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Rückzug, ein weiterer

July 10, 2011

Tja, gerade habe ich meinen ersten Anlauf zu einer Einleitung dieses Eintrags gelöscht, weil mir aufgefallen ist, dass ich eigentlich alles schon einmal gesagt habe. Seitdem ist es nur noch schlimmer geworden (zumindest in der deutschsprachigen Community; die englische verfolge ich nicht mehr genau genug, um dies feststellen zu können, aber zumindest kann ich auch keine Anzeichen erkennen, dass es dort anders wäre).

Was auf PlanetMTG und Magic Universe zusammen veröffentlicht wird, reicht (nach Aussortierung des Ausschusses und nachgereichtem Lektoriat der MU-Artikel) gerade einmal, um EINE Magic-Seite mit Content auf akzeptablem Niveau zu füllen – und auch dies nur, weil Tobi bei der Getsaltung des Programms beim Planeten immer stärker auf die Methoden seiner Frühzeit als Editor zurückgreift, als er – damals noch bei Magic Universe – das Grundgerüst des Contents selbst erstellte und durch Gastautoren nur ergänzte. Aufgehört hat er, wie es nach einer missverständlichen Ankündigung seinerseits einmal erwartet wurde, zwar nicht; aber er betreibt schon seit längerem in offensichtlicher Weise einen inneren Rückzug – sein Elan ist aufgebraucht, und es ist nicht erkennbar, dass er noch irgendwelche weiteren Ziele verfolgte, als den nur noch durch seine Trägheit in Bewegung verbliebenen, jedoch langsam ausrollenden Koloss PlanetMTG in dessen bisheriger Spur zu halten. Bei Magic Universe wiederum haben die Editoren hingegen längst das Editieren aufgegeben.

Und wieso sollte es auch anders sein? Für wen erscheinen diese Artikel denn eigentlich noch? Für die Michael Moormanns und mufl0ns der Szene? Wo ist das Publikum geblieben, welches Qualität zu würdigen wüsste oder gar einforderte? Weshalb also sich noch Mühe machen?

MagicBlogs ist als Nachfolger in die Fußstapfen von GerMagic als Plattform für  – nun ja, Magic-Blogs – getreten und demonstriert deutlich, wieso der Begriff PLATTform lautet. Die höchst geringe Frequenz dort erscheinender Einträge muss eigentlich als Segen betrachtet werden, ganz besonders, wenn man sich die neue M12-Review von moony ansieht, die nicht etwa nur belanglos, sondern sogar schädlich ist, weil aus demjenigen Drittel seiner Leserschaft, welches von Magic noch weniger versteht als der Autor, einige Leute diesen absolut haarsträubenden Unsinn möglicherweise sogar glauben. Wer gehofft hatte, dass möglicherweise in diesen Blogs eine neue Generation Artikelschreiber heranwächst, der sieht sich schmerzhaft enttäuscht: Tatsächlich sind sowohl Quantität als auch Qualität der Magic-Blogs noch in weit stärkerem Maß zurückgegangen, als bei den Magic-Artikeln! Deswegen machen die großen Magic-Seiten auch den Eindruck, als wenn sie nur noch künstlich beatmet würden: Es ist so. Der Brainpool der Szene ist so stark geschrumpft, dass er seine Spitzen nicht mehr versorgen kann.

Mein Rückzug aus Magic als kompetetivem Spiel ist längst abgeschlossen. Der Niedergang des Spiels selbst hält an, beschleunigt sich aber zumindest zuletzt nicht mehr deutlich. Doch der andere wichtige Anreiz neben dem Spiel selbst, sich in der Magic-Community umzutun – nämlich die Community – befindet sich im freien Fall. Aus Gewohnheit / Tradition / Nostalgie / naiver Hoffnung bin ich zwar zuletzt immer noch regelmäßig in dieser Community unterwegs gewesen, aber unterdessen ist das Missverhältnis zwischen dem Zeitwaufwand dafür, sowie den zahlreichen Enttäuschungen und Ärgernissen, welche ich dort vorfinde, einerseits; und den wenigen interessanten oder gar erfreulichen Dingen andererseits so groß geworden, dass ich nicht mehr im Stande bin, es zu ignorieren.

