Posted tagged ‘Gewinnspiel’

Klingeln, nicht klopfen!

January 26, 2009

Die Zeit der Türklopfer ist seit der Elektrifizierung unserer Gesellschaft ja eigentlich vorbei. Niemand klopft mehr an Türen – man klingelt. Warum also werden die “Knockknock”-Witze nicht auch upgedatet?

“RRRING! RRRRRRRRING!” at the door.

“What’s that ring?”

“BOOOO-RRRRING!”

“Okay, come in, Conflux…”

Ja, die Spoilerliste ist jetzt komplett, wenn auch inoffziell, und das Set ist genau so langewilig geworden, we es sich nach meiner ersten Hochrechung auch bereits abzeichnete, denn natürlich hatten Wizards nicht etwa besonders gute Ideen aus ihren offiziellen Previews heraus gehalten. Sicher, einige interessante Einzelkarten sind dabei, und gerade die Mythics scheinen jetzt (welch eine Überraschung!) ihren Status teilweise durch Spielstärke anstatt durch Einzigartigkeit zu erhalten – Ethersworn Adjudicator und Thornling sind also Mythic, und die Ultimaten waren es nicht? (Hier könnte ein Schulterzuck-Smiley stehen.) Spielstärke einzelner Karten kann aber die Ideenlosigkeit des Gesamtkonzepts nicht überdecken.

Apropos Schulterzuck-Smiley: Tobis Gewinnspiel, in dem es vorgeblich darum ging, den meisten Schaden zu finden, lief erwartungsgemäß auf eine Auslosung unter all denjenigen Einsendungen hinaus, die einen Weg gefunden hatten, beliebig viel Schaden zu erzeugen. Das ist einfach nur bescheuert, finde ich! Immerhin gefällt mir die Eleganz der Lösung mit Cathartic Adept, welche das Brilliant-Ultimatum-Problem umschifft.

Und dann lese ich zum ersten Mal in einer sowohl offiziellen wie öffentlichen Verlautbarung, dass es keine Turnierpackungen mehr geben wird. Der Grund dafür ist ganz offensichtlich ein “Streamlining” der Produktpalette: Geringere eigene Produktionskosten, aber auch geringere Anforderungen an Einzelhändler, welche die Magic-Produktpalette führen sollen.

Wie wirkt sich das aus? Nun ja, die Auswirkungen aufs Sealed Deck werden wir wohl überleben – klar, es wird noch ein kleines bisschen stärker glücksabhängig, da die Commons und Uncommons jetzt noch zufälliger verteilt werden und somit mehrfache Exemplare einiger Karten sich häufen können (was halt gut ist, wenn es Resounding Thunder sind, und schlecht, wenn es Resounding Scream sind), aber Sealed ist sowieso bereits sehr zufallsabhängig, und da macht die geänderte Common-Verteilung den Kohl wohl auch nicht mehr fett.

…oder? Mir fällt gerade auf, dass ich meine Vorstellung davon, wie sich diese Veränderungen auswirken, hauptsächlich auf meine eigenen Erfahrungen stütze (denn natürlich habe ich schon sehr oft selbst einfach einmal eine Turnierpackung durch drei Booster ersetzt, wenn ich privat spielte). Aber wie sieht es jetzt bei großen oder sehr großen Turnieren aus, bei PTQs oder GPs, bei denen man etwas zwischen X-1 und X-2 erreichen muss, um in den Draftteil zu gelangen?

Angenommen, durch die Änderung steigt der Anteil der Pools, die man mit einem durchschnittlichen eigenen Pool einfach nicht schlagen kann, wenn ihr Spieler nicht gerade ein kompletter Trottel ist, von zum Beispiel 5% auf 10% an. Bei meinen privaten Erfahrungen würde ich da natürlich keinen allzu großen Unterschied bemerken. In einem Turnier über 6 bis 9 Runden Schweizer System allerdings, in dem sich natürlich diese herausragend guten Pools vorzugsweise an den Toptischen befinden, kann dies den Unterschied zwischen einem oder zwei zu erwartenden Gegnern ausmachen, die man nicht mehr schlagen kann, und damit genau den Unterschied, ob es in dieser Art Turnier überhaupt noch Sinn ergibt, es mit einem durchschnittlichen Pool zu versuchen!

Und dann gibt es noch Begleiterscheinungen: Ein hervorragender Pool, dessen Qualität auf mehrfach vorhandenen Commons beruht, ist im Schnitt wohl leichter zu erkennen und zu bauen, als ein hervorragender Pool mit mehr verschiedenen Karten, dessen Stärke eher in seinen Rares begründet liegt. Das könnte den Anteil der starken Pools, auf die man tatsächlich trifft, noch einmal erhöhen, weil unterdurchschnittliche Spieler sie seltener verbauen.

Und dann ist es wieder einmal Zeit für einen Reality Check: Natürlich wird auch das Bescheißen beim Deckbau dadurch enorm erleichtert! Gerade bei Prereleases, die ja heutzutage fast immer ohne Decklisten durchgeführt werden, ist es supersimpel – man bringt halt ein paar Resounding Thunder und Magma Spray mit, oder man tauscht halt mit seinen Kumpel gute rote gegen gute schwarze Commons.

Bei genauerem Nachdenken verschärft der Wegfall von Turnierpackungen tatsächlich bereits bestehende Probleme in einem möglicherweise deutlich spürbaren Maß. Naja – ich spiele ja eh keine Prereleases mehr, und die Zeiten, in denen ich quer durch Europa gejettet bin, um an Grand Prixs teilzunehmen, sind auch vorbei. Also sollte es mir egal sein.

Was mir aber NICHT egal ist, ist die Zukunft von Magic, und deswegen will ich noch auf die Frage eingehen, ob diese fehlende Möglichkeit, an Basic Lands zu gelangen, nicht ein Problem für Spielneulinge darstellt? Und hier bin ich eindeutig der Ansicht: JA!

Ich habe lange Zeit in einem Hobby Shop gearbeitet, und ich weiß, wie gut sich dort Turnierpackungen verkauft haben – und zwar nicht etwa, weil die Kunden NICHT wussten, dass sie da effektiv drei Booster plus Standardländer zu einem etwas höheren Preis bekamen, sondern WEIL sie es wussten! Ich habe jeden Käufer darauf hingewiesen, dass Turnierpackungen nur dann für ihn sinnvoll sind, wenn er sich nicht auch auf anderen Wegen Standardländer besorgen könne. Nun liest man in Foren ja immer wieder, wie leicht es doch für neue Magicspieler wäre, sich Standardländer von Hardcore-Spielern schenken zu lassen, bei denen sie sich ansammeln – aber diese Aussage hält dem Reality Check einfach nicht stand!

