Posted tagged ‘Umfrage’

Ungelesenes

March 16, 2011

Ich denke mal, Ihr wisst alle, dass dies hier nicht mein einziges Blog ist.

…oder?

Ihr kennt doch alle Ein Platz für Andi?

Wisst Ihr, mir ist schon klar, dass Ihr hierher gefunden habt, weil Ihr Euch für Magic interessiert. Andererseits hätte ich schon angenommen, dass dieses uns gemeinsame Interesse ein Indikator dafür wäre, dass viele von Euch auch andere Interessen mit mir teilen. So ist das jedenfalls in meinem Bekanntenkreis – aber natürlich ist der als Stichprobe nicht repräsentativ, weil er nun einmal mein Bekanntenkreis ist…

Mir geht es heute in erster Linie um meinen Fantasy-Fortsetzungsroman Die Anstalt von Arkheim, der unterdessen bereits seit einem Vierteljahr mit durchschnittlich ungefähr zwei Fortsetzungen pro Woche in Internet-Aufmerksamkeitsspannen-gerechten Häppchen erscheint: Warum lest Ihr den eigentlich nicht? DASS Ihr ihn nicht lest, kann ich aus den WordPress-Statistiken ohne größere Mühe herleiten – der eine oder andere hat vielleicht von hier dorthin gefunden, aber das ist eher ein Tröpfeln als ein Rinnsal – aber WARUM eigentlich nicht? Die Frage interessiert mich, und deswegen gebe ich sie jetzt an Euch weiter:

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Alles klar

February 25, 2011

Aus aktuellem Anlass poste ich an dieser Stelle meine aktuelle Suchliste:

[        ]


Ja, es ist tatsächlich nach über 16 Jahren zum ersten Mal in meiner Magicspielerzeit so weit: Meine Suchliste ist leer!

Natürlich liegt das maßgeblich daran, dass ich meine Wünsche deutlich zurückgefahren habe. Ausgehend von der “ich muss alle Karten vier mal haben, möglichst sogar noch öfter, damit ich mehrere Decks bauen kann”-Phase bin ich über die “ich will jedes denkbare Turnierdeck bauen können”-Phase und die “ich will alle Decks, die mir im Casual Spaß machen, bauen können”-Phase schließlich zu der “ich will alle für meinen eigenen Limited-Pool interessanten Karten einmal haben”-Phase gelangt, und nachdem ich auf MKM hier in den letzten Tagen die letzten Lücken geschlossen habe, bin ich ENDLICH am Ziel und wunschlos glücklich!

Ein merkwürdiges Gefühl. Von nun an werde ich mir nur noch von den jeweils neu erscheinenden Sets einige Karten zulegen müssen, und das wird nicht allzu schwierig oder kostspielig sein, weil ich nur äußerst selten teure Mythics oder brokene Turnierrares benötige – die laut MKM teuersten Karten in meinem Pool sind Meng Huo, Barbarian King; Sea Drake; Goblin Settler; Dong Zhou, the Tyrant und Singing Tree, die alle Near Mint für unter 20€ zu haben sind. Alles weitere bleibt im einstelligen Bereich, und die einzigen echten Mythics (also solche, die nur als Mythics erhältlich sind) sind All is Dust; Godsire; Hellkite Overlord; Jenara, Asura of War; Kargan Dragonlord; Kresh the Bloodbraided; Lotus Cobra; Maelstrom Archangel, Maelstrom Nexus; Nirkana Revenant; Praetor’s Counsel; Quicksilver Gargantuan; Rafiq of the Many; Sedris, the Traitor King; Sharuum the Hegemon; Sphinx Sovereign; Transcendent Master; Uril, the Miststalker und Vampire Nocturnus – alle zusammen deutlich unter einem einzigen Jace, the Mind Sculptor. So ist Magic als Hobby für mich finanziell vertretbar!

