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Ein bisschen “Trash-Bash” und Gedanken zum neuen MU-Team

November 7, 2008

Der letzte Teil von Trashs Limited-Analyse ist online gegangen. So wie er er die Rares bespricht, kriege ich manchmal das Gefühl, dass er mit den Karten noch nicht wirklich viel gespielt hat… Ich habe jedenfalls zum Beispiel mit (bzw. gegen) Covenant of Minds, Goblin Assault, Kederekt Leviathan, Quietus Spike, Empyrial Archangel & Sphinx Sovereign andere Erfahrungen gemacht. (In Kurzform: Der Archangel hat immer mal wieder enttäuscht, die anderen Karten erschienen mir deutlich stärker, als Trash sie beschreibt.)

Sehr interessant ist natürlich dies hier: Phips stellt das neue MU-Team, welches auf MTGO basieren soll, vor! Hier fällt meiner Ansicht nach allerdings ein wesentlicher Aspekt ein wenig unter den Tisch: Das ist nicht einfach “die nächste Stufe” – das ist ein völlig neues Projekt! Zunächst einmal stellen wir fest, dass Bensch das einzige bisherige Team-Mitglied ist, welches dabei bleibt (Phips als Cheffe nicht mitgezählt). Wenn dann fünf neue Leute dazu kommen, ist das keine Weiterentwicklung oder auch ein Umbruch – das ist ein Neubeginn!

Das muss jetzt natürlich nichts Schlechtes sein, abr es ist schon schade, dass das Originalprojekt auf diese Weise nicht zu Ende geführt wird (denn Ziel war es ja gewesen, Nachwuchsspieler an die Pro Tour heran zu führen). Zwischen den Zeilen wurde ja bereits klar, dass dies einerseits an der letztlich nicht vorhandenen Motivation der meisten Spieler (Bensch ausgenommen) gelegen hat, aber eben auch am Ausbleiben der nächsten Erfolgsstufe (da gibt es natürlich einen Zusammenhang). Letztlich steht hier also (wieder einmal): Das MU-Team ist tot – es lebe das MU-Team!

Die Verlagerung des Testprozesses auf MTGO entlastet dabei die Teammitglieder natürlich in vielerlei Weise. So fallen zum Beispiel regelmäßige Teamtreffen weg, ebenso wie jene schwierig zu organisierenden RL-Testsessions. Die Mitglieder MÜSSEN also weniger Zeit investieren. Gleichzeitig KÖNNEN sie natürlich flexibel sogar MEHR Zeit investieren! Hier zeigt sich an einem weiteren Beispiel, warum MTGO die RL-Turnierszene tötet – es ist eben alles eine Frage des Zeitmanagements.

Ist diese Entwicklung eigentlich wirklich im Interesse des Sponsors? Tatsache ist, dass mit MTGO nur Wizards selbst wirklich verdienen. Für Internethändler (und Brickstore-Einzelhändler sowieso) gibt es da kaum etwas zu holen – für sie bedeutet die Abwanderung der Szene ins Netz praktisch nur Verluste. Sicher, ein Ziel des Projektes ist es, die Versorgung der Seite mit Artikeln sicher zu stellen – aber war es nicht auch ein anderes gewesen, die kränkelnde Turnierszene mit einem Modellprojekt wiederzubeleben? An diesem Ziel ist also letzten Endes auch Phips gescheitert. Nein, Magic ist nicht tot, auch RL-Magic ist nicht tot – aber RL-Turniermagic stirbt, und irgendwie scheinen wir uns alle auch bereits daran zu gewöhnen.

Bei der Team-Zusammensetzung wird deutlich, dass Phips unbeschriebene Blätter vermieden hat. Kannegießer, Reiter, Michels, Kirchbacher und Passin junior – das sind alles Namen, die man schon länger aus dem Netz kennt (wenn auch teilweise besser unter anderen Nicks) und Spieler, die schon so einiges an Turniererfahrung mitbringen. Das überraschte mich dann doch, denn die Idee der Nachwuchsförderung wurde damit effektiv ad acta gelegt – diese Spieler reihen sich dann doch eher im Spektrum “fortgeschritten” bis hin zu “bereits für eine PT qualifiziert” ein!

Das neue MU-Team fängt also nicht bei Null an, sondern startet bereits auf recht hohem Niveau. Somit fällt auch der Gedanke weg, die Fortschritte eines Teams zu verfolgen – stattdessen darf man hier gleich von Anfang an qualitativ gute Artikel erwarten.

