Posted tagged ‘Playtesting’

Gedanken zum New Phyrexia Leak

April 29, 2011

Wer in der Magic-Community nicht unter einem Stein lebt, der hat mitbekommen, dass das gesamte Set New Phyrexia bereits letzte Woche bekannt geworden ist, und dass Wizards darauf reagiert haben, indem sie selbst schon einen vollständigen Spoiler auf ihrer Seite veröffentlicht haben. Auch im Gatherer sind die Karten unterdessen bereits eingepflegt.

Diese ungewollte Veröffentlichung – ein Leak eben – geschah in Form eines so genannten “Godbooks”; einer PDF-Datei, in der sich hochauflösende Bilder aller Karten des Sets befinden (richtig schicke Sache, das!), welche Wizards zum internen Gebrauch erstellen, aber auch an ausgewählte Personen ihres Vertrauens schicken. Eine jener Personen hat dieses Vertrauen allerdings missbraucht, und Wizards haben zu diesem Vorgang Stellung genommen und (erste) Konsequenzen gezogen. Ob sie auch zivilrechtliche Schritte unternehmen, ist bislang nicht bekannt, aber zumindest Guillaume Matignon (der aktuelle Magic-Weltmeister! Und Wafo-Tapa ist der aktuelle Vizeweltmeister!) hat mit Sicherheit gegen eine explizite vertragliche Vereinbarung (ein so genanntes “non-diclosure agreement”) verstoßen und muss sich darauf wohl einstellen.

Auf ChannelFireball ist ein Artikel erschienen, in welchem die exakten Hintergründe und Zusammenhänge dieses Leaks beleuchtet werden.

Meine ersten Gedanken dazu habe ich bereits in einem Kommentar auf MagicBlogs geäußert (da kannte ich den CF-Artikel noch nicht):

Von wegen, sie äußern sich nicht zu Leaks… nie… NIEMALS… War das nicht die Aussage einer offfiziellen Stellungnahme vor einigen Tagen gewesen?

Irgendwie ist es ärgerlich, dass da einige Topspieler letztlich für eine Dummheit so lange gesperrt worden sind. (Auch wenn die Strafe für alle außer Matignon nur eineinhalb Jahre beträgt, nicht zwei.) Aber klar, Wizards müssen ihre IP schützen.

Ich habe es jedenfalls genossen, dass neue Set per Godbook zur Verfügung zu haben und mich auch intensivst damit beschäftigt. Ich bevorzuge diese Art der Veröffentlichung bei Weitem. Wenn 99% der Karten vor einem Prerelease WIRKLICH nicht bekannt wären, wäre das auch interessant, aber diese tröpfchenweise Veröffentlichung hasse ich wie die Pest!

Nichtsdestotrotz mussten Wizards so einen Vertrauensmissbrauch natürlich hart bestrafen, um Nachahmungstäter abzuschrecken. Wobei den Hauptteil der moralischen Schuld eigentlich denjenigen trifft, der das Ding im Netz verbreitet hat, denn derjenige hat es absichtlich bekannt gemacht, während die anderen nur fahrlässig im Bekanntenkreis damit gemauschelt haben – und das ist ein Verhalten, für das man in einer entsprechenden Situation fast jeden Magic-Spieler dran gekriegt hätte.

Andererseits – Matignon muss sich wirklich wie ein Obertrottel verhalten haben! Offensichtlich hat er seinem Kumpel ja nicht nur die Karten gezeigt, um dessen Meinung einzuholen, sondern ihm gleich die Datei zugeschickt. Dass DABEI so etwas passieren kann, ist ja wohl so was von offensichtlich!

Wie auch immer – ein ziemlicher Schlag für die französische Magic-Szene… Ich frage mich, ob Tobi auch ein Godbook erhalten hat? Wahrscheinlich nicht. Ob es bei ihm sicherer gewesen wäre (er ist ja eigentlich recht integer), oder ob er auch nicht der Versuchung hätte widerstehen können, zum Beispiel TrashT einzuweihen? Und ob es dann irgendwie über verschlungene Pfade zu Ashraf gelangt wäre, der es dann auf MTGO im Austausch für einen gehackten Account angeboten hätte?

Wer weiß!

Seitdem habe ich mir allerdings noch ein paar Gedanken mehr gemacht. Klar da ist einmal die unglaubliche Dummheit von Matignon, der schließlich so ein NDA unterzeichnet haben muss, dem aber offensichtlich nicht klar war, was eine solche vertragliche Vereinbarung tatsächlich bedeutet! Und dann ist da noch jener unendlich bescheuerte David Gauthier alias “%B-boy”, der das Godbook in einem öffentlichen Chatroom weiter gegeben hat und somit das eigentliche Leak verursacht hat, und dessen Mitteilungen im Chat sich genau so lesen, wie auch die typischer deutscher Magic-Spieler (zum Beispiel, aber nicht nur, aus dem norddeutschen Raum).

