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Eine Wasserstandsmeldung für die deutsche Magic-Szene

January 13, 2011

Aus irgendeinem “Großen Buch der Schottenwitze” oder einer ähnlichen Publikation:

“Meine Frau geht mir dermaßen auf die Nerven! Da sind wir kaum ein paar Tage verheiratet, schon hat sie nur noch ein Thema: Geld, Geld, Geld! Immerzu will sie Geld von mir, morgens, mittags, abends, für Essen, für Kleidung, für dieses und jenes. Sie spricht von gar nichts anderem mehr – es ist kaum auszuhalten!”

“Das ist wirklich nervig. Wieviel gibst Du ihr denn so?”

“Na, bis jetzt noch nichts.”

So komme ich mir auch vor, wenn ich wieder einmal an dem miserablen Artikelprogramm von Magic Universe herummeckere und mir gesagt wird, dass ich immer nur meckere. Warum sollte ich damit aufhören, wenn es doch einfach nicht besser wird?

Tatsächlich versagt die Redaktion, obwohl sie nach meinem Kenntnisstand aus immerhin drei Leuten besteht (erinnert Ihr Euch noch an die Zeit, als TobiH den ganzen Laden dort alleine schmiss – und das weit besser?), auf der ganzen Linie: Bei der Vorauswahl der zu veröffentlichenden Artikel. Beim inhaltlichen Lektorat. Bei der Fehlerkorrektur. Bei der Aufbereitung der Texte.

Alles andere wäre gelogen: MU krabbelt schon seit längerer Zeit auf niedrigstem Niveau herum. Aber wie ist es beim Planeten? Nun, da ist die Situation deutlich anders, denn dieser hat sich in den letzten Jahren von einem respektablen Niveau aus in einen langsamen Sinkflug begeben. (Die Degeneration des angeschlossenen Forums zu einem Spammer-Flashmob hingegen schreitet deutlich rascher voran.) Und dann ist da jene kryptische Ankündigung von Tobi:

Und das ist auch das Schlusswort für heute. Nächste Woche gibt’s mehr Schlussworte.

Klar, das kann man auf tausenderlei Arten deuten, aber die nächstliegende ist offensichtlich, dass ein Abschied von Tobi ansteht! Tja – und dann?

Dass dem hauptverantwortlichen Redakteur des Planeten zuletzt so nach und nach die Motivation abhanden gekommen ist, konnte man an einer Vielzahl von Kleinigkeiten merken, wenn man darauf achtete. Tobi hat seinen Job weiterhin professionell erledigt, aber von dem Elan und besonderen Engagement, welches ihn besonders in seiner Anfangszeit auszeichnete, war kaum noch etwas zu spüren. Eine Umorientierung zum neuen Jahr (mit einer gewissen Übergangsfrist) erscheint als logische Konsequenz. Das kann nicht gut sein für die deutsche Magic-Szene, denn sowohl der Planet als auch MU waren ohne Tobi am Ruder bestenfalls als bemüht, zumeist jedoch als enttäuschend bis hin zum Totalausfall zu bezeichnen. Wo sollte jemand herkommen, der ihn auch nur einigermaßen adäquat ersetzt? Wer würde ihn bezahlen wollen? Wie soll er lesenswerte Autoren finden? Nach dem Abschied von Nico Bohny ist MiDi doch der letzte verbliebene regelmäßige Schreiber, auf den dieses Prädikat zutrifft, und auch er hatte immer mal wieder seine inhaltlichen Dürreperioden gehabt. Noch scheint die Situation nicht so verzweifelt, dass man auf einen DSD-Steve zurückgreifen müsste, aber die Alternativen werden weniger. Sollte gar das komplette Artikelprogramm des Planeten eingestampft und durch eine angeschlossene Blog-Plattform ersetzt werden? Aber vielleicht ist das Ganze ja nur eine gewaltige Fehlinterpretation meinerseits.

Aprops Blog-Plattform: MagicBlogs droht nach seinem furiosen Auftakt ein wenig einzuschlafen – weniger von Betreiberseite aus (obwohl auf der ToDo-Liste schon noch ein paar wichtige Dinge abzuhaken wären), als vielmehr von Besucher- und Bloggerseite. Vielleicht bilde ich mir das ja auch ein, aber das Kommentaraufkommen scheint mir zuletzt doch spürbar zurückgegangen zu sein, und die Blogs… naja, wir haben halt wieder “Hallo Welt” und “Spam”-Beiträge… Lesenswertes scheint hier noch einmal eine deutliche Spur dünner gesät zu sein als zuvor auf GerMagic.

Und dann ist da noch der Goyf. Ich kann leider nur sagen: Ich rufe ihn kaum noch auf. Er bietet mir halt nichts, was ich nicht auch auf anderen Seiten finde: Nachrichten gibt es (und zwar die selben) auch auf dem Planeten und auf MagicBlogs – nur, dass ich dort zusätzlich auch lesen kann, was andere Leute darüber denken, während der Goyf ja immer noch über keine Kommentarfunktion verfügt. Ich habe es dem Atog schon gesagt, und ich sage es noch einmal: Nachrichten ohne Kommentarmöglichkeit braucht niemand – jedenfalls nicht, wenn er stattdessen die selben Nachrichten MIT Kommentarfunktion haben kann! Die Links wiederum sind dermaßen unübersichtlich, dass ich sie mir überhaupt nicht mehr ansehe. Das brauche ich auch nicht: MagicBlogs verlinkt alles Deutsche, was mich interessiert (genau genommen weit mehr), und die wichtigen englischen Seiten finde ich über den Planeten oder rufe sie einfach direkt auf. Das wäre sicherlich anders, wenn die verlinkten Seiten übersichtlich präsentiert und sinnvoll angeordnet wären, aber hier ist leider keinerlei Verbesserung geschehen oder zu erwarten.

