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Entlassungen zur Weihnachtszeit

December 3, 2008

Ja, ich weiß, das ist bei amerikanischen Firmen eine übliche Praxis, auch wenn dieses Timing schon besonders herzlos erscheint. Wie man Posts bei Enworld und MTGSalvation entnehmen kann (und auch bereits von Seiten eines der Betroffenen bestätigt wurde), haben Wizards folgende Mitarbeiter freigesetzt:

Randy Buehler (VP of digital gaming)
Andrew Finch (director of digital games)
Stacy Longstreet (senior art director)
Julia Martin (editor)
William Meyers (creative manager, digital design)
Dave Noonan (game designer)
Jennifer Paige (online community manager)
Jennifer Powers (marketing)
Jonathan Tweet (game designer)

Das ist eine recht hochkalibrig besetzte Liste! Wir Magic-Spieler werden ja wohl alle Buehler kennen, der im Anschluss an seine Karriere als Pro lange Jahre bei dieser Firma gearbeitet hat. Dass er jetzt gehen muss… nun, ich hatte es ja eigentlich schon prophezeit: Als Verantwortlicher (wenn auch deswegen keineswegs SCHULDIGER) für sowohl die Endlostragödie des MTGO 3.0, als auch das Scheitern von Gleemax und die anhaltende Verschleppung von DDI (der digitalen Dungeons & Dragons Plattform) stand er natürlich zuoberst auf der Abschussliste. Generell scheint diese Abteilung sich jetzt “gesundschrumpfen” zu müssen.

Andrew Finch ist ein Name, dem ich immer wieder mal begegnet bin, ohne genau sagen zu können, in welchem Zusammenhang, aber offensichtlich rollte sein Kopf zusammen mit dem von Randy. Stacy Longstreet und Julia Martin sagen mir jetzt nichts, ebenso wie William Meyers (der aber offensichtlich auch bei den Digital Games mit drin hing). Dave Noonan war offenbar das Gesicht der 4th Edition von D&D (die, wie man bei Enworld nachlesen kann, im Gegensatz zu den Behauptungen des einen oder anderen radikalen 4th-Hassers, zahleiche Anhänger besitzt) und musste vermutlich einfach gehen, weil nach Beendigung der Entwicklung dieses Produktes einfach kein Bedarf mehr für fest angestellte Mitarbeiter bestand. Ähnliches dürfte Jonathan Tweet widerfahren sein, der nach jahrelanger Arbeit an zahlreichen Projekten (unter anderem der dritten D&D Edition und Dreamblade) zuletzt für die D&D Miniatures verantwortlich zeichnete, die jetzt eingestellt werden. Jennifer Paige war als “Solice” für die Moderation der Wizards-Foren zuständig und wurde wohl einfach eingespart (Moderatoren kriegt man schließlich auf freiwilliger Basis in Scharen, wenn einem deren Qualität egal ist). Jennifer Powers schließlich kommt mir irgendwie bekannt vor, ich kann sie aber nicht wirklich einordnen.

Alles in allem sind jährliche Layoffs bei großen Firmen nichts Unnormales, und natürlich ist auch eine Spielefirma von der derzeitigen Wirtschaftskrise betroffen, aber dieser Einschnitt scheint mir schon sehr tief zu gehen. Bei Wizards wird gespart, gespart, gespart. Produktreihen und -formen werden reihenweise eingestellt (zum Wegfall der Turnierpackungen sage ich dann etwas, wenn er irgendwann tatsächlich einmal offiziell bestätigt werden sollte), die Zielsetzungen im Bereich der Digital Games werden enorm zurück gefahren, die Unterstützung der RL-Turnierszene wird peu a peu eingestellt…

Ich denke, wir beobachten hier den Sturz eines Giganten der Spieleszene. Dungeons & Dragons und später Magic waren im Hobby-Bereich einst das Maß aller Dinge, aber sie wurden von World of Warcraft abgelöst. Sowohl der Rollenspiel- als auch der Sammelkartenspielmarkt schrumpfen, während Online Gaming wächst, ohne dass ein Ende in Sicht wäre. Hier Fuß zu fassen, das ist Wizards auf Grund himmelschreiender Inkompetenz in diesem Bereich einfach nicht gelungen.

Nicht, dass mir daran viel läge. Mein Herz hängt weiterhin am klassischen Rollenspiel und an Magic in Papierform, aber ich muss mich leider damit abfinden, dass diese sich auf dem Weg vom Beinahe-Mainstream wieder zurück zum Nischendasein mittelausgefallener Hobbys befinden.