Aber wieso eigentlich stellt Matignon Wafo-Tapa direkt das Godbook zur Verfügung, anstatt mit ihm einfach nur (persönlich oder, falls das nicht geht, telefonisch bzw. über Skype oder Ähnliches) über die Karten zu reden? Wieso geht er dieses Risiko ein, eine derart sensible Datei zu verschicken? Und wieso teilt Wafo-Tapa diese dann auch noch mit Typen wie dem typischen Möchtegern-Pro-in-Wirklichkeit-aber-immer-noch-Kiddie Gauthier?

Hier haben sich zwei absolute Top-Pros ihre Magic-Karriere, und möglicherweise auch noch mehr versaut, und bloße Dummheit genügt mir irgendwie nicht als Antwort. Wenn man sich diesen Chat genau durchliest, und wenn man bedenkt, dass gerade Wafo-Tapa sich als hauptberuflicher Magic-Spieler begreift – muss man dann nicht vermuten, dass Wafo-Tapa gezielt Matignon gelöchert hat, ihm dieses Dokument zur Verfügung zu stellen, damit er durch einen mehrwöchigen Kickstart im Playtesting der durch dieses Set auf den Kopf gestellten Constructed- und Limited-Formate einen erheblichen Vorteil erhält?

Naive Kumpelei ist eine Sache, aber sie erklärt nicht zufriedenstellend, wieso ein Top-Pro wie Wafa-Tapa ein derart sensibles Dokument, welches offensichtlich seinen Freund Matignon in eine erhebliche Bredouille bringen kann, an seine Barns weitergibt. Ich denke, es ging hierbei darum, Playtesting-Partner zu finden, und in diesem Fall haben wir es nicht nur mit einer Dummheit zu tun, bei der die Begeisterung, Informationen über ein neues Set bereits zu besitzen, Integrität und gesunden Menschenverstand übertönt hat, sondern tatsächlich mit dem gezielten und bewussten Erlangen eines unfairen Wettbewerbsvorteils – und in diesem Fall ist gerade die Strafe für Wafo-Tapa eigentlich noch höchst moderat ausgefallen!

Zum Abschluss möchte ich wieder einmal, da es immer noch viel zu viele Leute gibt, die ihn noch nicht kennen, auf meinen Fantasy-Fortsetzungsroman Die Anstalt von Arkheim verweisen, der unterdessen bereits auf sein 40. Kapitel zusteuert (und sich immer noch in seinen allerersten Anfängen befindet…) Die einzelnen Kapitel sind bewusst so angelegt, auch per Internet ohne Ermüdungserscheinungen gelesen zu werden, also schaut einmal hinein!

Advertisements

Noch ein Abschied

April 4, 2008

Wie ist also die Neu-Ordnung meiner Kartensammlung motiviert gewesen?

Kurz gesagt, mit meinem Abschied vom Turnierspieler-Dasein.

Damit meine ich nicht, dass ich keine Turniere mehr spielen werde – irgendwann sitze ich bestimmt mal wieder im Drafts, und auch Standard-FNMs könnten spontan ab und zu einmal auf der Tagesordnung stehen. Und wenn PTQs, NQs oder gar Grand Prixs in Berlin stattfinden, ist die Chance sehr hoch, dass ich dort ebenfalls anzutreffen bin, abhängig vom gespielten Format sowie (in geringerem Maße) von dem Event, für welches qualifiziert wird. Auch die Teilnahme an einer DM oder PT schließe ich nicht kategorisch aus, jedoch sind meine Chancen, mich dafür zu qualifizieren, bei dieser Herangehensweise natürlich reichlich niedrig.

“Herangehensweise”, das ist ein gutes Stichwort: Was einen Turnierspieler ausmacht ist nicht, DASS er Turniere spielt, sondern WARUM er sie spielt und damit zusammen hängend, wie er sich darauf vorbereitet. Hier hat bei mir in den letzten Jahren eine grundlegende Änderung stattgefunden. Die Qualifikation für große Turniere ist zu einem mit immer sporadischerem Interesse verfolgten Fernziel geworden. Jetzt habe ich dieses Ziel endgültig begraben. Klar, wenn es einfach PASSIERT, dann nehme ich es vielleicht mit, aber ich strebe es nicht mehr an.