Der Goyf ist auf halbem Weg stehen geblieben: Zwar hat sich der Atog damit schon einiges an Arbeit gemacht, aber zu den letzten notwendigen Schönheitsreparaturen, welche Benutzerfreundlichkeit erfordern würde, kann er sich offenbar nicht durchringen. Ich fürchte, damit gerät er in eine negative Feedback-Schleife: Seine Seite wird immer weniger angenommen, was wiederum seine Motivation, an ihr zu basteln, weiter vermindert. Oh, und ich sage das nicht nur ins Blaue, wenn ich davon ausgehe, dass es anderen Lesern genau so wie mir geht: Ich habe zwar keinen Zugriff auf die Besucherstats des Goyf, aber ich kann aus meinen eigenen Blog-Stats ablesen, wie oft Leser von dort zu mir kommen, und wie oft von anderen Seiten (wie eben MagicBlogs oder PlanetMTG) – und wie sich diese Zahlen in den letzten Wochen entwickelt haben. (Dabei muss man berücksichtigen, dass ich auf MagicBlogs und Goyf im Gegensatz zum Planeten, der gerne einmal “vergisst”, auf meinen neuesten Artikel zu verweisen, per Feed automatisch dauerverlinkt werde.) Soweit es Zeromagic betrifft, hat Goyf mindestens seit der letzten Woche komplett zu existieren aufgehört, während mir MagicBlogs weiterhin einen regelmäßigen Zustrom an Klicks bringt!

Das einzige wirklich Positive am Goyf ist daher, dass er eine Art Backup für die Szene darstellt, falls MagicBlogs in einer EvilBernd-Aktion urplötzlich aus dem Netz geschossen wird und nur noch verbrannte Erde hinterlässt. Ansonsten machen ihn seine fehlende Benutzerfreundlichkeit und das offensichtliche Desinteresse des Betreibers, mit der Community zu interagieren, zur klaren Nummer zwei in einem Bereich, in dem man nur eine Nummer benötigt.

Oh, und dann ist da ja noch Zeromagic. Auf Grund meiner weiter schwindenden Aktivitäten im Magic-Bereich nimmt hier auch die Beitragsdichte ab. Noch viel stärker allerdings ist das Kommentaraufkommen zurückgegangen! Ich denke, da lässt sich klar eine Zäsur ausmachen, die mit der Einstellung von GerMagic einhergeht. (Natürlich hatte es ein knappes Jahr vorher bereits eine Zäsur gegeben, als ich nur noch Kommentare von bei WordPress angemeldeten Besuchern zuließ, aber das hatte sich längst auf einem niedrigeren Niveau wieder eingependelt.) Zählt man die eng zusammen hängenden Seiten GerMagic, Mtgpop & Mtgblogs zusammen, waren diese der zweitwichtigste Referrer für Zeromagic (wenn auch mit WEITEM Abstand hinter dem Planeten, der für mehr als SIEBEN Mal so viele Klicks bei mir verantwortlich war – das sollte Euch einen Eindruck davon vermitteln, wie wichtig der Planet für die Szene ist!) So problematisch eine Zentralisierung der Szene auch ist, wie EB uns mit seinem virtuellen Amoklauf vor Augen geführt hat, so wichtig ist sie offenbar doch auch für eine aktive Community. MagicBlogs hat nur einen Bruchteil der GerMagic-Besucher an sich binden können, und ich habe keinen Zweifel daran, dass es in der übrigen Szene insgesamt ebenso wie bei Zeromagic aussieht: Es ist ruhiger geworden.

Was würde wohl passieren, wenn der Planet aufhören sollte sich zu drehen? Wir wollen es uns nicht ausdenken!

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Neubelinkung

October 25, 2010

Der Kaiser ist tot, es lebe… nun, die Community zeigt tatsächlich Lebenszeichen!

Als unmittelbarer Nachfolger für die Funktionen GerMagics als Blog-Plattform und Magic-Portal (und teilweise wohl auch als Nachrichtenseite) hat der Ormus MagicBlogs ins Leben gerufen, und das sieht bislang wirklich sehr gut aus!

Der Deckcheck ist natürlich unersetzlich. Ich vermisse dabei weniger die Flut an aktuellen Decklisten von mehr oder weniger wichtigen Turnieren, sondern vielmehr das Archiv interessanter Decklisten über die Jahre. Eigentlich habe ich die fehlende Selektion im Deckcheck immer sehr negativ gesehen – irgendwelche 12-Leute-Turniere aus Nowosibirsk oder Djakarta verstopften den Blick auf relevante Decklisten, und die Such- und Sortierfunktionen waren zwar sehr zahlreich, aber alles andere als praktisch gewesen.

Jetzt allerdings sind viele Decklisten großer Events schlicht futsch und viele andere über das Internet verstreut, was mich als Magic-Historiker natürlich betrübt. Das ist der wahre Verlust, den EB mit seiner Verbrannte-Erde-Politik der Community zugefügt hat. Alles andere werden wir vermutlich bereits in wenigen Wochen nicht mehr vermissen. Sogar ein Nachfolger für den Deckcheck (natürlich ohne ein zurückreichendes Archiv) hat sich bereits gefunden: TC Decks.

Auf jeden Fall sollten wir aus EBs Größenwahn lernen und dafür sorgen, dass nicht mehr so viele Magic-Ressourcen mit einem einzigen Knopfdruck vernichtet werden können. Ich werde deswegen meine Link-Sektion ein wenig ausbauen und hoffe, dass auch andere meinem Beispiel folgen werden, so dass Blogs wie zum Beispiel Couchmagic gegenüber zentral auf MagicBlogs gefeatureten in der öffentlichen Wahrnehmung nicht allzu sehr zurückfallen. Das Missverhältnis zwischen Qualität und Prominenz bei den GerMagic-Blogs empfand ich schon immer als störend. Ich bin der Ansicht, dass ein Blogger, der sich die Mühe macht, eigenständig interessanten Content zu produzieren, dafür eher belohnt als bestraft werden sollte – aber auch, dass diejenigen kompetenten Blogger, die eine solche Plattform nutzen, nicht in der Masse uninteressanten bis peinlichen Geschreibsels untergehen sollten. Ich werde also schauen, welche Blogger mir positiv auffallen und diese dann – unabhängig davon, ob sie bei MagicBlogs dabei sind oder nicht – gesondert verlinken. Im Moment sehe ich da allerdings Couchmagic als den einzigen Kandidaten (ich brauche mich ja nicht selbst zu verlinken). Falls jemand noch ein Blog kennt, welches sowohl quantitativ als auch qualitativ gewissen Mindestansprüchen genügt, kann er mich gerne darauf aufmerksam machen.

