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Der neue Mister Universe (plus uberfälligem Arbeitsnachweis)

March 16, 2010

Ich wusste ja, dass mein letzter Arbeitsnachweis schon ziemlich lange her war, weil ich erst das Ende meiner Reihe zu Worldwake abwarten wollte, bis ich meine Artikel wieder verlinkte, aber dass mir auf diese Weise zwei Artikel aus dem November letzten Jahres entgangen sind, die sich mit dem unterdessen nicht mehr aktuellen ZZZ-Draftformat befassten, ist schon ein wenig schade und nicht der Sinn der Sache. Wie dem auch sein, Folgendes habe ich in der Zwischenzeit verbrochen:

Zendikar in der Praxis: Drafttischdynamiken

Zendikar ist gut für mein Rating (ein PTQ-Bericht)

Worldwake aus Casual-Perspektive, Teil 1

Teil 2

Teil 3

Teil 4

Teil 5

Teil 6

Und zwischendurch:

Allerlei wirre Gedanken um Legacy und um Legacy herum

Zum letzten Teil meiner Worldwake-Reihe gab es im P-Forum eine intensive Diskussion, zu der ich hier etwas klarstellen möchte: Mir ist absolut bewusst, dass nicht jeder meiner Artikel vollständig gelungen ist, dass ich nicht immer Themen finde, die einen hinreichenden Anteil meiner Leser interessieren, und dass meine Experimente manchmal schiefgehen, und ich bin jederzeit absolut bereit in Erwägung zu ziehen, dass mir ein Text misslungen ist, insbesondere wenn er von Personen kritisiert wird, deren Meinung ich schätze. In diesem Fall ging aber die Kritik über den Text oder auch die Reihe hinaus, ja, verließ sogar den Rahmen von Kritik, sondern postulierte absolute Normen, an die sich jeder Schreiber zu halten hätte, und hier widersprach und widerspreche ich entschieden! Da dieses Thema letztlich gar nicht so viel mit Magic oder auch nur Magic-Artikeln zu tun hat, werde ich es irgendwann in nächster Zeit an einer ganz anderen Stelle noch einmal aufgreifen (keine Sorge, ich werde von Zeromagic aus darauf verlinken). Mir geht es hier nur darum, noch einmal deutlich zu sagen, dass ich mir ehrlich gemeinte Kritik immer wünsche (egal, ob ich sie nun annehme oder nicht), dass es aber sinvoller ist, sie auf einen konkreten Text von mir zu beziehen, anstatt allgemeingültige Aussagen treffen zu wollen, über die man auf einer völlig anderen Ebene diskutieren muss.

Nun aber zu meinem Hauptthema:

Magic Universe hat wieder einmal einen Neuanfang vollzogen, und natürlich bin ich neugierig, was sich jetzt ändern wird!

Ich bin ja ein kritischer Mensch, und deswegen betrachte ich diese allererste Redaktionszeit von Phips ein wenig mit Sorge – nicht in erster Linie wegen der inhaltlichen Ankündigungen, sondern wegen seiner Erklärungen bezüglich der Funkstille dort zuletzt, denn die hauen einfach nicht wirklich hin, und Unehrlichkeit gegenüber der Leserschaft wäre nun wirklich kein gelungener Start.

“Ausgeschöpfte zeitliche Ressourcen” hin oder her – aber wieso hat niemand eine entsprechende kurze Mitteilung gemacht, anstatt mehrere Redaktionszeiten und praktisch das gesamte Artikelprogramm über mehrere Wochen einfach kommentarlos ausfallen zu lassen? Eine Meldung in der Art von “Liebe Leser von Magic Universe, unser Redaktionsteam befindet sich zur Zeit im Umbruch. Deswegen wird unser Artikelprogramm eine Weile pausieren. Schon bald jedoch wird sich Euch ein neues Team vorstellen und die Arbeit mit frischem Wind wieder aufnehmen!” hätte ich als selbstverständlich erwartet: Also ungefähr das, was Phips in seiner Zwischenzeit geschrieben hat, nur eben nicht NACHTRÄGLICH, sondern zu dem Zeitpunkt, als es aktuell war! Eine solche Meldung kostet keine nennenswerte Mühe – und schließlich waren sowohl der Atog als auch EvilBernd auf ihren Seiten in dieser Zeit durchaus aktiv! (Insbesondere der Atog hat in der ersten Märzhälfte nicht weniger als SIEBEN Blogeinträge verfasst, und auch nicht gerade die kürzesten – das spricht doch wohl erheblich gegen die “keine Zeit”-Behauptung und viel stärker für eine “kein Bock mehr”-Vermutung!) Auch der Seitenbetreiber wäre gewiss in der Lage gewesen, eine entsprechende Meldung zu platzieren. Nein, die völlig fehlende Information hatte offensichtlich nichts mit “nicht können” zu tun, sondern mit “nicht wollen”! Doch was musste passiert sein, damit es beiden Redakteuren und dem Betreiber völlig am Arsch vorbei ging, dass die Leserschaft sich schon fragen musste, ob Magic Universe nicht vielleicht bereits Geschichte war? (Man beachte auch, dass das alte Team sich mit keiner Silbe verabschiedet hat.) “Keine wie auch immer gearteten Probleme, über die man sich in diversen Foren und Blogs publikumswirksam unterhalten könnte”, wie Phips es formuliert, ist jedenfall nicht die Antwort!