Nun aber zur Umwertung meiner jüngsten Ausfragen (das hatte ich spontan so getippt, und jetzt lasse ich es einfach mal stehen !):

Wie ich in den Kommentaren schon anmerkte – ich bin offensichtlich verdammt überzeugend! Über ein Drittel der Abstimmenden sind auf Grund meiner Argumentation zu der Überzeugung gelangt, dass das nächste Set Mirrodin Pure heißen wird! Damit wurde New Phyrexia vom klaren Favoriten plötzlich zum Underdog mit lediglich 42%.

Noch aufschlussreicher allerdings ist die Frage nach Euren Wünschen: Hier liegen die Guten mit 56% überraschenderweise sogar vorn! Das Argument “Es wird New Phyrexia werden, weil die Leute das wollen”, ist damit natürlich enorm geschwächt.

Aber natürlich hat diese Umfrage Schwächen. Wie viele Abstimmende haben wirklich auf den Unterschied zwischen den beiden Mirrodin Pure Antworten der ersten Frage geachtet? Wie viele haben ihre Preäferenz möglicherweise von meiner Argumentation abhängig gemacht?

Aufgefallen ist mir übrigens, dass diejenigen, die ihre Stimmen abgegeben hatten, bevor meine Umfrage auf Planet MTG verlinkt wurde, sich bei beiden Fragen noch viel stärker gegen New Phyrexia ausgesprochen hatten (und sich auch noch einmal stärker von mir hatten überzeugen lassen). Es gibt also einen erkennbaren Unterschied im Meinungsprofil meiner Stammleserschaft  und dem meiner Gelegenheitsbesucher (ein Phänomen, welches ich auch schon bei früheren Umfragen bemerkt hatte), das die Repräsentanz dieser Umfrage natürlich fraglich macht.

Jedenfalls bleibe ich dabei: Mirrodin Pure wird siegen, und das pro-phyrexianische Stimmungsbild, welches zur Zeit massiv erzeugt wird, dient dazu, die Spannung aufrechtzuerhalten und die (möglicherweise tatsächlich in der Minderheit befindlichen) Phyrexia-Fans zu trösten.

Mirrodin will endure!

…but Phyrexia will be back.

So viel ist klar!

Mirrodin Pure

February 19, 2011

Vielleicht erinnert sich ja der eine oder andere meiner Leser daran, dass ich damals vorhergesagt hatte, dass Zendikar Enemy Fetchlands enthalten würde, und etwas später hatte ich sogar die Treasure-Karten prophezeit.

Jetzt habe ich wieder einmal Lust, mich als Prophet zu betätigen! Allerdings ein Wort der Warnung voraus (nicht dass wieder jemand auf die Idee kommt, alles auf meine Vorhersage zu verwetten, um sich sein Studium zu finanzieren): Im Gegensatz zu den vorigen Fällen habe ich diesmal keine konkreten Anhaltspunkte. Damals gab es Indizien, die meiner Meinung nach bei eingehender, objektiven Betrachtung keinen anderen Schluss zuließen (auch wenn das der größte Teil des Restes der Welt anders sah). Diesmal ist es eher eine Art Bauchgefühl, wenn auch ein einigermaßen eindringliches und beharrliches:

Das nächste Set wird Mirrodin Pure heißen!

Wie ich darauf komme, wo doch zur Zeit alle Anzeichen dagegen zu sprechen scheinen? Nun, wie gesagt, ich habe keinerlei konkreten Belege dafür – aber New Phyrexia PASST EINFACH NICHT. Schon aus ästhetischen Gründen. Was wäre das für ein Block: Scars of Mirrodin – Mirrodin Besieged – New Phyrexia?

Es verletzt die “Rule of Three” (oder jedenfalls eine Variante davon, denn die von MaRo häufig zitierte bezieht sich ja eigentlich auf etwas anderes). Urza’s Saga, Urza’s Legacy, Urza’s Destiny – passt. Champions of Kamigawa, Betrayers of Kamigawa, Saviors of Kamigawa – ja.

Scars of Mirrodin – Mirrodin Besieged – Mirrodin Pure.

So klingt es richtig!

