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Nero

October 18, 2010

Merkwürdig: Natürlich ist EBs Abschiedsbotschaft auf dem Planeten verlinkt, und auch die Stellungnahme vom Atog, aber meine Meinung zu der eingetretenen Änderung nicht. Da Beiträge auf Zeromagic üblicherweise automatisch in den Planeten-Links auftauchen, muss man sich schon fragen, ob da irgendjemand bewusst unterschlagen will, dass diese Änderung (die ja eigentlich eine Korrektur ist) auch Befürworter hat!

Bei dieser plötzlichen Weltuntergangsstimmung ist es allerdings meiner Ansicht nach angemessen, tief Luft zu holen, gedanklich einen Schritt zurückzutreten und sich zu fragen: WAS IST EIGENTLICH WIRKLICH PASSIERT?

Wizards haben ein Promoprogramm, das sie aus ihrem PR-Budget finanzieren, auf Veranstalter beschränkt, die sie mit ihrer Promotion unterstützen wollen. Selbstverständlich können alle TOs weiterhin sanktionierte Turniere durchführen! Es fallen für manche TOs (für Magic, aber wen hier kümmert D&D?) zwei Dinge weg: Die Möglichkeit, Prereleaseturniere durchzuführen, und der Bezug von Promomaterialien.

Was das ganze Promozeugs angeht: Aus Sicht der Spieler und TOs sind das Gratisgeschenke von Wizards an ihe Kunden und die Community! Sich darüber aufzuregen, dass diese Gratisleistung, welche Wizards zwei Jahre lang erbracht haben, jetzt (und das auch nur teilweise) wieder wegfällt, ist infantil – ein bisschen so, als würde man eine Fastfoodkette boykottieren, weil eine dieser Aktionen, bei denen man zu seinen Menüs Actionfiguren aus Plastik dazubekommt, beendet wird! Erstaunlicherweise findet man eine pervertierte Version dieser Einsicht in den Kommentaren zu der Schließung von GerMagic, aber auf Wizards wird sie überraschenderweise kaum angewendet.

Aus Sicht von Wizards sind diese Promomaterialien natürlich keine Geschenke, sondern Werbemittel, und diese wollen sie in derjenigen Weise einsetzen, die ihnen am zweckmäßigsten erscheint – und zwar, indem sie Ladengeschäfte damit aufwerten. Wie ich bereits sagte, ist dies eine überfällige Korrektur, da Ladengeschäfte langfristig für den Fortbestand von Magic von essenzieller Bedeutung sind, es jedoch in den letzten Jahren immer schwerer hatten.

Sich über den Wegfall bunter Promos zu beklagen (deren Hauptzweck es sowieso ist, auf Ebay vertickt zu werden – vom Missbrauch dieses Programms einmal ganz abgesehen), ist Herumgejammere auf Dudley-Dursley-Niveau. Spielt Ihr Eure Turniere tatsächlich nur wegen dieser Promos? Dann seid Ihr reichlich erbärmliche Mitglieder der Magic-Community!

Dann sind da die Prereleases. Die finden heutzutage gerade einmal eine Woche vor den Release-Turnieren statt. Ihren großen Event-Charakter haben sie bereits vor Ewigkeiten verloren (vor deutlich über einem Jahrzehnt!), als es deutschlandweit nur 4-6 Stück davon gab, und man zu einem Prerelease noch gemeinsam anreiste wie zu einem PTQ. Heute stellen sie hauptsächlich Treffpunkte für die Community dar. Und nun kommt der Hammer: Wizards wollen, dass diese Treffpunkte in Ladengeschäften oder zumindest an mit Ladengeschäften verbundenen Orten stattfinden! (So, wie es bis vor zwei Jahren auch bereits gewesen ist!) Ja, das bedeutet, dass in manchen weit von Läden entfernten Communities keine Prereleases mehr stattfinden können. Aber, wenn Ihr einmal einen Moment darüber nachdenkt: Die immer unzureichendere Versorgung mit Ladengeschäften ist ja gerade das Problem, gegen welches Wizards mt der Korrektur ihrer Richtlinien für Promoveranstaltungen endlich vorzugehen beginnen! Privat veranstaltete Prereleases und FNMs sind sowohl eine unfaire Konkurrenz in Gebieten, in denen es noch Läden gibt (weil es natürlich angenehmer ist, in privater Atmosphäre zu zocken, als in einem Laden), als auch ein erheblicher Motivationsdämpfer für Läden und potenzielle Ladeneröffner in Gebieten ohne Magicshops, Magic zu führen und zu unterstützen.

Um es klar zu sagen: Prereleases und Promo-unterstütze Turniere sind (jetzt endlich wieder) der einzige Grund für Magicspieler, Läden überhaupt noch zu betreten! Im Internet kauft man billiger und bequemer. Zocken kann man privat mit Freunden am Wohnzimmertisch oder in der Kneipe. Die Ausweitung des WPN-Programms auf private Veranstalter war eine unglaubliche Dummheit und ein Schuss in die Knie der Magicläden, und damit letztlich auch in die Wizardschen Knie (die glücklicherweise eine Menge Trefferpunkte besitzen) gewesen.

Prereleases und Promos sind (endlich wieder!) Tools, mit denen Wizards Ladengeschäfte unterstützen. Wenn Ihr sie haben wollt, dann müsst Ihr auch Ladengeschäfte unterstützen. Wenn nicht, dann müsst Ihr halt mit Euren ersten Spielerfahrungen mit den neuen Karten eine volle Woche bis zum Release-Termin warten (Schock!) und Euch Eure Promos antauschen oder im Internet bestellen. Oh, oder Ihr könnt natürlich im Internet ein Dudley-Dursley-Tantrum werfen und hoffen, dass Ihr laut genug schreit, dass irgendetwas passiert. Wer weiß – nach all den Änderungen der letzten Jahre, die tatsächlich schlecht für das Spiel gewesen sind, habt Ihr ja diesmal bei einer notwendigen und sinnvollen Änderung vielleicht sogar Erfolg?