Wenn man genau hinliest, erhält man ja auch einige Hinweise darauf, wo solche Probleme gelegen haben könnten:

“EvilBernd und Mr. Atog aka. Marcus Malden hatten schon zum Ende des letzten Jahres nach einer langen, intensiven und recht erfolgreichen Zeit als Redaktionsteam auf Magicuniverse ihre Tätigkeit aus privaten bzw. beruflichen Gründen an den Nagel hängen wollen – lediglich die Suche nach Nachfolgern gestaltete sich nicht so einfach.
Dementsprechend waren sie bereit, noch einige Wochen und Monate dranzuhängen, bis eine zufriedenstellende Lösung bei der Nachbesetzung gefunden war – was aber etwas dauerte. Irgendwann Ende Februar / Anfang März waren dann die zeitlichen Ressourcen der beiden vollständig ausgeschöpft, und sie konnten sich ihrer Tätigkeit hier nicht mehr widmen.[…]Ungefähr zu dieser Zeit hat mich dann der Atog auch das erste Mal darauf angesprochen, ob ich mir diese Tätigkeit als Redakteur für diese Seite denn vorstellen könnte”

Aaaalso… Ende letzten Jahres hatte die alte Redaktion bereits aufgehört haben wollen… und Ende Februar / Anfang März wurde Phips zum ersten Mal gefragt, ob er übernehmen wolle (also erst dann, als EB und der Atog ihre Tätigkeit kommentarlos einfach eingestellt hatten)? Ganz offensichtlich hat es da ganz massive Probleme gegeben! In seiner Zwischenzeit schrieb Phips ja auch: “Es gab lediglich einige Kompliktionen” – mit anderen Worten, PROBLEME, und offensichtlich tatsächlich einige, die jetzt geleugnet werden. Was auch immer dort genau passiert sein mag, und wer auch immer die Schuld daran trägt, dass sich wochenlang niemand auch nur darum gekümmert hat, die MU-Leser zu informieren, kann jeder für sich spekulieren. Was mich daran stört ist, dass Phips seine Arbeit bereits vorbelastet aufnimmt, denn einerseits war er offensichtlich aus irgendwelchen Gründen, die ich nicht erahnen kann, nicht die erste Wahl als Ansprechpartner bei der Neubesetzung (und mal ganz ehrlich – wen hättet Ihr am ehesten logisch erwartet, wenn nicht Phips?), und andererseits beginnt er seine Tätigkeit damit, seine Leser zu belügen und für dumm verkaufen zu wollen, und das ist etwas, was zumindest ich immer ganz besonders übel nehme (und der Grund, warum ich darüber blogge).

Trotzdem kann man hoffen, das jetzt zumindest reiner Tisch gemacht wird, und die angekündigten neuen Autoren – oder, genauer, neu als regelmäßig angekündigten Autoren – versprechen natürlich durchaus interessanten Content!