Ach ja – wurde nicht gerade erst ein MU-Blog eingerichtet, um die Fortschritte des alten Teams zu dokumentieren? Das passt letztlich überhaupt nicht zu diesem plötzlichen Neuanfang. Hier muss man wirklich vermuten, dass der ursprüngliche Plan mangels Motivation der Team-Mitglieder aufgegeben werden musste (das kenne ich ja gut genug). Offenbar war die grundlegende Idee wohl doch nicht so gut, wie ich damals dachte: Dass es keine motivierten Nachwuchsspieler gibt, liegt wohl doch nicht an den Rahmenbedingungen, sondern schlicht am Mangel an Motivation beim Nachwuchs (Katze, beißen, Schwanz)! Phips hat das Ganze zwar deutlich länger am Köcheln gehalten als ich, indem er die Erwartungen herunter schraubte, das Team stärker in Schutz nahm und mit seinen eigenen Erfolgen geschickt ablenkte, aber letztlich hat sich der Standort Linz auch nicht als erfolgreich für dieses Projekt erwiesen, was wohl an der Konzeption des Projektes selbst lag (Ja, das bedeutet, es ist meine Schuld – zumindest Mitschuld!) Ein MU-Team analog einer Sportmannschaft aufzubauen scheint einfach nicht zu klappen – dafür fehlen die Begeisterung, der Einsatz und der Teamgeist. Magic wird eben doch nicht als Sport wahr genommen.

Wie auch immer, das neue Team verspricht zumindest guten Content! Ich bin allerdings neugierig, wie lange es dauert, bis TMM sich mit dem Hinweis “Der MTGO-Shuffler ist broken!” wieder einmal von Magic abwendet… Phips jedenfalls hat bewiesen, dass er auf höchstem Niveau wiederholt gute Leistungen erzielen kann, und der Rest des Teams (Bensch eingerechnet) ist zumindest qualifiziert genug, eine starke Testgruppe zu ergeben. Ob dann auch bei dem einen oder anderen das letzte Quäntchen Talent vorhanden ist, welches dem dauerfrustrierten PTQ-Reisenden (aka “TMM”) zum Durchbruch verhelfen kann, das wird man dann sehen!

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Gedanken zum Magicverfall in Deutschland

September 16, 2008

Ich habe wieder den Draftsimulator auf Daily MTG benutzt und werde Euch bald meine Ergebnisse vorstellen.

Vorher will ich aber auf einen interessanten Blogeintrag von Teardrop hinweisen und meinen Senf dazu abgeben. (Ich würde ja dort mit diskutieren, aber die kommentatorfeindliche Technik von MTGBlogs boykottiere ich.)

Fakt ist, dass Deutschland schon seit Jahren nicht mehr im internationalen Vergleich Spitze ist. Fakt ist ebenfalls, dass die Teilnehmerzahlen bei PTQs immer schlechter werden. Schließlich betrachte ich es auch als Fakt, dass gute Strategie-Artikel auf deutschen Seiten immer seltener geworden sind. Teardrop hat also recht – es gibt in jedem Bereich Baustellen.

Erklärungsansätze, welche diese Entwicklung auf den Verfall des Turniermagic allgemein zurück führen, kann ich zwar prinzipiell nachvollziehen, sie greifen aber zu kurz – denn wieso sollte Deutschland hier im internationalen Vergleich zurück fallen? Die Argumente, dass die Glücksabhängigkeit bei Magic zugenommen hätte, wurden teilweise auch bereits in den Kommentaren widerlegt – tatsächlich besaß Magic eben schon immer einen Zufallsfaktor. Was zugenommen HAT, ist die Leistungsdichte – man spielt kaum noch gegen VÖLLIG ahnunglose Leute, und da fehlen eben bei größeren Turnieren 1-2 einfache Siege.

Was ich auch beobachte, ist die von Raul Porojan angesprochene Selbstüberschätzung vieler Leute. Du meine Güte, wer sich nicht alles für gut hält! Passt mal auf, Leute: ICH bin NICHT mehr gut, schon seit vielen Jahren nicht mehr. Aber so gut wie IHR bin ich zu 99% trotzdem noch! (Und jetzt denkt natürlich wieder jeder, er gehöre zu dem einen Prozent…) Ich bin trotz kaum vorhandener Spielpraxis immer noch gut genug, um random immer mal wieder GPTs und NQs zu gewinnen und ohne Vorbereitung bei der DM ausgeglichen zu gehen. Und wisst Ihr was? Das liegt an EUCH! Ihr seid nämlich nicht wirklich auf einem höheren Level als ich.

Genau das müsstet Ihr aber sein, damit Ihr gut genug seid, dass zwischen all den stochastischen Unebenheiten sich diejenige Konstanz zeigt, welche Ihr vermisst. Dabei fehlt vor allem die Bereitschaft zu lernen, denn diese gründet auf der Einsicht, dass man noch etwas zu lernen hat.

