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Scheiß auf die Eldrazi

April 27, 2010

(Warum sollte sich das Niveau meiner Wortspiele nicht an das Niveau dieses Sets anpassen?)

Mein Urteil wird Euch nicht überraschen: Rise of the Eldrazi ist das mieseste Magic-Set mindestens seit Coldsnap! Das sage ich nicht aus der Sicht eines Constructed-Spielers (darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht), und auch nicht aus Sicht eines Limited-Spielers (denn bisher habe ich noch kein Limited mit ROE gespielt), sondern als Casual-Spieler.

Meine beiden Displays sind am Wochenende eingetroffen. Noch nie zuvor habe ich mir von einem Standalone nur zwei Boxen bestellt. Meine Bestellmenge hängt von meiner Schätzung ab, bis zu welchem Grad ich mir diejenigen Karten, welche ich aus der jeweiligen Edition besitzen möchte, günstiger aus Boostern zum Display-Preis besorgen kann, und ab wann ich lieber versuche, sie mir zu ertauschen.

Nun, ich habe noch nie zuvor aus einem neuen Set dermaßen wenige Karten haben wollen. Die durchschnittliche Anzahl Exemplare jeder Karte (Standardländer nicht berücksichtigt), die ich mir aus ROE für meine Sammlung wünsche, ist KLEINER ALS EINS (genau: 189/228) – einfach unglaublich! Gut, die Zeiten sind vorbei, als dieser Wert üblicherweise um die 2,5 herum lag – seit ich keinen Turnierkartenpool mehr anstrebe und mich auch im Casual-Bereich immer stärker diszipliniere, ist er natürlich deutlich gesunken. Aber dass da keine 1 mehr vor dem Komma steht – das ist neu!

Dabei fließen in diesen Wert bereits einige eigentlich überflüssige Updates ein, die ich nur deswegen vornehme, weil ich die Karten jetzt ja eh besitze – so tausche ich zum Beispiel meine Mercadian Masques Vendetta gegen Rise-Exemplare aus, weil diese etwas weniger hässlich sind, und ersetze Terramorphic Expanse durch Evolving Wilds, weil der neue Name schöner ist (nein, beide benötige ich nicht, auch nicht für Dinge wie Realms Uncharted) – das sind schon acht Karten, auf die ich ohne das geringste Bedauern auch hätte verzichten können. Mehr noch: Es sind Commons! Was mich nämlich am meisten ärgert, ist die Verteilung der für mich interessanten Karten auf die Rarities:

66 Commons (0,66 Stück pro Karte)
55 Uncommons (0,92)
55 Rares (1,04)
13 Mythic Rares (1,00)

Obwohl bei den Commons bereits Vendetta und Evolving Wilds dabei sind, und obwohl ich für meinen privaten Limited-Pool vorzugsweise Commons rekrutiere, gilt tendenziell: Mein Interesse an Karten aus diesem Set nimmt mit deren Seltenheit zu! Dabei habe ich mich diesen furchtbaren Eldrazi bereits komplett verweigert… Aber natürlich will ich jeweils 3 Vengevine und 3 All is Dust für meine Decks haben (meine Ausbeute hier aus den beiden Displays ist übrigens 0 und 0 – großartig!), ein paar Planeswalker, den einen oder anderen Leveller und eine Linvala. So wie natürlich jeder andere auch.

Nun ja, ich habe es nachgerechnet: Auch mit dem Schrott, den ich gezogen habe (von den lediglich sieben Uncommons, die ich im Playset haben will, fehlen mir ausgerechnet zwei Wall of Omens und eine Inquisition of Kozilek – what are the chances?), fahre ich mit diesen Displays immer noch günstiger als mit dem Kauf von Einzelkarten. Trotzdem habe ich schon lange mehr keine derartig unergiebigen Displays mehr geöffnet.

Und das liegt keineswegs nur daran, dass ich mich den Motiven dieses Sets komplett verweigert hätte! Gut – die fetten farblosen Schweine (und das dazu gehörige Eldrazi Spawn Token Thema) habe ich ignoriert. Die Leveller hingegen habe ich trotz meiner Unzufriedenheit mit der Ästhetik ihrer Umsetzung akzeptiert, sowohl für meinen Limited-Pool, als auch als Casualkarten. Die Totem Armors haben zumindest ihren Weg in meinen Limited-Pool gefunden (ein paar auch ins Casual), und die interessantesten Kreaturen mit Defender wiederum habe ich fürs Casual akquiriert.