Die Gründe sind folgende:

1. Turnierspiel macht mir einfach nicht mehr so viel Spaß wie früher. Das eigentliche SPIELEN, okay, das reizt mich immer noch (doch auch hier sind gewisse Ermüdungserscheinungen zu erkennen), aber das Drumherum nicht mehr. Ich glaube, das ist mir dann am deutlichsten geworden, als in Berlin die sogenannten “Marathons” eingeführt wurden… Turniere, die ganz absichtlich so lange wie möglich dauern sollten? Wie war das noch einmal mit “ein Leben haben”? Okay, ich habe kein Problem damit, große Segmente meines Lebens mit Magic-Zocken zu verbringen – ich finde das immer noch besser, als sich in einer Kneipe sinnlos zu besaufen, das typische Spätabendprogramm im Fernsehen zu verfolgen oder sich endlos in den Kaufläden eines MUDs aufzuhalten, um das richtige Outfit für die eigene Spielfigur zusammen zu bekommen. Letztlich geht es aber nicht um die ART der Beschäftigung, sondern ihre QUALITÄT. Spiele ich Turniere, weil ich Spaß daran habe, oder weil ich mich dazu selbst verpflichte? Wenn ich zehn Runden im Marathon durchhalte, dann gewinne ich vielleicht Preise und Rating-Punkte – aber das ist mir meine Zeit einfach nicht wert, wenn ich nicht wirklich Spaß dabei habe! Das war vielleicht früher einmal anders. Ich glaube außerdem, dass die Bedingungen sich tatsächlich geändert haben. Die wirklich sympathischen Spieler werden immer weniger (was vermutlich daran liegt, dass sie ebenso wie ich dazu neigen, ihre Zeit anders zu priorisieren – ein sich selbst beschleunigender Prozess also), die Freaks und Idioten werden immer häufiger (nicht zuletzt dem “belebenden” Einfluss von Yu-gi-oh! geschuldet) und das Publikum immer jünger (ditto), was um so stärker ims Gewicht fällt, als ich ja auch immer älter werde. Vor allem aber leidet die objektive Qualität der Turniere. Wenn überhaupt ein Judge anwesend ist, dann zumeist ein Level-0. Igrendeinen Schutz vor dem auf allen Niveaus allgegenwärtigen Betrügern gibt es nicht, und die Turnierdurchführung wird immer stärker den Interessen der durchführenden Ladenbesitzern folgend verbogen. Die Atmosphäre leidet ebenfalls, mit schreienden Yu-gi-oh!-Kiddies am Nachbartisch (die der Laden nicht hinauswerfen kann, weil sie eine wesentliche Einnahmequelle für ihn darstellen) etc… Immer öfter hatte ich mich zuletzt dabei ertappt, dass ich mich, in so einem Turnier sitzend, fragte “Warum tue ich das hier eigentlich?”, und immer seltener fand ich eine gute Antwort.

2. Playtesten ist mir zu viel Arbeitsaufwand. Wenn man es ernsthaft betreibt, verschlingt es enorm viel Zeit – Zeit, die ich nicht mehr habe (bzw. die ich mir für andere Dinge reserviere). Beim MU-Team-Berlin habe ich es ja noch mit einem anderen Hobby (Schreiben), sowie einer Nebeneinnahmequelle kombinieren können und außerdem noch eine gewisse Faszination am Verlauf dieses Projektes erfahren, aber das war auch bereits der letzte Versuch, diesem Prozess noch etwas abzugewinnen. Vielleicht, wenn die Umstände ideal wären – wenn ich ein eingespieltes, engagiertes und zuverlässiges Team hätte, das sich regelmäßig trifft, und zu dessen Testsitzungen ich nicht mehr als meinen rechnerischen Anteil beitragen müsste, gerne auch weniger… Aber einmal sind diese Ideal-Umstände nicht in Sicht, und zum anderen bin ich mir nicht einmal dann sicher, dass ich motiviert bei der Sache bliebe, eben wegen der anderen Punkte hier. Ohne ernsthaftes Testen wiederum habe ich noch weniger Spaß daran, Turniere ernsthaft zu spielen – wenn man weiß, dass man nicht sein Bestes gibt, dann fehlt das Feuer.