Außerdem: Wie kann man eine vom Bösen beherrschte Welt als Setting benutzen?  Klar, Rath war auch größtenteils unter Volraths Herrschaft, und Zendikar wurde von den Eldrazi mächtig hergenommen. Aber das ist nicht das Gleiche. Wie soll ich mir das vorstellen, wenn in fünf Jahren ein Neuspieler fragt: “Was ist New Phyrexia” für ein Set?” “Oh, das ist die neue Heimatwelt des schlimmsten Feindes im Magic-Multiversum…”

Nein, das STIMMT einfach nicht. Genau so wenig, wie man ein Quellenbuch für eine Rollenspiel-Kampagne in Mordor ansiedeln würde, kann man ein Magic-Set mit 175 Karten in eine Welt setzen, die den entscheidenden Kampf gegen das ultimative Böse bereits verloren hat.

Hoffe ich. Glaube ich. Sagt mein Bauch jedenfalls.

Lest Ihr regelmäßig Maros Kolumne? Er verbindet darin immer wieder seine schreiberische Ausbildung mit Magic-Design. Dann kennt Ihr bestimmt auch das Prinzip der drei Akte? Setup, Konflikt, Lösung. Es ist wohl offensichtlich, dass der aktuelle Block genau diesem Schema folgt.

Aber diese klassische Struktur besitzt noch einige Details mehr. Eines der wichtigsten davon ist DIE ÜBERRASCHENDE WENDUNG im dritten Akt! Das ist schlicht gutes erzählerisches Handwerk. Wenn der dritte Akt nur die Handlung abwickelt, die sich im zweiten bereits abgezeichnet hat, dann ist er langweilig, ja geradezu überflüssig.

Und ja, zur Zeit deutet alles auf den Sieg der Phyrexianer hin. Das Setup. Die Mechaniken (Lifegain und Battle Cry sind ja SO BESCHEUERT als Antwort auf Infect…). Die Preview-Karten. Die unbestätigten Gerüchte.

Ich kann nur vermuten, dass dies Absicht ist; dass damit die überraschende Wendung vorbereitet wird. Wenn der Krieg so weiter geht wie bisher und Phyrexia einfach gewinnt, dann ist das vorhersagbar, langweilig und antiklimaktisch. Und mit MaRo als Head Designer kann ich mir nicht vorstellen, dass dieser Block eine vorhersagbare, langweilige, antklimaktische Storyline besitzt. Das müsste ihm zutiefst widerstreben.

Allerdings wäre ein simpler, wenn auch überraschender mirranischer Sieg kaum weniger antiklimaktisch, und weniger vorhersagbar lediglich auf Kosten von Unerklärlichkeit. Nein, da muss noch etwas passieren: Da fehlt die dramatische Wendung!

Ich spekuliere einmal: Wir haben zwei einigermaßen subtile Hinweise auf die Schwächen der Phyrexianer auf Mirrodin. Einer ist die Tatsache, dass Karn noch nicht vollständig korrumpiert ist. Die andere ist der Umstand, dass das einheitliche Phyrexia sich plötzlich in verschiedene, den fünf Farben in Magic entsprechende Fraktionen aufteilt.

Dass wohl alle fünf Prätoren im nächsten Set als Karten enthalten sein werden, sehen die meisten ja als endgültigen Beleg dafür, dass Phyrexia gewinnen müsste. Ich sehe es aber genau umgekehrt! Wir wissen, dass auch dieses Set wieder Karten beider Fraktionen erhalten wird. DAS ist der Konflikt des Blocks, nicht die Verteilungskämpfe fünfer siegreicher phyrexianischer Prätoren! Hier liegt stattdessen eine Schwäche, welche die Mirraner ausnutzen können. Ihr Sieg würde kein rein militärischer sein, oh nein, er würde auf Diplomatie/Intrigen beruhen, um die Prätoren gegeneinander auszuspielen und vermutlich damit zusammenhängen, dass Karn sich wieder auf sich selbst besinnt und den Krieg irgendwie entscheidet.