Einmal ist es natürlich so, dass jeder, der in einem Magicforum seine Ansichten kundtut, im Schnitt WEIT besser in die Magic-Community eingebunden ist, als ein Spielanfänger oder Gelegenheitsspieler. Wenn derjenige ein Dutzend Spieler kennt, die sich ihre Wände mit Basic Lands tapezieren können, dann kann er aus diesem Umstand keine Schlüsse für die Masse der Spieler ziehen.

Zum anderen besitzen die Hardcore-Spieler DESWEGEN so viele Standardländer, WEIL es Turnierpackungen gibt! Sie spielen regelmäßig Sealed-Turniere, und sie gehen jedes Mal von dort mit einem Stapel Standardländer nach Hause.

Und wisst Ihr was: Standardländer sind TROTZDEM bereits jetzt eine knappe Ressource! Ich bin einer dieser Hardcore-Spieler, die immer wieder Länder (bzw. Decks, welche diese Länder enthalten) verschenken, und ich habe über die Jahre immer und immer wieder gezielt Turnierpackungen an Stelle von Booster-Displays erworben, um genügend Nachschub zu haben! (Sicherlich spielt hier ebenfalls mit hinein, dass ich als Hardcore-Spieler auch einen Hardcore-Eigenbedarf an den Dingern habe, aber damit bin ich ja auch nicht einzigartig). Wenn ich heute auf die Idee käme, einer Schulklasse mit 25 Kindern Common-Decks zu schenken – jedem Kind ein Deck – dann würde das in meine Common-Vorräte vielleicht ein kleines Loch reißen, das mit bloßem Auge kaum zu erkennen wäre – aber für die Länder müsste ich bereits auf meinen Eigenbedarf zurückgreifen. Das ist die Realität: Basic Lands sind bereits JETZT eine knappe Ressource.

Auch im Laden war es nicht wirklich anders. Ja, wir hatten eine große Kisten mit Basics, die wir verkauften, und wir HABEN sie auch verkauft – wenn ich mich recht entsinne, für 20 Cent das Stück. Und wisst Ihr was? Ein paar Jahre vorher hatten wir sie für nur 10 Cent das Stück verkauft, und da waren sie uns ausgegangen, so dass wir tatsächlich einmal einem Hardcore-Spieler dessen Basic-Land-Sammlung ABGEKAUFT hatten – und das, obwohl wir seit Jahren von jedem großen Set nicht etwa Booster-Displays, sondern Displays mit Turnierpackungen geöffnet hatten, um unsere (übrigens für einen Brickstore ÄUSSERST reichhaltigen) Einzelkartenbestände zu füllen!

Ich habe als Verkäufer in diesem Hobby Shop alle Basic Lands, die herum lagen, immer fleißig eingesammelt und sorgfältig einsortiert, und als Privatperson tue ich bei Grand Prixs oder Pro Touren im Side Event Bereich das Gleiche. Commons lasse ich schon mal liegen, wie es alle tun, aber Standardländer NIEMALS. Gerade weil ich sie tatsächlich an Spielanfänger verteile, sind sie nämlich immer knapp.

Ach ja, und dieses Liegenlassen ist auch noch so ein Punkt: Ich bin überzeugt, dass die Basic Lands aus Boostern tendenziell viel öfter weggeworfen werden, als Basic Lands aus Turnierpackungen! Einen Stapel aus Standardländern, den nimmt man eher mit nach Hause oder macht sich die Mühe, jemanden zu suchen, der ihn haben will, oder lässt ihn zumindest demonstrativ auf dem Tisch liegen. Die Länder aus den Boostern bleiben versteckt zwischen den Commons und wandern im besten Fall in eine riesige Common-Grabbelkiste und im schlechtesten eben in den Müll.

Wann habt Ihr eigentlich das letzte Mal einen GP oder eine PT erlebt, wo die Standardländer für die Side Event Drafts gegen Ende hin NICHT knapp wurden? Ich kann mich nicht mehr erinnern!

Das Hauptargument, dass es für leicht erhältliche Standardländer keinen wirklichen Bedarf gebe, ist also schlicht unwahr. Es ist daher höchst wichtig, dass diese grundlegende Ressource für Magicspieler auf anderen Wegen in Umlauf gerät, und da sehe ich Probleme: Die Länder in Boostern verlieren sich einfach zu leicht, und insbesondere ist es für einen Neukunden nicht zumutbar, sich so viele Booster zu kaufen, bis er genügend Basics hat (und es ist NICHT jedermanns Sache, sich diese “Intro Packs” zu kaufen, auch wenn Wizards seine Kunden offensichtlich dazu erziehen will). Fatpacks befinden sich in einer ganz anderen Preiskategorie und sind keineswegs überall erhältlich. Die an Turnierorganisatoren verteilten Extraländer müssen erst einmal diejenigen Spieler, die an ihnen tatsächlich Bedarf haben erreichen, und da bin ich skeptisch – die Turnierveranstalter werden sie schließlich auch für ihre eigenen Sealed-Deck-Turniere benötigen:  Jeder kleine Veranstalter bettelt doch seine Teilnehmer an, ihm die ausgeteilten Basics am Ende des Turniers wieder zurück zu geben!

Ich erwarte mitelfristig eine sehr spürbare Verknappung der Standardlandvorräte im Endverbraucherbereich. Natürlich wird es Wizards nicht schwer fallen, darauf zu reagieren, sobald sie diese Entwicklung bemerken – aber bis dahin kann der Schaden schon angerichtet sein! Viele Neukunden werden sich einfach für das Geld, das sie ansonsten in eine Turnierpackung investiert hätten, ein paar Booster kaufen… und feststellen, dass sie für diesen durchaus erheblichen Geldbetrag kein komplettes Spiel in der Hand halten! Nun können wir alle diese Kunden  belehren: “Kauft Euch doch Intro Packs! Kauft Euch doch Fatpacks! Bestellt doch billig Länder im Internet! Lasst Euch doch Länder schenken!” …aber erstens können wir das NICHT, weil wir sie in der Regel gar nicht zu Gesicht bekommen, und zweitens haben diese Kunden vielleicht gar kein Interesse daran, sich belehren zu lassen. Sie sehen die Standardländer in den Boostern, sie erkennen, dass diese zum Spielen viel zu wenige sind, sie rechnen kurz hoch, wie viele Booster sie kaufen müssten, um genügend Länder für ein Deck zu haben, sie kommen sich – nicht ganz zu Unrecht! – verarscht vor, und sie kehren diesem Spiel den Rücken, bevor wir eine Chance haben, sie zu belehren.

Ist das im Sinne des Wizard’schen “Grass Roots Program”?

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The state of Magic as of now

January 21, 2009

Ja, was geht denn zur Zeit so ab?