3. Die Geldschneiderei von WotC, sowie ihre Ignoranz im Umgang mit Turnierspielern wird mir zu viel. Es war anstrengend genug, sich pünktlich zur Legalwerdung eines Sets alle Karten zu besorgen, und zuletzt ist mir das auch bereits nicht mehr gelungen (und das, obwohl ich durch meine Kontakte zu Serious Games eine große Hilfe hatte). Jetzt hat mir WotC mit ihrer Policy “legal am Tag der Veröffentlichung” den Finger gezeigt, und ich kann darauf nur antworten, indem ich ihnen denselben zurück zeige. Mit mir nicht! Natürlich hieß es, man bemühe sich, keine wichtigen Turniere auf das erste folgende Wochenende zu legen, und natürlich ist dieses Bemühen bereits beim Debüt der neuen Rotationspolitik gescheitert. Für die Zukunft ist nur noch Schlimmeres zu erwarten. Ich steige aus diesem Stress aus. Auch an vielen anderen Dingen merkt man, dass WotC Turnierspieler unterhalb der Pro-Ebene immer gleichgültiger werden. So zum Beispiel an dem Unding, dass Sets, die früher ausdrücklich als NICHT turnierlegal gekennzeichnet waren, und um die ich mich dementsprechend, als sie noch erhältlich waren, nie gekümmert hatte, rückwirkend zu Magic-Sets erklärt wurden. Danke schön, WotC – das hat mir die Freude an Legacy gründlich verdorben! (Und ja, natürlich braucht man nur eine Handvoll Karten daraus wirklich. Aber einmal ist auch diese Handvoll eine erhebliche finanzielle Belastung, und zum anderen habe ich nur dann Spaß an einem Constructed-Format, wenn ich dessen Optionen vollständig zur Verfügung habe.) Oder die Handhabung der Kommunikation zwischen den Spielern, die effektiv darauf hinaus läuft, dass man bei jeder gespielten Karte den Judge rufen muss, weil sie ja Errata besitzen könnte (oder mit älterem Templating oder in einer unleserlichen Sprache verfasst ist, oder ein Fehldruck ist etc…) und der Gegner ja NICHT mehr verpflichtet ist, einem den genauen Wortlaut mitzuteilen! Schließlich ist da ganz allgemein eine Tendenz dazu, die mittlere Turnierebene (zwischen Pro Tour und FNM) nicht mehr zu unterstützen. So ist das States-Programm bis jetzt immer noch ersatzlos eingestellt worden, und so bietet der Penalty Guide zwischen dem immerhin unterdessen eingeführten “Anything Goes”-Niveau, welches praktisch auf das Judge-lose FNM zugeschnitten ist, und dem “Competitive”-Level, von dem jeder Judge hoffen muss, dass er niemals unterhalb des Pro-Levels Realität wird (bei jedem Regelverstoß den Judge rufen – Günnau!!) keinen brauchbaren Mittelgrund. Auch die Prereleases sind immer anfängerfreundlicher geworden – was nichts anderes bedeutet, als immer weniger Schutz vor Betrügern, immer häufigere Zeitaus-Spiele gegen Spieler, die jede Karte einzeln durchlesen müssen, und natürlich deutsche Karten, die ich verabscheue. Ob bei Fußball, Schach oder Bridge: Alle diese Spiele besitzen eine Wettbewerbsszene, die unterhalb des professionellen Niveaus besteht, aber in der dieses Spiel trotzdem noch ernst genommen wird. Bei Magic bricht diese weg (das habe ich auch schon einmal beklagt) – es entsteht ein Loch zwischen Schulhof-Fußball und Bundesliga. Die Pro Tour ist ein Werbegag (über dessen Bedeutsamkeit offenbar auch bereits nachgedacht wird, wie man an den verringerten Payouts sieht), und die Masse der Casual-Spieler die hauptsächliche Kundschaft, aber der “normale” Turnierspieler ist, wenn er sein Geld nicht auf Magic Online lässt, eine unrentable und ungeliebte Spezies, die dementsprechend vernachlässigt wird.

4. Sowohl Limited- als auch Constructed-Formate machen einfach weniger Spaß als früher. Dabei liegt dies beim Limited vermutlich nicht daran, dass diese Formate objektiv schlechter geworden sind, sondern eher daran, dass die Kluft zwischen kompetenten und weniger kompetenten Spielern in den letzten Jahren schmaler geworden ist, und dass der Zufallsfaktor des Spiels deswegen häufiger als früher diesen Kompetenzunterschied überdeckt. Constructed hingegen leidet darunter, dass WotC immer mehr nicht-interaktive Strategien fördert. Storm und Dredge sind jeweils nur mit einer sehr überschaubaren, speziellen Auswahl von Karten zu bekämpfen. Diese Kultur des Aneinander-Vorbei-Spielens, wo der Erfolg eines Decks davon abhängt, ob man bei der Belegung von 50% seiner Sideboardplätze gegen einen bestimmten Decktyp richtig geraten hat, sehe ich als objektive Schwäche des Spiels an. Natürlich hat es solche Strategien auch schon früher gegeben (Prosperbloom, Donate, Bargain, Replenish), und natürlich werden solche Kombo-Monster im Nachhinein von WotC immer wieder als Fehler deklariert, aber nachdem im nunmehr 15. Lebensjahr von Magic diese Fehler immer noch der Normalfall sind, und die daraus resutlierenden Decks sogar tendenziell immer schwieriger zu stoppen sind, habe ich das Vertrauen verloren, dass die eigentlich von der Firma selbst ausgegebene Devise (Kombo darf nicht schneller als kreaturenbasierte Aggro sein) jemals umgesetzt wird.

