein wenig bunt und daher klobig war. Meine Manabasis und -kurve waren wohl jeweils am solidesten, und mit Doppel-Might und Doppel-Borders hatte ich, ebenso wie mit meinen beiden Domain-Kreaturen und dem Mace, sowie Rakka Mar und dem War-Pride, auch gute Lategame-Optionen. (Und die Filigree Fracture im Hauptdeck war eine sehr gute Idee und bewies in dem Spiel, in dem ich sie zog, auch ihren Wert.)

Die interessante Frage aber lautet: WIESO hatte ich das beste Deck? Mein Verdienst war es jedenfalls nicht. Im Gegenteil: Seine besondere Stärke (nämlich, dass es im Wesentlichen zweieinhalbfarbig war) ließ sich überhaupt nicht auf gezielte Draftentscheidungen von mir zurückführen (abgesehen vielleicht von den beiden Borders, die ich ganz zum Schluss in dem Bewusstsein nahm, dass RG wohl meine Hauptfarben sein würden). Ich hatte eigentlich immer noch buntes Zeug eingesammelt.

Die Antwort lautet: Eine Mischung aus Glück und “Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte”! Olaf und endijian basierten beide ihre Decks auf Esper und beraubten sich dadurch gegenseitig der Möglichkeit, diese Strategie konsequent umzusetzen. Ich profitierte davon, indem ich grüne und rot-grüne Karten auf dem Silbertablett serviert bekam, ohne es zu merken. Außerdem hatte ich das Glück, als Manafixer früh die beiden Fiery Fall nehmen zu können, als sie gerade nachgelegt worden waren, und ebenso Rakka Mar.

Letztlich war aber der entscheidende Faktor derjenige, dass Olaf und endijian einander beim Draft auf die Zehen getreten waren, und ich denke nicht, dass das ihre Schuld war. Wenn ich das richtig verstanden habe, gilt es als einer der Vorteile beim Winston Draft, dass man auch bei sehr wenigen Draftern die Decks der anderen Spieler nur teilweise einschätzen kann, weil man nur einen Teil der Karten sieht. Diese fehlenden Informationen bedeuten aber eben auch, dass man sich nicht auf die übrigen Drafter einstellen kann, und demenstprechend auch nicht in andere Farben ausweichen kann. Ich frage mich, welche Auswirkungen das bei anderen Sets hat – Conflux ist ja so bunt, dass eine strikte Aufteilung der Farben nicht ganz so wichtig erscheint.

Übrigens denke ich, dass auch bei normalen Drafts, trotz aller dort vorhandenen Möglichkeiten, Signale zu geben und zu lesen, und selbst dann, wenn sich nur kompetente Spieler am Tisch befinden, die dies auch tatsächlich tun, solche Situationen sehr häufig entstehen: Farben oder Farbkombinationen werden over- oder underdraftet, ohne dass dies die Schuld eines unaufmerksamen oder unflexiblen Drafters wäre, einfach weil die Booster so ausfallen, und Spieler stehen am Ende mit überlegenen Decks dar, ohne sich diese wirklich verdient zu haben. Draft besitzt gewiss eine deutlich geringere Glückskomponente als Sealed Deck, aber man sollte nie vergessen, dass der Zufall immer noch eine sehr maßgebliche Rolle spielt.

Oh, und Gwafa Hazid, Profiteer ist vielleicht die beste Karte des Sets… wenn man sie im Draft weitergibt! Vielleicht findet sich ja ein Spieler, der sie nicht nur draftet, sondern sogar in sein Deck steckt und sogar noch benutzt – wie gut ist das denn?

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Diskussionsfortführung

February 7, 2009

Wenn ein Kommentar zu lang wird, muss er eben ein Blogeintrag werden… Hier antworte ich auf Dinge, die Kommentatoren zu diesem Eintrag hier gesagt haben.

Zunächst noch einmal das Zitat eines Kommentators aus MTGSalvation, das ich für sehr aufschlussreich halte:

WotC did not want to make half-pack gravity feeds. Wal-Mart and Target demanded it. They’ve demanded it for years. Almost every other product that has gone into mass market in the past few years has had to have half-pack gravity feeds, even for games so small that the additional printing cost was extremely expensive for them. Mass market average shelf space for trading cards has gone down, and if you want to get into mass market these days, gravity feeds are it.

The only way Magic has been able to get away with not having gravity feed product for this long is because it’s, well, Magic. But it looks like whether it was the recent layoffs, the large decrease in sales from 2007 to 2008, corporate pressure from Hasbro, or just WM and Target finally really cracking down and threatening to remove 15-pack boosters from their stores, WotC has had to finally give in.

So no, these are not made for you. They’re not even really meant for Wal-Mart and Target consumers. They are meant for Wal-Mart and Target corporate purchasers so they’ll continue to keep Magic on the shelves. Because mass market sales are way, way too big to lose.

Again, the fact that this product exists means WotC has lost a fight to mass market. It’s not really a good sign. The best we can hope for is it gives them some positive economic results.

Dann zu einzelnen Postern:

Teardrop: Zu Preisvergleichen ziehe ich selbstverständlich nicht den Sekundärmarkt oder den grauen Markt heran. Deswegen sind die Preise von Magic Universe und Miracle Games (Sponsor von PlanetMTG) mein Maßstab, nicht Ebay oder irgendwelche Tauschbörsen.  Wenn man über Preise von Fernsehern spricht, zieht man ja auch nicht Privatverkäufe von Gebrauchtgeräten oder “vom Laster gefallene” Produkte heran!