Ach ja, ich habe mal wieder einen Artikel geschrieben, den sollte ich verlinken. Hier geht es also zum Magic-Antiquariat, Ausgabe Achte Edition. (Wie lange dieses Link noch funktioniert, wenn die Mutterseite weiter zwischen drei verschiedenen Domains und dem Nirwana hin- und herhoppelt, weiß ich allerdings nicht.) Immerhin kriege ich weiterhin als Bewertungen im Wesentlichen 1en und 10en – es gibt halt doch noch Konstanten in Magic.

Auf dem Planeten beschreibt Nico Bohny bereits zum zweiten Mal hinereinander einen Draftwalkthrough, in dem er ohne Rücksicht auf Verluste und ohne jedes Gespür für Kartenqualität Exalted forcet (würde er “Bant” forcen, nähme er zum Beispiel niemals Akrasan Squire über Naya Battlemage und würde wohl auch ansonsten einige Prioritäten anders setzen.) Auch bereits zum zweiten Mal hinereinander fliegt er damit bereits in der ersten Runde raus. (“Never change a losing team”, nehme ich an.) An der Qualität der anderen Drafter, oder daran, dass er in einer überdrafteten Scherbe gelandet ist, kann es ja wohl nicht liegen, wenn man sich einmal diesen VIERZEHNTEN PICK Jhessian Infiltrator reinzieht… Ob das jetzt einfach nur Pech ist, dass Nico seit Wochen außer Stande scheint, uns zur Abwechslung einmal einen Draft zu präsentieren, in dem er eine Runde gewonnen hat, oder ob er nicht doch einmal seine Draftstrategie überdenken sollte? In jedem Fall fällt auf, dass er in seinen beiden verlorenen Partien jeweils seinen zweiten Zug dazu verwendet hat, sein Mana zu fixen. Vielleicht ist ein Beatdowndeck, das keinen Beatdown macht, halt doch nicht ganz so gut?

Außerdem hat Tobi mal wieder ein Gewinnspiel veranstaltet, und diesmal wollte ich nicht der Spielverderber sein. Hat aber nichts genützt, denn Tobi hat das Ding ganz alleine in den Sand gesetzt… Will er uns wirklich erzählen, ihm sei die Möglichkeit, beliebig viel Schaden zu machen, klar gewesen, wenn er doch ausdrücklich die Teilnehmer dazu auffordert, die von ihnen erreichten Schadenspunkte zu posten? Und wenn ja – was hat er erwartet, was dann passiert? Dieses Rätsel wäre erheblich spaßiger gewesen, wenn eine gewisse Karte gebannt gewesen wäre…

Der Conflux-Spoiler auf MTG Salvation füllt sich weiter – zwei Drittel des Sets sind schon bekannt. Das Set gefällt mir immer weniger – größer, bunter, teurer… gähn. Progenitus ist eigentlich nur noch ein schlechter Witz (und ich will mal hoffen, dass das Einmischen in die Bibliothek eine Replacement Ability ist, und nicht, wie bislang formuliert, ein Trigger, sonst passieren unschöne Dinge mit Makeshift Mannequin!) Was kommt als Nächstes? WWWUUUBBBRRRGGG, 20/20, Protection from everything, can not leave play under any circumstances? Wenn der Werbetext auf der Regelkarte tatsächlich lautet “Conflux is so amazing that it has a whooping number of 6 cards w/ wubrg as casting cost/alt cost while there’re only 23 ever printed in the MTG history”, dann kapituliere ich vor dieser Werbestrategie!

Diese sogennante Rumor Mill wird auch immer peinlicher. An Stelle von echten Gerüchten gibt also offensichtlich ein Mitarbeiter von Wizards alle Infos an diese Seite weiter, und mir will doch keiner erzählen, dass das nicht von Wizards inoffiziell toleriert, wenn nicht sogar gesteuert wird? Tatsächlich zieht er sich sogar pünktlich zum offiziellen Beginn der Previews zurück. Das ist Marketing, und sonst nichts! Was soll ich davon halten, wenn ein Scan vom Thornling auftaucht, der nach allem, was man argumentativ vorbringen kann, einfach ein Fake sein MUSS (völlig unpassendes Artwork, falsche Jahreszahl in der Copyright-Zeile), aber die Moderatoren drohen jedem, der diese Argumentation weiter vorbringt, mit Infractions, weil sie eine “Confirmation” besitzen, über deren Quelle sie sich ausschweigen? Funktioniert so eine Gerüchteseite? Ach, ist ja auch egal. Wenn dieses Artwork echt ist, dann ist das wohl das erste Mal in der Geschichte von Magic, dass mich ein Kartenbild WIRKLICH ankotzt – normalerweise mache ich mir wenig daraus, aber das hier ist einfach total daneben.

Erwähnenswert ist noch der Sieg von LSV in LA. Mit dieser Erfolgssträhne muss man ihn wohl als den dominantesten Spieler seit Kai Budde bezeichnen (zu dem er natürlich noch ein paar Kilometer Luft hat, aber trotzdem)! Was die Metagame-Lotterie angeht, so kann man nur konstatieren, dass sich halt schon wieder dasjenige Kombodeck durchgesetzt hat, welches nicht konsequent genug gehatet wurde (man beachte, dass im Viertelfinale ein anderes Storm-Deck im Mirror unterlegen war). Tja, so ist das halt in komboverseuchten Formaten: Elfen UND Storm UND Dredge kann man eben nicht gleichzeitig haten (und Affinity, obwohl kein Kombodeck im engeren Sinne, kann eigentlich auch nur mit gezieltem Hate im Zaum gehalten werden).

Normalerweise suche ich meine Zuflucht ja immer im Limited, aber bei diesem Block überlege ich ernsthaft, ob ich mir das noch antun will. Alara-only war ja noch okay – manchmal wurde man zwar vom Lucky Fünffarbdrafter rausgefixt, aber alles in allem war das Format in Ordnung. Mit Conflux wird es, fürchte ich, kippen. Gibt es wirklich Spieler, die Spaß daran haben, mit Fusion Elemental zu gewinnen? Würg.

Conflux droht (und mal ehrlich, das letzte Drittel Karten kann die Natur dieses Sets nicht mehr umkrempeln!) die misslungenste Edition seit dem Maskenblock zu werden, vielleicht sogar seit Homelands! Mercadian Masques war zwar furchtbar dröge, aber was ist schlimmer: Ein fader Geschmack, oder ein aufdringlich unangenehmer? Masques hatte meinen Magic-Appetit nicht gestillt, aber mir zumindest nicht den Geschmack verdorben.

Dass sich Wizards immer mal wieder ihren Kunden aufdringlich anbiedern, naja, daran habe ich mich gewöhnt – Lorwyn mit seinem Tribal-Kram zum Beispiel war nicht wirklich mein Ding, aber zumindest interessant genug aufbereitet, dass ich trotzdem Spaß daran hatte. Auch Legions, bei dem die Diskrepanz in der Beliebtheit zwischen Gelegenheitsspielern und Turnierspielern vielleicht von allen Sets am größten war (ja, Legions war ein Riesenerfolg gewesen!), und das sich im Limited wirklich nervig spielte, bot mehr Innovation und weniger Übersättigung.