Dann will ich schließlich noch zwei weitere Seiten verlinken, die von gewisser Bedeutung für die deutsche Community sind, nämlich Mercadia und das MTG-Forum. Bisher habe ich nur solche Seiten verlinkt, die ich auch selbst zumindest ab und zu besuchte, da ich Zeromagic nicht als Portal begreife. Allerdings denke ich jetzt, dass ein etwas höherer Grad an Vernetzung in der Community wichtig ist. So praktisch ein zentrales Portal auch sein mag: Eine erneute beherrschende Monopolstellung sollten wir versuchen zu vermeiden!

Nero

October 18, 2010

Merkwürdig: Natürlich ist EBs Abschiedsbotschaft auf dem Planeten verlinkt, und auch die Stellungnahme vom Atog, aber meine Meinung zu der eingetretenen Änderung nicht. Da Beiträge auf Zeromagic üblicherweise automatisch in den Planeten-Links auftauchen, muss man sich schon fragen, ob da irgendjemand bewusst unterschlagen will, dass diese Änderung (die ja eigentlich eine Korrektur ist) auch Befürworter hat!

Bei dieser plötzlichen Weltuntergangsstimmung ist es allerdings meiner Ansicht nach angemessen, tief Luft zu holen, gedanklich einen Schritt zurückzutreten und sich zu fragen: WAS IST EIGENTLICH WIRKLICH PASSIERT?

Wizards haben ein Promoprogramm, das sie aus ihrem PR-Budget finanzieren, auf Veranstalter beschränkt, die sie mit ihrer Promotion unterstützen wollen. Selbstverständlich können alle TOs weiterhin sanktionierte Turniere durchführen! Es fallen für manche TOs (für Magic, aber wen hier kümmert D&D?) zwei Dinge weg: Die Möglichkeit, Prereleaseturniere durchzuführen, und der Bezug von Promomaterialien.

Was das ganze Promozeugs angeht: Aus Sicht der Spieler und TOs sind das Gratisgeschenke von Wizards an ihe Kunden und die Community! Sich darüber aufzuregen, dass diese Gratisleistung, welche Wizards zwei Jahre lang erbracht haben, jetzt (und das auch nur teilweise) wieder wegfällt, ist infantil – ein bisschen so, als würde man eine Fastfoodkette boykottieren, weil eine dieser Aktionen, bei denen man zu seinen Menüs Actionfiguren aus Plastik dazubekommt, beendet wird! Erstaunlicherweise findet man eine pervertierte Version dieser Einsicht in den Kommentaren zu der Schließung von GerMagic, aber auf Wizards wird sie überraschenderweise kaum angewendet.

Aus Sicht von Wizards sind diese Promomaterialien natürlich keine Geschenke, sondern Werbemittel, und diese wollen sie in derjenigen Weise einsetzen, die ihnen am zweckmäßigsten erscheint – und zwar, indem sie Ladengeschäfte damit aufwerten. Wie ich bereits sagte, ist dies eine überfällige Korrektur, da Ladengeschäfte langfristig für den Fortbestand von Magic von essenzieller Bedeutung sind, es jedoch in den letzten Jahren immer schwerer hatten.

Sich über den Wegfall bunter Promos zu beklagen (deren Hauptzweck es sowieso ist, auf Ebay vertickt zu werden – vom Missbrauch dieses Programms einmal ganz abgesehen), ist Herumgejammere auf Dudley-Dursley-Niveau. Spielt Ihr Eure Turniere tatsächlich nur wegen dieser Promos? Dann seid Ihr reichlich erbärmliche Mitglieder der Magic-Community!

Dann sind da die Prereleases. Die finden heutzutage gerade einmal eine Woche vor den Release-Turnieren statt. Ihren großen Event-Charakter haben sie bereits vor Ewigkeiten verloren (vor deutlich über einem Jahrzehnt!), als es deutschlandweit nur 4-6 Stück davon gab, und man zu einem Prerelease noch gemeinsam anreiste wie zu einem PTQ. Heute stellen sie hauptsächlich Treffpunkte für die Community dar. Und nun kommt der Hammer: Wizards wollen, dass diese Treffpunkte in Ladengeschäften oder zumindest an mit Ladengeschäften verbundenen Orten stattfinden! (So, wie es bis vor zwei Jahren auch bereits gewesen ist!) Ja, das bedeutet, dass in manchen weit von Läden entfernten Communities keine Prereleases mehr stattfinden können. Aber, wenn Ihr einmal einen Moment darüber nachdenkt: Die immer unzureichendere Versorgung mit Ladengeschäften ist ja gerade das Problem, gegen welches Wizards mt der Korrektur ihrer Richtlinien für Promoveranstaltungen endlich vorzugehen beginnen! Privat veranstaltete Prereleases und FNMs sind sowohl eine unfaire Konkurrenz in Gebieten, in denen es noch Läden gibt (weil es natürlich angenehmer ist, in privater Atmosphäre zu zocken, als in einem Laden), als auch ein erheblicher Motivationsdämpfer für Läden und potenzielle Ladeneröffner in Gebieten ohne Magicshops, Magic zu führen und zu unterstützen.

Um es klar zu sagen: Prereleases und Promo-unterstütze Turniere sind (jetzt endlich wieder) der einzige Grund für Magicspieler, Läden überhaupt noch zu betreten! Im Internet kauft man billiger und bequemer. Zocken kann man privat mit Freunden am Wohnzimmertisch oder in der Kneipe. Die Ausweitung des WPN-Programms auf private Veranstalter war eine unglaubliche Dummheit und ein Schuss in die Knie der Magicläden, und damit letztlich auch in die Wizardschen Knie (die glücklicherweise eine Menge Trefferpunkte besitzen) gewesen.

