Posted tagged ‘Niveau’

Die 140 Zeichen des Fortschritts

May 18, 2009

Ein neuer Star geht am Internethimmel auf, und das passender Weise bei Magic Universe: Boneshredder widersetzt sich mutig dem Diktat der vierstelligen Wörterzahl in Artikeln und nähert sich stattdessen einer vierstelligen Zahl an Teilen eines Set-Reviews! Als Verfasser einiger ebenfalls recht langer Artikelserien kann ich hier nur neidisch konstatieren, dass ich niemals diese Reinheit der Form erreicht habe, obwohl ich immerhin ein ähnliches Konzept schon einmal angedacht habe (Daher wird es von mir[…]eine weitere Kolumne geben, in der ich zu jeder Magic-Karte eine spannende, amüsante oder tiefgründige Kurzgeschichte verfassen werde.)

Natürlich ist das Ganze noch nicht perfekt: An Stelle der ganzen Kartenverlinkungen müssen da natürlich ein paar YouTube-Verlinkungen hinein, entweder Musikvideos, Ausschnitte aus South Park, oder halt Clips von Leuten, die dabei gefilmt wurden, wie sie anderen Leuten dabei zusehen, wie diese sich 2 Girls 1 Cup reinziehen (*). Dann allerdings würden Boneshredders Texte fast schon den Ansprüchen genügen, um auf Germagic in den MTG Blogs verlinkt zu werden! Nur an der Ausführlichkeit, mit der Bonshredder die immer noch (knapp) zweistellige Zahl der in jedem Teil behandelten Karten bespricht, muss er noch arbeiten: Der Trend geht schließlich weg vom Zweitsatz (und überhaupt weg vom vollständigen Satz)! Der Redaktion allerdings ist hier auch ein Vorwurf zu machen: Ist es denn wirklich zu viel verlangt, dass sie alle Texte auf die von der Leserschaft verlangte allgemeine Kleinschreibung umstellt und eine angemessene Zahl an orthografischen Fehlern hineinlektoriert? So merkt man Boneshredders Geschreibsel immer noch an, dass er die Schule nicht ohne Abschluss abgebrochen hat, und von diesem elitären Stil haben die Leute langsam wirklich die Schnauze voll!

Trotzdem, es ist ein Schritt in die richtige Richtung, und wenn ich optimistisch in die Zukunft sehe, erwarte ich, dass vielleicht bereits die Reviews zu M10, allerspätestens jedoch die zu Zendikar von Magic Universe als Twitterfeed angeboten werden, wobei die überflüssigen ausformulierten Sätze zu Gunsten von Bewertungen mit Hilfe von Smileys wegfallen, so dass genügend Platz für einige wichtige YouTube-Links bleibt!

(*) Nein, das ist kein Link; ich hab’s einfach nur unterstrichen. Voll fies, wa?
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Lob und Tadel zur Dortmunder PTQ-Coverage

November 13, 2008

Das Lob gilt erst einmal der Coverage selbst! Superausführlich, und das für “nur” einen PTQ! Zur Perfektion fehlten nur noch ein paar weitere Verlinkungen (insbesondere aus der Übersicht zu den Top-8-Decks, ansonsten wären Verlinkungen vom Draftviewer zum entstandenen Deck, sowie nicht nur zum Booster des Hintermannes, sondern auch zu dem des Vordermannes schick gewesen).

Tadel hingegen gibt es für die Drafter – hey, war das nicht sogar der teilnehmerstärkste PTQ in dieser Saison gewesen? Und dann ziehen die da in den Top 8 so einen Murks ab… Ja, in “früheren” Zeiten gab es 2 Slots, und das vermisse ich auch (okay, offiziell nicht, da ich ja keine Qualifikationen mehr anstrebe), aber wenn Björn Bösel es mit diesem Chaos-Draft zur PT geschafft hätte, wäre das wirklich nicht besser gewesen! Zumindest der Sieger hat größtenteils sinnvolle und nachvollziehbare Entscheidungen getroffen (ein paar “Häh?” waren hier aber auch dabei).