…vor allem, wo doch der große EvilBernd jetzt so ein mannhaftes und integres Zeichen setzen will, indem er alle seine Magic-Seiten vom Netz nimmt? DAS muss Wizards jetzt doch aber wirklich tief treffen, nicht wahr?

Was für ein Quatsch!

Es ist wieder einmal an der Zeit, die Dinge nüchtern zu betrachten: EvilBernd hat sich seit vielen Jahren sehr, sehr viel Arbeit mit den von ihm betriebenen Seiten gemacht, und er hat es getan, ohne daraus finanziellen Nutzen zu ziehen. Das habe ich auch immer wieder gelobt. Jetzt macht er das Ganze dicht, und überall liest man, wie schade das doch ist, und dass das letztlich allein seine Sache sei, weil er schließlich niemandem jemals etwas schuldig wäre, und was für ein tolles Signal an Wizards das doch sei.

Leute: Lasst Euch nicht verblöden! Ja, es ist schade, wenn GerMagic dicht macht; so weit kein Widerspruch hier. (Allerdings ergeben sich aus dieser Situation durchaus auch Chancen, doch dazu später mehr.) Dass GerMagic jedoch allein die Sache von EvilBernd (und vielleicht noch dem einen oder anderen mehr oder weniger festen Mitarbeiter wie “schattengaenger” und dem Atog) sei, ist schlicht nicht richtig! Insbesondere der Deckcheck (und es sind sich ja alle einig, dass dieses Feature mit Abstand das Wichtigste und Interessanteste an GerMagic ist), ist von der gesamten Community aufgebaut worden. Jeder, der jemals Decklisten eines Turniers dort eingetragen hat, hat sich daran aktiv beteiligt. Mit der ersatzlosen Herunternahme dieser Seite (und der Weigerung, sich für irgendeine Lösung zu deren Weiterbestand offen zu zeigen), tritt er der gesamten Magic-Community – deretwegen er doch angeblich diese Aktion überhaupt durchführt – in den Arsch! Nein, der Deckcheck ist NICHT alleine seine Sache; er ist die Arbeit von Hunderten, möglicherweise Tausenden Spielern auf der ganzen Welt. Er hat die Plattform dafür angeboten, das ist richtig, und dafür schuldet ihm die Community Dank und Respekt. Wenn er diese Plattform jetzt aber mit sämtlichen Inhalten ersatzlos entfernt, und zwar aus dem selben Grund, aus dem der Hund sich die Eier leckt (nämlich WEIL ER ES KANN), dann gebührt ihm dafür weder Dank noch Respekt, denn das ist nichts weiter als eine Arschlochaktion, und dieses Entfernen als Druckmittel gegenüber Wizards einzusetzen und dabei die Community zu instrumentalisieren, hat nichts mit Integrität zu tun, sondern ist im Gegenteil schlicht schäbig.

Der Atog schreibt, er könne sich die deutsche Magic-Szene ohne GerMagic gar nicht vorstellen. Das geht offensichtlich Vielen so, aber an dieser Stelle muss man sich doch auch einmal fragen: Ist das denn wirklich ein guter Zustand, wenn diese Szene tatsächlich von der Arbeit, aber auch von den Launen einer einzelnen Person abhängt?

EvilBernd hat in den letzten Jahren bewusst und gezielt darauf hingearbeitet, sich diese Monopolstellung in der deutschen Szene zu schaffen. Erinnert ihr Euch noch, wie er mir (trotz offenkundiger beidseitiger massiver Antipathie) angeboten hat, mein Blog auf seine Plattform zu verlagern? Meine Reaktion damals war im Wesentlichen gewesen “Für wie blöd hält der mich eigentlich? Ich soll mein Blog tatsächlich von diesem größenwahnsinnigen Egomanen abhängig machen?” Andere haben es gemacht. (Nur der Atog war vernünftig genug, unabhängig zu bleiben.) Oh, und nachdem EB nun also massiv darauf hingearbeitet hat, möglichst viele deutsche Blogger auf seine Plattform zu verfrachten, macht er diese einfach dicht, WEIL ER ES KANN, und weil er ja niemandem etwas schuldig sei. Leute: Auch MTGBlogs sind nicht ausschließlich das Werk von EB, sondern ebenfalls von all denen, die dort Einträge verfasst haben! Diese Plattform jetzt einfach aufzulösen, ist eine kaum zu überbietende Missachtung all derjenigen, die dort aktiv gewesen sind – ein weiterer Tritt in den Hintern der Community, für die er sich doch angeblich so einsetzt.

Aber letztlich geht es doch nur um den Deckcheck. Wenn man sich die Features ansieht, die GerMagic bietet, stellt man fest, dass dieser das Einzige ist, was unersetzlich erscheint. News-Meldungen kann man auch auf dem Planeten lesen oder selbst produzieren. Die meisten MTGBlogs waren alles andere als lesenswert, und diejenigen Blogger, die tatsächlich etwas zu sagen haben, werden auch in der Lage sein, eine andere Plattform zum Bloggen zu finden. (WordPress zum Beispiel ist kostenlos und sehr komfortabel.) Eine Seite, welche automatisch neue Einträge in Blogs und Foren verlinkt, wird einer der zahlreichen Magicspieler mit Programmierkenntnissen auch auf die Beine stellen können. Die Quotes sind zwar witzig, aber beileibe kein essenzielles Feature (und können in jedem beliebigen Forum als Thread wieder eingeführt werden).