Prereleases und Promos sind (endlich wieder!) Tools, mit denen Wizards Ladengeschäfte unterstützen. Wenn Ihr sie haben wollt, dann müsst Ihr auch Ladengeschäfte unterstützen. Wenn nicht, dann müsst Ihr halt mit Euren ersten Spielerfahrungen mit den neuen Karten eine volle Woche bis zum Release-Termin warten (Schock!) und Euch Eure Promos antauschen oder im Internet bestellen. Oh, oder Ihr könnt natürlich im Internet ein Dudley-Dursley-Tantrum werfen und hoffen, dass Ihr laut genug schreit, dass irgendetwas passiert. Wer weiß – nach all den Änderungen der letzten Jahre, die tatsächlich schlecht für das Spiel gewesen sind, habt Ihr ja diesmal bei einer notwendigen und sinnvollen Änderung vielleicht sogar Erfolg?

…vor allem, wo doch der große EvilBernd jetzt so ein mannhaftes und integres Zeichen setzen will, indem er alle seine Magic-Seiten vom Netz nimmt? DAS muss Wizards jetzt doch aber wirklich tief treffen, nicht wahr?

Was für ein Quatsch!

Es ist wieder einmal an der Zeit, die Dinge nüchtern zu betrachten: EvilBernd hat sich seit vielen Jahren sehr, sehr viel Arbeit mit den von ihm betriebenen Seiten gemacht, und er hat es getan, ohne daraus finanziellen Nutzen zu ziehen. Das habe ich auch immer wieder gelobt. Jetzt macht er das Ganze dicht, und überall liest man, wie schade das doch ist, und dass das letztlich allein seine Sache sei, weil er schließlich niemandem jemals etwas schuldig wäre, und was für ein tolles Signal an Wizards das doch sei.

Leute: Lasst Euch nicht verblöden! Ja, es ist schade, wenn GerMagic dicht macht; so weit kein Widerspruch hier. (Allerdings ergeben sich aus dieser Situation durchaus auch Chancen, doch dazu später mehr.) Dass GerMagic jedoch allein die Sache von EvilBernd (und vielleicht noch dem einen oder anderen mehr oder weniger festen Mitarbeiter wie “schattengaenger” und dem Atog) sei, ist schlicht nicht richtig! Insbesondere der Deckcheck (und es sind sich ja alle einig, dass dieses Feature mit Abstand das Wichtigste und Interessanteste an GerMagic ist), ist von der gesamten Community aufgebaut worden. Jeder, der jemals Decklisten eines Turniers dort eingetragen hat, hat sich daran aktiv beteiligt. Mit der ersatzlosen Herunternahme dieser Seite (und der Weigerung, sich für irgendeine Lösung zu deren Weiterbestand offen zu zeigen), tritt er der gesamten Magic-Community – deretwegen er doch angeblich diese Aktion überhaupt durchführt – in den Arsch! Nein, der Deckcheck ist NICHT alleine seine Sache; er ist die Arbeit von Hunderten, möglicherweise Tausenden Spielern auf der ganzen Welt. Er hat die Plattform dafür angeboten, das ist richtig, und dafür schuldet ihm die Community Dank und Respekt. Wenn er diese Plattform jetzt aber mit sämtlichen Inhalten ersatzlos entfernt, und zwar aus dem selben Grund, aus dem der Hund sich die Eier leckt (nämlich WEIL ER ES KANN), dann gebührt ihm dafür weder Dank noch Respekt, denn das ist nichts weiter als eine Arschlochaktion, und dieses Entfernen als Druckmittel gegenüber Wizards einzusetzen und dabei die Community zu instrumentalisieren, hat nichts mit Integrität zu tun, sondern ist im Gegenteil schlicht schäbig.

Der Atog schreibt, er könne sich die deutsche Magic-Szene ohne GerMagic gar nicht vorstellen. Das geht offensichtlich Vielen so, aber an dieser Stelle muss man sich doch auch einmal fragen: Ist das denn wirklich ein guter Zustand, wenn diese Szene tatsächlich von der Arbeit, aber auch von den Launen einer einzelnen Person abhängt?

EvilBernd hat in den letzten Jahren bewusst und gezielt darauf hingearbeitet, sich diese Monopolstellung in der deutschen Szene zu schaffen. Erinnert ihr Euch noch, wie er mir (trotz offenkundiger beidseitiger massiver Antipathie) angeboten hat, mein Blog auf seine Plattform zu verlagern? Meine Reaktion damals war im Wesentlichen gewesen “Für wie blöd hält der mich eigentlich? Ich soll mein Blog tatsächlich von diesem größenwahnsinnigen Egomanen abhängig machen?” Andere haben es gemacht. (Nur der Atog war vernünftig genug, unabhängig zu bleiben.) Oh, und nachdem EB nun also massiv darauf hingearbeitet hat, möglichst viele deutsche Blogger auf seine Plattform zu verfrachten, macht er diese einfach dicht, WEIL ER ES KANN, und weil er ja niemandem etwas schuldig sei. Leute: Auch MTGBlogs sind nicht ausschließlich das Werk von EB, sondern ebenfalls von all denen, die dort Einträge verfasst haben! Diese Plattform jetzt einfach aufzulösen, ist eine kaum zu überbietende Missachtung all derjenigen, die dort aktiv gewesen sind – ein weiterer Tritt in den Hintern der Community, für die er sich doch angeblich so einsetzt.

