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Ein paar Links und die Pischnersche Entscheidungshilfe zum Casual-Wettbewerb auf MU

October 24, 2007

Sowohl ich als auch andere Leute haben Artikel geschrieben, die es in meinem Blog zu verlinken gilt! Der Ochs fängt an oder so ähnlich (eigentlich hat es mehr damit zu tun, dass man sinnvollerweise den kürzeren Teil an den Anfang stellt):

Hier erkläre ich die Hintergründe zu den Schwierigkeiten im MU-Team.

Und hier findet Ihr Teil 5 meiner historischen Magic-Reihe.

Das war’s schon zu mir, nun zum anderen Thema: Vor ein paar Minuten wurde der letzte Beitrag zum 2. Casual-Wettbewerb auf Magic Universe veröffentlicht – Zeit für einen kurzen Überblick und ein wenig Meinungsmache!

Es sind insgesamt zehn Artikel erschienen, jeweils vier in den Kategorien ABC und Free-for-all und zwei zu Emperor.

ABC:

Martin Slawski eröffnet hier mit Acidic, Brood, Crystalline – Das ABC der Sliver. Er schreibt unterhaltsam, und der Aufbau seines Artikels ist vielversprechend, mit drei verschiedenen Sliver-Decks für die Spielertypen Timmy, Johnny und Spike, aber seine Decklisten erscheinen mir sowohl uninspiriert als auch unausgegoren, und das fällt besonders auf, wenn er drei Varianten des selben Themas beschreibt. Kein schlechter Beitrag, aber einer, bei dem ich fest davon ausging, dass er noch getoppt würde.

Als Zweiter geht hier EvilBernd mit eXoten, tYre, sensaZionen ins Rennen. Sein Schreibstil ist wohl Geschmackssache, aber ich bin in jedem Fall der Meinung, dass er um so amüsanter ist, je weniger er über Magic schreibt und je mehr über seine Sex- und Hassfantasien. Problematischer ist jedoch sein Ansatz: Er greift sich drei Buchstaben heraus und erzählt ein wenig zu den Optionen, welche diese bieten. Die verlinkten Listen mögen ja einen gewissen Service darstellen, aber so richtig interessant finde ich sie nicht (Gatherer kann man ja auch alphabetisch sortieren, wenn man ein paar Minuten Zeit hat, und Apprentice sowieso), und viel mehr sagt EB auch nicht. Außerdem erklärt er mit Y und Z zwei Buchstaben zu Problembuchstaben, die einfach nicht problematisch sind. Sein Y-Deck gehört in ein anderes Fun-Format, und damit bleibt eigentlich als wirklich interessanter Beitrag nur sein Landzerstörer übrig, zu dem er außer der Deckliste auch kaum etwas schreibt. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich mit dem ABC-Format selbst schon auseinander gesetzt habe, aber ich kann seinem Artikel inhaltlich nicht viel abgewinnen. Für mich der schwächste ABC-Beitrag (aber keineswegs der schwächste Beitrag insgesamt).

Dritter im Bunde ist Florian Reiter mit ABC-Schützen – Ein kleiner Überblick über das Format. Sein Artikel hat mich sehr positiv überrascht! Man merkt, dass sich der Autor intensiv mit dem Format befasst hat und über die Stufe des Bauens interessanter Decks hinaus gelangt ist, sich also auch zu Environment und Metagame Gedanken gemacht hat. Außerdem bietet er viele recht durchdacht erscheinende Decklisten an, und wenn es ein Format gibt, zu dem Decklisten besonders interessant zu lesen ist, dann ist das ABC! Insgesamt befindet sich Florians Beitrag auf einem deutlich höheren Niveau als die seiner beiden Vorgänger.

Zum Abschluss hat Martin Heruth Kinderzoo vs. Sexbomb- eine Alphabetgeschichte geschrieben. In Punkto Schreibstil und Unterhaltsamkeit steckt Martin seine drei Mitbewerber locker in die Tasche. Inhaltlich allerdings kann er Florian nicht das Wasser reichen. Ein zusammengewürfeltes Kreaturendeck und ein wirklich schlechtes Kombo-Deck (Jester’s Scepter ist ja nun gerade in ABC mehr als fragwürdig, oder?), sowie ein einzelner, verloren wirkender Spielbericht – naja.