Auch der “Ich-force-um-jeden-Preis-5-color”-Haufen von Höh ist mit dem Halbfinale bereits eine Runde zu weit vorgedrungen, hauptsächlich deswegen, weil Hajo wohl zumindest SPIELEN kann, während Manuel, so, wie sich die Coverage liest,  BEIDE verlorenen Spiele gegen ihn einfach verzockt hat.

Also, von diesem Draft ausgesehen, muss ich wirklich sagen, dass ein Spieler dieses Turniers bei der PT absolut genug ist!

Gedanken zum Magicverfall in Deutschland

September 16, 2008

Ich habe wieder den Draftsimulator auf Daily MTG benutzt und werde Euch bald meine Ergebnisse vorstellen.

Vorher will ich aber auf einen interessanten Blogeintrag von Teardrop hinweisen und meinen Senf dazu abgeben. (Ich würde ja dort mit diskutieren, aber die kommentatorfeindliche Technik von MTGBlogs boykottiere ich.)

Fakt ist, dass Deutschland schon seit Jahren nicht mehr im internationalen Vergleich Spitze ist. Fakt ist ebenfalls, dass die Teilnehmerzahlen bei PTQs immer schlechter werden. Schließlich betrachte ich es auch als Fakt, dass gute Strategie-Artikel auf deutschen Seiten immer seltener geworden sind. Teardrop hat also recht – es gibt in jedem Bereich Baustellen.

Erklärungsansätze, welche diese Entwicklung auf den Verfall des Turniermagic allgemein zurück führen, kann ich zwar prinzipiell nachvollziehen, sie greifen aber zu kurz – denn wieso sollte Deutschland hier im internationalen Vergleich zurück fallen? Die Argumente, dass die Glücksabhängigkeit bei Magic zugenommen hätte, wurden teilweise auch bereits in den Kommentaren widerlegt – tatsächlich besaß Magic eben schon immer einen Zufallsfaktor. Was zugenommen HAT, ist die Leistungsdichte – man spielt kaum noch gegen VÖLLIG ahnunglose Leute, und da fehlen eben bei größeren Turnieren 1-2 einfache Siege.

Was ich auch beobachte, ist die von Raul Porojan angesprochene Selbstüberschätzung vieler Leute. Du meine Güte, wer sich nicht alles für gut hält! Passt mal auf, Leute: ICH bin NICHT mehr gut, schon seit vielen Jahren nicht mehr. Aber so gut wie IHR bin ich zu 99% trotzdem noch! (Und jetzt denkt natürlich wieder jeder, er gehöre zu dem einen Prozent…) Ich bin trotz kaum vorhandener Spielpraxis immer noch gut genug, um random immer mal wieder GPTs und NQs zu gewinnen und ohne Vorbereitung bei der DM ausgeglichen zu gehen. Und wisst Ihr was? Das liegt an EUCH! Ihr seid nämlich nicht wirklich auf einem höheren Level als ich.

Genau das müsstet Ihr aber sein, damit Ihr gut genug seid, dass zwischen all den stochastischen Unebenheiten sich diejenige Konstanz zeigt, welche Ihr vermisst. Dabei fehlt vor allem die Bereitschaft zu lernen, denn diese gründet auf der Einsicht, dass man noch etwas zu lernen hat.

(Bei den französischen Nats haben übrigens Olivier Ruel, Remis Fortier, Gabriel Nassif und Raphael Levy Top 16 gemacht. Ein Vergleich mit unseren “Pros”, die stattdessen zum Beispiel das 2HG Side Event der DM gewinnen, verbietet sich da.)