Bei all diesen Punkten ist es hauptsächlich die Bequemlichkeit zu wissen, dass EB sich ja bereits um alles kümmert, die verhindert hat, dass sie an anderer Stelle zu finden waren. Diese Bequemlichkeit geht jetzt verloren. In dieser Hinsicht hat der Arschtritt, welcher EB der deutschen Community (und nicht etwa Wizards) gerade verpasst, auch tatsächlich ein Gutes: Vielleicht kommt die Szene ja jetzt in die Hufe! Eine (sponsorunabhängige) Seite, die News-Meldungen verfasst und Links auf deutschsprachige Blogs setzt, liegt sicherlich für aktive Community-Mitglieder im Bereich des Machbaren. Sich bei WordPress selbst ein Blog einzurichten erfordert praktisch kaum Eigenleistung (jedenfalls dann, wenn man sich nicht an einer Optik stört, die nur ca. doppelt so angenehm ist, wie die des typischen MTGBlogs). Hier beginne ich unterdessen, die Einstellung von GerMagic sogar POSITIV zu sehen: Diese eingefahrene Fokussierung auf GerMagic hat die deutsche Community eher gelähmt als inspiriert. Genau aus diesem Grund hatte ich damals bereits auch nichts von der Einrichtung der MTGBlogs gehalten.

Der Deckcheck allerdings, der ist unersetzlich. Aber warum? Nun: Weil EB ihn unersetzlich GEMACHT hat! Er hat da eine Menge Arbeit hineingesteckt, und er hat dafür gesorgt, dass er so selbst auf internationaler Ebene eine Monopolstellung erlangte. Diese Monopolstellung ergab sich zwangsläufig: Es ist ja gerade der Sinn einer solchen Datenbank, dass man alle Informationen an der selben Stelle findet! Welchen Grund hätte es also gegeben, eine Konkurrenzseite zum Deckcheck aufzuziehen?

Nun, die internationale Magic-Community sollte EB für die Lektion dankbar sein, die in der Beantwortung dieser Frage liegt: WEIL EIN MONOPOL NIEMALS GUT IST! Weil, zum Beispiel, ein größenwahnsinniger Egomane wie EB die gesamte Arbeit, die er selbst, aber eben auch Hunderte andere in dieses Projekt gesteckt haben, nicht nur einstellen, sondern gezielt einreißen kann, wenn es ihm passt. Er wird seinem Nick hier wirklich gerecht, denn das ist die Methode des Bösen: Da ist zunächst die Verlockung des Einfachen und Bequemen. Daraus ensteht dann die völlige Abhängigkeit. Wenn dann plötzlich der Teufel einem seine Gunst entzieht, stellt man fest, dass man nichts mehr hat, und es folgt das Entsetzen. Und der Catch dabei ist, dass einem der Teufel NICHTS SCHULDET – er hat einem etwas zur Verfügung gestellt, man hat es dankbar angenommen, man hat sich darauf verlassen, und jetzt nimmt er es einem wieder weg. Tja, Pech gehabt!

Es ist aber Unsinn zu sagen, EB sei der Community nichts schuldig, nur weil er für seine Arbeit keine Gegenleistung eingefordert hat! Man kann auch freiwillig Verpflichtungen eingehen, und jemand, der anderen zwar Hilfen zur Verfügung stellt, diese aber auch zur Mitarbeit auffordert, besitzt selbstverständlich die moralische Verpflichtung, diese Mitarbeit zu würdigen! Wenn ich einem Jugendverein Räumlichkeiten zur Verfügung stelle und dabei Spenden für die Einrichtung dieses Raums annehme, dann kann ich natürlich auch von heute auf morgen diese Räumlichkeiten dicht machen. Trotzdem werden diejenigen, die daran mitgewirkt haben, diese Räumlichkeiten einzurichten, aber auch diejenigen, die sie schlicht genutzt und weiterempfohlen haben, sich zu Recht angepisst fühlen, wenn ich mich weigere, auch nur über Möglichkeiten zu reden, wie Funktionen oder Features dieser Jugendeinrichtung gerettet werden können, denn das ist einfach eine Arschlochaktion.

Ich denke, dass EB ein gigantischer Egomane ist, ist allgemein bekannt. Letztlich ist es natürlich aber gerade diese Egomanie gewesen, die ihn dazu motiviert hat, all diese Arbeit in GerMagic zu stecken! Wenn man unentgeltlich Arbeit in ein Projekt steckt – also augenscheinlich EV- macht – dann muss es irgendwo auf der psychologischen Seite eine Belohnung geben, die diesen EV ausgleicht. Was ich damit sagen will: GerMagic hätte es nicht gegeben, wenn EB nicht so wäre, wie er ist. Aber weil EB so ist, wie er ist, musste man auch immer damit rechnen, dass GerMagic ein solches Ende nehmen könnte: Dass sein größenwahnsinniger Betreiber alles in einer theatralischen Aktion abfackelt, um der ganzen Welt zu demonstrieren, WIE WICHTIG er doch gewesen ist.

Ja, GerMagic war sehr, sehr wichtig, insbesondere für die deutsche Magic-Community – weil diese das zugelassen hat! Weil die Leute froh waren, dass jemand sich diese ganze Arbeit gemacht hat und dabei gerne darüber hinweggesehen haben, welche Strukturen dabei eigentlich geschaffen wurden, wie sehr sie sich von einer einzelnen Person abhängig gemacht haben – und was das eigentlich für eine Person war.