Das Set besitzt aber einfach insgesamt zu wenig Substanz. Sein Hauptthema trifft nun einmal überhaupt nicht meinen Geschmack, aber auch sein sekundäres Thema ist nicht konsequent umgesetzt: Ich habe mir die Level-Up-Karten ganz, ganz genau angesehen und festgestellt, dass einzelne davon zwar cool sind, es aber keinen vernünftigen Grund gibt, diese Mechanik als Thema für Casualdecks zu benutzen. Venerated Teacher, Training Grounds und Time of Heroes fehlt schlicht die kritische Masse an spielbaren Levellern, welche mit ihnen sinnvoll interagieren. (Natürlich kann man die Grounds auch für andere Zwecke benutzen). Das wiederum wirkt sich auf mein Interesse an mäßig interessanten Levelern aus: Ein oder zwei davon könnte man ja noch mitschleppen, um ein ansonsten thematisch attraktives Deck vollzubekommen, aber wenn das Deck dann zum größten Teil aus solchen Füllern besteht, kann man natürlich gleich auf die ganze Sippschaft verzichten.

Oh, und für ein auf Defendern basierendes Deck reicht es natürlich auch nicht, auch wenn Overgrown Battlement prinzipiell ein vielversprechender Ansatz ist. Letzlich habe ich nicht eine einzige Mauer behalten, die nicht auch für sich bereits attraktiv ist – auf drittklassige Synergien, wie sie Vent Sentinel bietet, kann ich danken verzichten!

Nur das Aura-Thema enttäuscht nicht allzu schlimm, bietet aber auch nur recht wenige Karten.

Das Problem dieses Sets ist jenes, das MaRo in seinem dieswöchigen Artikel anspricht: Die meisten Rise of the Eldrazi Karten taugen außerhalb ihres “bio-dome” nichts. Um diese furchtbaren Superfatties einigermaßen spielbar zu machen, musste die Kartenqualität des ganzen Sets massiv abgesenkt werden und mussten Mechaniken betont werden, welche in anderen Environments nicht konkurrenzfähig (und übrigens auch nicht spaßig) sind.

Interessant fand ich übrigens auch die Untertöne im anderen Montagsartikel, dem von Brian Tinsman:

Eigentlich sagt er doch Folgendes: Auf lange Sicht sollte man auch Enttäuschungen riskieren (und ROE IST eine Enttäuschung). Gute Spieler spielen Spiele nicht auf die gleiche Art wie schlechte Spieler (und Magic wird für die Mehrheit der schlechten Spieler designt). Um mit ROE Spaß zu haben, muss man denken und spielen wie ein Anfänger (keine Klammer nötig hier).

Rise ist ein Set für schlechte Spieler, und zwar für WIRKLICH schlechte Spieler, nicht einfach nur für Nicht-Turnierspieler, wie der Umstand, dass auch ausgewiesene Casualzocker wie der Atog, Teardrop und Endijian es verabscheuen, belegt. Ich bin kein schlechter Spieler. Ich habe Spaß an Magic, weil es prinzipiell ein gutes Spiel ist, und es ist ein gutes Spiel, weil es auch und gerade dann Spaß macht, wenn man es gut spielt. Rise of the Eldrazi aber ist ein schlechtes Set für schlechte Spieler.

So – und wie tausche ich jetzt meine Trifekta von Emrakul, Kozilek und Ulamog gegen All is Dust oder Vengevine um? Und wer will meine ganzen Angelheart Vial, Pestilence Demon, Bear Umbra und Rage Nimbus haben? Jaja, schon gut, ich kenne die Antwort ja…

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Power Creep, Literally

March 31, 2010

Ich habe Gatherer benutzt. Ermittelt habe ich für einige Blöcke bzw. zeitlich zusammen hängende Sets jeweils die Gesamtanzahl der Kreaturen, sowie die Gesamtanzahl der Kreaturen mit einer Power von 5 oder mehr, welche darin enthalten sind. Daraus habe ich dann jeweils einen “Fatty-Quotienten” gebildet. Ich liste diese Fatty-Quotienten hier in chronologischer Reihenfolge einfach einmal auf:

Beta: 11/92 12,0%
Early Sets* 41/341 12,0%
Ice Age Block** 23/263 8,7%
Mirage Block 29/307 9,4%
Tempest Block 15/301 4,9%
Urza Block 23/263 8,7%
Masques Block 25/305 8,2%
Invasion Block 25/291 8,6%
Odyssey Block 21/295 7,1%
Onslaught Block 44/388 11,3%
Mirrodin 33/268 12,3%
Kamigawa 35/352 9,9%
Ravnica 37/328 11,3%
Time Spiral Block*** 70/537 13,0%
Lorwyn Block 30/262 11,4%
Shadowmoor Block 36/274 13,1%
Alara Block 57/307 18,6%
Zendikar Block 24/186 12,9%

* “Early Sets” umfasst Arabian Nights, Antiquities, Legends, The Dark & Fallen Empires
** Dies ist der ursprüngliche Ice Age Block, welcher aus den zeitlich aufeinanderfolgenden Sets Ice Age, Homelands & Alliances bestand.
*** Ich habe das mit dem Time Spiral Block rotierende Coldsnap hier eingerechnet. (Es hat eh exakt den selben Fatty-Quotienten.)

Back to the roots and then some?

Coming up next: Rise of the Eldrazi.

Das meistunterschätzte Deck in Standard

March 28, 2010

The metagame is wide open…

You can chose between a number of interesting decks…

There is still room for innovation…

Fakten:

1. GP Kuala Lumpur 2010 (Standard)

Jund-Anteil in Tag 2: 45/108 (41,7%)
Jund-Anteil in den Top 8: 6/8 (75%)
Beste Jund-Platzierung: 2

2. GP Brüssel 2010 (Standard)

Jund-Anteil in Tag 2: 75/206 (36,4%)
Jund-Anteil in den Top 8: 5/8 (62,5%)
Beste Jund-Platzierung: 1

Analyse: Jund ist UNDERPLAYED. Wahrscheinlich, weil viele Spieler unterbewusst den Quatsch glauben, den die WotC-Propaganda-Abteilung von sich gibt. Vielleicht, weil sie ihn glauben WOLLEN.

Ein Hinweis: Man hört zuletzt immer öfter auch von guten Spielern, ihre Kreationen hätten ein gutes Matchup gegen Jund. In den meisten Fällen ist das FALSCH.  Diese Spieler haben ein gutes Matchup gegen durchschnittliche Jund-Spieler, weil sie gute Spieler sind. Würden sie sich vergleichbar intensiv auf das Jund-Mirror vorbereiten, hätten sie ein noch besseres Matchup gegen den durchschnittlichen Jund-Spieler.

Wenn das meistgespielte Deck zur Spitze des Feldes hin prozentual so deutlich zulegt, dann gibt es nichts zu diskutieren: Jund ist das neue Affinity; Jund ist Tier-0. Jede andere Einordnung bedeutet eine Unterschätzung.

Vilizid

February 22, 2010

PT San Diego ist zu Ende, und es hat mit Simon Görtzen tatsächlich mal wieder ein Deutscher gewonnen – wer hätte es gedacht? Irgendwie ist es ja schade, dass LSV nicht noch die letzten beiden für eine perfekte PT nötigen Siege holen konnte. Aber aus deutscher Sicht verlief San Diego auch insgesamt sehr erfreulich – zwei Spieler in den Top 8; acht in den Top 100 – so gut waren “wir” schon lange nicht mehr!

Dabei interessiere ich mich am meisten für die erfolgreichen Standard-Decklisten (naja, eigentlich interessiere ich mich nicht weniger für die erfolgreichen Draft-Decklisten, aber die kriegen wir ja nicht zu sehen.) Auffällig finde ich dabei, dass Jund sich, obwohl es sowohl den Löwenanteil am Gesamtfeld, als auch den an den erfolgreichsten Listen hält,  NICHT unter den besten 6 Listen (denen mit mehr als 24 Punkten) befindet, aber am Ende dann doch die Top 8 ungeschlagen (außer gegen sich selbst) dominiert hat! Jund: Die “Kunst”, zu topdecken bzw. zu topkaskadieren, wenn es darauf ankommt…

Da ich für eine fachkundige Analyse dieser Listen aus Turniermagic zu weit heraus bin, kümmere ich mich stattdessen heute wieder einmal um eine andere Statistik, nämlich um den Anteil der Rares und Mythic Rares in diesen Listen. Dabei habe ich mich aus Vernunftgründen (weil ich mich vielleicht doch zumindest 5 Minuten des Tages mit etwas anderem als Magic befassen will) auf diejenigen Listen mit mehr als 21 Punkten beschränkt. Das sind immer noch 19 Stück. 18 davon enthalten (mit Sideboard, natürlich) exakt 75 Karten, nur die von Viane 76. Ach ja, selbstverständlich habe ich den offensichtlichen Fehler bei Chen korrigiert, der an Stelle von zwei Mal vier Vampire Nocturnus gewiss  jeweils vier Mal diesen und Vampire Nighthawk gespielt hat.