Aber letztlich geht es doch nur um den Deckcheck. Wenn man sich die Features ansieht, die GerMagic bietet, stellt man fest, dass dieser das Einzige ist, was unersetzlich erscheint. News-Meldungen kann man auch auf dem Planeten lesen oder selbst produzieren. Die meisten MTGBlogs waren alles andere als lesenswert, und diejenigen Blogger, die tatsächlich etwas zu sagen haben, werden auch in der Lage sein, eine andere Plattform zum Bloggen zu finden. (WordPress zum Beispiel ist kostenlos und sehr komfortabel.) Eine Seite, welche automatisch neue Einträge in Blogs und Foren verlinkt, wird einer der zahlreichen Magicspieler mit Programmierkenntnissen auch auf die Beine stellen können. Die Quotes sind zwar witzig, aber beileibe kein essenzielles Feature (und können in jedem beliebigen Forum als Thread wieder eingeführt werden).

Bei all diesen Punkten ist es hauptsächlich die Bequemlichkeit zu wissen, dass EB sich ja bereits um alles kümmert, die verhindert hat, dass sie an anderer Stelle zu finden waren. Diese Bequemlichkeit geht jetzt verloren. In dieser Hinsicht hat der Arschtritt, welcher EB der deutschen Community (und nicht etwa Wizards) gerade verpasst, auch tatsächlich ein Gutes: Vielleicht kommt die Szene ja jetzt in die Hufe! Eine (sponsorunabhängige) Seite, die News-Meldungen verfasst und Links auf deutschsprachige Blogs setzt, liegt sicherlich für aktive Community-Mitglieder im Bereich des Machbaren. Sich bei WordPress selbst ein Blog einzurichten erfordert praktisch kaum Eigenleistung (jedenfalls dann, wenn man sich nicht an einer Optik stört, die nur ca. doppelt so angenehm ist, wie die des typischen MTGBlogs). Hier beginne ich unterdessen, die Einstellung von GerMagic sogar POSITIV zu sehen: Diese eingefahrene Fokussierung auf GerMagic hat die deutsche Community eher gelähmt als inspiriert. Genau aus diesem Grund hatte ich damals bereits auch nichts von der Einrichtung der MTGBlogs gehalten.

Der Deckcheck allerdings, der ist unersetzlich. Aber warum? Nun: Weil EB ihn unersetzlich GEMACHT hat! Er hat da eine Menge Arbeit hineingesteckt, und er hat dafür gesorgt, dass er so selbst auf internationaler Ebene eine Monopolstellung erlangte. Diese Monopolstellung ergab sich zwangsläufig: Es ist ja gerade der Sinn einer solchen Datenbank, dass man alle Informationen an der selben Stelle findet! Welchen Grund hätte es also gegeben, eine Konkurrenzseite zum Deckcheck aufzuziehen?

Nun, die internationale Magic-Community sollte EB für die Lektion dankbar sein, die in der Beantwortung dieser Frage liegt: WEIL EIN MONOPOL NIEMALS GUT IST! Weil, zum Beispiel, ein größenwahnsinniger Egomane wie EB die gesamte Arbeit, die er selbst, aber eben auch Hunderte andere in dieses Projekt gesteckt haben, nicht nur einstellen, sondern gezielt einreißen kann, wenn es ihm passt. Er wird seinem Nick hier wirklich gerecht, denn das ist die Methode des Bösen: Da ist zunächst die Verlockung des Einfachen und Bequemen. Daraus ensteht dann die völlige Abhängigkeit. Wenn dann plötzlich der Teufel einem seine Gunst entzieht, stellt man fest, dass man nichts mehr hat, und es folgt das Entsetzen. Und der Catch dabei ist, dass einem der Teufel NICHTS SCHULDET – er hat einem etwas zur Verfügung gestellt, man hat es dankbar angenommen, man hat sich darauf verlassen, und jetzt nimmt er es einem wieder weg. Tja, Pech gehabt!

Es ist aber Unsinn zu sagen, EB sei der Community nichts schuldig, nur weil er für seine Arbeit keine Gegenleistung eingefordert hat! Man kann auch freiwillig Verpflichtungen eingehen, und jemand, der anderen zwar Hilfen zur Verfügung stellt, diese aber auch zur Mitarbeit auffordert, besitzt selbstverständlich die moralische Verpflichtung, diese Mitarbeit zu würdigen! Wenn ich einem Jugendverein Räumlichkeiten zur Verfügung stelle und dabei Spenden für die Einrichtung dieses Raums annehme, dann kann ich natürlich auch von heute auf morgen diese Räumlichkeiten dicht machen. Trotzdem werden diejenigen, die daran mitgewirkt haben, diese Räumlichkeiten einzurichten, aber auch diejenigen, die sie schlicht genutzt und weiterempfohlen haben, sich zu Recht angepisst fühlen, wenn ich mich weigere, auch nur über Möglichkeiten zu reden, wie Funktionen oder Features dieser Jugendeinrichtung gerettet werden können, denn das ist einfach eine Arschlochaktion.

Ich denke, dass EB ein gigantischer Egomane ist, ist allgemein bekannt. Letztlich ist es natürlich aber gerade diese Egomanie gewesen, die ihn dazu motiviert hat, all diese Arbeit in GerMagic zu stecken! Wenn man unentgeltlich Arbeit in ein Projekt steckt – also augenscheinlich EV- macht – dann muss es irgendwo auf der psychologischen Seite eine Belohnung geben, die diesen EV ausgleicht. Was ich damit sagen will: GerMagic hätte es nicht gegeben, wenn EB nicht so wäre, wie er ist. Aber weil EB so ist, wie er ist, musste man auch immer damit rechnen, dass GerMagic ein solches Ende nehmen könnte: Dass sein größenwahnsinniger Betreiber alles in einer theatralischen Aktion abfackelt, um der ganzen Welt zu demonstrieren, WIE WICHTIG er doch gewesen ist.

Ja, GerMagic war sehr, sehr wichtig, insbesondere für die deutsche Magic-Community – weil diese das zugelassen hat! Weil die Leute froh waren, dass jemand sich diese ganze Arbeit gemacht hat und dabei gerne darüber hinweggesehen haben, welche Strukturen dabei eigentlich geschaffen wurden, wie sehr sie sich von einer einzelnen Person abhängig gemacht haben – und was das eigentlich für eine Person war.