5. Schließlich bin ich einfach kein so guter Spieler mehr wie früher. Das alleine wäre noch kein Grund, insbesondere da das Niveau bei Turnieren ja allgemein zurück gegangen ist (wie meine kleinen Erfolge aus dem letzten Jahr beweisen), aber zusammen mit den anderen Punkten trägt es auch dazu bei, dass mir die Lust am Wettbewerb vergeht. Wenn man pro Spiel zwei, drei dumme Fehler macht, dann trägt das einfach nicht zum Spaß am Wettbewerb bei, und ich fürchte, selbst bei regelmäßigerem Spiel könnte ich diese Fehlerquote nicht auf ihren Wert zu meiner besten Spielerzeit (als er fast Null war) verringern.

6. Ach ja, und dann sind da noch die Reisen, Als “ernsthafter” Spieler kommt man selbst in Berlin, wo mit erfreulicher Regelmäßigkeit größere Turniere stattfinden, nicht um sie herum. PTQs bis einschließlich Hamburg und Nürnberg sollten Pflicht sein, wenn man wirklich zur Pro Tour will, und jeder Grand Prix in Deutschland sowie dessen Nachbarländern (vielleicht mit Ausnahme von Frankreich) sollte ebenso besucht werden. Nur, das kostet (neben Zeit) Geld, und zwar gar nicht einmal so wenig! So lange man Magic als ernsthaften Wettbewerb betreibt, ist das vertretbar. Wenn man aber letztlich weder wirklich unbedingt zur Pro Tour will, noch eine realistische Chance sieht, einen Teil dieser Kosten durch Erfolge wieder herein zu holen, dann sollte man sich überlegen, ob man dieses Geld nicht sinnvoller verwenden kann – und diese Überlegung kann eigentlich nur zu einer Antwort führen.

Deswegen bin ich jetzt kein Turnierspieler mehr. Ich sammle und spiele zwar immer noch gerne, aber ich lasse mir entsprechend mehr Zeit, mir meine Karten zu besorgen, und ich investiere keine Zeit mehr in intensives Playtesting. Nicht nur das – ich habe auch meine Sammlung umstrukturiert, um die verhassten Grundsets zu eliminieren, welche sie extrem unübersichtlich gemacht haben, und die ich nur benötigte, um für die Formate Standard & Extended alle legalen Karten gemeinsam aufzubewahren. Wenn ich selbst Decks baue, dann entweder fürs Casual (und dann in Paaren oder Sets ungefähr gleich starker Decks) oder für Fun-Formate. Bei Constructed-Turnieren, wenn ich sie denn wieder einmal besuche, ist hingegen Netdecking angesagt. Ansonsten werde ich weiterhin gelegentlich Limited spielen – Booster Draft macht mir prinzipiell immer noch Spaß!

Als ehrgeiziger, engagierter Turnierspieler hingegen habe ich fertig.

Und tschüss

November 1, 2007

Bevor ich Richtung Krakau aufbreche (so die Lokführer es denn erlauben), will ich mich noch einmal kurz melden.

Ich will gleich eine ehrliche Erkenntnis los werden: Krakau kommt mir zu früh! Ich fühle mich nicht annähernd hinreichend vorbereitet, und der Grund dafür ist wohl schlicht, dass ich nicht annähernd hinreichend vorbereitet BIN.

Zu lange hat es gedauert, in das neue Format einzusteigen, zu lange, sich mit den im MU-Team aufgekommenen Schwierigkeiten auseinander zu setzen, zu lange, sich die nötigen Karten zu besorgen.

Ich halte nicht viel von Playtesting mit unleserlich geproxten Decks. Ich weiß, dass ich zu viel Konzentration darin investieren muss, mir zu merken was all die umgedrehten Karten mit der kritzeligen Kugelschreiberbeschriftung genau darstellen. Ich habe das auch bei anderen Testern beobachtet: Die Anzahl der Spielfehler erreicht schnell die kritische Masse, dass die durch das Testen gewonnenen Erkenntnisse, zumindest insoweit sie sich auf Matchups zwischen Decks beziehen, wertlos sind.