Mit einem “Team” im ursprünglichen Sinn hat das Ganze natürlich nichts mehr zu tun. Ich weiß ja unterdessen längst, dass meine ursprüngliche Team-Idee zu ambitioniert gewesen war, aber ich halte auch nichts davon, diesen Label inhaltsleer einfach weiterzuführen. Ich kann auf Grund mangelnder Nähe nicht beurteilen, wie viel Team damals im MU-Team Linz steckte, und inwieweit Phips da letztlich eine Einmannshow durchgezogen hat, aber spätestens seit der Umstrukturierung des MU-Teams zu einem bloßen MTGO-Clan ist die eigentliche Team-Idee natürlich tot. (Ich sehe das doch richtig, dass Bensch der einzige Spieler des ehemaligen Linzer Teams ist, der noch dabei ist?) Es ist natürlich schön, (mehr oder weniger) regelmäßige Artikel von Schreibern wie Handsome oder Kenshin präsentiert zu bekommen, aber sollte der Planet Nico Bohny, Michael Diezel und Torben Twiefel deswegen jetzt als sein “Team” vorstellen? Und was ist eigentlich aus TMM geworden – war der denn nicht auch als MU-Teammitglied vorgestellt worden? Aber naja, die Antwort auf diese Frage kann ich mir schon denken… Auch der Abschied von Philip Passin hat sich offensichtlich völlig wortlos vollzogen. Was immer die Unterschiede in Phips’ und meiner Auffassung bezüglich dessen sein mögen, was es bedeutet, die Leserschaft die Fortschritte eines Teams verfolgen zu lassen: Umbesetzungen unkommentiert zu lassen, kann darin nicht vorkommen!

Auch bei dieser Angelegenheit stört mich hauptsächlich wieder die Unehrlichkeit im Umgang mit der Leserschaft. Anstatt klipp und klar zu sagen, dass die ursprüngliche Teamidee gescheitert ist, dass aber daraus immerhin ein Pool von kompetenten Schreibern für die Seite entstanden ist, wird eine lose Playtestgruppe als Team fehldeklariert. Was genau dieses “Team” tatsächlich bedeutet, beschreibt Phips ja selbst an Hand seines so genannten “Pro-Teams”: “Nach intensiven Gesprächen (und noch intensiveren Gehaltsverhandlungen) ist es uns gelungen, einige sehr namhafte Pros dazu zu gewinnen, unseren Magicuniverse Online-Clan zu joinen, mit uns zu testen und wieder öfter (und zwar jeweils im Monat) für Magicuniverse zu schreiben.” Mehr ist nicht.

Aber das kann ja auch schon Einiges sein! Auch die nicht als “Pros” deklarierten Mitglieder haben zumindets bereits bewiesen, dass sie auf ordentlichem Niveau Magic zocken können, und insbesondere Florian Reiter und Thomas Kannegießer haben darüber hinaus auch bewiesen, dass sie gute Artikel schreiben können! Die Pros wiederum, nunja, die sind halt auf jeden Fall PROS, deren allgemeine spielerische Kompetenz nicht in Zweifel steht, und ich setze meine Hoffnungen darin, dass der im hohen dreistelligen Bereich anzusiedelnde prozentuale Kompetenzzuwachs bezüglich Magic im neuen Redaktionsteam sich auch darin niederschlägt, dass den guten Spielern nunmehr verstärkt vermittelt wird, sich auch als Schreibern mehr Mühe zu geben. Da muss man sich nichts vormachen: Die Qualität der Artikel eines Autors hängt natürlich auch mit der Qualität der Redaktion zusammen! Für einen unmittelbaren Vergleich betrachte man einfach Bohnys lieblos heruntergeschriebene Blackborder-Texte und seine weit unterhaltsamerer Kolumne beim Planeten. Gerade Charly Preyer neigte bei MU leider viel zu oft dazu, sich am Blackborder-Bohny zu orientieren – aber vielleicht gelingt es Phips ja, mehr aus ihm herauszukitzeln!

Ach so: Ich spreche bei der neuen Redaktion eigentlich nur von Phips, obwohl es sich doch um ein Dreierteam handelt – aber das ist auch richtig so! Wer hat in der Stunde Null nach Tobis Weggang damals MU mit regelmäßigen wöchentlichen Artikeln am Leben erhalten? Wer hat diese Regelmäßigkeit mit ganz wenigen Aussetzern über Jahre hinweg aufrecht erhalten? Wer ist zunächst im Kommentarbereich und dann in der Zwischenzeit eingesprungen, als niemand sonst der MU-Leserschaft erklären wollte, warum es nichts mehr zu lesen gab? Wer hat die erste neue Redaktionszeit verfasst, und wer musste erst angesprochen werden, damit die “Kompliktionen” bei der Neubesetzung des Redaktionsteams endlich ein Ende fanden?