Alles in Allem war das Niveau im ABC-Segment des Wettbewerbes wohl insgesamt am höchsten, mit allen Beiträgen klar zum Thema und keinem wirklichen Stinker. Meine Stimme geht unzweifelhaft an Florian, der einfach das meiste Interessante zu ABC geschrieben hat! Ich kann auch nachvollziehen, wenn jemand, der besonderen Wert auf eine unterhaltsame Schreibe legt, für Martin stimmt, aber ich denke, dass ein ordentlicher Stil mit hervorragendem Inhalt eine größere Leistung darstellt als ein guter Stil mit mäßigem Inhalt und entsprechend belohnt werden sollte.

Free-for-all:

Das FFA-Thema wird von Aaron Böhmler mit Free-4-All – oder – How to Build a Kiddie-Deck? eröffnet – oder auch nicht! Wie ich bereits in den Kommentaren dazu geschrieben habe, hat Aaron zu 100% das Thema verfehlt und einen generischen Casual-Artikel verfasst, den er nicht einmal ansatzweise glaubhaft für das Wettbewerbsthema zurechtgestutzt hat. Darüber hinaus ist sein Beitrag selbst für einen generischen Artikel äußerst schwach. Ein absoluter Stinker.

Mitja Harloff hat mit Free-For-All, oder wie man Ruhe in das Chaos kriegt immerhin das Thema getroffen, was man nicht zuletzt daran erkennt, dass in den Kommentaren zu seinem Artikel auch tatsächlich eine Diskussion zum Free-for-all-Format entsteht! Sein Schreibstil ist nicht gerade spektakulär, aber Mitja wirft einige interessante FFA-spezifische Fragen auf. Im Vergleich zu den ABC-Beiträgen ist sein Werk bestenfalls durchschnittlich, aber in dieser Kategorie gut mit dabei!

Allerdings hat er in dem regelmäßigen MU-Kolumnisten Philipp Summereder, der mit seinem Leitfaden zum Verärgern einer Mehrspielerrunde – nach einer wahren Begebenheit an den Start geht, hammerharte Konkurrenz! Wie ich auch schon kommentiert habe, ist Philipps Artikel einer der besten, die ich je auf Magic Universe (von einem anderen Autor als mir, klar!) gelesen habe, äußerst unterhaltsam geschrieben und bis ins Mark treffend! Ebenso bin ich auch der Ansicht, dass es sich um einen legitimen Wettbewerbsbeitrag handelt, auch wenn das Thema Free-for-all nicht im Mittelpunkt steht – es gibt eben noch einen Unterschied zwischen nicht in den Mittelpunkt stellen und ignorieren! Jedoch ist es trotzdem ein Minuspunkt, dass das Thema eben nicht im Mittelpunkt steht (oder anders formuliert, wer das eigentliche Thema in den Mittelpunkt stellt, sammelt Pluspunkte!)

Und dann ist da noch Patrick Kirsche mit Free-For-All oder peinliche Geständnisse. Sein Beitrag kommt in der Anlage dem von Aaron bedrohlich nahe, kriegt aber am Schluss gerade noch so die Kurve zu einem legitimen Wettbewerbsbeitrag. Nur, “gerade so” ist halt nichts Dolles! Seine Schreibe ist für einen 16-jährigen gewiss überdurchschnittlich, im Vergleich mit anderen Autoren generell aber nichts Erwähnenswertes. Inhaltlich ist sein Text stellenweise amüsant, aber letztlich zu dünn besetzt. Kein Totalausfall wie Aaron, aber auf keinen Fall in der engeren Auswahl.

Fazit: Philipps Artikel ist mit weitem Abstand der beste in dieser Kategorie – aber Mitjas ist der bessere Wettbewerbsbeitrag. Tatsächlich in das eigentliche Thema einzusteigen und die Leser dazu anzuregen, über dieses nachzudenken, zählt auch! Meine Stimme hier geht also an Mitja. Ich kann allerdings auch niemandem einen Vorwurf machen, der für Phips stimmt.