Wisst Ihr, was einer der Hauptgründe ist, dass die Star-Wars-Trilogie so großartig ist? Weil ihre Erzähler hier etwas Grundlegendes richtig gemacht haben, und zwar nicht nur den Sieg der unterlegen erscheinenden Rebellen gegen das übermächtig erscheinende Imperium, sondern vor allem, dass die eigentliche Entscheidung nicht in der Raumschlacht um den Todesstern fiel, und auch nicht in der Schlacht um Endor, sondern im Duell zwischen Luke Skywalker und seinem Vater Darth Vader – oder, genau genommen: Weil sie im Kopf von Anakin Skywalker stattfand! Weil dieser für das gesamte Universum entscheidende Krieg letztlich vom Gewissen dieses Mannes ausgefochten wurde. DAS macht eine gute Geschichte aus: Nicht in erster Linie der Gigantismus und die Spezialeffekte (auch wenn die natürlich die Sahne obendrauf sind), sondern die Entscheidungen, die Menschen (menschenähnliche Wesen etc…) in schwierigen Situationen treffen.

MaRo weiß, wie man gute Geschichten erzählt. Er bezieht sich nicht ohne Grund immer wieder auf Star Wars oder auf Buffy. Und davon abgesehen wissen Wizards gewiss auch, wo sie klauen können und müssen. Der innere Konflikt Anakin Skywalkers ist offensichtlich Vorbild für den inneren Konflikt Karns gewesen. HIER wird die Entscheidung fallen!

Und egal, was Magic-spielende Wohlstandskiddies für cool halten: Star Wars wäre NICHT cool, wenn das Imperium gewonnen hätte. Auch New Phyrexia wäre nicht cool. Es wäre lahm und peinlich. Bösewichter sind cool, aber sie sind dazu da, dass Helden sie besiegen.

Mirrodin will endure.

(Achtung: Es folgen zwei leicht unterschiedliche Umfragen – bitte genau hinlesen!)

Nachtrag: Jaja, ich habe die Option “mir doch egal” bei der ersten Frage vergessen. Dann halt einfach bei dieser Frage nicht abstimmen, okay?

Feinabstimmung bei der Auswahl für Limited-Pools (& Auswertung meiner jüngsten Umfrage)

February 12, 2011

An den Top 8 der PT Paris finde ich folgende Kennzahlen bemerkenswert: “Nur” 19 Jace, the Mind Sculptor, aber 22 Stoneforge Mystic – und vor allem 28 Squadron Hawk! Wenn Counterspell früher solche Zahlen erreicht hatte, war das Geschrei groß gewesen, aber hier wird wohl niemand jammern, dass die Vögel zu stark seien… Beinahe noch denkwürdiger jedoch finde ich die Tatsache, dass Lightning Bolt in den beiden Decks, die ihn verwenden, nur ein 3-of bzw. sogar nur ein 2-of ist!

Das soll aber heute nicht mein Thema sein: Ihr erinnert Euch doch gewiss noch an meinen Artikel zu selbstgemachten Limited-Umgebungen? Nachdem ich nun unterdessen den größten Teil meiner Kartensammlung losgeworden bin, besitze ich (abgesehen von ein paar verstreuten Karten, die auf verschiedenen Wegen bereits wieder den Weg zu mir gefunden haben – das geht ja so schnell!) nur noch meinen Limited-Pool, also diejenigen Karten, aus denen ich meine Limited-Umgebungen bastle. Dabei sind mir ein paar Entscheidungen aufgefallen, die ich bei der Zusammenstellung getroffen habe, deren Zustandekommen ich für ganz interessant halte:

Goblin Raider oder Goblin Brigand?

Hulking Ogre oder Bloodrock Cyclops?

Iron-Barb Hellion oder Flameborn Hellion?