Die beiden anderen Jungs konnten bislang nicht einmal unter Beweis stellen, dass sie der neuen Redaktion überhaupt angehören, und eine besondere Verbundenheit mit MU ließen sie bislang auch nicht erkennen. Boneshredder kenne ich zumindest und traue ihm daher auch durchaus Engagement zu – das zeigte er als langjähriger Moderator in der Zusammenkunft und als Kommentator in zahlreichen Foren und Blogs. Clemens Lichtl sagte mir zunächst gar nichts. Googlen ergab, dass es sich um einen Österreicher handelt (Überraschung), der hier einmal als FNM-Teilnehmer erwähnt wurde und da einmal mit 6 Punkten beim GP Florenz gedroppt war, und der ein einigermaßen akzeptables Total Rating von knapp 1800 besitzt, der aber vor allem laut Xing Softwareentwickler ist und sich daher höchstwahrscheinlich um die technische Seite des Ganzen kümmern wird. Magic-Kompetenz, technische Kompetenz und Engagement für die Community sind also vorhanden, und deswegen darf man durchaus vorsichtig optimistisch sein, was die neue Ära bei Magic Universe angeht!

Ich habe Euch übrigens die Redaktionsgeschichte dieser Seite einmal zusammengefasst:

02.09.2004 Der erste nicht rückwirkend eingestellte Artikel auf Magic Universe erscheint. Es handelt sich um die erste Ausgabe einer regelmäßigen wöchentlichen Kolumne von TobiH.

ab Juni 2005 TobiH verfasst über 90% der Artikel auf Magic Universe und ist damit effektiv für dessen Artikelprogramm hauptverantwortlich.

23.01.2006 TobiH stellt sich offiziell als Chefredakteur von Magic Universe vor. Nach und nach baut er ein komplettes Artikelprogramm mit verschiedenen Autoren auf. Ab Juni 2006 verfasst er nicht mehr die Mehrzahl der Artikel selbst und konzentriert sich auf seine Tätigkeit als Redakteur.

28.03.2007 TobiH verabschiedet sich zum Monatsende von Magic Universe. Er nimmt umgehend seine Redaktionstätigkeit bei PlanetMTG auf (für den er allerdings bereits seit einem Monat als Coverage-Reporter tätig gewesen war), die bis heute anhält.

15.04.2007 LightningFelix und Philip Wiest übernehmen die MU-Redaktion. Am 29.04. erscheint die erste Redaktionszeit, im darauffolgenden Monat beginnt das Artikelprogramm wieder.

30.05.2007 Phips veröffentlicht seinen ersten Artikel auf MU und beginnt sofort eine wöchentliche Kolumne, die mit wenigen Unterbrechungen bis zum Februar 2010 anhält.

21.01.2008 LightningFelix verabschiedet sich aus dem Redaktionsteam. Eine Woche später wird er durch den Atog ersetzt, der zumindest in der Außenwirkung (Redaktionszeiten) bald den Hauptteil der Redaktionstätigkeit übernimmt.

01.12.2008 Philip Wiest verabschiedet sich und wird eine Woche später durch EvilBernd ersetzt.

22.02.2010 Die letzte Redaktionszeit des Teams Atog/EvilBernd erscheint, nachdem sie vorher bereits mehrfach ausgefallen ist (was bei der Nummerierung unterschlagen wird). Zehn Tage später wird der letzte Artikel veröffentlicht, bevor Phips am 10.03. mit der Zwischenzeit den Umbruch im Redaktionsteam bestätigt und am 15.03. seine erste Redaktionszeit verfasst.

Vereinfacht gesagt: Drei Jahre lang war Tobi bei MU am Ruder, bis er zum Planeten wechselte, und seitdem trug bereits Phips diese Seite entscheidend mit (insbesondere, was Magic-Kompetenz anging). Im Nachhinein erscheinen die übrigen Redaktionsteams geradezu als Übergangslösungen!

Nun ist MU also noch fester als zuvor in österreichischer Hand – zwei Drittel der Redaktion und zwei Drittel der regelmäßigen Schreiber stammen aus der Alpenrepublik… Phips’ einleitender Witz mit der Weltherrschaft ist übrigens (je nach Geschmack) halb oder doppelt so witzig, wenn man darüber nachdenkt, dass der Erste Weltkrieg von Österreich-Ungarn ausging, und der zweite von einem gebürtigen Österreicher angezettelt wurde… Gestern gehörte ihnen Linz, und heute das ganze Magic-Universum?