Ach ja, bei einem liegt Teardrop übrigens auch falsch: Natürlich cheaten die deutschen Spieler nicht weniger als andere! Was sie aber wohl weniger tun, ist sich wirklich in Magic rein zu hängen. Klar – das lohnt sich nicht im Vergleich zu einem gut bezahlten Job oder einer Pokerkarriere. Warum macht man es aber trotzdem? Aus Liebe zum Spiel! Zum TURNIERSPIEL, wohl gemerkt. Unsere Magicelite hat sich da aber von denjenigen anstecken lassen, die alles besser finden als sanktioniertes Magic: Poker, Versus, The Spoilz (Schreibweise ist mir schnurz), Highlander… In meiner Zeit bei Serious Games habe ich bereits fest gestellt, dass Alternativen zu Magic meistens von denjenigen Spielern gelobt wurden, die es bei Magic nie geschafft haben, etwas zu reißen. Auf hohem Niveau scheint das ähnlich zu sein.

Ich fürchte, Kai Budde war nicht gut für uns deutsche Magic-Spieler! Seine unglaublichen Erfolge haben uns vorgegaukelt, dass wir Deutschen bei Magic in der absoluten Weltspitze dabei waren. In Wirklichkeit aber war Budde in der absoluten Weltspitze mit dabei, die anderen waren Mitläufer. Und als die Ära Budde zu Ende war und auch seine Weggefährten (Baberowski, Blume, Mello…) aufhörten, da dachte unsere zweite Garde, sie müsse auch so gut sein, weil sie ja auch deutsch war. Als sie dann merkte, dass das nicht der Fall war, hieß es dann plötzlich, Magic sei nur noch ein Glücksspiel, und andere Spiele seien ja viel besser.

Für einen echten Pro braucht es Talent UND Einsatzbereitschaft. Ersteres haben weit weniger Spieler im erforderlichen Maße, als es glauben, und Letzteres glauben diese Spieler nicht nötig zu haben. Da ihre Magickarrieren entsprechend erratisch verlaufen, weichen sie auf Spiele mit geringerer Leistungsdichte aus.

Wann immer Euch ein Spieler erzählt, er hört mit Magic auf, weil er bei Poker mehr erreichen kann: Er hört mit Magic auf, weil er nicht gut genug war, dort etwas zu erreichen! Poker lohnt sich natütlich finanziell mehr, aber das wusste er auch schon vorher. Tatsächlich werden normalerweise diejenigen Magic-Spieler wirklich gute Pokerspieler, die auch bereits in Magic wirklich gut waren. Für die anderen gilt nur, dass Poker ihre Überdurchschnittlichkeit im Bereich des Mittelmaßes besser belohnt. Die WIRKLICH guten Spieler setzten sich auch bei Magic durch.

Es bleibt natürlich die Frage, ob man sich durchsetzen WILL. Ich habe diese Frage schon lange für mich mit “nein” beantwortet, weil mir der Spaß am Turnierspiel verloren gegangen ist, aber ich jammere auch nicht herum, dass Magic nur noch ein Glücksspiel ist, und ich deswegen nichts mehr reiße: Ich reiße da nichts (wirklich Relevantes) mehr, weil ich es nicht mehr kann und will. So viel Ehrlichkeit muss sein.

Teardrop hat beschrieben, dass auf der Players’ Party der DM kein einziger Money- (oder sonstiger) Draft zu Stande gekommen ist! Und da wundern wir uns, dass wir in Magic im Mittelmaß versinken? Unsere Meinungsführer haben uns eingeredet, dass Magic es nicht wert ist, sich intensiv damit zu befassen. Diese geringe Wertschätzung gibt uns das Spiel postwendend zurück.

Wart Ihr in den letzten Jahren im #NMA? Ich nicht. Ich habe trotzdem mit bekommen, dass darin zwischenzeitlich mehr über Poker als über Magic gesprochen wurde.

Auf PlanetMTG und Magic Universe erscheinen unterdessen beinahe so viele Artikel über Vintage, Legacy und Highlander wie über relevante Turnierformate. Wo sind die Spieler, die noch Spaß daran haben, Magic ernst zu nehmen? In Berlin habe ich bei meinem Experiment mit dem MU-Team keine gefunden (und bei dieser Gelegenheit selbst den letzten Spaß daran verloren). In Japan, Frankreich und den Niederlanden scheint es sie noch zu geben.