Diese Kreaturen unterscheiden sich jeweils genau dadurch, dass die eine nicht blocken kann, während die andere immer angreifen muss (okay, und einmal durch ihre irrelevante Kreaturentypen). Oh, und die letztere Variante ist immer die “moderne”. Das hängt mit dem Color Pie zusammen, wie MaRo immer mal wieder gerne erklärt: “can’t block” ist eher eine schwarze Fähigkeit, “must attack” eine rote. Die vom Flavor geleitete dahinter stehende Philosophie kann ich ja nachvollziehen (zumindest was Rot anbetrifft – ich begreife noch nicht so ganz, wieso sich schwarze Kreaturen nur dann für mich in den Kampf stürzen, wenn ich nicht in der Nähe bin), und Schwarz und Rot auf diese Weise voneinander abzusetzen, halte ich auch durchaus für sinnvoll (da war ich auch schon einmal von alleine darauf gekommen, noch bevor ich es bei MaRo gelesen hatte).

Wenn ich mir allerdings meinen Limited-Pool zusammenstelle, so tue ich dies ausschließlich unter Game-Play-Gesichtspunkten. Sicher ist mir wichtig, dass sich unterschiedliche Farben unterschiedlich spielen – das ist gerade im Draft ein sehr wichtiger Punkt – aber die dahinter stehende Farbphilosophie im Detail interessiert mich hier nicht.

Was meint Ihr, wie ich mich deswegen hier jeweils entschieden habe (und ja, ich HABE mich entschieden; die Karten sind sich wirklich ähnlich genug, dass ich nicht beide behalten will)?

Die Antwort:

Für Goblin Raider, Bloodrock Cyclops und Iron-Barb Hellion.

…aber ist das nicht inkonsequent? (Achtung, eine rhetorische Frage im Anflug, macht Eure Verneinungen bereit!) Nein, ist es nicht. Die “richtige” Lösung hängt nämlich von der jeweiligen Karte ab.

Goblin Brigand ist im Limited praktisch unspielbar. 2/2 für 2 ist wirklich nicht spektakulär genug, dass man dafür einen substanziellen Nachteil in Kauf zu nehmen bereit wäre, und während “can’t block” als Nachteil weniger ins Gewicht fällt, weil man diese Karte eh nur in aggressiven Strategien spielen will, ist der Zwang, sie in ungünstigen Situationen blind in ihr Verderben rennen zu lassen, ein Riesenproblem. Mit einem Goblin Raider kann man auch einmal die eine oder andere Runde warten, bis man Wave of Indifference oder Threaten gezogen oder einfach genügend Kreaturen akkumuliert hat, um einen Alpha Strike durchzuführen. Goblin Brigand hingegen stirbt zwischendurch einfach einen sinnlosen Tod. Ein Limited-Environment, das dermaßen schnell ist, dass der Brigand eine sinnvolle Deckbauoption darstellt, ist vermutlich bereits ZU schnell, um spaßig zu sein – Triple-Zendikar zum Beispiel befand sich gerade am Rand dessen, wie schnell eine Umgebung sein sollte, um noch Spaß zu machen, und auch wenn der Brigand hier wohl einsetzbar gewesen wäre, hätte er selbst dann keinen Spaß gebracht, sondern wäre ein zähneknirschendes Zugeständnis an das wahnwitzige Tempo dieser Umgebung gewesen – eine Karte, die ihren Zweck meistens erfüllt, einen aber auch immer wieder ob ihrer Sinnlosigkeit frustriert. Ich habe übrigens auch Hedron Scrabbler nicht in meinem Pool, obwohl ich diese von vielen zu Unrecht verschmähte kleine Kreatur damals in beinahe jedem Draftddeck gezockt hatte, aus ähnlichen Gründen – aber der Brigand ist noch viel extremer.

Bei Goblin Raider hingegen weiß ich, was ich habe. Er kann nicht blocken, okay, aber ich spiele ihn halt nur in Decks, in denen ich eh verliere, wenn ich mit meinen 2-Drops blocken muss, und er macht sich nicht selbständig und lässt mich im Stich, wenn ich ihn mir als Angreifer für den richtigen Moment aufheben will. Alles Color-Pie-Gelaber von MaRo ändert nichts daran: Der Brigand ist frustrierend schlecht, während der Raider als generischer roter Weenie in beinahe jeder Limited-Umgebung einen sinnvollen Zweck erfüllt. Game Play > Flavor; auf jeden Fall bei mir.

