Posted tagged ‘Mirrodin Besieged’

Die guten ins Töpfchen

February 1, 2011

Vielleicht interessiert es ja jemanden (wenn nicht, ist es auch nicht schlimm): Die folgenden Karten aus Mirrodin Besieged werde ich mir für meine selbstgemachten Limited-Umgebungen besorgen:

Accorder Paladin
Ardent Recruit
Bladed Sentinel
Blisterstick Shaman
Blue Sun’s Zenith
Brass Squire
Choking Fumes
Concussive Bolt
Crush
Cryptoplasm
Darksteel Plate
Dross Ripper
Fangren Marauder
Frantic Salvage
Galvanoth
Glissa’s Courier
Go For the Throat
Goblin Wardriver
Gust-Skimmer
Hexplate Golem
Ichor Wellspring
Koth’s Courier
Kuldotha Flamefiend
Lead the Stampede
Leonin Relic-Warder
Lumengrid Gargoyle
Master’s Call
Melira’s Keepers
Mirran Mettle
Mirran Spy
Mirrorworks
Myr Sire
Myr Turbine
Nested Ghoul
Neurok Commando
Peace Strider
Pierce Strider
Piston Sledge
Praetor’s Counsel
Quicksilver Geyser
Rally the Forces
Razorfiend Rhino
Rusted Slasher
Sangromancer
Shimmer Myr
Signal Pest
Silverskin Armor
Slagstorm
Spin Engine
Spine of Ish Sah
Spiraling Duelist
Spire Serpent
Steel Sabotage
Tangle Hulk
Tangle Mantis
Turn the Tide
Unnatural Predation
Vedalken Anatomist
Viridian Claw
Viridian Emissary
Vivisection
White Sun’s Zenith

Das sind immerhin 62 Stück, wenn auch zum größten Teil Commons & Uncommons! Aber ärgerlicherweise hängt die Qualität von Magic nicht alleine an der Anzahl der gelungenen Karten, sondern auch an der Existenz misslungener (und teilweise sogar an der Abwesenheit essenzieller). Ich habe es früher schon formuliert:

Ich habe MaRo einmal geschrieben, dass Magic kein Buffet, sondern ein Stew ist, und dass deswegen das Argument „wenn ihr eine Karte hasst, dann macht euch klar, dass sie für jemand anders designt wurde“ nicht greift – aber in dieser Weise kann ich mich tatsächlich in jedem Set wie an einem Buffet bedienen und mit diesen Zutaten dann mein eigenes Süppchen kochen, ohne dass mir jemand dieses mit unerwünschten Karten „vergiftet“.

Deswegen bastele ich mir ja auch nur noch meine eigenen Umgebungen zu und verzichte auf “Mythic Magic”!

Advertisements

Wie man es NICHT macht

January 29, 2011

Und wieder einmal erscheint ein neues Magic-Set, von welchem die meisten von Euch vermutlich gerade Booster öffnen, während ich diese Zeilen hier tippe. Ich beneide Euch nicht: Selbst wenn man bei den Prereleases ausnahmsweise doch wieder mit englischen Karten spielen würde, bin ich mir nicht sicher, ob ich bei Mirrodin Besieged dabei wäre – zu meiner Abneigung gegen Sealed-Deck-Turniere kommt diesmal sowohl die selbst für moderne Magic-Maßstäbe überdurchschnittliche Bombenlastigkeit des Environments hinzu, und obendrauf diese furchtbare Poison-Mechanik, sowie zur Krönung das Kozept der Fraktionsbooster, dem ich zwar unter dem Promotion-Gesichtspunkt dieses Events etwas abgewinnen kann, das ich aber für das tatsächliche Spielerlebnis nur negativ bewerten kann. (Ich frage mich übrigens, ob es nicht sowohl unter den Promotion-Aspekt, als auch mit Hinblick auf den Spielspaß nicht besser gewesen wäre, Mirrormatches zwischen den Fraktionen zu vermeiden – also immer nur Mirraner gegen Phyrexianer zu paaren – aber vermutlich wären die organisatorischen Hürden dafür wohl zu hoch.)

Wenn ich die Artikelsituation im Netz mit der vor sieben Jahren vergleiche, als der originale Mirrodin-Block erschien, so fällt mir zunächst einmal positiv auf, dass weit weniger unqualifizierte Previews zu sehen sind! Aber ja, mir ist schon klar, dass dieses Positivum ein Nebeneffekt des ansonsten negativen Umstandes ist, dass heute überhaupt weniger Magicschreiber aktiv sind, und zwar leider nicht deswegen, weil nur noch die besseren veröffentlicht würden, sondern weil das Angebot insgesamt knapp ist – qualitativ sogar noch mehr als quantitativ.