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Diskussionen

June 11, 2009

Mal wieder Zeit für Arbeitsnachweise:

Hier analysiere ich ausführlich einen PT-Draft von Sebastian Thaler.

Hier kommentiere ich die mit M10 eintretenden Regeländerungen.

Zu letzterem Thema möchte ich Euch auch unbedingt ans Herz legen, diesen Artikel hier von Zvi zu lesen! Er sagt zwar Vieles von dem, was ich auch sage, aber eben teilweise besser (und mit dem Pro-Kompetenzbonus, den man in den Augen einiger Leute offensichtlich benötigt, um sich überhaupt äußern zu dürfen). Einige besonders gelungene Passagen zu den neuen Schadensregeln will ich hier zitieren:

It is not obvious at first glance whether this adds or subtracts strategic depth from the combat itself, although it is almost certain at least in the short term to decrease the strategic depth of people’s decks and cards. There are clear scenarios it makes less interesting, and clear scenarios it makes more interesting but the ones where it gets more interesting it does so by disincentivising the player to have the cards in question in the first place because he no longer has a clean option available.

To summarize the strategic implications, Magic will become strategically simpler and involve less skill. We will see more creatures with high power and high toughness and strong inherent always-on abilities. We will see less creatures with activated abilities such as regeneration, pumping abilities and especially sacrifice abilities. We will see more creature removal at the expense of pump spells, bounce spells and damage prevention.

All players must still learn the general case of how the stack works, but now must also learn the exception of how combat works. This makes the rules more complex, not less complex.

Ich will auch noch einmal eine Sache klarstellen: Ich kritisiere die neuen Regeln NICHT vom Standpunkt eines Möchtegern-Pros, der befürchtet, dass er es jetzt noch schwerer als früher hat, seinen Skillvorteil in Siege umzumünzen (obwohl ich diese Befürchtungen nicht von der Hand weisen würde, da in den Situationen, in denen die neuen Regeln MEHR Skill verlangen, eigentlich immer Doppelblocks involviert sind, die vergleichsweise selten vorkommen). Ich zeige mich als CASUAL-Spieler entsetzt darüber, dessen Carrion Feeder, AEther Spellbombs und Hunderte weiterer Karten durch den Wegfall der “Damage on the Stack” Option entmannt wurden. Wenn Bounce und Utility Creatures zu Gunsten von direktem Removal und dickeren Viechern geschwächt werden, dann leidet mein Spaß am Casual-Spiel erheblich.

Oh, und ich verkünde hiermit offiziell, dass meine früheren (und damals durchaus ernstgemeinten) Sympathiebezeugungen für Trash nicht mehr gültig sind! Ich weiß ja nicht, inwieweit sein neuer Job in der Karibik dazu beiträgt, aber zuletzt reduziert er jegliche Diskussion um Magic nur noch darauf, dass er mit seinen Pro-Punkten immer noch den Dicksten hat (zumindest in Deutschland nach dem Abtritt der Phoenix Foundation). Wenn es bei Magic ausschließlich darum ginge, und nicht etwa darum, Spaß am Spiel zu haben und sich im Rahmen seiner Möglichkeiten immer weiter zu verbessern, dann hätte er natürlich Recht – dann schauten wir alle nur ehrfürchtig auf seine erreichten Erfolge und knieten uns virtuell in eine Reihe, um seinen achso dicken Schwanz zu lutschen. Vielleicht trifft das ja auch auf Viele zu, aber ich zumindest akzeptiere keine Unfehlbarkeitsansprüche von Alpha-Tieren!

Hat es eigentlich irgendjemand bemerkt?

November 30, 2008

Die neuen DCI-Total-Ratings sind ja bereits berechnet! Ich habe das auch nur ganz zufällig mitbekommen.

Ich kann nur sagen: Ich wundere mich ziemlich! Im Vergleich zum Composite (das man auch noch einsehen kann) ist da ja kein Stein auf dem anderen geblieben… Die erste Überraschung war, dass ich mich mit einem Total-Rating von 1909 plötzlich in den Top 150 deutschen Spielern (genauer: Auf Platz 147) befinde – jetzt ärgere ich mich doch ein bisschen mehr über die beiden falsch eingetragenen Draft Events in den letzten Monaten, die mich vermutlich knapp 30 Punkte gekostet haben! Auch wenn ich mich nicht mehr wirklich für das Turnierspiel engagieren will – wenn eine Rating-Qualifikation für die nächste DM möglich erscheint, dann lässt einen das dann doch nicht ganz kalt.