Emperor:

Sidney Rostock eröffnet mit Emperor, des Königs General, und wie schon bei FFA haben wir es zunächst einmal mit einer Mogelpackung zu tun! Sidneys Verbindung seiner Fantasy-Geschichte zum Thema “Emperor” ist so dünn, dass sie reißt, wenn in Australien ein Känguru-Baby niest. Hier wurde nicht nur die Chance vertan, eine eng mit dem Thema verbundene Geschichte zu schreiben, hier wurde nicht einmal ein glaubhafter Aufhänger gefunden, sondern nur ein leicht zu durchschauender Vorwand. Abgesehen davon ist auch die Geschichte ziemlich furchtbar – genau der Kram, den man in jedem der Tausende Schreiberforen im Netz zu Dutzenden findet. Ich denke übrigens, dass es kein Zufall ist, dass Autoren, die das Thema verfehlt haben, auch allgemein schwache Texte verfasst haben: Wer das Talent besitzt, gut zu schreiben, der ist in der Regel wohl auch dazu in der Lage, sich einem vorgegebenen Thema anzupassen!

Damit bleibt nur noch der zweite Beitrag von Mitja Harloff, Der Kaiser in den Zeiten der Aufklärung. Auch er bietet ein kleines Fantasy-Geschichtchen, allerdings nicht von aufdringlichem, zu dick aufgetragenen Pathos durchzogen, sondern von Humor und Ironie – teilweise etwas bemüht – durchsetzt. Der entscheidende Unterschied aber ist, dass diese Geschichte nicht nur aufs Engste mit dem Wettbewerbsthema verwoben ist, sondern tatsächlich sogar spezifische Probleme der Emperor-Variante illustriert! Wiederum kann Mitjas Text daher als Ausgangspunkt zu sachlichen Diskussionen über das beschriebene Format dienen. Daher ist er, wenngleich nicht großartig, so doch in jedem Fall gelungen!

Die Entscheidung in dieser Kategorie ist eigentlich keine – ein ordentlicher bis guter Beitrag gegen einen, der selbst, wenn er nicht total das Thema verfehlt hätte, mäßig bis schlecht wäre. Noch einmal profitiert Mitja von der schwachen Konkurrenz und erhält meine Stimme!

Alle drei Kategorien zusammen genommen, bin ich von den Wettbewerbsbeiträgen eher enttäuscht. Einmal hätte ich mir schon ein paar (veröffentlichungsfähige) Einsendungen mehr gewünscht, zum anderen war das Gesamtniveau sehr niedrig, aber vor allem wurde für meinen Geschmack einfach zu wenig zu den ausgewählten Formaten geschrieben! Nur ABC stand hier erträglich da, aber das hat wohl auch etwas damit zu tun, dass es ein “Deckbau-Format” ist, so dass man einen Artikel um Decklisten herum schreiben kann, was einfacher ist, als bei “Wer-gegen-wen-Formaten”, in denen man wohl mehr tatsächliche Spielpraxis benötig, um tatsächlich etwas darüber zu schreiben.

Ich muss allerdigs zugeben, dass auch ich, wenn ich mich denn am Wettbewerb beteiligt hätte, nur zu ABC etwas hätte schreiben können, nicht zuletzt eben, weil mir dieses Format im Gegensatz zu den beiden anderen tatsächlich Spaß macht! Falls Ihr es noch nicht getan habt – probiert es aus! So teuer sind diese Xanthic Statues nun auch wieder nicht.

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Dinge, die passiert oder nicht passiert sind

October 16, 2007

Es war schließlich zuletzt wieder einmal Einiges los in der Magic-Szene! Deswegen gibt es von mir einen kurzen Überblick über ein paar Dinge, die mich beschäftigt haben.