Was nämlich vorhanden ist, ist letztlich nicht lesenswert. Das fängt mit Florian Kochs “Entscheidungshilfe fürs Prerelease” an: So relevant die Fragestellung, mit der er sich beschäftigt, auch ist – er macht ansonsten so ziemlich alles falsch, was man falsch machen kann!

Seine Herangehensweise ist diese: Er gibt den Commons aus Mirrodin Besieged Schulnoten und ermittelt daraus Durchschnittswerte. Ob ein solcher pseudo-mathematischer Ansatz überhaupt eine sinnvolle Herangehensweise ist, darüber ließe sich bereits streiten, aber so, wie Florian vorgeht, ist es auf jeden Fall Humbug!

Zunächst einmal kann jedes Ergebnis, welches er uns am Ende präsentiert, nicht besser sein, als die Kompetenz, mit der er seine Statistik mit Daten befüttert. Da geht es aber bereits los: Sein Bewertungssystem ist völlig aus der Luft gegriffen. Da er Durchschnittswerte bildet, müsste seine Skala folgende Rückschlüsse erlauben: Eine 1er Karte und eine 3er Karte sind zusammen so stark wie zwei 2er-Karten, und eine 2er und eine 6er-Karte so stark wie zwei 4er-Karten. Ich garantiere Euch, dass Florian sich bei seiner Schulnoten-Skala auch nicht das kleinste Fitzelchen Gedanken darum gemacht hat – das merkt man seinen Bewertungen und Begründungen deutlich an! Man beachte auch, dass er zahleiche Bewertungen wie “4-” oder “2+” vornimmt, ohne dass diese Abstufungen, die ihm doch offenbar wichtig sind, in der Endabrechnung berücksichtigt würden! Wieso verwendet er beim Bewerten eine 18er-Skala, beim Berechnen aber eine 6er-Skala? Richtig: Weil er nicht für 5 Sekunden darüber nachgedacht hat, was er da eigentlich tut.

Dann sind da die Bewertungen selbst und ihre Begründungen. Ich zitiere ein paar der “schönsten”:

Füller der solideren Art, wenn man sich das vom Tempo her erlauben kann.

Dann wohl doch lieber Flameborn Hellion.

Setzen.

Der Name ist Programm.

Wie immer gilt: Es ist absolut legitim, aus der Qualität der Begründungen auf die Qualität der Bewertungen zu schließen!

Man merkt auch deutlich, dass die Verhältnismäßigkeit zwischen den Noten nicht gegeben ist. Ja, auch ich halte Quicksilver Geyser für sehr stark – aber wie kann diese Karte eine bessere Note als Burn the Impure erhalten? Wieso landet Fangren Marauder gleich zwei Noten über Tangle Mantis? Warum gilt das auch für Razorfield Rhino über Gnathosaur? Wie gelangt man mit der Begründung “Die meisten Sealed-Decks werden kaum aggressiv genug sein, um das hier zu rechtfertigen. Wenn doch ist es vermutlich eine richtig gute Karte” zu einer 5, mit “Ab vier Equipments kann man wohl darüber nachdenken. Sonst eher eine Verzweifelungstat” jedoch zu einer 4? Selbst wenn Florians Rechnung prinzipiell Sinn ergäbe, könnte er mit solchen willkürlichen Bewertungen keine brauchbaren Ergebnisse erwarten.

Aber darüber muss man sich gar keine weiterführenden Gedanken machen, denn natürlich ergibt seine Rechnung schon auf Grund ihrer Konzeption keinen Sinn. Florian mittelt die (von ihm definierte) Spielstärke der MB-Commons nach Fraktion geordnet. Aber was hat das eigentlich mit der Frage zu tun, mit welcher Fraktion man beim Prerelease vermutlich ein stärkeres Deck bekommt? Folgendes lässt er alls dabei außer Acht:

1. Die Stärke eine Sealed-Pools (und das gilt ganz besonders in diesem Block!) hängt maßgeblich von den Uncommons und Rares (und Mythics, jaja) darin ab. Der Anteil der Commons in einem typischen Sealed-Deck ist üblicherweise deutlich geringer, als der Anteil der Commons im Pool, und sie tragen üblicherweise auch noch anteilig weniger zur Spielstärke des Decks bei. Bereits das macht Florians Herangehensweise eigentlich schon wertlos.