Hier einmal ein paar Zahlen zum Vergleich der beiden Ratings:

In der Weltrangliste werden 203183 Spieler mit einem Total-Rating geführt, gegenüber 197649 mit einem Composite-Rating. Das ist ein nur leichter Anstieg (um 2,8%), der sich durch die Integration von Spielern, die bisher ausschließlich Eternal-Formate gespielt haben, gewiss erklären lässt. Dabei reicht die Spanne von 2267 (LSV) bis 1058 (Christpher Eucken natürlich), gegenüber 2150 bis 1055 (auch wieder LSV & Eucken). Da Eucken als Ausnahmetalent möglicherweise nicht der beste statistische Indikator ist, schlüssele ich die Rating-Verteilung ein wenig genauer auf. In der folgenden Liste sind zu beiden Kategorien jeweils die Anzahl der Spieler in einem Rating-Segment, sowie ihr Anteil an der Gesamtspielerschaft in Prozent angegeben:

Ratingbereich Spielerzahl Composite Spieleranteil Composite Spielerzahl Total Spieleranteil Total
>2099 3 0 51 0,03
2050-2099 22 0,01 104 0,05
2000-2049 66 0,03 317 0,16
1950-1999 216 0,11 768 0,38
1900-1949 697 0,35 1931 0,95
1850-1899 1689 0,85 4065 2
1800-1849 3615 1,83 7167 3,53
1750-1799 6410 3,24 10438 5,14
1700-1749 9744 4,93 14151 6,96
1650-1699 16271 8,23 20003 9,84
1600-1649 52544 26,58 44369 21,84
1550-1599 94632 47,88 71407 35,14
1500-1549 10073 5,1 21387 10,53
1450-1499 1326 0,67 5113 2,52
1400-1449 264 0,13 1314 0,65
1350-1399 62 0,03 407 0,2
1300-1349 12 0,01 133 0,07
<1300 3 0 58 0,03

Das spricht eine deutliche Sprache: Das Total-Rating entzerrt die Verteilung des in der Mitte sehr stark zusammenklumpenden Composite-Ratings spürbar. Das sieht man auch am Beispiel des ersten Zentils (also dem Rating desjenigen Spielers, der jeweils nach 10% der absteigend sortierten Einträge steht): Beim Total-Rating beträgt dies 1924, beim Composite-Rating 1866. Ebenso beim neunten Zentil (also der 90% Marke): 1538 Total, 1562 Composite. (Die Eigenschaft, dass viele Spieler, die ein wenig unter dem Durchschnitt von 1600 liegen, das Gegengewicht zu einigen wenigen, die deutlich darüber liegen, darstellen, besitzen natürlich beide Ratings.) Grob gesprochen hat das Total-Rating also die Tendenz, guten Spielern noch bessere, und schlechten Spielern noch schlechtere Ratings zuzuteilen.

Natürlich ist das nicht die ganze Wahrheit. So hat bisher vielleicht ein ambitionierter Turnierspieler die irrelevanten Formate Legacy und Vintage nur so zum Spaß gespielt, und muss dann jetzt mit Erschrecken feststellen, dass sein hart erarbeitetes Composite-Rating plötzlich flöten ist und durch ein erheblich unspektakuläreres Total-Rating ersetzt wurde! Ebenso können sich natürlich Eternal-Spezialisten, die vorher kein (also, kein nennenswertes oder auch wirklich KEIN) Composite-Rating besessen haben, über ein starkes Total-Rating freuen.

Ich vermute allerdings, die größten Umwälzungen gibt es für diejenigen, die auf einem hohen Teil-Rating vor sich hin gecampt hatten, während sie in der anderen Disziplin munter weiter spielten. Nun, wo plötzlich im Nachhinein sämtliche Turniere in chronologischer Reihenfolge verarbeitet werden, stellt man dann fest, dass man zum Beispiel ein Constructed-Rating von knapp 2000, welches man ein Jahr lang nicht angefasst hat, durch das Spielen zahlreicher Limited-Turniere, welche das dazu gehörige Rating zwischen 1650 und 1750 schwanken ließen, weitestgehend erodiert hat. Es ist nämlich weiterhin so, dass jeweils die zuletzt gespielten Turnier den stärksten Einfluss auf das Rating haben.