Natürlich bin ich, ebenso wie alle anderen, gespannt darauf, ob EB seine Ankündigung wirklich zu 100% wahrmacht und GerMagic einschließlich des Deckchecks als verbrannte Erde hinterlässt. Im Gegensatz zu den meisten anderen bin ich allerdings nicht der Meinung, dass dies tatsächlich so eine Katatstrophe wäre. Der Wegfall dieses Monopolisten wird hoffentlich ein Anstoß für viele frische Initiativen in der Community sein, und dass sich eine Person mit dem charakterlichen Profil von EB aus der Szene zurückzieht, kann ich letztlich nur begrüßen. Allein – ich glaube nicht wirklich daran… wo sonst will er sich denn in Zukunft seine Selbstbestätigung holen, wenn nicht unter Magic-Spielern?

In jedem Fall wird uns der Himmel nicht auf den Kopf fallen. Magic ist gewiss nicht tot, nur weil GerMagic tot ist – es wäre im Gegenteil nur dann tot, wenn die Community darauf nicht mit Eigeninitiative reagieren würde.

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Wochenrückblick 34/2008

August 22, 2008

Schon wieder 7 Tage herum! Das war letze Woche.

Nicht verschweigen will ich Euch, dass EB einen Blogeintrag verfasst hat, der tatsächlich sowohl einfallsreich als auch lustig ist! Wie Georg Schnurr nicht ganz unzutreffend in seinem Kommentar bemerkt: “Einfach genial – eben Pischner-Like”! (Wie er darauf kommt? Vergleicht einmal hier!) Irgendwie auffallend, dass EB immer dann unterhaltsam ist, wenn er Eucken und mich verwurstet

Montag:

PlanetMTG:

Ich befasse mich mit den Entwicklungen im Standard-Environment bei den Nationals der letzten Wochen.

magicthegathering.com:

Mark Rosewater erzählt ein paar (eigentlich ziemlich viele) kurze Anekdoten über das Design verschiedener Elfen-Karten. Für MaRos Verhältnisse ist der Artikel trocken und uninspiriert – was bedeutet, dass er immer noch deutlich überdurchschnittlich unterhaltsam und informativ ist!

Grundlegende Veränderungen der Website kündigt Scott Johns an, der Chief Editor von magicthegathering.com. Ich gebe ihm Recht: Das jetzige Design ist überladen und furchtbar unübersichtlich, und manche wichtigen Dinge sind auf nachvollziehbaren Klickwegen einfach nicht zu erreichen (so besonders die Minisites angekündigter Editionen, was wirklich ein Armutszeugnis ist, aber auch so mancher Kram, der mit Judging und Turnierorganisation zu tun hatte). Die Screenshots mit den großen, bunten Bildern sind optisch sehr ansprechend, aber wie gut die Organisation der Inhalte tatsächlich ist, wird man erst beurteilen können, wenn die Seite online ist. Dass der “Default” offenbar NICHT “Daily MTG” ist, sondern “The Multiverse” halte ich aber für einen Schuss ins Knie! Völlig fasziniert bin ich übrigens von dem angekündigten Booster Draft Simulator – wenn der ordentlich funktioniert, und die KI etwas taugt – wie geil ist das denn?

Dienstag:

Magic Universe:

Florian Pogutter schreibt seinen Nationals-Report, und die Zusammenfassung lautet: Er hatte keine Lust, er hat das Playtesting ignoriert, er hat ein Deck gespielt, das er nicht verstand, er hat Scheiße gespielt, weil er die Nacht durchgemacht hatte, und er ist dann gedroppt. Bravo – so stelle ich mir das Engagement eines MU-Teammitglieds vor!

PlanetMTG:

Florian Hess bietet uns den zweiten Teil seines Artikels zum ControlSlaver-Deck im Vintage. Ich habe beschlossen, Vintage-Artikel von jetzt an nicht mehr zu lesen, höchstens zu überfliegen, da mich das Thema nicht wirklich interessiert. Die Leserreaktionen scheinen diesmal durchweg positiv zu sein, und mir ist aufgefallen, dass der Autor sich die Mühe macht, auf einige Kommentare zum ersten Teil seines Artikels im Abschnitt “Leserwünsche” einzugehen.

Außerdem liefert Artie Heinrich einen rundum hervor ragenden Bericht seines Erfolgs bei einem PTQ ab, der übrigens beweist, dass akribische, ausführliche Vorbereitung die gewünschten Ergebnisse liefern KANN.

magicthegathering.com:

Kelly Digges überrascht mich weiter damit, dass er sich für seine Casualartikel wirkliche Themen sucht, anstatt im Stil seiner Werke, als er nur der Lückenbüßer für diese Kolumne war, weiter zu machen. Ein bisschen erinnert dieser Artikel an Beiträge seines Vor-Vorgängers, Anthoni Alongi. Etwas gewollt ist seine Gleichsetzung von Karten und Spielertypen schon, und seine Ratschläge verbleiben doch sehr auffällig im nahe liegende, behutsamen und politisch korrekten Bereich, weswegen ihnen ein praktischer Wert größtenteils versagt bleiben dürfte. Ach ja, das “Nein, wie geil, zwei 16/16er in Runde 6!” Motiv, welches ich in seiner Kolumne häufiger und an prominenterer Stelle zu lesen befürchtet hatte, findet sich nur in einem kurzen Anhang – da kann ich damit dann auch besser leben.