Deswegen klinke ich mich nun aus. Da ich mich in der einen oder anderen Weise weiterhin mit Magic beschäftigen werde, bedeutet dies nicht, dass ich Zeromagic komplett aufgäbe; aber die Häufigkeit meiner Einträge wird weiter abnehmen. Vor allem aber werde ich die enge Anbindung an die Community lösen, sowohl inhaltlich, als auch strukturell. Zeromagic wird weiterhin ein Ort sein, an dem ich meine privaten Ideen und Ansichten zum Thema Magic kundtue oder von  meinen persönlichen Erfahrungen mit diesem Spiel berichte, aber der Bezug zu anderen Teilen der Community wird verloren gehen. Anstatt eng mit ihren wichtigsten Knotenpunkten verwoben zu sein, wird Zeromagic zu einer abgelegenen Insel werden – zwar erreichbar, aber abseits der Hauptwege; und keine Zwischenstation mehr, sondern eher ein Übergang in andere Gefilde. Zeromagic ist fortan kein von mir betriebenes Magic-Blog mehr, sondern ein Blog von mir, in dem ich über Magic schreibe – ein Unterschied, der subtiler erscheinen mag, als er ist.

Wer sich für meine trotzdem noch gelegentlich geäußerten umfassenderen Ansichten zum Thema Magic interessiert, der sei auf meinen Twitter-Account verwiesen, auf dem ich immer mal wieder zu Magic-bezogenen Themen Stellung beziehe. Wer sich allgemein für meine Ansichten oder auch für von mir verfasste Belletristik interessiert, der sollte sich zusätzlich auch auf meinem Hauptblog Ein Platz für Andi umsehen. Insbesondere möchte ich jedem meinen Fantasy-Fortsetzungsroman Die Anstalt von Arkheim ans Herz legen, der bereits über 50 Kapitel erreicht hat, aber sich trotzdem noch in den allerersten Anfängen einer nach und nach aufgebauten epischen Erzählung befindet. Das solltet Ihr nicht verpassen!

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Zuletzt stirbt auch die Hoffnung

March 10, 2011

Neulich habe ich über das Internet bei einem Lieferservice chinesisches Essen bestellt. Heute früh erhielt ich dann eine Mail (ich hatte mich schon gewundert, wozu die zusätzlich zu meiner Telefonnummer auch meine Email-Adresse brauchten!) mit der Bitte, diese Lieferung doch zu bewerten.

Ich gestehe: Ich war zu faul dazu und habe diese Mail einfach gelöscht! Klar, ich hätte das angegebene Link anklicken und ankreuzen können, dass das Essen rasch und heiß geliefert wurde, dass die Sauer-Scharf-Suppe schmackhaft gewesen war, dass jedoch das Hauptgericht (Ente Chop-Suey – ja, ich weiß, ich bin unoriginell) wässrig und fad geschmeckt hatte, und dass der Preis für Essen dieser Qualität einfach deutlich zu hoch gewesen war.

Stattdessen werde ich mein Feedback aber schlicht auf diejenige Art geben wie die meisten unzufriedenen Kunden: Indem ich dort einfach nicht noch einmal bestelle! Das ist nicht besonders nett oder kooperativ von mir, aber mir liegt halt nicht wirklich etwas an diesem Laden, und ich glaube auch nicht wirklich daran, dass auf mein Feedback dort reagiert würde.