Das Schlimmste aber ist: Conflux kommt beim Publikum gut an! Nicht bei Euch, wie ich den Kommentaren zu meinem früheren Eintrag entnehmen kann, aber Ihr seid ja auch die Hardcore-Spieler – doch schaut einmal in die Threads bei MTG Salvation… Ob das ein Zeichen dafür ist, dass sich Magic langfristig mit einer stärkeren Neuausrichtung auf ein oberflächlicheres Publikum wieder besser am Markt positioniert, oder ob wir hier einen kreativen Ausverkauf miterleben, das wird sich zeigen. Ich will nur hoffen, dass es zu Alara Reborn nicht heißen wird: “Alara Reborn is so AMAZING that it has more 2-digit-power creatures than all previous sets combined!”

Erklärungen, Entgleisungen & Entschuldigungen

December 8, 2008

Tobi hat mir vorgeschlagen, mich in einem weiteren Blogeintrag noch einmal ausführlich bezüglich meiner Motivation zur Veröffentlichung einer Lösungsliste zum Gewinnspiel zu äußern, und da meine diesbezüglichen Kommentare direkt unter dem Eintrag wohl nicht von allen zur Kenntnis genommen wurden, habe ich mich auch daran gemacht. Dabei ist das Ganze so ausführlich geworden, dass ich es Tobi als Artikel anbiete, wenn er ihn haben will (und hinreichendes Publikumsinteresse kann man ja offensichtlich voraussetzen); ansonsten veröffentliche ich es eben als Blogeintrag.

(Tobi hat sich nach gründlicher Überlegung dagegen entschieden, weil er in dieser Sache lieber weiterhin strikt zwischen meinem Blog und dem Planeten trennen will. Er hat mir aber ein paar Anmerkungen geschrieben, deren Inhalt ich an passender Stelle einbinden werde, kursiv kenntlich gemacht. Ansonsten ist der Text unverändert geblieben.)

1. Erklärungen

Auch wenn ich mich selbst nicht so wichtig nehmen soll, wie mir mehrfach zu verstehen gegeben wurde: Wenn diejenigen, die “warum” fragen, ernsthaft an einer Antwort interessiert sind (was gewiss nicht bei allen der Fall war – einige waren einfach nur glücklich, einen Anlass gefunden zu haben, es mir mal so richtig reinzubuttern!), dann müssen sie sich auch meine Perspektive zu eigen machen.

Deswegen (und auch, damit das Ganze ein wenig unterhaltsamer zu lesen wird), hole ich einmal ganz weit aus:

Zur Weihnachtszeit 2001 (ja, das ist jetzt schon wieder geschlagene SIEBEN Jahre her) meldete ich mich beim damals größten und bedeutendsten (und für praktische Zwecke schlicht EINZIGEN) deutschen Magic-Forum, der Zusammenkunft, an und wurde aus dem Stand weg – und ohne, dass man mir erklärte, warum, und was das bedeutete, was zu einigen lustigen Verwirrungen führte – in den damaligen V.I.P.-Bereich aufgenommen. Der hieß nicht “V.I.P.”-Bereich, sondern irgendwie anders, woran ich mich nicht erinnere – Profis, Experten, Erzmagier, was weiß ich. Jedenfalls handelte es sich um einen geschlossenen Bereich, in den nur Forenmitglieder hinein gelassen wurden, die sich irgendwie dafür qualifiziert hatten, sei es über gute Postings, persönliche Empfehlungen oder ein hohes DCI-Rating. Diesen Bereich gibt es schon lange nicht mehr, und er ist auch bei der Archivierung alter Forenbeiträge, als das Forum vor auch nunmehr schon wieder vielen Jahren umzog, unter den Tisch gefallen – das wirkt ein bisschen so, als schäme man sich heute für den damaligen Elitarismus…

Wie auch immer, für diesen Zirkel wurde ich also sofort freigeschaltet, und forenunerfahren, wie ich damals war, hielt ich diese Albernheit für eine Ehre und beschloss, in diesen Bereich auch ein wenig Leben zu bringen, um meine Aufnahme zu rechtfertigen. Zu diesem Zweck startete ich damals einen Thread, in dem ich allerlei Gedankenexperimente durchspielte, die sich gezielt an die “Experten” dieses besonderen Bereiches richteten. Ich kann mich dabei nur noch an zwei Dinge erinnern: Einmal machte ich eine Umfrage mit einer erfundenen Metagame-Matrix (Deck A schlägt Deck B zu 60% etc…), welches Deck die Forenteilnehmer, wenn man diese Gewinnchancen als gegeben annahm, zum Turnier mitbrigen würden, und wertete dann das entstehende Turnier aus. Das war übrigens sehr lehrreich, denn es zeigte folgendes Ergebnis: “Play the deck that beats the best deck” – mit anderen Worten, das erfolgreichste Deck war nicht dasjenige Deck, welches in dieser Matrix insgesamt die besten Chancen gegen die restlichen Decks hatte, sondern dasjenige, welches dieses beste Deck schlug, jedoch gegen den Rest des Feldes weniger stark war – aber nicht etwa dasjenige, welches wiederum gegen DIESES Deck die besten Chancen hatte; das schien dann einmal zu weit um die Ecke gedacht zu sein (ein Fehler, den ich in meiner damaligen Turnierspielerkarriere übrigens öfters beging)!