1. Shameless Plug

Wenn ich Magic-Artikel veröffentliche, sollte ich die in meinem Magic-Blog auch verlinken! Da ich das zuletzt vergessen habe, hier noch einmal der Hinweis auf meine Reihe Magic-Decks im Wandel der Zeit, die aus der Idee “Pischner im Wunschkonzert” geboren wurde und auf PlanetMTG jetzt bereits seit sechs Wochen läuft (und so schnell auch kein Ende finden wird). Sie besteht bislang aus folgenden Teilen:

Teil 1
Teil 2
Teil 0
Teil 3
Teil 3,5
Teil 4

2. To Team or not to Team

Jeder, der sich dafür interessiert hat, kam wohl kaum umhin zu bemerken, dass beim Projekt MU-Team zuletzt offensichtlich Sand ins Getriebe geraten ist. Welcher Art dieser Sand war, was das für das Getriebe bedeutet hat, und wie dieses Gefährt in Zukunft weiter gesteuert werden wird, könnt Ihr voraussichtlich diesen Donnerstag in einem Artikel von mir auf Magic Universe lesen.

3. Casual-Artikel

Der aktuelle Casual-Wettbewerb bei MU ist noch in vollem Schwung, und ich werde mich noch einmal dazu äußern, wenn alle Beiträge veröffentlicht wurden. An dieser Stelle will ich aber auf einen Artikel von The Ferret auf magicthegathering.com verweisen, der meiner Ansicht nach den perfekten Wettbewerbsbeitrag in der Sparte FFA darstellte! Ich bin ehrlich doch sehr enttäuscht, dass beim Wettbewerb niemand wirklich auf Emperor- oder FFA-spezifische Taktiken eingegangen ist. Für mich ist das ein Indiz dafür, dass sich “echte” Casual-Spieler einfach nicht auf Magic-Seiten herumtreiben. Wo sind denn nur die ganzen Leute, die seit Jahren diese Formate spielen und uns aus ihrem reichhaltigen strategischen Erfahrungsschatz berichten könnten? Sitzen sie wirklich alle in Hinterzimmern kleiner Magic-Shops und vertauschen Kiddies Craw Wurms gegen Doppelländer?

4. TrashT verliert PT Valencia

Wahrscheinlich wusstet Ihr das ja schon, aber falls nicht: Hier steht’s. Oh, und falls Euch die Abschnittsüberschrift wundert: Die Pro Tour hat nur einen Gewinner, also müssen alle anderen wohl Verlierer sein! Das ist die amerikanische Denkweise. Gewöhnt Euch besser daran, falls Ihr es nicht schon längst habt, denn sie steht auch in Deutschland immer stärker im Vordergrund. Immerhin kann man Trash dazu gratulieren, hier als Letzter verloren zu haben!

5. Sind Deutsche die neuen Franzosen?

Eigentlich noch interessanter ist eine andere Geschichte von dieser Pro Tour: Zwei unserer (durchaus nicht übermäßig zahlreichen) deutschen Pros wurden disqualifiziert! Ist Deutschland die neue Nummer Eins unter den Cheatern?

Nun… ich weiß, wie viele Menschen bescheißen, wann immer sie glauben damit durchzukommen, und bin daher bislang immer sehr skeptisch gewesen, wenn ein disqualifizierter Spieler seine Unschuld beteuert. Und dann kenne ich den Thaler und den Jöns ja nicht persönlich, aber ist der Erstere nicht von Beruf Gebrauchtwagenhändler, und hat der Letztere nicht diesen wirklich bösen mephistophelischen Spitzbart?

Muss ich ihnen deswegen nicht absolut zutrauen, dass sie – Moment, was steht da – vor einer Partie einen Prize Split ausmachen (was erlaubt ist) und dann besprechen, wer von ihnen aufgeben sollte, weil der andere bessere Gewinnchancen hat (was auch erlaubt ist)?

Noch einmal Moment mal! Sie haben also zwei Dinge getan, die erlaubt sind, und wurden dafür disqualifiziert, dass sie sie beide zusammen getan haben – obwohl sie diese beiden Dinge zeitlich separat getan haben?

“Conceding in the hopes of getting more money from a split qualifies as Bribery” – WTF??? Wie absurd ist das denn, bitteschön? Wie kann man einerseits den Spielern erlauben, Prize Splits zu vereinbaren und ihnen dann verbieten, eine ebenfalls erlaubte Concession durchzuführen, um ihre finanziellen Gewinnchancen zu maximieren?