Charly: Wenn wir beide keine typischen Turnierspieler sind – wer sonst? Aber wenn Du einen anderen Eindruck hast, hilf mir mal (denn ich habe mein MTGO deinstalliert und kann nicht nachsehen) – wie viele Turniere (alle Formate) finden denn auf Magic Online täglich statt?

Die Anzahl der RL-Turniere kann man hier finden. Leider weigert sich diese Datenbank, die Gesamtzahl aller Turniere in allen Ländern auszugeben. Deswegen habe ich die Gesamtzahl aller Turniere in den USA, Deutschland, Japan, Kanada und Frankreich gesucht und hochgerechnet, indem ich diese Summe mit dem gleichen Faktor multipliziert habe, mit dem man von der Gesamtzahl der für diese Länder registrierten Spieler auf die Zahl der in allen Ländern registrieretn Spieler kommt. (Dieser Faktor ist für die einzelnen Länder jeweils erstaunlich konstant, deswegen hält sich der Fehler bei dieser Hochrechung gewiss in sehr engen Grenzen.

Wer das nachvollziehen will – hier die Anzahl aller Turniere 2008 in den einzelnen Ländern:

USA 55624 – 67,5%
Deutschland 6285 – 7,6%
Japan 6158 – 7,5%
Kanada 6828 – 8,3%
Frankreich 7518 – 9,1%
Summe 82413

(Die Prozentzahlen geben die Anteile der einzelnen Länder an der Gesamtzahl der Turniere in diesen Ländern wieder und dienen dem Vergleich, ob eine Hochrechung der gespielten Turniere in einem Land über die Anzahl seiner in der DCI-Datenbank geführten Spieler ein brauchbares Ergebnis ergibt.)

Hier jetzt die Anzahl der zur Zeit für diese Länder registrierten Spieler in der DCI-Datenbank:

USA 82805 – 67,8%
Deutschland 9733 – 8,0%
Japan 8308 – 6,8%
Kanada 8732 – 7,1%
Frankreich 12617 – 10,3%
Summe 122195

(Die Prozentzahlen geben wieder den Anteil der einzelnen Länder an. Da sich eine ziemlich eindeutige Korrelation mit den vorigen Anteilen ergibt, gehe ich davon aus, dass ich vom Anteil dieser Länder an der Gesamtspielerzahl ausgehend den Anteil dieser Länder an der Gesamtzahl der veranstalteten Turniere mit erträglichem Fehler abschätzen klann. Wem das zu ungenau ist, der muss sich halt die Arbeit machen und alle Länder einzeln anklicken und ihre Turnierzahl aufaddieren!)

Die aktuelle Gesamtzahl aller Spieler in der DCI-Datenbank ist 207784. Die von mir ausgewählten fünf Länder stellen davon also 58,8%. Jetzt gehe ich davon aus, dass in diesen Ländern auch 58,8% aller Turniere stattfinden, und erhalte als Abschätzung für alle Turniere, die 2008 weltweit stattgefunden haben 140158 Turniere. Das sind im Schnitt ca. 383 pro Tag (ja, 2008 war ein Schaltjahr) und 16 pro Stunde.

Okay, Charly, nun die Frage an Dich als regelmäßigen MTGO-Zocker: Wie viele Turniere (alle Formate, wohlgemerkt!) starten pro Stunde im Schnitt auf Magic Online? Mehr oder weniger als 16, oder ungefähr gleich viele? Dann hast Du die Antwort auf Deine Frage. Zumindest in der Tendenz habe ich jedenfalls keinen Zweifel daran, dass MTGO RL-Turniere bald überholen wird. Ob es bereits jetzt so weit ist (nach meiner Erinnerung war man schon zu MTGO 2 Zeiten da nicht allzu weit von entfernt), kannst Du uns sagen!

Handsome etc…: Wie kommst Du darauf, dass mir die marktwirtschaftlichen Zusammenhänge nicht bewusst sind? Ich bin lediglich der Ansicht, dass nur weil etwas marktwirtschaftlich notwendig oder sinnvoll ist, es deswegen noch lange nicht gut fürs Spiel ist! Vielleicht muss sich Magic ändern, um zu überleben – aber wieso soll mir dann das geänderte Magic noch gefallen?

Der Döner um die Ecke bei mir hat seit ein paar Wochen keinen Spieß mit Hähnchenfleisch mehr, nur noch einen mit normalem Hammelfleisch. Seutdem kaufe ich da keine Döner mehr, weil mir Chickendöner viel besser schmecken, und ich mir aus normalem Döner nicht allzu viel mache. Klar, der Laden wird schon seine Gründe gehabt haben, den Hähnchenspieß abzuschaffen, aber soll ich deswegen jetzt den Hammelfleischdöner essen und mir einreden, dass er mir genau so gut schmeckt?