Natürlich bin ich, ebenso wie alle anderen, gespannt darauf, ob EB seine Ankündigung wirklich zu 100% wahrmacht und GerMagic einschließlich des Deckchecks als verbrannte Erde hinterlässt. Im Gegensatz zu den meisten anderen bin ich allerdings nicht der Meinung, dass dies tatsächlich so eine Katatstrophe wäre. Der Wegfall dieses Monopolisten wird hoffentlich ein Anstoß für viele frische Initiativen in der Community sein, und dass sich eine Person mit dem charakterlichen Profil von EB aus der Szene zurückzieht, kann ich letztlich nur begrüßen. Allein – ich glaube nicht wirklich daran… wo sonst will er sich denn in Zukunft seine Selbstbestätigung holen, wenn nicht unter Magic-Spielern?

In jedem Fall wird uns der Himmel nicht auf den Kopf fallen. Magic ist gewiss nicht tot, nur weil GerMagic tot ist – es wäre im Gegenteil nur dann tot, wenn die Community darauf nicht mit Eigeninitiative reagieren würde.

Frohe Weihnachten!

December 20, 2009

Auch wenn neulich jemand in den Kommentaren den Weihnachtswunsch geäußert hat, ich solle zu ausgewählten Magic-Artikeln mal wieder so richtig ausführliche Kritiken verfassen – diese Zeiten sind vorbei. Nicht nur, dass ich das jahrelang gemacht habe; ich habe sogar schon eine Artikelreihe über das Schreiben von Magic-Artikeln verfasst! Mein Bedürfnis nach Ausführlichkeit ist damit gedeckt.

Ein Bedürfnis, das ich hingegen immer noch sehr oft verspüre, ist das zu meckern. (Und eines, das ich deutlich seltener verspüre, ist Lob auszusprechen. Natürlich könnt Ihr jetzt behaupten, dass das an meiner Einstellung liegt. Ich hingegen behaupte, es liegt an den betrachteten Objekten!)

Deswegen werde ich heute ein wenig meckern (und auch ein wenig loben), während ich ein paar Worte über diejenigen Magicseiten verliere, die ich am häufigsten besuche.

Daily MTG:

Das Mutterschiff aller Magic-Seiten spiegelt zuletzt auch die Entwicklungen dieses Spiels wider – anders gesagt, auch hier wurde alles ein wenig schlechter! Mit der Hinzunahme von Adam Styborski ins Team wurde die Anzahl der Autoren, welche die Casual-Spielerschaft beleidigen, indem sie geistigen Dünnschiss als extra auf diese zugeschnittenen Content vermarkten verdoppelt, obwohl Noel de Cordovas Mentalfäkalien natürlich weiterhin unerreicht bleiben. Nun ja, da wir ja unterdessen wissen, dass die Stammleserschaft von Daily MTG jeglichen “Spike”-Content ablehnt, dürfen wir uns darüber auch nicht mehr wundern… Wisst Ihr überhaupt, was ein “Spike” nach allgemeinem Verständnis eigentlich ist? Nein? Ich erkläre es Euch:

Wenn Ihr gegen jemanden spielt, dem elementares Spielverständnis abgeht, und dessen Deck konzeptuell völlig außerstande ist, sich gegen Eures zu behaupten, dann ist derjenige ein “Noob”. Wenn Ihr hingegen jemanden zum Gegner habt, der die taktischen Grundlagen des Spiels weitaus besser verstanden hat als Ihr, und dessen Decks Euren Kreationen keinerlei Chance lassen, dann ist derjenige ein “Spike”. So einfach ist das.

Deswegen schreiben für die Casual-Kolumnen auf Daily MTG auch keine Autoren wie Anthony Alongi und The Ferret mehr, die zumindest manchmal noch intelligenten Gehalt und damit auch für “ernsthafte” Spieler Lesbares boten. Und deswegen wird ein Jacob Van Lunen, der immerhin solche Stunts abgezogen hat, wie mit einem echten Budget-Rogue-Deck tatsächlich bei einer Pro Tour anzutreten und dort auch anständig abzuschneiden, von Leserschaft und Redaktion zurückgepfiffen, wenn er zu stark durchschimmern lässt, dass er wirklich etwas von Magic versteht.

Aber auch der ausgewiesene “Spike”-Content lässt qualitativ immer mehr nach, vermutlich einfach deswegen, weil die kritische Leserschaft längst zu anderen Seiten abgewandert ist und sich die Autoren einfach nicht mehr so viel Mühe geben müssen. Steve Sadin beispielsweise hatte zu Beginn seiner Karriere als Schreiber eindeutig einsichtsvoller geschrieben als zuletzt, und auch Flores’ Analysen wirken immer lustloser. Sogar Tom Lapille als Verfasser der Development-Kolumne ist gegenüber Aaron Forsythe (ja, ich weiß, das ist auch schon wieder eine ganze Weile her) ein klarer Rückschritt, was das Spielverständnis angeht. Nur Mark Rosewater, dessen Qualitäten als Magic-Kolumnist sich schon immer mit “alles außer gut spielen können” zusammenfassen ließen, ist weiterhin ein konstantes Highlight, leidet aber darunter, dass er letztendlich derjenige ist, welcher die Fehlentwicklungen der letzten Zeit gegenüber der Allgemeinheit verteidigen muss.

PlanetMTG:

Immer noch die unangefochtene Nummer Eins der deutschen Magic-Szene! Mit Nico Bohny und Michael Diezel schreiben dort gleich zwei regelmäßige Autoren, die erstklassigen Content bieten können – KÖNNEN, wohlgemerkt, dies aber keineswegs auch immer tun! Dabei ist dieser Umstand den Schreibern selbst nur teilweise anzulasten. Wenn man nicht gerade der Chef von Wizards’ Magic R&D-Abteilung ist, gestaltet es sich eben äußerst schwierig, Woche für Woche interessanten Inhalt zu bieten, und so erscheint es geradezu zwingend, dass MiDi zwischen einigen hervorragenden Ideen immer wieder halbgare Decks und Analysen vorstellt, während Bohny (der zusätzlich auch noch für Blackborder schreibt, sich dort aber weder inhaltlich noch kreativ in irgendeiner Form verausgabt) häufig mehr schlecht als recht mit flotten Sprüchen und Off-Topic-Themen den Umstand übertüncht, dass er eigentlich gar nichts zu sagen hat.