Ob das Ganze jetzt eine positive, negative oder neutrale Änderung ist, vermag ich noch nicht zu beurteilen. In jedem Fall kotzt es mich zwar an, dass ein Goldkettchen-Format wie Vintage nun durch die Hintertür doch noch geadelt wurde, aber ich bin mir nicht sicher, wie viel Einfluss dieser Umstand in der Praxis tatsächlich hat, so lange weiterhin keine relevanten Turniere in diesem verkannten Funformat stattfinden.

Irgendwie ist es schade, dass Spezialisierungen verloren gehen. Andererseits kann ein Spieler unterhalb des Pro-Niveaus nun durch Spielen ausschließlich von Turnieren einer Gattung ein hohes Gesamtrating erreichen. Ein Pro, der diese Bezeichnung verdient, sollte eh Constructed und Limited beherrschen, aber ein Gelegenheitsturnierspieler ist nun in der Lage, sich auf seine Stärken zu konzentrieren und sich damit womöglich Byes bei Grand Prixs und Qualifikationen via Rating für seine Nationals zu erspielen, was wiederum positiver klingt.

Nun ja, man muss sehen, wie sich das Ganze entwickelt (und wie lange die RL-Turnierszene überhaupt noch bestehen bleibt). Eine Frage habe ich aber an Euch: Wer zur Hölle ist Veronika Ronge? Und wie hat sie es geschafft, sich ein 2000er Total Rating zu erspielen, ohne dass ich jemals etwas von ihr gehört hätte? Ihre Einzel-Ratings legen es ja sehr nahe, dass sie zuletzt ein paar Turniere in Constructed-Formaten gewonnen hat. Ist das so, und schlägt das wirklich dermaßen durch? (Und hätte man nicht auch dann etwas darüber im Netz lesen müssen – Frauen sind in der deutschen Magic-Turnierszene schließlich immer noch praktisch Aliens?)

Ein bisschen “Trash-Bash” und Gedanken zum neuen MU-Team

November 7, 2008

Der letzte Teil von Trashs Limited-Analyse ist online gegangen. So wie er er die Rares bespricht, kriege ich manchmal das Gefühl, dass er mit den Karten noch nicht wirklich viel gespielt hat… Ich habe jedenfalls zum Beispiel mit (bzw. gegen) Covenant of Minds, Goblin Assault, Kederekt Leviathan, Quietus Spike, Empyrial Archangel & Sphinx Sovereign andere Erfahrungen gemacht. (In Kurzform: Der Archangel hat immer mal wieder enttäuscht, die anderen Karten erschienen mir deutlich stärker, als Trash sie beschreibt.)

Sehr interessant ist natürlich dies hier: Phips stellt das neue MU-Team, welches auf MTGO basieren soll, vor! Hier fällt meiner Ansicht nach allerdings ein wesentlicher Aspekt ein wenig unter den Tisch: Das ist nicht einfach “die nächste Stufe” – das ist ein völlig neues Projekt! Zunächst einmal stellen wir fest, dass Bensch das einzige bisherige Team-Mitglied ist, welches dabei bleibt (Phips als Cheffe nicht mitgezählt). Wenn dann fünf neue Leute dazu kommen, ist das keine Weiterentwicklung oder auch ein Umbruch – das ist ein Neubeginn!

Das muss jetzt natürlich nichts Schlechtes sein, abr es ist schon schade, dass das Originalprojekt auf diese Weise nicht zu Ende geführt wird (denn Ziel war es ja gewesen, Nachwuchsspieler an die Pro Tour heran zu führen). Zwischen den Zeilen wurde ja bereits klar, dass dies einerseits an der letztlich nicht vorhandenen Motivation der meisten Spieler (Bensch ausgenommen) gelegen hat, aber eben auch am Ausbleiben der nächsten Erfolgsstufe (da gibt es natürlich einen Zusammenhang). Letztlich steht hier also (wieder einmal): Das MU-Team ist tot – es lebe das MU-Team!