Wieso soll ich mich darüber freuen, wenn Magic sich – egal, ob freiwillig oder durch unüberwindliche Sachzwänge – von seinen bisherigen Standards, deretwegen ich das Spiel liebe, immer mehr abkehrt? Ja, ich freue mich auch über mehr Nachwuchs für Magic. Nein, ich freue mich nicht, wenn dieser Nachwuchs auf die gleiche Art herangezogen wird wie der Nachwuchs von Pokemon oder Yu-gi-oh! und die entsprechende “Spieler”-Klientel hervorbringt (eigentlich sollte doch bekannt sein, dass ein Großteil der jungen Sammelkartenkäufer diese Spieler gar nicht wirklich spielen, sondern die Karten nur als Statussymbole benötigen)!

Dass man übrigens ausgerechnet MIR alles unbesehen glaubte, das ist ja wohl ein Ammenmärchen, oder? Es gibt ja kaum jemanden, der  – egal was er sagt – dermaßen viel Widerspruch herausfordert, egal was er sagt, und wenn es 2+2=4 ist!

Handsome, Du schreibst: “Hätte das Spiel überhaupt noch eine Überlebenschance, wenn es weiter auf seinem hohen Roß säße und auf seiner Marktnische beharren würde? Immerhin ist es ja DAS intellektuelle Sammelkartenspiel für Erwachsene, schon klar. Damit alleine verkauft man allerdings kein Produkt. Dass der Industriestandard IndustrieSTANDARD heißt, hat durchaus seinen Grund!”

…und wieso glaubst Du, dass Du mir damit widersprichst? Genau das sage ich doch! Ich begreife allerdings nicht, wieso Du der Ansicht bist, dass ich diese Entwicklung gut finden muss. ICH vermisse das “intellektuelle Sammelkartenspiel für Erwachsene”, denn das ist das Spiel, das ich liebe. Der Industriestandard der Kundenverarsche und Kiddieabzocke mag sich ja gut verkaufen, aber das ist nicht mehr mein Magic: The Gathering.

Schließlich noch zu Rene Appel: Nein, ich widerspreche mir hier NICHT. (Das tue ich überhaupt sehr selten.) Wo schreibe ich, dass MTGO “böse” ist? Ich habe früher selbst sehr gerne MTGO gespielt, und es ist nicht das Grundkonzept dieses Spiels, sondern es sind seine zahllosen Unzulänglichkeiten, die es mir verleidet haben! Zu diesem Thema finden sich auch reichlich Artikel und Blogeinträge von mir im Netz. MTGO ist nicht böse oder verdammenswürdig, es ist einfach nicht gut genug umgesetzt, um mir noch Spaß zu machen, deswegen habe ich es aufgegeben. Richtig ist, dass MTGO enorm zum Niedergang von RL-Magic beiträgt, aber das macht es nicht böse. Wie ich woanders schon geschrieben habe: Wäre es nicht MGTO, wäre es WOW oder etwas anderes. Ich bedaure das Sterben des RL-Turniermagic, aber ich verteufele deswegen nicht MTGO! Tatsächlich halte ich es für absolut möglich, dass ich eines Tages auf dieser Plattform wieder das regelmßige Magicspielen (insbesondere das Draften) beginnen werde, wenn die Rahmenbedingungen wieder besser passen.

Übrigens ist die Umweltfreundlichkeit virtueller Spiele ein Gerücht! Jemand hat einmal ausgerechnet, welche Umweltbelastung durch die Server und die ganze Infrastruktur des Internets entsteht, und das Ergebnis war erschreckend! Der Artikel müsste sich googlen lassen, aber eigentlich tut das hier nichts zur Sache, deswegen schenke ich mir das.

Keine Ruhe den Verdammten

February 5, 2009

So viel mal wieder zu guten Vorsätzen…

Aber endijian hat (hier) Recht: Zu diesen 6-Karten-Boostern – von deren Existenz ich erst durch ihn erfahren habe, da kann man auch ruhig mal ein Link angeben, damit der arme Zeromant nicht überall suchen muss! – muss ich tatsächlich etwas loswerden:

WÜRG!

Okay, das werdet Ihr erwartet haben, also muss ich Euch wohl erklären, WARUM ich das zum Kotzen finde. Zunächst aber die Fakten, so weit ich sie gefunden habe:

“Yes, this is something new for Conflux: The Six Card Booster. It won’t replace regular booster packs, and it will only appear in mass market stores. The MSRP for the six card booster is $1.99. While we never guarantee the rarities of cards within packs, the expected contents of each 6-card booster is a tips/token card, 1 land, 3 commons, 1 uncommon, and 1 slot that has an equal chance of being rare/mythic, uncommon, or common. You even have a chance of opening a foil card.”

Zunächst einmal das Offensichtliche: Das ist ein deutlich ungünstigeres Kosten-Nutzen-Verhältnis als bei normalen Boostern, insbesondere, was die Chancen, eine Rare oder Mythic Rare zu öffnen, angeht.

Weiterhin sind diese Dinger (bisher) vermutlich nur für den amerikanischen Markt, insbesondere für die Walmart-Läden, konzipiert.

So, und jetzt der Grund, warum mir von den Dingern schlecht wird: Sie sind der Anfang vom Ende! (Nein, NICHT das Ende von Magic, das stirbt nicht, nur keine falschen Befürchtungen/Hoffnungen!) Deswegen, weil sie sich gezielt an Kundschaft richten, die nicht in der Lage ist zu erkennen, dass sie hier einen weit schlechteren Deal als mit “normalen” Boostern erhält. Eine Kundschaft, denen bereits ein normaler Booster zu teuer ist, und die sich deswegen nicht leisten kann, mehr als 2 Dollar für so eine Packung hinzulegen.