Als eine Art Running Gag hingegen muss man wohl die Reihe “Durchschnittsdraft” verbuchen – inhaltlich zwischen mäßig und katastrophal schwankend, ist das Format auf ein absolutes Minimum an Arbeitsaufwand seitens des Autors ausgelegt, der sich nicht einmal zu schade ist, wochenalte, offensichtlich im Komazustand vollzogene Drafts zu präsentieren, weil er einfach nichts Sinnvolleres zu schreiben weiß. Das Ganze erinnert irgendwie an “Dinner for One” zu Sylvester, wenn es mit einer Besetzung aus zwangsverpflichteten Zehntkläßlern aufgeführt würde…

Der Hauptgrund, warum der Planet vor seiner universalen Konkurrenz aber weiterhin deutlich die Nase vorn hat, ist tatsächlich sein Forum, weil – er hat eines! Ich bin nicht wirklich glücklich über die Zustände, die darin herrschen, aber es ist immerhin das einzige Forum, in dem ich zumindest noch semi-aktiv bin. Trotzdem – das Ganze geht mir zur Zeit wieder einmal mächtig auf die Nerven! Duodax mag unterdessen gebannt sein, aber was nützt das, wenn die zweite Spammer-Garde der Bombos, Casuals und MartenJs schon bereitsteht? Und dann ist da auch noch TrashT, der mich mit seinen Beiträgen irgendwie an Sophia von den Golden Girls erinnert – 10% Altersweisheit, 90% Tourette-Syndrom.

Was mich weiterhin nervt, sind diese ganzen sinnlosen Nicks. Okay, ich bin selbst nicht mit Klarnamen angemeldet, aber wenn es einen Nick gibt, der in der deutschen Community als bekannt vorausgesetzt werden darf, dann ist es gewiss “Zeromant”, und den kann man sowohl einfach aussprechen als auch schreiben und von anderen gängigen Nicks unterscheiden. Aber was ist zum Beispiel mit “Nuegun”, “nmn” und “mmgun”? Es hat einige Zeit gedauert, bevor ich diese zuerst nur beiläufig wahrgenommenen Nicks als unterschiedlich erkannt habe (die Kleinschreibung war auch nicht gerade hilfreich), und auch heute weiß ich nur Nuegeun alias Torben Thies zuzuordnen. Wie auch anders, wenn die Träger dieser Nicks weder ihren Namen angeben, noch auf eine Homepage verweisen? Übrigens besteht meiner Ansicht nach eine klare Korrelation zwischen kleingeschriebenen Nicks und Spam-Kommentaren – natürlich trifft sie nicht in jedem Einzelfall zu, aber wer sich einen dermaßen lieblosen, aussagelosen und unindividuellen Nick zulegt, der ist selbst schuld, wenn seine Beiträge mit der dazugehörigen Voreingenommenheit gelesen werden.

In einem Forum mit einer vierstelligen Anzahl aktiver User fällt es zumindest mir generell schwer mich daran zu erinnern, welcher Nick bislang welche Beiträge gepostet hat. Selbst bei prinzipiell mehr oder weniger vernünftigen Nicks wie “Comodope”, “Cicatriz” und “Carbone” verschwimmen bei mir die gedanklichen Zuordnungen. Was wäre so schlimm daran, in seinem Profil seinen Klarnamen anzugeben? Besteht denn so viel Angst davor, mit seinen Absonderungen im Forum auch in der realen Welt in Verbindung gebracht zu werden, oder ist es die Einsicht, dass die große Klappe, derer sich im Forum so erstaunlich viele Poster befleißigen, sich mit dem eigenen RL-Profil nicht in Übereinstimmung bringen ließe? Ich habe im Hinterkopf, dass mindestens zwei dieser Poster mir durch ausgesprochene Hirnlosigkeiten aufgefallen sind, aber ich weiß nicht mehr, welche. Hätte ich hinter diesen Nicks Spielernamen gefunden, die ich aus einem anderem Zusammenhang heraus hätte einordnen können, wäre mir das nicht passiert.

Magic Universe:

Immerhin sind ja die Zeiten vorbei, in denen die Austria-Connection mit Phips und Charly das einzige war, was diese Seite vor der absoluten Bedeutungslosigkeit bewahrte. Diese Entlastung durch weitere kompetente Schreiber tut zumindest Phips zuletzt eindeutig gut, der zwischenzeitlich doch sehr vom Burnout-Syndrom gezeichnet gewesen war. So trägt Kenshin durchaus lesbare Artikel zum Programm bei – der neue Star der Seite ist jedoch Handsome! Er besitzt eindeutig schreiberisches Talent, er investiert spürbar Mühe in seine Texte, und er traut sich auch, ungewöhnliche Formate auszuprobieren – mit alledem hebt er sich sehr angenehm insbesondere von den chronisch trockenen Beiträgen Charlys ab. Allein der Inhalt – der ist vergleichsweise leider immer wieder enttäuschend, sei es, dass er in seinen Limited-Berichten beweist, wie sehr er den vorhandenen Erkenntnissen über das Zendikar-Format hinterherhinkt, sei es, dass er in seinem Jahresrückblick argumentativ auf Plattheiten zurückgreift, welche bereits in den frühen Phasen der damaligen Diskussionen widerlegt wurden. Zwar ist Handsome gewiss nicht der Torben Thies von Magic Universe, aber seine Inhalte sind das Manko, welches ihn daran hindern, ein erstklassiger Autor zu sein.