2. Der durchschnittliche Spielwert aller Commons in einem Set ist nicht im geringsten ein Indikator dafür, wie spielstark diejenigen Commons sind, die man tatsächlich in seinem Deck spielt!  Ganz, ganz grob geschätzt, kommen beim Sealed-Deckbau mit 6 Boostern sowieso nur die besten 50% der Commons in Frage – die übrigen könnten genau so gut allesamt One with Nothing, Wood Elemental oder Sorrow’s Path heißen. Im SOM-Block ist der Anteil der tatsächlich genutzten aus allen in Frage kommenden Commons aus zwei Gründen noch einmal besonders gering: Einmal die Artefakte, die jedem Spieler unabhängig von seiner Farbwahl zur Verfügung stehen; zum anderen die bereits angesprochene Bombenlastigkeit des Formats. Und obendrauf kommt dann auch noch der Witz mit den Fraktionsboostern, der tendenziell ebenfalls für ein Überangebot an in Frage kommenden Karten sorgt!

Herrlich übrigens, in welch mathematisch geradezu schmerzhafter Weise sich Florian dieses Problems annimmt, wenn er nicht etwa die besten x % der Commons jeder Fraktion miteinander verglicht, sondern diejenigen mit einer Mindestbewertung! Um Euch die komplette Idiotie dieses Ansatzes vor Augen zu führen: Nehmen wir an, die Mirraner besäßen genau eine Karte, die eine 1 verdient und ansonsten ausschließlich 6er, und Phyrexia besäße zehn 2er-Kandidaten, sowie zehn 3er und ansonsten ebenfalls nur 6er. Dann erhielten die “spielbaren” Mirran-Karten nach Florians absolut brillianter alternativer Berechnungsmethode einen Durchschnittswert von 1.0, und Phyrexia läge abgeschlagen mit einer Note von 2.5 dahinter… Ja, das IST so dumm, dass es weh tut – aber genau das hat Florian gemacht!

3. Die durchschnittliche Spielstärke per Fraktion quer durch die Commons aller Farben hat ebenfalls kaum etwas mit der durchschnittlichen Spielstärke aller Commons zu tun, die man tatsächlich spielt, wenn die verschiedenen Fraktionen gewisse Farben bevorzugen sollten. Ich denke, wir können gesichert davon ausgehen, dass Mirran hauptsächlich RW spielen wird und Phyrexia hauptsächlich BG – ach ja, und Phyrexia weniger Artefakte… Eine ungewichtete Berücksichtigung aller Karten gibt also wiederum nicht ihren tatsächlichen Einfluss auf die Stärke des Gesamtpools wieder. (Das ist ein grundlegendes Problem dieser Methode, da man es ohne Einbeziehung ihres erwarteten Ergebnisses nicht lösen kann – siehe Punkt 6.)

4. Florian benotet und betrachtet die 3 MB-Booster unabhängig von den drei Scars-Boostern, die jeder Spieler ebenfalls erhält. In einem dermaßen Synergie-aufgeladenen Environment, wie es dieser Block im Limited darstellt, ist eine solche Kartenbewertung im Vakuum natürlich besonders problematisch.

5. Bei Karten, die “im richtigen Deck” stark sind, vergibt Florian schwache Noten (siehe Ardent Recruit, Concussive Bolt oder Training Drone). Das stellt eine weitere Überhöhung des systematischen Fehlers aus Punkt 2 dar: Diese Karten spielt man natürlich nur dann, WENN sie gut sind! Abgesehen vielleicht von CE bauen Spieler ihre Sealed-Decks doch nicht mit einem Zufallsgenerator, sondern suchen nach Synergien! Hier stößt das Durchschnittswertsystem an seine systematischen Grenzen.

6. Und dann kann man seine Bewertungen auch noch mit systematischen Fehlern füttern… Florian zum Beispiel geht strikt davon aus, dass man mit Phyrexia eine Infect-Strategie spielen MUSS, und dementsprechend passt er seine Kartenbewertungen an. So bekommt man natürlich am Ende der Rechnung auch genau das Ergebnis heraus, das man von Anfang an antizipiert hat! Ginge man das Ganze stattdessen unter der Annahme an, dass Phyrexia stark genug sei, um sowohl Infect- als auch Nicht-Infect-Strategien zu ermöglichen und bewertet die phyrexianischen Karten dann entsprechend besser… abrakadabra, dann erhält man als Ergebnis plötzlich auch, dass Phyrexia mit seiner durchschnittlichen Kartenqualität stark genug ist, um beide Strategien zu unterstützen!