Richtig: Diese 6-Karten-Packungen sind ein gezielter Angriff auf das Taschengeld der jüngsten und unmündigsten Käufer! So wie bereits das Konzept der Mythic Rares, und wie letztlich auch die Einführung des neuen überspektakulären Kartentyps Planeswalker, untermauern sie eine Tendenz: MAGIC GIBT AUF! Und zwar gibt es den Versuch auf, eigene Qualitätsstandards zu setzen, sich von ausschließlich durch Kiddie-Verarsche lebenden Spielen wie Yu-gi-Oh! abzusetzen.

“We’re just keeping up with the industry standards”, das ist das relevante Maro-Zitat – es stammt aus seiner Rechtfertigung der Mythic Rares, aber es passt auch hier. Wisst Ihr: Vor einer Dekade noch hat Magic die Standards in der TCG-Industrie GESETZT. Vor 15 Jahren hat es diese ganze verdammte Branche überhaupt erfunden! Heute jedoch, garantiert angetrieben durch die Aktionäre des großen Mutterkonzerns Hasbro, hechelt es seinen Konkurrenten hinterher.

Magic, das TCG für Erwachsene – mit diesem Image wird mittelfristig Schluss sein. Wir Erwachsenen spielen es ja eh immer mehr nur noch virtuell, weil das unserer Erwachsenen-Zeitplanung besser entgegen kommt. RL-Magic braucht die jüngsten Käuferschichten, um zu überleben. Mittelfristig jedenfalls – ob das langfristig genügt, um sich einen hohen Marktanteil zu sichern, ist eine andere Frage.

In der Diskussion um diese Packungen liest man immer wieder Töne wie “was soll’s, entweder wird es halt ein Flop, oder es war offensichtlich eine gute Entscheidung” oder “Wenn Magic auf diese Weise mehr Nachwuchs kriegt, dann ist das doch nur gut!” – aber das ist zu kurz gedacht. Dass alles, was sich gut verkauft, eine gute Idee ist, ist ein kapitalistischer Mythos: Sind Zigarettenpackungen gut? Ist es positiv, wenn der Verkauf von Zigaretten an Jugendliche angekurbelt wird?

Diese Packungen sind eine Kundenverarsche, die sich letztlich nur dadurch rechtfertigt, dass die Kundem sich halt verarschen lassen. Sie sind außerdem, so ganz nebenbei, Umweltverschmutzung – was zum Thema Turnierpackungen vs. Boosterpackungen unter den Tisch fiel, ist der Umstand, dass Booster mehr Müll produzieren als Schachteln, und Mini-Booster sind da natürlich noch schlimmer! Mini-Booster sind aus allen Perspektiven ein beschissenes Produkt, abgesehen davon, dass sie sich wahrscheinlich trotzdem gut genug verkaufen, um ihre Existenz zu rechtfertigen.

Die Qualität eines Spiels wird auch durch seine Produktform bestimmt. Mit der Produktion der Mini-Booster geben Wizards ein klares Statement ab: Die Qualität ihrer Produkte ist ihnen egal, sobald sie sich verkaufen! Natürlich leidet das Image ihrer Marke Magic darunter, aber eben dies ist die Einschätzung, die von den Entscheidungsträgern offensichtlich vorgenommen wurde:  Magic besitzt nicht mehr die Stärke, sich über Qualität und ein gutes Image zu vermarkten. ES MUSS SICH DEN INDUSTRIESTANDARDS ANPASSEN, und die Industriestandards für Sammelkartenspiele definieren deren qualitativen Anspruch irgendwo zwischen Lutschbonbons für die Kleinsten und Zigaretten für die Abhängigen.

Magic hat es endgültig aufgegeben, sich von Yu-gi-oh!, One Piece und Konsorten abheben zu wollen. Es hat Anlauf genommen und stürzt sich mit Schwung in die matschigen Abgründe der Sammelkartenindustrie, die in erster Linie von der Unmündigkeit ihrer Kunden lebt: Von der Unfähigkeit der Kinder, das Preis-Leistungsverhältnis derjenigen Produkte, die sie für ihr Taschengeld erwerben, einzuschätzen; sowie von der Unfähigkeit erwachsener Magic-Spieler, ihre Sucht zu kontrollieren und sich einem Spiel, dessen vollständige Bestandteile immer teurer erworben werden müssen, zu verweigern.

Die Mini-Booster werden zur Zeit als Ergänzung der normalen Produktlinie vermarktet. Was aber, wenn sie stattdessen ein Testballon sind? Was, wenn Wizards feststellen, dass die Gewinnspannem, die sie damit an der Supermarktkasse erzielen, diejenigen, die sie mit “normalen” Boostern machen, übersteigen? (Denn das ist natürlich der Plan – keine wholesale-Preise für Großhändler mehr, der Booster geht direkt vom Hersteller ins Regal!)