Wieso dann aber Bloodrock Cyclops statt Hulking Ogre? Ganz einfach: Weil 3/3 für 3 im Limited GUT ist! Auch hier gilt, dass der Ogre alles in allem die bessere Karte ist, aber ich will ja nicht unbedingt die bessere Karte in meinen Pool stecken, sondern die spaßigere. Ebenso wie beim Goblin Raider gilt hier für beide Kandidaten, dass ihre Inklusion eine Deckbauentscheidung ist, die davon abhängt, wie aggressiv ich agieren will, aber im Unterschied zum Brigand ist der Cyclops in einem aggressiven Deck trotz seines Nachteils sehr nützlich. Sicher, manchmal verkalkuliert man sich mit ihm, wo ein Ogre umproblematisch gewesen wäre, aber hier kommt eben der Player Skill ins Spiel (haha)! Goblin Brigand bestraft einen fast immer, wenn man ihn ins Deck steckt und belohnt einen nie wirklich, aber der Cyclops bestraft einen, wenn man sein Deck nicht konsequent genug auf die Offensive ausgerechnet hat, belohnt einen aber auch, WENN man es getan hat. Das macht ihn zu einer guten Limited-Karte. (Entsprechendes gilt übrigens auch für Tattermunge Maniac, da 2/1 für 1 einfach um Größenordnungen bsser ist als 2/2 für 2.)

…aber wieso dann wieder Iron-Barb Hellion über Flameborn Hellion? Ganz einfach: Weil es hier plötzlich umgekehrt ist! Ein 5/4er ist groß genug, dass er fast nie sinnlos in sein Verderben rennt – man spielt ihn, weil er GROSS ist, und wenn man ihn nicht ins Deck tut, dann eher wegen seiner hohen Manakosten, als weil man sich Sorgen machte, dass sein Nachteil problematisch wird. Ungefähr so, wie der Brigand einen nie wirklich belohnt, wenn man ihn spielt, bestraft einen der Flameborn selten. Wenn jedoch diese Herausforderung an den Deckbauer wegfällt, einschätzen zu müssen, ob man mit seinem Nachteil klarkommt, dann besitzt “must attack” für mich keinen Wert, wohl aber einen Spielspaß-Nachteil: Im Zweifelsfall ist eine Karte, die ihren eigenen Willen hat (und bei der man auch noch ständig aktiv darauf achten muss, dass sie ihn auch bekommt), eher lästig – man will als Spieler seine Karten spielen und nicht umgekehrt von ihnen gespielt werden.

Der Nachteil des Iron-Barb hingegen liest sich weniger als eine Anweisung, der man ständig folgen muss und lässt sich auch nicht so leicht vergessen: Man merkt eben doch eher, wenn man etwas tun will, was man nicht darf, als wenn man etwas vergisst, was man tun soll. Außerdem ist der Nachteil des Iron-Barb in der Praxis relevanter, weil man mit dem Flameborn immerhin noch eine Runde blocken kann, wenn man möchte – wenn man sich verkalkuliert hat und sich in der Defensive befindet, heißt das, und das sind doch genau die Fälle, in denen einen der Hellion bestrafen sollte!

Zusammengefasst: In den meisten Fällen ist “can’t block” eleganter und spielt sich besser als “must attack”, aber es gibt eine Art “sweet spot” bei der Manaeffizienz, wo der eigene Wille der Kreatur den Skill beim Deckbau erhöht. Tattermunge Maniac und Bloodrock Cyclops befinden sich in diesem “sweet spot”, Goblin Brigand und Iron-Barb-Hellion nicht.