Zusammengefasst: Dieser Artikel war absolut sinnlos und überflüssig. Florian hat versucht, eine inhaltliche Analyse des Sets (die zugegebenermaßen wahrscheinlich mehr Zeit und Mühe gekostet hätte, als er vor dem Prereleasetermin hätte aufbringen können) mit Augenwischer-Mathematik zu ersetzen, und das Ergebnis ist leider nichts weniger als dumm und peinlich (wenn auch sehr schön optisch aufbereitet).

Nichtsdestotrotz war es zumindest eine originelle Herangehensweise an ein spezielles Thema. Im Vergleich dazu bietet uns Christoph Hölzl eine “gute alte” Retro-Card-by-Card-Analyse (wahrscheinlich ist Chh irgendwann nach dem originalen Mirrodin-Block in eine Zeitmaschine gestiegen und macht jetzt einfach mit dem weiter, was er von damals noch kennt).  Ist die ihm besser gelungen als Florian sein Fraktionenvergleich?

Nun, das Ergebnis ist weder dumm und peinlich – wenn man das als Mindestmaßstab für einen Preview-Artikel anlegt, kann man also zufrieden sein. Positiv ist anzumerken, dass Chh zu den einzelnen Karten auch tatsächlich etwas Sachbezogenes zu sagen weiß (im Gegensatz zu den Worthülsen, die Florian als “Begründungen” gegeben hat), und dass er sich auch bemüht, ihre Rolle im Gesamtenvironment anzusprechen.

Nichtsdestotrotz verbleibt er doch sehr im Vagen und Selbstverständlichen – er trifft eigentlich kaum Aussagen, die sich im Nachhinein als falsch erweisen könnten! Durch dieses auf Nummer Sicher Gehen enthält sein Artikel wenig wirklichen Informationsgehalt. Außerdem kommt der analytische Aspekt des Ganzen zu kurz – Chh sagt etwas zu den einzelnen Karten, aber er teilt uns nicht die Schlüsse mit, die er daraus zieht. (Möglicherweise kommt das in einem späteren Teil seiner Reihe noch, aber das ändert halt nichts daran, dass es diesem hier dadurch an Mehrwert mangelt.) Sein Text ist größtenteils einer zum Durchnicken – es bleibt nichts hängen, was einem das Gefühl gibt, etwas gelernt zu haben, oder das Bedürfnis, es auszudiskutieren oder zu -probieren. Man kann ihm zwar keine größeren Fehler vorwerfen – aber ist das Existenzberechtigung genug für einen Artikel, nicht schlecht zu sein?

Zumindest für mich ist es das nicht, und Chh ist ja auch kein Schreiberneuling, der sich über handwerklich solide Arbeit noch an inhaltlich gehaltvolle und unterhaltsame Texte herantasten müsste. Nein, auch dieser Artikel ist letztlich überflüssig.

Da dieser Beitrag bereits wieder endlos lang ist, belasse ich es bei diesen beiden Beispielen und wende mich meiner abschließenden Frage zu: Ja, wie zum Teufel kann man es denn dem Pischner nun Recht machen?

Nun, die auführliche Antwort darauf kennt Ihr ja schon. Die für diese Fälle gültige Kurzfassung lautet: Schreibt dann, wenn Ihr auch etwas zu sagen habt, und nehmt Euch die dafür notwendige Zeit! Chhs Artikel ist schelmisch mit “Erster!” angekündigt – vermutlich in direktem Bezug auf meine damalige Kritik am Erstveröffentlichungswahn bei Previews – aber auch heute noch gilt: Macht es nicht besonders früh, macht es besonders GUT! Eine Woche später wird ein erfahrener Spieler wie Chh sicherlich mehr und Tiefgründigeres zu sagen haben als unmittelbar nach Erscheinen des offiziellen Spoilers. So lange lohnt es sich dann auch zu warten! Und für Florian gilt: Wenn man die Zeit (und/oder die Kompetenz) nicht besitzt, um etwas Sinnvolles zu schreiben, dann ist es besser, seine Zeit anderweitig zu nutzen, anstatt Unsinn zu verzapfen! (Ich gehe jetzt einfach einmal davon aus, dass Florian nicht in erster Linie für die Entlohnung geschrieben hat – wenn doch, dann macht Tobi da etwas ganz Grundlegendes falsch!)

Ich will nicht MEHR Magicartikel,  ich will BESSERE. (Und das gilt nicht nur hier.) Trotz aller meiner Bemühungen, meine auf Magic-Seiten verbrachte Zeit zurückzufahren, ist es immer noch zu viel. Dann möchte ich aber wenigstens das Gefühl haben, dass es sich gelohnt hat!