Das könnt Ihr Euch selbst beantworten, denke ich. Die Idee von Magic als intellektuellem Sport, bei dem alle Teilnehmer mit einigermaßen vertretbaren Investitionen ihr Rüstzeug erhalten, stirbt. Es geht Wizards am Arsch vorbei, wie schwer Mythic Rares tatsächlich zu bekommen sind, mit der einzigen Ausnamhe natürlich, wenn sich das auf das Kaufverhalten ihrer Kunden auswirkt. Und da sind die Industriestandards ja gesetzt: Superseltene Karten fördern den Verkauf! Nun sind Mythics aus “normalen” Boostern allerdings vielleicht noch nicht selten genug… Die Shards-Planeswalker kosten (abgesehen von dem als Release-Karte erhältlichen Ajani) in Internet-Shops nur zwischen 20 und 30 Euro – das muss doch besser gehen!

Mini-Booster sind Lotterielose. Die Chance, einen Gewinn zu machen, ist gering, aber ihre Kosten sind gering genug, dass man sie einfach trotzdem kauft, selbst dann, wenn man weiß, dass es sich eigentlich nicht lohnt. Zumindest, wenn es keine besseren Alternativen gibt. Ja, Magic wird auch dann in 5 Jahren noch Käufer finden, wenn Mini-Booster die “normale “Produktform geworden sind! Natürlich bedeutet dies dann eine Verschiebung der Kundschaft, weg von den kalkulierenden Turnierspielern hin zu den impulskaufanfälligen Gelegenheitsspielern und eben vor allem zu den mit der Verwaltung ihres Taschengeldes komplett überforderten Kiddies. Die “ernsthaften” Spieler draften dann halt auf Magic Online (Draft mit 6-Kartenboostern… hmm… online werden die sich wohl nicht durchsetzen, dafür sind Drafts eine zu wichtige Einnahmequelle für Wizards, aber natürlich werden sie keinerlei Skrupel haben, virtuelle und reale Produktformen voneinander zu trennen!) Constructed-Turniere erfordern dann einen effektiven “Buy-in” durch den Erwerb der dazu notwendigen Rares und Mythic Rares. Natürlich wird es in diesen Turnieren auch Spieler geben, die es mit Budget-Decks versuchen – das sind dann halt die Opfer des Systems, so wie es heute schon die Budget-Spieler bei Vintage-Turnieren sind, oder die ganzen Möchtegern-Pokerpros bei den Veranstaltungen mit den großen Börsen. Irgendwo muss der Breakeven für die Topspieler ja herkommen, und es ist NICHT die Bank… äh, der Hersteller, meine ich… der draufzahlt!

Ein paar Jährchen wird es noch dauern, dann wird die Trennung endgültig vollzogen sein. Wizards wird öffentlich bekanntgeben, dass sie eingesehen haben, dass der virtuelle und der reale Sammelkartenmarkt unterschiedliche Erfordernisse besitzen und daher unterschiedliche Produktformen verlangen. RL-Magic wird für Kiddies und Sammler produziert werden, mit “Casual” als dem einzigen real existierenden Constructed-Format; und Online-Magic für diejenige Kundschaft, die Wert auf ein anspruchsvolles Spiel legt, was bedeutet Limited (und hier insbesondere Draft), sowie für die semiprofessionellen Zocker, die bereit sind, in Constructed-Rares zu investieren, um dann damit  “infinite” zu gehen.

Nanu – schieße ich hier vielleicht über das Ziel hinaus? Wir werden es ja sehen! Wer allerdings von Euch schon so lange wie ich dabei ist, der sei gefragt: Was hättet Ihr vor der Jahrtausendwende gesagt, wenn Euch jemand erzählt hätte, Magic würde mit virtuellen Karten – die das gleiche kosten wie echte! – bald mehr gespielt werden, als mit denen aus Pappe? Was hättet Ihr gesagt, wenn jemand behauptet hätte, Magic würde eine zusätzliche Seltenheitsstufe einführen und in 6-Karten-Boostern verkauft werden?

The times are a-changing. Read the signs.

Conflux als Katharsis

February 3, 2009

(Warnung: Dieser Beitrag wird vermutlich in einen mehr oder weniger unzusammenhängenden Rant ausufern!)

Ich habe zwar kein Conflux-Prerelease gespielt, aber ich lese natürlich trotzdem neugierig, was die Leute so darüber schreiben. Ich sehe ja meine Befürchtungen bestätigt: Rupture Spire ist also, wenn schon nicht die beste, so doch zumindest die zweitbeste Common? Sagt das nicht alles über dieses Format aus?

Der Witz ist allerdings, dass es vielen Leuten trotzdem – oder sogar WEGEN – seiner absurden Buntheit so viel Spaß macht. Bei dem Versuch diese Denkweise nachzuvollziehen, stieß ich auf diesen Artikel von Kelly Digges auf Daily MTG. Dessen Ansichten kulminieren letztlich in folgendem Abschnitt:

I gasped and did the math—with exactly eight mana, there was no way for him to win it that turn, and Progenitus had him dead on my next attack. We laughed about it for a good solid minute. What a great giant monster match! How do you lose with Flameblast Dragon and Hellkite Overlord in play in a Sealed Deck match? Progenitus, that’s how!

It was a fantastic moment, and we got to share it with the crowd that had gathered around us when Progenitus hit play. As he moved on to the next gunslinger, Kevin summed it up perfectly:

“That,” he said, smiling, “is why we play Magic.”