Ich will auch nicht verhehlen, dass die Playtesting-Prozeduren im Berliner MU-Team noch verbesserungsfähig sind. Allerdings sind wir beim Testen für Krakau auch ins kalte Wasser geworfen worden: Ein völlig neues Environment, ein unbekanntes und daher unüberschaubares Meta, fehlende Karten…

Vielleicht hatte ich auch zu hohe Erwartungen. Für mich waren die “offensichtlichen” Decks – R/g Beatz, MWC, U/B Control, Elves – der Gauntlet, gegen den neu zu entwickelnde Kreationen bestehen müssten. Für eine konzentriert arbeitende, erfahrene, professionelle Playtest-Gruppe wäre das wohl auch die richtige Einstellung gewesen, aber für uns Normalsterbliche (und nicht nur für uns, wie die Siegerlisten von den States zeigen) war das wohl zu viel erwartet. Daher läuft es für mich darauf hinaus, dass ich ein Deck spielen werde, das ich ursprünglich als Gauntlet-Deck konzipiert habe, U/B Control. Ich bin zwar weder mit dem Grad, zu dem ich dieses Deck getunet habe, noch mit dem Skill, mit welchem ich es pilotiere, annähernd zufrieden, aber mehr ist einfach nicht drin. Meine Erwartungshaltung für Krakau ist daher sehr niedrig, und trotz meiner drei Byes rechne ich nicht wirklich damit, dem zweiten Tag nahe kommen zu können – ich denke, ich werde mein für meine Verhältnisse erstaunlich hohes Constructed-Rating von knapp 1900 unter die Leute bringen und dann am zweiten Tag ein wenig draften üben.

Oder auch nicht: Die Schummeleien bei Draft Side Events sind nach meiner Erfahrung zuletzt immer schlimmer geworden (kein Judge hat wirklich Zeit, sich darum zu kümmern, und Decklisten gibt es sowieso nicht), und gerade in einem so bombenlastigen Format wie Lorwyn Limited sehe ich mich da ständig in der ersten Runde gegen halbe Constructed-Tribal-Decks ausscheiden, die mit Hilfe des eigenen Tauschordners zusammen gestellt wurden. Vielleicht werden ja ein paar Drafts mit exotischen oder älteren Boostern angeboten – japanische Lorwyn-Karten oder Invasion-Karten z.B. werden die Drafter vermutlich nicht dabei haben, und da kann ich hoffen, mich einer ehrlicheren Competition ausgesetzt zu sehen. Seit Dirk Hein einmal bei den Side Event Drafts der Berliner Worlds zehn Bosster Drafts hintereinander gewonnen hat, mache ich mit keine Illusionen mehr über diese Art Turniere.

Ich hoffe, dass Alex und Alex ebenfalls den Weg nach Kraku finden – in der Konfusion der letzten Wochen ist die Organisation der gemeinsamen Reise leider etwas untergegangen, und ich habe die Notbremse gezogen und mir eigene Tickets besorgt, als abzusehen war, dass die beiden sich einfach zu spät darum kümmerten. Krakau kam nicht nur für mich, sondern auch für das Team einfach zu früh. Ich hoffe, für Stuttgart wird das alles besser laufen!

Für manche ist es ein FNM, für andere das unfokussierteste Playtesting aller Zeiten

August 25, 2007

Wie schon letzte Woche habe ich auch heute wieder ein FNM gespielt, sogar mit dem gleichen Ergebnis. Huch, stimmt ja, das wisst Ihr ja noch gar nicht! Ich erwähne es in meinem nächsten PlanetMTG-Artikel. Tja, der Planet ist halt nicht ganz so aktuell wie mein Blog!

Wie auch immer, diesmal waren meine Gegner im Schnitt wohl ein bisschen stärker, aber ihre Decks kaum weniger random. Getestet habe ich schließlich für ein Metagame, in dem R/G und Dredge dominieren und in dem ansonsten noch ein wenig Satanic Sligh und Omnichord vorhanden sind. Gespielt habe ich gegen monogrüne Aggro, ein URW No-Touch, Solar Flare und noch ein URW No-Touch. Hm…

Naja, der Reihe nach: Ich habe versuchsweise mal das Summersberger-Deck von der ÖM ausgeführt, mit fast keinen Änderungen im Maindeck (ich glaube, Saffi Eriksdotter für den Riftsweeper, sowie ein vierter Hierarch an Stelle des Crovax waren die einzigen) und einem vollständig neuen Sideboard (das von Helmut verstand ich nämlich nicht, also baute ich mir eines, mit dem ich klar kam). Deckliste gibt es am Schluss.