Steve Sadin versucht, irgendwie das Thema dieser Woche (Elfen) zu streifen, indem er einen Draft vorstellt, in welchem er im SSE-Format mit Monogrün den Tisch gerockt hat. Leider ist die Aussagekraft dieses Ergebnisses nicht wirklich groß, da es nur ein 6-Personentisch war, an dem nun einmal ganz andere Dynamiken vorherrschen, als bei 8er-Drafts. Im zweiten Teil macht er dann allgemeine Aussagen zur Spielbarkeit von 1-Drops und trifft meiner Ansicht nach nicht wirklich die entscheidenden Punkte, wenn er begründet, warum Spark Elemental eine miese Limited-Karte ist – wenn man ihm folgt, dann wäre Lava Spike, welches seine drei Schaden zuverlässig macht, im Limited gut spielbar, was aber nicht der Fall ist (außer natürlich, man kann die Splice-Mechanik damit missbrauchen). Bei seinen übrigen Einschätzungen trifft er zwar immer ins Schwarze, sagt aber letztlich nur Offensichtliches. (Oder? Trash würde teilweise widersprechen, fürchte ich…) Sadins “Lektion” will ich mich aber anschließen: “Don’t let your personal biases get in the way of drafting a very good deck.”

Mittwoch:

PlanetMTG:

Tobi macht sich wieder viele Gedanken zu vielen verschiedenen Themen – solche Artikel gefallen mir, wenn der Autor auch tatsächlich etwas zu sagen hat! Zu den Themen selbst habe ich hier einige Dinge gesagt.

magicthegathering.com:

Jacob van Lunen schreibt in seinem Gastartikel bei Building on a Budget ungefähr so viel Interessantes, wie Bleiweiss in seiner gesamten Zeit als Kolumnist dort! Allerdings empfinde ich den Ansatz, Turniere mit Budget-Decks zu bestreiten, immer noch als fragwürdig. Nichtsdestotrotz ist diese Herangehensweise für Einsteiger, die ihre ersten FNMs bestreiten, durchaus hilfreich.

Doug Beyer nutzt das Thema der Woche für eine Galerie mit Elfenbildern, die er notdürftig mit ein paar Worten zusammen kittet. Hübsche Bilderchen zum Ansehen (aber ist diese Rebecca Guay nicht furchtbar?), jedoch am interessanten ist für mich der Leserbrief am Ende. Ich musste sofort an Star Wars denken, welches diesen Trick auch benutzt: Ein Wüstenplanet, eine Eiswelt, ein Sumpfplanet, ein Dschungelmond, eine planetenweite Stadt… Ich denke, das eigentliche Problem ist, dass Magic sich vom Gigantismusvirus hat anstecken lassen, der in der Fanatsy grassiert: Immer geht es gleich um das Schicksal der ganzen Welt! Da ist natürlich kein Platz für übersichtliche, nebeneinander existierende Settings.

Donnerstag:

Magic Universe:

Ashraf reiht in seinem zusammen fassenden Bericht seiner PTQ-Bemühungen (der unter einem doch sehr irreführenden Titel veröffentlicht wurde) für meinen Geschmack ein bisschen viel Gleichartiges aneinander, liefert aber insgesamt einen ordentlichen und fleißigen Bericht ab.

PlanetMTG:

Kalle Preuss schließt mit dem zweiten Teil seine Reveillark-Entwicklung ab. Ausführliche, gut begründete Gedankengänge – so muss das sein! Man muss nicht in jedem Fall seiner Meinung sein (einiges wirkt doch so, als hätte man es auch anders herum begründen können), aber es sind eben keine willkürlichen Entscheidungen. (Und die Rune Snags sind jetzt auch weg!)

Trash ärgert mich grün und blau – äh, MIT Grün und Blau. Naja, eigentlich ärgert er mich ja gar nicht wirklich, aber die Gelegenheit zu einem schlechten Wortspiel darf man niemals verstreichen lassen! Bei den Kartenbewertungen liefert er mir diesmal jedenfalls kaum Grund zum Widerspruch, und über seine Herangehensweise an sich habe ich mich ja schon oft genug ausgelassen. Ach so – hat Trash denn selbst schon einmal das Slippery Bogle / Favor of the Overbeing (plus Shorecrasher Mimic) Deck ausprobiert? Der Witz daran ist doch, dass man es – entsprechende Booster voraus gesetzt – so ganz nebenbei draften kann, ohne wirklich Pickqualität zu verschwenden, weil man ja gewiss nicht gezwungen ist, diese Karten früh zu nehmen. (Das macht man mit den Snakeform). Auch Grazing Kelpie dürfte bei den anderen Draftern nicht hoch im Kurs stehen, ist aber auf jeden Fall zumindest spielbar und ein höchst akzeptables Favor-Ziel. Natürlich sollte man den Teufel tun, dieses Deckkonzept forcieren zu wollen, aber wenn man seine Augen offen hält und Sadins Lektion im Kopf behält, dann geht da vielleicht mal was!

magicthegathering.com:

Mike Flores gibt uns wieder einen Überblick über das vergangene Turnierwochenende. Nachdem ich so etwas Ähnliches diese Woche ja auch gemacht habe, stelle ich fest, dass er eigentlich auch nicht tiefer in diese Materie eingedrungen ist – was schade ist, denn von jemandem, der garantiert erheblich näher am Turnierspiel dran ist als ich, erwarte ich da schon ein bisschen mehr!

Und Chris Millar verschleudert wieder einmal sein schreiberisches Talent für kreatives Fast Food. Hoppla! Beinahe hätte ich beim Überfliegen übersehen, dass er seinen Abschied angekündigt hat! Das sind doch insgesamt so einige Umbrüche bei den magicthegathering.com-Autoren… Sein Nachfolger wird also der Typ, der bei seinen Gastspielen den gleichen Scheiß wie Chris verbrochen hat, nur mit weniger Talent. Na ja, auch egal.