Nun, das ist ganz bestimmt NICHT der Grund, warum ICH Magic spiele! Besonders beeindruckende Kreaturen müssen für mich auch wirklich etwas Besonderes sein. Coolness lässt sich nicht via Zellteilung beliebig vermehren.

Als Brian Kibler damals in seinem Fires-Deck Rith the Awakener spielte und damit auch noch erfolgreich war, war das ein dermaßen unerhörter Vorgang, dass er dafür den Beinamen “Dragonmaster” erhielt. SOLCHE Momente sind es, in denen mich große Kreaturen beeindrucken – unerwartet, weil selten. Verdammt noch mal, eine Fantasy-Welt besteht aus vielleicht zehn Millionen Goblins, aber nur aus hundert Drachen! Wenn an Stelle von den Goblins jetzt die Drachen zum gewohnten Anblick werden, dann ist es ja klar, dass eine Kreatur gefunden werden musste, welche die Drachen zu Goblins macht. Nennen wir sie eben “Progenitus”.

Conflux, so furchtbar ich es finde, ist jedoch ein heilsamer Schock für mich. So, wie man allergische Reaktionen durch übermäßigen Kontakt mit dem Allergen abstumpfen lassen kann, hat mir dieses bunte Set umgekehrt ermöglicht, Magic wieder mit nüchterneren Augen zu sehen, und mir die Kraft gegeben, einige Trennungen zu vollziehen.

Damit es hier keine Missverständnisse gibt: Ich liebe dieses Spiel, und das hier ist bestimmt kein Abschiedsblog! Wohl aber trenne ich mich von einer Reihe Karten, mit denen ich nicht wirklich zu spielen vorhabe. Das beste Beispiel ist wohl das Cruel Ultimatum. Ich hasse diese überkandidelte Protzerkarte, und insbesondere hasse ich sie dafür, dass ich sie nicht ignorieren kann, weil sie tatsächlich in einer Turnierumgebung ihren Wert bewiesen hat!

…aber genau da liegt der Denkfehler: Wenn ich mich doch nicht mehr als Turnierspieler verstehe, dann kann mir das doch völlig egal sein! Tatsächlich aber habe ich bisher genau den falschen Weg gewählt. Nachdem meine (nie besonders große) Hoffnung, die Ultimaten würden sich allesamt aufgrund ihrer absurden Manakosten als unspielbar erweisen, ausgerechnet von der Grixis-Version zerstört wurde (die anderen Effekte sind ja wenigstens noch entweder elegant oder originell, aber das Cruel Ultimatum ist nichts weiter als eine fantasielose und völlig überzogene Aneinanderreihung einzelner Effekte), habe ich zähneknirschend diese Karte in meine private Sammlung integriert, und wenn ich das schon mit derjenigen Version tat, die mir am widerwärtigsten war, dann konnte ich auch gleich von den übrigen ein oder zwei Stück behalten. Tatsächlich steckte ich sie sogar in ein paar Decks, um erwartungsgemäß festzustellen, dass sie sich genau so beschissen spielten, wie zu vermuten war: Entweder verstopften sie nutzlos die Hand, oder sie gewannen auf eine Art, die spätestens beim zweiten mal einfach nur langweilig war, das Spiel.

Conflux jedoch hat mich gerettet, und hier ist wohl besonders das Fusion Elemental hervorzuheben: Das geht einfach GAR NICHT. Als ich überlegte, welche Conflux-Karten wie gut sind, kam ich auf den Gedanken, dass das 8/8-Vanilla-Elementar möglicherweise sogar besser ist als die hochgelobten Child of Alara und Maelstrom Archangel. Nein, sicher bin ich mir da keinesfalls, aber alleine schon der Umstand, dass ich es für möglich hielt, ließ mich innehalten: Ist das die Zukunft von Magic, wo eine WUBRG-Uncommon es in Turnierdecks schaffen könnte? Vielleicht ist sie das. Aber wo bleibt da der Zauber der fünffarbigen Karten?

Ich machte gedanklich einen Schritt zurück. Was mochte ich an Magic? Grizzly Bears mochte ich. Warum? Weil sie die archetypische Weenie-Kreatur schlechthin sind. Weil sie das Spiel in Runde 2 beginnen lassen und Druck aufbauen, der ein strategisches Gegengewicht zur schieren Power deutlich teurerer Kreaturen darstellen.

Ich mag Manakurven. Ich mag es, erste Runde Savannah Lions, zweite Runde White Knight, dritte Runde Paladin en-Vec zu legen. Einmal, weil ich so jede Runde etwas tue. Zum anderen aber, weil ich so das Gefühl habe, dass ich meine Machtbasis kontinuierlich aufbaue.

Für mich sind Kreaturen und Sprüche in Magic eine Pyramide. Die Basis bilden ganz viele billige, bescheidene Zauber. Zur Spitze hin werden sie nicht nur immer stärker, sondern auch immer schwieriger zu sprechen. Deswegen sind sie seltener. Oder sollten es zumindest sein.