1. Runde: Die Freundin eines Magic-Spielers mit dem Deck, das er ihr in die Hand gedrückt hat

Okay, das ist jetzt ein “educated guess”, zugegeben! Sie kannte zwar die Regeln soweit, spielte aber taktisch äußerst unbedacht. Im ersten Spiel legt sie mit Llanowar Reborn, Silhana Ledgewalker, Troll Ascetic, Moldervine Cloak, Giant Solifuge los und ich bin sehr schnell sehr tot. Nach Sideboarden spiele ich an Stelle von Countern Kreaturen und kann dagegen halten. Mehrere Hierarchen mit Stonecloaker-Unterstützung racen Ledgewalker und Asketen. Im dritten Spiel ist ein Magus of the Disk eine schöne Lebensversicherung, und die Kombo mit der selten benutzten zweiten Fähigkeit des Hierarchen übersehe ich auch nicht. Ach ja, einmal entferne ich mit Stonecloaker ein Moldervine Cloak und bemerke plötzlich, dass sie ihre Bibliothek mischt… Als ich frage, wieso, meint sie, dass sie das Cloak hereingemischt habe! Worauf man alles achten muss…

2. Runde: Ein netter Franke, der mein Blog liest

Genau so wie ich in meinem No-Touch spielt er 22 Länder, 6 Steine (er hat allerdings weniger Angst vor Colour Screw und benutzt auch Mind Stones), aber irgendwie zieht er sie flüssiger als ich. Gleich in zwei Spielen legt er in Runde zwei einen Stein und in Runde drei drei weitere! Ein Zorn bremst meine erste Angriffswelle und plötzlich spielt er einfach mal einen Hellkite, den ich allerdings mit Shapeshifter trumpfe. (Meine dumme Angewohnheit, den verdeckt auf den Tisch zu legen und in der selben Bewegung umzudrehen, sorgt für ein wenig Verwirrung, aber ich habe klar angesagt, dass ich ihn direkt spielen wollte, um den CIP-Trigger zu bekommen.) Ein zweiter Shifter macht dann den Sack zu. Nach Sideboarden legt er dann plötzlich einen Morph, und nach kurzem Blinken sehe ich mich einer roten Akroma gegenüber, gegen die mein Deck irgendwie genau gar nichts macht, außer einen Shapeshifter zu ziehen, was mir nicht gelingt. Und tot. Ich sideboarde noch einmal etwas anders (unter anderem den Magus of the Disk hinein). Diesmal gelingt es mir, die gemorphte Akroma mit einem Rune Snag zu erwischen, und als er die zweite zieht, steht mein Shifter bereit. Dann habe ich irgendwie mehr von allem, auch nachdem er ein oder zwei Mind Stones durchzieht, und bekomme ihn ins Shifter/Elemental-Lock. Einmal leiste ich mir die Frisur des Tages (damit meine ich nicht, dass es meine einzige war, sondern meine schlimmste) als ich, nachdem ich einen Court Hussar spiele, und er einen spielt, und wir uns gleichzeitig über unsere Testerfahrungen mit dem No-Touch unterhalten, einen Compulsive Research spiele, mir eine Karte greife und die beiden anderen unten drunter legen will… Naja, mein No-Touch hat halt keine Researchs, nur Husaren… Er stoppt mich aber noch rechtzeitig.

3. Runde: Ein Vintage-Spieler, der mir erklärt, dass man für Standard ja weniger Skill bräuchte

An Hand von Hallowed Fountain, Caves of Kolis und einem Signet identifiziere ich korrekt Solar Flare. Das halte ich für KEIN gutes Matchup für mein Deck! Ich packe Kreaturen aus, und er Wratht sie weg. Ich mache das Gleiche noch einmal (es ist übrigens wirklich lästig, gegen Kontrolldecks die Walls an Wraths zu verlieren) und er ebenso. Dann kopiert er mit einem Body Double einen Angel of Despair und ich kopiere diesen mit einem Shapeshifter zurück. Er macht das Gleiche noch einmal und ich lege einen Arcanis. Es sieht gerade gut für mich aus (2 Wraths hat er schon gespielt und einen in ein Research abgeworfen) aber er topdeckt einfach noch einen. Irgendwann aber bleibt bei mir ein Hierarch übrig, der ihn tot schlägt. Nach Sideboarden bearbeite ich mit Stonecloaker seinen Friedhof und entferne Akroma und Angel of Despair. Mit seinen Wraths hat er aber genügend Zeit, um mehr davon zu ziehen und einfach auszuspielen. Wir tauschen wieder ein wenig Shapeshifter und Body Doubles, und als sich der Qualm verzieht, liegen bei ihm zwei Angel of Despair und bringen mich auf 8 Leben. In einem pathetischen Versuch dagegen zu halten, greife ich mit zwei Hierarchen an. Einer davon fängt sich eine Temporal Isolation und der andere… einen Condemn! Völlig überflüssig das, er hätte einfach mit seinem Hussar chumpen können. So kriege ich 4 Leben und damit einen weiteren Draw Step, der einen Chord und somit einen weiteren Shapeshifter bringt, der effektiv mit zwei Engeln tauscht. Wir topdecken wieder abwechselnd (ich Kreaturen, er Wraths und Damnation), bis ich mit einem End-of-Turn-Chord seine Damnation umgehe und ihm die letzten Lebenspunkte raube. Ja, er hat es gründlichst verbauert! Zum einen hat er mich mit dem Condemn völlig unnötigerweise zurück ins Spiel gebracht. Zum anderen hat er mir früh mit einem Extirpate meine Rune Snags entfernt, anstatt auf eine Gelegenheit zu warten, meine Shapeshifter zu kriegen – ohne die mache ich nämlich gar nichts gegen sein Engelgeschwader! Tja… gut, dass man auch in Standard “Skill” braucht, denn ansonsten hätter er mich locker eingestampft!