So, nun zur Auswertung meiner jüngsten Umfrage: Mir fällt gerade auf, wie praktisch doch ein kleines Grafikprogramm wäre, welches aus einer solchen simplen Statistik ein einfaches Stabdiagramm macht, aber so etwas habe ich wohl nicht… Na schön, ich werde improvisieren:

1993/94: ####
1994/95: ############
1995/96: ###############
1996/97: ##########
1997/98: #####
1998/99: ########
1999/00: #######
2000/01: ######
2001/02: ####
2002/03: ########
2003/04: #########
2004/05: ####
2005/06: ##
2006/07: #
2007/08: ##
2008/09: ##
2009/10: #
2010/11:

Dabei steht jedes Zäunchen für 1 Prozent. Ich habe natürlich gerundet – die genauen Zahlen seht Ihr ja, wenn Ihr das obige Link zu der Umfrage anklickt. Für das Scars-Jahr ist die Anzahl auch tatsächlich genau Null. Insgesamt waren es 408 Teilnehmer bei dieser Unfrage – das ist absoluter Rekord! (Ich hatte ein einziges Mal mit 432 mehr Stimmen bei einer Umfrage, aber da war auch mehrfaches Ankreuzen möglich gewesen…) Ich muss mir wohl zur Zeit keine Sorgen darüber machen, zu wenige Leser auf Zeromagic zu haben.

Tja, was kann man daraus ablesen? Zunächst einmal: Ich schreibe hier wohl hauptsächlich für erwachsene Menschen, keine Teens, und zum großen Teil wohl auch nicht einmal mehr für Twens! Über die Hälfte meiner Leser ist seit 12 Jahren oder länger dabei, und beinahe ein Drittel seit 15 Jahren oder mehr – Leute, wir sind alt…

Auffällig finde ich übrigens den Peak ausgerechnet im Jahr des Ice-Age-Blocks. Ich rate hier einfach einmal, dass der Grund dafür darin zu suchen ist, dass ungefähr zu dieser Zeit deutsche Magic-Karten auf den Markt kamen.

Den kleinen Einbruch bei Tempest hingegen kann ich mir nur mit Varianz erklären.

Das erneute Hoch bei Onslaught und Mirrodin fällt auf jeden Fall mit der Zeit zusammen, in der die Turnierszene boomte – wenn ich mich recht erinnere, waren damals gerade FNMs eingeführt worden.

Und danach geht es abwärts! …aber wieso eigentlich? Ich weiß nicht mehr genau, welche durchschnittliche Verweildauer Wizards für Magic ermittelt hatten (die hatten sie in irgendeinem Artikel einmal veröffentlicht), aber ich bin mir recht sicher, sie war nicht länger als die Zeit, die seit dem Mirrodin-Block vergangen ist. Ich kann daraus nur den Schluss ziehen, dass jüngere bzw. neuere Magic-Spieler ein paar Jahre brauchen, bis sie ihren Weg zu meinem Blog finden… oder dass die Abstimmenden sich absichtlich älter gemacht haben, als sie sind… oder, dass jüngere Spieler keine Zeit/Lust haben, mein Blog zu lesen …oder, dass sie zu faul/beschäftigt/cool sind, an so einer Umfrage teilzunehmen… okay, ich weiß ehrlich nicht gesagt, welchen Schluss ich daraus ziehen soll! (Am besten mache ich einfach eine Umfrage “Warum nehmt Ihr an meinen Umfragen nicht Teil?”)

Jedenfalls bin ich überzeugt, dass die obige Verteilung nicht typisch für die Magicspielerschaft ist. Aber wieso ist das so? Eine provokante Interpretation habe ich noch: Ich habe schon einmal versucht zu beschreiben, dass und wie sich die Magic-Szene in den letzten Jahren verändert hat. Ist es denkbar, dass ich die jüngeren Magicspielergenerationen mit meinen langen Einträgen, vollständigen Sätzen und komplexen Gedankengängen schlicht überfordere? Wenn ich einen typischen Thread im P-Forum verfolge, erhärtet sich dieser Verdacht durchaus…