Ich hänge nicht an den Grizzly-Bären an sich. Der neue Powerlevel der Kreaturen, welcher sich über Watchwolf und Wren’s Run Vanquisher definiert, ist okay für mich. Ich fand es auch gut, als zu Zeiten von Kamigawa mit den Drachenlegenden so ungefähr zum ersten Mal Sechs-Mana-Kreaturen gedruckt wurden, die mit einer gewissen Regelmäßigkeit in Turnierdecks auftauchten – “nie” und “selten” ist schließlich nicht das Gleiche, und große Kreaturen, deren Manakosten ehrlich bezahlt wurden, waren in langen Epochen der Magic-Geschichte nahe dran an “nie” zu sehen gewesen.

Was ich aber nicht sehen will, sind Cruel Ultimatum und Fusion Elemental oder Maelstrom Archangel als Tournament Staples! Für mich ist ein Drache etwas Besonderes. Alles, was noch besonderer ist (und die Manakosten sollten eigentlich ein Maßstab dafür sein), muss für mich eine absolute Ausnahme darstellen. Und wenn jemand in Australien bei einem FNM erfolgreich Progenitus ausgespielt hat, dann will ich, dass im ganzen Netz deswegen die virtuellen Hände über dem Kopf zusammen geschlagen werden! Erinnert sich noch jemand an die Elder Dragon Legends (eine davon hieß übrigens “Nicol Bolas”)? Die Dinger ware NICHT zum Ausspielen da – sie waren dazu da, dass man davon träumte, sie eines Tages auszuspielen!

Ach ja, DAMALS. Als Planeswalker noch keine Karten waren, weil die SPIELER die Planeswalker waren…

Aber leider ist das nicht mehr die Realität. Ebenso wie Cruel Ultimatum werden auch WUBRG-Karten bald in Turnierdecks ein gewohnter Anblick sein. Planeswalker sieht man ja sowieso schon überall. Was kann ich da schon dran ändern?

Und wieder der Denkfehler: Ich MUSS doch gar nichts daran ändern! Casual, das bedeutet doch, mit den Karten zu spielen, mit denen man auch spielen will, nicht wahr? (Leider bedeutet es nicht auch, dass man nur GEGEN Karten spielt, gegen die man auch spielen will.) Also, wozu behalte ich die blöden Ultimaten, wenn ich sie doch nicht leiden kann? Damit ich für ein Standardturnier (falls ich jemals wieder eines spiele) ein Deck bauen kann, dessen Existenz mich ankotzt?

Ja, es hat wirklich erst Conflux gebraucht, bis ich klar gesehen habe, dass ich mich als Nicht-Turnierspieler einfach von denjenigen Aspekten von Magic trennen kann, die mir nicht gefallen. Deswegen heißt es nun: Weg mit den Ultimaten! Weg mit den Brücken (Dregde ist sowieso kein Deck, sondern eine Durchfallerkrankung)! Und weg mit den Planeswalker-Kopien Nummer 3 und 4 – zwei Stück davon sind ja noch okay, aber wenn ein ganzes Deck darauf aufbaut, immer wieder den selben Planeswalker zu Hilfe zu rufen, dann übertreibe ich es mit der Redundanz vor lauter Angst, nicht das stärkestmögliche Turnierdeck bauen zu können! Ab jetzt gilt: Wenn ich mit dem Kartenpool, mit dem ich Magic spielen möchte, kein konkurrenzfähiges Turnierdeck mehr bauen kann, dann lasse ich es eben sein und schenke mir die Turnierteilnahme!

Wenn ein Deck eine Karte dermaßen dringend benötigt, dass es sie vier Mal spielt, obwohl sie legendär ist, dann stimmt etwas mit diesem Deck oder mit dieser Karte nicht. Okay, dass mit Umezawa’s Jitte etwas nicht stimmt, ist ja keine neue Erkenntnis, aber dass ich, wenn ich mehr als zwei davon für das Turnierspiel benötigte, es lieber einfach sein lasse, das schon! Wenn mein Deck mit nurmehr 2 Jitten (und entsprechendem Ersatz, wie zum Beispiel Sword of Fire and Ice) nur noch zu 90% leistungsfähig ist, dann kann ich das verkraften – meine leistungsorientierte Magic-Phase ist schließlich vorbei. Wenn es aber plötzlich nur noch 60% aufbringt, tja – dann lasse ich es halt!

Von nun an behalte ich nur noch Karten vier Mal, die ich auch tatsächlich vier Mal ziehen will, und zwar nicht aus Gründen der Redundanz, sondern weil es auch tatsächlich sinnvoll ist, sie auszuspielen. Deckkonzepte, welche so stark von einzelnen Schlüsselkarten abhängig sind, dass sie deren Redundanz in Kauf nehmen, machen mir eh keinen besonderen Spaß – also wozu benötige ich diese Karten?

Magic besitzt auch dann noch eine riesige strategische Vielfalt, wenn man auf solche auf Schlüsselkarten beruhenden Strategien verzichtet. Howling Mine, Swans of Brynn Argoll, Heartbeat of Spring – das sind alles Karten, die man nur ziehen will, wenn man sie mit ganz bestimmten andere Karten kombiniert. Sicher, mit Turbostasis, Schwäne- oder Heartbeatkombo kann oder konnte man Turniere gewinnen – aber wenn es mir darum doch gar nicht mehr geht? Eine Kombo herunterzumasturbieren, das hat mir noch nie wirklich Spaß gemacht. Na schön, vielleicht in den allerersten Tagen von Enduring Renewal / Goblin Bombardment / Shield Sphere, als das Prinzip einer 3-Karten-Kombo, die auf Turnieren tatsächlich funktionierte, noch neu war (Prosperbloom war mir schon immer zu zäh gewesen), aber seitdem nicht mehr (und auch damals habe ich lieber Disenchant dagegen in ein “richtiges” Deck gesteckt). Und dann war da noch die Geschichte mit Pandanought, als ich voller Begeisterung war, weil ich mein eigenes Kombodeck erfunden hatte – aber auch nicht einmal lange genug, um es dann tatsächlich zu spielen.