Das andere Gedankenexperiment, an das ich mich noch erinnere, waren die “Decks vom Grad X”. Dabei gab der Grad an, wie viele verschiedene Karten sich in diesen Decks befinden sollten. Ich bin mir nicht mehr absolut sicher, wie genau ich diese Grade defniert hatte – ich weiß noch, dass für Standardländer eine gewisse Sonderregel bestand. Ich denke, Decks ausschließlich mit Standardländern nannte ich Decks vom Grad 0,5. Decks vom Grad 1 waren dann solche Decks, wie sie den Deckbauregeln aus dem Gewinnspiel entsprachen (und eine der ersten Fragen an die Forumsmitglieder war es dann auch gewesen, eine entsprechende Liste zu erstellen – die damals natürlich noch kürzer war – und herauszufinden, welches Deck vom Grad 1 das stärkste war. Die Antwort lautete natürlich damals wie heute “Mishra’s Factory”). (Edit: In den Kommentaren wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass das nicht mehr stimmt, da Soul Spike schneller gewinnt – die Factories bringen die Spikes aber vorher noch auf 1! – und auch Nether Spirit schlägt.) Interessant wurde es dann bei den Decks vom Grad 1,5 (also Standardländer nach Wunsch plus eine beliebige weitere Karte), in denen das Lightning Bolt Deck alles dominierte. Ich kann mich erinnern, dass ich das Forum damals dazu aufforderte, ein Deck zu finden, welches das Bolt-Deck zuverlässig schlägt, und dass wir daran gescheitert waren, da Bolts entweder schneller waren oder ein Unentschieden erzwingen konnten (gegen das Soul Warden Deck) bzw. die Partien einen von der Deckgröße abhängigen Sieger hatte (insbesondere gegen Circle of Protection: Red). Ich weiß nicht, ob ich damals bereits auf das Prinzip des “Mulligan-Siegs” gestoßen bin, welches ich dann später in der Magic University ausführlich erläutert habe, aber ich weiß noch, dass diese Unhandlichkeit mich darauf brachte, in Zukunft nur noch Matchups zu betrachten, die unabhängig von der Deckgröße entscheidbar waren, die also auch galten, wenn man mit “unendlich großen” Decks spielte. Deswegen nahm ich zum Beispiel Serra Avatar oder Cephalid Coliseum wieder von meiner Liste der sinnvollen Grad-1-Decks (“sinnvoll” war ein Deck, wenn es gegen alle Grad-0,5-Decks – also diejenigen, die aus unendlich vielen Standardländern bestanden – gewann). Cave-In befand sich sowieso niemals auf dieser Liste, da es halt nicht gewinnen konnte, wenn der Gegner nicht mithalf (was auch nur mit manchen Decks, wie zum Beispiel Barbarian Ring, ging), sondern bestenfalls Draws erzwang.

(Übrigens ist das Lightning Bolt Problem spätestens seit Lorwyn gelöst, denn Burrenton Forge-Tender fährt mit den Bolts Schlitten. Da man die Tender wiederum mit anderen Decks – zum Beispiel Goldmeadow Stalwart – besiegen kann, die wiederum gegen die Bolts verlieren, ist das Stein-Schere-Papier-Metagame nun komplett!)

Seit damals hatte ich also schon das Steckenpferd der Grad-1-Decks, beschäftigte mich damit immr mal wieder und diskutierte dieses Thema auch immer mal wieder mit anderen Spielern, die ich dafür interessieren konnte. In der Praxis sah die Liste, die ich dafür immer brav beim Erscheinen jedes neuen Sets updatete, exakt so aus, wie sie Tobis Gewinnspiel-Anforderungen entsprach, wenn auch in der Theorie gewisse Unterschiede bestanden: Die hypothetische Karte

Poisonous Land
T: Add (1) to your mana pool.
When ~this comes into play, target player gets a poison counter.

zum Beispiel wäre für das Gewinnspiel keine Lösung gewesen, hätte aber auf meine Liste gehört.

Ich kann mich nicht mehr im Detail daran erinnern, wann und wie ich dieses Thema immer mal wieder öffentlich gemacht hatte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich in irgendeinem Magic-Artikel einmal behauptet habe, Mishra’s Factory (und nicht etwa Black Lotus) sei die beste Magic-Karte aller Zeiten, weil ich von einer Karte, welche diese Bezeichnung trägt, selbstverständlich erwarte, dass sie mir das Spiel ALLEINE gewinnt, also ohne die Hilfe weiterer Karten, und weil die Fabrik in diesem kleinen Kreis wiederum im Vergleich untereinander die stärkste ist, aber ich kann mich nicht mehr erinnern, in welchem. (Die Chancen stehen jedoch gut, dass es sich um einen Artikel handelt, den Tobi editiert hat, und ich glaube mich auch zu erinnern, dass sich damals wiederum eine kleine Diskussion entwickelte.) Ich weiß auch noch, dass ich in der Magic University dieses Thema leicht gestreift (siehe “Mulligan-Sieg”), aber letztlich vermieden habe, weil es doch zu theoretisch und dem Anliegen dieser Reihe letztlich nicht wirklich dienlich war – eine Entscheidung, die ich meiner Erinnerung nach unter anderem auch nach einem längeren Telefonat mit Tobi geführt hatte, mit dem ich damals ziemlich häufig und ziemlich lange zu parlieren pflegte, denn die Magic University lag uns beiden sehr am Herzen. Außerdem weiß ich noch, dass ich zu Serious Games Zeiten mit einigen Spielern über Fun-Turniere mit Decks vom Grad 1 und 1,5 schwadroniert hatte, was zwar nie zu irgendwelchen tatsächlichen Aktivitäten führte, aber immerhin dazu, dass eine Zeit lang meine Liste mit den sinnvollen Grad-1-Decks dort aushing. Dazu kommen noch zahlreiche Unterhaltungen, die ich sowohl im RL als auch im Internet immer wieder mit anderen Spielern über dieses Thema geführt hatte.

Als übrigens dieser Rosewater-Artikel hier bei magicthegathering.com erschien, waren meine Aktivitäten im ZK-Forum immerhin noch frisch genug in Erinnerung, dass ich ein- oder zwei Mal darauf angesprochen wurde, ob MaRo diese Idee von mir hatte… Das war natürlich gewiss nicht der Fall, denn die Idee liegt doch nahe genug, dass man als begeisterter Magic-Spieler irgendwann wohl ganz von alleine darauf stößt, aber es zeigt eben, dass dieses Thema damals durchaus mit mir verbunden wurde, und in meinem Kopf blieb es das auch weiterhin, auch wenn die Internet-Welt sich unterdessen offenbar weiter gedreht hat.

Naja, zum Thema “Weiterdrehen”: Kurz nach meinem Eintritt ins ZK-Forum begann ich dann für PlanetMTG zu schreiben (vorher hatte ich Artikel für dessen Vorgänger, McElder, verfasst), einige Jahre später hörte ich damit wieder auf, wurde dann von Tobi für Magic Universe reaktiviert, hörte auch da wieder auf, schrieb dann wieder für den Planeten und bald auch ebenfalls wieder für Magic Universe… und gab dann vor ein paar Wochen bekannt, dass ich meine regelmäßige Kolumne bei PlanetMTG wieder einstellen würde. REGELMÄSSIG, wohlgemerkt – das ist der Teil, der immer wieder unter den Tisch fallen gelassen (oder auch kräftig geschubst) wird – ich habe das Schreiben für den Planeten nicht eingestellt, sondern lediglich zurück auf eine Case-by-case Basis gebracht!