Welch verkehrte Welt! Bei Magic Universe hingegen ist das genau die Art von Feedback, welches die dortige Redaktion bevorzugt: Nicht meckern, sondern einfach nicht mehr dort mitlesen! Bislang bin ich diesem Wunsch nicht gefolgt, weil mir an dieser Seite im Unterschied zu jenem Lieferservice halt etwas lag (wenn auch nicht an ihrer jetzigen Redaktion), und weil mir der Gedanke nicht völlig absurd erschien, dass die Dinge sich dort bessern könnten.

Aber irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem man aufgeben muss! Diesen Punkt markiert für mich die Reaktivierung ausgerechnet desjenigen Autors, der schon einmal den absoluten qualitativen Tiefpunkt von MU in einer früheren Krise bezeichnet hatte. Eine deutlichere Stellungnahme im Sinne von “Es ist uns doch scheißegal, welches Niveau unser Artikelprogramm hat, irgendwer wird den Scheiß schon lesen!” war wohl nicht mehr möglich!

Und ja, auch dieser Artikel war wieder grottenschlecht, auch wenn die Redaktion einen einfachen Minus-mal-Minus-gleich-Plus-Trick benutzt hat, um diesen Umstand zu verschleiern: Dass er mit einer Verzögerung von einem Monat veröffentlicht und somit auf Grund der Legalwerdung von Mirrodin Besieged längst obsolet war (was an sich bereits ein Unding und ein überdeutliches Zeichen für die völlige Unfähigkeit dieser Redaktion ist), lenkte den Fokus der Leser davon ab, was für einen Mist der Herr Klingbeil auch diesmal wieder verzapft hat! Natürlich war sein Deck auch bereits vor der Rotation Unsinn (und die Deckwahl bequemerweise komplett unbegründet), aber da es gleichzeitig auch offensichtlich veraltet ist, schaut man halt nicht mehr so genau hin. Naja, und ironischerweise bin ich selbst auch mit Schuld daran, dass dieses Machwerk mit einem allgemeinen halb erleichterten “Naja, ganz so furchtbar schlimm war es ja diesmal gar nicht” aufgenommen wurde, da ich die Erwartungshaltung mit meinem vorherigen Kommentar natürlich ins Bodenlose gesenkt hatte.

Nein, wenn eine Redaktion auf massive Kritik an der Qualität ihres Artikelprogramms mit der Rückholung eines Berthold Klingbeil reagiert, während ihr Hauptaushängeschild ein Schreiber bleibt, der es geschafft hat, in einem Forum von PlanetMTG als Troll geschasst worden zu sein (und das ist wahrlich eine Leistung!), dann macht man sich hier über seine anspruchslose (verbliebene) Leserschaft nur noch lustig: “Leute, fresst Scheiße – es gibt nix anderes mehr!”

Wobei das nicht ganz richtig ist: Die Texte von Till Riffert sind durchaus von höchst annehmbarer Qualität, und Florian Reiter ist ein durchaus talentierter Schreiber, wenn auch mit dem Dauermanko, ausgerechnet von dem Kernthema seiner Artikel (Magic) nicht besonders viel zu verstehen. Gerade für diese beiden Autoren ist das Gesamtumfeld, welches die Redaktion dieser Seite zuletzt so beharrlich geschaffen hat, nichts weniger als eine Beleidigung! Vielleicht wäre es ja so langsam an der Zeit, das sinkende Schiff den Ratten zu überlassen? (jaja, schon klar, der Spruch geht anders…)

Na schön, das ist dann wohl einer der Fälle, in denen der Klügere nachgeben muss. Die MU-Redaktion erhält jetzt endlich die Art von Feedback für ihre miserable Arbeit von mir, die sie sich wünscht: Ich besuche diese Seite nicht mehr. Die Kempe- & Klingbeilfans können von nun an unter sich bleiben (natürlich abgesehen von den psychopathischen Kommentaren von Kempes Ex-Spezi Duodax), und die Ghettoisierung von MU (es kann auch sein, dass der korrekte Terminus “Abandonment” lautet) kann ungehindert weiter fortschreiten.