Ich glaube, es war dann ein Jahr später Replenish, welches mir Kombo endgültig verleidete: Man zog entweder seine Schlüsselkarten, oder man zog sie nicht, und wenn man dagegen spielte, zog man entweder genügend Sideboardkarten dagegen, oder nicht. Die ganze Partie Magic reduzierte sich auf einmal auf ein oder zwei potenzielle Interaktionen, während der Großteil der Karten in beiden Decks letztendlich egal war.

Das ist kein Magic für mich! Eine Partie Magic, das ist ein ständiger Kampf, von spätestens der zweiten Runde an, und unter Einbringung aller Ressourcen beider Spieler! Weder ein Tendrils of Agony im Constructed noch ein Progenitus im Sealed dürfen im Mittelpunkt stehen. Von Anfang an sollen beide Spieler agieren und reagieren.

So will ich also Magic spielen, und deswegen brauche ich einen großen Teil meiner Karten nicht mehr! Savannah Lions oder Simic Sky Swallower; Fireblast oder Opportunity; Stone Rain, Mind Rot oder Counterspell – Magic, wie ich es mag, hat immer noch sehr viel zu bieten. Ich brauche keine Fusion Elemental oder Bridge from Below: Ich verfüge über genügend Finisher für Fünffarbstrategien, die wirklich COOL sind, und ich kann Dredge-Decks bauen, in denen ich damit gewinne, dass ich meine Kreaturen mit Dredge ausspiele und damit angreife.

Auch Conflux hat mir natürlich ein paar Dinge zu bieten. Okay, die tausendste Neuauflage des Hill Giant brauche ich ebenso wenig wie das ganze Fünffarbzeug, aber zwischen all dem phantasielos langweiligen und phantasielos überkandidelten Zeugs verstecken sich auch ein paar nette Karten. So wie Path to Exile (das meines Erachtens grob überbewertet wird, aber nichtsdestotrotz eine starke und vor allem taktisch interessante Karte ist) zum Beispiel, oder Rakka Mar. Und natürlich die Varianten und Ergänzungen zu früheren Themen.

Ich darf mich einfach nur nicht von dem ganzen aufdringlichen Superduperzeugs irritieren lassen. Das hat auch den zusätzlichen Vorteil, dass ich viel weniger investieren muss! Nur, leider machen Wizards jetzt bereits immer unverfrorener einfach gute Karten zu Mythics. Natürlich will ich ein Paar Thornlings (selbst mit diesem einfach unglaublich missratenem Bild), und natürlich zwei Adjudicator! Aber immerhin kann ich auf die Hälfte der Mythics diesmal komplett verzichten, und Apocalypse Hydra, Nicol Bolas und Malfegor genügen mir auch jeweils einmal – damit ist mein Bedarf an Highend-Karten definitiv gedeckt! Auch von den Rares spare ich mir über ein Drittel komplett. Als Turnierspieler hätte ich ja wohl vier Exotic Orchard gebraucht… Ach übrigens: Hält eigentlich wirklich jeder außer mir Martial Coup für gut? Ich rede ja nicht über Limited hier… Wer will denn einen Wrath spielen, der SIEBEN Mana kostet? Das ist mir selbst im Casual zu scheiße!

Überhaupt ist dieses “x>=5”-Thema dermaßen infantil und einfallslos… aber naja, Banefire erfüllt immerhin einen sinnvollen Zweck (wobei es seine Fähigkeit auch einfach generell hätte kriegen können), und Apocalypse Hydra ist halt die erste X-Kreatur, bei der sich große X wirklich lohnen (auch hier hätte man die Counter ruhig bei jedem X verdoppeln können – dafür wäre die aktivierte Fähigkeit verzichtbar gewesen).

Den Preis für die Karte, die mir, für sich genommen, die meiste Übelkeit verursacht, erhält übrigens Blood Tyrant – wie plump ist das denn? Ohne diesen blöden Nachsatz wäre die Karte ja noch halbwegs nett gewesen – im Multiplayer ist sie doch so oder so eine Bombe!

Den Preis für die primitivste und offensichtlichste Kundenverarsche hingegen erhält Cylian Sunsinger. Immerhin haben sie diesmal noch davor zurück geschreckt, die Relentless-Rats-Fähigkeit auf eine Rare zu drucken…

Okay, genug gerantet für heute! Eigentlich soll dieser Beitrag hier auch noch einmal eine letzte Dosis Gemecker vor einer wahrscheinlich etwas längeren Funkstille auf diesem Blog einleiten – ich habe mir eigentlich vorgenommen, mich in der nächsten Zeit mehr mit anderen Dingen zu beschäftigen (und was Magic angeht, da stehen eh noch ein paar Artikel an).

Eigentlich. Naja.