Nachdem ich diese Entscheidung gefällt, aber noch bevor sie in Kraft getreten war, gab es dann das erste Gewinnspiel mit dem Preis der drei Gratisübernachtungen plus freiem Turniereintritt am Jahresende. Nun habe ich mich zwar aus dem aktiven Turnierspielerdasein zurück gezogen, aber das bedeutet nur, dass ich meine Turnierteilnahmen nicht mehr erfolgsorientiert plane, sondern als “Gelegenheitsturnierspieler” dann mitspiele, wenn ich Spaß daran habe – und so ein Superturnierwochenende, das klang schon nach einer Menge Spaß und würde auch einen geiwssen nostalgischen Wert besitzen (auf einem Doppelturnierwochenende in Dietzenbach hatte ich mich damals zum Beispiel für die PT New York qualifiziert)! Und Limited war es aunomma. Zwar hatte ich bei der ursprünglichen Ankündigung dieses Events gedacht “schicke Sache, aber finanziell einfach nicht vertretbar”, doch wenn man alles bis auf die Anreise bezahlt bekam, sah das doch schon wieder ganz anders aus! Dann las ich aber in den Teilnahmebedingungen, dass regelmäßige Kolumnisten vom Wettbewerb ausgeschlossen waren, und auch wenn ich nicht so recht begriff und einsah, warum, zuckte ich halt mit den Achseln und ließ mit leichtem Bedauern das Gewinnspiel Gewinnspiel sein. Ja: Wenn ich damals schon teilnahmeberechtigt gewesen wäre, dann hätte ich auch Teil genommen! Stattdessen hakte ich die ganze Geschichte ab und dachte nicht mehr groß darüber nach. (Eine Korrektur von Tobi: Zu gewinnen waren bei den beiden jüngsten Gewinnspielen eigentlich nur die Übernachtungen und nicht das Startgeld. Das muss ich wohl mit einem anderen Angebot durcheinander gebracht haben.)

Dann allerdings kam die neuerliche Ankündigung, und mein erster Gedanke war: “Wie passend! Jetzt kann ich ja doch noch teilnehmen!” Dann las ich die Gewinnbedingungen… und plötzlich erschein mir das Ganze irgendwie unwirklich.

Das vorige Gewinnspiel war, alles in allem, ziemlich anspruchsvoll und komplex gewesen. Und diesmal gab es eine dermaßen simple Frage, die auch noch in der Praxis exakt meine abgespeicherte Liste zur Antwort hatte? Ein paar Klicks auf meinem Computer… abwarten, bis Word das entsprechende Dokument geöffnet hatte… doch, das war GENAU die Frage zu der Antwort, die ich bereits hatte!

Als Außenstehende könnt Ihr ja leicht sagen, dass ich mich hier zu wichtig genommen hätte, aber wenn Ihr nicht begreifen könnt, wie komisch mir das Ganze vorkommen musste, dann habt Ihr Euch halt keine Mühe gegeben, Euch in mich hinein zu versetzen. Vor allem konnte ich mir nicht so recht vorstellen, dass ausgerechnet Tobi, der mit mir zusammen die Magic University geschaffen und seit Jahren alle meine Artikel lektoriert hatte, nicht die Verbindung dieser Aufgabenstellung mit mir bewusst sein sollte. Mein erster Gedanke war: “Da kann ich doch jetzt nicht teilnehmen!” Glücklicherweise fiel es mir auch nicht allzu schwer, mich an diesen Gedanken zu gewöhnen – einmal hatte ich diesen Dreifach-PTQ gedanklich bereits abgehakt, zum anderen hatte ich auch schon andere Pläne für das Jahresende ins Auge gefasst, und zum dritten hatte ich diesmal wohl etwas genauer hingelesen, und drei Übernachtungen in einer “Jugendherberge” klangen irgendwie plötzlich doch nicht mehr so spaßig (und ja, zu Dietzenbach-Zeiten hatte ich noch ganz schick im Einzelzimmer mit eigener Badewanne mit fünf Minuten Fußweg zur Site logiert, wofür Amigo den DM-Teilnehmer einen speziellen Deal ausgehandelt hatte, und was an meinen positiven Erinnerungen bezüglich dieser Events nicht unmaßgeblichen Anteil hatte). Ich beschloss also zu verzichten. Überhaupt – war das “Rätsel” diesmal nicht einfach genug, dass eigentlich jeder, der es ernsthaft versuchte, auf die richtige Antwort kommen müsste? Trotzdem wollte ich auf Nummer sicher gehen, denn WENN ich gewann, hätte das (nicht zuletzt auch in meinen Augen) doch äußerst anrüchig ausgesehen, und wenn nicht, naja, dann brauchte ich offensichtlich auch nicht teilzunehmen.

Allerdings schaute ich schon noch neugierig in den entsprechenden Forumsthread und war irritiert. 22, dann 23 wurden als Lösungen genannt… Hmm. Wie kam’s? Ich checkte meine Liste noch einmal gegen. Nein, alle 24 Karten, die ich hatte, entsprachen den Gewinnbedingungen, und eigentlich konnte man auch keine davon übersehen – oder? Nun, offensichtlich KONNNTE man. Das wiederum bedeutete, dass Leute, die Zugriff auf meine Liste hatten, tatsächlich einen substanziellen Vorteil besaßen!

Dann aber tauchte die meiner Ansicht nach richtige Zahl auf:

“24, und jede einzelne stimmt!! Bei einer muss man etwas außerhalb des Schemas denken, aber ich denke mehr gibt’s wirklich nicht.” schreibt da “Ra Po” “Ra Po”? Genau – Raul Porojan! Der gleiche, der mir später folgende liebreizende Zeilen schreiben würde: “Lass dir das von jemandem sagen, der dieser ganzen Sache völlig neutral gegenüber steht, weil es ihm egal ist, ob er den Wettbewerb gewinnt oder nicht:
Du, lieber Andi, bist ein Mongo. P u n k t”

Ah ja, aber dazu komme ich später noch einmal. Gut, jetzt war also der allgemeine Erkenntnisstand bei 24 angelangt – WAR das gut? Und stimmte das auch? Zahlreiche weitere Poster bekräftigten jedenfalls in der Folge noch, dass sie nicht mehr als 23 fanden – das war doof. Und plötzlich tauchten auch noch ganz andere Zahlen auf: 32, 46… häh? Okay, vielleicht hatte ich ja tatsächlich irgendetwas übersehen (ich checkte sicherheitshalber noch einmal die genauen Persist-Regeln) – nee, eine oder zwei Karten, ja – aber acht bis über zwanzig??