Freitag:

Magic Universe:

Phips serviert uns Teil 1 seines Nationals-Berichts, angenehm zeitnah und wie immer souverän geschrieben (wöchentliches Artikelschreiben übt ja auch – für diese unglaubliche Konstanz muss ich Phips auch einmal ausdrücklich loben – hiermit geschehen!) Das Glück scheint dann aber doch vielfach auf seiner Seite gewesen zu sein: Verschlafen, aber gerade noch ins Turnier gekommen; Gegner, die es verbauern, bessere Draws, Glück mit Draftbomben… da kommt schon einiges zusammen! Nichtsdestotrotz hat er bewiesen, dass er die Gelegenheit eben auch am Schopf ergreifen kann. Seine Darstellung, wie er mit 5 gegen 8 Handkarten das Kontrollmirror gewonnen hat, indem er die Initiative ergriff (was normalerweise falsch ist, weil es nun einmal in der Regel schief geht, ihm aber eben in diesem Fall immer noch die beste Gewinnchance gab), ist sehr lehrreich!

PlanetMTG:

Sebastian Rittau stellt die Offiziellen der diesjährigen DM vor. Ich bin jetzt nicht so ein großer Fan von Vorstellungsartikeln, aber bei Namen, die einem einigermaßen bekannt vor kommen, schaut man dann doch ganz gerne mal in den entsprechenden Absschnitt (also eigentlich genau verkehrt herum!) Wieso zum Teufel CE im Judge-Team ist, ist natürlich eine gute Frage – ich HOFFE ja, er judgt das Kamigawa-Block-Constructed Side Event oder bildet das Trash Removal Team (nicht auf den Pro bezogen, natürlich). Ich bleibe dabei: Ein Judge muss selbstverständlich kein Spitzenspieler sein, aber wer fundamentale Defizite im Spielverständnis besitzt (und außerdem, wie seine Kommentare im Netz immer wieder beweisen, das Leseverständnis eines bemühten Viertklässlers), ist für diese Aufgabe einfach nicht qualifiziert.

magicthegathering.com:

Devin Low erzählt uns diesmal wirklich Interessantes zur Entwicklung der Elfenkarten in Eventide. Allerdings kann ich mir nicht helfen… teilweise erscheint der Playtest-Prozess mir doch ein wenig “random”. Vielleicht stellt MaRo diese Dinge einfach nur geschickter dar, aber bei Twinblade Slasher steht für mich irgendwie “Uns ist nichts eingefallen, wie wir unsere ursprüngliche Idee umsetzen konnte, also haben wir sie einfach weg gelassen”, und bei Bloom Tender “Zuerst hielten wir die Karte für zu stark, dann war sie uns zu doof, also haben wir sie wieder stark mit einem zusätzlichen Bonus gemacht”. Ich will ja nicht sagen, dass die Ergebnisse mir nicht gefallen – alle vier Karten sind meiner Ansicht nach tatsächlich gelungen – aber das scheint doch mehr an ausreichend vorhandenem Instinkt der Developer gelegen zu haben als an Systematik.

BDM lässt einen weiteren Knaller auf uns los (in diesem Jahr ändert sich ja wirklich so manches): Pro Touren gibt es von jetzt an in gemischten Formaten! Letztlich ist das einfach nur eine gute Idee (auch wenn ich zum Beispiel es furchtbar schade fände, wenn ich mich jemals wieder in einer Limited-Saison qualifizieren sollte, Constructed testen zu müssen) – alle wichtigen Formate erhalten so die gebührende Aufmerksamkeit, und außerdem kann man davon ausgehen, dass sich gute Spieler bei diesem Konzept von nun an ein wenig konstanter durchsetzen werden, da eine glückliche Deckwahl oder ein Tag mit guten Firstpicks jetzt nur noch die Hälfte des Scores ausmachen. Oh, und nach dem sicherlich starken, aber meiner Meinung nach furchtbar unkreativen Hellkite Overlord wird uns mit Ajani Vengeant eine weitere Shards of Alara Karte vor gestellt – und auch sofort von einigen schlecht geredet. Wisst Ihr, ich stehe lieber auf Seiten derjenigen, die Potenzial in Karten vermuten, welches sich dann nicht manifestiert, als auf der Seite derjenigen, die Keldon Marauders, Tarmogoyf, Murderous Redcap oder Runed Halo kurz nach Erscheinen als “Crap” abtun, ohne sich gedanklich näher damit befasst zu haben! WISSEN kann man es vorher selten, aber diese raschen Urteile basieren in der Regel auf Phantasielosigkeit und Denkfaulheit (man kann’s auch Ignoranz nennen) und höchst selten auf brilliantem Urteilsvermögen. Ein Poster auf MTGSalvation hat es eigentlich recht gut beschrieben: “Almost all cards they print at this point are ‘playable.’ What you mean is you hope someone will make a popular deck with it in it so you can copy it.”

Dinge, die passiert oder nicht passiert sind

October 16, 2007

Es war schließlich zuletzt wieder einmal Einiges los in der Magic-Szene! Deswegen gibt es von mir einen kurzen Überblick über ein paar Dinge, die mich beschäftigt haben.

1. Shameless Plug

Wenn ich Magic-Artikel veröffentliche, sollte ich die in meinem Magic-Blog auch verlinken! Da ich das zuletzt vergessen habe, hier noch einmal der Hinweis auf meine Reihe Magic-Decks im Wandel der Zeit, die aus der Idee “Pischner im Wunschkonzert” geboren wurde und auf PlanetMTG jetzt bereits seit sechs Wochen läuft (und so schnell auch kein Ende finden wird). Sie besteht bislang aus folgenden Teilen:

Teil 1
Teil 2
Teil 0
Teil 3
Teil 3,5
Teil 4

2. To Team or not to Team

Jeder, der sich dafür interessiert hat, kam wohl kaum umhin zu bemerken, dass beim Projekt MU-Team zuletzt offensichtlich Sand ins Getriebe geraten ist. Welcher Art dieser Sand war, was das für das Getriebe bedeutet hat, und wie dieses Gefährt in Zukunft weiter gesteuert werden wird, könnt Ihr voraussichtlich diesen Donnerstag in einem Artikel von mir auf Magic Universe lesen.