Es ist natürlich schade, diese Seite, die Tobi einst mit so viel Engagement als ernsthafte Konkurrenz zum Planeten hochgezogen hatte, und auf der ich in früheren Zeiten selbst eine nahezu dreistellige Zahl von Artikeln veröffentlichte, jetzt völlig aufgeben zu müssen. Alles andere ist jedoch unterdessen nicht mehr zu verantwortende Verschwendung meiner Zeit und meiner Nerven. Es gibt genügend andere und bessere Möglichkeiten, seine Zeit im Internet zu vergeuden (und es bringt mich auch meinem Ziel näher, überhaupt weniger Zeit darin zu vergeuden).

Man darf auch nicht vergessen, dass das Artikelprogramm von MU eigentlich dem Zweck dienen soll, potenzielle Kunden zu dem dort angeschlossenen Shop zu locken! Da die Präsentation dieses Artikelprogramms aber unterdessen längst ein Negativimage für die Seite bedeutet, wäre es zumindest für den Betreiber wohl das Beste, diesen Kadaver zu beerdigen, bevor der Gestank allzu schlimm wird. Man stelle sich nur vor, ein Besucher der Seite schlösse von der Professionalität ihres redaktionellen Teils auf die Professionalität des dazugehörigen Internethandels! Das ist nichts weniger als geschäftsschädigend.

Andererseits will man als Leser natürlich die Hoffnung nicht aufgeben, dass irgendwann doch noch einmal ein Neuanfang auf MU passiert! Mit dieser Redaktion allerdings, die ihr gesamtes Engagement anscheinend dort hinein steckt, ihre eigene Inkompetenz wegzudiskutieren und Kritiker zum Schweigen zu bringen, ist dies offensichtlich nicht mehr möglich. Ob sich allerdings noch jemand findet, der sich dieser Herkulesaufgabe annimmt (der fünften, falls jemand es genau wissen will), das ist noch die Frage. Die Beschädigung von MU wurde in letzter Zeit dermaßen gründlich und nachhaltig betrieben, dass man ernsthaft auf den Gedanken kommen könnte, da müsse die Konkurrenz dahinterstecken…

Nun ja, das Pferd ist tot, ich steige ab. Sobald ich mich ein paar Schritte entfernt habe, verfliegt gewiss auch dieser unerträgliche Gestank in meiner Nase.

Gute Vorsätze

January 2, 2011

Zu den Vorsätzen, die ich bei diesem Jahreswechsel gefasst habe, gehört auch der eine oder andere mit Bezug zu Magic. Der wichtigste davon: Ich will den allergrößten Teil meiner Kartensammlung auflösen – und zwar in dem endgültigen Sinn, dass diese Karten meine Wohnung auch tatsächlich verlassen! Wie ich das genau handhaben werde, weiß ich allerdings noch nicht. Falls jemand einen Tipp hat, wie man eine annähernd fünfstellige Zahl Rares, ungefähr doppelt so viele Uncommons und einen kleinen Lieferwagen voll Commons mit einem vernünftigen Verhältnis von Aufwand zu Ertrag los wird – immer her damit!

Ärgerlicherweise habe ich trotzdem immer noch eine Suchliste – hauptsächlich Karten aus den allerneuesten Sets, die ich mir bislang noch nicht besorgt habe (und zum größten Teil vermutlich durch Draften oder Ähnliches beschaffen werde), aber auch noch eine Handvoll älteres Zeug. Es sollte jedoch wirklich kein Problem sein, dieses mit meinem riesigen Kartenbestand gegenzufinanzieren – vermutlich reichen alleine die Playsets Force of Will und Tarmogoyf bereits aus.