Ich kam zu dem Schluss, dass diese Angaben aus ähnlichen Gründen gemacht wurden, wie “Meisi” sie angab: “mist^^ jetzt wollte ich durch den minuspunkt gewinnen^^ den alle anderen bekommen hätten!” Ich ging davon aus, dass niemand mehr als 24 Lösungen hatte, aber andere potenzielle Teilnehmer durch die Behauptung, dass sie weit mehr hatten, von der Teilnahme abhalten wollten…

So viel übrigens zu dem Begriff “Fairness” bei diesem Gewinnspiel: Anderen Teilnehmern Minuspunkte reindrücken zu wollen oder sie mit einer erlogenen Anzahl Lösungen einzuschüchtern, darüber regt sich, scheint’s, kaum einer auf…

Jedenfalls gefiel mir das gar nicht, dass alle Anzeichen darauf hindeuteten, dass ich wohl die korrekte Lösung schon seit vor Beginn des Spiels auf meinem Computer hatte, und das Rätsel gleichzeitig wohl doch nicht so einfach schien, wie ich es angenommen hatte, da über die korrekte Lösungszahl weiterhin ziemliche Verwirrung herrschte. Besonders nachdenklich stimmte mich auch dieser Post von Tobi:

“Wus? 32?! Und ja, ich habe das Rätsel selbst NICHT gelöst, deshalb hab ich auch keine Ahnung, wovon du redest.”

Nanu – wenn er das Rätsel nicht selbst gelöst hatte, wieso wunderte er sich dann über die 32, aber nicht die 24? (Eben etwa, weil er meine 24 kannte?)

Der Tropfen, der dann das Ganze zum Überlaufen brachte, war dann aber eine Mail von jemandem, den ich (oder zumindest seine Emailadresse) nicht einmal kannte, und der mich fragte, ob 24 denn nicht richtig sein, denn im Forum hätte ja jemand 46 gefunden, und ob denn zwischen der Art, wie meine Listen zu Stande kamen, und der von Tobi definierten ein relevanter Unterschied sei… Wie sollte ich denn damit jetzt umgehen?

Nun ja, wie Ihr ja wisst, habe ich beschlossen, meine Liste zu veröffentlichen, (und zwar nicht im Forum des Veranstalters, und auch ohne Link von dort, und auch ohne leicht ergoogelbare Schlüsselwörter), um klar zu stellen, dass weder ich noch Leute aus meinem Umfeld einen relevanten Vorteil besaßen. Diesen Entschluss fasste ich mitten in der Nacht (da ich nicht sicher war, dass ich im Verlauf des nächsten Tages dazu kommen würde, und da die ursprüngliche Deadline des Spiels bald ablaufen würde), also etwas überstürzt.

2. Entgleisungen

Okay – offenbar war das also keine gute Idee gewesen! Nichtsdestotrotz ist es schon ziemlich daneben, welche Motive mir dafür unterstellt wurden, insbesondere, da ich mich ja bereits in den Kommentaren unter meinem Eintrag ausdrücklich geäußert hatte. Ich bin ja nun wirklich niemand, der Kritik nicht akzeptiert – von mir aus sagt mir gerne, dass das eine idiotische Aktion war, und ich es hätte besser wissen sollen! Ich habe ja auch Tobi damals scharf dafür kritisiert, dass er bei Magic Universe überall Einser-Bewertungen abgegeben hat (sein Recht darauf, dies zu tun, hatte ich übrigens verteidigt, nicht aber den Umstand, dass er sich nicht von Anfang an dazu bekannte).

Wenn ich aber dann solche Dinge lese:

“WÄHWÄHWÄH, die anderen Kinder haben soviel Spaß mit ihren doofen Murmeln, dabei ist das doch soo ein doofes Kinderspiel, denen zeig ich’s, wie die harte Welt der Erwachsenen funktioniert!!”

…dann frage ich mich, ob da Leute nicht von ihrer eigenen Denkweise auf andere schließen? Ich gehöre jedenfalls nicht zu den Menschen, die kleinen Kindern ihre Sandburgen zertreten, und ich habe mich in der nunmehr ziemlich langen Zeit, in der ich in der Magic-Community aktiv bin, mit Sicherheit nicht als Spielverderber aufgespielt, sondern im Gegenteil immer wieder an solchen Dingen mitgewirkt!

Na unschön, dann habe ich also etwas Dummes gemacht. Nur zu rasch wurde mir aber gleich unterstellt, ich hätte boshaft gehandelt! Für das, was ich getan habe, stehe ich gerade (wie immer), aber für das Bild, welches manche Leute sich deswegen von mir machen möchten, bin ich deswegen nicht verantwortlich!

Diese Angelegenheit war natürlich ein gefundenes Fressen für einige, die mich sowieso schon auf dem Kieker hatten – hurra, der Pischner hat endlich mal so richtig Mist gebaut, jetzt können wir ihn nach Herzenslust beschimpfen und beleidigen! (Wie heuchlerisch das Ganze ist, sieht man auch daran, dass der eine oder andere da völlig unbekümmert zivilrechtlich relevante Beleidigungen heraus gehauen hat – eben, weil sie in Wirklichkeit genau wissen, dass ich kein rachsüchtiger oder boshafter Mensch bin und wegen so etwas keinen Aufstand mache.) Dabei ist bei dem, was diese moralischen Kompassnadeln unserer Community von sich gegeben haben besonders bemerkenswert, wer da genau was wie formuliert hat: Sebastian Abresch benutzt das Wort “Arschloch”, EvilBernd unterstellt mir unterdrückte Homosexualität, und Raul Porojan nennt mich einen Mongo… Ich habe fast schon damit gerechnet, dass Mario Wirth aus der Versenkung auftaucht und mich als “Cheater” bezeichnet!

Am besten aber jener “bastard _k”:

“Du bist ja sicherlich schlau genug um herauszufinden wer ich bin, also wenns demnächst irgendwelche Probleme gibt, versuch mich einfach haftbar zu machen.”

Es geht doch nichts über eine RL-Drohung! Und nein, ich weiß nicht, wer dieser Typ ist – ich kenne leider deutlich mehr als einen unterbelichteten, gewaltbereiten Menschen. (Theoretisch müsste es ja jemand sein, der vor Veröffentlichung meiner Liste bereits eine deckungsgleiche Antwort bei Tobi eingesandt hat – was den Kreis schon erheblich einschränken würde – aber praktisch kann man sich darauf nicht verlassen.)

Und da wirft man MIR immer wieder vor, dass ich Themen über Gebühr aufbliese! Wenn man einfach mal einordnet, was ich tatsächlich getan habe, und dann die Reaktionen vergleicht… Übrigens fand sich die Passage “Wer im Forum oder auf einer anderen Internet-Plattform vorsagt, wird disqualifiziert.” meiner Erinnerung nach nicht von Anfang an in den Gewinnbedingungen (was übrigens rechtlich ziemlich problematisch ist). (Tobi hat mir versichert, dass ich mich hier irre und dieser Passus sich von Anfang an in den Teilnahmebedingungen befand.) Es war also eigentlich absolut nichts dagegen einzuwänden, dass jemand auf seinem Blog eine Liste mit den Karten, die er bereits gefunden hat postet und um Mithilfe bittet – eine Zusammenarbeit zwischen den Teilnehmern lässt sich sowieso nicht ausschließen (und letztlich ist sie sogar im Forumsthread selbst bereits geschehen, denn alleine schon die Bekanntgabe, wie viele Lösungen man gefunden hat, ist natürlich eine relevante Information, und darüber wurde sogar noch deutlich hinausgegangen). Dieser nachträglich eingeführte Passus wäre auch von Anfang an eh willkürlich und wirklungslos gewesen, denn was sollte jemanden daran hindern, unter einem unbekannten Nick einen entsprechenden Thread zum Beispiel in den Wizards-Foren oder bei MTGSalvation zu starten, wo die meisten Leute nie etwas von diesem Gewinnspiel gehört haben? (Vielleicht hat das ja sogar jemand gemacht – ich habe nicht nachgesehen.) Als jemand eine Teillösung im MTG-Forum gepostet hat, ist diese zwar gelöscht und der Poster vom Spiel ausgeschlossen worden (so wie ich es verstanden habe), aber es hat sich nicht annähernd so ein Sturm der Entrüstung entladen.