(Bei den französischen Nats haben übrigens Olivier Ruel, Remis Fortier, Gabriel Nassif und Raphael Levy Top 16 gemacht. Ein Vergleich mit unseren “Pros”, die stattdessen zum Beispiel das 2HG Side Event der DM gewinnen, verbietet sich da.)

Ach ja, bei einem liegt Teardrop übrigens auch falsch: Natürlich cheaten die deutschen Spieler nicht weniger als andere! Was sie aber wohl weniger tun, ist sich wirklich in Magic rein zu hängen. Klar – das lohnt sich nicht im Vergleich zu einem gut bezahlten Job oder einer Pokerkarriere. Warum macht man es aber trotzdem? Aus Liebe zum Spiel! Zum TURNIERSPIEL, wohl gemerkt. Unsere Magicelite hat sich da aber von denjenigen anstecken lassen, die alles besser finden als sanktioniertes Magic: Poker, Versus, The Spoilz (Schreibweise ist mir schnurz), Highlander… In meiner Zeit bei Serious Games habe ich bereits fest gestellt, dass Alternativen zu Magic meistens von denjenigen Spielern gelobt wurden, die es bei Magic nie geschafft haben, etwas zu reißen. Auf hohem Niveau scheint das ähnlich zu sein.

Ich fürchte, Kai Budde war nicht gut für uns deutsche Magic-Spieler! Seine unglaublichen Erfolge haben uns vorgegaukelt, dass wir Deutschen bei Magic in der absoluten Weltspitze dabei waren. In Wirklichkeit aber war Budde in der absoluten Weltspitze mit dabei, die anderen waren Mitläufer. Und als die Ära Budde zu Ende war und auch seine Weggefährten (Baberowski, Blume, Mello…) aufhörten, da dachte unsere zweite Garde, sie müsse auch so gut sein, weil sie ja auch deutsch war. Als sie dann merkte, dass das nicht der Fall war, hieß es dann plötzlich, Magic sei nur noch ein Glücksspiel, und andere Spiele seien ja viel besser.

Für einen echten Pro braucht es Talent UND Einsatzbereitschaft. Ersteres haben weit weniger Spieler im erforderlichen Maße, als es glauben, und Letzteres glauben diese Spieler nicht nötig zu haben. Da ihre Magickarrieren entsprechend erratisch verlaufen, weichen sie auf Spiele mit geringerer Leistungsdichte aus.

Wann immer Euch ein Spieler erzählt, er hört mit Magic auf, weil er bei Poker mehr erreichen kann: Er hört mit Magic auf, weil er nicht gut genug war, dort etwas zu erreichen! Poker lohnt sich natütlich finanziell mehr, aber das wusste er auch schon vorher. Tatsächlich werden normalerweise diejenigen Magic-Spieler wirklich gute Pokerspieler, die auch bereits in Magic wirklich gut waren. Für die anderen gilt nur, dass Poker ihre Überdurchschnittlichkeit im Bereich des Mittelmaßes besser belohnt. Die WIRKLICH guten Spieler setzten sich auch bei Magic durch.

Es bleibt natürlich die Frage, ob man sich durchsetzen WILL. Ich habe diese Frage schon lange für mich mit “nein” beantwortet, weil mir der Spaß am Turnierspiel verloren gegangen ist, aber ich jammere auch nicht herum, dass Magic nur noch ein Glücksspiel ist, und ich deswegen nichts mehr reiße: Ich reiße da nichts (wirklich Relevantes) mehr, weil ich es nicht mehr kann und will. So viel Ehrlichkeit muss sein.

Teardrop hat beschrieben, dass auf der Players’ Party der DM kein einziger Money- (oder sonstiger) Draft zu Stande gekommen ist! Und da wundern wir uns, dass wir in Magic im Mittelmaß versinken? Unsere Meinungsführer haben uns eingeredet, dass Magic es nicht wert ist, sich intensiv damit zu befassen. Diese geringe Wertschätzung gibt uns das Spiel postwendend zurück.

Wart Ihr in den letzten Jahren im #NMA? Ich nicht. Ich habe trotzdem mit bekommen, dass darin zwischenzeitlich mehr über Poker als über Magic gesprochen wurde.

Auf PlanetMTG und Magic Universe erscheinen unterdessen beinahe so viele Artikel über Vintage, Legacy und Highlander wie über relevante Turnierformate. Wo sind die Spieler, die noch Spaß daran haben, Magic ernst zu nehmen? In Berlin habe ich bei meinem Experiment mit dem MU-Team keine gefunden (und bei dieser Gelegenheit selbst den letzten Spaß daran verloren). In Japan, Frankreich und den Niederlanden scheint es sie noch zu geben.