Einen anderen Vorsatz hatte ich schon einmal gefasst. Er ist dann daran gescheitert, dass ich mich in Diskussionen unter meinen Artikeln dann doch wieder zu Wort melden wollte – und schon war ich wieder im Forum von PlanetMTG aktiv. Diesen Rückfall werde ich jetzt endgültig korrigieren, und da ich auch keine Artikel auf dem Planeten mehr veröffentliche, sollte das auch kein Problem mehr sein. Den Threads dort merkt man unterdessen auch sehr deutlich am inhaltlichen, sprachlichen und moralischen Niveau an, dass sie sich seit einigen Wochen fest in der Hand der MartenJs, Holzis und TimRs befinden.

Apropos Niveau: Auf Magic Universe scheint DSD-Steve jetzt zum regelmäßigen Autor befördert worden zu sein. Und auf MagicBlogs hat Spam es doch tatsächlich geschafft, zensiert zu werden. Oh, und ein Mitglied des Bundesliga-Siegerteams hat sich öffentlich dafür rechtfertigt, mit Duodax zusammengespielt zu haben – seine Begründung war wohl so ungefähr, dass sie die Wahl zwischen diesem und einem cracksüchtigen Schimpansen gehabt hätten, und dass der Schimpanse einen Wochenendarrest absitzen musste und keine Zeit hatte. So ähnlich jedenfalls.

Die Bundesliga jedenfalls ist der erwartete Erfolg geworden. Aber jedes Kind muss sich eben einmal selbst auf die heiße Herdplatte gesetzt haben.

Das führt mich zu einem weiteren Vorsatz: Ich will mir andere Windmühlenflügel suchen. Klar ist es prinzipiell ein ungewinnbarer Kampf, gegen die Dummheit der Leute anzureden, aber manche Kämpfe führt man ja nicht, weil man sie gewinnen könnte – sonst gäbe es ja weder Ärzte noch Feuerwehrleute, denn Krankheiten und Feuer lassen sich ja schließlich auch niemals endgültig besiegen. Manchmal aber muss man ein Katastrophengebiet einfach abschreiben, und bei der deutschen Magic-Szene ist es für mich so weit. Eine intelligente Diskussion passt dort zuletzt so gut hinein wie eine Orchidee in die Arktis. (Und daran wird auch der Klimawandel nichts ändern.)

Um zum Ende an den guten Vorsätzen das GUTE hervorzuheben: Ich schreibe auf Ein Platz für Andi an einem Fantasy-Fortsetzungsroman. Völlig kostenloser Lesestoff – da solltet Ihr gleich mal ein Lesezeichen setzen!

Oh, und LeBestiare ist seit einigen Wochen jetzt doch wieder online. Ich traue mich allerdings kaum, dies zu tippen, denn diese Seite macht irgendwie immer das Gegenteil von dem, was ich darüber schreibe…

Frohes neues Jahr!

Ach ja, übrigens: Magic ist tot.

August 13, 2010

Wieder einmal.

Natürlich ist ist auch diesmal nur ein Aspekt dieses Spiels gestorben: Magic, der mentale Sport ist tot. Seid Ihr eigentlich schon lange genug dabei, um Euch noch zu erinnern, dass Magic einst so vermarktet wurde (das war LANGE vor “HERE I RULE!”)?

Woran merkt man, dass der Denksport Magic längst verschieden ist und nur noch als Zombie durch die Gegend torkelt? Genau – an dem fehlenden GEEHIIRRRNNN! Daran, dass Magic-Großerereignisse und Magic-Strategie im Netz nicht mehr ausführlich und intelligent kommentiert und analysiert werden.