Nein, ich bin offensichtlich nicht der einzige, der mich wichtig nimmt! Offensichtlich wiegt mein Vergehen um so schwerer, weil ich sowohl eine gewisse Autorität besitze (was dazu führt, dass meine Liste weitgehend als korrekte Lösung akzeptiert wurde), als auch, da sie durch mich besonders weit verbreitet wurde. Genau das waren aber auch die Gründe, die mich dazu bewogen haben, sie zu veröffentlichen!

Ich denke immer noch, dass es keine gute Idee gewesen ist, ein Gewinnspiel zu veranstalten, bei dem man – auch von meiner Person einmal abgesehen – doch fest damit rechnen musste, dass irgendjemand die komplette Antwort bereits vor Stellung der Frage kannte, aber ich muss einsehen, dass es wohl eine schlechte Idee war, mein Wissen als Allgemeingut zur Verfügung zu stellen. Ich muss allerdings auch zugeben, dass dies im Moment eher eine rationale als eine emotionale Einsicht ist, denn zur Zeit bin ich eigentlich eher wütend wegen dieser allgemeinen, von den üblichen Verdächtigen genüsslich noch einmal besonders angeheizten Mobbingstimmung. Du meine Güte – ich will mir gar nicht vorstellen, was passieren würde, wenn zum Beispiel eine wütende Exfreundin mich anzeigen würde, weil ich Kinderpornografie auf dem Rechner hätte, oder wenn ich bei einem Verkehrsunfall eine schwangere Frau verletzen würde! (Und nein, ich habe keine Kinderpornografie auf dem Rechner oder sonstwo und keine Exfreundinnen, die mich hassen, und ich fahre kein Auto.)

Dabei kann man schon deutlich erkennen, wer der Ansicht ist, dass ich eine große Dummheit begangen habe und sich ernsthaft dafür interessiert, warum, und wer einfach nur Spaß am Steinewerfen hat. Ich bin aber auch ein einfaches Ziel – nicht zuletzt gerade deswegen, weil ich zu den Dingen stehe, die ich tue! Wenn es mir nur darum gegangen wäre, dieses Gewinnspiel zu sabotieren, dann hätte ich mich auch einfach unter einem anderen Account im Forum (besser noch, in mehreren) einloggen können und es mit meiner Liste vollspammen können (und ja, ich hätte auch noch daran gedacht, mir dafür eine neue Emailadresse bei einem anderen Anbieter zuzulegen und das Ganze aus einem Internetcafe zu machen, damit man meine IP nicht erkennt). Weil es aber nun einmal nicht meine Art ist, habe ich keine Nacht- und Nebelaktionen gemacht.

3. Entschuldigungen

Ich bemühe mich allerdings immer, die Vernunft siegen zu lassen (nein, meine rote Seite ist nicht allzu stark ausgeprägt) und erkenne deswegen an, dass es Leute gibt, bei denen ich mich entschuldigen muss: Das sind insbesondere diejenigen Teilnehmer, welche ohne meine Hilfe auf diejenigen 24 Lösungen gekommen sind, die ich gepostet habe (abzüglich “bastard_k” & co., die keine Entschuldigung verdient haben), sowie vielleicht auch diejenigen, welche Spaß am Herumrätseln gehabt haben, und denen ich diesen Spaß mit meiner Auflösung verdorben habe.

Mit einer gewissen Einschränkung gilt diese Entschuldigung auch für die Veranstalter des Gewinnspiels: Letztlich haben sie nicht wirklich einen Schaden davon (denn größere öffentliche Aufmerksamkeit ist letztlich eher gut für sie), aber natürlich haben sie sich das Ganze etwas anders vorgestellt. Um da ein bisschen etwas gut zu machen, biete ich dem Planeten diesen Artikel hier gratis an. (Oh, und weil klar ist, was da sonst kommt: Ja, davon hat der Planet mehr als ich, denn auf meinem Blog würden dies hier kaum weniger Leute lesen, aber ein Pischner-Artikel, der wieder einmal für Unmengen Diskussionsstoff sorgt, ist natürlich ein Gewinn für die Seite.)

Übrigens weiß ich, während ich dies hier tippe, noch nicht, ob die 24 Karten auf meiner Liste wirklich alle korrekt und komplett sind, auch wenn ich mir bei Ersterem sehr und beim Letzteren ziemlich sicher bin. Unter Umständen stellt sich die ganze Sache ja noch einmal ein wenig anders dar.

Ansonsten ist mir bewusst, dass der Teil “Entschuldigungen” in diesem Artikel am kürzesten ausgefallen ist. Das liegt einerseits in der Natur der Sache, denn hier gibt es eben nicht so viel zu sagen, und andererseits geibt es da auch noch eine Möglichkeit, ihn zu ergänzen – aber das ist nicht meine Aufgabe.

Schmutzige Wäsche von damals

July 22, 2008

Bei der Suche nach einer ganz anderen Diskussion bin ich gerade über diejenige gestolpert, welche die Initialzündung für meine Entfremdung mit dem damaligen MTG-Team war (und zwar mit einem gewaltigen Knall!)

Wenn Euch interessiert, wie es kam, dass ich von einem äußerst engagierten ehrenamtlichen Mitarbeiter zu einem ausschließlich externen Autor wurde, dann lest es Euch einmal durch.

“Moritz” war einer der drei damaligen Betreiber, Moritz Lischka. “kruschel” ist Andreas Kruschel, “JustusR” ist der damalige deutsche Top-Judge Justus Roenneau, “Rosario” ist Rosario Maij und “Zeromant” bin natürlich ich. (Wer damals mit dabei war, kennt bestimmt auch noch ein paar andere der Poster dort.)

Nach dieser Geschichte schmiss ich den ehrenamtlichen Kram also hin und schrieb nur noch Artikel gegen Bezahlung. Mal ehrlich – kann das igendjemanden wundern?