3. Casual-Artikel

Der aktuelle Casual-Wettbewerb bei MU ist noch in vollem Schwung, und ich werde mich noch einmal dazu äußern, wenn alle Beiträge veröffentlicht wurden. An dieser Stelle will ich aber auf einen Artikel von The Ferret auf magicthegathering.com verweisen, der meiner Ansicht nach den perfekten Wettbewerbsbeitrag in der Sparte FFA darstellte! Ich bin ehrlich doch sehr enttäuscht, dass beim Wettbewerb niemand wirklich auf Emperor- oder FFA-spezifische Taktiken eingegangen ist. Für mich ist das ein Indiz dafür, dass sich “echte” Casual-Spieler einfach nicht auf Magic-Seiten herumtreiben. Wo sind denn nur die ganzen Leute, die seit Jahren diese Formate spielen und uns aus ihrem reichhaltigen strategischen Erfahrungsschatz berichten könnten? Sitzen sie wirklich alle in Hinterzimmern kleiner Magic-Shops und vertauschen Kiddies Craw Wurms gegen Doppelländer?

4. TrashT verliert PT Valencia

Wahrscheinlich wusstet Ihr das ja schon, aber falls nicht: Hier steht’s. Oh, und falls Euch die Abschnittsüberschrift wundert: Die Pro Tour hat nur einen Gewinner, also müssen alle anderen wohl Verlierer sein! Das ist die amerikanische Denkweise. Gewöhnt Euch besser daran, falls Ihr es nicht schon längst habt, denn sie steht auch in Deutschland immer stärker im Vordergrund. Immerhin kann man Trash dazu gratulieren, hier als Letzter verloren zu haben!

5. Sind Deutsche die neuen Franzosen?

Eigentlich noch interessanter ist eine andere Geschichte von dieser Pro Tour: Zwei unserer (durchaus nicht übermäßig zahlreichen) deutschen Pros wurden disqualifiziert! Ist Deutschland die neue Nummer Eins unter den Cheatern?

Nun… ich weiß, wie viele Menschen bescheißen, wann immer sie glauben damit durchzukommen, und bin daher bislang immer sehr skeptisch gewesen, wenn ein disqualifizierter Spieler seine Unschuld beteuert. Und dann kenne ich den Thaler und den Jöns ja nicht persönlich, aber ist der Erstere nicht von Beruf Gebrauchtwagenhändler, und hat der Letztere nicht diesen wirklich bösen mephistophelischen Spitzbart?

Muss ich ihnen deswegen nicht absolut zutrauen, dass sie – Moment, was steht da – vor einer Partie einen Prize Split ausmachen (was erlaubt ist) und dann besprechen, wer von ihnen aufgeben sollte, weil der andere bessere Gewinnchancen hat (was auch erlaubt ist)?

Noch einmal Moment mal! Sie haben also zwei Dinge getan, die erlaubt sind, und wurden dafür disqualifiziert, dass sie sie beide zusammen getan haben – obwohl sie diese beiden Dinge zeitlich separat getan haben?

“Conceding in the hopes of getting more money from a split qualifies as Bribery” – WTF??? Wie absurd ist das denn, bitteschön? Wie kann man einerseits den Spielern erlauben, Prize Splits zu vereinbaren und ihnen dann verbieten, eine ebenfalls erlaubte Concession durchzuführen, um ihre finanziellen Gewinnchancen zu maximieren?

Die Regeln bezüglich Bribery waren schon immer äußerst heikel, aber bislang GLAUBTE ich zumindest, sie verstanden zu haben. Klar, man darf den Gegner nicht auffordern aufzugeben, indem man ihm etwas dafür anbietet, wie zum Beispiel einen Prize Split. Hier aber war der Prize Split bereits VORHER beschlossen worden! Im Zusammenhang mit der Concession wurde also keinerle Angebot gemacht; die Konsequenzen daraus standen längst fest.

Ich muss hier deutlich sagen: Für dieses Vergehen hätte ich auch disqualifiziert werden können, wenn es mich durch einen kosmischen Schluckauf wieder auf eine Pro Tour verschlagen hätte! Ein vorher ausgemachter Prize Split (zum Beispiel auch in einem Team), eine Concession basierend darauf, wer die besseren Gewinnchancen hat – ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass das illegal ist, und ich würde sogar behaupten, es WAR bislang auch nicht illegal!

Die DCI Policy zum Thema Bribery wird immer undurchsichtiger, undurchschaubarer und unlogischer. Diese Entscheidung hier kann ich überhaupt nicht nachvollziehen!

6. MTG Blogs

Das längste Thema zum Schluss: Seit letzter Woche sind bei GerMagic die MTG Blogs gestartet. Ich bin in den Kommentaren gefragt worden, was ich davon hielte, und tatsächlich hatte sogar EvilBernd himself mich bereits angemailt, ob ich nicht Zeromagic dorthin verlegen wollte!

Nun, was halte ich davon? Zunächst einmal ist es ein durchaus wichtiges Projekt für die deutsche Magic-Szene, und auch wenn ich mein Blog im Gegensatz zu GerMagic keineswegs als Nachrichtenportal begreife und daher auch keinerlei Anspruch auf Erwähnung aller Community-relevanten Ereignisse erhebe, hatte ich sowieso vor, ein paar Sätze dazu zu sagen, sobald ich dazu komme (und etwas zu sagen wusste). Was das Ganze soll? Nun, einmal nehme ich EB durchaus die Motivation ab, damit etwas für die Gemeinschaft tun zu wollen, indem er die Blogging-Szene belebt. Zum anderen sehe ich aber auch ganz klar sein Bedürfnis, damit seiner Seite und sich selbst einen höheren Stellenwert zuzuweisen! Das ist sein gutes Recht, und wer etwas Gutes tut, darf sich damit auch in den Mittelpunkt stellen, aber diese Motivation kollidiert ein wenig mit dem Sinn des Projektes.