Die Regeln bezüglich Bribery waren schon immer äußerst heikel, aber bislang GLAUBTE ich zumindest, sie verstanden zu haben. Klar, man darf den Gegner nicht auffordern aufzugeben, indem man ihm etwas dafür anbietet, wie zum Beispiel einen Prize Split. Hier aber war der Prize Split bereits VORHER beschlossen worden! Im Zusammenhang mit der Concession wurde also keinerle Angebot gemacht; die Konsequenzen daraus standen längst fest.

Ich muss hier deutlich sagen: Für dieses Vergehen hätte ich auch disqualifiziert werden können, wenn es mich durch einen kosmischen Schluckauf wieder auf eine Pro Tour verschlagen hätte! Ein vorher ausgemachter Prize Split (zum Beispiel auch in einem Team), eine Concession basierend darauf, wer die besseren Gewinnchancen hat – ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass das illegal ist, und ich würde sogar behaupten, es WAR bislang auch nicht illegal!

Die DCI Policy zum Thema Bribery wird immer undurchsichtiger, undurchschaubarer und unlogischer. Diese Entscheidung hier kann ich überhaupt nicht nachvollziehen!

6. MTG Blogs

Das längste Thema zum Schluss: Seit letzter Woche sind bei GerMagic die MTG Blogs gestartet. Ich bin in den Kommentaren gefragt worden, was ich davon hielte, und tatsächlich hatte sogar EvilBernd himself mich bereits angemailt, ob ich nicht Zeromagic dorthin verlegen wollte!

Nun, was halte ich davon? Zunächst einmal ist es ein durchaus wichtiges Projekt für die deutsche Magic-Szene, und auch wenn ich mein Blog im Gegensatz zu GerMagic keineswegs als Nachrichtenportal begreife und daher auch keinerlei Anspruch auf Erwähnung aller Community-relevanten Ereignisse erhebe, hatte ich sowieso vor, ein paar Sätze dazu zu sagen, sobald ich dazu komme (und etwas zu sagen wusste). Was das Ganze soll? Nun, einmal nehme ich EB durchaus die Motivation ab, damit etwas für die Gemeinschaft tun zu wollen, indem er die Blogging-Szene belebt. Zum anderen sehe ich aber auch ganz klar sein Bedürfnis, damit seiner Seite und sich selbst einen höheren Stellenwert zuzuweisen! Das ist sein gutes Recht, und wer etwas Gutes tut, darf sich damit auch in den Mittelpunkt stellen, aber diese Motivation kollidiert ein wenig mit dem Sinn des Projektes.

Da ist einerseits der Aspekt, dass potenziellen Bloggern ein technisch eingerichteter Ort, sowie eine prominente Verlinkung zu ihren Beiträgen geboten wird, was sicherlich dazu führt, dass mehr Leute bloggen. Da ist aber andererseits das mehrfach artikulierte Bedürfnis, alle deutschen Magic-Blogs auf einer Seite zu versammeln, und da muss ich schon einmal nachfragen: Warum eigentlich? Was hat zum Beispiel – außer EB selbst natürlich – irgendjemand davon, wenn Zeromagic plötzlich von Germagic gehostet wird? Wenn es darum geht, die Community darüber zu informieren, wenn ich etwas gepostet habe, dann kann man meine Einträge dort so oder so verlinken; das ist also ein Scheinargument. Was an einer Monopolisierung der deutschen Blog-Szene jetzt genau so erstrebenswert ist, begreife ich auch nicht: Ein Portal mit einer Linkübersicht, logisch, das ist eine tolle Sache – aber wieso sollen die ganzen Blogger sich dafür auf der GerMagic-Domain versammeln müssen?

Hier sehe ich eine Vermischung zwischen einem Dienst an der Magic-Gemeinde und dem Versuch, einen größeren Teil der Magic-Szene für sich zu vereinnahmen. Insbesondere ich weiß wirklich nicht, warum ich mich ausgerechnet vom bekennenden Pischner-Hasser EvilBernd hosten lassen sollte!