Außerdem habe ich diesmal die in den Decklisten enthaltenen Basic Lands gezählt – einmal um festzustellen, wie hoch der Anteil dieser angeblich grundlegenden Ressourcen im aktuellen Standard-Metagame eigentlich ist; zum anderen, um den Anteil der seltenen Karten nicht auf die Gesamtgröße des Decks zu beziehen, sondern auf diejenigen Slots, die nicht mit Basic Lands besetzt wurden. Ich liste meine Ergebnisse einfach der Reihe nach auf: Die erste Zahl ist die Anzahl der Karten im Deck ohne Basic Lands; die zweite die Anzahl der Rares und Mythic Rares; und die Prozentzahl zeigt dann den sich daraus ergebenden Rare-Anteil an.

LSV 66/41/62%
Chen 60/22/37%
Ross 66/40/61%
Senyuz 68/48/71%
Vidugiris 66/51/77%
Chapin 68/27/40%
Elfgren 67/28/42%
Ford 65/24/37%
Kanis 62/27/44%
King 67/28/42%
Malin 59/34/58%
H. Nakamura 65/24/37%
Nassif 67/28/42%
Shiraishi 65/22/34%
Wescoe 63/29/46%
Batarseh 60/20/33%
Boggemes 66/26/39%
Noorlander 66/28/42%
Viane 67/29/43%

(Erstaunlicherweise sind gerade unsere beiden Top-8-Helden nicht vertreten! Ansonsten fehlt von den Top-8-Teilnehmern nur noch der Japaner Ikawa.)

Von den insgesamt 1426 Karten in diesen Decks sind also 193 Basic Lands (Nassif hat übrigens eines im Sideboard), das macht knapp 14%, etwas mehr als 10 pro Deck. Immerhin! Es bleiben 1233 weitere Karten, von denen 576 Rare/Mythic sind, für einen Gesamtanteil von 47%.

Ist das viel? Ja, das IST viel! Um einordnen zu können, WIE viel, habe ich Gatherer bemüht und alle standardlegalen Karten nach ihrer Häufigkeit geordnet aufgelistet. (Gatherer hat zwar seine Schwierigkeiten damit, Häufigkeiten auf einzelne Sets oder Formate bezogen korrekt darzustellen, aber in dieser Ansicht kann man das rasch herausfinden und gegebenenfalls nachkorrigieren. In diesem Fall sind lediglich Drudge Skeletons falsch eingeordnet, die in Standard nur als Uncommon vorliegen.) Abzüglich der Basic Lands sind in Standard also derzeit 1113 verschiedene Karten (natürlich darf man Cancel nicht dreifach zählen und so) legal: 475 Commons, 299 Uncommons, 264 Rares und 75 Mythic Rares.

Der Anteil der Rares und Mythic Rares am Gesamtkartenpool beträgt demnach (264+75)/1113, was ca. 30% sind. In den obigen Listen ist dieser Anteil jedoch um mehr als die Hälfte höher! Es besteht also weiterhin ein massives Ungleichgewicht, was die Aufteilung von Spielstärke auf die unterschiedlichen Häufigkeiten anbetrifft.

Vor allem aber will ich Euch eine zentrale Erkenntnis vermitteln: ES GIBT KEIN BUDGET-DECK IM STANDARD! Nicht eine einzige der obigen Listen besitzt einen Rare-Anteil unterhalb des Rare-Anteils am Gesamtkartenpool; sie ALLE spielen überproportional viele Rares! Sicher sind zum Beispiel Vampire im Vergleich weit billiger als die Luxuskarossen Bant oder Naya, aber ein echtes Budget-Deck zeichnet sich dadurch aus, dass es überproportionalen Gebrauch von häufigeren Karten macht – nicht umgekehrt! Wizards haben das Konzept des Budget-Decks erfolgreich abgeschafft.

(Und jetzt versteht Ihr auch die Überschrift dieses Blogeintrags, nicht wahr?)