Was diese Inhalte angeht: Die liegen natürlich zum großen Teil auch in der Verantwortung der Redaktion! Ebenso wie Tobi beim Planeten sich fragen lassen muss, warum er den Platz, den Torbens Kolumne einnimmt, nicht lieber mit Bildern von süßen Kätzchen füllt, und warum er seine besten Autoren mit einem wöchentlichen Kolumnenrhythmus verschleißt, müssen auch EB und der Atog sich fragen lassen, wieso sie auf Magic Universe dieses Jahr immer mal wieder Artikel haben erscheinen lassen, welche das textuelle Äquivalent zu großen, stinkenden braunen Haufen darstellten. Dabei ist die Antwort ebenso offensichtlich wie erschreckend: Zwei der drei grausigsten Veröffentlichungen auf MU dieses Jahr stammten schließlich vom Redaktionsatog höchstpersönlich! Nachdem er in den Kommentaren auch nachdrücklichst auf diesen Umstand hingewiesen wurde, stellte er dann auf seinem Blog eingeschnappt die Frage, was genau denn an seinen Texten dermaßen schlecht gewesen ist: Ja, aber, Herr Atog, wissen Sie was – das ist IHRE Aufgabe, Texte einzuschätzen und gegebenenfalls auch abzulehnen und dem Verfasser zu erklären, warum!

Da aber liegt es bei Magic Universe im Argen: Beide Redakteure haben zwar verdammt viel Ahnung von technischen Dingen, und der Atog hat offensichtlich so viel freie Zeit wie der EB Minderwertigkeitskomplexe, aber es fehlt bei beiden sowohl an der Kompetenz, die Güte von Texten allgemein einzuschätzen, als auch an der Kompetenz, deren Magic-bezogenen Inhalt zu beurteilen. Damit liefern sich die beiden nun einmal ihren Autoren weitgehend aus. Insbesondere fehlt ihnen jede Grundlage, auch ihre besseren Schreiber ab und zu dazu anzuhalten, sich mehr Mühe zu geben. Magic Universe profitiert jedoch davon, dass Tobi beim Planeten zur Zeit offensichtlich auch nicht mehr tut, als seinen bestehenden Vorsprung zu halten – ein Gleichgewicht der Mittelmäßigkeit, welches sich hier eingependelt hat.

Germagic:

Ich müsste lügen um zu behaupten, dass ich diese Seite nicht beinahe ebenso häufig aufriefe wie den Planeten und das Universum, doch irgendwie ist das wohl mehr der schlechten Gewohnheit geschuldet als allem anderen. Die gefeatureten Blogs werden offensichtlich ohne jegliche Qualitätskontrolle auf die Hauptseite gehievt, und es gibt hierbei einfach keinerlei Peinlichkeitsuntergrenze. Ganz ehrlich, jeder Blogger, der an seine Einträge auch nur ein Minimum an eigenen Ansprüchen stellt, müsste MTGBlogs eigentlich boykottieren – man macht sich dort nur mit Spammern, Schwachköpfen und Analphabeten gemein! Wie verzweifelt muss man sein, um sich seine Leser über diese Plattform (dieses Wort enthält nicht umsonst das Wort “platt”) zu suchen?

GerMagic in seiner Gesamtheit stellt immer noch einen enormen Arbeitsaufwand dar, und die Tatsache, dass diese Seite weiterhin werbefrei ist, sollte man immer mal wieder loben – doch ihr Wert für die Community geht leider immer mehr zurück, was hauptsächlich daran liegt, dass sie stagniert. Vielleicht schöpfe ich die dort dargebotenen Informationen ja auch nicht aus, aber für mich setzt sich GerMagic im Wesentlichen aus den gefeatureten Blogs, den Nachrichtenmeldungen und dem DeckCheck zusammen – der Rest erscheint mir als überflüssiges Drumherum. Die Blogs bestehen zu 50% aus Ausschuss und zu 40% aus Legacy-Turnierberichten (die auch wiederum zwischen lesenswert und überflüssig schwanken); die Nachrichtenmeldungen beinhalten nichts, was ich nicht auch an anderer Stelle finden könnte, und der DeckCheck – tja, der DeckCheck ist natürlich weiterhin eine einzigartige Ressource!

Aber: So oft ich den DeckCheck auch schon benutzt habe, mir fällt immer mehr auf, wie wenig Nutzen er doch im Vergleich zu dem, was er seinem Aufbau nach verspricht, bietet! Das beginnt mit der Auswahl der eingesandten Decks: Es gibt keine. Die Top 8 von Legacy-Turnieren mit 15 Spielern und irgendwelche Games Day Listen auf Preconstructed-Niveau finden sich dort ebenso wie PTQ Top 8 Listen. Natürlich gibt es bei letzteren auch keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Dazu kommt die verwirrende, unintuitive und oft auch schlicht fehlerhafte Kategorisierung der Decks. Um sich Anregungen beim Deckbau zu holen, ist der DeckCheck immer noch nützlich; um sich einen Überblick über ein Metagame  zu verschaffen oder die Entwicklung eines Decktyps zu verfolgen, ist er nahezu untauglich. (Außerdem reicht er auch zeitlich nicht allzu weit zurück, was mich als Magic-Historiker besonders enttäuscht.)

Ich denke, EB ist an die Grenzen dessen gestoßen, was er als Einzelperson mit technischem Aufwand und Fleiß leisten kann. Ich vermisse an seiner Seite eine qualitative Weiterentwicklung – sie ist eigentlich nur noch eine große, weitgehend unstrukturierte Datensammlung, die mit dem gelegentlichen Schuss komplexbehafteter Selbstdarstellung gewürzt ist. In gewisser Weise ist sie damit eine vertane Chance – es ist schade um dieses Fundament an Fleiß und Ehrgeiz. Vielleicht würde GerMagic wieder lebendiger und interessanter werden, wenn EB seine Doppelbelastung als MU-Redakteur aufgeben würde – für diesen Job ist er eh nicht allzu gut geeignet. Immerhin gab es einmal eine Zeit, in der er mit Germagic Standards gesetzt hat, auf die der Planet neidisch war!

So, das soll es gewesen sein – und für den Fall, dass ich es mir in den nächsten paar Tagen verkneifen kann, erneut hier zu bloggen, wünsche ich den Lesern von Zeromagic hiermit Frohe Weihnachten!