Da ist einerseits der Aspekt, dass potenziellen Bloggern ein technisch eingerichteter Ort, sowie eine prominente Verlinkung zu ihren Beiträgen geboten wird, was sicherlich dazu führt, dass mehr Leute bloggen. Da ist aber andererseits das mehrfach artikulierte Bedürfnis, alle deutschen Magic-Blogs auf einer Seite zu versammeln, und da muss ich schon einmal nachfragen: Warum eigentlich? Was hat zum Beispiel – außer EB selbst natürlich – irgendjemand davon, wenn Zeromagic plötzlich von Germagic gehostet wird? Wenn es darum geht, die Community darüber zu informieren, wenn ich etwas gepostet habe, dann kann man meine Einträge dort so oder so verlinken; das ist also ein Scheinargument. Was an einer Monopolisierung der deutschen Blog-Szene jetzt genau so erstrebenswert ist, begreife ich auch nicht: Ein Portal mit einer Linkübersicht, logisch, das ist eine tolle Sache – aber wieso sollen die ganzen Blogger sich dafür auf der GerMagic-Domain versammeln müssen?

Hier sehe ich eine Vermischung zwischen einem Dienst an der Magic-Gemeinde und dem Versuch, einen größeren Teil der Magic-Szene für sich zu vereinnahmen. Insbesondere ich weiß wirklich nicht, warum ich mich ausgerechnet vom bekennenden Pischner-Hasser EvilBernd hosten lassen sollte!

Noch ein paar Worte zu den postiven Aspekten des Ganzen: Ein Portal zu allen Magic-Blog-Einträgen, das klingt erst einmal sehr interessant (würde aber bedeuten, dass EB eben auch zu nicht von ihm gehosteten Blogs verlinkt, wie eben Zeromagic, oder auch die ZK-Blogs etc…) Wenn das so nicht gedacht ist, dann bleibt als potenzielles Positivum noch die Belebung der Blog-Szene. Viele werden das automatisch als Positivum sehen, und das war auch mein erster Gedanke, aber nachdem ich dann ein wenig mehr nachgedacht hatte und das Projekt dann tatsächlich gestartet war, fiel mir auf, dass ich diese Wirkung im Endeffekt als NEGATIV begreifen muss!

Wie allgemein bekannt sein dürfte: Ich bin kein Freund von Quantität zu Lasten von Qualität. Genau das passiert hier aber: MTG Blogs wird von Blogeinträgen überschwemmt, die schlicht und einfach nicht lesenswert sind. Das führt nur dazu, dass ich auch die paar lesenswerten nicht mehr lese, weil ich keine Lust habe, in diesem Riesenhaufen Verbalmüll danach zu suchen! Bevor MTG Blogs eingerichtet wurde, habe ich die auf der Frontseite von Germagic verlinkten Blogs ALLE gelesen. Das waren zu Stoßzeiten vielleicht 2 bis 3 Blogs pro Tag, in ruhigen Zeiten die gleiche Anzahl in einer Woche. Auch damals war nicht alles lesenswert – ich würde den Anteil mit ca. 50% angeben – aber es waren übersichtliche Mengen, und das Verhältnis von Körnern zu Spreu erträglich.

Jetzt lese ich, nachdem ich die Anfangsphase noch genau mitverfolgt hatte, in MTG Blogs unterdessen gar nicht mehr, wenn mir nicht der Autor bereits bekannt (UND natürlich einigermaßen positiv aufgefallen) ist, und bei der schnellen Rotation der Einträge geht mir möglicherweise sogar ein solches Blog ab und zu durch die Lappen. Das geht mit Sicherheit nicht nur mir so! Es werden also zwar mehr Blogs geschrieben, aber deswegen keineswegs mehr Blogs gelesen, und insbesondere muss man befürchten, dass gerade die lesenswerten Beiträge von weniger Lesern aufgesucht werden, als es bei dem alten System der Fall gewesen wäre!

Von den ganzen Schreiberlingen, die sich jetzt neu auf GerMagic tummeln, sind vielleicht 10% Korn; der Rest ist Spreu. EB hat Leute dazu gebracht zu bloggen, die von alleine ihren Arsch dazu nicht dazu hochgekriegt haben – aber warum eigentlich? Wenn jemand nicht von alleine auf die Idee gekommen ist, sich ein Blog einzurichten, wie groß ist die Chance, dass derjenige auch wirklich etwas Interessantes zu sagen hat?

Unterdessen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass das gesamte Konzept ein Fehler ist! EB hat es Leuten ermöglicht, mit dem selben geringen Aufwand ein Blog zu betreiben, mit dem man einen Forenthread vollspammt, und die Ergebnisse sind vergleichbar. Diejenigen Blogger, die sich mit ihrem Blog tatsächlich Mühe geben, gehen unter. Das ist genau das Gegenteil von dem, was ich mir wünsche!

Nach entsprechendem Feedback von unterdessen doch schon zahlreichen Kommentatoren wird EB nicht umhin kommen, einen Selektionsprozess zu beginnen, der darauf hinausläuft, dass lesenswerte Blogger prominent gefeaturet werden, und weniger lesenswerte eben nicht. Das macht letztlich eine subjektive (und mit einem gewissen Zeitaufwand verbundene) Auswahl nötig, die bislang einfach dadurch, dass das Einrichten eines eigenen Blogs mit einem Minimum an Mühe verbunden war, ganz gut ersetzt wurde.