Noch ein paar Worte zu den postiven Aspekten des Ganzen: Ein Portal zu allen Magic-Blog-Einträgen, das klingt erst einmal sehr interessant (würde aber bedeuten, dass EB eben auch zu nicht von ihm gehosteten Blogs verlinkt, wie eben Zeromagic, oder auch die ZK-Blogs etc…) Wenn das so nicht gedacht ist, dann bleibt als potenzielles Positivum noch die Belebung der Blog-Szene. Viele werden das automatisch als Positivum sehen, und das war auch mein erster Gedanke, aber nachdem ich dann ein wenig mehr nachgedacht hatte und das Projekt dann tatsächlich gestartet war, fiel mir auf, dass ich diese Wirkung im Endeffekt als NEGATIV begreifen muss!

Wie allgemein bekannt sein dürfte: Ich bin kein Freund von Quantität zu Lasten von Qualität. Genau das passiert hier aber: MTG Blogs wird von Blogeinträgen überschwemmt, die schlicht und einfach nicht lesenswert sind. Das führt nur dazu, dass ich auch die paar lesenswerten nicht mehr lese, weil ich keine Lust habe, in diesem Riesenhaufen Verbalmüll danach zu suchen! Bevor MTG Blogs eingerichtet wurde, habe ich die auf der Frontseite von Germagic verlinkten Blogs ALLE gelesen. Das waren zu Stoßzeiten vielleicht 2 bis 3 Blogs pro Tag, in ruhigen Zeiten die gleiche Anzahl in einer Woche. Auch damals war nicht alles lesenswert – ich würde den Anteil mit ca. 50% angeben – aber es waren übersichtliche Mengen, und das Verhältnis von Körnern zu Spreu erträglich.

Jetzt lese ich, nachdem ich die Anfangsphase noch genau mitverfolgt hatte, in MTG Blogs unterdessen gar nicht mehr, wenn mir nicht der Autor bereits bekannt (UND natürlich einigermaßen positiv aufgefallen) ist, und bei der schnellen Rotation der Einträge geht mir möglicherweise sogar ein solches Blog ab und zu durch die Lappen. Das geht mit Sicherheit nicht nur mir so! Es werden also zwar mehr Blogs geschrieben, aber deswegen keineswegs mehr Blogs gelesen, und insbesondere muss man befürchten, dass gerade die lesenswerten Beiträge von weniger Lesern aufgesucht werden, als es bei dem alten System der Fall gewesen wäre!

Von den ganzen Schreiberlingen, die sich jetzt neu auf GerMagic tummeln, sind vielleicht 10% Korn; der Rest ist Spreu. EB hat Leute dazu gebracht zu bloggen, die von alleine ihren Arsch dazu nicht dazu hochgekriegt haben – aber warum eigentlich? Wenn jemand nicht von alleine auf die Idee gekommen ist, sich ein Blog einzurichten, wie groß ist die Chance, dass derjenige auch wirklich etwas Interessantes zu sagen hat?

Unterdessen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass das gesamte Konzept ein Fehler ist! EB hat es Leuten ermöglicht, mit dem selben geringen Aufwand ein Blog zu betreiben, mit dem man einen Forenthread vollspammt, und die Ergebnisse sind vergleichbar. Diejenigen Blogger, die sich mit ihrem Blog tatsächlich Mühe geben, gehen unter. Das ist genau das Gegenteil von dem, was ich mir wünsche!

Nach entsprechendem Feedback von unterdessen doch schon zahlreichen Kommentatoren wird EB nicht umhin kommen, einen Selektionsprozess zu beginnen, der darauf hinausläuft, dass lesenswerte Blogger prominent gefeaturet werden, und weniger lesenswerte eben nicht. Das macht letztlich eine subjektive (und mit einem gewissen Zeitaufwand verbundene) Auswahl nötig, die bislang einfach dadurch, dass das Einrichten eines eigenen Blogs mit einem Minimum an Mühe verbunden war, ganz gut ersetzt wurde.