Das fängt bei Wizards selbst an: Nicht nur, dass die Coverage der japanischen und französischen Nationals nicht mehr zweisprachig ist; auch die spanische und italienische hat sich angeschlossen. Offenbar erwartet niemand mehr Interesse der internationalen Leserschaft für diese Events – jedenfalls nicht mehr genug, dass Wizards sich die Mühe und die Unkosten machen würde, über ein paar Twitter-Einträge hinaus eine englische Coverage bereitzustellen. Die letzte echte Tech-Kolumne auf Daily MTG (eigentlich sogar auf dessen Vorläufer magicthegathering.com) ist schon lange durch “Building on a Budget” ersetzt worden, und Flores’ Formatanalysen werden immer seichter und beschränken sich immer stärker darauf zu jubeln, wie großartig spannend und vielfältig das jeweilige Environment doch sei, und wie toll es doch wäre, Decks um die neuesten Rares und Mythic Rares herumzubauen.

Das ist auch an anderer Stelle im englischsprachigen Raum der Fall. Diesen Artikel habe ich mir mal einschließlich der darunter stehenden Kommentare ganz in Ruhe reingezogen und auch die früheren Machwerke des Autors zu diesem Thema angesehen. Wie kommt jemand, der von den realen Gegebenheiten in Legacy offensichtlich nicht die Spur einer Ahnung hat (ja, so deutlich, dass es sogar mir auffällt!), dazu eine derart prominent veröffentlichte, vielgelesene und offensichtlich sogar beliebte Kolumne zu diesem Thema zu verfassen? Die Antwort lautet: Weil diejenigen, welchen auffällt, dass der Schreiber die Realität komplett ignoriert, offensichtlich dermaßen stark in der Minderheit sind, dass ihr Missfallen nicht mehr relevant ist. Selbst in diesem Artikel stellt Birklid es immer noch hemmunglos so dar, als wenn der Großmeister Saito auf magische Weise mit einem eigentlich völlig unkompetetiven Deck einen Ausnahmeerfolg erzielt hätte. Er ignoriert dabei hemmungslos weitere gute Ergebnisses dieses Decktyps beim selben Event, auf die er dann in den Kommentaren hingewiesen wird. Er hat schon früher den Umstand, dass in den Turnieren, von denen er berichtete, Merfolk konstant und massiv auf den vorderen Plätzen zu finden war, wegargumentiert. Selbst, als er persönlich im direkten Vergleich in einem Finale ein Matchup, das er nach eigener Aussage nicht verlieren durfte, verloren hatte, hat er seine Meinung nicht geändert. Merfolk als eines der definierenden Elemente des Legacy-Metagames ist eine Realität, die ein Kolumnist, der dieses Format regelmäßig zu analysieren versucht, nicht wegleugnen kann, oder zumindest nicht dürfte. Doch selbst diese offensichtlich und penetrant zur Schau gestellte Ahnungslosigkeit führt nicht dazu, dass ChannelFireball diesem Stümper vom Hof jagt, denn er schreibt ja “unterhaltsam”.

Und natürlich ist es in der deutschen Magic-Szene nicht viel anders. Auf Magic Universe ist Handsome das beste (okay, natürlich eigentlich das schlechteste) Beispiel. Es geht ja nicht darum, dass ein Schreiber sich nicht irren darf; aber er darf eben nicht die Realität ignorieren, und seine Argumentation muss in sich schlüssig sein. Ob Handsome in ZZZ sein Deck so baut, als wäre Aggro nicht möglich; ob er in Rise behauptet, Grün sei schwach; ob er im Jund-dominierten Standard zunächst korrekt feststellt, dass Lightning Bolt und Bloodbraid Elf das Metagame definieren und direkt im Anschluss hirnrissigerweise für den Austausch von Sprouting Thrinax gegen Great Sable Stag plädiert – der Mann hat nun einmal keine Ahnung von Magic, aber er schreibt halt trotzdem regelmäßig darüber, und diese Regelmäigkeit und seine durchaus vorhandenen schreiberischen Fähigkeiten sind offenbar eben genug für das Publikum (und um fair zu sein, seine Artikel sind auf MU keineswegs unterdurchschnittlich…)

Auf dem Planeten sieht es nicht viel anders aus: Jetzt ist sogar TobiH auf den Zug der Realitätsleugner aufgesprungen und erklärt Bären (und damit effektiv Beatdown) für unspielbar und Stormfront Pegasus (der bereits im deutlich langsameren M10-Draft eine sehr gute Karte war)  für bestenfalls uninteressant (jedenfalls ausdrücklich nicht gut), obwohl man, wenn man nur ein wenig danach sucht, im Netz genügend Daten zum M11-Draft-Metagame findet, um zu erkennen, dass das natürlich Blödsinn ist.