4. Runde Der Bosselmann, der im Prinzip mein Deck spielt, weil er zu meinem erweiterten Playtest-Kreis gehört

Wir drawen, und ich gehe mir einen Döner holen. Er erzählt mir, dass er ein Sunhome in das No-Touch gequetscht hat, und dass er damit ständig Spiele gewönne. Klingt interessant! Ich bin zwar ein wenig empfindlich, was die Stabilität meiner Manabasis angeht, aber Sunhome erscheint mir schon attraktiver als Urza’s Factory (die mein letzter Gegner übrigens im ersten Spiel gegen mich herbei-transmutet hatte, ohne dass sie irgendetwas Sinnvolles getan hätte).

Der Henke (nein, nicht DER Henke) hat das No-Touch gleichzeitig in einem anderen FNM ebenfalls zu einem 3:0:1 pilotiert.

Na gut, Zeit für die Deckliste:

4 Island
3 Plains
2 Forest
4 Temple Garden
4 Breeding Pool
2 Hallowed Fountain
2 Nimbus Maze
4 Yavimaya Coast
4 Wall of Roots
4 Rune Snag
4 Remand
3 Compulsive Research
3 Chord of Calling
3 Court Hussar
4 Loxodon Hierarch
3 Vesuvan Shapeshifter
1 Willbender
1 Brine Elemental
1 Venser, Shaper Savant
1 Mystic Snake
1 Arcanis, the Omnipotent
1 Saffi Eriksdotter
1 Tarmogoyf

Sideboard:
3 Tarmogoyf
3 Serrated Arrows
2 Stonecloaker
2 Indrik Stomphowler
1 Magus of the Disk
1 Riftsweeper
1 Loxodon Gatkeeper
1 Grand Arbiter Augustin IV
1 Aven Riftwatcher

Erkenntnisse: Die Manabasis hat größtenteils funktioniert. Die Remands habe ich IMMER herausgeboardet – gegen Aggro, weil ich keine Zeit hatte, Mana offenzuhalten, weil ich gegenhalten musste; gegen Kontrolle, weil ich keine Zeit hatte, Mana offenzuhalten, weil ich Threats spielen musste. Außerdem bringt Remand auf Wrath of God, Hellkite oder Body Double nicht wirklich viel, weil ich in der Zwischenzeit eher selten den Gegner erschlage (oft spielt dieser ihn einfach in der selben Runde noch einmal – es ist ja nicht so, dass OmniChord superschnell wäre). Eigentlich waren die Remands nie gut (gegen Dredge habe ich ja auch nicht gespielt), sondern immer nur schwierig zu benutzende Cycler. Mein Sideboard habe ich bis auf die Arrows fleißig benutzt, und die Arrows will ich gegen Satanic Sligh und R/G Beatz haben – diese Decks existieren ja schließlich noch! Deswegen würde ich folgende Änderungen am Deck vorschlagen: Remands raus, die 3 Tarmogoyfs aus dem SB rein (die sind nämlich immer gut), sowie ein vierter Hussar (ditto). 4 Remands ins SB an Stelle der Tarmogoyfs und des Grand Arbiter (der war gegen Storm gedacht, aber das ist Quatsch: Erstens spielt dieses Deck keine Sau, und zweitens hätte man dagegen nicht die Zeit, dieses Einzelexemplar zu Chorden).

Ach ja, und ich bin ein beschissener Spieler, was ich allerdings auch schon vorher wusste. Aber so ist das eben mit den Theoretikern!