Die Verlagerung des Testprozesses auf MTGO entlastet dabei die Teammitglieder natürlich in vielerlei Weise. So fallen zum Beispiel regelmäßige Teamtreffen weg, ebenso wie jene schwierig zu organisierenden RL-Testsessions. Die Mitglieder MÜSSEN also weniger Zeit investieren. Gleichzeitig KÖNNEN sie natürlich flexibel sogar MEHR Zeit investieren! Hier zeigt sich an einem weiteren Beispiel, warum MTGO die RL-Turnierszene tötet – es ist eben alles eine Frage des Zeitmanagements.

Ist diese Entwicklung eigentlich wirklich im Interesse des Sponsors? Tatsache ist, dass mit MTGO nur Wizards selbst wirklich verdienen. Für Internethändler (und Brickstore-Einzelhändler sowieso) gibt es da kaum etwas zu holen – für sie bedeutet die Abwanderung der Szene ins Netz praktisch nur Verluste. Sicher, ein Ziel des Projektes ist es, die Versorgung der Seite mit Artikeln sicher zu stellen – aber war es nicht auch ein anderes gewesen, die kränkelnde Turnierszene mit einem Modellprojekt wiederzubeleben? An diesem Ziel ist also letzten Endes auch Phips gescheitert. Nein, Magic ist nicht tot, auch RL-Magic ist nicht tot – aber RL-Turniermagic stirbt, und irgendwie scheinen wir uns alle auch bereits daran zu gewöhnen.

Bei der Team-Zusammensetzung wird deutlich, dass Phips unbeschriebene Blätter vermieden hat. Kannegießer, Reiter, Michels, Kirchbacher und Passin junior – das sind alles Namen, die man schon länger aus dem Netz kennt (wenn auch teilweise besser unter anderen Nicks) und Spieler, die schon so einiges an Turniererfahrung mitbringen. Das überraschte mich dann doch, denn die Idee der Nachwuchsförderung wurde damit effektiv ad acta gelegt – diese Spieler reihen sich dann doch eher im Spektrum “fortgeschritten” bis hin zu “bereits für eine PT qualifiziert” ein!

Das neue MU-Team fängt also nicht bei Null an, sondern startet bereits auf recht hohem Niveau. Somit fällt auch der Gedanke weg, die Fortschritte eines Teams zu verfolgen – stattdessen darf man hier gleich von Anfang an qualitativ gute Artikel erwarten.

Ach ja – wurde nicht gerade erst ein MU-Blog eingerichtet, um die Fortschritte des alten Teams zu dokumentieren? Das passt letztlich überhaupt nicht zu diesem plötzlichen Neuanfang. Hier muss man wirklich vermuten, dass der ursprüngliche Plan mangels Motivation der Team-Mitglieder aufgegeben werden musste (das kenne ich ja gut genug). Offenbar war die grundlegende Idee wohl doch nicht so gut, wie ich damals dachte: Dass es keine motivierten Nachwuchsspieler gibt, liegt wohl doch nicht an den Rahmenbedingungen, sondern schlicht am Mangel an Motivation beim Nachwuchs (Katze, beißen, Schwanz)! Phips hat das Ganze zwar deutlich länger am Köcheln gehalten als ich, indem er die Erwartungen herunter schraubte, das Team stärker in Schutz nahm und mit seinen eigenen Erfolgen geschickt ablenkte, aber letztlich hat sich der Standort Linz auch nicht als erfolgreich für dieses Projekt erwiesen, was wohl an der Konzeption des Projektes selbst lag (Ja, das bedeutet, es ist meine Schuld – zumindest Mitschuld!) Ein MU-Team analog einer Sportmannschaft aufzubauen scheint einfach nicht zu klappen – dafür fehlen die Begeisterung, der Einsatz und der Teamgeist. Magic wird eben doch nicht als Sport wahr genommen.

Wie auch immer, das neue Team verspricht zumindest guten Content! Ich bin allerdings neugierig, wie lange es dauert, bis TMM sich mit dem Hinweis “Der MTGO-Shuffler ist broken!” wieder einmal von Magic abwendet… Phips jedenfalls hat bewiesen, dass er auf höchstem Niveau wiederholt gute Leistungen erzielen kann, und der Rest des Teams (Bensch eingerechnet) ist zumindest qualifiziert genug, eine starke Testgruppe zu ergeben. Ob dann auch bei dem einen oder anderen das letzte Quäntchen Talent vorhanden ist, welches dem dauerfrustrierten PTQ-Reisenden (aka “TMM”) zum Durchbruch verhelfen kann, das wird man dann sehen!