Dabei ist Tobi zur Zeit – zumindest, wenn ich gerade nichts veröffentliche – unangefochten der beste Schreiber in der deutschen Magic-Szene – aber eben nur der beste SCHREIBER. So lange er nicht über Magic schreibt, ist an seinen Texten zumeist wenig auszusetzen; sie sind unterhaltsam und einsichtsvoll (und die Titel sind häufig tatsächlich sehr geistreich). Doch wieder zeigt sich, dass Unterhaltsamkeit genügen muss und genügt. So auch bei Bohny, der zwar prinzipiell ein gutes Stück mehr vom aktuellen Magic versteht, in seiner Kolumne aber trotzdem immer weniger darüber zu sagen fand und sich stattdessen ebenfalls immer mehr auf teilweise geradezu billige Tricks zur Steigerung der Unterhaltsamkeit fokussierte, bis zu dem Punkt, an dem seine Topic-fremden Top-x-Listen mehr Aussagekraft besaßen als seine Texte, und an dem er vor lauter erzwungen originellen Formulierungen inhaltlich unverständlich wurde. Den meisten inhaltlich ansprechenden Magic-Content im deutschen Sprachraum bringt noch Midi, dessen Kolumne sich jedoch häufig hart am Rande des Casual bewegt.

Und dann sind da noch diese furchtbaren Draftwalkthroughs. Klar, es ist eben leichter, so ein Video nebenher laufen zu lassen, während man in einem anderen Fenster Pornos guckt, als einen textbasierenden Artikel zu lesen. Sicher haben Videowalkthroughs hier gegenüber Texten den gleichen “Vorteil”, den der Fernseher gegenüber dem Buch hat. Die Produktion solcher Walkthroughs erfordert im Gegensatz zum Verfassen eines Textes aber dermaßen wenig analytischen Verstand, dass man sich über die Ergebnisse (sowohl auf MU als auch auf dem Planeten) nicht wundern muss. Leute, JEDER kann beim Draften unreflektierte Kommentare vor sich hinbrabbeln, aber seine Gedanken in geordneter Form zu präsentieren und zu analysieren, das erfordert eine gewisse Begabung und Übung – eben das Talent, über ein Fachgebiet zu schreiben.

Doch wen interessiert in der heutigen Magic-Szene noch die fachliche Auseinandersetzung? Unterhaltsamkeit ist gefragt (auch Fremdschämen ist unterhaltsam), und Leute, die ohne entsprechende Fachkompetenz auf dicke Hose machen, geben in der Szene den Ton an. Warum werden im P-Forum Verfasser von Kommentaren, die ausschließlich aus einem Satzzeichen oder einem Bild bestehen, nicht wegen Spams verwarnt und gegebenenfalls gesperrt? Nun, weil das Argumentationsniveau von TMM und MartenJ längst zum Standard geworden ist; weil sie die Galeonsfiguren der deutschen Magic-Szene sind. Und das ist wiederum so, weil die Szene kaum noch Besseres zu bieten hat und vor allem nichts Besseres mehr verlangt.

Magic als Turnierspiel existiert noch und wird auch noch lange interessieren, aber die Ernsthaftigkeit, mit der dieses Turnierspiel betrieben wird, nähert sich in bedrohlichem Tempo dem von Warhammer oder D&D an. Magic als mentaler Sport mit Fantasy-Flair ist tot; es bleibt ein Fantasyspiel mit einer angeschlossenen Turnierszene zurück.